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Nr. 180 Erster Blatt

178. Jahrgang

Donnerstag, 2. August (928

rüglich,anher ScnRtogs awfc Jtirtlag* Beilagen;

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Reichsmark onb 20 ietchspfeuntg ffir Träge» ahn, auch bei Richter» scheinen elnjelnerHummerw infolge höherer (Bete alt Fernsprechanschlüsf,: 51, 54 nnb 112.

Anschrift für Drahtriach eichten Anzeiger Gieße».

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Chefredakteur

Dr. Frrcdr. Wich. Lange, verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wtih Lange für Feuilleton Dr H.THrznot, für ben übrigen Teil tfrnft Blnmschein: für ben An» zeigenteil Nvrt nillmann, sämtlich in (Rieben.

Die Wiederherstellung der Betriebssicherheit aus der Reichsbahn.

Eine parlamentarische Besprechung der letzten Eisenbahnkatastrophen.Die bayrischen Reservatrechte. Endlich «ine Reform in Aussicht gestellt.

Notwendige Folgerungen.

Tie bayrische Londerstcllung.

Don unserer 'Berliner Redaktion.

Berlin, 2. Bug.

Der Genera Idireltor der Reichsbahn hatte ge­rade vor der Oeffentlichkeit Erklärungen abgege­ben. um .n bezug auf die sich häufenden öifen- ba6nunglüxftfäl(e beruhigend zu wirken, alt schon wieder die Meldung von einem furchtbaren Eisen­bahnunglück eintrifft. Diesmal wird man eS nun nicht mehr mit der Parallelität der Ereignisse abtun können. Die Tatsache, dah in so kurzer Zeit so furchtbar schwere SifenbahnunglückSfälle stattsinden konnten, zwingt doch mit Rvlwendigkeil zu der Erkeimtnis. dah hier Systernfehler vorliegen müssen. Personalfehler sind je­desmal festgestellt worden. Materialfehler muhten bei dem letzten Unglück auch zugegeben werden, insofern, als die D>agentypen viel zu alt und nicht mehr gebrauchsfähig waren. Dabei hört man, dah jetzt überall an den Strecken ge­baut wird, so dah das System der Slreckenverwal- tunfl mit dem der Bauten nicht übrreinstimmen kann. Kurzum, eine ganze Menge von Zehler- qucllen, die ohne Frage ab gestellt werden können, die aber auch unve^üglich abgestellt werden müssen, soll nicht daS deutsche ReichS- eisenbahnwefen überhaupt m Tkrnif kommen

3u diesem Zwecke hat also gestern die vom Reichsoertehrsminister einberufene Konferenz slaitaefunden. Alle Parteien waren vertreten. Nur die Fraktion der Bayerischen Doikspartei batte es oorgezogen, keinen Vertreter zu entsen­den, obwohl doch gerade ein großes Teil der Fehler­quellen auf der einem einheitlichen Verkehrswesen in teber Beziehung nur hinderlichen Separat- stetkung Bayern* beruhi. Man kann es ledensalls nicht begreifen, daß die Vertreter der Bayerischen Dolkspart-i dieser Sitzung fernblieben unb kann es nur so deuten, daß sic bewußt an ihr nicht teilgenommen haben, weil sie das baye­rische System, dessen Unhaltbarkeit ja nun­mehr xur (Bcnügc bewiesen ist. überhaupt nicht rechtfertigen konnten. Dodptoie dem auch sei, es handelt sich jetzt nicht darum, Cinzrtfällc zu kritisieren, sondern darum, nunmehr gründlich mit den Fehlerquellen a u f z u r a u m e n. Die Reichs- bahn, die noch vor kurzer Zeit Pie Tarife erhöhen wollte, wird wohl jetzt schwerlich dafür Sympathie finden. Diese nr.iib hat auch jetzt nicht im vorder gründ zu stehen. Das Reparationsproblem spielt im Zusammenhang mit der Unglücksserie auch keine so hervorragende Rolle, wie immer behauptet wird. Jedenfalls mußte Dr. Dorpmüller zugeben, daß der Reparationsagent jederzeit und in vollem Umfange die notwendigen Mittel für die Er­haltung des deutschen Eifeiibahnwesens aner­kannt hat. Auf diesem Gebiete liegen auch gar nicht die Probleme, die im Zusammenhang mit der Untersuchung der Reichsbahnsicherheit behandelt werden sollen Was aufgegrifseii werden muß, was reformiert werden muß, das ist eben dn s ge- (amte Eysiem

