Hr. 179 Drittes Blatt Sirtzener Anzeiger (Gencral-Anzelgcr für Gberhesscu) Mittwoch, |. August 1928
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Aus -er Welt des Films.
Film-Sensationen.
Don (fnch iksiler.
5ilot|cn|atirnm tixxrtn von jeher frer groft< Qüirruj jum Kinobesuch für die Matte, btt noch bt* ArdeilSlaaeS ctolgcri, aufreibendem viincrlei einen iSnriij der Nerven luchte W ift manche« anders geworden in der rastlos vorwürlsstreben- den Äiln «Industrie — mehr und mehr ift man bestrebt den Kitsch. das Oberflächliche. An- reisterilche und Hng'.aubwurbig« aus der Produktion zu verbannen — den <Mlm. dem lich untere • rsten ^ühneMarfteller vertchrieden. auch inhaltlich auf ein Niveau zu dringen, bas jedem Gebildeten. wie dem intellektuellen Achtung ab- nötigt. Aber auf die Sensation im Mim hat man nicht verzichten können, weil ohne lie der Film »nhaltlich verarmte und weil man in Fach- wie in Publilumskreifen erkannte, dast |ie -- wenn lie nicht Selbstzweck, sondern nur organisch und zwanglos eingefügtes Beiwerk Ist -- unumaSna- lich notwendig ift. Der gute Geschmack lenkte längst in richtige Dahnen.
Schwierig, weit schwieriger als man denkt, ist gewöhnlich die Ausnahme solcher Filmsensationen, denn einerseits sollen die Szenen natürlich, lebensecht wirken andererseits wird aber jeder Re- gisseur. jede Fabrllaiionsfirma daraus bedacht Irin, die Gefahren für menschliche und tierische Darsteller wie für den Operateur nach Möglichkeit li.-rabzumindern oder ganz auszulchalten.
trotzdem sei gleich hier gesagt, bah die Filmindustrie von heute manche gedrehte Filmsensa- tlon im wahrsten Sinne des Wortes erkämpste — vor dl cm im Ringen mit den Naturkräften — und dah beute wirklich l»eberzte Männer oft ihr Leden elnscycn, um Bilder erstehen zu lassen, die beim Kinotheaterbesucher eine Gänsehaut Hervorrufen.
Gewiß verrichtet die Kamera Wunder. unb manche Szene mit wilden Tieren wird zusamrnen- kopiert. nachdem Mensch und Tier getrennt voneinander gefilmt wurden. Aber Ausnahmen, wie sie zu „Quo vadis?“ gedreht wurden, beweisen, dast trotzdem diese Di st an z-'i> Holographie — auch wenn noch so friedliche Tiere Verwendung finden —- nicht ganz ungefährlich ist. Zerfleischen wilde Tiere den Menschen, so ist es ja selbstverständlich. dast im gegebenen Augenblick der Mensch durch Pupven ede-t wird. Sprünge solcher durch Sinsprizungen-wildgemachter Bestien erzielt man gewöhnlich dadurch, dast man auster- halb des Aufnahmcfclbcs aus erhöhten Tischen und dgl Fleilchstude ausstreut, nach denen die Tiere gieren. Aus gesichertem Verschlage nimmt dann der Operateur den Sprung aus nächster Nähe aus.
Keinem Darsteller wird es auch einsaNen. sich auf Eisenbahnschienen zu legen oder durch heran brausen de Züge zermalmen zu lassen — btc Züge kommen vielmehr in langsamem Tempo näher, und dos .Unglück" geschieht, wenn Zug und Mensch noch einige Meter voneinander entfernt sind. Wichtig für die Realistik aller dieser Bilder ist der sorgsam gewählte Standpunkt des Operateurs, da die Verkürzung der Vildlinie jene „5enfation«-x3lluflonen" erzeugt Der heranbrausende Zug wird ebenso wie die pleilschnell da- binfliegenden Plerde verlangsamt ausgenommen d. b. statt 16 macht man etwa 10 Bilder in her Sekunde Bei normaler Vorführung des Filins wird dann daS gesteigerte Tempo erreicht.
