Ausgabe 
20.2.1926
 
Einzelbild herunterladen

Der Streit um die Ratssitze.

r von 1925, Deutschland arbeite noch immer mit der von 1913.

Die Automobilisierung Deutschlands sei nicht aufzu- tzalten. Notwendig sei eine eingehende Produktlons. statistik.

Aba. Beier (Wirtsch. Vgg.) tritt für eine an­dere Form der produktiven Erwerbslosenfürsorge ein. Die ganzen Summen, die für diesen Zweck in den Etat eingestellt seien, sollten dem Gewerbe für die Beschäftig u n g von Arbeitern zur Verfügung gestellt werden. Nicht eine Erweiterung, sondern eine V e r e i n f a ch u n g und Zusammenfassung der sozialpolitischen Einrichtungen sei notwendig. Die sozialen Lasten seien außerordentlich gestiegen und machten fetzt schon hundert Mark jährlich auf den Kopf der Ein­wohner Deutschlands aus. Die beste Sozialpolitik würde darin bestehen, die Wirtschaft in den «tand iu setzep, Arbeit und Brot zu schaffen für die vielen Erwerbslosen. (Beifall.) Es sei ein Uebelstand, wenn Leute mit gutem Einkommen außerdem noch hohe Pensionen als Doppelverdiener beziehen.

Reichsarbeitsminister Dr. Brauns:

In dieser Zeit der wirtschaftlichen Rot sind die Aufgaben des Ministeriums imb die Schwie- rigkeiten bei ihrer Lösung sehr gewachsen. Die- senigen, die die Dinge einseitig sozialpolitsch oder einseitig wirtschaftlich ansehen, sind niemals mit der Tätigkeit des Arbeitsministeriums einver­standen. Das Arbeitsministerium hielt sich durch­aus unabhängig von den Vertretern beider Anschauungen, auch der Arbeitgeberverbände. Für Krankenkassen muß eine Mindestmitgliederzahl vorgeschrieben werden. Der Entwurf zum Ar- deitsrecht wird voraussichtlich noch vor Beginn der Sommerpause das Kabinett verlassen. Das Arbeitsministeriunc hat in seiner Schlichtertätig­keit immer das Bestreben gezeigt, die Löhne zu halten und ihre Senkung zu verhindern. Der ein­zige Weg zur Belebung der privaten Bau­tätigkeit wäre eine so große Steigerung der Mieten, daß der Wohnungsbau rentabel wird. Das wird aber niemand im Hause vertreten wollen. Auf dem Gebiet der produktiven Crwerbslosenfürsorge haben wir schon Großes erreicht. Wir wollen in ernster Arbeit die Siedlungs ar beiten lebhafter in An­grift nehmen.

Abg. S töhr (Rat.-Soz.) begrüßt die Stetig­keit in der Leitung des Arbeits ntinisteriu nrs. Die Fortführung einer gesunden Sozialpolitik habe die völlige politische und wirtschaftliche Souveränität des Reiches zur Voraussetzung. Die Banken hätten jetzt so viele Gewinne, daß sie verschiedene Iv-Prozent-Dividende verteilen konnten, obwohl nach dem Dankdirektor Fürstenberg die Dividende nur derjenige Teil des Gewinnes ist, der sich beim besten Willen nicht verstecken läßt. Die Arbeitslosenversicherung ,misse unbe­dingt den berufsständigen (Eigenarten Rechnung Dingt den berufsständischen Eigenarten Rechnung tragen. Der Redner beantragt weiter die Einfüh­rung der einjährigen Arbeitsdienstpflicht.

Die Deutschenverfolgung in Oberschlesien.

Vorstellung bei Calonder. Protest der deutschen Parteien.