Da muß man in Bayern ansangen. die Separatstellung Bayerns m der Reichsbahnver- wallung aufzuhedcii. Sie läßt sich nach keiner Richtung hin rechtfertigen, zumal keines der übrigen deutschen Länder auch nur im geringsten eine ähnliche überflüssige Sonderstellung seiner- Aeit zugebittigt bekam. Der Derkchr ist Reich«- fache, nicht aus unitaristischen Gründen, sondern um seiner selbst willen. Hier eine be­sondere Rolle spielen zu wollen, bedeutet ge­radezu eine Sabotage gegen daS Verkehrswesen. Während fast im ganzen Reich nach einheii- lichen Dorschrlsien gearbeitet wird, die sich in der Hauptsache mit den bewährten prezchischcn Dienstordnungen decken, gelten in Bayern noch immer veraltete Richtlinien, die zudem nicht alle erforderlichen Merkmale zu tragen scheinen, wie das notwendig ist. um daS Derantwortlichkeits- gefübl des cm seinen zu heben Die ReichSbahn- youptverwa.tung hat sich mit diesem Aus-der- Reihe-tanzen der V-ayern abfinden müssen, da nach dem ilebergang des bayerischen Bahn­betriebes auf das Reich Bayern hd> eine weit­gehende Selbständigkeit zu sichern wußte, die in der Praris ein Hmeinreden der Zentrale in bayerische Eisen bahnangelegen betten bernafre unmöglich macht. ES wird jeder zu­geben müssen, daß das ein unhaltbarer Zustand ist. der nicht länger geduldet werden kann. Soll ein Verkehrsbetrieb (eine Aufgaben erfüllen, dann müssen sämtliche Dienstvorschriften genau übereinst immen und so abgefaht sein, daß gegen Fahrlässigkeiten im Betrieb aus- reichende Garantien gegeben sind.

Jedoch noch ein anderes. 3m allgemeinen ist bei der Reichsbahn die S ch i ob t ö a u e r für die Beamten so geregelt, daß zwilchen zwei Schichten eine ausreichende Ruhepause liegt. 3n Bayern wird jedoch die Dienstzeit wie früher ge- handhab»: man erledigt mit kurzen Unterbrechun- gen mehrere Schichten hintereinander, so daß dann die Freizeiten zu zwei bis drei Ruhetagen zusammengezogen werden. Das ist ebenfalls auf die Dauer nicht zu vertreten. Auch hier erscheint es notwendig, mit den bayerischen Reservaten auszuräumen und die Dienstzeit einheitlich

S regeln, und zwar so. daß sowohl dem Ruhe- dürsnis des Personal«, wie auch der Sicher­heit des Verkehr« vollauf Rechnung getragen wird. Mir wissen nicht, wieweit die Sonderstel­lung Bayern« geht. VZcnn man aber hört, daß es kürzlich erst gelungen ist. Bayern zu veran­lassen. die allgemein üblichen Oberbauvorschriften anzuerkennen, bann wird es wohl noch mancher­lei Rechte sein eigen nennen, von denen wir nicht« ahnen, die aber ohne Unterschied endlich zugmiften einer einheitlichen und straffen Der-

waltung verschwinden müssen. ES liegt nicht zuletzt im Interesse Bayern« selbst, wenn es schleunigst seiner Bereitwilligkeit Aus- druck verleiht, zugunsten der Betriebssicherheit sich widerspruchslo« der zentralen Leitung unter- zuordncn. Sonst wird es erleben müssen, ßda beim nächsten Unfall, sofern er sich wieder mit den Fehlern des System« in Zusammenhang bringen läßt, der für Bayern so wichtige und einträgliche Fremdenverkehr empfindlich nachläßt.

HöchsteBeinebssicherheiiohneMcksicht auf die Kosten".

Beschlüsse des parlamentarischen Ausschusses.

