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Vor dem Ende des Donez-Prozeffes

Der große russische Sensationspro^ß, der als eine politische Angelegenheit ersten Ranges auf* gezogen war, geht seinem Ende entgegen. Das Plädoyer des ersten Staatsanwaltes Krylenko zeigt trotz dec massenhaft von ihm beantragten Todesurteile, oder vielmehr gerade wegen ihrer und des Gegensatzes dieser Strafanträge zu dem einzig verbliebenen gegen den Deutschen Otto, daß die Vorwürfe, die leichtfertig und ungeschickt zunächst gegen eine Reihe deutscher Ingenieure und Techniker und deutscher Firmen in Rußland erhoben worden waren, feinen Bestand hatten.

Richt einmal die feste Absicht, zu dem Rach* weis einer ausländischen Verschwörung zur Sa* botage der Sowjet-Industrie zu gelangen, ver­mochte den glatten Zusammenbruch die­ser Anklage zu verhüten. Die deutschen iln* ternehmungen, auch soweit sie Krhlento in seinen Ausführungen noch irgendwie indirekt verdäch* tigt, gehen vollkommen gereinigt aus dem Ver­fahren hervor' von den beiden noch vorhandenen deutschen Angeklagten will selbst der mit dra­konischen Anträgen wahrhaftig nicht sparsame Krylenlo einen, den Ingenieur Maier frei­gesprochen wissen unö nur Otto, von dem der Staatsanwalt selbst behauptet, ec sei nie­mals Mitglied der Verschwörung ge- wesen, aber seine Beihilfe sei sehr wahr­scheinlich, soll mit sechs Monaten bis einem Jahr Gefängnis, und der bereits entlassene V a d st i e b e r, dessen RolK eine ziemlich sonder­bare war, soll pro forma und mit Dewäh* rungsfrist noch irgendwie verurteilt werden. Auch »bei Otto versucht Kcylenko allerdings zur Begründung seines Strafantrags, für den sich ja in der Verhandlung selbst nicht die geringsten Anhaltspunkte ergeben haben, da er nie irgend­wie ernstlich belastet wurde, nichts anderes hrr- anzuholen als eine unklare politische Einstellung, einen häufigen Gesinnungs- wecbsel.

ilnb damit richtet sich das ganze Verfahren. Der Staatsanwalt hat einmal gesagt, daß es vor dem Sowjetgericht nicht auf das objektive Recht, sondern auf die politische Wir­kung ankomme. Gr hat es nicht mit diesen Worten, aber in vielleicht noch zynischerer Form dem Sinne nach gesagt. Daß man in Deutsch­land und auch anderwärts in der Welt für diese merkwürdige Art der Sowjetpropaganda fein Verständnis hat. werden sich die rus­sischen Machthaber selbst sagen. Wenn aber po­litische Gesichtspunkte maßgebend sind, dann sollte man sich, nachdem das ganze Gebäude einer ausländischen Verschwörung mit deutscher Hilfe in Rauch aufgegangen ist, eS doch reiflich überlegen, bevor man durch die Verurteilung auch nur eines einzigen der ersichtlich au IIn- recht angeklagten Deutschen die ohnehin er­schütterte Bereitwilligkeit zu einer wirtschaftlichen Betätigung in Rußland auf deutscher Seite weiter gefährdet. Die beschuldigten Firmen haben einen Anspruch auf volle Rehabili­tierung vor der Weltöffentlichkeit. Mit den halben Maßnahmen des staatSanwaltlichen Plä­doyers ist es nicht getan: und selbst wenn sämtliche Angeklagte freigesprochen würden, bleibt die Forderung nach ihrer Entschädigung für die unschuldig erlittene Haft, für ihre und die Ehrenkränkung namhafter und einwandfreier deutscher Industrieunternehmungen tn vollem Umfang bestehen.

Es ist nicht unsere Sache, uns in die innerrussische Rechtsprechung einzumischen, sonst wäre wohl auch zu den zwanzig beantragten Todesurteilen mancherlei zu sogen. Auch sie werden kaum er­mutigend auf die Wirtschaftstätigkeit des Auslandes innerhalb des Bereiches der sowjetrussischen Juris­

diktion einwirken. Wenn also die Sowjetregierung mit diesem Monstreprozeß, wie ihr berufener Ver­treter selbst erklärte, eine Art politischer Pro­paganda bezweckte, so ist das eine Propaganda gegen die Ueberzeugung gewesen, daß sich Sowjet- rußland merklich den westlichen Kultur- und Rechts- begriffen angenähert habe. Und die Freunde des neuen Rußland, zu deren Organisation ja auch Otto gehört, werden künft'ghin einen noch schwereren Stand in der Oefsentlichkeit haben.