Berlin, 19.Febr. (Wolff.) Der deutsche und preußische S(aal9oertrefcr bei der Gemisch­ten Kommission für Oberfchlefien hat dem Präsi­denten (Kaloober gegenüber die gegen den Deut­schen vottsbund in ösloberschlesien gerichteten Ver­haftungen und Haussuchungen sowie die durch die r polnische Presse in der deutschen Minderheit hervor- , gerufene Beunruhigung zur Sprache gebracht. Der * Präsident der Gemischten Kommission widmete der , Sache die dem Ernst der Lage entsprechende Auf­merksamkeit.

In der heutigen Sitzung des Schlesischen Se j m verlangten die deuftchen Fraktionen in einem Dringlichkcitsantrag, daß der Woiwode bei der Re­gierung in Warschau auf die schleunige Durchführung des Verfahrens gegen die in Vstoberschlesicn Verhaftelen dringt und mit allen Mitteln der Hetze gegen die deut- sche Minderheit seitens eines Teils der pol- nischen Presse ein Ende bereitet. Der den Antrag begründende Abgeordnete wurde durch zahl­reiche Zwischenrufe der polnischen Parteien unter­brochen. Ein Abgeordneter der Rationalen Arbei­terpartei erklärte daraus, daß nicht nur 40 Per­sonen, sondern 250 hätten verhaftet werden sollen. Die Dringlichkeit des Antrages wurde gegen die deutschen Fraktionen, einschließlich der devftchen Sozialdemokraten, und eines polnischen Sozial­demokraten abgelehnt.

'Senator Szeponik vom Deutschen Klub in Warschau hat Dem Innen- und Iustizminister eine Interpellation betreffend die Aktion gegen den Deutschen Volksbund unterbreitet. In ihr wird daraus hingcwiesen, daß am 12. Fe­bruar in Polnisch-Oberschlesien Verhaftungen vorgenommen worden seien, die von den Zei­tungen dazu benutzt wurden, gegen die polnischen Staatsbürger deutscher Rationalität und das Deutschtum überhaupt zu Hetzen, ja sogar zu Gewalttätigkeiten auszufordern. So Hobe dieOonicc Slaski" am 13. Februar wört­lich geschrieben:Den Deutschen gegenüber haben wir heute nur ein System. Wir müssen uns von ihnen trennen und mit großer Konsequenz da­nach streben, sie von der polnischen Erde zu beseitigen. Obgleich die Untersuchung noch nicht abgeschlossen sei, und das bisherige Resultat derselben infolge deS Dienstgeheimnisses privaten Stellen nicht bekannt sein könne, refe­rierten verschiedene Zeitungen über das Re­sultat der Ermittelungen in einer Weise, aus der die Leser schließen müßten, daß es sich um amtliche Auslassungen handele und be­nutzten diese Darstellung dann zu weiterer Aufhetzung der Bevölkerung. Die Interpellation fordert Beschleunigung der Unter­suchung und Vorgehen gegen die Zeitungen, welche die Ruhe. Ordnung und Sicherheit ge­fährden und zu Gewalttätigkeiten auf reifen. Sie verlangt endlich eine Erklärung der zuständigen Stellen in Schlesien, daß sie an feine private Stelle und Zeitung Informationen über die Ur­sachen der Verhaftung und das Resultat der Er­mittelungen abgeben. - - Die von der polnischen Staatsanwaltschaft freigegebene Leiche des nach seiner Verhaftung gestorbenen Berginspeftors Lamprechts ist in der oergangenrn Rächt in aller Stille nach Beuthen n b erführt worden. Der Tote ist im Städtischen Löschdepot aufgebahrt, von wo aus die Beisetzung erfolgen wird. Die gesamte Bevölkerung Beuthens wird fich an den Begräbnisfeierlichkeiten beteiligen.

