schiebens Ehegatten evangelisch, 92 .römischckatho- lisch, 5 israelitisch, 165 Ehegatten standen in Mischehen. 3n 209 Fällen war der Mann der Kläger, in 300 Fällen die Ehesrau. Schuldig gesprochen wurden 249 Männer, 120 Frauen. 140 beide Parteien. Wegen Ehrbruchs wurden 188 Ehen geschieden, wegen Verletzung der ehelichen Pflichten 302, wegen Geistesstörung 10.
Das Programm des Konzertvereins.
Wie aus den Anzeigen ersichtlich, veranstaltet der Kon^ertverein — wie er uns schreibt — auch in dem neuen, seinem 138. DereinSjahr, die üblichen zehn winterlichen Konzerte, trotz der Ungunst der Zeit und des in den letzten Jahren zuweilen zu beklagenden unzureichenden Besuchs. Es soll gern und dankbar anerkannt werden, daß eine größere Anzahl treuer Anhänger seiner Sache immer vorhanden waren: allein der Verein bedarf zur Sicherung seiner Existenz noch tätigerer Teilnahme aus weiteren Kreisen. Auf solche förderliche Unter- stützuna kann s chlechterdings nicht verzichtet werden: ihr Ausbleiben kann sogar verhängnisvoll für eine musikalische Gemeinde werden, bei deren Veranstaltungen weder ein geldlicher Gewinn angestrebt, noch erzielt wird, aber zum mindesten Deckung der unvermeidlichen und großen Ausgaben erreicht werden muß. Für die bevorstehenden zehn Konzerte sind Künsller von anerkannter Meisterschaft gewonnen worden, deren Namen nicht nur in Deutschland und überhaupt auf dem Kontinent, sondern auch jenseits des Ozeans besten Klang haben.
Das gilt vornehmlich von Joseph Szigeti, dem Liebling unserer Musikfreunde. Der jetzt in Paris wohnende Künstler hat kürzlich eine große Konzertreise durch Rußland gemacht, auf der ihn gewiegte Kenner als einen unter den vielen Musikern bezeichnet haben, die man nicht als bloße Instrumentalisten bewerten darf, sondern deren seltene, einzig dastehende Gaben das Instrument überragen und vergessen lassen, weil alles Materielle samt der Technik verschwindet. Die freundlichen Beziehungen zu seiner Gießener Gemeinde find Herrn Szigeti Veranlassung gewesen, ihr den Sonntag. 4. November, freizuholten, cbwohl er so vom In- und Ausland in Anspruch genommen wird, daß seine Gastspiele auf die Musikzentren beschränkt werden müssen.
Sein großer Rivale auf dem Klavier, Wilhelm Ballhaus, hat gleichfalls seine Zusage erteilt und wird bei uns am 6. Januar musizieren. Er darf wohl als unser Freund, ja ehemaliger Mitbürger angesprochen werden, denn er ist schon in den 90er Jahren vorigen Jahrhunderts als Knabe in Gießen aufgetreten, hat seitdem manch anderes Mal jyiet mu i'iert und sich gelegentlich seines zweijährigen Aufenthalts als Landsturmmann im Gießener Ae'ervelazarett durch seine Kunst im Dienste der Wohltätigkeit uneigennützig und erfolgreich bewährt. Seit wir ihn nicht gehört haben, weilte der Klkistler auf Gastspielen in Italien, Nord- und Südamerika imd sogar in Australien: eine Tätigkeit, nicht nur reich an Ehren und «rohen Erfolgen, sondern auch verlockend für ihn durch die glänzenden Angebote, mit denen man ihn dauernd an die Fremde zu fesseln versuchte.
In einem weiteren Solistenabend wird Frau Emmy von Stetten aus Berlin eine Reihe von Liedern Vorträgen und dabei von unserem Dr. Temesvary bege'et werd n.
Eine seltene Gelegenheit wird das Orgelkonzert des bekannten und zur Zeit wohl größten deutschen Organißen, Günther- Ramin aus L«p'ig bieten. Ce: hervorragende Musiker, der die Ldrgel der altehrwürdigen Tho- maskirche in Leipzig, der Wirkungsstätte eines Bach und seiner Rachfolger, betreut, wird hier Werke von Bach und Reger zu Gehör bringen.