Die Plädoyers der Verteidiger.

Moskau. 30. Juni. (WTD.) Die Plä­doyers der Verteidiger für die russischen An­geklagten befürworten mildernde Umstände. Sie heben den verhältnismäßig geringen Um­fang der Sabotagearbeit hervor und weisen auf die schwachen Ehara kere der Personen hin, die sich verführen ließen. Sie betonen schließ­lich, daß alle Angeklagten auch viel erfolg­reiche und nützliche Arbeit für den Staat ge­leistet hätten, so daß sie bei milderer Bestrafung in Zukunft noch tüchtige Kräfte für die Sowjet­industrie darstellen könnten.

Der Verteidiger Eowenberg wies darauf hin, daß von der Verwaltung von Iugostal eine Erklärung vorliege, nach der Kusma niemals Mitglied der Abnahmekommission gewesen sei. Deshalb habe Vadstieber gelogen, als er aussagte, daß Kusma Destechungsgelder für die Abnahme Knappscher Maschinen erhalten habe. Der Verteidiger D o b r i n i n versucht, die Maier und Otto belastenden Aussagen Baschkins zu erschüttern, der erklärt hat, er wolle alles gestehen, um das Gericht zur Milde zu veranlaßen. Daschkins physischer und seelischer Zusammenbruch gebe Anlaß zu der Annahme, daß er über die Selbstbelastung hinaus auch andere belasten wolle, um sich einer günstigen Stimmung des Gerichts zu versichern.

Für Vadstieber sprach Rechtsanwalt D o m a- t o w s k i. Er sagte, Rikischins Behauptung, Bad* stieber habe gegen die Sowjetunion agitiert, verfalle in sich. Badstieber habe zugegeben, daß er Amtspersonen bestochen habe: man müsse aber unterscheiden zwischen dem Begriff der Amtsperson in Deutschland und dem in Rußland. RA. Worms, der Maier verteidigt, hält sich im engsten Rahmen und widerlegt nochmals alle Anklagepunkte. Stelle man die Persönlichkeit Maiers derjenigen Badstiebers gegenüber, der Reurastheniker sei, so falle alles Licht auf Maier. Darum müsse seine völlige Freisprechung erfolgen. Ozep, der Otto verteidigt, plädierte gleichfalls für Freisprechung.

Oie Zahl

der Deutschen in Sowjet-Rußland

Berlin, 2. Juli. (Priv.-Tel.) Wir konnten kürzlich berichten, daß nach den neuesten sta­tistischen Erhebungen in Sowjet-Rußland un­gefähr 1,2 Millionen Deutsche in Rußland leben. Rach den letzten hier vorliegen­den Angaben läßt sich jetzt ein ungefähres Ge­samtbild aufzeigen. Die Zahl beträgt rund 1238 600. Hiervon zählt man in der Wolga­deutschen Republik 379 600. Die meisten Deutschen wohnen in der Ukraine mit 393 000. Die übrigen verteilen sich auf die anderen rus­sischen Gebiete und Sibirien, wo allerdings nur sehr wenig Deutsche ansässig sind. Die Deutschen in Rußland sind in ihrer Ueberzahl Bauern und Siedler, aber auch ein nicht, unerheb­licher Prozentsatz seht sich aus Handwerkern und Kaufleuten zusammen.

ein Ende zu machen mit dem Saar- experiment deS Versailler Vertra­ges, das sich in acht Jahren als völlig ver­fehlt erwiesen hat, durch die ungeschmälerte R ü ck g a b e des Saargebietes und seiner Koh­lenlager an Deutschland. Die Kundgebung endete mit dem von allen Anwesenden begeistert gesungenen Deutschlandlied. Als Abschluß fand am Abend eine Beleuchtung der Heidelberger Schloßruine und ein großes Feuerwerk statt.

DieNotderKriegsgeschädigten

Die Durchführung des Kriegsschädcn- schlußgcsetzes.

Eigene Drahtmeldung des ..Gießener Anzeigers".