Berlin, 1. Aua. (WTB.) Anläßlich der letzten Eifenbahnunsälle, die insbesondere das süddeutsche Netz der deutschen Reichsbahn betroffen haben, fand heute unter Vorsi» des Reichsoerkehrsminifters o. Gusrard und unter Beteiligung des General- direktors der Deutschen Reichsbahnaescllschaft, Dr. Dorpmüller, eine eingehende Aussprache mit Mitgliedern der Fraktionen de» Reichstage» statt. Die geladenen Vertreter der Bayerischen V o I k * p a r t e i waren nicht erschienen. Bei Eröffnung der Sitzung gedachte der Reichsverkehr»- Minister der tiefbeklagenswerten Opfer de» gestri­gen Unglücks und fprach der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbohngesellschaft feine Anteilnahme au» Dieser Anteilnahme schlossen sich sämtliche An- ivesendcn an. Der Reichsverkehrvmlnister erläuterte dann den Zweck der heutigen Besprechung und be­tonte hierbei, daß, um die h ö ch st e Betriebs­sicherheit zu erzielen, die stostensroge keine Rolle spielen dürfe. Dieser Auffassung stimmte der Generaldirektor der Deutschen Reichs- bahngeseUschast bei. Ursachen und Folgen jede» ein­zelnen Unglücks wurden alsdann ausführlich durch­geprüft. Besonders eingehend wurde darüber oer- handelt, ob die S t r e rf e n und Bahnhöfe mit ihren Sicherungseinrichtungen sowie die Bean­spruchung des Personals den Anforderun­gen einer geordneten Betriebsführung, beson­ders in Süddeutschland, genügen. In Uebereinstimmung mit der bereits veröffentlichten Mitteilung über die am 26. Juli ftottgefunbene Be­sprechung zwischen dem Reichsoerkehrsminister und dem Generaldirektor wurden die damals verein­barten Maßnahmen zur Sicherung des Betriebes allseitig gebilligt. Diese Maßnahmen betreffen ins- besondere folgendes.

3m haupkbahnhos München werden die bestehenden Blorfeinrkhtungen sosart durch zwi­schenzeitliche Verbesterungen vervollkommnet. Die Fertigstellung der im Gange befindlichen endgül­tigen Zentralisierung der Sicherungs­anlagen des Bahnhofes wird mit ollen Mitteln und ohne Rücksicht aus die Rosten beschleunigt. Die übrigen, noch nicht mit zentralisierten Sicherungs­anlagen ausgerüsteten Bahnhöfe werden unverzüg­lich daraus nachgeprust. welche Maßnahmen getrof­fen werden müßen, um bi» zur Fertigstellung sol­cher Anlagen die Sicherheit de» Betriebe» zu er­höhen. Die Durchführung dieser Maßnahmen wird beschleunigt. Darüber hinaus bestand Beber- einfflmmung, daß die Diensteinteitungen bei der ganzen Reichsbahn einheit­lich sein müssen. Die Dienfleinleilung der nord- deutschen Bahnen ist aus die süddeutschen Bahnen auszudehnen, da sie für die Betriebsführung unb die Erhaltung der Spannkraft des Personal» zweckentsprechender ist. Mit Bezug auf da» Münchener Unglück wurde hervorgehoben, daß au lagen besonderer Inanspruchnahme des per- fonals, z. B bei starkem Verkehr oder bei großer Hitze, verstörkungspersonal mehr a I» bisher vorzusehen ist. Billigung sand auch die frühere Feststellung, daß zur Ueberwachong der Oberbauarbeiten weitere Kontrollen notwendig und daß die Umbauten tunlichst zu be­schleunigen sind. Außerdem wurden eine Reihe weiterer Maßnahmen erörtert so die Fragen der Vereinfachung der Dienstvorschrif­ten, einer Rachprüfung der Dienftdauerbestim- mangen, die Fragen der Zuggeschwindigkeiten, der Verstärkung de» technischen Dienste» und der even­tuellen Verminderung de» Verwal­tungsdienste». Ls wurde von den anwesen­den Vertretern de» Reichstages besonders betont dah die verhättnifse in Süddeutsch- I a n b einer scharten Nachprüfung betörten. Un­beschadet der unverzüglichen Durchführung der zwi­schen Reichsverkehrsminister und Generaldirektor schon vereinbarten Maßnahmen wurde beschlofsen, einen besonderen Arbeitsausschuß ein- zusetzen, dessen Ausgabe es ist, die gesamte Sicher­heitsfrage der Reichsbahn eingehend durchzuprü­fen. Die Zusammensetzung dieses Ausschusses. der

nicht zu groß fein soll, wurde dem Reichsverkehrs- mlnister überlasten. Der Ausschuß soll seine Ar­beiten tunlichst bald aufnehmen unb über da» Er­gebnis berichten. Die Frage der Zusammensetzung de» Arbeil»au»schusses ist seitens des Reichsoer­kehrsminister» unverzüglich in Angrisf genommen. 3m Anschluß an die Tätigkeit de» Ausschusses wird die Deutsche Reichsbahngesellschaft eine ausführliche Denkschrift ansarbeiten. welche die einzelnen An- glOrfefäflc unb die erforderlichen Sicherheitsmaß­nahmen barffcüt.

