Möwe im Sturm.
Vornan von Sophie Moerß.
29 Fortsetzung. Nachdruck verboten
Di« Fünfzig halt« er sicher, und dem noch nicht Dreißigjährigen erschien das als ein über alle L'.ebes^idenschaft erhabenes Alter. Er wußte noch n«cht, daß die Sonne in der klaren Herbstluft am heißesten brennen kann.
Kollmann fuhr in die Mauerstraße zur Bank.
Er gönnte sich nie nach dem Essen einen kurzen Schlaf. Ein gutes Diner irgendwo in einem eleganten Meinhaus, eine starke Tasse Kaffee, eine flüchtige Minute über den neuesten Zeitungen, Börsenberichten, Schisfsnachrichten, Handelsteil — dann fuhr er schon wieder zurück in den Riesenbau, wo den ganzen Tag der Klang des Geldes hörbar oder unhörbar durch alle Räume ging.
Als er jetzt durch den Seiteneingang trat, stand der Pförtner bereit und legte die Hand an die Mütze mit einem Gesichtsausdruck, der meldete: „Herr Sieoerfen ist gekommen. Wenn der Herr Generaldirektor ihn noch vor der Sitzung sprechen wollten —"
,Ln meinem Zimmer?"
„Jawohl, Herr Generaldirektor."
Es war seine Privatsache, und Kollmonn stellte sonst alle Privatsachen unnachsichtlich hinter die Ge- schästsangelegenheiten. Aber heute ging er nicht sofort in das große Sitzungszimmer des ersten Stocks, wo die gesamten Direktoren der Berliner Banken auf ihn warteten, der großen amerikanischen An leiye die Wege zu ebnen — ein Geschäft, wie selbst er es noch nicht gi Händen gehabt hatte —, sondern er fuhr hinauf zum dritten Stockwerk und ging hastig in das eigene Arbeitszimmer.
Sieoerfen stand bereits neben dem Schreibtisch, als hätte er aar nicht an dem Kommen seines Chefs gezweifelt.
„Wieder zurück? Wie steht es mit der Angelegenheit." 1
Der Sekretär reichte ein Papier aufgeschlagcn zur Einsicht hinüber. „Der Todcsschein," sagte er kurz.
Eine ganze Minute blieb es still im Zimmer. Kollmanns Augen flogen erst hastig über das
Papier, dann noch einmal Wort für Dort die Reihen hin.
„Todesursache: Eisenbahnunglück?" Er hob die Augen.
„Die Dame war auf einer Dortragsrcisc nach Cincinnati. Der Zug ist bei Indianapolis mit einem anderen im Nebel zusammengestoßen. Drei Schlafwagen sofort ineinanderaeschoben und verbrannt. Eine Verwandte der Dame" — irgend etwas hielt ihn ab zu sagen: Mistreh Kollmann—, „die sich gerade im Speisewagen befand und so gerettet wurde, hot unter den Leichen die Kusine an ihren goldenen Knöchelringen erkannt. Do die betreffende Dame, ich meine die Gerettete, aber selbst dann an einem Nervenschock zusammenbrach, sind die näheren Umstände erst nach einigen Wochen bekannt geworden."
„Haben Sie die Gereitete gesprochen?"
„Ja. Weiteres konnte fie nicht berichten."
„Dos Grab gesehen?"
„Es waren neun Opfer. Sie sind in einem gemeinsamen Grab in Indianapolis beigesetzt wor- dcn. Die Namen stehen auf einem Stein "
„Und der Totenschein?"
„Der Leichenbeschauer hot ihn noch einigen Schwierigkeiten ausgestellt, als er hörte, für wen ich die Erkundigungen anstellte."
„An welchem Tage geschah das Unglück?"
„Gleich nach Neujahr, als der Verkehr übermäßig stark war. Dritten Januar, an einem Freitag."
„Danke." Eine kurze Pause. „Sie werden mich erkenntlich finden, Sieversen. Wieviel betrugen die Kosten?"
„Etwa siebentausend Mark. Herr Generaldirektor hatten mir einen Wechsel auf zehntausend mitgegeben —"
„Gut. Eine Abrechnung ist nicht nötig. — Wiedersehen."
Abwärts schnurrte der Lift. Fünf Minuten über die angegebene Zeit trat Kollmann in das Sitzungszimmer.
„Bitte die Herren um Entschuldigung. Eine Angelegenheit, die wichtig war, hat mich aufgehalten. Wer von den Herren wünscht den ersten Bericht?"
Sieversen horchte dem Schritt seines Chefs nach, legte das Schriftstück, das Kollmann achtlos auf den Tisch gelegt, sorgfältig in die richtigen Falten, schob es in einen Umschlag, schrieb darauf: „Wichtige
Privatangelegenheit" und verwahrte cs im Geheimfach der Wand, in einem Abteil, das die persönlichen Angelegenheiten des Generaldirektors enthielt. Es war sehr leer. Sieversen legte die Urkunde mit peinlicher Genauigkeit mitten hinein in dos Fach und verschloß es wieder.