Die Rede des englischen Außenministers Ehamberlain hat nicht gerade dazu beige­tragen, die unklare und von Tag zu Tag ver­worrener werdende Situation zu bereinigen. So wenig, wie wir mit seinen Ausführungen über die Ratssitze etwas anfangen können, so nichts­sagend ist seine Rede auch für die englische Presse. Gerade sie muh es doppelt peinlich empfinden, daß der englische Außenminister um das Thema des Tages herumgegangen ist, wie die Katze um den heißen Brei, war eS doch die englische Zeitungswelt, die, unbeirrt durch die französischen Quertreibereien, ihren Kampf für die Zurückweisung der polnischen Wünsche durch- führte. Statt sich nun klar und unzweideutig zu äußern, und die antifranzösisch-pol­nische Front zu stärken, hat Chamberlain das getan, was ec eigentlich schon feit geraumer Zeit tut, nämlich den Geheimnisvollen gespielt und damit ben Franzosen einen recht erheblichen Dienst erwiesen. Wollte man aus feiner älnschlüssigkeit und schwankenden Haltung Rückschlüsse auf das englische Kabinett ziehen, dann möchte man annehmen, daß dieses eben­falls nkfot weih, ob es die in Lausanne gegebenen Versprechen einlösen soll oder nicht.

Es ist doch wohl notwendig, daß v v n Deutschland aus in nächster Zeit mit recht grobem Geschütz geschossen wird. Der 8. Marz rückt näher und näher, und die Gesamtsituation wird fortgesetzt uirdurchsichtiger. Mit halbamt­lichen englischen oder französischen Pressenotizen ist uns nicht gedient, ebenso wenig mit dem Hin­weis darauf, daß der Völkerbundsrat zuständig sei für seine Zusammensetzung. Wir müssen von den Ratsmächten hieb - und stichfeste Ant- Worten auf unsere Fragen erhalten. Verständ­lich ist immerhin das Herummanöverieren dec Franzosen, weil sie ein reges Interesse an der Hereinnahme Polens in den Rat und Stär­kung ihrer Stellung im Völkerbund haben. Un­verständlich dagegen ist die Haltung der eng­lischen Regierung, die nicht einmal die offent- liche Meinung ihres Landes oder der Dominioirs hinter sich hak und gegen die sich doch ebenfalls die französisch-polnischen Intrigen richten. Sollte Chamberlain jedoch die geheime Erwartung he­gen, daß er uns schließlich noch dahin bekommt, irgendeinem Kompromiß zuzustimmen und damit auf die von uns immer wieder in den Vordergrund geschobenen Voraussetzungen zu ver­zichten, dann gibt er sich einer Täuschung hin. Die Reichsregierung wird ihr Gesuch in dem Augenblick zurückziehen müssen, da der Völkerbundsrat einer Verärgerung unterworfen wird, um uns mundtot und einflußlos zu machen.

Das französische Zyrienmandai.

Ein türkisch-französisches Abkommen.

Der Kampf Frankreichs um seine Mandatsmacht in Syrien war von Erscheinungen begleitet, die jetzt durch die Unterzeichnung eines tur- kisch-franzöfischen W e u t r n l i t ä t s d er­tragen zwar pro forma aus der Welt geschafft fein dürften, die sich in Wirklichkeit aber um die syrische Wunde wie ein Brandring lagern. Aus den viel« achen Forderungen der Syrier sowohl in Genf wie zuletzt auch in Rom an die dort tagende Mandat­kommission des Völkerbundes ist klar zu erkennen, was das Mandatsgebiet einerseits von Frank­reich verlangt, andererseits vom Völkerbund. Das charakteristischste Merkmal aller dieser Forde­rungen ist das Bemühen, die französische Mandats- Herrschaft abzuschütteln und ein felbstän- d i g e r S t a a k zu werden. In solchen Bestrebungen werden die Syrier und die Drusen von türki­scher Seite und von Seiten des Wahabitenfiihrers Ibn Saud u n t c r ft ü tz 1.