Anders dagegen ist es mit den Lensalions- sprüngen auS Fenstern, auf Fahnenmasten oder Baumkronen, mit den Sprüngen von Brücken oder mit den waghalligen Klettereien an HauS- fronten. Dachfirsten und dgl. Früher freilich machte man auch so etwa- in den Ateliers, kroch bemalte Fassaden auf dem Fustboden entlang usw. — heute aber führt man derartige Dinge wirklich au», meist sogar, da auch der .Hintergrund" echt sein must, unter gewisser Lebensgefahr Diele Darsteller von Ruf Mitten den Ehrgeiz. solche Szenen selbst zu spielen — sind sie dazu nicht imstande, so tritt ein artistisch geschulter Ersatzmann. der stets leicht zu haben tft. in ihrer Maske auf. Manche Krankcnhaus- beHandlung und unfreiwillige Schonzeit ist Be
weis dafür, dast derartige Kraft- und Gewandt- heitsleistungen doch nicht ganz ungriährtich sind, und daß bei aller Schulung auch eine Portion Glück zum Erfolge notwendig ist
Ctcnsall» hohe Anforderungen an den Mut und die latfrah des Spielleiters, der Darsteller und besonders des Operateurs stellen d^e in letzter Zeit so beliebt gewordenen Hochgebirgs- aufnahmcn dis oft wirklich an äusterst gefäyr- Iichen Stellen gedreht werden. Hier btlft kein Trick, kein Mogeln — hoch oben im ewigen Qife, mit klammen Fingern, auf irgendeinem winzigen Felsvvrkprung must gestanden, au-gcharrf ge» swelt und gedreht werden, Unb hic Filmerpe- bitionen in lerne, unkultivierte Länder in denen hinter jedem Baum, jedem Strauch, jeder Sandwelle wilde menschliche Teufel, grimmige Raubtiere ober tückische Schlangen auf Opfer lauern.
in denen nicht nur der Filmmensch auf sich selbst, sondern auch auf seine Leute, leine Drillen. Tiere und lein kostbares Material bedacht fein must, lind im Grunde auch veredelte Senia- tionssilme — sind Leistungen, die nicht hoch genug xu veranschlagen sind
3a. die Leute, die am Zilin mit Aert und Seele arbeiten, nehmen Gefahren und Strapazen gern auf fich. um 3hnen geehrte Kinobefuch.-r. eme interessante, nervenprickelnde Stund: xu bereiten Achten Sie die Leistungen und glauben Sie nicht, daft jede Filmlensation ein gefahrloser lächerlicher Trick sei? Trickbilder gibt es meist nur da. wo der Aufnahmeleiter von vornherein weist, dast die aufzunehmende Szene ohne ein bistchcn Mogelei unbedingt lebensgefährlich oder gar todbringend fein würde.
Die interessanteste Straße derWelt.
Wie die amerikanischen Filmsterne leben.
13on William X (5. JRetfr.
Nachdruck verboten.
Hollywood. im Sommer.
Sie ift nicht lang — aber dafür die Straße der Sterne am Fckmhimrnei. die Straste der Welt- berühmten. Ganz im Gegenteil, es ift eine« ganz, ganz turze Strafte, nur drei nette, herzige Bim- gaiows. Sie sehen aus wie Weetendhäuschen in vergröberter Ausgabe Aber auch die längste, größte Strafte der Welt ift für den gröberen, noch nicht berühmten Teil der Menschheit fo interessant wie diese.
Denn hier, unter den grünen Dächern die weithin leuchten, verbringen die .upper icn" der Filmkunst einen groben Teil ihrer Zeit.
Dor jedem der Bungalows ein kleines Gärtchen mit smaragdgrünem Klee und Schlingpflanzen um die Türen. Wenn wir ein bistchen Gluck haben, können wir Marh Pickford beim Nachschmin- len ihrer Lippen <mtreffen — oder Norma TaImadge vor dem Spiegel. - rasch noch einen Mick und vor die. Kamera — oder 6o » rinne Griffith, mit ihrem tizianroten Haar, in den Händen einer Zofe. Wir können hier aber auch den groben -5> o u g" treffen, mit Schaftstiefel. Degen und Maske, oder 3ohn Ba r- r bm ore, den gröftten Hamlet, gestützt auf feinen treuen Degen. Aber nein — ..Dvug" fpielt ja jetzt einen Gaucho und Barrymore einen modernen Mann von Welt.
