Ausgabe 
2.5.1928
 
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1. Mai. Am Samstagnach-

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) Dgl. die Artikel in Ar. SS. 100. 101 und 102.

Anerkennung zu zollen.

ch Aus dem Lumdatal. 1. Mai.

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KrciS Büdingen.

Nidda, L Mai. Hier hielt der ®n>b- fomtur Stöhnet vom I un g d e u t f che n

Oberheffen.

Land? :cS Gießen.

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Lagerschuppen, die Werkstätten, die Hundeställe und die sonstigen Nebengebäude geben dieser Siedlung ein dvriähnliches Gesicht. Als wir sie aus der Lust sichteten, dünkte sie uns eine goldene Stadt, in der selbst das Pflaster wie

Wie wir den Nordpol überflogen

Wir warten, warten...

Don Kapitan H A. Wilkins.

Gold schimmerte.

Tie Lchneewüstc der Toten.

Unsere fünftägige Gefangenschaft in der Schneewüste der Toten-Manns-Insel. so ge­nannt. weil während des Winters vor nicht lan­ger Zeit dort dreizehn Mann Hungers st a r b e n war so etwas wie ein tüchtiger Aasenstüber. der aber nötig war. damit wir unser fabelhaftes Glück auch ganz und gar be­griffen. Sn diesen Tagen unsäglicher Strapazen wußten wir erst zu schätzen, was wir an unserem Flugzeug und Motor gehabt hatten, der uns sicher über 2000 Meilen arktischen Eises getragen hatte.

Erst jetzt, da wir wieder mit der Außenwelt in Verbindung stehen und Nachrichten erhalten, kommt uns die ganze Gröhe unseres Glücks zu vollem Dewuhtsein. Sn dem unmensch­lichen Sturm, in dem wir landeten, verlor ein Funker in Kings Bah den Weg von der Radiostation nach der Ansiedlung und muhte elendiglich in dem fast blindmachenden Schnee- sturm erfrieren. Zwei andere Männer, er­fahrene Pelztierjäger, hatten nahebei in einer Schutzhütte an der Küste Zuflucht gegen das Un­wetter gesucht. Unfähig, sich fortzubewegen, ohne Nahrung, ohne Feuer und ohne schützende Klei­dung. froren dem einen die Füße ab. dem an­deren richtete der Frost die Hände fürchterlich zu. Die beiden Unglücklichen warten jetzt auf die erste Transportmöglichkeit nach einem Ho­spital. um dort operiert zu werden.

Herr Varrning. der seit 1911 ununter­brochen seinen Wohnsitz in Spitzbergen hat. er­klärte mir. daß er in seiner ganzen langen Er­fahrung solch einWetter i m April noch nicht erlebt habe. Diese Wetterperiode war. so sagte er. weit schlimmer als erfahrungsgemäß selbst die Aequinoktialstürme in der Mitte März.

Hine Flut von Glückwünschen.

Unser kühnerAdler" liegt nun sicher im Eise von Harbour. Seitdem wir hier ankamen, hat sich sein Schwanz in den Schnee hineingewühlt. Mir will es vorkommen, als habe er etwas von seinem scharfäugigen Raubvogelblick eingebüht und träumte nun wie eine Möwe im Schnee.

Hunderte von Glückwunschtele­grammen haben wir erhalten. Darunter waren Grütze des Königs von Norwegen, der Staats­sekretäre des Aeuhem und des Krieges in Wa­shington, von vielen Ministerpräsidenten, Bot­schaftern, Aeroklubs, wissenschaftlichen Gesell­schaften und Polarforschern, unter ihnen Nan­sen. Stefansson und Roald A m u n d - fen , der besser als alle anderen verstehen wird, wie glücklich wir sind. Wir können nicht jedem einzelnen besonders danken und bitten durch die Presse sagen zu dürfen, wie tief wir die An­erkennung zu schätzen wissen. (Forts, folgt.)