Die K a m m er musik wird vertraten sein durch das Leipziger Gewandhaus- Quartett mit dem Pringeiger Pros. Woll - gandt an der Spitze. Es hat vor Jahren hier zusammen mit Meister Reger ge pielt. Das diesmalige Programm birgt inso ern eine Uebey- rafchung, als es durch ein K tttter Quin ett bereichert wird. Unsere ei ch i nische Künstlerin Paula Hegner will dm Klav'e Part übernehmen und auch solistich zu dem Konzert beitragen.
Daß das beliebte Wendlin-Quartett wiederkehrt, wird sic'er ich den München seiner vielen Verehrer enj -rechen.
Die Orchester-Konzerte werden auch in diesem Winter von dem ttef lichen Frankfurter Shmphonie-O rchestera s e uhrt. Es musi'i rte in te' te: Zeit vitt ach unte- P o'. Wendel und Scher e n 1 feier e gr e ri '.rnphe. Ueber fein Programm soll näch enö näheres mitgeteilt werden cs wird hi:r w ederum der Leitung unseres ver hrten Dr. Temesvary untersteh«!, der wie bekannt, gllichzei ii ©irr gent der städt scheu Chor- und Orchesterkonzerte In Offenbach ist.
Den Abschluß des Zttlus bildet d'e ebenso bewunderte, al» Hegen ihrer Schri rtg et en ge furch* te Missa solemnis von Beethoven.
Ueber die ein'einen Daten und sonstiges Wissen'werte werden zu rechter Zeit nähere Angaben folgen.
Oberhessischer Missionsverem für Basel.
y. Bad-Nauheim, 29. Oft. Gestern und heute tagte in unseren Mauern die Jahresversammlung des Oberhess ischen Missionsoerern für Basel. Unsere Gemeinde, in der ein blühender Missionsfrauenverein besteht, stand am Sonntag unter dem Zeichen der Mission. Im Gemerndeabend sprach Missionar Lank (Frankfurt a.M.), nachdem er auch im Gottesdienste eine Missions- Predigt gehalten hatte, über das zeitgemäße Thema: .China im Kampf um den neuen Geist".
Die heutige Jahresversammlung, zu der auch der Superintendent von Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner, und der Vorsitzende der Hessischen Missionskonferenz, Professor Werner (Frredberg), erfdjienen waren die mit herzlichen Worten die Versammlung begrüßten, und an der auch hiesige Gemeindeglleder teilnahmen, fand im Gemeindehause statt. Pfarrer Fischer (Nieder-Weisels hielt die Andacht, in der er Parallelen zwischen Mission und Reformation zog, weil wir nahe vor dem Reformationsfeste stehen. Darauf begrüßte der Vorsitzende des Vereins, Dekrn Guß mann (Kirchberg), die Versammlung, erstattete den Jahresbericht, aus dem hervorging, daß zur Zeit 105 oberhessische Gemeinden dem Missionsverein angeschlossen sind, und schilderte die Vereinsarbeit des vergangenen
Oer frankfurter Bühnenpwzeß.
WSR. Frankfurt a. M.. 31. Oft. Am dritten Derhandlungstag gegen Müller-Wieland wurde die Vernehmung Alois Resnis fortgesetzt, der sich über die Sommergastspiele äußerte, die 1926 veranstaltet wurden. Nach einer Zusammenstellung seien an den Zeugen insgesamt 4800 Mk. gezahlt worden, doch erklärte R e s n i, daß das nicht stimme, er habe nur 3350 Mk. erhalten. Der Angellagte wurde aufgefordert, sich dazu zu äußern, und erklärte, es sei vorgekommen, daß eine Ausgabe auf einen anderen Namen gebucht worden sei. Der Vorsitzende verwies auf das Merkwürdige dieses Verfahrens und erkundigte sich, ob außer der Aufstellung auch noch ein Kassenbuch bestehe. Der Angellagte bejahte das, aber er äußerte, daß es nicht mehr vorhanden sei und bezeichnete die F a l s ch b u ch u n g als ein Versehen.
