Ausgabe 
1.9.1928
 
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Nr. 206 Erster Blatt

178. Jahrgang

Samstag, 1. September 1928

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

t>nd ww6 Dtrt<ri: VrLhl'schk Stetibrntfrrd H. tauge ti Sietzea. S^rtftiettxig miö OeschSftrftrLe: SchikUrahe 7.

SU4|B< Ml Se)1«t* ftr »w LigesnM*i*rT dl« 9ia» minag vorher.

Prtii fit | em höhe ftr Injtiqen dm 27 mm Brette örtlich 8, a»»axJrt» 10 Reichspsenmg. ftr Sie» blamtan-.eigen poi 70 mm Srttti 35Jif.dbiplcneig, Vlatzvorschri^^o'. «ehr. ttbefTtPahtter

Dr. gnebt. Dill» Lange, vtranrmonlich sLr Politik Dr Fr DUH Lange ftr 3*ei6etoe Dr tz Thonot, ftr den übrigen Teil Emst Dlnmschein, ftr de» Sn» ingrntfil Aurl hiDmanx, sömMch tu Gtetzen

Welisriedrnspaki ober Status quo-Pafi?

Don d. Mokhsv

Rußland kritisiert den Kellogg-pakt.

Die Gowjeis machen ebenfalls Vorbehalte geltend, sind aber zur Unterzeichnung bereit.

Tte Unter^cMxuma bd

ist, am 27 August In Pans, ndt austergetvöhn- Ixdxr Feterltchteit m>t sich gtflangtn. unb was in Meten lagen, unter dem unmittelbaren Hin» brud des fDienen AktcS ocrlautete, stellt, mehr ober weniger, doch nur etne Art momentaner 2eaftirn darauf dar. Aber nun. da das Fest herraufd)t ist. fordert auch der kritische Sinn lein Rerht, dieeigentliche Tragweite dieses retgntffei. alles wesentliche jufammenfate tenb. abzufchätz«m Drei Fragen sind es vor allem, in Vie sich eine solche Betrachtung logischer- weife gliedern must die neue Rolle der Ver­ein i g le n Ctaaten, das Verhältnis des neuen Paktes au Dens; und last not least fetn Verhältnis zu den be stehenden Ariedensverträgen.

Ein grober Test der össentlichen Meinung und bet Poesie erblickt in dem Aellogg-Pakt einen noch jahrelanger Pause abermaligen Sin - tritt der Vereinigten Staaten In Pie europäischen Angelegenheit en. Auch der deutsche Reichscnchcnminister bekennt sich zu dieler Auffassung. 3n einem dem Ber­liner Mitarbeiter desDeuore vor seiner Ab­reise nach Paris gewährten Interview sagt et wörtlich:Sine besonders wichtige Tatsache stellt die Unterzeichnung des Palte- durch die Ver­einigten Staaten dar. ... Das will sagen, daß die Vereinigten Staaten zu Suropa zuruck- fehren (Rcntrent en EuropcDiese Auffassung gibt aber doch allerlei Zweifeln Raum. Es ist sehr begrcislich, dah die Ankunft des Ver­treters Amerikas von jenseits des Ozeans tn manchen Kreisen öle Versuchung erweckt, nun gleich auch die Vereinigten Staaten ui die poli­tische Rechnung Europas einzustellen, von ihnen gar eine baldige Einwirkung auf die europäischen Angelegenheiten au erwarten. Vichts irrtümliche­res als daS l 3n diesem Zusammenhang verdienen bte Aeuherungen Aufmerksamkeil, dte der be­sonnte frühere italienische Diplomat Gras Ss orzo, der zusammen mtt Kellogg auf der Ile de France" die Uebecsahrt von Amercka rach Europa machte, neuerdingS in der Pariser Presse veröffentlicht: Aeuherungen, die aus authentischen Beobacht unaen an Ort und Stelle Herstammen. Sforza betont, dah hinter den Paktbestrebungen heute treibend nur ein Teil der amerikanischen Oeffenklichkeit steht, genauer, ame­rikanische Intellektuelle mit dem Präsidenten der Lolumbia Vniversity Murrav Butler an der Spitze: ja. er warnt baror. aus der Tatsache des Paktes vorzeitige Schlüsse zu ziehen, - um nicht drüben dadurch vielmehr die Stimmung des .Isolationismus" zu stärken: und er weist schlich- Ich darauf hin, dah man doch auf jeden Fall erst die Vatiiikation des Zkellogg-Paktes durch den Senat abioarlen müsse.Tßo die Macht des amerckanilchen Senats beginnt, dort endet die Macht des amerikanischen Staatssekretärs." Kurz. Io wie die Dinge heute liegen, stellt die Groh-' nacht jenseits des Ozeans auch nach der Unter» Zeichnung des Kellogg-Pakle» ein grobe» X bar. auf der Kippe zwischen der immer noch volkstümlichen Lesung de«no entanglcmcnr, TIicht-Einbeziehung, d h. in Europa und einer

. ich unsicheren politischen Voile in Europa...

Um so mehr Gewicht erlangen unsere beiden oben ausgestellten Fragen: 9n welchem Verhältnis ftcht der stekloag-Pakt zu Genf, sowie zu Sen bestehenden Friedensoerträgen? Daß Kellogg selbst von dem Pakt sagte, dieser bedeute leineAnnullierung", wohl aber eine C r |d)merung de» Kriege», tut zwar seiner ÖefdKibenbcit und Nüchternheit alle Ehre, aber da­mit ist da» Schwergewicht doch wieder den anderen politischen Faktoren zugc- choben. Betrachtet man diese im Zummmenhang mit dem Kellogg-Pakt näher, so bietet sich ein höchst merkwürdige» Schauspiel dar. Ein Teil der öffentlichen Meinung de» Auslandes möchte wohl aus diesem Pakte ein neues Sprungbrett zur wei­teren Forcierung des Abrüstungsproblems machen.Nach dem Abschluß des stelloga Paktes must man nach Genf geben und an der Abrüstung arbeiten."Die Geschichte des Kellogg-Paktes ent­hält eine Lehre, die der Völkerbund begreifen must. Der Völkerbund 'pricht sich hingegen selbst das Urteil, wenn tr dieses Problem oemachla ,u. Das bat er jedoch bisher immer wieder durch Auf­schub der Frage, durch schikanierenden «rormalis- mils, durch schablonenhauc Technik getan. Nun aber ist es endlich Zeit, daß ein frischer Hauch in die Sache hineinkomml!"

Der spricht aber eine solche Sprache? Der am Quai bOrfan doch kaum irgendwie einflun­reiche .Populairc'- und die gleiche Sprache, wenn auch mit anderen Worten, spricht auch Litwinow, der aber, weil de Sowjct-Regte- rung mit gutem Grund an ein Weites bestehen jenes .Fvrmali-mus und Schablone" glaubt, schleslich eine Absage an Genf ge­richtet Hai. Am anderen, einflußreicheren Pole Frankreichs (bao wie immer, den nächsten Schlüssel zur Lage darstellt- macht sich indes das gegenteilige Streben bemerkbar: nur mög- kichst alles beim alten zu laf cn. Vor allem die bestehenden Friedensverträge und alles. was an ihnen resultiert. Dies ist natür.id) in erster Tinte für die Okkupationsfrage aus­schlaggebend. Der Abscstluh des Kcltoggpoktes ändert nicht im mindesten die Bedingungen des Friedens, die die Okkupation bestimmen, erklärt

Moskau. 31. Aug (SIB.) Die von dem stell- vertretenden Volkskommissar de» Auswärtigen. L i t- DinotD, unterzeichnete Note, die heute dem fran­zösischen Botschafter cherbe11e ab Antwort auf die von der sranzöftfchen Regierung er­gangene Einladung zum Beitritt zum Kel- loggpakt überreicht wurde nimmt zunächst da- von Äenntms, dast der Botschafter dem stellvertrelen- den Volkskommissar von der in Pari» erfolgten Un­terzeichnung des Krtegsachtunaspakte» Mitteilung gemacht hat. und stellt scst. dast zufolge der Erklä­rung des Botschafters die Beschränkung der Zahl der ursprünglichen Teilnehmer am Patte nach Mei­nung der Regierung der Bereinigten Staaten ledig­lich praktischen Erwägungen entsprach und dah stet» in Au»sicht genommen war, bei der endgültigen For­mulierung de» Patte» sich die Mitarbeit aller Volker der Welt zu denselben Bedingungen und Vorrechten zu sichern, die den ursprünglichen Teil­nehmern des Paktes eingeräumt wurden Die Note rotift sodann daraus hin. dast die S o m j c t r c g i c- rung schon lange vor dem Kelloggpakt den andern Mächten den Antrag unterbreitet habe, in zweiseitigen Vertragen nicht nur aus Angriffs­kriege. sondern auf alle Kriege z u oerzich - ten. Einige Staaten, wie Deutschland, die Türkei. Afghanistan, Persien und Litauen hätten die­sen Vorschlag angenommen und mit der Sowjet­regierung entsprechende Verträge abgeschlossen. A n bere Staaten hätten den Antrag stillschwei- gcnd übergangen, und eine dritte (sriippe von Staaten batte ihn mit der sonderbaren Begrün­dung a b g e I e b n t, dast ein unbedingter Verzicht auf Angriffe mit ihren Verpflichtungen gegenüber dem Völkerbund unvereinbar fei. Dieser Einwand habe dieselben Mächte sedoch nicht daran gehindert, den Pariser Pakt zu unterzeichnen. Die Note stellt weiter fest, dah die Urheber de» Pariser Pakte» e» nicht für notwendig gehalten hatten, die Sowjetregierung zur Teilnahme an den Verhandlungen, die diesem Pakt voraus- gingen, ein 311 laben. Gleicherweise seien auch die Mächte, die am ehesten an der Sicherung des Friedens interessiert sind (Türkei, Afghanistan und Ehina) nicht dazu ausgefordert worden Die van der französischen Regierung übermittelte Aufforderung, dem Pakt beizutreten, enthalte auch keine Feststel­lungen, welche e» der Sowjetregierung gestatten formten, auf die Gestaltung des Teste» des in Paris unterzeichneten Dokumentes einzuwirken. Die So­wjetregierung gehe jedoch von der Voraussetzung aus, dah sie unter feinen Umständen de» Rechtes beraubt werden fönne. welches die Regierungen, die den Patt bereite unterzeichnet haben, für sich in An­spruch nehmen fonnten.

GS wird sodann Weiber gesagt: . Indem ich Ihnen hiermit die Antwort der Sowjetregierung auf Ihre Anfrage überreiche, wende ich mich zugleich an Sic mit dem Ersuchen, Ihrer Regie­rung folgendes mitzuteilcn und um Weitergabe die'cr Mitteilung an die Regierung der Ver­einigten Staaten zu bitten:

Die Sorojdrcgierung hielt und hält die Ver­wirklichung de» Plane» einer allgemeinen und völligen Abrüstung für das einzige wirksame Mittel zur Abwehr kriegerischer Verwicklungen, denn In der Atmosphäre allgemeiner fieber* Hasler Rüstung muh jeder Konflikt unvermeidlich zum Kriege führen.

Don der Delegation der Sowjetunion war dem vorbereitenden Ausschuß de r Ab­rüstungskonferenz des Völkerbundes ein ausführlicher 2 n twu r» vvrgeleot worden, der aber seitens der RTehrhctt der Mitglieder des erwähnten Ausschuss«! einschließlich der Ver­

treter derselben Mächte, dte ui Paris als ur­sprüngliche Terlnehri-er den Pakt unterzeichnet haben, kein« Unterstützung fand." Äe Rote erinnert daran, dast auch der von der Sowjet - rcßienmg borge legte Entwurf für eine teil­weise Abrüstung nicht die Zustimmung des vorbereitenden Ausschusses sand, und fährt fort: .Auf diese Weise bewies der Ausschuh nochmals die völlige Ohnmacht des Völkerbun­des in der Sache der Abrüstung, die die sicherste Friedensgarantie und das beste Mittel zur Aechtung des Krieges bilden würde. Alle Staaten, die als erste den Pariser Patt unter­zeichneten haben sich damals dem Entwurf der Sowjetregierung offen widersetzt."

Die Svwjetregierung bedauert es außerordent­lich, dast im Pariser Patt jegliche Derpslichttm- gen hinsichtlich der Abrüstung fehlen Ein inter­nationaler Vertrag .der Krieg verbietet", und nicht einmal von einer so elementaren Garan­tie begleitet wird, wie die Einschränkung der ununterbrochen wachsenden - ftunflen, bleibt ein toter Buchstabe ohne jeg­lichen realen Inhalt. Neuerliche Öffentliche Er­klärungen einiger Teilnehmer am Pariser Pakt, weitere Rüstungen seien auch nach seiner Unter­zeichnung unvermeidlich bestätigen dies. Zugleich entstandene neue politische Gruppie­rungen der Völker, besonders im Zusam­menhänge mit der Frage der Seerüstungen, betonen diese Tatsache noch schärfer. Die entstan­den« Sachlage diktiert daher gegenwärtig mehr denn je die Notwendig ett. entschiedene Mahre- geln mtf dem Gebiete der Abrüstung zu ergreifen.

Im ersten Artikel des Paktes vermistt die Sowjetregierung Bestimmtheit und Klarheit der Formulierung dcS Kriegsverbotes. Ihrerseits Ist sie der Ansicht, dah jeglicher Krieg ver­boten werden muh. Ebenso kri«Lerische Ak­tionen, wie Intervention, Blockade, militärische Besetzung fremden Gebietes, fremder Häfen usw. denn derartige kriegerische Aktionen entwickeln sich öfters zu großen Kriegen, denen Efnha't zu hm unmöglich ist. Indessen werden dies« äuHerst wichtigen Fragen tm Pakt mit Stillschweigen umgangen. 3m ersten Artikel des Paktes wird von der Rotwendig'eit einer Schlichtung aller internationalen Stetigkeiten mit ausschllehlich friedlichen Mitteln gesprochen.

3u den unfriedlichen Mitteln, die vom Paft verboten werden, müssen nach Ansicht der So- rojetregierung auch gezählt werden Ablehnung der Wiederherstellung friedlicher normaler Be­gebungen oder der Bruch diefer Beziehungen zwischen den Völkern.

fein derartiges Vorgehen bedeutet di« Beseiti­gung der Schlichtung von Streitigkeiten aus fried­liche Weise, verschärft die Beziehungen und trägt zur Schaffung einer Atmosphäre bei, die den Ausbruch eines Äricg.'» begünstigt.

Die russische Rote behandelt dann ausführ­lich die Klausel der britischen Regie­rung in Punkt 10 ihrer Rote vom 19. Mai. in der sich die britische Regierung daS Recht ihres Vorgehens bezüglich einer Reihe von Gebieten vorbehält. Dena von Geb eten. so heiht es in der Antwort Litwinows, die Großbritannien gehören, oder von seinen Dominions die Rede st. so sind sie alle schon ix den Pakt eingeschlos- en. so dast d.e Klausel bezüglich der erwähnten Get»iete überflüssig ist. Sind aber andere Ge­biete gemeint, so sind die Teilnehmer des Paktes berechtigt, genau zu wissen, wo die Freiheit des Vorgehens beginnt und endet Die britische Regierung behält sich aber Freiheit vor

nicht nur im Fall« eines kriegerischen Angriffs gegen diese Gebiete, sondern sogar bet icg.ichcm unfreundlichen Akt oder einer sogenannten Ein­mischung Des könnte als ansteckendes Beispiel auch für andere Pattteilnehmer dienen, die in­folge chrer Gleichberechtigung sich dasselbe Recht gegenüber anderen Gebieten anc.gntn würden Und schließlich bleibe vielleicht kein Platz auf Evden. auf den der Pakt Anwendung finden könnte Diese Klausel kann die Sowjetregicrung nur als Versuch ansehen, den P<ckt selbst als Merkzeug nnperialistifcher Politik auszu nutzen Da die erwähnte britische Rote nicht als Bestandteil des Paktes, oder als Beilage zum ?)akte der Sowie Negierung mitgeteilt wurde, so aim sie nicht a l s 0 lndend für d le Sowjetreg'.erung gelten, wie für sie auch andere in der diplomatischen Korrespondenz zwi­schen den ursprünglichen Pakttellnehmem ent­haltene Klauseln n cht bindeitd sind. Ebensowe- nig kann die Sowjelregieruna in andere Klau­seln e.nwilligen. die als Rechtfertigung des Krie­ges* dienen können, im besonderen in die Klau­seln. die bezwecken, der Wirkung des Paktes solche Beschlüsse entziehen, die aus den Satzungen des Völkerbundes und der Locamo- abkommen hervorgehen.

Die Hntroort kommt in ihren Schlußfolgerungen schllestlich zu dem Befund,

dast im ttrleg»ächtuvg»pakl die Verpflichtung zur Abrüstung, die al» da» einzig wesenlliche Llement zur Sicherung de» Frieden» zu be- i rächten fei, fehle. Vie Formulierung de» strieg»oerbole» selbst sei ungenügend und un- bdtimmt. und e» fei eine Reihe von Klauseln bei gegeben, die bezweckten, Im Vorau» alle» zu beseitigen, wo» einer Verpflichtung zum Jrie- den ähnlich sei. Trotzdem fei die Sowjetregie rung bereit, den Pakt zu unterzeichnen, foweit er Io objektiver weife den Möchten gewifse Verpflichtungen gegenüber der öffentlichen Meinung auferlege und der Sowjetregierung erneut die Möglichkeit gebe, alten Teilnehmern chn Pakte die für die Sache de» Frieden» wichtigste Frage oorzulegeu, nämlich blejragc dsr Abrüstung, bereu Cöfung al» eiuzigr (Da* reifte für die zukünftige Vermeidung von Kriegen erscheine.

Di.» Note schließt mit den Worten:Aus Grund dieser Darlcgungen werde ich die Ehre haben. Ihnen, Herr Botschafter, einen entsprechenden Ali meiner Regierung über ihren Beitritt Autn Pakt au über­reichen, sobald die damit verbundenen Formali­täten abgeschlossen sein werden."

Amerika

und das Marineabkommen.

Eigene Drahtmeldung de»Gießener Anzeiger»-.

Bc rlin . 1. Sept. Schon hie Tatsache, dast der amerikanische Staatssekretär Kellogg im letzten Augenblick feinen Londoner Besuch ab­sagte. zeigte mit aller Deutlichkeit, hast die Ver­einigten Staaten manches aus dem eng­lisch-französischen Marineabkom- men erfahren haben muhten, was ber ameri­kanischen Politik unangenehm erschien. Die Rückreite xelloggs hat diese Ansicht um so mehr bestätigt, als der amer kanische Staatssekretär auf der Rückfahrt nach 2Imcr.fi eine Aeuherungen getan hat, die diese Haltung der amerikanisches Regierung nur noch unterstreichen.

klchp unb klar das .Journal". Mnb wenn Per- tinar in Genf Verhandlungen darüber doch für möglich hält, so mir unter der Bedingung, dah .Deutschland von seinem inzwischen gefestigten Arcbitc Gebrauch macht'. also neue ftnan- >, iellc Gegenleiltungen übernimmt. Ja, tie^ Bebarrlichk.'i wird zu einem so vorherr- 1 jxnbcn Motiv, dast >ie schüehllch unglaub- iich aber wahr - in dem Kellogg-Patt selbst horenbe Gespenster ui sehe beginnt. In welchen .Völlen soll man sich da künftighin nach Genf, in welchen nach TB^tbingL?n w:nd?n' ^Ind ist nun durch die neue Situation nicht ein .trübes Master" gefchaf'en. in dem abenteuerliche Staa- len fischen können? 3a. wird Maihinaton. das doch neucrdings wieder keine moralikche Auto­rität schrikttich gab. nicht auch künftighin erst das Einho'e i ferner moralischen 3 ? p r 0 - bation verlangen und diese einem bedrohten ctaate. d:r selbst zu Canflionen schreitet, ver- aaen. bieten alfo in den Augen Amrri.'as nicht aus einem Herausgesord.rten in einen Heraus­forderer t«rt?anben? Diele Zw:i ei be i. en sich namentlich auf di- Ank chlutzf rage und vor allem das .Journal d-S b-'bato stellt eS geradezu als daS Hauptprogramm Frankreichs auf d-r Sept-mbertag-nz in Gen^ rm bte ablehnende Haltung gegen den Anfchlast m aller Form zu cr.lcrcn. ->at doch en-^'anb brrr.ts vor dem A.-'chlust d-s Ad- lvga-Palles durch eine Rote an die 2er 6ica- ten vom 19. Mai d.3. eine Ate britische Monroe- Doktrin ge^cha' en und sich von vornherein volle Hnndlu «ö'r i eit in jenen Go- Britischen Reiches auf dem Spiel liehen. Run.

