m. 153 Erstes Blatt
178. Jahrgang
Montag, 2. Juli 1928
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Dr. Jneör. Wilh. Longe. Verantwort lid) für Politik Dr. Fr. Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil <<urt Hillmann, sämtlich in Gießen.
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Berliner Tagung der „Liberalen Vereinigung".
furchtbare Explosion in einem französischen Bergwerk.
53 Bergleute erstickt.
pari», 30. Juni. (WB.) Wie Hooa» au» St. 6Henne berichtet, hat sich in einem Schacht bei Boche. la - Moli-res, 50 Kilometer von SL Etienne entfernt, eine Explosion durch a u s ff r ö - menbe Gase ereignet, durch die ein Brand her- oorgerufen wurde. Bei dem Grubenunglück haben 53 Bergleute den Tod durch Ersticken gefunden. Die Leichen sind bereit» geborgen. Da» Unglück ist nach offizieller Darstellung dadurch entstanden, daß durch einen infolge eine» Brande» entstandenen Steinrutsch eine Preßluftleitung ) e r ft 8 r t wurde. 2ln der Unglücksstelle arbeiteten 570 Bergleute, deren sich beim Aussehen der Luftzufuhr und dem Eindringen der giftigen Gase eine ungeheure Panik bemächtigte. Es gelang, 240 Arbeiter an die Oberfläche zu befördern. (Eine große Anzahl der unten Verbliebenen konnte durch künstliche Atmung gereitet werden. Unter den ums Leben Gekommenen befinden sich 19 Ausländer. zumeist polen und Marokkaner.
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Der am Sonntagvormittag in St. Etienne ein- getroffene QlrbcitSminiftcr Tardien hatte eine längere Konferenz mit der ®nibenr>ertoaltung und den Bergarbeitervertretern über die Entwicklung und Entstehung des Unglücks. Er weilte selbst längere Zeit unter Tage, um sich von dem Zustand der Grube ein Bild zu machen. Die Un- glücksgrube unterhält gegenwärtig eine einzige Fördersohle in 330 Meter Tiefe mit einer Zwischenfohle von 220 Meter Tiefe. Hier arbeiteten auf dem eigentlichen Forderposten ungefähr 60 Bergleute. Gegen 7 Tlhr morgens spürte der mit der lieberwachung des Postens betraute Steiger einen schlechten Geruch und Rauch. Kurz daraus brachte ein Einsturz den Bruch des Schachtes für komprimierte Luftzufuhr. Da die komprimierte Luft auf das Feuer wehte und einen Luftzug in umgelehrtem Sinne hervor- rief, waren von Anfang an die Lösch- und Sicherheitsmaßnahmen sehr erschwert. Um l/«9 Uhr erfolgte ein zweiter Einsturz, der auch die Rettungsmannfchasten gefährdete. Der Schrecken wurde noch durch ein plötzlich einsehendes Gewitter vermehrt. Zwei Geistliche zeichneten sich bei den Bergungsarbeiten aus. Unter Tage nahmen sie sich der geborgenen Derwundeten und Sterbenden an. 3m Lichtspielsaal der Grube, der jetzt einer Leichenhalle gleicht, liegen 53 Bergleute ausgebahrt.
Am Montag werden alle Bergarbeiter des Loirebeckens zum Zeichen der Trauer eine Feierschicht einigen und am Dienstag dürfte die Beerdigung der Leichen erfolgen.
Oie Enideuischungspoliiik in her Tschechoslowakei.
Ein Protest der deutschen Universität Prag.