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in zum zweiten Male in ?r h; e dreier Wochen ein Unglücks­fall, . bc-i cm ; ger Mann vier Finger feiner rechten Hand einbü&tc. Er hatte ur.erlaubterwrise aus dem Steinbruch, in

wärtig stehen alle Steinobst bäume in vol­ler Blüte, so daß mit einer annehmbaren Ernte gerechnet werden kann. Einen ebenso lieblichen An­blick bieten die zurzeit im vollen Bliitenflor strah­lenden R a p s f e l d e r , die wie gelbe Flecken in der Landschaft erscheinen. Man macht leider von Jahr zu Jahr immer mehr die Erfahrung, daß der Anbau von Wintersamen zum Zwecke der Oelgewin- nung stark un Rückgang begriffen ist. Unsere Land­bewohner kaufen Heuer wieder viel bequemer das Rüb öl bei dem Krämer ein; denn es lohnt sich nicht

mehr, Raps in größeren Mengen anzubauen, um daraus den Oelbedarf des Haushaltes zu decken.

ton. Weickartshain, 1. Mai. Nachdem vor sechs Wochen in dem Nachbardorf Stockhausen die Dergwerksgewerkschaftß u f e - Slsdorf ihren Eisensteinbetrieb ft i 11 g c I e g t, Hal am 30. April auch die Gewerkschaft Louise" hier chren Betrieb mit der Erz­wäsche rei eingestellt und sämtliche Arbei­ter entlassen. Die Gründe zur Stillegung sollen in beiden Betrieben Unrentabilität fein.

/ L i ch. 1. Mai. Heute konnte Hofgärtner Müller sein 40jährigeS Dienstjubi­läum feiern. Infolge der Beliebtheit, der sich der Jubilar in allen Kreisen der Bevölkerung erfreut, wurden ihm von allen Seiten die mannig­fachsten Ehrpngen zuteil. Das Gewächshaus der Fürstlichen Hofgärtnerei war schön geschmückt, die Nenckarnmer überreichte im Auftrag des Fürsten ein größeres Geldgeschenk, die Arbeits­kollegen einen Sessel. Gärtner Müller legt noch jeden Tag den Weg von Birklar nach seiner Arbeitsstätte zu Fuß zurück. Glück im Unglück hatten viele Ausflügler, die am Sonn- tagnachmittag von dem schweren Unwetter überrascht sich an der Untermüble unter­stellten. Der orkanartige Sturm drehte plötzlich einen der in unmittelbarer Nähe stehenden mäch­tigen Kastanienbäume ab und war? ihn mit furchtbarem Lärm zu Boden. Glücklicher­weise Hel der Baum nicht auf die Untermüble, sondern nach der anderen Seite in den Park, sonst hätte der Sturz deS gewaltigen Baumriesen jedensalls mehrere Todesopfer gefordert Auch

V).

Green Harbour 'Spitzbergen) 26. April. Gefangene des Eises.

Nun. da wir richtig auSgrruht sind, genießen wir erst mit vollem Behagen die Annehmlich­keiten deS zivilisierten Komforts in ber OHeff e öer Radiostation von Green Harbour und die prächtige Gastfreundschaft des norwegischen Beamten. Es ist sehr gut möglich, daß wir Spitzbergen nicht vor Mitte Mai zu Schiff verlassen können. An einen Flug mit unserer Maschine ist hier im Schnee und Eis der Fjorde ohne passendes Fahrgestell kaum zu denken, es würde zu gewagt sein, auf Boden, der nicht schneebedeckt ist. mit unseren Skiern zu landen. So müssen wir uns in Geduld fassen, bis ein Dampfer uns an Bord nehmen kann.

Einstwellen sitzen wir bequem in gepolsterten, geflochtenen Sesseln in dem gemütlichen zwei­stöckigen Häuschen der Funkstation und plaudern mit unseren norwegischen Gastfreunden. Eyel- s o n spricht norwegisch wie ein Eingeborener, aber mit einem Akzent, wie vielleicht vor hun­dert Jahren seine Vorväter diese Sprache ge­sprochen haben mögen. Das gibt Anlaß zu allerlei gutmütigen Scherzen bei unseren Freun­den hier.

Green Harbour ist umgeben von hohen, glatt­wandigen Bergen. Inmitten dieser großartigen Nakur kommt uns die Erinnerung an die nie­drige Tundra Alaskas wie ein Traum vor. Sn Alaska stiebt der Schnee wie Sand ausein­ander. Jagt ihn der Wind vor sich her, so bildet er eine Decke, die kaum höher als einen Fuß ist. Hier in Spitzbergen liegt weicher, trockener knirschender Schnee, sechs Fuß hoch! Die Schneewehen überhöhen hier die Wohnhäuser um viele Fuß.