Berlin, 2. Juli. Die Eingabe dec Arbeits­gemeinschaft der Interessenvertretungen der Li- guidations- und Derdrängungsgeschädigten an den Reichstag, die zeigt, in welchem Umfange in Anbetracht dessen, daß die Durchführung des Kriegsschädenschlußgesehes mit Rücksicht auf die schwierige technische Erledigung außerordentlich lange Zeit in An - sprach nimmt, die R o 11 a g e der Kriegsge­schädigten zunimmt, gibt ein erschreckendes Bild von den tatsächlichen Verhältnissen. Die Mobilisierung der Entschädigungsansprüche auf dem Wege der Gründung eines Trusts scheint mehr oder weniger In Frage gestellt zu fein. Ebenso konnten die Verhandlungen um die Schaffung von Zwischenkrediten noch zu keinem Ergebnis geführt werden, so daß die Rot­lage der Kriegsgeschädigten, obwohl ihnen doch durch daS Kciegsschädenichlußgesetz eine Entschä­digung zugesagt worden ist, immer mehr zunimmt. Es steht zu erwartLn, daß sich auch der Reichs­tag nach der Ueberprüfung der Sachlage binnen kurzem noch einmal mit der Angelegenheit beschäftigen wird, um vor allem eine Möglichkeit zu finden, die eine raschere Durchführung des Kriegsschädenschlußgesehes gewährleisten kann. Ob und in welchem Umfange auch Bar­mittel zur Befriedigung der weiteren An­sprüche schon jetzt zur Verfügung gestellt werden können, steht natürlich noch dahin. Solange aber die Schuldbuchverschreibungen nicht in irgendeiner Weise mobilisiert werden können, werden sie auch für die Kriegsgeschädigten unbrauchbar bleiben. Es muh also auf jeden Fall ein Ausweg gefun­den werden. Die Arbeitsgemeinschaft der Inter­essenvertretungen der Kriegsgeschädigten hat, wie uns mitgeteilt wird, die Absicht, sobald die Sachlage seitens des Reichstags geprüft sein wird, mit bestimmten Vorschlägen an den Reichstag heranzutreten.

Oie Reichsamnestie.

Der Reichsjustizmmister berät mit de» Parteien.

Berlin, 2. Juli. (WTD. Funkspr.) Reichs­justizminister Koch-Weser hat mit den graf* tionssührecn über die geplante Reichsamnestie verhandelt. Die Hauptschwierigkeiten bilden nach Wie vor di« Behandlung der wegen Ka­pitalverbrechen verurteilten poli­tischen Straftäter, also der Fememörder und Mar Hölz. Der frühere Vorschlag der Rechten, daß die lebenslängliche Strafe der Fememörder auf 7*/a Jahre Festungshaft er­mäßigt werden soll, wird keinesfalls angenom­men. Aeuherstes Zugeständnis wäre, daß die lebenslängliche Strafe i n 7*/» Jahre Zucht­haus umgewandelt wird. Unter diesen Umständen würden alle politischen Verbrecher der Linken entlassen werden, auch Max Hölz toürbi durch die Amnestie, falls das Reichs­gericht. nicht auf Grund der Wiederaufnahms- anträtze seine Freilassung verfügt, in einem halben Jahr freikommen. Die Feme­mörder müßten dann noch sieben Jahre ver­büßen.

In die Amnestie sollen auch solche Straftaten einbezogen werden, die aus sozialer Rot begangen sind, sowie die Landesverrats­sachen, sobald die Tat nicht aus Eigennutz ge­schehen ist. Sämtliche Personen, die wegen Landesverrats, begangen durch die Presse, ver­urteilt worden sind, würden entlaffen werden. Die lausenden Verfahren würden nieder­geschlagen.

Senkung der Lohnsteuer.

Berlin, 30.Juni. (Priv.-Tel.) Die Prüfung der Frage der Senkung der Lohnsteuer bei Ein­kommen bis zu 8000 Mark jährlich im Reichsfinanyministerium hat lautVorwärts" er­geben, daß tn der Tat der Ertrag der Lohnsteuer so wesentlich über den Voranschlag hinaus- geht, daß eine Senkung der Lohnsteuer ge­rechtfertigt ist. Der neue Reichsfinanzminister Dr. Hilferding ist infolgedessen bereit, eine solche Vorlage, die wegen der Kürze der Zeit als I n i t i a t i d g e f e (3 im Reichstage von den Parteien eingebracht werden müßte, zu unterstützen.