Prag, 1.3uIL (TU.) Der akademische Senat der Prager deutschen Universität hat der Regierung eine Protestschrift gegen die Behandlung der deutschen Hochschulen in der Sprachenfrage überreicht. Er führt darin Klage, daß eine deutsche Beantwortung tschechischer Anfragen der Behörden von diesen nicht > u r Kenntnis genommen werde. Auch » wei 1 prachig gehaltene Eingaben der deutschen Hochschulen würden von den Behörden z u r ü ck g e w i e s e n, beispielsweise Anträge auf zollfreie Einfuhr von .Unterrichtsgegenständen. Dieses Verhalten der Behörden stehe im W i - derspruchmit dem Sprachengesetz, wonach den deutschen Hochschulen das Recht eingeräumt sei, im Verkehr mit den staatlichen Aern- tem ihre Sprache zu gebrauchen. Lediglich das Schulministerium anerkenne dieses Recht. Die Zollbehörde sei so unduldsam, daß sie der Prager Handelskammer eine mehrwöchige Ueberprü» f u n g der Rotwendigkeit der Einführung wissenschaftlicher Apparate aus dem Auslände vorgeschrieben habe. 3m deutschen Hochschuldepartement des Unterrichtsministeriums sitze kein einziger deutscher Beamter. Bei Besetzung von Stellen würden immer wieder tschechische Legionäre den deutschen Schulen aufgedrängt.
Mahraun gegen den Bolschewismus.
Außenpolitische Ziele des Jungdeutschen Lrdcns.
Marienburg. 30.3uni. (TU.) Der Hochmeister des „Inngdeutschen Ordens', Mah. raun, beschäftigte sich in einem Vortrag über „3ungdeutsche Außen- und 3nnenpolitil" eingehend mit dem Bolschewismus. Das deutsche Bürgertum sehe nur die roten Frontkämpfer, die durch die Straßen zögen, nicht aber den unsichtbaren Bolschewismus, den Kavalier-Bolschewismus. und den Prvbolschewismus. Rach- dem der Bolschewismus erkannt habe, daß in Deutschland das Vorfeld für öic Welt- revolution liege und die Ordnungsfront für eme bolschewistische Revolution zu stark geworden fer. habe er es verstanden, sich den »Revanche- gedanken" Deutschlands zunutze zu machen. Da sei es der 3ungdeutsche Orden gewesen, der
Berlin, 1. 3u(i. (T.-L.) Die Liberale -Bereinigung veranstaltete am Sonntag im Reichstag einen »Liberalen Tag", zu dem auch u. a. zahlreiche Abgeordnete der Deutschen Volkspartei und der Demokraten erschienen waren. Auch Reichswehr Minister ©tönet war anwesend. Geheimrat Kahl teilte unter lebhaftem Beifall mit, daß Reichsaußenmini st er ötrefemann ihn telegraphisch ersucht habe, den Versammelten die herzlichsten Grüße zu bestellen. Geheimrat Kahl erklärte sodann, daß eine vollkommene Lösung des Problems der Liberalen Vereinigung nur in derWiederherstellung einer großen deutsch en Liberalen Partei mit parlamentarischer Einheitsfront gefunden werden könne. Die Voraussetzungen hierfür seien bei dem offenkundigen Widerstand aus den Lagern beider zunächst beteiligten Parteien noch nicht gegeben. Die zu beseitigenden Hemmungen lägen in dem verbreiteten 3rrtum eines grundsätzlichen Gegensatzes von Demokratie und Liberalismus.