derselbe Chamberlain bat in feiner Rede am 31. Juli im Unterhaus über d.e Probleme der auswärtigen Politik zwar ausdrücklich erklärt, dast die Sonderverteäge Frankreichs mit Polen und der Tschecho ll wake» dem Ke logg Pakt nicht widersprechen, nicht ater, dast etwa der deutsch- österroichifche Zu ammenschlust die'em Palte widersprechen würde. Diesen Vorhalt soll man jetzt Frankreich in Gens machen!

Mir können im Augenblick nicht wissen, ob das offizielle Gnaland durch fern Stillschweigen über die europäischen Etre.tvrobleme etwa seinen udtum coasensum zu ihrer Aufrollung in der Zukunst gegeben hat. Seine Vorbehalte zum Kellogg-Pakt hat Ehamberlain auf .getollte Steile der Dell deren Integrität unb Sicherheit einen Teil der Verteidigung des Britischen Reiches darst.llt". alfo tu ob: auf austereuropaifche Be­standteile diefes Reiche- bezogen Aber durch feine Methode der Vorbehalte zum Ä e l logg-Pakt hat er jedenfalls Frankreich ein bedenkliches .Vorbild" für ihre Anwendung auf Europa gegeben Unb nicht umsonst ist Mete Methode von dem Sprecher der Liberalen. Erawf ord. ar.gegrif er. worden, der erklärte dah die Tragweite des ^ello^g-Paktes sich emp­findlich verringern wird, falls über alle strittigen Fragen von vornherein Vorbehalte gemacht werden.

So wie beule dir Dinge liegen, kann eS über­baut fehr fraglich 'ein. ob die in Europa ausschlaggebenden Mächte sich dein amerikanischen DeltfriedenSpakt nicht mit aus u*m fehr wesentlichen Motiv heraus anf<fcte; er. um Ruhe vor denen z u haben, die mit be.i geitenden Frie'cnsbed.ngungen un»

zufrieden find. Die Erhaltung des Statu» quo scheint alfo eine wichtige Trieb- teber dieses Frrcdenspattes aus jener Seite zu fein. Aber dies Widers Pracht jenen Worten, die man in Havre Kellogg auf den goldenen Füll- 'ederchalter eingraviert hat: \i» p><im, para paccm. Denn bei dem Bestehenden zu behar­ren, hecht nicht, etwas Segenspendendes in der Zukunft vorzubereiten.

AnlikriegSpalt und Völkerbund.

Paris, 31. August. (WL.) Der Sonderbericht­erstatter desMalin* in Genf macht daraus auf­merksam, dah der Relloggpalt auch seine Schatten auf dle Tätigkeit de» väl­ter b u n d e - werfe, und man könne schon jetzt I eine Atmosphäre des Abwartens feststellen, so dah man ftme sensationellen Debatten oder wirk- lidi bedeutende Entscheidungen erwarten könne. Das werde tm kommenden Jahre nicht anders sein. 3n diesem Augenblick wisse man, unter welchen Be­dingungen der amerikanische Senat den Pakt rati­fizieren werde. De»halb sei es klar, dast der Per- 'ach, burd^ verschiedene Kontrakte dir Sicherheit und den Frieden zu gewährleisten, eine Orientie­rung erfahren werde, |c nachdem der Kelloggpakt , als eine einfache m 0 ralis/he Erklärung er- i idteine, ober wirklich den Eintritt ber Der- -inigten Staaten in dir Internationa- len Angelegenheiten bedeute (Das >che,nt eine offiziöse Auslassung zu sein, dazu befiimmt, darauf oorzubereiten, dast in ber S 1 cherheits - und Äbrüftungsangelegenbeit nichts vor der nächsten Hauptversammlung des Brlferbun- des geschehen soll. D. Red.j