Ganz richtig — triefe Strafte der Start ist die Avenue der drei Bungalows, in denen die erwähnten Filmberühmthrilen die Gchmtnkarbeit vornehmen, zwischen zwei Szenen ein biftchen den triversen ^Imherrgöttern die Zeit stehlen, ihren Lunch einnehmen, Kostüme wechseln, überhaupt ihre freie Zeit verbringen. Wenn daS Tagewerk vorüber ist. rollen bann Rolls-Royces. PackarbS unb &abillart vor und bringen ihre Besitzer inS trauliche Heim auf den Hügeln Hollywoods.
Den ersten Bungalow bewohnen die Icrimab- ges. Norma und (Sonftance. Die Tür öffnet sich, ah. eine flemc Empfangshalle. ein Gemälde der Schwestern an der gegenüberliegenden Wanb, der ganze Raum in Zadegrün. Ein einladender, tiefer <uubfauteuil beim Kamin, eine sehr grobe, weifte Katze nein, keine lebende. Porzellan, den Besucher an starrend. Gin Schreibtisch in Holz- braun und 3abe. noch Fauteuils und noch Bilder von Connie tn verschiedenen Posen. Norma liebt die Bilder ihrer Schwester, andere PhotoS scheinen sie überhaupt nicht zu hitercffieren.
Weiter, in den Ankleideraum. Die Kleiderkasten und Tockettetische der Schwestern sehen auch wie Schwestern au». Auch hier die Farben Hol.braun und Jade. Dazu harmonierend die IxrrlidKn Vorhänge an den rieftaen Fenstern. 3n einem niedrigen, bequemen Armftuhl liegt auf geschlagen da» letzte Heft der .Vogue". 6 m Grammophon — Platten überall — beide lieben Musik - ein breiter einladender Divan — ein
Gemckeb von Parfüms in der Luft — Puder Fläschchen in Gold und Rofa eine große, rosa Puderquaste. Die muh ttonnie gehören! Darum? So ihr Genre!
Die Tür zum Darderobenraum ist offen. Reihen und Reihen Schuhe und Hüte. Hüte. ®+n spolnischer Schal und Negliges.
Dann die Küche - alles glitzert, tauber aber da. was ist das, Speisenirste? Nein. Normas LieblingSsalat Tomatensalat, ilnb dieSchv-e- fter? Filet? Kaviar? Nein, Somrie heck ferne Lieblttrgsfpeisen.
Zurück durch die Hall, bauiu». dann noch rasch ein Blick zurück in dies Heiligtum — die letzten Eindrücke. 3abegrün - Gell» — Sonnenschern — OMumenfülle — berauschender Duft — Lftebe zum Leben Hochsommer!
Auf die Strafte. Schau', wer ift das dort auf den Stufen des letzten Bungalow? Ah 6o» rinne Griffith. Dir gehen gleich ntt ihr bm- ein. Hier die Hall in grau bi rot unb gold mit grün auch dabei. Gin Tevtleib liegt wie eine vom Himmel gefallene rosige Wolke auf einer Stuhllehne. Gine Zofe wählt bic Kleider für den Tag aus. Magazin- liegen woher - eine rosa Role tn schlanker Base gebämpsteS Licht — Halbdunkel, kühl, ruhig — in einem Körbchen einige süfte, junge, toeifK Kätzchen.
Der HmHetberaum dahinter in grau und dunkel rot geheilten. Dieder rtria Rosen, nur viele, träte. Der Toilettetilch in Pastettgrün und Gold. Heber die Rückwand ein riesiger Spiegel, ganz von elektrischen Lampen umrahmt. Bei einem Fenster, im Sonnenschein. liegt bic Katzenmama, genau so weist wie ihre Sprbfttinge. wie ein Schneeball.