Frau Katharina von Kardorff- Oheimb wies darauf hin, daß der liberale Gedanke eine gemeinsame Schranke vom Konservativismus bis zur Demokratie gegen die Sozialdemokratie aufrichten könne. — Geheimrat </rof. Meinecke betonte, daß die bisher die beiden liberalen Parteien trennenden Momente zurückzutreten beginnen. Ein überzeugter Liberalismus könne nur sozial versöhnend eingestellt sein oder er sinke zum Bourgeois-Liberalismus herab. 3hm schloß sich Oberregierungs- rat Dr. Tiburtius an, während Rochus Freiher v. Rheinbaben ausführte, daß es eine Aufgabe des Liberalismus fei, der 3u- gend wegweisend zu dienen. Professor Dr. Bergius, Heidelberg, brachte zum Ausdruck, daß der Gedanke der Zusammenschließung der Liberalen Kräfte auch in weiten Kreisen der 3 n b u ft v i e und Technik Unterstützung finden werde. Er verglich die Krisis des Liberalismus mit der 3nbuftrietrife. Wie diese durch die Rationalisierung bekämpft worden fei. müsse auch der Liberalismus zur Konzentration greifen. Der Vorsitzende Dr. August Weber betonte, daß die Frage der Republik heute nicht mehr zur Diskussion ftänbe. Dr. Weber schloß mit einem Bekenntnis zu Schwarz-Rot- Gold und stellte Ebert und Hindenburg als die vorbildlichen ersten Führer hin, die das deutsche Volk gewählt habe. Die Versammlung nahm sodann einmütig folgende Entschließung an:
sich mit Erfolg dem Probolschewismus in den Weg gestellt habe und sogar im nationalen Lager scharf angegriffen worden sei. Rur der Umftanb, daß die bürgerliche Ordnung von heute verderbt sei, habe viele kleine Leute nach in der Ferne liegenden 3dealen suchen lassen, so daß der Bolschewismus in Deutschland immer mehr zunehme. Wenn er in Deutschland verwirklicht werde, so würde Deutschland sehr bald von der bolschewistischen 3dee geheilt sein. Deutschland könne sich aber eine solche Entwicklung nicht leisten. Er wandte sich scharf gegen ein Bündnis mit Rußland oder 3talicn, die keine ebenbürtigen Bundesgenossen feien, dagegen liege ein Bündnis mit Frankreich im 3nter- esse Deutschlands, sofern es Deutschland frei- mache und ihm feine Wehrhoheit zurückgebe.
polnische Wirtschaft.
Marschall Pilsndsti über die Gründe seines Rücktritts.
Warschau, 30. 3uni. (WTD.) Marschall Pilsudski äußerte sich in einem 3nterview über die Gründe, die ihn bewogen, die Ministerpräsi- dentschaft an Dr. Bartel abzugeben. Der Marschall sparte hierbei nicht mit überaus s ch a r- f c n Angriffen gegen das polnische Parlament, deren Drastik alles bisher von ihm Gehörte überbot. Er hätte Urlaub neßm.i können, ohne zurückzutreten, so versicherte dec Marschall, fein Gesundheitszustand wäre es nicht gewesen, der ihn veranlaßt hätte, die Ministerpräsidentschast abzugeben. Hingegen habe er deshalb demissioniert, weil er den Posten eines Regierungschefs, wie er in Polen verfassungsmäßig umgrenzt sei, nicht mehr länger habe ertragen können. Pilsudski beschwerte sich dann darüber, daß die polnische Verfassung dem Staatspräsidenten zu wenig Macht lasse. Er dürfe sich nicht einmal Diener und Dienstmädchen selbst wählen. Man könne sagen, daß die polnische Verfassung den Staatspräsidenten so niederträchtig behandele, wie niemand in der Welt mit feiner Geliebten umgehe. Rachdem er den Befreiungskrieg für Polen geführt habe, müsse er P o l e n sich selbst überlassen. Damals habe er sich gefragt, ob er das Parlament nicht wie eine Schar von Dirnen auseinandertreiben und mit feinem Fuß zertreten solle, oder ob er den anderen Weg wählen und Polen sich selbst überlassen sollte. Hätte er den ersten Weg eingeschlagen, so wäre Polen nicht genötigt gewesen, die Vorgänge des Mai 1926 zu erleben.