Sie Gnippenverwalfung Bayern

Berlin, 1. Aug «WTB.) Wie von zuständi- ger <3citc mi,geteilt wird, enthält htc Geschäfts­ordnung der Deutschen Reichsbahngesellschaft vom I. Oktober 1924 über die Befugnisse her Druppen- verWallung Bayern in ihrer Ziffer 14 folgendes: Die Gruppen Verwaltung Bayern umfaßt den Be­zirk der bisherigen Zweigstelle Bayern. Sie steht unmittelbar unter der Haupt­verwaltung und behandelt alle Angelegen- herten ihres Bereiches selbständig, die nicht wegen ihrer besonderen Bedeutung oder, weil sie über ihren Geschäftsbereich hinauswirlen können, von der Hauptverwaltung selbst zu erledigen sind. 3n diesem Rahmen können ihr auch Angelegen- frerlen übertragen werden, die an sich von der Hauptverwaltung behandelt werden. Danach er­gibt sich folgendes Die Gruppenverwaltung Bayern ist grunbsäh'.ich für alle nicht der Hauptverwaltung v o r b e h a 11 e n e n Geschäfte in ihrem Bereich zuständig. Rur solche in ben Bereich der Gruppe fallende Geschäfte werden von der Hauptverwaltung be­handelt, die grundsätzliche Bedeutung be­sitzen oder über den Geschäftsbereich der Gruppen­verwaltung hinauSwirten können.

Oer Eindruck in Berlin.

Berlin, 1. Aug. (XU.) Das neue schwere Eisenbahnunglück in Bayern hat in Berlin nicht nur in den amtlichen Kreisen, sondern auch in der Bevölkerung große Erregung unb tiefste« Mit­gefühl hervorgeru'en. Man emp'indet daS Un­glück um so schwerer, als es auch wieder gerade m erster Linie urlaubsfrobe Menschen getroffen hat. und fordert von Den amtlichen Stellen schleunigste« Eingreifen, damit sich nicht das Gefühl der allgemeinen Unsicherheit auf der Reichsbahn durchsetzt. Die Berliner Presse widmet dem neuen Unglück ausfübr iche Kom­mentare und beschäftigt sich vor allem mit den Ursachen des llng'.üde und den Möglichkeiten zur Vermeidung ähnlicher ^Inglücksfätte. Die .Volsische Zeitung" ist der Ansicht, daß. toeim es sich in dirtem Falle auch anscheinend um einen Pcrjonal'ehler handele, nicht das Ver­schulden des einzelnen, sondern der System- fehler ausschlaggebend fei. Da« Blatt fordert deshalb eine andere Diensteinteilung für Bayern durch Prüfung der getarnten Dienstvorschriften. AuSbau de» Signalsystems, dauernde Brauffichtlgung des Oberbaues und modernste« stählernes Ma genmate­rial auf allen Linien und in allen Klaffen. - Das .Berliner Tagebla 11" spricht von einer unentschuldbaren Rach- lässig ke i t der zuständigen Behörden und macht ebenfalls das System für das Un­glück verantwortlich.

vielleicht öffnet das furchtbare Bild des 31. 3uli, fo schreibt da» Blatt,ben Herren in München die Augen darüber, daß die Sicherheit auf den deutschen Bahnen eine starke einheitliche Verwaltung zur Pflicht macht."

DieD. A. Z." ist dagegen der Ansicht, daß das entsetzliche Unglück zu denen gehöre, wo bet Mensch versagt habe. Man solle die Tat­sache. dah das Land der bayerischen Stammes- brüber in dielen Monaten vom ilnglüde fo be­sonders verfolgt worden fei. nicht irgendwie miß­deuten: beim menschliche Unvollkommenheit fei an feine Landes grenze gebunden. Die Deutsche Tageszeitung" selbst stellt mit Bedauern fest dah heute da« Deutsche Rrtch

leider dasRekordland derSifenbahn- katastrophen geworden sei. Es fei etwaS faul in der Organisation und im Ge- 'amtbetriebe. Da« Blatt weist auf den Skandal im Zentralamt hin unb schreibt: ..Blitzartig er­hellt bic Unmöglichkeit des bisherigen Derfrätt- nisses, bei dem sich der Staatsbürger nur noch »um Objekt einer jur Erwe rbsgese li­sch a f t verwandelten Behörde sühtt die .hn dauernd bei mangelhaften Leistungen unb lebensgefährlicher 'Betriebe unlieber freit mit Tarif­erhöhungen bedroht. Es bebarf einer Aen- berung bet Organisation, e« bedarf vielleicht noch mehr einer Wandlung beo Geiste«, wenn die Reichsbahn wieder wie einst der Stolz aller Deutschen und der Reid des Auslände« werden solle."

Vie Vaweszahlungen der Reichsbahn.

