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Ausfuhrwaren Die In Rerchork erscheinende Monat-schrtstThe Bankers Magazin" erinnert daran, bah der Aufschwung England zum Welt- Lankier nach den napoleonischen Kriegen innig mit der europäischen Massenauswanderung nach überseeischen Ländern zusammenhing, um dann in der AuSgabe vom März 1926 fortzu­fahren:Man kann von den Bereinigten Staa­ten auf viele Jahre hinaus nicht erwarten, dah sie Menschen exportieren, aber amerikanisches Kapital ist bestimmt, den Lieberschutz der europäischen Auswanderung anzu- ziehen, wo immer es in großem Matze an­gelegt wird. Auf diese Weise kann es entschei­denden Einfluß auf die Zukunft der weißen Welt ousüben." Gerade darum aber meint dos Organ Wallstrc-ets, dürften die Investierungen unter keinen Umständen auf die Alte Welt beschränkt bleiben: dieWelt" bedürfe mehr als je sowohl einer Steigerung der Produktion wie der Ent­wicklung neuer Aeichtumsquel'en. Aach der Auf­fassung des Verfassers jenes Artikels kommen für die kolonisatorische Betätigung des ameri­kanischen Finanzkapitals besonders die Rand- länder des Pazifik in Betracht: 8- B. seien die Interessen Australiens und diejenigen der Bereinigten Staaten in dieser Hinsicht praktisch die gleichen. Das komme in der Art und Weise zum Ausdruck, wie australische Organisationen mehr und mehr die Führung und finanzielle LInterstühung Reuyorks suchten.

Es ist besonders auffallend, wie unbeküm­mert ein Wortführer der Interesse des amerika­nischen Finanzkapitals in solcher Weise schon über ein Gebiet innerhalb des britischen Im­periums für dessen künftige toloniscttorische Aufgaben verfügt. Offenbar fühlt sich Aeuyork als Weltbankier schon stark genug, um die weitere Erschließung natürlicher Hilfsquellen in briti­schen Dominien ausschlaggebend zu beeinflussen. Trotzdem der amerikanischen Anleihepolitik nur an einer Begünstigung der kontinental- europäischen, nicht der englischen Auswan­derung gelegen sein kann,, die zu schöpferischer Pionierarbeit kaum mehr etwas taugt und allzu einseitig britische Exporiinteressen fördert. Richt umsonst übt die amerikanische Presse seit einiger Zeit an dem Schneckentempo, worin sich Aiesen- lander wie Kanada und Australien unter briti­scher Vormundschaft wirtschaftlich entwickeln, die allerschärfste Kritik. Die sehr angesehene Zeit­schriftAtlantic Monthly" weist darauf hin. daß das australische Aordterritorium, ein Gebiet von der zweieinhalbfachen Größe Frankreichs, das über die besten natürlichen Häfen, schiffbare Ströme, große zusamncenbändende. gut be­wässerte Ländereien und in dem Hasendlatz Port Darwin über denstrategischen Schlüs'el" zu dem ganzen Kontinent verfüge, erst 2240 Einwohner zähle. AuchAtlantic Monthly" fordert, daß die Union sich ins Mittel lege, um Australien der weißen Raffe zu erhalten.

Solche Gedankengänge in führenden Organen der amerikanischen Finanzwelt und der öffent­lichen Meinung in der Union überhaupt, lassen die bekannte Anregung des Reichsbankpcätiden- ten Dr. Schacht, dem deutschen Volke durch das Mittel der Gründung einerC h a r t e r e d Company" kolonisatorische Möglichkeiten auf irgendwelchem Mandatsgebiet zu erschließen, in neuern Lichte erscheinen. Es handelt sich dabei um einen viel weniger phantastischen Vorschlag, wie es allzuweiten Kreisen noch scheint. In ab­sehbarer Zeit könnten sich dafür sehr leicht ganz andere Betätigungsfelder ergeben, als etwa irgendwelche Fetzen unserer ehemaligen afrikani­schen Kolonien, die uns die Gnade der Sieger" gönnen möchte.

Kirche und Schule.