Die Hauptarbeit der Minister bestünde in der Erledigung ton formalen Kleinigkeiten. Die Allmacht des Ministerpräsidenten gehe unter in einer Flut ron Papieren. Besonders schwierig
Plc beute im pienarsihungssaal de» deutschen Reichstages au» allen Gauen Deutschlands versammelten liberalen Männer und Frauen klagen die bürgerlichen Fraktionen in den Parlamenten an. daß sie den Geist der Zeit nicht erfaßt haben. Die Stunde, das deutsche Bürgertum zu einen, hat geschlagen. Wir ehren die großen Traditionen der Vergangenheit, wir bekennen uns aufrichtig zum gegenwärtigen Staat der deutschen Republik, wir bekennen uns zum groß- deutschen Gedanken und dem deutschen Einheitsstaat. Rach außen forbem wir die Fortsetzung einer würdigen und besonnenen Politik, die der nationalen Befreiung und derEr - fämpfung unserer Gleichberechtigung mit den großen Rationen der Welt gilt 3n kulturellen Fragen lehnen wir jede Unduldsamkeit und jeden Kiasfenkamps ab. Wir erstreben die Durchdringung aller Volksschichten mit morbemem Rechlsgefühl. 3n ber Wirtschaft tragen wir aus voller Ueberzeu- gung ben Verhältnissen ber Gegenwart Rechnung. Wir wollen einen sozialen Liberalismus, ber ber Persönlichkeit ihre freie Entwicklungs- Möglichkeit gewährleistet, wir wollen eine soziale Politik. bie bas Verantwortungsgefühl bes einzelnen wieberherfiellt. Wir treten ein für Erziehung bes einzelnen Menschen zur Führerpersönlichkeit, wir müssen heraus aus bem Fürsorge st a a I, wir mästen heraus aus ber bequemen Risikolosigkeit. bie jebes Verantwortungsbewußtsein bes einzelnen erstickt. Darum finb wir gegen ben Staatssozialis- m u 6, ber ben Mittelstanb in Stabt und Lanb, ben Kaufmann unb den Bauern, bie wir zu ben unfri- gen zählen, vernichtet, der die Freiheit der Beamten, Angestellten und Arbeiter einengt unb ihnen bie Aufftiegrnöglichkeit nimmt. In tiefem Sinne werben wir weiter arbeiten. Wir roenben uns an bie deutsche 3ugenb mit bem Rufe zur bewußten tatkräftigen Mitarbeit, unser Kampf richtet sich nicht gegen bas Gefüge irgenbeiner Partei, wir richten aber an alle Liberale in ben Parteien von heute, an alle noch abseits stehenben liberalen Männer unb Frauen ben Ruf: Fort mit allen kleinlichen Bebenfen unb Hemmungen? Sammelt Euch zu einer großen liberalen Gemeinschaft, zur Erhaltung bes beut- fchen Bürgertums, zur Wieberherstellung eines beut- schen Vaterlandes."
fei es hier in Polen wegen der hier herrschenden Leidenschaft zur Protektionswirtschast, die aus dem Ministerpräsidenten einen Winkeladvokaten machen wolle. Deshalb sei ihm auch sein Amt so verhaßt geworden. Wenn er sich nicht so beherrscht hätte, so würde er nichts anderes getan haben, als die Herren Abgeordneten in einen fort zu schlagen und auf ihnen herumgetreten wegen ihrer Arbeitsmethoden. Da die Herren Abgeordneten bei ihren Arbeiten vollständig unbillige Methoden an» wendeten, so könne er dies weder ansehen noch anhören. Er selbst, so versicherte der Marschall, fei auch ein Redner. Aber wenn er wochenlang reden sollte, so würde er sich als gemeinen Fetzen betrachten. Die Abgeordneten aber redeten Monate lang. Dabei benähmen sie sich, als ob der Sitzungssaal ein Wirtshaus wäre. Spreche einer, so gingen 50 im Saale herum, 40 redeten miteinander, 100 erzählten sich Anekdoten: nur dieHerrenMi- nister müßten sich anständig benehmen, während die Herren Abgeordneten brüllten, kurz, sich wie Schweine benehmen dürften. Dazu hätten die Minister noch die Pflicht, dem Parlament gegenüber Ehrfurcht zu zeigen.