Die Küche sieht nicht so au», als ob hier viel gekocht würbe. 3a. die moderne, schlanke Linie l
Dieder hinaus. Do kommt gerade 3ohn Barry m o r e um die Ecke. Gr bewohnt denselben Burogakow, nur andere Appartements.
Hier fallen die vielen Bilder an den Wänden in« Auge. Mr. Barrymore als Richard III., aU Hamlet. 3m Bücherschrank stehen t oft bare Erstausgaben — Du Mobier — Guiset — Frvillari. Dann drei HogarthS — unbezahlbare Originale. Gin kostbarer, antiker, venezianischer Spiegel, ilnb bann ein grobes Photo — 3ohn D. mit seinem Töchterchen Diana am Arm.
Umfleiberaiun unb Bureauraum sind auch da. Hier eine beschäftigte Sekretärin, dort Orvnne- rungen von einem Ferienaus enthalt auf den Ber- mubaS-3nfeln. 3m Fenster steht ein Käfig, darin ein kleines, plattnafige» Aefschen. ein Geschenk von GeorgeS Carpentier.
Unb jetzt der dritte Bungalow, der Mary Pickfvrbs. Fenster bis zum Dach. Durch die Tür geradeaus ins Speisezimmer Poliertes Mahagoni — Silberglanz - Blumen Sonnenschein — allenglrich das Danze. Gin langer Mahagonitisch, darüber ein großer Kristallüster
Edelkomparserie.
Don Hans Sttenne.
Es gibt jetzt Menschen, die von ihrer Garderobe leben, von den guten Kleidern, die ihnen aus besseren Zeiten geblieben sind. Sie leben von ihnen nicht, indem sie sie rärflopfen unb ben Erlös aussressen, sondern in sehr ökonomischer. do» Kapital nach Möglichkeit konservierender Weise: sie verpumpen sie, mit sich selbst al» 3nhalt, an Filmgesellschaften. Diele Menschen bilden ' eine neue Sektion im Proletariat, die .Sdelkvvipatserie". Sie sind die Poilus im Der- Undflun^rampf der amerikanisierten Mondäni- tät als Zielscheiben der Maschine ausgrietzt wie die andern Frontsoldaten, anonym wie sie. und nennen sich Schauspieler mit demselben Recht, mit dem jene sich Helden nannten. Sie bramar- barftcren vor Himcrlänblem ein biftchen vom «Zilmschauplotz, mit ein biftchen barm loser Hochstapelei versuchen sie vor sich selbst und vor andern ein Quäntchen Geltung zu erlangen und sprechen ihren Namen aus. al- wäre er ein Name. Nach Details aus ihrem Berufsleben gefragt, nennen sie den Regisseur ober ben Star, ..mit dem" sie zur Zeit einen Film drehen: erkundigt man sich nach einer ihrer Rollen, so nennen sie. nach einem kehr umständlichen .allo. 3um Beispiel^, das and keiner Fülle kommt, vielmehr aus einer Verlegenheit, irgendeine Charge aus einem verschollenen Film: es war da», wäris wahr, ihre qröftte unb einzige öinzelrolle. sie aber bezeichnen sie, sehr obenhin, als ihre kleinste unb gehen schnell, aber auffal.ig auf ein andres Thema über. Wie denn so viele Hoss- nungölose sonderbarerweise viel lieber von der Zukunft reden als von der Vergangenheit.
3n feinem Berus gibt es für den Filmst a- tifien wenig Aussicht auf Beförderung. Die Konkurrenz der qualifizierten Kollegen — stellenloser Schauspieler vor Film und Bühne, über* komplett auf ihrem Ardeitsmarkt. mit schlechterem Frack, doch mit besseren Bühnenm anicren —
ift zu übermächtig, als daft die Ehonce .entdeck!' zu werben, au» dem Dunkel der Masse in bas Licht einer kleinen Gharge gerückt zu werden, ernstlich in Rechnung gezogen werden tonnte.
