iagung DeS Bundes Deutscher Jugend- vereine usw. In Marburg im Oktober letzten wahres, seine Ausführungen wurden ergänzt von Pfarrer Hertel, Gießen. Diese Tagung, deren Verhandlungen in einem Büchlein „Ziele und Wege" gedruckt vorliegen, hatte einen gewaltigen Eindruck hinterlassen, lieber die Frage nach Sinn und Ziel aller Zugendarbeit, insbesondere religiöser und kirchlicher Jugendarbeit, über die oft so radikale Stellung der Jugend zur bestehenden Kirche, über den bemerklichen Rückgang der problematisierenden, „bewegten" Jugend, über die praktische Durchführung der Arbeit in „Gruppe" oder „Verein" und anklingende Probleme ward lange diskutiert. Zum Schluß der Konferenz wurden noch Fragen praktischer Art, insbesondere das Voranschlagswesen u. a. besprochen. Vach der Tagung saß man noch kurze Zeit gemütlich beisammen.
** Oeffentliche Bücherhalle. Im Januar wurden 1374 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 761, Zeitschriften 131, Jugendschriften 109, Literaturgeschichte 7, Gedichte und Dramen 20, Länder- und Völkerkunde 71, Kulturgeschichte 27, Geschichte und Biographien 91, Kunstgeschichte 18, Naturwissenschaft und Technologie 34. Heer- und Seewesen 17, Haus- und Landwirtschaft 4, Gesundheitslehre 8, Religion und Philosophie 28, Staatswissenschaft 9, Sprachwissenschaft 14, Fremdsprachliches 25 Bände. Rach auswärts kamen 24 Bände.
•• 40jähriges Geschäftsjubiläum. Am 1. Februar begeht der Kunstgärtner Louis Becker das 40jähige Bestehen seines Geschästs. Der in der Bürgerschaft allseitig bekannte Mann hat in den 40 Jahren, wo er selbständig ist, den Aufstieg seiner Branche miterlebt und war unter seinen Gießener Kollegen an der Spitze, wenn es galt, Reuerungen einzufühven; er hat u. a. die Ortsgruppe Gießen des Verbandes Deutscher Blumengeschäftsinhaber mitbegründet und sie auch als Vorsitzender geleitet. Besondere Verdienste, die von allen seinen Kollegen anerkannt werden, hat sich Herr Louis Becker um die Hebung der Gärtner-Fachschule erworben, er ist dort auch zum Segen des gärtnerischen Rachwuchses seit der Reorganisation an ter Fortbildungsschule als Fachlehrer mit großem Erfolg tätig.
Oberhessen.
Landkreis Gietzen.
* Wieseck, 31. Jan. Don Gemeinderat Karl Scherer wird uns zu dem Bericht über die jüngste Gemeinderatssi'tzung geschrieben: „Die Gemeinde Wieseck hat mit der Gemeinde Alten-Buseck im Rovember 1926 einen Zweck- verband betreffs Auto-Betrieb gegründet. Die Anteilsumme der Gemeinde Wieseck wurde mit 97 500 Mark genannt und bestand in Wagen 1 und 2; außerdem hat die Gemeinde Wieseck die Autohalle nebst innerer Ausstattung gestellt. Der Anteil der Gemeinde Alten-Buseck wurde mit 32 500 Mark festgesetzt. Der Vertrag wurde von beiden Gemeinden unterschrieben und ist von der vorgesetzten Behörde sowohl als vom Ministerium genehmigt. Jetzt nach Ablauf eines knappen Jahres stellte der Verbandsvorsihende Denner den Antrag, die Anteilsumme der Gemeinde Wieseck um 14000 Mark herabzusehen. Ich beantragte Ablehnung des Antrags, da er nach meiner Auffassung gegen Treu und Glauben verstößt, und ich es für meine Pflicht halte, meine Gemeinde zu schützen, zumal in Anbetracht des vorjährigen Abschlusses,' denn das alte Schlagwort: „Nor droff, die Gernee b'zoahls joa", gilt heute nicht mehr, heute muh es heißen, die Steuerzahler müssen es bezahlen, welche doch bekanntlich die Besitzer von Grund und Gewerbe sind, was wohl schon viele am eigenen Körper gespürt hoben. Es wäre meines Erachtens hier am Platze, wenn die vorgesetzte Behörde ihr Augenmerk der Angelegenheit widmete, aber auch die Wiesecker Steuerzahler sollten den Verhandlungen auf dem Wiesecker Rathaus ein offenes Auge schenken, dann wäre manche Frage: „Wäi ies dann doas, daß aich schu wirrer so viel mie off meint Steuerzill hu", überflüssig. Heber den eigentlichen Grund der Herabsetzung der (Summe um 14 000 Mark bin ich mir klar, und viele andere werden es auch
daffermann-Gastspiel im Frankfurter Schauspielhaus.
