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178. Jahrgang

Nr. 258 Erstes Matt

Donnerstag, 1. November 1928

Erich« «n > >agUch,nutzer Sonntags and Feiertag»

Beilagen:

«Lietzener Familiendlätter tzeimat im Bild

Die Scholle

Mo^als.vezngrrrrls-.

2 N »mark und 20 Reick «M ennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerlttummern infolge höherer Gewalt. I-ernsprechonlchlüsse:

61, 54 und 112

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche UnwerfitSts-vuch- und Sleindruckerei R. Lange in (Sieben. Schriftleitnng und Geschäftsstelle: Schulstrahe?»

Lni:ahme von Hnjeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

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Chefredakteur

Dr Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Diumschein: für den An» zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen.

Graf Zeppelin" in Friedrichshafen glücklich gelandet.

Schwierige Nachtfahrt über die Biscaya und Frankreich.Fm Morgengrauen Ankunst über dem Bodenfee.-Um 2 Uhr früh glatte Landung. - Stürmische Kundgebungen einer ungeheuren Menschenmenge für Eckener und die Besatzung.

Glückliche Heimkehr.

Die Geister der Luft haben bis zum letzten Augenblick das Reich, das ihnen durch Jahr­tausende allein gehörte, gegen den Eroberungs­drang der Menschen mit allen Mitteln vertei­digt. Sie haben es demGraf Zeppelin" nicht leicht gemacht, weder auf der Hinfahrt, noch auf der Rückfahrt. Orkanartige Stürme, Regen, Gewitter stellten sich dem Luftschiff in den Weg, aber daß es alle diese Hindernisse über­wand, ist der beste Beweis für seine Lebens­fähigkeit. der beste Beweis, daß das Luftschiff für den transozeanischen Verkehr ein vollwertiges Verbindungsmittel und bis auf weiteres auch das einzige ist. Töricht zu leugnen, daß noch vielerlei gebessert werden muß, aber der An­fang ist gemacht, und wenn es gelang, die ungeheuren Schwierigkeiten zu überwinden, die sich diesem ersten praktischen Versuch entgegen- fteilten, dann ist die Hoffnung berechtigt, daß jetzt die Entwicklung rascher und reibungsloser sich vollziehen wird.

Deutschland grüßt das siegreiche Luftschiff, grüßt den tapferen Kommandanten und die Be­satzung, die durch ihren Mut und ihre Tat­kraft die Eroberung des Luftraumes über dem Weltmeer für immer mit dem deutschen Ramen verbanden. Fesseln genug sind uns angelegt worden. Es hat eines harten Kampfes bedurft, um den Dau des Luftschiffes den siegreichen Gegnern überhaupt abzuringen, der Mangel an finanzieller Bewegungsfreiheit machte sich mehr als unangenehm bemerkbar. Trotzdem ist es weder den Engländern noch den Amerikanern, die von allen solchen Bindungen frei sind, ge­lungen, den Vorsprung, den Deutschland hatte, auch nur annähernd einzuholen.

Aber gerade deshalb ist es auch selbstverständ­lich, daß wir uns b i e Führung nicht aus der Hand nehmen lassen dürfen. Roch weiß man nicht, was Dr. Eckener drüben erreicht hat, es scheint aber, als ob die Amerckaner sich sehr zugeknöpft gezeigt haben, vielleicht weil sie die Vorteile des neuen Verkehrsmittels gegen­über den finanziellen Kosten nicht richtig einzu- schähen wissen. Lieber sechzig Millionen braucht Dr. Eckener, um den nordamerikanisHen Verkehr regelmäßig durchhalten zu können. Das ist auch für das Land der unbegrenzten Möglich­keiten eine Summ', die nicht im Handumdrehen zu bekommen ist. Schlägt dieser Plan fehl, dann muh man versuchen, mit anderen kleine­ren Mitteln zunächst auszulommen, und die­ser Zwang weist dann auf die Linie Spanie n Südamerika. Mag fein, daß Li? Zeitersparnis gegenüber den Schiffen nach Aeuyork unter Um- ständen zu gering ist, nach Südamerika bedeutet sie mehr als eine Woche, also für den Handel eine wes ntliche Verbesserung. Dazu die Aussichten, die sich für den Verkehr nach O st - asien und nach Australien ergeben; auch wenn die Finanzgrößen von Wallstre.t ihre Ta­schen ängstlich zuknöpfen sollten, braucht Dr. Eckener das Spiel dann noch nicht verloren zu geben. Das deutsche Volk und die deutsche Regie­rung müssen Wege finden, um ihm das Geld zur Verfügung zu stellen, daß er weiter bauen und durch Ausschöpfung der letzten Erfahrungen auch in den Gröhenmaßen den Beweis erbringen kann, daß in dem Zeppelin-Luftschiff die Vorbe- dinaungen für eine neue Qlera der Weltverkehrs- Politik gegeben sind.