Pilsudski erklärte sodann, daß er persönlich als Diktator Polens das Parlament einberufen und es verfassungsmäßig behandelt habe, obwohl er es wie einen Wurm hätte zertreten können. Als der dritte polnische Landtag neuerdings feine Arbeiten begonnen hätte und die Methoden fortgesetzt habe, habe er vor der Möglichkeit gestanden, ent- weder in Polen ein neues Recht zu schaffen oder zu demissionieren. Er habe das letztere gewählt und dem Herrn Staatspräsidenten geraten, außer ihm und Dr. Bartel noch andere Leute auszuwählen, die abwechselnd die schwere Arbeit aushalten könnten. Pilsudski räumte aber ein, daß er sich in Krisenzeiten gern dem Staatspräsidenten zur Verfügung stellen wolle. Die Richtlinien der internationalen Politik Polens würden auch weiter oon ihm angegeben werden.
Eonniagssihung des Heichskabinetts.
Berlin, 1. 3uli. (Privatinformation. > Heute früh fand eine Kabinettsfihung statt, die sich bis in d.e Rachmittagsstunden hinein erstreckte und in deren Mittelpunkt die Beratung der Regierungserklärung stand. Wie es in der ..Germania" heißt, wird die Regierung in kurzen aber festumris enen Gedankengängen Gesetzgebung und Regierungsarbeit vor dem Reichstag offenlegen. Daß dabei neben einer Reihe aktueller staatspolitischer Fragen wirtschaftliche und finanzpolitische Gesichtspunkte im Vordergrund stehen werden, ist, da der Kurs der Außenpolitii als vollständig ge- sichert angesehen werden muß, wohl als selbstverständlich anzusehen.
Deutsch ist die (Saar!
Die Bundcstagung der Laarvcrcinc in Heidelberg.
Heidelberg. 1. 3ult (WTB.) Der Bund der Saarvereine trat hier zu seiner 8. BundcSla- gung zusammen. Als Erster referierte Hnivcr i» tätsprofefsor Dr. Moldenhauer. M .d. R.. Über die Saarfrage im Rahmen der deutsch-sran- zösischen Verständigungspolitik. Der Redner sührle u. a. aus »Die Franzosen vergessen, daß das Saargebiet seit dem 5. Jahrhundert n. Ehr. von deutschen Stämmen besiedelt ist und daß im 3ahre 1925 unter Anteilnahme der ganzen Bevölkerung die tausendjährige Zugehörigkeit zu Deutschland geieiert worden ist. 3hr krasser Eigennutz ist eS, der den Verstoß gegen das gerade von der Entente immer wieder betonte Selbstbestimmungsrecht der Völker rechtfertigen soll. Begreif man in Frankreich nicht, daß diese Methode das Vertrauen auf die von seinen Staatsmännern proklamierte Friedensbereitschast unmöglich macht? Will man drüben ebenso ernst eine Verständigung. dann muß man auch ebenso ernst wie in Deutschland den Willen dazu haben."
Direktor Löffler-Berlin
sprach über „Die Rot unb Irene ber arbettenben Bevölkerung an der Saar". „Die Arbeiter des Saar- gebiets hungern unb bürsten nach sozialer unb wirtschaftlicher Gleichstellung mit ben übrigen Arbeitern Deutschland. Sie hungern unb bürsten nach sozialer Gerechtigkeit, bie sie unter ben heutigen Ber- hältnissen entbehren müssen. 3n Frankreich kann man nach fast zehnjährigen Erfahrungen kaum noch einen Zweifel an der deutschen Gesinnung ber Saar« gebietsbewohner haben. Darum hasse ich, unb ich spreche biese Hofnung mit Rachdruck aus, baß man es im Saargebiet nicht e r ft zur VoIksab - ftimmuno kommen läßt, fonbern baß man es b a (b l g ft f r c i g i b.t unb ungefjinbert heimkehren läßt nach Deutschland — Als letzter Webner hielt Geheimrat Dr. o. Drganber M. b. R einen Vortrag über „Der Treuhandgebanke unb feine Misi- hanblung im Saargebiet". Der Redner, der zunächst feststellte, daß das Saargebiet ein unmögliche^ Gebilde und ein schweres Hemmnis jeder friedlichen Aufbauentwicklung in Europa darstelle, erklärte weiter, wir hätten allen Anlaß, immer wieder vor dem Forum der Weltöffentlichkeit zu betonen, baß die im Saargebiet herrschende Tyrannei nicht nur alle demokratischen, sondern alle in der Kultur- weit selbstverständlich gewordenen Grundsätze über die Mitwirkung des Volkes in der Bestimmung feines Geschickes in grober und frivoler Weife verletze.