Liturgische Tagung in Nidda.

t)ie Liturgische Arbeitgemeinschaft für H e s s en traf sich am 3. und 4. Mai in Nidda zu ihrer zweiten Konferenz, die unter dem Gesamt­thema stand ..Unser hessischen Kirchen- b ü ch".

Die Arbeitsgemeinschaft ward im Frühjahr 1925 anläßlich der 1. Konferenz in Jugenheim an der Bergstraße gegründet. Abgesehen von kleineren Strömungen bedeutet sie den Zusammenschluß von folgenden drei Bewegungen: 1. Der Arbeitsgemein­schaft für Kultus und kirchliche Kunst, die am 8. De­zember 1924 In Frankfurt a. M. unter der Leitung von Pfarrer Marx-Darmstadt, gegründet worden

Das lachende Haus.

Roman von Sophie K l o e r ß.

12 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Und zum Herbst ging er in feste Bahnen. Droben in Niebüll, dicht an der dänischen Grenze ver­dammt, daß da jetzt die Grenze ging durch urdeut- fches Land, da würde er am Nedaktionstisch sitzen und eine scharfe Klinge führen gegen alles, was antideutsch war. Sylt ganz nah, die alte Heimat. Hinter den Deichen das Wattenmeer, im Sommer die Scharen der Binnenländer, die durch die dörf­lichen Gassen gingen, im Winter die große Stille, das Ganzzusammengehören mit der Landschaft, mit den Erinnerungen aus alten, starken Zeiten, mit Sturm Und See.

Da wollen Sie hingehen?" hatten ihn Freunde in Hamburg gefragt.Da ist man ja lebendig be­graben.'

Mich begräbt keiner lebendig. Ich werd' eher Tote allserwecken mit meinem .Nordischen Heerruf."

Würde er allein dorthingehen?"

Es schien ihm undenkbar. Zu hell waren diese Tage durch die frohen Gesichter, die lauter Sonne Mit sich trugen. Konnte man das wieder entbehren? Aber welche? Und wenn er es wußte nicht das kleinste Zeichen deutete an, daß auch ihm von einer der drei Schwestern mehr als freundliche Ka­meradschaft entgegengebracht wurde.

Er schlenderte durch den Garten, setzte sich in die Lindenlaube gleich hinter dem ersten Rasenplatz und schrieb ein paar Verse nieder. Da es ihm so glän­zend ging, waren die Verse naturgemäß schwermütig.

Mein Lieb, in deinem Garten

Wie blaß die hohen Lilien sind.

Wie alle Blumen warten

Und schauern in dem frischen Wind.

Mein Lieb, wie blind die Fensterlein In deinem süßen Nvsenhaus.

Es glänzt kein Stern in sie hinein, Es fällt fein Licht zu mir heraus.

Ich weiß ein Lied von Zweien, Die gingen durch das Maienland. Wie laut die Eulen schreien Im Ahorn an der Friedhofswand.

war. 2. Der Anregung, die von Pfarerr Knodt- Schlitz, jetzt Bad-Nauheim, am Pfingsten 192.3 von der Arnsburger Woche der Oberhessischen Dolksmis- sion ihren 'Ausgang genommen hat. 3. Dem Kreise um den Gießener Theologieprofessor Heinrich Frick, der ähnlich den Marburger Morgenfeiern imMi- chelchen" in der alten Friedhofskapelle gu Gießen Morgenfeiern abhielt.

Wurden vor einem Jahre die grundlegenden Fragen über Wesen und Form des evangelischen Gottesdienstes behandelt, so kam diesmal mehr die praktische Seite dieser Arbeit aur Betonung. Leider war es dem 1. Referenten, Vralaten v. l)r. D i e h V Darmstadt infolge dienstlicher Verhinderung nicht möglich, seinen Vortrag über denSonntäglichen Hauptgottesdienst" zu halten. Statt seiner berichtete Pfarrer Lic. Wallau - Frankfurt a. M. aus eige­ner Anschauung heraus über die gottesdienstlichen Veranstaltungen der Stockholmer Konferenz. So­dann trug der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Professor D. Dr. Frick- Gießen, einige Gedanken über das Hauptthema vor, die zu einer lebendigen Aussprache führten.