Namentlich Angora hatte es sich angelegen fein lassen, den Franzosen ihre Untreue in der Mossul-Frage zu vergelten. Die Panarabar haben ihrerseits ihre Verbindungen mit der Türkei um so leichter fortführen können, als sie im Laufe der Jahre aus dem französischen in das englische Fahrwasser hinübergeschwenkt waren, in dem Sieg Englands in der Mossul-Frage aber ganz recht die Gefahr für Arabien erkannten. Diese Kon­stellation machten sich die Türken zunutze, indem sie ihre offiziellen Beziehungen zu Frankreich zwar korrekt aufrecht erhielten, in Wirklichkeit aber die Gebiete Alerandriette, Antiochia und Aleppo als eine Art Elsaß-Lothringen für sich in Anspruch nahmen. Angora unterstützte die tür­kische Propaganda besonders in Aleppo und ^er­möglichte der Iugend von Aleppo durch großes Entgegenkommen den Besuch von Schulen in der Türkei. Schließlich erhob Angora bann erneut und diesmal mit allergrößtem Rachdruck die Forde­rung nach einer Grenzregulierung und nach autonomen Rechten für türkische Gebiete unter dem französischen Syrienmandat. Wohl eine der schwierigsten Fragen aber ist die Zugehörig­keit jenes Teiles der Bagdad-Dahn, der syrisches Gebiet durchschneidet. Solange dieser Teil in französischer Hand ist, vermögen die Tür­ken Truppenverschiebungen in der Richtung nach Mossul nicht in dem Umfange vorzunehmen, wie es auS strategischen Gründen nötig wäre. Zwar hat Fra>-ireich den Türken die Benutzung der Bahn zur Auswechselung von Garnisontruppen freigegeben, was währ-nd des Mossul-Konfliktes von den Türken ja auch ergiebig ausgenutzt wor­den ist, aber die Bahn in fremder Hand bringt immer wieder Abhängigkeiten mit sich

Wenn jetzt aus Angora mitgeteilt wird, der fiaiv zösische Generalkonnnissar für Syrien, d e 3ou- venel, habe den Türken nicht nur Zusicherungen hinsichtlich einer Grenzrevision gegeben, sondern ihnen auch in der Bahnfrage Zugeständnisse ge macht, so heißt das, daß Frankreich unter dem Druck der türkifch-drnsischen Sympathien nachge­geben hat, daß Angora auf der anderen Seite seine Stellung nicht nur gegenüber Frankreich festi­gen konnte, sondern auch gegenüber England. Frei Kd) ist dem gegenüber zu halten, daß das eng­lische Unterhaus gestern gegen die Stimmen der Arbeiterpartei den Vertrag m i t t> e m Irak angenommen hat, der eine Verlängerung des englischen Mandats in Mesopotamien auf 25 Jahre vor sieht.

Ueberraschung in England.

London. 20. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die Einzelheiten des zwischen 'Frankreich und der

Gegen die Erweiterung des Dölkerbundsrats.

Protest des Auswärtigen Ausschusses

Berlin, 19.Febr. (Wolfs.) 3m Auswärtigen Ausschuß berichtete der Reichsaußenminister Dr. Slcesemann über den Stand der derzeitigen Verhandlungen, die sich auf die Verstärkung des völkerbundsrats beziehen. Rach einer umfangreichen Aussprache wurde ein kommunisti­scher Antrag, das Lintrittsgesuch Deutschlands in den Völkerbund zurückzuziehen, gegen neun Stimmen abgelehnt, hierauf wurde vom Vor­sitzenden Abg. hergt (Dn.) feftgestellt, daß unbeschadet der grundsätzlichen Stellung der ein­zelnen Parteien zum Völkerbund im übrigen von sämtlichen Parteien des Ausschusses mit Ausnahme der Kommunisten und der völki­schen die Auffassung vertreten sei, daß das Gesuch Deutschlands um die Aufnahme in den Völkerbund unter der Voraussetzung g e st eilt wor­den ist, daß entsprechend der gepflogenen inter­nationalen Verhandlungen und den dabei gegebenen Zusagen Deutschland bei der bevorstehenden Tagung des Völkerbundes einen ständigen Sih im Völkerbundsrat erhält, ohne daß dabei eine weitere Aenderung in der Zusammen­setzung des Rats ein tritt.