Arthur Lchnitzler: „Der einsame Weg".
„Eine Laube statt der Bühne, Sommersonne statt der Lampen, Also spielen wir Theater, Spielen unsre eignen Stücke, Früh gereift und zart und traurig, Die Komödie unsrer Seele, Unsres Fühlens heut und gestern, Böser Dinge hübsche Formel, Glatte Worte, bunte Bilder, Halbes, heimliches Empfinden, Agonien, Episoden ..."
Hvfmannsthal, Prolog zu „Anatol".
In den Worten des Dersvorspieles, das der junge Hugo von Hofmannsthal zu Schnitzlers „Anatol" schrieb, ist eigentlich schon alles enthalten, was wir im Jahre 1928 noch über das Schauspiel „Der einsame Weg" vom Jahre 1903 SU lagen haben. Es war überaus interessant, einmal wieder vor einem solchen Stück zu sitzen und Abstände zu ermessen, unüberbrückbare Distanzen zu begreifen: zwei Generationen, die eine vor dem Vorhang, staunend, lauschend, betroffen, fremdgeworden den Dingen, die da aus der Bühne sich abspielten und wie aus einer fernen und gänzlich märchenhaften Welt zu ihr herüber- drangen — aus einer Welt vor dem Kriege, zu der unter den Hunderten, die da saßen, vielleicht zehn oder zwölf noch innerlich den Anschluß zu finden vermögen. Dieses Stück von Schnitzler — es könnte auch ein beliebiges anderes sein — umschreibt das Lebensgefühl, ist prägnanter abgeschlossener Stil einer altgewordenen und uns entrückten literarischen Generation. Man schaut in die Szenen der wienerischen Dekadence, des blassen, müden, unendlich zarlnervigen Aesthetentums mit großen Augen hinein wie in ein Märchen aus tausendundeiner Rächt oder wie in eine lyrische Landschaft von Li tai pe — so fern ist uns alles gerückt, so fremd, so völlig aus unserer Zeit, unferm Lebensumkre's gebannt sind die Menschen dieses Schauspiels mit ihren halben und angefangenen Gedanken, zaghaften und vagen Gefühlen.
sein. ®e gebrnenfalls kann man später einmal darüber sprechen."
" Rödgen, 31. Jan. Am Sonntag wurde unter großer Anteilnahme der Gemeinde und in Gegenwart von Vertretern von Behörden und Korporationen unser Gemeinderechner Becker, der 17 Jahre lang im Dienste unserer Gemeinde und 13 Jahre lang im Dienste der Gemeinde Trohe gestanden hat, zur letzten Ruhe bestattet. Am Grabe hob der Ortsgeistliche noch einmal die großen Verdienste des Entschlafenen um das Gemeinwohl hervor, ferner wurden dem Heimgegangenen ehrende Rachrufe von den Bürgermeistern von Rödgen und Trohe und den Vertretern des Gesangvereins „Konkordia", dessen Gründer der Verstorbene war, gewidmet. Zahlreiche Kranzspenden wurden am Grabe niedergelegt.