Der zweite Arbeitstag wurde mit einer Morgen­andacht eröffnet, die Pfarrer W a l l a u abhielt. Im Mittelpunkt dieses Tages stand der zweite, sehr bedeutsame Vortrag von Pfarrer Knodt- Wimp­fen am Neckar:Die Gestaltung der Abendmahls- feicr", der bei sämtlichen Zuhörern ungeteilte Freude auslökte. Nachdem der Redner das Verständ­nis für die Bedeutung des Abendmahls als Motiv für feine Gestaltung geweckt hatte, legte er diese Gestaltung in der trinitarischen FormNatur Ehristusweg Kirche" als Inhalt des Sakraments fest, und erkannte als den Sinn und den Grundton her Abendmahlsfeier einmal feinen Charakter als Dankseier, bann als Mysterienfeier und schließlich als esschatologische Feier, und schloß an feine Aus­führungen eine Menge von Winken für die Praxis. Die Aussprache war daher eine sehr lebendige: sie bewegte sich in Erörterungen über die Arbeiten der Berneuchener Konferenz, ferner über die Frage der Selbstkommunion des Priesters, des Einzelkelches, der Beichte usw. Am Nachmittag folate der letzte Vor­trag von Pfarrer Marx-Darmstadt über ..Die Wochengottesdienste", der die Gebetstunde, Dibel- stunde, Morgenandacht, Wochenschlußandacht, Ge- meindesingeabende, Haus- und Schulandachten zur Behandlung hatte. Auch er zeitigte eine ergiebige Aussprache. In einer öffentlichen Abendfeier, an der sich der Kirchengesangverein und ein Kinderchor von Nidha beteiligten, sprach Professor Frick über seine Eindrücke auf einer Studienreise unter dem Thema: Evangelische Gottesdienste in Amerika. Diese Schluß­feier In der stark besuchten Niddaer Kirche sollte zu- alcich den Dank der Konferenz für die erfahrene Gastf'-eiindschaft bekunden.

Auch die zweite Konferenz hat, ähnlich der ersten, bei allen Teilnehmern starke und frohe Eindrücke hinterlassen.

ZvameMcher Lanbeskirchentaq.

(TIoit unserer Darmstädter Redaktion.)

* H g r m st a d t, 6. Mai,

Präsident D. Dr. Freiherr Hehl zu Herrnsheim eröffnete die Sitzung um 9.15 Uhr.

Aus der Tagesordnung stand der

Voranschlag ftit das Rechnungsjahr 1926/28.

Zunächst wurden die Ausgabeposten des Voranschlags beraten sLandestirchentag, Landes­kirchenamt. Kosten des Pfarrdienstes, Kirchenbau­wesen usw. >.

Ein Antrag der Abg. Frau Heraus auf Gewährung einer sozialen Beihilfe an ältere Pfarrtochter wurde der Kirchen- regierung als Material überwiesen.

Ohne wesentliche Debatte wurden die Aus­gaben mit 4 671 791 Mark bewilligt.

Bei Beratung der Einnahme kam Abg. D. Dr. Waih auf die Abhandlung von Ober­kirchenrat Dr. Büchler über die Frage des Staats Zuschusses zu sprechen. Der Redner gab der Erwartung Aufdruck, daß CRegieritng und Landtag sich zu der Erkenntnis durchringen, daß der ©f-mt eine rechtliche Verpflichtung habe, den Staztsbeitrag zu erhöhen. Der Landtag habe erst kürzlich wieder einen Antrag ange­nommen. daß die Iurkstische Fakultät der Uni­versität Gießen ein Rechtsgutachten vorlege. Daraus sei wohl zu folgern, daß der Landtag nach Recht und Billigkeit verfahren wolle. Weiter verlas der Redner Antworten der Land­tagsparteien tivf eine Anfrage über die R e g e «

