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Vornan von Edgar Wallace.

Copyright by Wilhelm Goldman», Verlag, Leipzig.

21. iyortfegunfl Nachdruck verboten.

Staunen erfaßte Dick, als er die Ziffer hörte.

,Lst das Vermögen jo groß?"

Ts ist eines der größten in England, und jedes Jahr fügt seinem Wert noch ein paar Nullen hinzu."

Alle Achtung! Da geht es dem jungen Lord besser als den meisten seiner Standesgenossen im Pairhause. Hat sein Baker vielleicht einen Schatz ent deckt?"

Havelock lächelte:

Sie fragen das spöttisch, und doch treffen Sie den Nagel auf den Kopf. Er hat tatsächlich einen Schatz entdeckt, einen unerschöpflichen Schatz an schwarzen Diamanten. Seine Kohlenlager in Nork- jhire und Northumberland haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten zu Goldgruben entwickelt. Seme Besitzungen in Südafrika und in Australien sind heute das Hundertfache von dem wert, was er fei» der dafür bezahlt hat. Aber ich sehe es Ihnen an. Sie dachten an einen anderen Schatz, an vergra­bene Goldmünzi hinter sieben Schlössern .. Nein, Mr. Martin, was für ein Geheimnis auch die Tür verbirgt, in Ziffern ließ und läßt es sich gewiß nicht umsetzen."

,^Hot der junge Lord niemals die Lust verspürt, die Tür zu öffnen?"

Nicht, das ich wüßte! John ist ein nüchterner junger Mann, der ganz in der Wirklichkeit wurzelt. Ich selber war gar nicht neugierig auf die Tür, und erst das gestrige Erlebnis wirft auf die sieben Schlös­ser ein ganz unheimliches Licht. Aber wie sollen wir die Tür öffnen, wir haben die Schlüssel nicht. Und zu einer Sprengung würde Lord Selford niemals Die Erlaubnis geben. Dazu respektiert er seine Ahnen zu hoch. Aber ich habe mir sagen lassen, daß Sie sehr geschickt im Oeffnen von Schlössern sind. Wie wär's, wenn Sie Ihre Kunst an der ein- undzwanzigsten Grabkammer versuchten?"

Ausgeschlossen. Ich kenne meine Talente, aber ich weiß auch, wo meine Weisheit zu Ende ist."

Havelock nickte und griff versonnen nach dem Dries

Wenn Sie nun mit dem Geld nach Konstanti­nopel reiften . .? Diesmal könnte Ihnen doch der Teufelsjunge nicht entgehen'"

Dick schüttelte energisch den Kopf.

Danke sehr ober ich habe an einer Reise genug."

Havelock wiegte den Kopf.

Ich bedaure Ihren Entschluß sehr, aber ich kann ihn nachfühlen. Der Mann im Monde läßt sich leich- ter fangen als Pierce."

Dick zog den Brief zu sich herüber und betrach­tete ihn.

Könnte er nicht doch eine Fälschung sein?" fragte er.

Unmöglich! Ich kenne seine Handschrift und ihre charakteristischen Eigentümlichkeiten besser als meine eigene hätte ich beinahe gesagt. Ueberdies hat er einen seiner Briefe vor meinen Augen ge­schrieben, und es war dieselbe Schrift."

Dann bliebe noch die Möglichkeit offen, daß Sie durch einen Doppelgänger getäuscht würden."

Undenkbar, Mr. Martin. Sein schmales Gesicht, sein sandfarbenes Haar, seine Augen, aus denen sich jeder Ausdruck nach innen verzogen zu haben scheint, seine lispelnde Sprechweise, olles das kommt sicher nicht zweimal vor. Ueberdies hat er ein Muttermal an der Dange, unter dem rechten Ohr. Wenn olles andere täuscht, das Mol ist ein untrügliches Zeichen. Auch ich habe an diese Möglichkeit gedacht, aber ich bin davon abgekommen. Man zerbricht sich den Köpf über Lord Selford. Man fragt sich, ist er Erpressern zum Opfer gefallen, zieht er als eine Art Trilby durch die Well. Spielt er gor selber zu dunklen Zwecken Komödie? Und was ist des Pudels Sern? Der junge Herr ist ein spleeniger Engländer, der seinen Stolz in den Verbrauch von Schuhsohlen und Gummireifen jetzt."

Dick nickte.

Sein Blick heftete sich noch einmal auf den ge­schäftsmäßigen Briesbogen aus Shepherds Hotel.

Ein merkwürdiger Herr muß es jedenfalls fein", sagte er aufblickend.Diesen Brief hat er zum Bei­spiel mit grüner Tinte geschrieben ..."

Sybil Lonsdown hotte die gan,ze Rocht in fie­bernder Unruhe verbracht. Sie fühlte, daß ihre Be­ziehungen zu Dick in ein ganz neues Stadium ge­treten waren, und sie wußte nicht, ob sie sich Dar­

über freuen durste Mit leiser Beschämung dachte sie daran, wie ihr Kopf an seiner Brust geruht hatte Sie schalt die Schwäche ihres Charakters, die chr selbst etwas ganz Neues war. Wie konnte ein mo derner Mensch bei einem bloßen Getöse und einer elektrischen Entladung so in Angst und Schrecken ge­raten, daß er die Würde seiner Haltung vergaß? Immerhin, cs war geschehen, und hie ganze Bücher- Weisheit der Bibliothek wischte die Erinnerung daran nicht fort Und dann fragte sie sich plötzlich in hei--' ßem Erschrecken: Wollte sie denn, daß die Erinne­rung ausgelöscht wurde?