Hamburger Mritit

Hamburg, 1. Aug. (XU.) 3n ihrer Be­sprechung über das neuerliche Ei enbafrnunglüif schreiben die .Hamburger Rachrichten' u. a.. die Reichsbahn, die die Da wes za hlungen in ihrer ungeheuren Höhe leisten müsse, habe nicht Geld genug, um alle notwendigen Verbess­rungen schnell durchzuführen. Angesicht« der er­schreckend anwachscnden Zahl der Todesopfer soll­ten sich die Leiter.bet Reichsbahn endlich aut- raffen und erklären Wir lehnen die Verantwor­tung für den geregelten Betrieb der Reichsbahn ab. wenn wir nicht vor Zahlung des Tribu.s an da« Ausland die Mittel erhalten, die wir für die Erhaltung und Wo- bernt ftcrung des Materials für noi- tixnbig halten Mit schönen Trostworten unb Wechseln auf die Zukunft sei es heute nicht mehr getan. Da« .Hamburger .yrembcnblatt erklärt, es fei nicht zu verhehlen, daß bei der schnei len Aufeinanderfolge zweier schwerer Katastroplxn da« Vertrauen deS reisenden Publi­kum- xur Sicherheit de« Eisenbahnverkehrs wieder einen s chwe ren Stoß erlitten habe. Da« Gefühl fei nicht zu unterdrücken, daß die Organisation den berechtigten Anforderun­gen des Verkehr« nicht in vollem Maße entspreche.

Vie Feststellung der Opfer.

Augsburg. 1. Aug. (MTB.) Don der Reichsoahndirrttion Augsburg geht unS noch folgende amtliche Mitteilung zu.

Die Zahl der bisher gemeldeten 16 Toten hat sich nicht mehr erhöht. Der als tot gemeldete Holzhandler Haller auS Stuttgart befindet sich wohlbehalten In Tegernsee. Reu festgestellt wur­den die Leichen der Warta Fischer, ledige Rähertn au« Wolfratshausen, des Kaufmann- Karl Gotter aus München sowie der Frau Berta Buck aus Zuffenhausen «Württemberg». Rur die Leiche eine« etwa öOjährtgen Mannes, ausgebahrt in Dinkelscherben, konnte bisher noch nichl festgestellt werden.

Die Rainen der im AugSburger Kranken­haus liegenden austerbayerischen Ver­letzten sind folgenbe; Herbert 3 lege auS Breslau, Ehepaar Rehn pud Stuttgart. Albert Riehl aus Mell bei Stuttgart. Gustav Pom­mer au« Essen. Christoph Gebhardt au« Er­bach im Odenwald. ProsessorSehefrau Mahl- berg nebst Tochter Marte aus Freiburg.

3m Krankenhaus Zusmarshausen be­finden sich noch folgende austerbayerische Ver­letzte: Oberlehrer Schenk aus Wcinhetm < Ba­den). Charlotte Schwester au« Stuttgart, Ätara Brendle aus Heilbronn, Ärtmfrilb Müden aus Langenlonsheim IRafre», Gustav Pen­ner. Studienrat aus Essen, Fritz Siebert, Studrenassesfor au« Bremen. Dr Reimann, Siggenbort «Burgenland), Matter Riehl aus Weil bei Stuttgart, Balkowitsch aue Sig- genborf

Don den Schwerverletzten sind Oberlehrer Schenk unb M 5t i e fr l im Zusmarshausener Krankenhaus ihren Verletzungen er­legen. Don ben im Krankenhaus ,-,u«mar«- frauen untergebrachten Verletzten ist Frau Oberlehrer Schenk aus Weinheim nach Hause gereist. 3m übrigen sinb etwa zehn Verletzte als Schververletzte anzusprechen. Die Gesamtzahl der Verletzten beträgt etwa 50 bis 60. Die Bestattung der Opfer, die voraussichtlich sämtlich nach ihrer Heimat übergeführt werden, wird voraussichtlich in den nächsten Tagen statt- finben. Die von Berlin entsandte D.ntertuchungS- kommissivn war heute mit kurzen Unterbrechun­gen unter Hinzuziehung von Sachverständigen bi» zum späten Abend an der Hnfa'Jftelle mit Vernehmungen unb Erhebungen tätig.

Oie Haftpflicht der Reichsbahn

Von unserer Berliner Redaktion.

Berlin. 2. Aug. Die Häufung von Ung lüde- fällen bei der Deutschen Reichsbahn in den letzten Wochen und insbe'vndere da« furchtbare Eisen­bahnunglück bei Dinkelscherben in Bayern lassen wieder einmal die Frage aktuell werden, welche