Als er es durchlas, mußte er selber lachen. Schwermut lag ihm immer fern; warum gerade jetzt solche Verse? Schade, daß nicht eine vom Kleeblatt um den Weg war. Thora hätte gesagt:Ich glaube, als Gedicht ganz brauchbar. Das bekommen Sie wohl untergebracht." Rose hätte ihn nur nachdenk­lich angesehen: ,-Stimmt denn das zu Ihnen, Herr Lornsen?" Ille aber hätte aus Herzensgründe gelacht:Wenn ich mir denke, dah Sie das gemacht haben! Ausgerechnet Sie! Es tut nicht gut, wenn man Dichter persönlich kennenlernt." Und hätte ihm wieder die Geschichte von dem unbekannten Dichter erzählt, den sie geliebt um eines Liedes willen: Rote Rosen." Dis sie ihn kennenlernte.Also ich sao,e Ihnen, direkt ein Kürbis. Aber tatsächlich ein Kürbiskopf, und die Augen auf Stielchen. Ich kann seitdem keine roten Rosen sehen, ohne an Kürbisse zu denken."

Er zerpflückte die Verse und warf sie dem Winde zu. Der trieb die weißen Fetzchen über die Steige und hinein in den Kanal. Von irgendwoher, als käme sie aus der Stift, IUes Stimme:Und ich hab' erst heute morgen die Steige geharkt. So sind die Männer. Keine Spur von Respekt vor Frauenarbeit." Dann leises Kichern.

Er sah sich um, nirgends war eine vom Kleeblatt ZU entdecken. In ihrem Zimmer konnten sie auch nicht sein, da scheuerte Mutier Piepenstehl und stäubte eben ihr Staubtuch jum Fenster hinaus. Wieder das leise Lachen, und wieder war es, als fiele es nieder aus der Luft. Er ging spähend durch den Garten, traf auf Piepenstehl, der Heu von der Wiese heran- farrte, und fragte:Wissen Sie Nicht, wo die jungen Damen sind?"

Der Alte zog die Pfeife aus den Zahnstummeln und deutete damit nach den Kastanien.Hedben S' nlch de Ledder sehn? An'n Stamm?''

Also da saßen sie. Lornsen tat, als hätte er nichts erfahren, schlenderte zur Brücke und kam langsam wieder.

Oden in den Kastanien hatten die Bunsenmäd- chen ihr heimliches Nest. Schon als Kinder waren sie aus dem Giebelfenster gestiegen, über die beiden 2Icfte Die sich gegen die Hauswand legten, hatten rjte die Spatzen im grünen Dach herumgepiept und ihre Puppest mit hingeschleppt in ihr Sommerhaus. Als sie alter wurden, mußte Piepenstehl ihnen da

lung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche, die aus Veranlaffung des Evangelischen Bundes im Iahre 1922 an sie gestellt wurden. Die Antworten lauteten im allgemeinen zustimmend. Die Linksparteien machten bei einzelnen Punkten Vorbehalte. Eine Anfrage auf Erhaltung der Theologischen Fakultät in Gießen ist 1918 von allen Parteien zustimmend beantwortet worden. Auch die Demokraten und Sozialdemokraten stimmten zu. Auf dem letzten Landtag sind die Kosten für die Fakultät nur mit einer Stimme Mehr­heit bewilligt worden. Die Parteien sollten sich ihrer Versprechungen erinnern. Der Red­ner schloß mit einem Hinweis auf die kulturellen Leistungen der Kirche für den Staat.

Abg. Schrimpf wies ebenfalls auf die Versprechungen hin. die unleugbar vorliegen, und machte auch auf die sittliche und kulturelle Be­deutung der Kirche für den Staat aufmerksam. Die Kirche sei immer eingetreten für die Be­drängten. Die Evangelische Kirche sollte sich der durch die Geldentwertung Beschädig- t e n annehmen. Der Redner bezog sich hierbei auf das Volksbegehren des Rentner­bundes. dessen Aufruf im Hause verteilt war.

Präsident D. Dr. Freiherr Hehl zu Herrnsheim stimmte den Vorrednern in dem Wunsche zu, daß das Gutachten der Iuristischen Fakultät in Gießen bald vorliege.

Abg. Krapp erklärte, nur unter Bedenken dem vorgeschlagenen Sah für die Besteuerung des unbebauten Grundbesitzes zustimmen zu können.