Es war um die Mittagszeit. Der mächtige Saal halle sich geleert Schweigend standen die Bücher in ihren Regalen. Einige hiellen sich stramm wie aus­marschierende Soldaten, andere stützten sich auf ihre aufrechten Gefährten mie heimkehrcnde Invaliden.

Da trat eine hagere Frau im schwarzen Seiden- mantel durch die hohe Tür, und sofort verbreitete lid) ein angriffslustiger Parfümgeruch, vor dem der Lederdunst der Bücher sich zaghaft verkroch. Die Frau kam raschen Schrittes näher. In ihrer Hand fingerte sie ein Lorgnon an goldener Kelle.

Sie sind Miß Lonsdown?" fragte sie mit schril- ler Stimme.

Sybil nickte und erhob sich von ihrem Stuhl.

Ich komme in einer äußerst delikaten Sache", sagte die Frau und ließ sich umständlich auf einem Stuhl nieder. ,Hch kannte Ihren Vater, Miß Lonsdown."

Sie streifte die Handschuhe ab und sorgte da­für, daß das Sonnenlicht auf ihre Brillanten fiel.

Sybil starrte die Frau an. Auf den ersten Blick war sie ihr unsympathisch. Sie erriet, daß sie aus den Niederungen der Gesellschaft kam und nicht den Geschmack hotte, sich ihres Glücks auf vornehme Art zu freuen. Die ringübersäten Finger, der schwere Wohlgeruch, die viel zu üppige Kette genügten, um ihr den Stempel unverdauten Reichtums aufzu­drücken. Es hätte der groben Züge und der ge­wöhnlichen Lippen gar nicht bedurft.

Inzwischen plauderte sie unbekümmert darauf los.

,^JHr Vater war ein ausgezeichneter Mann, liebes Fräulein, aber er war viel zu vertrauensvoll. Schlechte Freunde beuteten seine Gutmütigkeit aus und ließen ihn im Stich, als das Boot leck wurde Wie oft Hot mein lieber Mann zu mir gesagt: Eli-

sabeh, hat er gesagt, paß auf, es gibt ein Unglück. Als dann das Aergftc emtrof, war Ihr Vater zu stolz, sich an seine wahren Freunde zu wenden. Wir hatten ihm gern geholfen."

Sybil starrte die Frau an, deren Redestrom über alle Dämme der Etikette hinwcgfchwomm.

Sie sprechen in lauter Rätseln. Wer sind Sie eigenllich ...? Was wollen Sie von mir ...?"

Ihr Bestes will ich. Mein Nome ist Mrs. Cody", sagte die Besucherin.

Cody . . Codn .. halte sie den Nomen nicht schon einmal gehört? Sybil (raufte die Stirn, aber der erleuchtende Blitz wollte sich nicht einstellen.

Wie gesagt, ich komme in Ihrem eigensten In­teresse", begann Mrs. Cody wieder und legte eine leise Nuance des Gekronttscins in ihren IonMein Monn war seinerzeit stark in die Geschäfte Ihres Vaters oerwickell und hat selber Verluste gehabt. Jetzt Hot er Informationen erhalten, auf Grund deren sich vielleicht ein Teil Ihres Vermögens wie­dergewinnen läßt."

Sie klopfte mit dem Lorgnon aus den Tisch.

Es war eine Ungerechtigkeit, mein Nmd, daß ihr Vater allein die Verluste der Gesellschaft decken mußte. Es sind Schiebungen vorffekammen, Schie­bungen, sage ich Ihnen, daß sich einem die Haare sträuben. Mein Mann Hot dos Material gesammelt, oh, einen Aktenhaufen jo hoch," und sie deutete mit den Händen den Umfang des Aktenbündels an, ganz gewiß lassen sich für Sie und ihn Erfotzon- spräche daraus herleiten."

Sybil schwindelte unter diesem unaufhörlichen Ge­plätscher der Rede. Sie mußte sich setzen. War dos wahr ... konnte dos wahr fein Aber worum nicht? Ihr Vater hatte in den letzten Jahren feine» Lebens, besonders nach dem Zusammenbruch feiner Gesellschaft, mit merkwürdigen Menschen zu tun gehabt. Möglich, daß sich auch Cody unter den Ge­schädigten befand und jetzt wirklich auf eine folgen­reiche Entdeckung gestoßen war. Jedenfalls mußte sie ihn anhören, schon im Interesse ihrer Mutter, die sehr schwer an dem Dermögensoerlust trug, obschon sie nie klagte. Rasch faßte sie ihren Entschluß.

Kann ich Ihren Gotten nicht sprechen?" fragte sie die Frau.

Darauf hatte Mrs. Cody gewartet.

(Fortsetzung folgt)

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Gießen, den 31. Mai 1928.

Ter Oberbürgermeister Wohlfahrtsamt, Abt. Jugendamt.

Dr. Frey.

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