In Green Harbour leben fünf Beamte der Spihbergener Radiostation, Herr Ihlen, der Leiter, zwei Funker, ein Ingenieur und ein Steward. Dicht daneben haust Herr Varrning. der Vertreter der augenblicklich stilliegenden Kohlenbergwerke und anderer industrieller In­teressen, mit seiner Frau, seinen drei Kindern und einer Gouvernante. Diese Erzieherin, ein schönes junges Mädchen aus Trornsö, war eine der ersten, die herbeieilten. uns bei der Lan­dung zu begrüßen. Die hohen Funkmasten über­ragen die Häuser und die alte Walfischfänger­station. dis nun in Trümmern liegt. Am jäh ab­fallenden Strande gegenüber der Funkstation liegt das Wrack einer wunderschönen Jacht. Zwei Meilen oberhalb des Harbours sieht man ein großes, stählernes Gerüst, das einst zum Ver­laden der Kohle aus der nun stillgelegten Zeche diente. Jetzt stehen diese stählernen Kolosse wie wuchtige Grabsteine über dem weiß leuchtenden Schnee.

Es ist aus Gründen der wirtschaftlichen Ren­tabilität nicht länger möglich, auS den Minen von Green Harbour Kohle zu fördern. Die

sonst richtete das Mntoetter, das erfreulicher­weise hier nicht von Hagelschlag begleitet war, mani^gsachen Schaden an Bäumen und Dächern an.

Kreis Friedberg

WSR. Friedberg, 1. Mai. Der Sturm am Sonntag riß vom Hauptpörtal der hiesigen katholischen Kirche ein schweres Sand­steinkreuz ab, das durch die Wucht des Sturzes in Stücke brach. 3m benachbarten Rendel fiel dem Sturm ein Storchennest zum Opfer. Der Giebel einer Brandmauer, worauf es sich befand, stürzte ein und mit ihm fiel das Rest samt der brütenden Störchin zu Boden. Die jungen Tiere wurden dabei getötet.

WSR. Bad-Nauheim, 1. Mai. Wie be- stimmt verlautet, steht die Reichsverfiche- rungsanstalt für Angestellte tn Ver­handlungen über den Erwerb des Hotels Metropol". Als Kaufpreis werden 580 000 Mart genannt. Die Reichsversicherungsanstalt will angeblich das von ihr früher erworbene Hotel ..Aegir" wieder abstoßen. Seitens der Kur­interessenten soll Protest gegen die Pläne der Reichsversicherungsanstalt eingelegt worden sein.

WSN. Rockenberg, l.Mai. Ein ^jähri­ger Junge hing sich leichtsinniger Weife an einen Ackerwagen, von dem er in demselben Augen­blick absprang, als ein Auto von der entgegen­gesetzten (»eite kam. Der Junge wurde von dem Kraftwagen erfaßt und überfahren. Er kam mit einem schweren Beinbruch und starken Gesichtsoerletzungen davon.

Münzenberg. 1. M« Arn Sonntag­abend geriet die Einwohnerschaft unseres Ortes in eine starke Erregung, die ihre Ursache in dem plötzlich hereinbrechenden Unwetter hatte. Der Frauenverein hatte nämlich im Freien eine Veranstaltung arrangiert, bei der auch die Kinder mit Spielen und anderer Kurz­weil beteiligt waren. Plötzlich brach das schwere Gewitter herein, so da-h alles fluchtartig dem Dorfe zuströmte. AlS daS Gewitter vorüber war, stellte man das Fehlen eines kleinen Knaben fest. Da man nicht wußte, ob daS Kind ein Opfer deS Gewitters geworden sei, oder sich irgendwohin verirrt hatte, wurde noch am Abend die Feuerwehr alarmiert, die den Wald und die benachbarten Telle un­serer Feldmark absuchte. Während die Suche draußen noch im Gange war, kamen aus dem benachbarten Obbornhofen zwei Männer hierher, die den Kleinen in fein Elternhaus zurückgeleiteten. Das Kind war in dem Trubel der wilden Flucht vor dem Unwetter mit anderen Festbesuchem nach Obbornhofen mitgelaufen und dort schließlich alS orts­fremd erkannt worden. Der gute AuSgang deS aufregenden Vorfalls erregte im Dorfe all­gemeine Freude. 'Besonders dankbar war man der Feuerwehr, die sich in anerkennenswerter und eifriger Weise sofort für die Nachforschung nach dem Verbleib deS KindeS zur Verfügung gestellt hatte.