Abg. D i h e l machte ähnliche Ausführungen wie der Vorredner. Er meinte u. a.. seitdem die Pfarrer feine Landwirtschaft mehr trieben, hätten sie nicht mehr die enge Fühlung mit der Land­bevölkerung tote in früheren Zeiten.

Die Abgeordneten Schuster, Rickerich, Läufer, Iensen, Stroh, Krapp und Diehl lHochweisel) stimmten, teilweise unter Bedenken, dem Vorschlag der Kirchenregierung zu, je 5 Pfennig Zuschlag auf 100 Mark Steuer­werk des unbebauten Grundbesitzes zu erheben.

Die Bedenken wurden namentlich von den ländlichen Abgeordneten geäußert.

In der Abstimmung wurde die Position Kirchensteuer" mit 2250000 Mark gegen eine Stimme genehmigt.

Die weiteren Einnahmeposten wurden ohne Aussprache bewilligt und schließlich die Summe der Einnahmen mit 3 422 391 Mk.

Rach einer Pause verlas der Präsident eine zur Annahme empfohlene Entschließung, die für einfr

strengere Sonntagsheiligung

cirttritt. Die Entschließung geht aus von den Abgeordneten Dr. Avemarie und Dr. B ern­st eck: sie lautet:

..Der Sonntag soll ein Tag äußerer Ruhe und innerer Sammlung sein, erst recht in einem notgebeugten Volk. SXefen feinen gottgewollten Charakter als Feiertag hat er eingebüßt durch Zunahme der Sonntagsarbeit, durch Vermehrung politischer und sonstiger Versammlungen, durch übertriebenen Spiel- und Sportbetrieb, durch unzeitgemäße, verderbliche öffentliche und pri­vate Lustbarkeiten an Sonn- und Feiertagen.

Der Evangelische Landestirchentag als Ver­tretung der gesamten Hessischen Evangelischest Landeskirche fordert deshalb eindringlich von allen staatlichen Behörden um der äußeren und inner-m Gesundung unseres Volkes willen:

striktes V/rbot, Im Aotsalle alleräußerste Beschränkung der Sonntagsarbeit:

tatkräftigen Schuh der Sonntagsruhe durch wirksame Anwendung unb Ausbau der vorhandenen Schutzbestimmungen, so des in Kraft befindlichen Hessischen Polizei­strafgesetzes:

der Evangelische Landeskirchentag ersucht alle Organisationen, die an dem Wiederaufbau unseres Vaterlandes zu arbeiten ver­heißen. ihn nicht selbst aufzxchalten oder zu untergraben durch Belastung des Sonn­tags mit zerstreuenden Versammlungen, insbesondere bittet er. keinerlei Zusammen­künfte ober wörtliche Veranstaltungen auf die Stunden der Gottesdienste oder in ihre unmittelbare Rähe zu verlegen.

Er erwartet von den Kirchengemeinden und ihren Pfarrern, daß sie sich selbst für Somitcigsheiligung mit aller Kraft einsetzen, dem Llebermaß von Vergnügün- gen entgegenarbeiten und Gottes Wort an oben einen regelrechten Thron zimmern, einen Bo­den aus Brettern, fest zwischen die Zweige genagelt, darauf eine Bant, und da das Klettern über 'die Aeste zerrissene Kleider kostete, stiegen sie auf der Leiter hinaus.

Immer war es da oben kühl, wenn auch der ganze Garten und weithin Strom und Wiesen in der Sonne brannten. Da saßen sie manchen Nach­mittag mit ihren Nähereien und fühlten sich vor aller Welt geborgen. Die Turmuhr vom Dorfe herüber schlug sieben. Unten im Hause hörten sie die Mutter hin und her gehen Thora warf ihreü Kram zusammen.

Wir müssen Abendbrot machen. Jens Appelbom promenierte ja auch vorhin schon so hungrig durch den Garten, der will heute abend noch zu Grön zum Kegeln."

Als er herkam, war er ein ganz braver junger Mann, jetzt haben ihm das Schaukelpferd und das lange Laster auch schon üble Gränsche Gewohnheiten beigebracht."