Bg. Großen-Buseck, 31. Jan. Auf Samstag abend hatte der Turnverein „Gut Heil" seine Freunde und Gönner in den Saal des Gastwirts Brück zur Feier seines 2 9. Stiftungsfestes eingeladen. Trotz der zahlreichen Veranstaltungen dieses Winters war der Besuch stark, was wohl von der Beliebtheit der Festlichkeiten dieses Vereins zeugt. In seiner Degrii- ßungsanfprache wies der Vorsitzende, Lehrer Orttocin, auf die Bedeutung des Sportes der Berufsarbeit gegenüber hin, forderte aber richtiges Verhältnis zwischen Beruf und Sport und ermahnte, das Turnen im Sinne Jahns nicht verdrängen zu lassen, wegen der hohen geistigen Werte, die es zu schassen vermöge. Aus dem abwechslungsreichen llnterhaltungsplan gefielen besonders das Schwingen elektrischer Keulen, zwei flott gespielte Theaterstückchen und einige lebende Bilder. Beim Turnen zeigte der Verein am Pferd eine beachtenswerte Höhe. Die Turn- toarte W. Hahn und W. Stephan verdienen größte Anerkennung für die Leitung des Turnwesens. Besondere Anziehungskraft übte die Teilnahme einiger Mitglieder der Turnge - meinde „Eintracht" Frankfurt a. M. am Turnen aus, die bei einem hiesigen Turner zu Besuch weilten. Sie setzten durch die vollendete Beherrschung ihres Körpers und Geistes in Verwunderung und ernteten reichen Beifall. Die vorzügliche Musik einiger Mitglieder der Reichswehrkapelle aus Gießen gefiel allgemein.
Q Quedborn, 31. Jan. Die hiesige Gemeinde hat einen Getreidereiniger aufgestellt. Die ersten Proben sind gut ausgefallen, denn es ergeben sich nur tadellose gleichmäßige Körner, denen der Augenschein volle Keimfähigkeit zutrauen muß. Es ist erstaunlich, wie groß der ausgeschiedene Teil der Frucht ist. Bei verregnetem Hafer ergab sich z. B. nur ein Drittel gute Frucht. Man kommt nun mit viel weniger Saatfrucht auf den Morgen als früher aus, und die ausgeschiedene Frucht, (beim Dreschen zerschlagene, gekeimte oder kleine Körner), die sonst auf dem Acker verdarb oder kümmerliche Halme brachte, kann noch als Futter verwertet werden. Die ganze Anlage mit Einschluß des an den Faselstall angebauten Gebäudes kommt auf 4000 und einige 100 Mk. Sie wird sich aber aus obigen Gründen und vor allem, weil nunmehr nur erstklassige Frucht auf den Siedern dahier wachsen wird, gut rentieren.
e. Rüddingshausen, 31. Jan. Hier fand am Sonntag die diesjährige General-Versammlung des Kriegervereins in der Gastwirtschaft Wißner statt. Rach der Reuwahl des Vorstandes wurde Bürgermeister Müssig, der jahrelang Vorsitzender De3 Vereins war, auf Antrag des jetzigen Präsidenten Kalber- lah einstimmig von der Versammlung zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Es wurde weiterhin die Erneuerung und Heberdachung der Deckung am Schießstand beschlossen, sowie die Gründung eines Schützenvcreins. der nach einigen Jahren dem Kr egerverein angegliedert werden soll.