Als die Vernehmung des Magistratsrats a. D. Dr. ©edel, der Justitiar der Bühnengesellschaft ist, erfolgen sollle, beantragte der Verteidiger Dr. Fürst Aussetzung der Vereidigung, da der Verdacht bestehe, daß der Zeuge in seiner Eigenschaft als Justitiar durch Schweigen die Fortsetzung der durch den Revisionsbericht gerügten Verfehlungen geduldet habe. Der Staatsanwalt widersprach und das Gericht beschloß die Ver- eiöigung, da keine Anhaltspunkte bestehen, daß der Zeuge dem Ang^lagten Beihilfe geleistet haben könnte. Der Zeuge wurde dann im Kreuzverhör vernommen. Er gab eine ausführliche Darstellung über seine Tätigkeit als Justitiar uyd betonte dabei, daß er eine Art Rechtskonsulent für die Bühn engesellschaft war und zu irgendwelchen Kontrollrechten nicht befugt gewesen ist. Auf den Zeugen hat der An- geftagte den Eindruck eines außerordentlich fleißigen Beamten gemacht, der in Theaterdingen durchaus erfahren war. Anderseits hatte der Zeuge Bedenken gegen seine Aufrich-
Jahres. Er gab Mitteilung, daß nach dem Beschlüsse des Vorstandes der Verein sich an der Wiedereinrichtung des durch die Inflation verlorengegangenen »Leydhecker-Preises"der LandÄuniversität beteiligen wird. Als Mitglied zum Vorstände wurde Reallehrer D e g g a u (Rockenberg) gewählt, der die Wahl annahm. Die Rechnungsablage durch Pfarrer S t a wb a ch in Watzenborn-Steinberg ergab einen Vermögens- stand von 401,40 ML Den Hauptgegenstand der Verhandlungen bildete der Vortrag des Mis- sionssekretärs Iehle (Basel): „Welche Anforderungen stellt die neue Zeit an b i e Basler Missio n?“ Der Vortrag beleuchtete blitzllchtartig die Umwälzungen, die die neueste Zeit (man braucht nur an den fernen Osten zu denken) überall daheim und draußen gebracht hat, und die gewalttgen Aufgaben, die für die Missionsgemeinde in der Heimat daraus folgen. Die Aussprache war, der Fülle des Dar- gebotenen entsprechend, sehr lebhaft und anregend. Sie betonte noch einmal auf das ernsthafteste die Erscheinungen der neuen Zelt in der Heidenwelt und in der Christenheit, die zum Teil ganz gleichartig sind, und der gespanntesten Aufmerksamkeit und Mitarbeit aller, die mit Ernst Christen fein wollen, bedürfen.
Oberheffen.
Landkreis Gienen.
Z Allendorfa. d. Lda., 31. Oktober. Am Sonn- tag wurde hier oas Erntedankfest gefeiert. Der Haupigo.tesdienst war so stark besucht, daß fast jeder Platz besetzt war. Die Konfirmanden führten ein Erntefestspiel auf, in dem sie mit Bibelsprüchen und sinnigen Begleitwvr en die Früchte des Gartens und Feldes zum Altar brachten. Verschönt wurde die Fe er noch durch den Vortrag einiger von Lehrer Strack mit den Konfirmanden und der ersten Schulklasse recht gut eingeübter mehrstimmiger Lieder. Bei der Nachfeier. die abends wiederum in der Kirche stattfand und die ebenfalls sehr gut besucht war. wies der Ortsgeistliche, Pfarrer Andres, in seiner Ansprache noch darauf hin, daß 2 00 Jahre verflossen seien, seitdem der größte Brand, der jemals Allendorf heimgesucht, In unserer Stadt gewütet habe. Wie die Chronik erzählt, seien bei diesem Brande, der am 21. Sonntage nach Trin.tatis 1723 während des damaligen Nachmittagcgo tesdienstes auOgebrochrn, innerhalb zweier Stunden über 200 Hofreiten dem verheerenden Elemente zum Opfer gefallen und nur 32 Wohnungen, meistens an der Stadtmauer stehend, verschont geblieben. Die Tcller- sammlung nach den Gottesdiensten, d e ein gutes Resultat ergab, war für das Ettsabethenstift (n Darmstadt bestimmt. — Da für die Wahl der hiesigen Kirchengemeindevertreter nur ein Wahlvorschlag eingegangen war, brauchte die vorgesehene Wahl nicht stattzufinden. Die In dem Wahlvorschlag Genannten sind gewählt. Die meisten von ihnen gehörlen der Vertretung seither schon an, nur an Stelle einiger Herren, die eine Wiederwahl abgelehnt hatten, trat Ersatz. — Zu Fleischbeschauern unserer Stadt wurden, nachdem der seitherige Beschauer, Dr. Harth, dieses Amt niebergeiegt hat, unter vier Bewerbern der Kriegsbeschädigte Andreas Merkel, sowie Heinrich Weiß von hier bestimmt.