Es wird Zeit, daß Rose ihn an die Kandare nimmt."

Du bist ganz irrig, liebste Ille. Er wünscht nicht, an meine Kandare zu kommen, und ich stimme durchaus mit ihm überein." Sie stand auf und rief mehr erstaunt als erschrocken:Hat doch Piepenskehl die Leiter weggetragen! Er wird auch immer tüteliger."

Was tun? Springen? Die Höhe war immerhin drei Meter Ille hatte das Unternehmen schon einmal mit einem verknackten Fuß bezahlt. Also über die Aeste In dtts Fenster, denn von Piepenskehl war nichts mehr zu sehen. Und drinnen in der Stube seine Frau, die saß sicherlich auch schon bei Speck und Kartoffeln. Aber die weißen Voilekleider! Sie blieben allzuleicht an den vorstehenden Borken und Zweigen hängen. Kurzer Entschluß. Ausaezogen Kleider und weiße Röckchen zusammengeschlagen das ganze Zeugdiinvel und durch die Blätterlücke hineingeworfen in die Stube. Dann wie die Katzen hin über die dicken Aeste und in das Fenster.

Wie sie sich drinnen wieder anzogen, war IUes Kleid verschwunden. Spurlos verschwunden. Es mußte . sich aus dem Packen gelöst haben und hinunter- geflogen sein. Aber vom Fenster aus mar nichts zu ; sehen.Rose, du bist fertig, sieh mal unten nach." I

diesem Tag durch besondere Maßnahme, wie Rebengottesdienste, Wortverkündigung im Freien u. ä. auch denen nahebringen, die durch Arbeit, Rot oder Ablenttmg dem Besuch der Gottesdienste fernbleiben. Ein Aufstieg unseres Volkes ist nur bann möglich, wenn der Sonntag wieder eine Seele unb ber Menschenseele wieder ein Sonntag gegeben wird."

Hierauf wurde die

zweite Lesung des Voranschlags ausgenommen. Mit zur Beratung gestellt wurde ein Antrag ber Abg. Frau Heräus unb Gen., die Llnterstützungen an Pfarrtöchter usw. zu erhöhen.

Auf Vorschlag aus dem Hause soll spater nochmals über den Antrag gesprochen werden, wenn der Ausschuß darüber beraten hat.

Zur PositionFörderung freiwilli­ger Unternehmungen gab Abg. Dr. Müllerdie Anregung, daß die Lantesiirche ein Sozialpfarramt (Landessozialp'arranit) ins Geben ruft.

Prälat D. Dr. Diehl ist dankbar für die Anregung, wenn es sich Dorläufig nur darum handelt. Es komme dabei auf die soziale Ein­stellung, an: in Hessen lägen die Berhältnis-e nicht so einfach, wie in anderen Landeskirchen. (35 fei wünschenswert, wenn die hesirscheL Pfarrer immer mehr vom sozialen Geiste ergriffen würden.

Qlbg. Lauser befürwortete die Anregung: das ganze Kirchenvolk müsse von sozialer Ge­sinnung beseelt fein.

®em Hause ist ein Antrag zugegangen, an­statt der Erhebung einer Gemeinde-Umlage die Pfarrgehälter um 10 Prozent zu kürzen, und zwar zunächst auf ein Jahr.

Vizepräsident Dr. Bernbeck, Abg. Stroh und Prälat D. Dr. Di ehl erklärten, daß erst die Kirchenregierung und der Finanzausschuß zu dem Antrag Stellung nehmen müßten. Auf- Vorschlag des Präsidenten wurde die weitere Be­handlung des Antrages bis nach der Pause vertagt.

Lim 12 Llhr trat eine Pause ein.

Oberheffen.

Landkreis Gießen

» Grohen-Linden, 6. Mai. Am Sonn­tag unternahmen einige Burschen auS Lang-Göns eine Bierreise nach Großen- Linden, wo sie abends spät auf der Ortsstraße ruhe störenden Lärm nerübten unb mit den Stöcken toiber die Hoftore schlugen. Als ein hie­siger Bursche die Lang-Gönser zur Ruhe er­mahnte, schlugen sie ihm mit Stöcken derart auf den Kopf, daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Die Täler sind erkannt und wer­den ber gerechten Staate nicht entgehen.