General Obregon znm Präsidenten von Mexiko gewählt.

Mexiko, 1. 3ulL (MTV. Juntfprud).) General Obregon wurde heute jum Präsidenten von Mexiko gewählt. Seine Amtszeit beginnt am 1 Dezember b. 3. und wird sechs 3ahre dauern. Er war der einzige Kandidat für das Amt. General Obregon hat angekündigt, er werde in der Haupt­sache die Politik de» gegenwärtigen Präsidenten Ealles f o r t s e h e n. Der Dahltag verlief ruhig. Ls waren sorgfältige Vorsichtsmaßnahmen zur Auf- rcchlerhattung der Ordnung getroffen worden.

Alvaro Obregon, der neue Präsident der Ver­einigten Staaten von Mexiko, stammt aus dem Indianerstaat Sonora. Er trat erstmals im Jahre 1920 hervor, als er als Haupt der Militär- Partei gegen den vom Präsidenten Earcanza begünstigten Diplomaten D o n i l l a s kandidierte und Aufstände im Süden der Staaten erregte. Er hatte damit Erfolg, zumal auch der Gou­verneur von Sonora Adolfo de la Huerta gegen Earranza Stellung nahm. Carranza mußte auS Mexiko fliehen und wurde auf Befehl des Generals Hecrero, bei dem er Schutz ge­sucht hatte, im Schlaf ermordet. Obregon wurde im September 1920 mit 190 Prozent aller abgegebenen Stimmen zum Präsidenten gewählt. Seine Amtszeit verlies ohne besondere Vorkomm­nisse. Am 30. Rovember 1924 wurde (Soner I CalleS sein Rachfolger in der Präsidentschaft.

Aus aller Welt.

Keine Hoffnungen für Amundsen.

Der vor äroarktischen Kongreß in Petersburg zurückkehvende dänische Forscher Peter Treu­ch e n berichtet der ZeitungPolitiken", daß man in norwegischen Sachverständigenkreisen nunmehr von dem Untergang des französischen Flugzeuges überzeugt sei. Der Begleiter Amundsens auf dessen Südpol-Expedition, Hel­mer Hansen, hat die Ueberzeugung ausgespro­chen, daß sein Freund den Heldentod gefunden habe. Das französische Flugzeug könne sich nach dem Urteil aller Sachverständigen nur etwa zwei Stunden lang auf dem bewegten Eis­meer gehalten haben. Falls es also nieder- gezwungen worden sei, müsse man sicherlich damit rechnen, daß Amundsen den schnellen Tod gefun­den habe, den er sich immer für seine Person gewünscht habe. Die italienischen Flieger in Tromsv haben berichtet, daß sie die gan^e Strecke zwischen Tromsö und der Dären-Insel systemaftsch abgesucht hätten, ohne auch nur eine Spur von dem französischen Flugzeug zu entdecken. Jetzt wird der Vorschlag gemacht, zwanzig S e e - hundfänger-Fahrzeuge auszurüsten und das Fahrwasser eingehend abzusuchen. Die See- hundfängec sind gewöhnt, auf zwei Kilometer Entfernung Seehunde zu entdecken und haben da­her eine vorzügliche Vorübung für die Rachsuche. DieHobby" wird am Montag unter dem Kom­mando eines norwegischen Marineoffiziers in See gehen.

Vergebliche Nachforschungen nach der Viglierigruppc

Rom. 2. Juli. (WTD. Funkspruch.) Gestern vormittag sind die beiden italienischen Groh- wasserflugzeuge unter Führung Maddalenas und P e n z v s , sowie das breimotorige Schwe­denflugzeug aufgestiegen, um die Gruppe Viglieri mit Lebensrnitteln zu versehen und die Nachforschungen nach den Trümmern der Italia" aufzunehmen. Die mit Gleitkufen ver­sehene finnische Maschine ist, entgegen der ur­sprünglichen Absicht, an dcc Operationsbasis zurückgeblieben, weil die Viglierigruppc mitge­teilt hatte, daß sich die Eisverhältnisse in der Umgebung des Lagers verschlechtert haben, so daß die beabsichtigte Landung des finnischen Flugzeuges unmöglich sei. Die Lage der Gruppe Viglieri ist unverändert. Die Funk­station derS. 55" versuchte mit der Gruppe Viglieri den drahtlosen Verkehr aufzunehmen, erhielt aber auf ihre Rufe, wahrscheinlich in­folge der besonderen atmosphärischen Bedingun­gen feine Antwort. Als die drei Wasser­flugzeuge in die Rähe von Kap Smyth gekommen waren, stießen sie auf dichten Rebel, der eS ihnen unmöglich machte, das rote Zelt der