Entsetzlich traurig bas Schicksal, als kleinste Einheit bes großen Requisits .Maste" zu figurieren. wenn einem nicht die Philosophie gegeben ist. in Analogien Trost zu finden — und wem ist da« schon gegeben? Fort davon also, und andre Arbeit gesucht? Denn das so einfach wäre! Der Weg vom Offizier etwa zum Film-Elegant ist viel einfacher zurückzulegen. al» der vom Film-Elegant zum Bauarbeiter, zumal da die Besoldung beim Film im allgemeinen sehr anständig und ein gutes Bindemittel ist. Sie muh tooftl anständig sein, dem» sie ift Bezahlung für Gelegenheitsarbeit.
Hier liegt der Kern des Hebels. Filmkomparsen sind Tagelöhner, wie's ja übrigens heute auch die kleinen Schauspieler ohne Vertrag sind 3cnc aber haben auch nicht die entfernte#!« Möglichkeit, eine ganze Saison hindurch beschäftigt zu bleiben oder Gage zu bekommen.
Hier müftte die Abhilfe cinseyen. Der Fall ift. nationalökonomisch, gar nicht so neu: Zuckerfadrikanten zum Beispiel haben ein stark ausgeprägtes Saisongeschäst mit lächerlich kurzer Saison Die Campagne dauert einige Wochen, der Fabrikant ist aber — z. B. in der Tschecho- stowakri gesetzlich — verpflichtet, eine Anzahl von Arbeitern das ganze 3ahr hindurch zu entlohnen. Der Filmproduzenr hat cd infofern noch leichter, als er den Arbeitnehmer im Verhältnis ungleich bester verwerten kann, als der Zuckersadn- kant: unb die hohen Taglöhne her Komparicne in fortlaufende Wochen-. Monats- und 3ahreS- bcfolbungen umzuwanbeln. bic ein Lebensminimum barstellen, wäre Wohl der Kalkulation teert; fie würde ergeben, daft die Differenz zu Lasten ber Arbeitgeber auf 3ahrzehnte hinaus rächt grvfter waren, als di« Kotzen der Herstellung des einen Fllmwerks.Metropolis ; welche Kosten in jedem Falle diese Verwendung härten finden können: eine in allen Belangen sozialer Art windschief imb verloren in der Welt schaukelnde
Gruppe von Menschen menschenwürdig in die Gesellschaft etn^uordnen.
0er Film-Zerrspiegel - eine neue Erfindung.
Don einer seltsamen Erfindung, die einem englischen Photographen gelungen ift und die für bic Entwicklung der Filmkunst von gröftter Bedeutuna fein könnte, wird in Londoner Blättern berichtet. Der bekannte Photograph H. G. Ponting, der Kapitän Scott auf feiner letzten Polarfahrt begleitete, Hot nach dreijähriger Arbeit einen Apparat vollendet, bem er den Namen „D i ft v r t a g r a p h" gegeben hat Dieser Distortagraph, den wir am besten als einen .. Film-Zerrspiegel" bezeichnen könne», ift durch eine neuartige Anordnung von optischen Linien irnftande, jeden Teil eines Bildes genau nach den Absichten beS Operateurs zu veränbern und zu Mrjcrren. Man ift auch dadurch n der Loge, eine bloße Photographie auf der Leinwand ..lebendig" zu machen. Der Erfinder hat in einer Privotvorstellung zum erst en mal feinen neuen Apparat in einem kurzen Film vorgeführt, und ?tear zeigte er Filmausnahmen von Chaplin, Lloyd George unb Bill Thompson, die nach Photographien gemacht waren. Die einzelnen Teile dieser Bilder waren einer nach dem andern verändert worben, bis sie di« seltsamsten unb unheimlichsten Gestaltungen angenommen hatten. Heber ben grausigen und phantastisch-grotesken Eindruck dieser Vorführung schreibt Hannen Ewass er im .Daily 6rpreb „Lloyd Georges Porträt, das nur ein Postlarrenbild war. als PonNng zu filmen begann, zeigt jetzt sein Gesicht, als wenn es au» Gummi gemocht wäre. Zunächst ift die Aale verbreitert und verunstaltet, bann das eine Ohr, bann der Mund unb dann das Kinn: die Stirn wird auf einer Veite verbreitert und dann auf der andern. Es ift, als wenn man von einem Llohb George geträumt hätte, der au- Kaugumm besteht, unb ben man so wett wie möglich auSetnanber gezogen hot.