England gegen Polen. Die englischen Wochenschriften zn den Ansprüchen Warschaus.

London, 19. Febr. (WTB.) Alle Wochen­schriften wenden sich energisch gegen den fran­zösisch-polnischen Plan einerU c bc rf ü ttu ng des Völkerbundsrates.Outlook" sagt, der französische Plan sei in sich selbst ein Zeichen schändlicher .Unehrlichkeit. Die Kandi­datur Polens sei besonders schamlos, denn es gebe keinen Staat, der eine nationalistische Po- litif mit einer so außerordentlichen 'Nichtach­tung der allgemeinen Wohlfahrt betriebe. Wenn es sich darum handle, einen seiner kleinen bal­tischen Rachbarn zu brutalisieren, dann pfeife Polen auf den Völkerbund. Dafür solle es mit einem ständigen Ratssih im Völkerbund belohnt werden.

Saturdah Review" führt aus, die Intrige wegen der ständigen Sitze im Völker­bundsrat habe wenigstens eine befriedigende Seite. Man könne sich kaum an einen Fall er­innern, wo die Presse des gefaulten Britischen Reiches einhellig in einer Frage der Außen­politik war. Es bestehe Grund zu der Annahme, daß Chamberlain selbst erstaunt sei über die entschiedene Haltung der britischen öffent­lichen Meinung, und daß er sich jetzt klar sei über

Türkei abgeschlossenen Abkommens haben i n Londoner amtlichen Kreisen Er­staunen hervorgerufen: gewisse Zugeständ­nisse Frankreichs, insbesondere hinsichtlich der Bagdadbahn, wurden als undenkbar be­zeichnet. Unter diesen Umständen wird die Kon­trolle der französischen 'Behörden über die Be­förderung türkischer Truppen von und nach der Irakgrenze unmöglich. Von maßgebendster Seite erklärt man, daß ein solches Abkommen über die Dahn den zwischen Frankreich und Großbritan­nien abgeschlossenen Vereinbarungen zuwi ver­lauf en wird.

Vie österreichisch-deutsche Zollunion.

Wien, 19. Febr. (WTB.) In der Ver­sammlung des Gewerbebundes machte der Präsi­dent der Wiener Handelskammer, Tilgner, die Mitteilung, daß die Handelskammer sich in inten­sivster Weise-mit dem Studium einer Zollunion zwischen Oesterreich und Deutschland beschäftige. Es sei dies eine wirtschaftliche Rotwendigkeil, deren Erkenntnis sich nicht bloß in Oesterreich durchzusehen beginne, sondern auch bei jenen Staaten, die ursprünglich diesem Plan nichts weniger als freundlich gegenüberstanden. Die Bildung eines großen Wirtschafts­körpers. der 66 Millionen Menschen umfaßt, werde zwar manche R a ch t e i l e für Oester­reichs Großindustrie mit sich bringen. Das Ge­werbe und namentlich das Kunstgewerbe werde aber nur gewinnen. Die größte In­dustriegesellschaft Oesterreichs, die Alpine Monlangesellschast. die bis vor zwei Iahren gegen eine wirtschaftliche Vereinigung der beiden Staaten gewesen sei, habe jetzt ihren Widerstand aufgegeben in der Erwägung,, daß eine Verständigung der deutschen Großindustrie mit der österreichischen eine bedeutend günstigere Situation ergeben werde als die derzeitige ist. Diese Zollunion würde natürlich das europäische Wirtschaftsleben wesentlich beeinflussen und die Bildung eines großen europäischen Wirtschafts­gebietes bedeuten.

Weiteres Sinken des französischen Frankens.