Viglierigruppe zu erkennen und ihre Rachsor- schungen fortzusetzen, infolgedessen kehrten die Flugzeuge um und trafen am Rachmittag wieder in der Virgobucht ein. Aus dem Bericht der drei Flugzeugführer geht hervor, daß der stacke Ostwind an der Rordküste des Rordostlandes große Risse und Kanäle im Packeis verursacht hat, was wahrscheinlich das Vor­dringen des EisbrechersKrassin" Aur Gruppe Viglieri erleichtern wird. DecKrassin" befand sich am Sonntagnachmfttag 18 Meilen westlich dec Insel Parry. Das WasserflugzeugMarina" unter Führung des Kapitäns Ravazzoni unter­nahm am 28. und 29. Juni von Tromsve aus mehrstündige ausgedehnte Flüge, ohne jedoch irgendeine Spur der verschollenenLatham" zu entdecken.

Die preußische Staatsregierung beglückwünscht den Reichspräsidenten.

Ministerpräsident Braun hat, zugleich im Na­men der Staatsregierung, dem Herrn Reichsprä­sidenten die herzlichsten Glückwünsche für die GeburtseincsEnkelsohnes ausgesprochen.

wieder eine Granatenexplosioo in Frankreich.

Beim Transport und Entladen eines aus dem Kriege stammenden Munittons- und Gra­natenvorrates ist in einer in einem von Arbeitern bewohnten Viertel von Port Ioinville ge­legenen Fabrik eine Feuersbrunst mit an­schließender Explosion der Granaten aus­gebrochen, bei der zwei Arbeiter und wahrschein­lich noch ein dritter getötet und vier Ar­beiter schwer verletzt worden sind. Sämtliche Fensterscheiben des Ortes wurden zertrümmert. Alle Häuser des betreffenden Viertels mußten geräumt werden. Die Elektrizitätsversorgung ist unterbrochen und das Feuer noch nicht voll­kommen gelöscht.

Schweres Autounglück in Saschau.

Bei den Automobilrennen, die in Kaschau im Rahmen der Feier des zehnjährigen Bestehens der tschechoslowakischen Republik stattfanden, kam es zu einem schweren Unglück. Einem Auto stellte sich eine Bettlerin in den Weg. Sie wurde von dem Auto ergriffen, in die Hohe ge­schleudert und auf der Stel-le getötet. Der Fahrer, der die Geistesgegenwart verlor, berührte infolge eines Versehens statt des Trems- hebels den Gashebel. Das Auto fuhr in die Volksmenge. Die Folgen waren furchtbar. Zwei Frauen wurden getötet und vier schwer verletzt.

Drei Schulkinder beim Baden ertrunken.

In Wehrau bei BunAlau war ein Lehrer mit etwa 30 Kindern seiner Klasse zum Queis, einem heim- tückischen Nebenfluß des Bobers, zum Baden ge­gangen. Plötzlich versanken sechs Mädchen an einer tiefen Stelle. Dem Lehrer gelang es nicht mehr, alle sechs in Sicherheit zu bringen.

Drei Mädchen im Alter von 11 bis 14 Jahren er­tranken. Ihre Leichen wurden später geborgen.

Beim Baden ertrunken.

Beim Baden im Rhein ertrank oberhalb der Lan­dungsbrücke bei Rheinsberg (Krefeld) ein 19jähnger Bergmann. Ein 20jähriger Freund, der den Ertrin- kenden retten wollte, versank gleichfalls in den Wel- len. Die Leiche des Bergmanns wurde von Schiffern geborgen.

Boolsunglück auf dem Lhiems«.

Beim Kahnfahren auf dem Ehiemsee ertranken ein junger Mann und ein junges Mädchen. Das Mädchen hatte beim Platzwechseln das Gleichgewicht verloren und beim Sturg in das Wasser den jungen Mann mitgerissen. Beide gingen unter, ehe Hilfe kommen konnte.

Lin Fuhrwerk vom Eilzug erfaßt.