Rachmittags wurde im Hofe des Heidelberger Schlosses unter Mitwirkung von mehr als 1200 Sängern der zahlreichen Gesangvereine des Saar-Sänger- bunbes eine große Äunbgebung veranstaltet, bei der
Heichsminister a. D. Dr. Bell
u. a. folgendes ausführte: „Als vor neun 3ahren ein unseliger Versailler Machtspruch. die Stimme des Siegers, jedoch nicht die Stimme der Vernunft und der Gerechtigkeit kündend, kerndeutsches Saarland, ein 3ahrtausend hindurch mit Deutschland in Sprache und Sitte, Kultur und Wirtschaft eng und unauflöslich verbunden, grausam loslöste vom deutschen Stammland und untragbarer Fremdherrschaft unterstellte, da blutete todeswund die deutsche Seele, da eine bittere Rot und herbes Leid alle Deutschen zu tiefstem Mitgefühl, zu engster Verbundenheit mit ihren so schicksalsschwer heimgesuchten Saarbrüdern und Schwestern vereinte. Doch heroische deutsche Treue setzte sich überall dort, sämtlichen Versuchungen kraftvoll widerstehend, alle Leiden und Schmerlen opfermutig ertragend, ein Denkmal, dauernder als aus Erz. Lieber Saardeutschland und besetztes Gebiet kann keine Meinungsrerschieden- heit unter Deutschen bestehen. So antworten denn die deutschen Lande in harmonischem Einklang dem dringenden Auf der gesamten Saarbevol- kerung: „Wir wollen frei fein, wie unsere Eltern waren", durch millionenfaches Echo aus allen deutschen Gauen und auch aus dem Ausland, soweit dort die deutsche Zunge klingt: „Wir stehen zu euch bis zum Tode getreu, in Blutsbrüderschaft unauflöslich mit euch vereinigt." Der all eilige Ruf nach Wiedervereinigung von Saarland und Saarbdvölkerung mit dem deutschen Vaterland darf nicht ungehört verhallen. Rot- wendige Voraussetzung zur Durchführung des Friedensgedankens, dieses ragenden Kulturproblems, ist die unbedingte Gleichberechtigung und Gleichwertung aller nationalen Belange. Wir aber wollen diese se e l ch- ernste Stunde nicht vorübergehen lassen, chne un'erer machtvollen Kundgebung das bleibende Gepräge aufzudrücken durch den Rütlischwur, zu dem alle Deut'chen aus unbesetztem wie besetztem Gebiet und von der Saar ihre Hände und Herzen erheben: „Wir wollen sein ein einig Doll von Brüdern, in keiner Rot uns trennen und Gefahr!" — 3n einer einstimmig angenommenen
Entschließung
wird sestgestellt, daß der feste Wille des Volkes an der Saar, das rein deutsch und ohne jede fremde Beimischung ist, die Wiedervereinigung mit bet deutschen Wirtschaft und der deutschen Regierung einmütig fordert. Mit Abscheu weist die Saarbevölkerung die neuesten Pläne gewisser französischer Kreise, die das klar umschriebene Recht Deutschlands, die Gruben zurück- zukausen, vereiteln wollen, zurück. Aeußerste Gefahr ist im Verzüge. Es gibt nur eine Abhilfe:


