Stenographische Wettkämpfe.
Die 1. Reichskurzschriftgesellfchaft „Babelsberger" u. Damenabteilung e.D. Gießen veranstaltete in der Pestalvzzi- schule, als Auftakt zu den diesjährigen Wettschreiben, ein VereinSwettschreiben, verbunden mit einem Schon» und Richtigschreiben. Die Teilnehmer-abl betrug 73. Sämtliche Teilnehmer schrieben in der deutschen Ginheitskur^ schrift in den Abteilungen 60 biS 220 Silben. Es wurden glänzende Leistungen erzielt.
A. Dettschreiben.
Abteilung 60 Silben: 1. und Ehren-» preise: Aenne Thein. Alwin Gerbig. Luise Müller: 1. Preise: Willi Volland, Ernst Heiberts- hausen, Lotte Rathenow, Willi Schuhmacher, Eduard Loose: 2. Preise: Hermann Buchner, Heinrich Adolph.
80 Silben: 1. und Ehrenpreise: Heinz Wagner, Heinz Theisebach: 1. Preise: Marte Magolb, Aenne Reuter, Wilhelm Schardt: 2. Preise: Fritz Dörfner, Glly Zipp.
100 Silben: 1. und Ehrenpreise: Karl Berg, Karl Reih: 1. Preise: HanS Bellos, Ludwig Schwinn, Richard Hock, Friedrich Hof, Alfred Bormuth, Berta Eisenbach.
120 Silben: 1. und Ehrenpreise: Heinrich Iodt, Mathilde Hamel: 1. Preise: Dora Heß, Fritz Möller, Erna Franz.
140 Silben: 1. und Ehrenpreise: Emil Wolf, Dora Rickel, Martha Potyka; 1. Preise: Gretel Decker, Johanna Flamme, Emmi Schüler, Heinrich Preußer, Otto Wahl.
160 Silbe,i: 1. und Ehrenpreis: ' Friedrich v. LemmerS: 2. Preis: Anna Lotz.
180 Silben: 1. und Ehrenpreis: Emilie Dellof: 2. Preis: Bruno Schneider: 3. Preis: Hugo Baumann.
220 Silben: 1. und Ehrenpreise: Georg Wahl, Kurt MovSdorf und OttiNe Treser.
B. Schön - und Richtigschreiben.
DerkehrSschrift: 1. und Ehrenpreis: Johanna Flamme: 1. Preis: Friedrich v. Lemmers; 2. Prtzise: Richard Hock, Willy Volland, Emil Wolf, Aenne Thein, Willi Schuhmacher, Heinrich Adolph: 3. Preise: Franz Trauth, ßubtoig Schwinn, August Schott, Hermann Buchner.
Redeschrift: 1. und Ehrenpreis: Friedrich v. Lemmers: 2. Preise: Hugo Baumann, Kurt Moosdorf.
Aprilausschüttung aus der Hindenburgspende.
Entsprechend den vom Kuratorium derHinden- burgspende festgesetzten Richtlinien werden im Jahre 1928 am 1. Avril und am 2. Oktober je 450 000 Mk. in Beträgen von durchweg je 200 Mk. an besonders ausgesuchte schwere Fälle aus den Kreisen der Kriegsbeschädigten und Kricgerhinter- bliebenen ausgeschüttet. Die Auswahl erfolgt durch die Kriegsbeschädigtcnfürsorge und die Hauptver- sorgungsämter. Eine kürzlich unter dem Vorsitz dee Reichspräsidenten abgehaltcne Sitzung hat die von den genannten Stellen gemachten 2250 Vorschläge gebilligt. Bei der Aprilausschuttuna wurden besonder» kinderreiche Kriegerwitwen berücksichtigt. Demgemäß werden zum 2. April 1689 Kriegcrwit- wen und Waisen, 351 Krieasbeschädigte und 88 Alt« Veteranen aus der Hindenvurgspende bedacht. Da« mit belauft sich der bisher aus der Hindenburg« spende an Kriegsopfer zur Ausschüttung gebrachte Betrag auf rund 850 000 Mk.
Für die nächste, am Geburtstage des Reichspräsidenten stattfindende Ausschüttung von 450 000 Mark machen wiederum die Krlegsbesckädigtrnfür- forge tunb — soweit ehemalige Heeresoeamte und Offiziere in Frage kommen — die Hauptversor« gungL'mter die entsprechenden Vorschläge. Unmittelbare Anträge an den Reichspräsidenten oder die Geschäftsstelle der Hindenburgspende sind daher unzweckmäßig.