-(Großen-Linden, 1. Noo. Das hiesige, über 100 Morgen große Pfarrgelände wurde dieser Tage in einzelnen Losen verpachtet. Die Preise waren allgemein recht hoch. Pro Morgen wurden bis 100 Mark an Pacht geboten, und dann kommt noch die Grundsteuer hinzu. — Die hier schon seit vier Jahrzehnten im Witwenstande lebende Christina Weiß geb. Wagner vollendet am 3. d. 2R. itjr ac^t- 3 l g ft e 6 Lebensjahr.
* Grohen-Linden, 1. Nov. Der Strumpfwarenfabrikant Otto Gaß mann und Ehefrau, geb. Schrader, begehen morgen im Kreise ihrer Kinder und einer großen Enlelschar das Fest der goldenen Hochzeit. Beide Ehegatten sind noch sehr rüftig; der alte Herr ist 71 Jahre, seine Frau 72 Jahre alt.
s. Hungen, 31. Oft. Am Montag wurde hier, wie alljchrlich, ein Waggon mit Liebes - gaben für das Elisabethen st ist In Darmstadt verladen. Man hat in den Vorjahren die Erfahrung gemacht, daß eS nicht vorteilhaft ist, wenn zuviel verschiedene Lebensmittel in einen Wagen geladen werden. ES wurde darum gebeten, von Gemüse un6 Obst abzusehen und sich auf Kartoffeln, Mehl und Frucht au beschränken. An der Sendung beteiligen sich alt»
tlgfeit. Daß der Angellagte sich materiell bereichern würde, daran hat der Zeuge nie geglaubt.
Es folgte dann die Vernehmung des Opernintendanten Professor Clemens Krauß. Dem Zeugen wurde ein von ihm an den Angeklagten gerichtetes Schreiben vorgehalten, in dem sich der Passus befindet: „Ich hoffe, daß Sie durch die Operettengastspiele ein reicher Mann geworden sind." Diese Auslassung deutete der Zeuge dahin, daß er damit den Angeklagten in feiner Eigenschaft als Verwaltungsdirektor meinte, der durch den Zufluß von Eintrittsgeldern in eine gute Lage versetzt werde. Daß der Angellagte privat reich würde, hat der Zeuge nicht zum Ausdruck bringen wollen, weil er ja nicht des Glaubens war, daß Müller-Wieland die Spiele in eigener Regie ausführte. Professor Krauß bekundete dann weiter, daß er in künstlerischen Fragen immer eine Stühe an dem An- gesagten hatte, dec sehr rührig gewesen sei. Den Eindruck, daß Müller-Wieland viel Geld verdienen wollte, hatte der Zeuge nicht. Es sei dem Angeklagten gelungen, die Logen für das Theater zu interessieren, und man führte ein neues Abonnement ein, von dem er wisse, daß es recht günstig war.
In der Nachmittagssitzung wurde Verwaltungs- oberinspektor Ernst Gelhaar vernommen, der mehrfach die Bücher der Bühnen-A.-G. geprüft hat. Dabei habe sich eine Differenz zuun - gunsten der Städtischen Bühnen-A.°G. von 6744,58 Mk. ergeben. An diese Feststellungen reihten sich längere Ausführungen der Verteidigung, die eine andere Rechenmethode vorschlug als die, die von dem Revisor angewandt wurde. Dadurch wurde die Vernehmung über zwei Stunden hinausgezogen, ohne daß ein positives Ergebnis gezeitigt werden konnte.