au« nnem aitcngltfcbcn Hei n — tonst irhrpven- daie-Model, bu- ernst ,m S pciicsanl ber Herzogin von 2UtMno stauben. Dann herrlich- Singnögel. von Morn irihtz aufg^ogen. 3hrc Leibenichasr.
3m Dohnraum Photos von Muslolini, Rlar- coni. Edtton, Eoolidge. King <ycorfl \"M bein Kön,g und der Königin von Ctaet. von der Dille
alle an .Amenca s S«cethc.irt** mit den Autogrammen.
Da im Ankleideraum ein alter, gaiiz alter ToüeUct . ch Darum? 3a an bem T isch txn Mary sich für ihre erste Firme Rolle geschminkt, gepudert tunt bereit gemach«. Treue zu dem Ping? Aberglauben?
Die Strafte hinunter, gerade 3ohn Borry- merrt Tür gegenüber, liegt «in langgefrwJkd Bureaugebäudc Darin — Douglas Fair- banks Privatbureau unb frutc Raume Auf einem Bücherschrank steht cm grobes S-chsse- motsll Eniinerung an .Der Icbu' itAe Prral'.
Gin Heiftlufr-Bodcramn Mo#Ii.-rttsche, klcnes Schwimmbassin, man merkt ben Spvrtsinann Do auch Hutter hem Gebäude. Sporwlatz. c.nc Laus- bdftn. Pferde. Sportgeräte unb eine argentmische Peitsche Äuiyrr Stiel unb cm sechs Meter langer Lederftreisen daran. Mit dieser Peitsche kann .Toug" dir auf fünf Dieter Entfernung bia Zigarette aus bem Munde knallen...
Das ift btc Strafte der Start.
Kintopp vor fünfzehn Jahren.
?lu» DerII» wird unt geschrieben
Em hiesiges Usa-Thcnter macht sich unb un» ba» kuriose Vergnügen, Filme ou .» ber Zett vor f ü n f 1 • b n Jahren lausen zu lassen; ift bo» nur eine Eomnieroerlegenhett, dann eine, hei der allerlei herouefommt. Wir wullen nni nich! mehr uhcr die unendtich langen, mit Rüschen, Borbchen und Falt- chen deseftten Kleider aushakten, auch nicht über den Ausbau von Blumen und Federn, den eine Schwie. permutier auf ihrem ftiepenhut tragt (das füllte wohl auch damals schon komisch roirfrn), nicht über Öen sieben Zentimeter hohen cherrenkragen, brr all letzte Eleganz galt, unb ferne sei ee von une, über jenes Riesenrad zu spotten, dos sich eine Dame auf ihr Chignon stutpl, wo eo bnnn schwebt wie ein schwankender Teller ... nicht von solwen »nodischen Dingen fd gesprochen, obwohl auch auf diesem Gebiet manche» zugunsten der heutigen Tracht zu sagen wäre, wir wollen nur über silmischc f»ingc uns unterhalten
Da ift also zunächst das Lustspiel „üngdein" mit A fta RtcIsen, Regie Urban Gab, in dein heute olle gewollte ftnmif sehr ernst und aller Ernst unfreiwillig heiter wirft, abcr'hier locht man kaum, man steht halb gelangweilt die weit gefponnte Dünne .ftanblung, die bi« in alle Einzelheiten verfolgt wird; mußte man dem damals noch kinofremderen Publikum alle» so genau erklären oder hatte Urban Gab noch nicht gelernt, daß auch beim Film das Schneiden die größte flunft ift. Urkomisch aber wird », wenn Die Leinwand ankündigt: „V e r k a n n t. E i n e ra r e i - f f n D e » D r a m n M i t .ft «- ,i n n P o r t e n". Noch nie konnte man Jo lochen wie In Diesem ergreifenden Drama. Wenn Hennn — sie hat aus ihrcii Blondhaar merkwürdige Hörner gebrannt — die Hand auf Den pochenden Busen legt, wenn ihr böser Bruder sein Geld verspielt hat