Aus der Strecke BerlinMagdeburg, nahe bei Burg, wurde ein Fuhrwerk von dem Berliner Eilzug ersaht. Die drei Insassen, der Gutsbesitzer Hermann Weber auS Parchau. dessen Frau und em mitfahrender Gast, wurden auf der Stelle getötet. Dec Hilfsschranken- toärter, der die Schranke nicht r--chl- aeitig geschlossen hatte, wurde in Hast genommen.

Zugunglück Im Lerner Oberland.

Am Samstagabend stürzte ein Zug der 'Berner Oberlandbahn zwischen Wilderswil und Zweilüfschinen in einen Wildbach, bei dem kurz vorher die über diesen führende kleine Drücke infolge eines heftigen Gewitters vom Wildwasser weggerissen worden war. Der Zug wurde von zwei Lokomvttven gezogen. Während die vordere Lokornottve bremste, fuhr die hintere in gleicher Geschwindigkeit weiter. Die erste Lokornottve wurde ins Dachbett g e st o ß e n. Der nachfolgende Gepäckwagen mth die Personenwagen türmten sich auf binen auf. Ein Fräulein wurde getötet, zehn in der Schweiz wohnhafte Reisende zum Teil schwer, zum Teil leichter verletzt. Ferner wurden auch noch einige Deutsche verletzt. Quetschungen er­litten auch Fritz Flieh, sowie Dr. Hirsch und Frau und sein 10 jähriger Sohn, alle au» Frankfurt am Main.

Baron Zorn von Bulach verunglückt.

Baron Zorn v. Bulach, der, wie erinnerlich, die­ser Tage begnadigt wurde, hat auf der Straße zwischen Herstein und Straßburg einen M o - torradunfall erlitten. Der Baron, der in voller Fahrt stürzte, und bewußtlos liegen blieb, wurde von hinzukommenden Automobilisten in eine Straß­burger Klinik gebracht, wo der Bruch einer Schulter und sonstige leichtere Verletzungen am ganzen Kör­per festgestellt wurden.

Der Sohn Gerhart Hauptmanns betratet eine Prinzessin Schaumburg-Lippe.

Denvenuto Hauptmann, der Sohn Gerhact Hauptmanns, hat sich mit Elisabetb Hermine Auguste Viktoria Prinzessin zu Schaum­burg-Lippe, die am 31. Mai zwanzig Jahre alt geworden ist, verlobt. Die Dermahlung wird Ende Juli oder Anfang August ftattfinbai Da» Oberhaupt der Schaumburg-Lippischen Familie, der ältere Bruder der Braut, hat bereits fein» Zustimmung gegeben, so daß auch familien- rechtlich keine Schwierigkeiten der Heirat im Wege stehen, obwohl die anderen Brüder der Fürstin mit der Heirat nicht einoerftanbax sind. Benvenuto Hauptmann ist in erster Ehe mit einer Engländerin verheiratet gewesen, die Ehe wurde jedoch nach kurzer Zett geschieden.

Lynchjustiz in Amerika.

In Brookhaoen (Mississippi) drang eine erregte menge in das Gefängnis und bemächtiate sich zweier Reger, die auf einen Weißen geschossen und ihn verletzt hatten. Die Neger wurden in ein Auto geschleppt und außerhalb der Stadt erhängt.

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iLettervvraussage.

Der hohe Luftdruck, der von Westen her vorge- stoßen ist, hat sich weiter ostwärts ausgebreitet, linier seinem Einfluß herrscht heute fast in acmz Deutsch­land heiteres Wetter. Wärmere Luflmassen aus Süd­westen yaben bereits die Temperaturen wieder ge­hoben, und in Verbindung mit der Sonneneinstrah. lang werden sie noch weiter kräftig ansteigen. Die Ausläufer der neuen ozeanischen Störung, die im Raume zwischen den britischen Inseln und Island an 'Ausdehnung gewonnen haben, werden unserem Gebiet zeitweise Erwärmung zuführen und es auch zu Gewitterneigung kommen lassen

Voraussage für Dienstag: Bei wei­ter ansteigenden Temperaturen heiter bis wolkig, auftommenbe Gewitterneigung.

Lufttemperaturen am 1. Juli: mittags 21,4 Grad Celsius, abends 13 Grad Celsius: am 2.3ufi: mor­gens 12,4 Grad Celsius. Maximum 21,5 Grad Cel­sius, Minimum 6,7 Grad Celsius. Erdtempera­turen am 1 Juli: abends 23,6 Grad Celsius.