Die Verhandlung wurde schließlich auf Freitagvormittag vertagt.
jährlich die Gemeinden Hungen, Langd, Rodheim mit Rabertshausen und Steinheim, Billin- gen mit Nonnenroth und Trais-Horloff mit Utphe und Inheiden. In Utphe war die Beteiligung an der Spende besonders rege: es konnten aus dem kleinen Ort etwa 35 Zentner Speisekartoffeln nach der Bahn gebracht werden. Das Anfahren an die Bahn bereitet allerdings oft Schwierigkeiten, da wegen der landwirtschaftlichen Arbeiten schwer Fuhrwerke zu haben sind.
r S teinh eim, 31. Oft Im vergangenen Jahre wurden um diese Zeit in der Nacht des Kirmesmontags 6 junge, wüchsige Ob st bäume geknickt und dermaßen beschädigt, daß sie fast alle eingingen. Kurze Zeit darnach wurden an der Unter-Widdersheimer Straße zwei stärkere Iungbäume verschniht, die jedoch nach sorgsamer Behandlung leidlich weiterwuchsen. In diesen Tagen wurden nun an der Bahnhofstraße drei im Vorjahre gepflanzte, in bestem Trieb stehende Apfelbäume von gewissenlosen Frevlern wieder abgeknickt, so daß sie vollständig verloren sind. Auch ein in der Nähe befindlicher Lattenzaun mit Brtonpsosten wurde umgerissen und die Latten demoliert. Obwohl alle diese Vorfälle der Polizei gemeldet wurden, ist es bis jetzt noch nicht gelungen, der üblen Patrone habhaft zu werden. Hier wäre eine exemplarische Bestrafung am Platze.
U Rodhelm bei Hungen, 31. Oft. In sinniger Weise feierten wir in unserem Kirchspiel am vergangenen Sonntag das Erntedankfest. In se.ner Urform wahr.cheinttch tm Jahre 1851 von dem damaligen Pfarrer Bernhard Ferdinand Müller eingeuhrt, wurde es, nachdem es eine Zeitlang in anderer Weise begangen worden war, von Pfarrer R. Schlosser im Jahre 1910 erneuert und ausgestattet und 1922 von Pfarrer Dr. H e 0 m a n n ■ wieder aufgenommen. Aus beimatlu'em Boden gewachsen, wirkte es besonders volkstümlich. Bereits am Freitag vor dem Fest rief ein jugendlicher Herold mit der Ortsschelle die Leute an die Fenster, um dann mit lauter Stimme um Früchte des Gartens und des Fel des zu bitten, dis von der ihn brg'ei'enden Kinderschar eingesammelt wurden und später teils dem Elifabethen- stift In Darmstadt, teils dem Hungener Krankenhaus zugeführt wurden. Das Sammler- sprüchlein lautete: „Das Ern e est steht vor der Tür! Ihr Leute alle, helfet mir! Gebt eine Aehre cder zwei, von Weizen, Korn und was es sei, die Kirche froh zu schmücken, es wird wohl keinen drücken. Kartoffeln, Rüben auch ein paar, und sonst, was auf dem Felde war: ein wenig jeder, wie er will, es würde sonst uns viel zu viel. Und möge Gott dann feinen Segen auf alle eure Früchte legen!" Der dann am Sonntag stattfindende Gottesdienst war recht zahlreich besucht. Das Gotteshaus war mit Blumen und Früchten aus Garten und Feld reich ausgeschmückt. Der erste Teil der Feier wurde aus- gefüllt von dem Rodheimer Erntefest- spiel, das ein in Text und Melodie wahrscheinlich auch von Pfarrer Müller stammendes Erntedanllied enthält. Das Festspiel, wie auch die daraus folgende Predigt hinterließen bei allen Gottesdienstbe uchern einen tiefen Eindruck. Anschließend an den Gottesdienst fand die A m t s- elnführung der neuen Kirchen- gemeindevertreter statt. Die Versammlung wählte sodann den Kirchenvorstand. Bis auf Heinrich Kröll VI., der Infolge seines hohen Alters auf eine Wiederwahl verachtete, traten alle wieder in ihre seitherige Stelle ein. In Dankbarkeit gedachte der Vorfitzende, Pfarrer Kornmann, bet segensreichen Mitarbeit des Zurücktretenden. Für ihn trat sein Sohn, Heinrich Kröll IX.. auf einstimmigen Beschluß der Versammlung in Den Kirchenvorstand ein.
s. Trais-Horloff, 31. Oft. Eine Haus» sammln ng für die S p i le p t i sch e n-An - sta11 in Äieder-Ramstadt ergab in unserem Kirchspiel den Betrag von 91 Mk. Davon entfallen auf Trais-Horloff selbst 27 Mk., auf die Filialen Inheiden 34 Mk. und Utphe 32 Mk.