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Orden im Dambrinus einen gutbesuchten Vor­trag über .Parteiismus. Parlamentarismus und jungdeutscher Staat unter Berücksichtigung aller Stände. Der Redner gab einen Rückblick über die Geschichte des Ordens und seine Be­strebungen und Ziele für die innere Politik Deutschlands, die in dem vor einem Jahre herausgegebenen Manifest des OrdenS ausführ­lich behandelt sind. Die Zuhörer nahmen den zweistündigen Vertrag mit großem Beifall auf.

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Haltung aufzuerlegen vermag, ein Zeichen von guter Musikerziehung. Die klangschön ausgeführte Untermalung trug wesentlich zur Hebung des Wer­kes bei. Hier war der Wille zu künstlerischer Tat

ausschlaggebend. Chor, Solisten und Orchester bil­deten eine Kunstgemeinde, die mit tiefem sittlichen Ernst und heiliger Weihe ans Werk ging.

So hatte der Beobachter den Eindruck, daß der­artige Veranstaltungen sicherlich die werktätigen Kreise unseres Volkes zur Erkenntnis des Wahren, Guten und Schönen führen. Daß der feste Wille zur Erreichung dieses hohen Zieles bei der Aufführung vorhanden war, gibt dem Kulturkartell und den Ar­beitergesangvereinen, die derartig Hohes pflegen, den Charakter eines segensreich wirkenden Kulturell mentes. Dem Dirigenten, H. Meyer, ist für seine Anregung und für sein erfolgreiches Wirken höchste

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nur noch Pfcrdekräfte in Berlin! Sehr _balb totrb sich dafür der Reitweg an der Tier- ?;artenftrabe wieder bevölkern mit stolzen Kava- ieren und kühnen Amazonen hoch zu Roß.

Diel Bühnenvolk mit Einschluß des Films ist darunter, für das Schlankheit eine Berufs­notwendigkeit bedeutet. Die reiterliche Adjustie­rung des Sportdreß hat sich im übrigen gegen früher sichtlich gebessert, und die Neigung deS schonen Geschlechts für den Herrensitz ist im Schwinden begriffen. Der Typ des Kommerzren- rata mit dem runden Bäuchlein und Asthma- beschwer den. sowie seiner aleichgearteten Gattin ist unverkennbar nicht minder dem Aussterben nahe wie der des steifleinenen, weltfremden Diplomaten. Und es mangelt nicht an Diplo­maten. einheimischen und ausländischen, für die ein Morgen ritt im Tiergarten eine Gepflogen­heit ist. von der auch ein bißchen Regen und Kälte ste nicht abhält. Wie unendlich lange Zeit scheint nun bereits verronnen zu sein, seit Herr von Bethman»- Hollweg fast nie ver­säumte. in aller Herrgottsfrühe tiefernsten Ge­sichtes auf einem hochbeinigen Fuchs durch die Tiergartenstraße nach dem Hippodrom zu traben, alltoo eine Militärkapelle postiert war und öte letzten Operettenschlager in die Fruhlingsluft hinausschmetterte. Sein Staatssekretär des Aus­wärtigen Amtes, Herr von Ki der len- Wächter, den Freuden der Tafel ergeben, und alleS andere als gertenschlank von Wuchs, htelt hingegen kein edles Roß im Stall seiner schmucken Dienstvilla am Ostende des Tiergartens. ®em behäbigen Schwaben genügte zu körperlicher Be­wegung der in der Tat außerordentlich hübsche Garten dieser Villa, er nannte ihndas Schönste an dem ganzen Pöschtle", nämlich an dem hohen Posten, aus dem er denPanthersprung nach Agadir und ähnliche Streiche ersann.