* Lich, 31. Jan. Die Ortsgruppe Lich der ehemaligen Angehörigen der Hess. Feld-Artillerie-Regimeuter 25 und 61 und deren Ersahformationen veranstaltet am Sonntag, 5. Februar, nachmittags von 3 bis 7 Uhr in Lich im Saale des Gastwirts Stein, am Bahnhof, eine Zusammenkunft, zu der alle ehemaligen Feldartilleristen und deren Ang?- hörige eingeladen sind. Der Zweck dieser Veranstaltung ist das Wiedersehen der Kameraden und die Pflege des kamerad-
Jm Emst: was geht uns dies alles heutE noch an, wer schwingt innerlich mit, bei allem, was hier gesagt und empfunden wird, was hier geschieht: wer zwingt uns. die Verflechtungen der vier Akte als irgendwie sinnvoll oder notwendig anzuerkennen, das Schicksal als groß und gültig und unentrinnbar? Nichts. Wir spüren feine Beziehungen mehr zu den Gestalten mit ihren flüchtigen und kranken Leidenschaften, mit ihren wunden Rerven, ihren schwermütigen leisen Worten, ihren müden und ergebenen Bewegungen. ... Man hat manchmal den brennenden Wunsch: wenn doch endlich einmal etwas Großes, Lautes, Gewaltiges oder Unerwartetes geschähe, wenn ein schlitternder Ausbruch käme, eine starke, meinetwegen ganz äußerliche Theater- szene, wenn doch einer mit der Faust auf den Tisch schlüge, oder mit Gebrüll einen Revolver in die Luft knallte. Richts: es knallt nicht, es brüllt feiner; leise, unterdrückte, müde Worte vom Anfang bis zum Ende. Ein abgefangener Schluchzer, ein weggewandter Blick, ein unhörbares Weinen hinter vorgehaltenen Händen; die Katastrophen werden mit verhaltener Stimme erzählt, erraten, abgetan. Selbst Spannungen werden verscherzt: ein alter Mann braucht eine lange große Szene, einem jüngeren beizubringen, daß sie beide Vater und Sohn sind; der Junge wußte das noch nicht und, gewiß, dergleichen muh mit Delikatesse und Schonung, Schritt für Schritt, in sparsamsten Dosen gegeben werden. Der Zuschauer weiß es aber längst und hört nur mit halbem Ohr hin und wundert sich doch, wie sehr diese Menschen schon mit glatten, wohlgesetzten, literarischen Worten um ihre elementaren Gefühle herumzureden gelernt haben.
Jemand hat einmal von diesem Stück gesagt: Jbfen im Wienerwald. Glänzend gesagt: tiefe Melancholie über allen Szenen, Herbst brinnen und draußen, Zeit der Kühle, der Schwermut, der fallenden Blätter, der sterbenden Ratur, der alternden Herzen und einsamen Lebenswege. Da ist ein Vater, Der seinen Sohn verloren und eigentl ch nie besessen hat, Der ihn, da er ihn vbL., Mieder,indet, tiefer und endgültiger verliert, als je zuvor, als jener um das Geheimnis feiner Herkunft noch nicht wußte. Da ist eine Mutter, eine kranke, gebrechliche, still gewordene Frau, die leise, unversehens von Den Ihren hinwegstirbt und eben jenes Geheimnis mit sich ins | Grab nimmt oder zu nehmen glaubt. Da ist eine
schriftlichen DeisteS, unter Ausschaltung jeglicher politischer Parteizugehörigkeit. Der Bun- desvorsihende des ArtilleriebundeS in Hessen, Se. Exz. Generalleutnant a. D. von Klein- schmit in Darmstadt, hat sein Erscheinen zugesagt. Der bestens bekannte M u s i k v e r e i n Rieder-Weisel unter Leitung seines Dirigenten L i e b a u wird konzertieren. Recht zahlreicher Besuch wird erwartet, zumal die Zugverbindungen sehr günstig sind. Man beachte die heutige Anzeige.
ri. Lich, 31. Jan. Ein Famrlien- abend der evangelischen Gemeinde vereinigte am Sonntagabend eine Schar von über 300 Gemeindegliedern in der Turnhalle. Durch die hessischen Lichtspiele für Schule und Volksbildung wurde der Film „Glaube und Hei- m a t“ vorgesührt. Die fünf gewaltigen Akte des Dramas machten in Der Wucht ihrer Tragik und in der lebendigen Darstellung der Heldenkraft des Glaubens einen sichtlich tiefen Eindruck. Dieser Eindruck wurde noch verstärkt durch die Darbietungen des Posaunenchors unter Leitung von Lehrer H i l d und Die Dorträge des Frauenchors unter Leitung von Fräulein Marie Jager. Rach einem kurzen Schlußwort Des Pfarrers klang Der Abend aus in dem gemeinsamen Lied „Eine feste Burg". Am Nachmittag hatte bereits eine besondere Vorführung Des Fllms für Die Kinder Der Gemeinde statt- gefunDen.