Kreis Friedberg.
WSN. Friedberg, 31. Oft Gestern abend fand im großen Hörsaal des neuen Polytechnikums die Eröffnungsfeier der Volkshochschule Friedberg statt Beigeordneter Repp begrüßte die Gäste und erläuterte die Ziele der Kurse. Wie der Leiter der Volkshochschule Gießen, W. H e g a r, mitt eilte, soll versucht werden, in ganz Oberhessen in verschiedenen Orten Volkshochschulen zu errichten.
WSN. Ober-Mörlen, 31. Oft. Im kommenden Frühjahr wirb hier mit einer Regu
lierung der Usa begonnen. Gleichzeitig soll eine neue Detonbrücke über die Ufa gebaut und ein Wehr errichtet werden. Die Gesamtkosten der Regulierung werden auf 62 000 Mark veranschlagt
Kreis Büdn gen.
4 Ortenborg, 31.Oft Der allbekannte, weit über 600 Jahre alte Ortenberger Kalte Markt vom 28. bis 31. Oktober erfreute sich auch in diesem Jahre eines guten Besuchs. Die Eisenbahn hatte Sonderzüge eingelegt, um den Zustrom der Auswärtigen, hauptsächlich aus der Wetterau und dem Vogelsberg, bewältigen zu können, der besonders stark war am Dienstag, dem Haupttag des Marktes. Die noch neue Autobusverkehrslinie nach Bergheim—Usenborn—Gelnhar einerseits, nach Wippenbach—Bellmuth—Babenhausen—Schwickartshausen andererseits wurde fleißig benutzt, so daß der Wagen meist überfüllt und tagsüber dauernd in Verkehr war. Auch von Büdingen und anderen Orten waren Autobusse eingestellt. Schönes Wetter, mit lachendem Sonnenschein begünstigte das Marktgeschäft. Der Pferdemarkt am Montag wies — wie schon kurz berichtet — eine Schau gutgepflegter, vortrefflicher Pferde auf — an 900 Stück war der Bestand —, doch war die Kauflust nicht so groß, wie sonst, wohl infolge des allgemeinen Geldmangels mit der in diesem Jahr in unserer Gegend ungünstig ausgefallenen Obsternte. Für gutz Pferde wurden höchste Preise bezahlt. Am Dienstag zum Rindviehmarkt waren 500 Stuck Vieh auf- getrieben. Für eine ftischmelkende Kuh wurden 600 bis 800 Mark bezahlt. Zum Schweine markt waren 370 Ferkel und Läufer angefahren worden. Das Stück kostete 18 bis 20 Mark. Auf dem Krame r m a r k t waren 200 Stände mit Manufakturwaren, Lederwaren, Kleidungsstücken und Küchengeräten. Die üblichen Zucker- und Spielzeugbuden waren stark vertreten. Bemerkenswert waren die Ausstellungen landwirtschafllicher Maschinen und Geräte verschiedener Firmen. Als Neuheiten auf diesem Gebiet sind zu erwähnen, verstellbare Pflugttansportkarren, Viehfutterschnelldämpfer, Strohpressen, Kartoffelwaschmaschinen, Erntemaschinen sowohl für Gras wie für Getreide verwendbar. Für Vergnügen war ausgiebig gesorgt. Zahlriche ©dum» buben, darunter ein Zirkus, ein anatomisches Museum, ein mit Motoren getriebenes Karussell, eine Menagerie wurden stark besucht. In den Wirtschaft ten und Vergnügungsstätten der Stadt herrschte reger Betrieb.