Die letzte Fahrtstrecke.

Friedrichshafen, 1. Noo. (WTB. Funkspr.) Das LuftschiffGraf Zeppelin" hat auf dem letzten Teil seiner Heimfahrt mit schlechtem Wetter zu kämpfen gehabt. Infolgedessen hat es die Fahrtroute über die Biscaya nicht so schnell zurücklegen können, wie es gehofft hatte. Am Mittwochnachmittag 17.56 Uhr (mitteleuropäische Zeit) befand sichGraf Zep­pelin" 4 Grad westlicher Länge, 47 Grad 20 Min. nördlicher Breite, 120 Kilometer südlich Brest, 180 Kilometer westlich Nantes. Die Witterung war im allgemeinen günstig, Wind 10 Sekundenmeter aus Norden, Sicht auf 10 Kilometer. Um 19 Uhr abends wurde in Friedrichshafen bekannt, daß die noch zu- rückzul^gende Entfernung rund 1500 Kilometer be^ trage, fo daß die Landung des Luftschiffes nicht vor Donnerstag früh zu erwarten fei. Um 19.35 Uhr überflog das Luftschiff die franzö­sische Küste bei der Loiremündung, um 20.20 Uhr wurde es bereits in etwa 200 Meter Höhe über der Stadt Tours gesichtet. Die Bevölkerung konnte deutlich das Surren der Motoren und die Lichter der Gondeln wahrnehmen. Um 23 Uhr kam das Luftschiff in den Gesichtskreis der Stadt Orle­ans. Am Donnerstagfrüh 1 Uhr wurde Dijon passiert. Mit dem Flugplatz Le B o u r g e t war ständige Funkverbindung. Um 2.55 Uhr royrbe der Graf Zeppelin" bei B a s e l bemerkt. Das Luftschiff selbst war infolge des starken Nebels nicht zu er­kennen, doch das Propellergeräusch war deutlich wahrnehmbar Basel blieb rechts liegen. Um 3 Uhr befand sich derGras Zeppelin" über W a l d s h u t,

um 3.40 Uhr über Schaffhausen. Um 4.15 Uhr wurde die Stadt Singen und der Hohentwiehl überflogen. Um 4.33 Uhr Ueberlingen. We­nige Minuten später erschien der Zeppelin zum erstenmal über Friedrichshafen.

3n gespanntester Erwartung.

Zum Empfang desGraf Zeppelin" waren be­reits Mittwoch mittag zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten in Friedrichshafen eingetrof- fen, darunter Reichsverkehrsminister v. G u e r a r d und Geheimrat Fisch vom Reichs­verkehrsministerium, Direktor S t a u ß , der Vor­sitzende des Aussichtsrates und Direktor Milch von der Lufthansa. In Friedrichshafen hat sich die Spannung und Erwartung lebhaft gesteigert. Auf den Straßen, namentlich vor den Zeitungs- Häusern, steht man in Gruppen zusammen. In­zwischen legt die Stadt Flaggenschmuck an, um das Schiff bei seiner Heimkehr zu begrüßen. Friedrichshafen bietet ein Bild, daß man das sonst so ruhige Städtchen gar nicht wiedererkennt. Vor den Türen der Werft stauen sich die Men­schen. Richt nur die hiesigen Hotels, sondern alle Orte der Umgebung sind über­füllt mit Fremden. Im Lause des Rachmlttags sind zahlreiche Mitglieder des Bayrischen und des Württembergischen Automobilklubs eingetroffen. Beide Klubs haben bekanntlich eine Sternfahrt zur Begrüßung des Luftschiffes nach Friedrichshafen veranstaltet. Bis gegen Abend waren bereits 100 bayrische und 50 württem- bergische Wagen gezählt. Der Bayrische Auto­mobilklub beabsichtigt eine besondere Ehrung für D r. Eckener.

Ein bekannter reicher Amerikaner hat übrigens der hiesigen Polizei telegraphisch mitgeteilt, daß er für alle Unkosten, die dem blinden Passa­gier bei seinem hiesigen Aufenthalt entstehen und für d i e Rückfahrt nach Amerika aufkomme. Wahrscheinlich wird die deutsche Po­lizei einen provisorischen Personalausweis für den Jungen aus stellen mit der Staatsangehörigleits­bezeichnung:Angeblich Amerikaner". Der ame­rikanische Konsul in Stuttgart, der eben­falls in Friedrichshafen eingetroffen ist, wird den Jungen unter seine besondere Obhut nehmen.

In Friedrichshafen hatte der Verkehr Mitt­wochabend geradezu beängstigende For­men angenommen. Roch immer kamen zahlreiche Autos an, so daß bei den engen Straßen kaum ein Durchkommen war. Tausende von Fremdere mußten wieder u m k e h r e n, um sich in irgend­einem anderen Ort Unterkommen zu suchen. In der Werft waren inzwischen bereits Unmengen von Glückwünschen und Blumengrüße für Dr. Eckener und die Besatzung eingegangen, übri­gens auch zahlreiche Telegramme aus Amerika für den blinden Passagier.

Lieber Friedrichshafen.

Als um 4 Uhr Böllerschüsse und Si­renengeheul die Stadt alarmierte, strömte ganz Friedrichshafen in Helten Scharen zum Flugplatz hinaus. Aus allen Häusern stürzten die Menschen, schrien und riefen. Ls ist ein wil­der Taumel der Begeisterung, der alle erfaßt hat. Wieder verschwand das Luftschiff, nm dann nochmals über der Stadt zu kreisen und sich bald darauf wieder in Richtung Bodensee zu ent­fernen. 2Han späht suchend den Himmel ab, der in der aufgehenden Morgendämmerung immer fahler wird. 3eben Augenblick muh das Luftschiff wie­der erscheinen. Kur; vor 7 Uhr wird es wieder sicht­bar. Die Landungsmanöver beginnen und gehen flott vonstatten, so daß um 7.15 Uhr derGraf Zeppelin" sich wieder auf heimatlichem Boden be­findet.

Ein fast seltsamer Kontrast in fast allen Gesich­tern: Tränen in den Augen und das Lachen einer Freude, die der Leistung des Schisses, die den Wie­derkehrenden galt. Aber immer noch lieh Dr. Ecke­ner sich nicht sehen. 3n die Fenster wurden Blumen hereingereicht.Es war eine herrliche Fahrt", sagte jemand,und es ist ein braves Schiff". Am Fenster wurde der blinde Passagier sichtbar. Man lachte und wollte ihn sehen. Dann wurde be­kanntgegeben, dah Dr. Eckener nach dieser Nacht­fahrt müde sei und deshalb nicht die Presse emp­fangen könne. Endlich wird Dr. Eckener sichtbar. Er macht trotz seiner angeblichen Mü­digkeit mit seinem gebräunten Gesicht einen frischen und lebendigen Eindruck. Wer ihn kennt, bemerkte, wie ihm, dem sonst so gleichmäßig ruhigen Mann, dem die Zeichen innerer Erregung anzusehen sind. Freude über den Erfolg aus den Augen leuchtet und wie auch ihn die Begeisterung aller ans her; greift. Er dankt und grüßt nach allen Seiten. Rur schwer konnte er sich durch die schmale Gasse durchringen, die vom Schupospalier zwischen der Menge gebildet wurde. Als er später gefragt wurde, was der schwierig st e Teil der Fahrt gewesen fei, meinte er lächelnd: Das Aus st eigen.

Unterdessen wurden drauhen die letzten technischen Vorkehrungen, die nach der Landung notwendig wurden, getroffen. Die Menge verlief sich nur lang­sam und noch Stunden nach der Landung hörte man vor den Fenstern des Arbeitszimmers Dr. Eckeners nicht endenwollende Hochrufe.

Die Landung.

Friedrichshafen, 1.Rov. (TU. Drahtbericht des Giehener Anzeigers.) Nachdem das Luftschiff mehrfach über dem Landungsplatz gekreuzt hatte, und es schon einmal kurz vor 6.30 Uhr so ausge- sehen halte, als ob die Landung sofort erfolgen würde, zog sie sich doch noch längere Zeit hin. Dr. Lckener wartete offenbar ab, bis es ganz hell geworden war. Dann aber erfolgte die Landung mit einer Genauigkeit, mit der man das vom Zeppelin gewöhnt ist. Kur; vor 7 Uhr wurde das Luftschiff wieder sichtbar und näherte sich mit abgestellten Motoren dem Landeplah. Der Bug neigte sich ;iemlich stark. Kur; nach 7 Uhr wurde vom Bug die erste Landeieine herunter- geworfen. Dann wurden die Positionslaterne und auch die Lichter der Kabine gelöscht. Unmittel­bar danach fiel die Hintere Landeleine, so dah das Luftschiff um 7.05 Uhr zehn Meter über dem Boden stand. Damit war die Landung vollzogen.

3m Augenblick der Landung strömte die auf dem Flugplatz befindliche Menge auf den Zeppelin zu, der in wenigenAugenbiicken von einer dichten Menschenmenge umgeben war, Absperrungsmannschasten waren gestellt worden, ein ernsthafter Versuch, die Menge zurückzuhatten, wurde aber gar nicht gemacht, da dies doch zweck­los gewesen wäre. Die Menge tobte förm­lich vor Begeisterung und rief zeitweilig so stark, dah der auf dem Platze befindliche Lautsprecher nicht mehr zu verstehen war. Vie Menge stimmte das Deutschlandlied an

und begrüßte Dr. Eckener mit nichtendenwollenden hoch- und Hurrarufen. Böllerschüsse ertönten und der Platz rings um den Zeppelin schien zeitweilig weih von winkenden Taschentüchern.

In der Halte.

Die Menge schiebt mit.

Friedrichshafen, 1. Rov. (Dom Sonder­berichterstatter des WTD.) Das Schiff ist nun» mehr in der Halle und ruht sich aus von den Anstrengungen der beiden schweren Fahrten über den Ozean. Die Bergung nach der Landung war außerordentlich schwierig, das lag daran, daß das Schiff zweimal gedreht werden mußte, bis es vor dem Osttor stand und in dre Hatte gezogen werden konnte. Außerdem er­schwerte die ungeheureMenschenmenge. die die pol'.zeiliche vorschriftsmäßige Absperrung überrannt hatte, die Einbringung, da sie die Gon­deln dicht umlagerte. Es blieb nichts anderes übrig, als einfach den Befehl zu geben, mirzu- schieben. Die Menge gruppierte sich zu beiden Seiten vor den Laufkästen vor dem Hattentor. als das Schiff sich in Bewegung setzte, gab es einen außerordentlich kritischen Augenblick. Dor das Tor war nämlich ein dickes Tau ge­spannt, an dem die Beamten Unbefugten den Eintritt in die Halle verwehrten. Als nun das Schiff sich näherte, war es unmöglich, das Tau und bannt den Weg in die Laufkästen freizube­kommen, weil die Menge selbst es mit» hielt. Wenn nicht jemand die Geistesgegenwart gehabt hätte, das dicke Seil mit dem Taschen­messer zu zerschneiden, so hätte leicht eine Beschädigung des Schiffes eintreten können. Als das Schiff barni geborgen war, stimmte die Menge draußen erneut das Deutschlandlied an, das in der weiten Halle ein Echo fand. Die Beneideten, die sich m der Halle aufhalten durften, die Frauen und sonstigen Angehörigen der Besatzung, die Ehrengäste und die Presse, brachten dem Schiff und seiner Besatzung eine besonders herz­liche Ovation dar.

Erste Unterredung mit Dr. Eckener.

Schwere Aebelsahri. - Oie ganze Nacht kein Auge zugetan. Erst einmal ausschlafen.

Friedrichshafen, 1. Rov. (WTB. Funk- spruch.) vom Sonderberichterstatter des WTB. Kurz nach Verlassen des Schiffes hatte der Sonderbericht­erstatter des WTB. eine Unterredung mit Dr. Ecke­ner, in der dieser erklärte:Wir haben eine schwere Rebelfahrt hinter uns. Der letzte Teil der Fahrt führte durch schwere Rebel, so dah die Ravigation nicht ganz leicht war. 3ch habe infolgedessen die ganze Rächt kein Auge z u g e t a n. Schon bei Brest fuhren wir in die ersten Rebelsehen hinein. Aus diesem starken Rebel er­klärt sich, dah wir verschiedene Positionsmeldungen von Land erbaten. Genau haben uns auf Lee auch die Dampfer in der Ravigation unterstützt.