Volkskonzett in -er Volkshalle.

Wohl mit großer Spannung wartete man in Die­len Kreisen der Bevölkerung auf die erste große öffentliche Kulturtat des Arbeiter-Kultur- Kartelle Gießen, in dessen Dienst sich die Vereinigung für Chorgesangsk ultur , Arbeiter-GesangvereinEintracht" Gießen,Sänger­kranz" Wieseck und ..Germania" Alten-Buseck, ge­lte Ul hatte zur Aufführung von Schillers Lied o o n derGlock e", vertont von Romberg. In Bietern Dolkskonzert sollte die Vereinigung für Ge- sangskultur Probe ablegen von ihrem Streben auf geistigem und hier insbesondere auf musikalisch- künstlerischem Gebiet. Und dies sei hier gleich vor­weg gesagt: Dem Kulturkartell und allen Mitwir­kenden ist ein glänzendes Zeugnis auszustellen für sein wirklich ernstes Wollen, das zweifellos von schönstem Erfolg gekrönt war.

Schon die stilvolle Zusammenstellung der Fest- ichrist, enthaltend Aufklärung über die Ziele der )lrbeiter-Gcfangsbewegung, einen kurzen gemeinver- itänblidjen Abriß über Schiller als Volksdichter und endlich den übersichtlich angeordneten Text, mußte Eindruck machen. Und dann bei Eintritt des Be­suchers in die Dolkshalle: die wohltuende Disziplin einer nach Tausenden zählenden, in erwartungs­voller Stille harrenden Zuhörerschaft, die Sänger >md Musiker auf dem Podium in würdiger Haltung.

Jin ersten Teil des Konzerts spielte der Orchesterverein 1908Gießen mit feinster, gut gelungener NüancieruNg unter Kapellmeister Wellers feinsinniger Leitung die Oberon» Ouvertüre von Weber. Hieran schloß sich das Oratorium von derGlocke". Die ganze Dichtung ist eigentlich dem Meister in den Mund gelegt. An jeden Befehl, Meisterspruch genannt, der sich auf den Glockenguß bezieht und an die Gesellen gerichtet ist, knüpft er dann längere Betrachtungen über den Gebrauch der Glocke und ' die mannigfachen Schicksale des Menschenlebens. - Romberg hat die Dichtung so vertont, daß die Meistersprüche vom Meister gelungen werden, wahrend er die Betrachtungen hauptsächlich vorn Thor und den übrigen Solisten ausführen läßt. Will Romberg durch diese Partienanordnung den Meister als Führerpersönlichkeit ins rechte Licht rücken, so muh der darstellende Bassist die an sich dankbare Partie richtig erfassen, denn mit der richtigen Auffassung und Durchführung der Meisterpartie steht und fällt die Aufführung. Otto Ebelrna nn-Frankfurt ist dieser An­forderung gerecht geworden. Ein seriöses Organ von dramatischer Gestaltungskraft, in allen Lagen gut ausgeglichene Register, treffliche Aussprache, alles auf den echten Meisterton abgestimmt. In den umfangreichen Sätzen am Schlüsse des Werkes zeigte sich keinerlei stimmliche Ermüdung, und dies auch insbesondere bei vollem Orchester

Die mehr lyrischen Solostellen wurden durchweg mit anerkennenswertem Wollen und gutem Gelin- aen gesungen von Giesela W a n i'. e r (Gießen), Lu Kramer und Ludwig Schmidt (Frankfurt).

G. Wanners lieblicke und gut geschulte So­pranstimme nahm sich besonders gut aus bei der StelleMunter fördert seine Schritte". Die ton malende Absicht des Komponisten wurde hier durch Solostimme und Soloflöte gut verwirklicht.

Der technisch.schwierigeren und an sich nicht sehr dankbaren Tenorpartie entledigte sich erfolgreich L. Schmidt. In dem DuettHeilge Ordnung' bot sich ihm Gelegenheit zu schöner Stirnrnentsal tung. Hier trat der Baß vornehm zurück, dem zarten Tenor die Führung überlastend.