oto. Ober-Widdersheim, 31. Oft. Am letzten Sonntag fand im Konfirmandensaal des Pfarrhofs die erste Sitzung der neugewählten Kirchengemeindevertretung statt Nach kurzer Begrüßung durch den Vorsitzenden wurden zunächst die wiedergewähtten Mitglieder an ihre frühere Verpflichtung erinnert und die neugewählten Mitglieder, Lehrer Ganz und Schachtmeister K l i p p e r t von Ober-Widdersheim und Beigeordneter Spengler von Grund- schwaiheim verpflichtet. Alsdann wurde die Wahl des Kirchenvorstandes vorgenommen. Es wurden sämtliche bisherige Kirchenvorsteher wiedergewähtt, nämlich aus Ober- Widdersheim Bürgermeister Heinr. Schäfer I., August Jockel, Untererhcber und Gemeinderechuer Karl Grünbein, Ludwig Hofmann II.; auS Unter-Widdersheim Bürgermeister Ludwig Wichel III. und Adam Binding VI. Der Vorsitzende gab auch bekannt, daß am 18. November eine ordentliche Kirchen Visitation durch Dekan S c r i b a aus Nidda erfolgen wird. Sodann wurden noch einige Posten der Kirchen- umbaurechnung erledigt. Am gleichen Tage fand auch in der Filialgemeinde Borsdorf die erste Sitzung der neugewählten Kirchengemeinde- vertretung statt; Lehrer Reitz und Karl Micheli, traten als neugewahlte Mitglieder ein. Nach deren Verpflichtung geschah die Wahl des Kirchenvorstandes, bei der sämtliche bisherige Mitglieder wiedergewählt wurden, nämlich Altbürgermeister Johannes Weih I., Otto Döll I.» Louis Widdersheim L, Otto Belzer I., Gemeinderechner Heinrich Michel III. und Bürgermeister Richard Widdersheim.
# Unter-Widdersheim, 31. Oft. 3n den Wäldern ist in diesem Jahre ein Eichel- ertrag herangereift, tvie seit vielen Jahren nicht. Nach den ersten Frösten sind nun die Früchte heruntergefallen, und sie liegen tote gesät unter den Bäumen. Die Forstbchörde hat in der letz.en Woche durch d e Wal, ar bei. er Eicheln le en lassen, um sie als Saatgut in den Kulturgärten, aber auch zum Verkauf zu verwenden. Einzelne Sammler brachten es täglich auf über einen Zentner gesammelter Eicheln. Für das Pfund werden 10 Pf. vergütet. Hauptsächlich kommen die Früchte der Stein- oder Traubeneiche bei der Sammlung in Betracht, da diese bei uns sehr gut fort geht, glattrindig ist und zartes Holz besitzt. Bucheckern gibt es dieses Jahr nur ganz vereinzelt.
s. Berstadt. 31. Ort. Dieser Taae kamen am hiesigen Bahnhof die ersten Zuckerrüben für die Zuckerfabrik in Friedberg zur Verladung. Sie wurden hauptsäch.ich von Landwirten aus Wohnbach. Berstadt und Utphe an- gefahren. Um die Fabrik nicht zu überfüllen ist der Versand so organisiert, daß an unsrer Station die Verladung der Zuckerrüben nur in Zwischenräumen von 14 Tagen vor sich geht. Die Ernte ist infolge der noch rechtzeitigen Spätsommerregen als gute Mittelernte anzufprrchcn.
Kreis Schotten.
X. Schotten, 30. Oft. Dieser Tage fand der Abschluß des diesjährigen hauswirtschaftlichen Fortbildungsschulunterrichts, der unter Leitung von Frl. Döh erteilt wird, statt. Die geladenen Gäste, KreiZanrt, Kreisschulamt, Rekior, Bürgermeister formten sich von dem Wert uni) den Leistungen im Unterricht überzeugen. Etwa 30 Mädchen legten Proben ihrer Kochkunst ab, ein ausgezeichnetes Mittagessen, billig und vorzüglich hergestellt, mundete allen Teilnehmern vortrefflich. Die Gäste sprachen sich außerordentlich befriedigt über das Gebotene aus. — Eine Besichtigung unserer städtischen Jugendherberge tvurde durch eine besondere Kommission unter Führung von Schulrat Hasst n ge r (Darmstadt) und Teilnahme des 3ugenb- Herbergsverbandes vorgenommen. Die schön und bequem gelegene, sehr praktisch ausgebaute und eingerichtete Herberge fand allgemein großes Gefallen. Der Stadt wurde ein Dauzuschuß von 500 Mark als Anerkennung für den schönen Dau geschenkt. — In der Stadtkirche fand im Beisein des Denimalpslegers, Geh. Rat Walde (Darmstadt), des Dauamts Schotten und deS Kirchenvorstandes eine eingehende Besichtigung und Besprechung über die in der Kirche vorzunehmenden Renovierungsarbeiten statt. Ein schöner Mittelgang vom Haupteingang direkt auf den Altar zu wird geschaffen werden, daS