Das Schiss hat sich glänzend bewährt und wir können als praktisches Hauptergebnis dieser Ozean­reise feststellen, dah der Beweis für die Möglichkeit eines Ozeanverkehrs er­bracht ist. Ratürlich brachten die Beschädigungen auf der Hinfahrt für die Führung eine schwie­rige Situation mit sich. Aber gerade die Tat­sache, daß wir trotzdem ohne fremde Hilfe weiterfahren und die erste Reparatur ausführen konnten, ist ja der befte Beweis für d i e Sicherheit des Schiffes. Offenbar haben Leute, die einmal das Schiff ein bihchen fchlinzern fahen, unzutreffende Schlüffe gezogen. Sie hätten aber einmal sehen sollen, wie bei diesem Wind und diesem Seegang die Dampfer rollten. Auch d i e Maybachmotoren haben sich glänzend bewährt.

Wir haben auf der ganzen Fahrt nicht die leise sie Störung an den Maschinen ge­habt. Zum Schluh erklärte Dr. Eckener: Er sei müde und müsse fid) e r ft einmal ausschlafen. Auch die Besatzung müsse zunächst ruhen und wäh- rendde'en werde das 5d iss überholt werden. Anter diesen Umständen lasse sich über den Zeitpunkt der Berliner Reife noch gar nichts sagen." Ratürlich wurde Dr. Lckener von allen Seiten beim verlassen des Schiffes bestürmt, bis er sich in sein Arbeitszimmer retten konnte. Das Zimmer war wundervoll mit Blumen ausgeschmückt. Spenden und Grütze von allen Seiten, die Dr. Eckener sicht­lich Freude machten.

Wittkommgruß des ReichSpräsid-mien.

Berlin, 1. Rov, (WTB. Funlspruch.) Der Herr Reichspräsident hat an Dr. Eckener folgendes Teiezrarnrn gerichtet:

herzlichen Wi.I.vmrnensgruß zur g^üdii/en Rückkehr in den Heimathafen! Mit mir freut sich

das ganze deutsche Volk der wohlgelungenen großen Fahrt-des sturmerprob en »Gras Zeppe­lin", vereint in dankbarer und bewundernder Anerkennung der hervorragenden Leistung, dir Erbauer, Führung und Besatzung des Luftschiffes vollbracht haben. In der Hoffnung, Sie bald i n Berlin persönlich beglückwünschen zu können, und mit freundlichen Grüßen

gez. v. Hindenburg, Reichspräsident.

Die Passagiere über ihre Eindrücke.

Begeisterte Schilderungen.

Friedrichshafen, 1. Rov. (WTD. Vom Sonderberichterstatter.) Die Passagirre äußern sich alle begeistert über ihre Eindrücke während der Fahrt. Die einzige Frau an Bord sagt, daß sie die Fahrt m'.t dem Schift durchaus nicht als Heldentat ansehe, denn sie sei mit allen nur erdenklichen Bequem! ich» leiten gereist. Allerdings sei sie jetzt ziemlich erschöpft und müsse sich zunächst ausruh.n. Ein anderer amerikanischer Fahrgast erklärte, einer der schönsten Eindrücke der ganzen Reise sei der Blick auf das erleuchtete Friedrichshafen gewesen. Alle amerttanischen Fahrgäste seien so begeistert von dem Schiff und der Fahrt gewes n, daß sie heute nacht überhaupt nicht zu Bett ge­gangen seien, um möglichst die Eindrücke aus­zukosten. Großes Interesse habe die Heb er­flieg ung von Dijon gefunden, das Schiff sei aber sehr hoch gew.sen, so daß man nur das Lichtermeer e^c.nnen konnte. Besondere Be­wandtnis hat es mit dem Fahrgast William HH- mann, der sich kurz vor dem Aufstieg unter den Zuschauern befand und halb im Scherz eins Prämie von 4000 Mk. über den Fahripreis an­bot für den Fall, daß er mitfahren könne. Zu seinem Staunen wurde dieses Angebot angenommen, und so begaä sich HUmdrm ohne Paß und Reisegepäck an,Bord. Es liegt aber bereits eine behördliche Anweisung aus Amerika vor, daß der Generakonsul in Stuttgart Hllmann sofort aufsuchen muß und ihm die nöti­gen Papiere besorgt.

Der blinde Passagier.

Friedrichshafen, 1. Nov. (WTB. Funk- spruch.) Bei der Ankunft des Luftschiffes wurde Clarence Terhune, der sich als blinder Passagier eingeschlichen hatte, besonders begrüßt. Man hob ihn auf die Schultern und ließ ihn hochleben. Er mußte sich darauf einem Verhör beim amerikanischen Konsul und beim Polizeidirektor unterziehen. Wie wir schon vorgestern angekündigt, sind das lediglich