Paris, 19. Febr. (TU.) An der Pariser Börse zogen heute die ausländischen Devisen­kurse erheblich an. was allgemeine Be - ft ürjung hervorrief. Der Finanzminister Do um er erklärte Pressevertretern. eS könne fein Zweifel darüber bestehen, daß die finanziel­len Schwierigleiten Frankreichs auf die Ver­schlechterung des Frankenkurses großen Einfluß hätten. Dadurch, daß die Finanzdebatte nicht zu Ende geführt werde, gelange die Oeffentlich- rcit in Europa zu der Ansicht, daß Frankreich '. erstände sei, sein Budget ins Gleichgewicht zu bringen. Auch dre Spekulation trag. große Schuld an dem weiteren Fall des Franken. Der Finanzminister gab jedoch der Hoffnung Ausdruck, daß nach Ver­abschiedung des Budgets am Mittwoch oder Don­nerstag die weitere Frankenentwertung auf- gehalten werden könne.

Kleine politische Nachrichten.

Von den Regierungsparteien Ist im Neickrstcig I ein gemeinsamer Antrag eingebracht worden, m ötm der Reichspräsident auf Grund des Artikels I 72 der Reichsverfafsnng ersucht wird, die D e r i ü n-

die großen Gefahren, die seinen Locarnoverein­barungen drohten. Die Zeitschrift glaubt, daß er jetzt hoffe, Schweden werde die Kastanien für Großbritannien aus dem Feuer holen.

DerSpectator" betont, daß

Polen feit 1918 stets das störende Element in Europa

war. Sogar die wichtigsten alliierten und asso- zierten Mächte hätten versucht, den polnischen Ausdehnungsgelüsten einigermaßen vernünftige Schranken zu ziehen, aber Polen habe sie alle durchbrochen und die vollendete Tatsache bis auf weiteres der Welt aus gezwungen. Die Zeit­schrift zählt dann auf, was Polen sich in dieser Richtung erlaubt habe und erinnert an die Ver­schiebung der polnischen Ost grenze Hunderte von Meilen über dieCurzonlinie" hinaus sowie an dieRebellion" des Generals Z e l i g o w s k i. die mit der Einnahme W i I n a s endete. Sie fragt ironisch, ob PokenE-vielleicht diesenRebellen" als ständiges Mitglied in ben Völkerbund senden wolle, oder vb nicht viel­leicht Korf an ty auf Grund feiner rühmlichen Taten in Oberschlesien besser für diesen Posten geeignet sei. Infolge dieser Leistungen hervorragender internationaler Moral ist Polen jetzt ein Staat von 27 Millionen Einwohnern, wovon sicher nicht mehr wahr­scheinlich weniger als 17 Millionen Polen sind. Aber auch die 27 Millionen würden den Anspruch auf einen ständigen Ratssitz nicht recht- fertigen. An dem Tage, wo Polen einen stän­digen Ratssitz erhält, werden sich Millionen Deutscher, die weder zur extremen Rechten noch zur extremen Linken gehören, an die War­nung Tschitscherins erinnern. Das wird der Tag seines Triumphes sein: der Tag der Wiederherstellung eines deutsch- russischen Bündnisses, das Polen zum Gegenstand hat, und der Tag des wirklichen - wenn nicht des formellen Endes von Locarno.

Spaniens Ansprüche.

Madrid, 19. Febr. (TU.) Das Verlangen Spaniens nach einem ständigen Sih im Völ­kerbundrat findet die Unterstützung Frank­reichs. unter der Bedingung, daß Spanien an der Seite Frankreichs für einen ständigen Sih zugunsten Polens eintritt. Man ist in offiziellen spanischen Kreisen der Ansicht, daß Spanien, falls es allein auf einen ständigen Ratssitz prätendieren toirb, auf weit geringeren Widerstand stoßen würde als Polen, und man empfindet deshalb die polnische Kandi­datur als sehr stören d. Iedoch hat sich ©fri- nien in dieser Frage bisher nicht dem sranzösftchen Einfluß zu entziehen vermocht.

düng des am 3.Februar 1926 im Neichsrat be­schlossenen Gesetzes zur Vereinfachung des Militär­strafrechts (Duellgesey) um zwei Monate auszu­setzen.