Lu Kramer sang die ArieAch, die Gattin ist's", seelisch gut erfaßt mit warmer teilnahms­voller othnmfärbung. Im Soloquartett .Holder Friede" schmiegte sich ihre Stimme mit besonders edler Tongebung ein.

Die Chöre waren mit Sorgfalt einstudiert. Dem Leiter der Aufführung ist es gelungen, Ver­eine und Orchester zu einem wirkungsvollen Klang­körper zu vereinigen. Anregend dürfte gestattet sein, darauf binweisen zu dürfen, bei ähnlichen kombinierten Veranstaltungen einen numerisch stär­keren Frauenchor einzufetzen. Das Verhältnis der Männer zu den Frauenstimmen darf ruhig 1:2 be­tragen. Die Klangwirkung würde dann noch volu- minöfer und abgerundeter sein. In den Schilde- rungen der Feuersbrunst und des gewaltsamen Staatsumsturzes, wo der Komponist In tonmalen- der Tendenz fortwährende Modulationen und Dissonanzen anwendet, zeigte sich der Chor musika­lisch auf der Höhe und überwand alle Klippen. Sehr klangschön und edel wurde der ChorTausend sleißge Hande regen" gesungen. Sehr dezent paßte sich der (Thor dem SoloquartettHolder Friede" an. Die gegenseitigen Ablösungen zwischen Quartett und Chor waren exakt. Andächtig klang die StelleZur Eintracht, zum herzinnigen Vereine" Glockenbe- roegunq und -klang waren in der Tongebung sehr gut getroffen.

Das Orchester hat gezeigt, daß es fick bei Chorbegleitung und Begleitung der Soli in der Tonentfaltung die notwendige, vornehme Zurück-

bem et arbeitete, eine Sprengkapsel mit­genommen. Trotz mehrmaliger' Warnung seiner Mutter, der er auf dem Acker helfen sollte, steckte er die Zündschnur an der Kapsel an und be­hielt letztere in der Hand. Plötzlich explo­dierte die Kapsel und zerfleischte ihm den Daumen und drei Finger, sowie die innere Handfläche gänzlich Dr LuciuS von Hirzenhain nahm sofort die Operation vor. Eine steife Hand wird vielleicht das ©rgebnül dieser Spielerei sein.

Kreis Schotten.

b. Schotten, 1. Mai. Aus dem Gemeinde« rat: Einen empfindlichen Verlust hat der Ge- meinberat durch den frühen Tod des Mitglied» Fabrikanten Karl Schütz erlitten, dem der Bür­germeister einen warmen Rachruf bei Beginn der Sitzung widmete. Im besten Mannesalter wurde der allseits beliebte karger dahingerafft. Die Stadt hat ihre - tilgen «pießwiesen versteigert und c aen Durchschnittspreis von zirka 35 Mark erzielt. Die Verpachtung wurde auf drei Jahre genehmigt. Als leitender Arzt für das neue Krankenhaus wurde Dr. K o e n i g e r (Offenbach) angenommen. Zum Ausbau des ftran- kenhaufes wurde die Aufnahme eines Dar­lehens genehmigt, auch die Beschaffung eine» Roentgenapparates und sonstiger notwendiger Ein­richtung. Zur Entlastung des Bürger­meisters wurden einzelne Mitglieder des Ge­meinderates zur Aufsicht über einzelne äußere Ber- waltungszpreige, städt. Fuhrpark, Arbeiter, Fried­hof usw. bestimmt. Um das Bettelunwesen, das m letzter Zeit wieder sehr überhand nimmt mehr zu bekämpfen, wird die Stadt W o hl- fahrtsscheine, die sich auch an anderen Plätzen gut bewährt haben, ausgeben. Die Bewohner ton­nen diese an der Stadtkasse käuflich erwerben und sie an Stelle oon Bargeld an die Bettler ausgeben. Letztere wechseln sie wieder bei der Stadtkasse ein. Dem Automobil- und Motorradklub Schotten wurde für fein am 3. Juni stattfinden­des großes Motorradrennen städtisches Wiesen­gelände für Start und Zielplatz zur 'Verfügung ge­stellt. Dem M u s i k v e r e i n wurden 50 Mark Zuschuß für seine Dereinszwecke gewährt. Die Vogelsberger Dolksbank hat der Stadt zur Anschaffung der Motorspritze 500 Mark zur Verfügung gestellt.

n Laubach, 1. Mai. Anläßlich der Werbe- tooepe des Deutschen Dtenographen-Bundes ver­anstaltete der hiesige Stenographenverein ©abelSbetge r" einen Vortrags­abend. In seinen Bearüßungsworten wies der Vorsitzende, Studienrat Vetter, darauf hin. wie schon vor der Einführung der Stenographie alS Unterrichtsfach die Schulbehörden aller Bundes­staaten der Pflege der Stenographie In der Schule ihre Aufmerksamkeit gewidmet fcabem So­dann sprach Obctfefretär ® I b e in längeren, über­zeugenden Ausführungen über die Bedeutung der Stenographie für die Geistesbildung, sodann über den praktischen Ruhen der Stenographie für Schule und Berufsleben: zum Schlüsse seiner Ausführungen gab der Redner einen llcbcrblid über die eifrige Tätigkeit der Stenographen­vereine. Eine trefflich angelegte stenogra­phische Ausstellung bot genaue Beleh­rung über Franz Haber GaoelSberger, sowie über die Entstehung der Einheit-- k u r z s ch r i f t. Hierauf wurde das Ergebnis des ersten Dundes-PreisschreibenS bekannt- gegeben. Es ist sehr günstig für den hiesigen Zweigverein ausgefallen, dem nicht weniger als Heben Preise zuerkannt wurden. Die Aussichten fürdie diesjährigeErnte sind für unsere Gemarkung im allgemeinen als recht günstig zu bezeichnen. Die Winter­frucht steht recht gut. Sie hat vom Schnecken­fraß weniger gelitten, da die Aussaat etwas später erfolgte. In einzelnen benachbarten Ge­markungen, wo die Aussaat früher ftattfanb, hat die Winterfrucht dagegen durch den Schnecken- fraß sehr gelitten. Der Schaden durch Mäuse- f rah ist gering. Der Klee steht gut; sehr gut sehen die Wiesen aus. Das Steinobst hat in diesem Jahre wieder viel Fruchtholz angeseht. In voller Blüte stehen die Kirschbäume; auch die Zwetschen, Pflaumen usw. fangen schon stark an, in reicher Fülle Knospen zu treiben.

I Ok> er - La iS, 1. Mai. Die beim Heber- gang des Straßennetzes auf die Pro­vinz gehegten und damals teilweise auch aus­gesprochenen Befürchtungen wegen des Schicksales der Bezirks st raßen betonte* beiten sich leider immer mehr Daß die groß« D-Straßen auf Grund des darauf liegend« Verkehres eine bevorzugte Instandhaltung er­fordern. soll nicht Beitritten werden. Ganz un­verständlich ist eS aber, wenn die Provinzial- verwaltung an Unterhaltungskosten für die D- Straßen dadurch zu sparen sucht, daß fi« den von diesen Straßen auszunehmenden Ver­kehr künstlich abdrosseln will, wie fi» das eben in Sachen der von Nidda aus- strahlenden Kraftomnibusverbindun- gen durch ihre Bedenken gegen die K onzes- fionierung der Kreislinie NiddaOberlais tut. Lleberall werden die neuentstehenden Om­nibuslinien mit Freuden begrüßt, und man weiß, wie sehr sie zur Entwicklung der bisher vom Verkehr nicht berührten Gemeinden beitragen und notwendig sind. Daß VerkehrSsör- de r u n g auch unmittelbare Einnahmeför­derung für alle aus die Einnahmen aus Steuern angewiesenen Stellen bedeutet, ist zu bekannt, als daß man daraus noch besonders Hinweisen mühte. Die Stellungnahme der Pro­vinzialverwaltung im vorliegenden Falle er­scheint um so unverständlicher, als andere Linien, denen durchaus keine besseren Straßen zur Ver­fügung stehen, z. T. schon feit Jahresfrist kon­zessioniert find. Die am Zustandekommen bet neuen OmnibuSlinie interessierten, bisher vom Verkehr ziemlich abgelegenen Gemeinden hoffen, daß die Prvvinzialverwalluvg ihren ablehnen­den Standpunkt verläßt.