Einmalige ReichsSeihilfe für Kleinrentner.
2m Haushalt deS Reichsarbeitsministeriums für 1928; ist wiederum ein Betrag von 25 Millionen Reichsmart Eingesetzt, der zur unmittelbaren Beihilfe an die Kleinrentner verwendet werden soll. Rach einem gemeinsamen Erlaß des Reichsarbeitsministers und des Reichs- Ministers deS Innern vom 29. März erhalten aus diesen Mitteln die Kleinrentner, die sich
Kochlehrling-Prüfung.
Von Alfred Richard Meyer.
Roch ein großer Tag int Zoo — der gast- ronomrsche Prufungs- und Bildungsau.'schuß für daS GastwirtSgewerbe in Groß-Berlin hält seine diesjährige Lehrlingsprüfung ab. Lieber hundert Kandidaten, davon ein Drittel zukünftige Oberkellner, zwei Drittel zukünftige Küchenchefs. Ich, als Leiter des gastronomischen Klubs „Gasterea", darf am Ehrentisch mitsihen.
Morgens um neun il^r schon hat dieser Großkampftag angefangen. Die ganze Front wird von den Lehrlingen eingenommen. Mit der Anforderung der Materialien, genau nach Portionen berechnet, fängt es an. Bald glühen alle Köpfe genau wie di« Kochherde. Richt nur auf die Zubereitung kommt es an. von den Dorfpeisen über Fisch, großes Fleischstück bis zum Dessert: auch das Menu selbst, von drei verschiedenen Gruppen verschieden in Angriff genommen, hat eigenste Erfindung der Lehrlinge zu sein. An jedem Herd ein Prüfungsnteister wie nachher abends an jedem Tisch, an dem die Speisen ausgetragen werden. Vorher aber hat die große Parade vor dem langen Tisch der Prüfungskommission zu erfolgen und sehr kritische Blicke zu bestehen, ob auch alleS dem Auge wohlgefällig angerichtet ist. Ein großer Tag mit viel Aufregung und, wie bei jeder Prüfung, mit mancher Enttäuschung: Gerasselt, erst im Herbst wieder zugelasfen.
Solch ein Prüfungsessen unterscheidet sich gar sehr von anderen, wie man sie gewohnt ist. Man hat von acht Ahr bis erheblich nach Mitternacht auf seinem Stuhl und vor seinen Tellern zu sitzen — woran gewiß nicht die Bedienung durch die Kellnerlehrlinge schuld ist. Prüfungs- kommissionen haben bekanntlich immer sehr viel Zeit: selbst wenn sie wie hier stundenlang essen und schmecken und probierst müssen, so empfinden sie daS nicht als „Prüfung". Vielmehr hängt von ihrem gewichtigen Votum ab, ob man oll diese jungen Leute, die eine zweiundeinhalb- bis dreijährige Lehrzeit in ersten Hotels und in bekanntesten Restaurants Berlins hinter sich haben, olS Kellner oder als Köche auf die ansonsten schon weidlich geplagte Mitwelt loSIassen
zur Zeit der Auszahlung der Beihilfe in Klein- rentnerfürsvrge befinden und bereits am 1. März 1928 in dieser Fürsorge standen, eine einmalige Beihilfe in Höhe des doppelten Betrages des ihnen für den Monat März 1928 tatsächlich gewährten fortlaufenden Unter» stühungSbetrages. Liegt dieser Betrag unter dem für Kleinrentner für den Monat März 1928 festgesetzten Richtsatz, so ist der doppelte Betrag dieses Richtsatzes zu gewähren. Mindestens sind in jedem Falle auszuzahlen für Ehepaare 90 Mk., für Alleinstehende 50 Mk. und für Zuschlags - berechtigte Kinder je 20 Mk. Die Beihilfe soll durch die Fürsorgcverbände unverzüglich, tunlichst noch vor Ostern auSgezahlt werden.
Oberheffen.
Land—ris Gief;en.
xp Wieseck, 2.April. Am Samstagabend fand bei Gastwirt Wilhelm Dorfeld, die Generalversammlung des landwirtschaftlichen Konsum-- Vereins statt. Aus dem gegebenen Geschäftsbericht für 1927 ist besonders zu erwähnen, daß der Warenumsatz mit 273 665,03 Mark eine Erhöhung gegenüber 1926 aufweist. Der Reingewinn beträgt 20 348,35 Mk., so daß wieder, wie im vergangenen Geschäftsjahr, 7 Prozent an Rückvergütung gewährt und außerdem 1191,80 Mk. dem Reservefonds bzw. der Betriebsrücklage zugeführt werden, trotzdem die im Dezember fwttgehabtc 40-Jahrfeier die Unkosten um einen größeren Betrag erhöhte. Der Mitgliedcrstand ist im letzten Jahre stabil geblieben und beträgt 576. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Vom Vorstand und Aufsichtsrat vorgelegte Satzungsänderungen fanden Annahme. Eine länger« Aussprache nahm der Ankauf von Baugelände, der von einer Anzahl Mitgliedern angeregt wurde, in Anspruch. Es handelt sich um die Sicherung eines Grundstückes des im derzeitigen Ortsbauplan gelegenen Geländes. Bei der Entwicklung, die unser Ort und auch der Verein in den letzten Jahren genommen haben, muß auf alle Fälle dafür gesorgt werden, daß im gegebenen Augenblick der Verein eine weitere Verkaufsstelle errichten kann. Zu diesem Ankauf wurde dem Vorstand und Aufsichtsrat die Ermächtigung erteilt. Hieran an« schließend wurden noch einige geschäftliche Angelegenheiten erledigt.
t Treis a. d. L d a., 1. April. Am Freitagabend fand im Saal der ersten Schulklasse dahier die feierliche Entlassung der zu Ostern aus der Schule kommenden Kinder, 29 an der Zahl, statt, zu der die Ellern der Kinder und die Mitglieder deS Schulvorstandes fast vollständig erschienen waren. Passende Gesänge und Deklamationen der Schüler umrahmten die eindrucksvolle Ansprache des Klassenlehrers Walter, in der er u. a. die Rotwendigkeit der einträchtigen Zusammenarbeit der drei Erziehungsfaktoren, Haus, Schule und Kirche hervorhob. Den Dank der Versammlung für daS Gebotene sprach Lehrern und Schülern Pfarrer Buchner aus. — Die hiesige Pfennigsparkasse, die seit 1. Januar 1924 wieder im Betrieb ist, hat jetzt 57 Einleger mit einem Barbestand am 31. Dezember 1927 von 2140,07 Mark.
<5 Allendorf a.d.Lda., 1.April. Bei der jüngsten Brennholzoersteigerung im hiesigen Swdtwald wurden folgende Preis« erzielt: Buchenscheit 24 bis 29 Mk., Eichen-Scheitholz 14 bis 16,50 Mk., Buchen-Knüppelholz 23 bis 25 Mk., Eichen-Knuppelholz 16 bis 18,40 Mk. für je zwei Raummeter: Züchen - Reisholz 10 bis 15,20 Mk., Eichen-Reisholz 10,40 Mark je fünf Raummeter Buchen-Stockholz 20 bis 24,40 Mark, Eichen-Stock- holz 10 bis 20 Mk. je zwei Raummeter.
CO Klein-Linden, 1. April. Vergangene Woche wurden allabendlich in unserer Kirche durch Volksmissionar Schäfer von fynifen bei Butzbach Eoangelifationsvorträge gehalten. Di« Vorträge erfreuten sich einer von Abend zu Abend wachsenden Besucherzahl. Posaunenchor, Kirchen- aesangoerein und eilt Mädchenchor umrahmten die sehr interestanten Vorträge mit passenden Chören. Die allabendlichen Kollekten kommen der Rheinischen Mission, in deren Dienst Missionar Schäfer steht, zuaute. — In der jüngsten nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderats wurde als einziger Punkt auf der Tagesordnung über die B^etzung der Stellen eines Feldschützen unb eines Totengräbers für unsere Gemeinde verhandelt. Mit Stimmenmehrheit wurden Heinrich Weber beide Aemter, vorbehaltlich der Zustimmung des Kreisamts, übertragen.
kann. Das Publikum ist es müde, we,m nun schon einmal täglich immer und immer wieder von Aufbau gesprochen wird, sich recht und schlecht, wie es Krieg, Inflation, Deflation mit sich brachte, über den kulinarischen Löffel weiter barbieren zu lassen. DaS gastronomisch« Gewissen schlägt. Deutschland erinnert sich seine eigene Gastrosophie. Auch hier ist Aufbau zu leisten, und er muß geleistet werden, der internationalen Konkurrenz wegen.
Reben mir sitzt Herr Direktor Heßler. Der internationale Austausch der Köche, wie er vor dem Krieg freundschaftlicher Usus war und in dem der Deutsche entschieden am besten abschnitt? Da gibt es heute noch Hemmungen und Schranken. England macht überhaupt nicht mit; seine Köche meiden Deutschland. Die guten französischen Köche vor und nach dem Kriege im Ausland — wenn man sie einmal näher auf ihre Rationalität nachprüft, so entpuppen sie sich durchweg als Elsässer. Die ersten Köche in Paris waren vor dem Krieg oft Deutsche, Oesterreicher, Schweizer. Der Austausch heute muß Mann gegen Mann vorgenommen werden. Hat ein Berliner Hotel den Ehrgeiz, sich einen berühmten Koch aus Paris engagieren zu wollen, so hat es einen guten deutschen Koch an Frankreich abzugeben und dafür zu sorgen, daß jener drüben eine gute Stellung erhält — und umgekehrt. Die Vorherrschaft des guten deutschen Kellners und Kochs im Ausland, wie sie vor dem Krieg an der Tagesordnung war — damit ist es vorläufig noch nichts wieder. Was nicht ist, kann aber eines TageS mal wieder werden. Darum haben wir weiter unsere guten gastronomischen und gastrosodbischen Forderungen zu stellen. Um kulturelle Dinge geht c8 hier, nicht um Fragen dec Ernährung, die leider für viele unserer Mitmenschen noch wichtiger sein müssen.
Die jungen Lehrlinge, die nun Kellner werden möchten — heute tragen sie durchweg zum ersten Male den Frack, und sie bemühen sich, trotz aller begreiflichen Aufgeregtheit, um Würde und Diensteifrigkeit. Wirklich schön ist ihre Begeisterung, wie sie uns allen wohlgefällig sein möchten! Welch« Höflichkeit, welche Gewandtheit! WO daß ctoig grünen bliebe..möchte man lyrisch Mustern und vergißt all die kleinen unangenehmen Szenen, die dan in den letzten 2ahren mit einem ausgewachsenen Kellner hatte. War wohl nur ein
'* Klein-Linden, 1. April. In der Gastwirtschaft von Friedrich Epeier versammelten sich am Samstagabend die Mitglieder der in letzter Zeit neuaufblühenden hiesigen Freiwilligen Feuerwehr zu einer Generalversammlung. Die Verhandlungen wurden von dem vor einiger Zeit neugewählten ersten Kommandanten. Rangietführer Friedrich M ü l l e r. geleitet. Durch Bürgermeister Jung wurde die Ehrung derjenigen Mitglieder vorgenommeit, die auf eine 15jährige aktive Tätigkeit zurückblicken, und dielen das Feuerwchrehrenzeichen überreicht. Rach- stehende 13 Mitglieder erhielten das Ehrenzeichen: Karl Jung I.. Ludwig Schaum, Heinrich Ufer, Friedrich Speier, Friedrich Schimmel, Wilhelm Schaum, Friedrich Müller. Wilhelm Klingelhöfer. Anton Weller, Philipp Rinn, Konrad Lotz, R. Wagner und Ludwig Jung i.
X Klein«Linden, 1. April. Der Eisenbahn- schlosser Wilhelm S c n 3 VI., dahier, kann heute, ain 1. April, auf eine 25jährige Tätigkeit Im Dienste der Eisenbahnverwaltung zurückblicken.
Kreis Friedberg.
sf. Friedberg, 1. April. 3n der jüngsten Stadtverordnetensihung widmete der Vorsitzende, Bürgermeister Dr. Seyd, zunächst dem verstorbenen Rektor Koch einen warm gehaltenen Rachruf, in dem er die außerordentlichen Verdienste dieses Mannes um die Stadt Friedberg hervorhob, und teilte sodann mit, daß der Prokurist Wilhelm Ludwig an Stelle Kochs in die Versammlung eintcete, und daß ab 1. April das Referat über die technischen Betriebe von ibm selbst, statt wie bisher von dem Beigeordneten Langsdorf, übernommen werde. Die Tagesordnung lief ohne größere Debatte ab. 3n der Hauptsache wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 2m Laufe des Sommers wird ein neues Ortsbau st a t u t vom Stadtbauamt auZgearbeitet werden. Für das Maschine nlaborato- rium des Polytechnikums wurden je 420 Mark bewilligt, zur Herstellung einer kleinen Heizungsanlage und von drei Lüftungsklappen. Zum Dau des Elektrolaboratoriumß wurde die Ctatüberschreitung von 3500 Mark nachträglich bewilligt, e&enfo für Inneneinrichtung 8000 Mark. Die Herstellung eines Antennen- holzmasteS hat sich als notwendig erwiesen, die Kosten (1730 Mark) hierfür wurden genehmigt. Für die städtische Schillerschule wurde ein Elektrolaapparat angeschafft. Für die neu- eingerichtete Handelsschule stellt die Stadt daS Lokal, die Einrichtung und die Heizung. Rach weiterer Erledigung verschiedener ilcineret Punkte wurde erneut ein Gesuch deS hiesigen Verkehrsvereins behandelt, der einen Kostenzuschuß für den von ihm jetzt neu herausgeaebenen Führer im Betrage von 800 Mark wünscht. Dieser Antrag war schon einmal abgelehnt worden, weshalb Stadtverordneter Gebhard mit Rücksicht auf alte Gepflogenheiten erneute Ablehnung forderte. Hierbei verwahrte er sich auch gegen die Berichterstattung über diesen Punkt in einer hiesigen Zeitung. Beigeordneter W i n d e ck e r stimmte diesen Ausführungen grundsätzlich zu, bat jedoch um Annahme des Ausschußantrags, der 400 Mark bewilligt. Mit 10 gegen 6 Stimmen wurde dem beigetreten. Die hiesige Turngemeinde hatte um EigentumSüberschreibung für das Gelände, auf dem ihre Turnhalle steht, gebeten. Aach dem Bericht des Beigeordn. Windecker geht auS den Akten hervor, daß der Grund und Boden nach wie vor der Stadt gehört. Der Turn» gemeinde wurde deshalb nur daS Erbpachkrecht eingeräumt.
Kreis Büdingen.
L Nidda, 1. April. Gestern wurde an der hiesigen Gewerbeschule das Wintsrsemester mit einer schlichten Feier im „Gambrinus" geschlossen. Die Eltern der Schüler, der Aufsichterat der Anstalt und viele Handwerksmeister und Freunde der Schul» hatten sich zu der Feier einge- funden. Der Vorsitzende des Aufsichtsrate, Geh. Justizrat R ö m h e l d , entbot ihnen herzlichen Gruß und Willkomm und trug dann in großen Zügen dis Geschichte der Gewerbeschule seit ihrer Gründung im Jahre 1841 vor, bis sie auf den heutigen Stand kam. Mit Freuden konnte er den Dank an die Lehrer und Schüler für gewissenhafte, fleißige Arbeit im zurückgelegten Semester und für die ansehnlichen Zuwendungen von Geldmitteln seitens einiger Gemeinschaften und größerer Gewerbetreibenden aussprechen. Hierauf erstattete der
böser Traum! Uni> auch das ist Täuschung, daß dieser lächelnde Junge die Weinflasche, oie er eingießen möchte, oben am Flaschenhals anpackt? Schon hat er von einem Prüfungsmeister einen Wischer und einen Minusstrich weg. Ja ja, die sogenannten Gäste hier haben überall Augen und dürfen schon eine Lippe ri-kieren, ohne Gesahr zu laufen, von dem jungen Herrn Ober darob ungebührlich angeblafft zu werden.
Die Köche — stundenlang hat sich ihr mannigfaltiges Weck unten in der großen Küche des Zoo unsichtbar vorbereitet. Ansonsten erreicht eine Reklamation eines simplen Gastes kaum den eigentlichen Hebet tätet. Das hat sonst der bratenrockgeschmückte Herr Geschäftsführer auf seine breiten Schultern zu nehmen. Wie anders heute! Der kleine Tadel lauft rückwärts bis zu der unglücklichen Stelle, die verantwortlich ist. Da sind die Kartvffelklöße nicht geraten. „Schlecht!" notiert ein Prüfungsmeister schlicht. Da wird das Irish Stew zu weich befunden, desgleichen ein Apfelreis, Monitum, Monitum. — das raunt sich Weiler von Kellnermund zu Kellnetmund und weiter herab in die Küche bis zu einer bestimmten Hummer. Wie hier überhaupt alles numeriert ist, damit jeder Irrtum ausgeschlossen bleibt. Die anderen guten, sehr guten dagegen — wie gern setzte ich hier recht zahlreich« Namen her, den Weg eines zukünftigen deutschen Brillat-Savarin mitzubereiten. Ich begnüge mich, nut die ganz besonders Prämiierten zu nennen: Paul Majewski (Dodenburg, Danzig) mit drei Servis Vorspeise: Kurt Nüri- nicke (F. W. Dorchardt, Berlin) mit einer Noisette de chcvreuil bigarde; Heinz Genh (Uhland- eck, Berlin) mit Seezungen Müllerin Art und einem Kolbssteak Gourmandise. Das soll man steudig anerkennen.
Zum Schluß ein kleines PrivatgestandniS: solch ein PrüfungSessen ist eine schwer zu ertragende Angelegenheit, namentlich für den Mitesser. Ich tröste mich mit dem Umstand, daß man so etwas nur zweimal im Jahre miizumachen braucht. In dreifacher Auflage betafelt zu werden, geht schon über jede Gourmandise hinaus. Schrecklich, daran zu denken, daß so etwa- unter Ludwig XIV. zur täglichen Lebensnotwendigkeit gehörte. Punktrvller perl
Leiter der Gewerbeschule, Rekwr Ditk den Rechenschaftsbericht über das al-ge lufene Schuljahr. Die Schule umfaßt drei Klassen. le von 96 Schülern besucht wurden. 32 Schüler der! Oberklasse wurden jetzt entlassen. Von ihnen hv-t-n sich 14 mit Erfolg der Abgangsprüfung, die untq dem Vorsitz von Dbcrbaurat Frey in Büdingen statt- gefunden hatte, unterzogen. Ein Schüler" hä die Note „sehr gut", 7 haben die Note „gut* erwlten. Dos Hauptziel der Schule bildet die Heranbchung tüchtiger Meister. Der Leitung der Gewcrbeftule Nidda unterstehen noch die gewerblichen Fcbtbil- dungsschulcn Nidda, Schotten, Ulrichstein, Larbach, Hrmg^n, Echzell und Reichelsheim i. d. W. mit etwa 550 Schulern, die zur Gesellenprüfung vorbereitet werden. An diesen Schulen unterrichten auch hesige Gewerbelehrer. Nach väterlich gemeinten Erwähnungen und den besten Wünschen für die Zukurkt an die abgehenden Schüler, verteilte der Anstaltgciter die Zeugniste und lud die Anwesenden zu «jnern Rundgang durch die in der Gewerbeschule befiniliche Ausstellung von Zeichnungen, Modellen und imfti« gen Arbeiten der Schüler ein. Die Besucher aaren erstaunt über die Reichhaltigkeit der Leistunaen und olle sachverständigen sprachen sich lobend ütrfr-bic genaue und saubere Ausführung der Schüleranciten aus. Die Anstalt hat ihrem guten Rufe wiedep volle Bestätigung verschafft.
-> Bad Salzhausen 1. April. Vier Wochen vor beginnender Badesaison hat das hiesige staatliche Kurhaus seinen Betrieb eröffnet. Damit wird die Oed« und
Stille, die der Winter über unseren Bbdeort legt, unterbrochen, und der Aatursreund 6er sich an dem Grünen und Knospen des *3arte erfreut, findet auch in gesellschaftlicher Hnsicht Leben vor.
Aus dem Niddatal, 1. April. Die Regentage nach der langen Trockenheit paben im Felde alles verändert. Die Winterfrucht .wgt üppig grün von den Aeckerl und zeigt in ihrer Entwicklung, daß die hier ukd da gehegten trüben Befürchtungen über Auswinterung im allgemeinen sich nicht bestätigen. Die früh gesäte Sommerfrucht ist im Auigeben begriffen. Hier und da haben die Hävnchen schon eine Länge von einigen Zentimetern. Fast über Nacht haben sich die Wiesen in einen grünen Teppich verwandelt. Die Knospen der Dirn- und Kirschbäume stehen vor dem Auf- springen. In den höher gelegenen Gemarkungen des TaleS, etwa von R a i n r 0 d ansangend, hat man kaum oder noch nicht mit der Aussaat begonnen. Sie wird durch die Nässe deS BvdenS eine weitere Verzögerung erfahren.
* DisseS, 1. April. Gegenwärtig werden in unserer Gemarkung große Ent wässern Nysarbeiten vorgenomnren. Dabei stieß man in nicht unbeträchtlicher Tiefe auf ein v 0 r- zeitliches Urnengrab. Unser Lehrer Göry nahm den Inhalt, vor allem Knvchen- reste, in Gewahrsam und führte Urne mit Inhalt dem Museum in Friedberg zu.
rL Dleichenbach, 1. April. Am Freitagabend gegen 11 Uhr verunglückt eder Müller K. von Wolf mit seinem Personenkraftwagen kurz vor unserem Dorfe. Er hatte, die ziemlich steile Straße von Selters herabkom- mend, an der Kurve vor der Brücke über die Bleiche auf bisher unerklärte Weise die Herrschaft über seinen Wagen verloren und fuhr mit großer Wucht gegen die Brückenmauer. Nur dem Abweiser am Drückenende ist es zu verdanken, daß der Wagen den hinabgestürzten Steinen nicht fiadjfolgte. Herr K. muh den Wagen nach längere* Arbeit wieder in Gang gebracht haben; jedoch schon 150 Meter weiter dem Dorfe zu scheint c*. einen Vergaserbrand bemerkend, aus dem Wagen gesprungen zu sein, der dann die Böschung hi nun ter fuhr und sofort in hellen Flammen stand. Herbeigeeilte Leute brachten den bewußtlos am Wege liegenden Bescher in 6a8 nächste HauS, wo er bald teilweise daS Bewußtsein wiedererlanate. Sanitätsrat Hahn (Ortenberg) verbrachte ihn nach dem Büvinger Krankenhaus. Der Wagen ist vollständig verbrannt.
Kreis Schotten.
ch AuS dem Kreise Schotten, 1. April. Die Sammlung der Flurnamen hat. während der Wintermonate rasche Fortschritte gemacht. Bon einer ganzen Reihe von Gemeinden liegen bereits vollständig abgeschlossene Sammlungen mit den nötigen Flurkarten vor. -flut ht
Oie kleine Birke.
Von Manfred Hausmann.
Nur drei Worte! Nein, du mußt nickst Her- Hören! Ich will der kleinen Birke, die ich hier am Bahndamm getroffen habe, etwas sagen.
ES ist schon Abend geworden, manchmal rauscht ein Windstoß über die Felder, die febnurge- raden Gleise verlieren sich fern in der Dämmerung, daS Bahnwärterhäuschen dahinten hat schon Licht. Aber der Himmel schwebt grün und rosa über dieser Erde. Und da schvümmen zwei Vögel in der grünen Klarheit. V ielleicht sind «S zwei Habichte. Sie schwimmen in -großen, langsamen Kreisen dahin, über den Bahndamm und weit, weit über die Walder hin. Iesdesmal, wenn sie sich nach Westen herumsch)wingen, glänzen ihre Brüste golden auf.
Ich blicke ihnen nach, wie sie immer, weiter reisen.
Du, sage ich leise, siehst du die g oldenen Vögel da oben, kleine Dirke?
DaS Getreide schlägt Wellen, der Wi nd fegt heran.
Da wirft die kleine Birke ihre Arme tst'ild und krank in die Höhe den Vögeln nach uftb läßt sie wieder sinken. Und bann neigt sie »sich ermattet gegen den Bahndamm. »
Ich stelle mich gan,; dicht neben Wie und streichle ihr dünneS Stämmchen.
Kleine Dirke, slüstere ich vor mich frtn, wir beiden, kleine Birke . . . Ich bin heu te auch so traurig, weißt du . . .
Und dann stehen wir eine Zeillmig mit gesenkten Häuptern nebeneinander und ruhten unS nicht, biS es so weit ist, daß ich weiter schlurfen mutz. Ich schlurfe langsam weiter.
Hochschulnachrichien.
Dct Frankfurter Lektor für Ro«manische Philologie, Dr. Hellmuth Petticon i, wird im Sommetsemester an der Universitä t Madrid aus Einladung der spanischen R egieruna Vorlesungen halten. Wit seiner Vertretcung und Abhaltung der Vorlesungen an der Fra n k f u t* ter Universität ist seitens des Pteußis^hrn Ministers für Wissenschaft, Kunst und DoNISbildung Dr. phil. HanS Jeschke beauftragt | toorfoen.