„Ob ihm wirklich gar nichts an die Nieren geht?" dachte er.
Herr Anton Eduard Schul,;« und Ihre Hoheit saßen mit der schönen Nichte beim ersten Frühstück: der Diener goß eben den Mokka in die Rosenthaltassen — do erschien ein zweiter Diener, "der zugleich die Stellung des Pförtners bekleidete, und gab zwei Sendungen ab für das gnädige Fräulein von Erdmannsdorf.
Die erste war ein Blumenkorb aus feinem Silberdraht, aus dem kostbare Orchideen nickten und mit ihren spöttischen Gesichtern fröstelnd in den nordischen Tag schauten, die zweite bestand in einem flachen, briefartigen Päckchen, ein Karton schien in ihm enthalten. An das Papier waren zwei Helle Rosen gebunden.
Es war nichts Besonderes, daß einer von den Herren, die im Schulzefchen Hou je verkehrten, feiner Verehrung für die schöne Nichte, die — es war offenes Geheimnis — durchaus nicht nur ein Fräulein von Erdmannsdorf war, in solcher Weise Aus- . druck gab. Aber dieser Orchideenkorb, gar nicht besonders groß, war von einer Kostbarkeit, daß nur ein sehr wohlhabender und sehr warmer Verehrer seinen Gefühlen durch ihn Ausdruck geben konnte.
„Sicher von Kollmann," sagte Ihre Hoheit Frau Schulze und sah durch die langgestielte Lorgnette auf Marias Finger, die das angeheftete Kuvert öffneten. Schon reichte ihr die Nichte den dicken Karton hinüber.
„Der Unterzeichnete würde es als große Ehre einschätzen, die Damen heute abeckd in der Oper zu sehen. Barbara Kemp singt die Isolde.
Kollmann."
Die Hoheit lachte: „Zwei Karten, Maria?"
„9a, Tante."
„Und die Kemp. — Jo, ich hatte es neulich beklagt, daß meinem Herrn Gemahl die Musik nur ein mehr oder weniger unangenehmes Geräusch ist und daß man ohne Begleitung so ungern in die
Oper geht — Sie sah Maria von der Seite an. Die legte die beiden Karten für das Opernhaus eben auf den kleinen Nebcntifch, und dos zweite Päckchen dazu. Die Hoheit nahm an, daß es wohl irgendeine bestellte Sache enthalte.
..Kollmann ist wirklich außerordentlich aufmerksam. Man muß es doppelt anerkennen, da er mehr in den Kopf zu nehmen hot als oll die übrigen Herren zusammen.-
_ Sie brach ob. Der Diener, der kurze Zeit den Speisesool oerlasien. tarn nut einer beißen (Her- speise zurück. Herr Anton Eduard frühstückte ausgiebig, ehe er in die Stadt fuhr.
Ihre Hoheit mußte sich — leider — in dieser Hinsicht Zwang auferlegen. Sie neigte ;um Dickwerden, und dos war so ganz gegen die Mode. Wenn fie es auch betonte, daß Damen, die bic Mode in allen ihren Bahnen mitgingen, nie in ihren Augen wirklich große Damen seien. „Was ich trage, das ist allemal Mode." So wie einst Bismarck sagte: „Wo ich sitze, do ist immer oben.*
Herr Schulze hotte viel Spaß an dieser betonten Herkunft seiner Frau, denn er besaß, Humor, und Maria, die erst nicht recht gewußt batleT wie ihn nehmen, war jetzt gut Freund mit dem sogenannten Onkel. Eben stand er auf, fnäulte das Mundtuch zusammen, küßte seiner Frau die Hand, verneigte sich ritterlich vor der schonen Nichte und fragte: „Ist meine Heimkehr zum Diner unumgänglich notwendig? Wenn die Damen doch gleich nachher in dos Theater wollen? Sonst — ich habe heute abend eine Sitzung, do ist dos Herauskommen —"
„Gewährt," lächelte die Hoheit, „Sitzungen soll man nicht stören."
Sie winkle dem Diener, er könne gehen, soh dem Gemahl nach aus dem Fenster, wie er in dos Auto stieg, und wandte sich an Maria.
„Sitzungen. Das Wort führen sie alle im Munde. Alte und Junge, Bemittelte und Unbemittelte, Ver-- heiratete und Ledige. Früher sollen nur der Kaufherr und der Diplomat dergleichen gekannt haben — jetzt kennen sie es ohne Ausnahme. Es deckt vor den Damen so herrliche Schleier über ihre persönlichen Seitenwege."
Marias Augen sprachen ihr Erstaunen aus.
(Fortsetzung folgt.)
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