l. Hungen, 31. Jan. Der zweite Kommandanten-und Führerkursus für Freiwillige und Pflichtfeuerwehren fand am Sonntag hier statt. Zu Beginn Der Sitzung gedachte Brandinspektor Wenzel, Gießen, in ehrenden Worten des verstorbenen Bürgermeisters Völker, Lich, der stets ein eifriger Förderer Der Feuerwehrsache gewesen sei. Das Airdenken an Den Entschlafenen wurde in Üblicher Weise geehrt. Branddirektor Braubach, Gießen, hielt hieraus einen lehrreichen Vortrag über „Brandbekämpfung, Rettungswesen usw. . Brandinspektor Wenzel, Gießen, sprach über „Keller-, Stockwerks- und Dachstuhlbrände". Anschließend referierte Branddirektor Braubach, Gießen, über Sicherungsmahnahmen bei Gasleitungen, elektrischen Leitungen, Filmbränden usw., sowie über Die ersten Hilfsmaßnahmen. Nach Der Mittagspause sand eine Brandan- grisssübung Der Hungener Feuerwehr statt, Deren Leistungen in Der Kritik des Kreisfeuerwehrinspektors D i ck o r e als gut bezeichnet wurden. Am Nachmittag sprach Brandmeister Betz. Gießen, über Unterhaltung und Aufbewahrung Der Geräte, insbesondere Der Schläuche. In Der Aussprache über Die Vorträge bekundete sich das rege Interesse der Kursus- teilnehmer. Darauf wurde Der Kursus mit Dankesworten geschlossen.
Trais-Horloff, 31. Jan. Nach Eintritt milderer Witterung hatten die großen Bau- firmen, vor allem die Firma Holzmann-Frankfurt, wieder 150 Arbeiter eingestellt, um die Aufführung der Industriebauten des hiesigen Schwelkraftwerkes zu beschleunigen. Da nun die eigentlichen Bauarbeiten in Der Hauptsache beendet sind, wurde am Samstag etwa 100 Maurern und Zimmerleuten gekündigt. Mit Hochdruck wird eben an den Eisenkonstruktionsarbeiten geschasst, um Die Gas- und Benzinanlage zu vollenden, die von der Firma Naumann, Eschweiler und Laverenz L Co., Osjenbach, ausgeführt werden. Wie man hört, sollen am 15. März die neuen Werkanlagen dem Betrieb übergeben werden. Der Riesenbagger ist seit Wochen in drei Schichten im Betrieb und erfüllt alle in ihn gesetzten Erwartungen; in je zwei Minuten werden vier Kubikmeter Deckgebirge abgebaggert und befördert. Die mitten durch die neuen Anlagen führende Provinzialsiraße nach Bellersheim soll im Frühjahr verlegt werden.
Kreis Büdingen.
/■ Nidda, 30. Jan. Der Turnverein hatte gestern nachmittag und abend zu. einem Militärkonzert in Die Turnhalle eingeladen. Außerordentlich zahlreich waren die Niddaer und Die Bewohner der Umgebung der Einladung gefolgt, um der vorzüglichen Blas- und Streichmusik des M u s i k k o r p s des 1. B a t l. 2 n f. - R e g t s. N r. 15 unter Leitung des Obermusikmeisters L ö b e r aus Gießen zu lau»
nicht mehr junge Schauspielerin, Die von Der Bühne floh und sich in Die „Natur" retten will, Die ihr vertändeltes Gefühl einfangen mochte, einem ungeborenen Kinde nachtrauert im Jo» hannisseuer verspäteter Muttersehnsucht. Da ist ein junges Mädchen, das Heller sieht und seiner hört als die andern, und das doch Den Schleier nicht zu heben wagt (typisch für Den Stil und das Lebensgesühl jener wienerischen Borkriegs- literaten), das fein Herz an einen reichen, alten, toDfranfen Mann hängt und doch Den Mut und Die Kraft nicht aufbringt zu einem noch so kurzen Glück. Unb Da ist dieser Mann selber, ein Herr von Sala —
Die Prologverse, Die wir an Den Anfang gestellt haben, lauten weiterhin so:
„Manche hören zu, nicht alle... Manche träumen, manche lachen, Manche essen Eis... und manche Sprechen sehr galante Dinge..
Galante Dinge zu sprechen, war, Da Diesmal nicht in einer Laube gespielt wurde, hier kaum Der Ort. Zum Eisessen war es viel zu lall. Leises Lachen haben wir hin und wieDer gehört, Träumende mögen im dunkeln Parkett gesessen haben — wir wissen es nicht. Wir glauben aber zu wissen, daß alle, alle zugehört haben, nicht nur manche... und das ist viel bei einem Stück, Dem Durch vier lange Akte zuzußören, Die Menschen unserer Zeit weder Ruhe noch Nerven haben. Bassermanns Verdienst, fein Verdienst ganz allein, wenn jeder lauschte und bei her Sache blieb.
Da ist dieser Herr von Sala, Zentralfigur des Schauspiels, innerer Mittelpunkt, Der die auseinanderfallenden Gruppen verbindet, wesentlichster Träger her GrunDstimmung, vorn h nster Verkünder Des wienerischen Evangeliums: unser aller Weg ist einsam; unsere Gemeinsamkeiten sind vorübergehend, fragwürdig und ohne Gewähr; Denn was wissen wir schon voneinander, Die wir uns selbst nicht kennen und unfern Gefühlen nicht trauen Dürfen? Bereit fein ist alles, sich auf sich selber zurückziehen, sich abfinhen, gefaßt sein auf das Letzte, vom Leben nehmen, was cs eben noch gewährt, ehe es zu Ende ist.
So einen Menschen spielt Bassermann. Ehemaligen Offizier, Salondichter, Plauderer, Weltreisenden. Egoisten, von Launen und Ein-
schen. Die Darbietungen ernteten rauschenden Beifall. Für den Turnverein war das Ergebnis in finanzieller Hinsicht recht günstig, obgleich die Eintrittspreise für den außergewöhnlichen musikalischen Genuß sehr mäßig waren. — Der neugegründete Reit- und Fahrverein Nidda unternahm gestern bei herrlichem Wetter seinen ersten W e r b e r i 11 durch Michelnau. Fauerbach und Wallernhausen. 16 schmucke Reiter versammelten sich am Karlshof. ritten durch Die Hauptstraßen Der Stadt und dann durch die genannten Ortschaften, überall von zahlreichen Zuschauern freudig begrüßt. Durch das erste Erscheinen in der Oefsentlichkeit erwarb der Verein sofort in den betreffenden Dörfern mehrere neue Mitglieder.
gr. Nidda, 31. Jan. Gestern abend fand im Gasthaus „Zur Eisenbahn" eine D. H. E. - Ver- s a m m l u n g statt, in der die Ausschüsse zur Vorbereitung der am 2. und 3. Juni hier stattfindenden Hauptversammlung deS G e s a m t > V. H. C. gewählt wurden. Es werden etwa 1000 V. H. C.er zu Der Tagung hier erwartet. Die Stadtverwaltung und die Leitung des benachbarten Bades Salzhausen bringen der Veranstaltung großes Interesse entgegen und werden alles tun, um sie zu einem vollen Erfolg zu gestalten.
Kreis Alsfeld.
= Ober-Ohmen, 31. Jan. Dieser Tage fand hier eine stark besuchte Versammlung statt, hie sich mit hem B a h n b a up r o j e kt Mücke—Hlrich st ein — Rixfeld (Lauterbach), dem sog. Ohmtalbahnprojekt, beschäftigte. Revierförster H a n f u 11 • Ober-Ohmen legte die Vorteile dieses Projektes Dar und würdigte auch die verschiedenen anderen Vogelsbergbahnprojekte, von denen aber nur das Ohmtalprojekt Aussicht auf Erfolg ljabe. Nach längerer Aussprache, in her alle Redner für das Ohmtalprvjekt eintraten, wurde ein Arbeitsausschuß gebildet, her sich für hie Verwirklichung dieses Projektes einsehen soll. Vorsitzender dieses Ausschusses ist Revierförster H a n f u 11 - Ober- Ohmen. Der Vorstand des Ausschusses soll mit allem Nachdruck bei den in Frage kommenden Stellen für Die FörDerung Des Projektes eintreten. — Lehrer SommerlaD von hier über- fieDelt in Den nächsten Tagen nach Dutenhofen (Kreis Offenbach), wo er Die Dortige Lehrerstelle übernimmt. Er hat S1^ Jahre lang in erfolgreicher Weife an her hiesigen Schule gewirkt. Der Gesangverein „Sängerluft", dessen Gründer und Dirigent er war, bereitete ihm eine herzliche Abschiedsseier unb ernannte chn zum Chrendirigenten.
Doch ein rätselhafter Vries.
In dieser Woche lief wieder ein Brief ein. Wer löst das Rätsel?
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iUMMruaL UidlL (^au. (I
Run wird der Briefschreiber dringlicher: ’Vtäjlxfclu.&i, unAWü&ua. - / cLai» IlM^^uidcdJLeiL tÄi-1
Was soll man nun gar von dem sonderbaren Schlußsatz halten?
CuJuJm iw.. TkrtO- AutftL i MuJexi, ajtkL 4wLtidütt- (uZcfii ul
__Uio _ fällen hin und Dcl ycu)ortcu, krank unh ben Tod vor Augen, aber immer wieder hem „ Geben“ zugetan, das „andere" von sich wegschiebend mit Projekten. Gesprächen und einer kühlen Philosophie, die mohammedanisch sein könnte, wenn sie nicht so ungemein österreichisch wäre, bann unb wann sogar mit einem nordischen Einschlag — „Ibsen im Wienerwald".
Man zögert, man wendet die Worte hin unb her, ehe man sich auszusprechen zwingt, daß eine leichte Enttäuschung zurückblieb. Man wird unS nicht mißverstehen: Bassermann spielt dieS alles gut, so gut wie es außer ihm gewiß npr sehr wenige heute in Deutschland spielen können; da bleibt keine kleinste Lücke, nichts noch so verschleiert zu Sprechendes, nichts zwischen ben Zeilen und hinter ben Worten, kein noch so blasser Schatten einer matten Gefühlsäußerung — nichts von dem allem, bas nicht erfaßt, geformt, gestaltet, fühlbar gemacht wurde. Man bewundert nicht nur ben fabelhaften Tviletten- wechsek (wie bei einer Diva), man betounbert Die Beherrschung bes immer noch sprühen, süddeutsch gefärbten Organs, das diesem Schauspieler anfangs so viele Schwierigkeiten bereitet hat. Bassermann ist ein Künstler, dem man nachrühmt, er könne alles spielen. Er kann also auch diesen Herrn von Sala spielen, und er macht das so, daß alle mitgehen und zuhören, was sonst, bei einem andern, sicher nicht alle tun würden. Aber die ganze schauspielerische Intensität, bei ihm zu Gebote steht, vermochte sich an biefer schwachen, halben, weichlichen unb passiven Gestatt nicht zu entzünden. Bassermann ist einer der männlichsten Schauspieler, die wir besitzen, und deshalb wundert man sich, warum er sich gerade dieses Stück mit dieser Rolle ausgesucht hat. Deshalb wünscht man zuletzt, ihn in einem andern Stück gesehen zu haben, in Der „Frau vom Meere", Die auch auf Dem Programm steht. Deshalb bleibt eine leise Enttäuschung zurück.
Das Ensemble, das Bassermann sich mitgebracht hat, ist durchschnittlichen Ranges; herauszuheben wären Frau Else Bassermann, die die Schauspielerin Irene Herms gibt, und Carola Wa g n e r als die hoffnungslose junge Johanna. — Bassermann wurde nach Dem letzten Akt vom begeisterten Parkett viele Male heraus-, geklatscht. — y—
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17 St. Fichte 50 St Fichte 68 St Fichte 41 St Fichte 19 St Ficht' 10 St Fichu
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