Der Reichsbund der Kriegsbeschädig­ten hält sich angesichts der Besprechungen zwi­schen dem Reichspräsidenten und Vertretern von Kriegsteilnehmer-Organisationen über das Reichs­ehrenmal für die Gefallenen für verpflichtet, daraus hinzuweisen, daß sein Bund als größte deuftche Kriegsopfer-Organisation dazu nicht eingeladen war. Wäre dies geschehen, bann hätte er erklärt, daß er die würdigste Ehrung der Ge­fallenen in einer ausreichenden Versorgung der Kriegerhinterbliebenen u. Kriegs­beschädigten sehe. In dieses große Ziel müßte die Schaffung von Kriegergedächtnishäusern ein­gestellt werden.

Die demokratische Reichstagsfraktion macht be­kannt, sie sei aus dem Bestreben heraus, die unge­heuerlichen F o r d e r u ng e n derFürsten abzu wehren und das schwer leidende deutsche Volk vor weiterer Belastung zu bewahren, nachdrücklich bc müht, eine diesem berechtigten Verlangen entspre­chende gesetzliche Regelung der Fürstenab­findung auf parlamentarischem Wege zu erreichen. Die .Hoffnung auf eine erträgliche Rege­lung sei vorhanden. Für die Deutsche Demokratische Partei sei daher der Zeitpunkt für eine Stellung­nahme für einen Volksentscheid noch nicht gekommen.

Aus aller Wett.

Elia Brandström in Berlin.

Dr. Elsa B r a n d e n st r ö m , die Tochter des ehemaligen schwedischen Gesandten in Petersburg, die unter größten persönlichen Entbehrungen und Opfern viele Jahre hindurch ihr Liebeswerk unter den Kriegsgefangenen Sibiriens ausübte, sprach auf Einladung der deutsch-schwedischen Ver- einigung un Saale desRheingold" über ihre Er­lebnisse und ihr Werk. Unter den Anwesenden be­merkte man u. a. den Reichskanzler D r. Lu­ther, den schwedischen Gesandten und Gemahlin und den Präsidenten des Roten Kreuzes. Der Bortrag Fräulein Brandftröms war von unbeschreiblicher Wirkung. Der Präsident des Roten Kreuzes, der ihr das neue Ehrenzeichen de» Deutschen Roten Kreuzes überreichte, und ein Vertreter der Kriegsaefangenen gaben der tiefen Ergriffenheit der Versammlung beredten Ausdruck. Auch der Reichskanzler hielt eine kurze Ansprache, in der er sagte: Als Reichskanzler des Deutschen Reiches habe ich Anspruch darauf, dieser Frau, die so viel für Deutschland getan hat, im Namen des deutschen Volkes von ganzem Her­zen zu danken.

Henry Ford kommt nach Deutschland.

Der amerilanische Großindustrielle Henry Ford beabsichtigt in nächster Zeit eine -SiaDicn- reife durch Deutschland zu machen. Es soll bereits feststehen, daß er auf feiner Reise Ma nnheim besuchen wird.

Wettervoraussage.

Zunehmend bebedt, westliche Winde, milder, vorübergehend leichte Riederschläge.

Ein neuer Wirbel rückt nördlich von Groß­britannien her in östlicher Richtung vor. Später Zunahme der Bedeckung und neue Riederschlage bei etwas höheren Temperaturen.

Gestrige Tagestemperaturen: Maxinmin: 10,7 Grad CelsiuS. Minimum: 5,6 Grad Celsius. Rie- derschläge: 7,9 Millimeter. Heutige Morgen temperatur: 9,5 Grad Celsius.