und gebrochen, stieren Blicks und mit Gesichts;uckungen hcrelnwankt, als hatte er Zahnschmerzen, wenn der alte Bater (ein Meisterwerk an Periickenaufwand) ihm seinen Fluch entgegenschleudert und der Filmtitel erklärt: „Ich enterbe dich, du bist mein Sohn nicht mehr?" Wah- rend sich die Musik des Harmoniums bemächtigt, auf dem gewitterschwontzere Stimmung geheult wird wie damal» immer im fünften Akt, wenn sich bic Leichen häufen: da geht schallende» Gelächter durch das Haus. Zum Schluß kommt ein Drama, ba» nach diesen antiquierten Dinacn fast modern wirrt ober durch CE r n ft Luditsch dazu gemacht wird. „D i e Augen der Mumie Mo" mit Harry Liedtke (damals noch ein feiner glatter Jüngling ohne den Schneid des Froucnoerführers, zu bem er cs offenbar erft spater gebracht hat. Man staunt, wie herrlich weit wir's gebracht haben — vor fünf- zehn Jahren
Heute ladjen mir über Den Fortschritt von Damals. SiedenDheiß fällt mir's aufs Gewissen, Daß ich auch
DaS Rennpferd Eollorobo ift in derselben Weise behandelt. Eine gewöhnllche Photographie Wirb durch verschieben« Linsen verändert, bis Tollo- rodo zu einem Märchenpferd wird. Erst hat eS kurze Beme wie ein Dackel unb dann lange wie eine Giraffe; danach wird ber Hals immer länger unb ebenso die Ohren Kühe, die mit bem Distortagraph ausgenommen werben, erhalten bic grausigsten Miftbildungen Es ist, wie w«mn bet Zoo verrückt geworden wäre."
.Der .Film-Zcrrfplcgel" wird sich besonder» füt phantastische und Märchenfilme verwerten lasten, für die Darstellung einer unwirklichen Welt, die durch biefc bewuftte Dcrichiebung ber natürlichen Formen einen unheimlichen Eindruck von Gesetzmäßiokett erhält Jene ungeheuerlichen unb unbegreiflichen Vorstellungen, die un« manchmal im Traum als Alpdruck peinigen, werden jetzt mit nüchterner Berechnung un Film hervor- gerufen werben können. Außerorbentlich qroft Dürfte bas Gebiet fein, bas fich für diese neue Erfindung im kornllchen Film eröffnet, denn es ist bic tollste unb zualeich bte überzeugendste Karikatur, die damit gefchasfen werben kann. Der Distortagraph kann euch zur Veränderung unb jur Verzerrung bereits fertiger Filme verwendet werben. Ebenso kann bei ber photographischen Aufnahme irgenbeiner Sttaftenfzene durch die plotzllche Drehung eines kleinen Rabes ber Eindruck hervorgerulvo werben, al« ob ein Erb- beben bic Mitte ber Strafte erfchüttere Die Gebäude erfdeinen bann für eine Sekunde in den phantastUchsten Gestalten und bann wirb bas Bilb wieder vollkommen natürlich. Vielleicht liehe sich der Apparat sogar für eine psychologische Vertiefung der Filmbarstellung ausnutzen, indem «in Meisterregisseur durch die plötzliche Veränderung der Gesichter seiner Gestatten uns zeigt, was tn ihren Gehirnen ooracht. Steigerungen und Verfeinerungen des Ausdrucks, wie fie kein Schauspieler auf seinem Gcficht hervvo- b ring en kann, werben dadurch qtmadft.
Der Erfinder verhandelt gegenwärtig mtt einer der grLhken arnerilanlschen Fümgesellschatten, Ne sich die ausfchliehlichen Rechte sichern will.