* Steinbach, 6. Mai. Am nächsten Sonntag findet hierumHessischen Hof" bas diesjährige Wer­tungssingen des Oderhessischen Sän­gerverbandes statt. Außer einem voraeschriebe- nen Volkslied kommt noch von jedem Bundesverein ein LiSd nach freier Wahl zum Vortrag.

Kreis Friedberg.

§§ Ober-Florstadt, 6. Mai. Am Diene - tag beschlossen in gemeinsamer Sitzung der G c - meinbetat und der Schulvorstan d, die Fortbildungsschule r. ährend der Sommer­monate (April bis Oktober) a u s z u s e tz e n. Dc für soll der gesamte Tlnterricht auf die Winter- monate (Rovember bis März) verlegt werde-. Ein weiterer Beschluß sieht die Einführung des drittenSchuljahressürdieMädche,- fortbildungsschule vor. Die Gemeinde richtet die erforderliche Küche ein und stellt die entsprechenden Räumlichkeiten zur Verfügung. Dadurch wird den fortbildungsschulpflichtigen Knaben und Mädchen der gerade im Winter lästige Weg nach der Rachbargemeinde gespart. Der erste Beschluß wurde mit allen gegen eine Stimme gefaßt, die übrige Beschlußfassung er­folgte einstimmig. Am Dienstag weilte ber Schularzt Dr. Balser von Bad-Salzhausen hier zur Untersuchung der Schulkinder, namentlich der Schulanfänger. Der gesundheitliche Zu - st a n d der Kinder ist, von einzelnen kleineren Fehlern abgesehen, als günstig zu bezeichnen. Der seit dem 1. April verwaiste Posten des Gemeinderechners ist noch nicht besetzt. Seither wurde bas Amt von einem Einwohner von Rieder-Florstadt geführt. Von den hiesigen

Von unten Roses Stimme:Hier liegt es nir­gends."

Es muß da doch liegen."

Es tut's doch aber nicht."

Ille mußte ein anderes Kleid anziehen. Wer hatte es verschleppt? Die kleine Sina? Sie schleppte alles fort, was sie erwischen konnte: Stiesel, Hausschuhs, Mutters Webegarne, Thoras Küchentücher. Unb Jlles roten Gartenkittel hatte sie vor drei Tagen auf ber Wiese kurz unb klein gefetzt.

Aber auch das Suchen auf dem Hof unb im Garten hals nichts. Sina, als man sie energisch heranrief, aus, aber wann riß sie bei scharfem Rus nicht ans? Sie hatte ja immer etwas auf dem Kerbholz.Und ausgerechnet mein Rosenkleid! Wo ich mir jo viel Mühe mit dem Sticken gegeben hab'! Zum Wildwerden!^ Mit dem Wildwerden kam das Kleid auch nicht wieder.

Piepenstehl, ber gefragt wurde, hatte einen Landstreicher an der Kate vorbeigehen sehen: ob der auch auf dem Hose gewesen, konnte er nicht sagen.

Natürlich ist er. Ser verhandelt mein Rosen- gemanb für drei Schnapse. So was kann auch nur mir passieren."

Ille mußte an diesem Abend die doppelte Zahl Wasserkannen im Garten schleppen, um ihren Zorn zu verarbeiten. Und als sie alle bfei in ihren Betten lagen, ging es ihr noch so nach, baß sie nicht schlafen konnte. Rose schien auch zu wachen: sie warf sich immer von einer Seite auf die andere. Warm war es ja auch hier oben, obgleich die Fen­ster alle drei die ganze Nacht osfenstanden. Vor zweien breitete sich das Kastanienlaub, das dritte lag frei und ließ den hellen Dollmondschein herein- fluten.

Rose."--Hm."Du, sag mal, Rose,

kannst du dir denken, wie das ist, wenn man jemand ich meine einen Mann liebt?" Es war doch möglich, daß Mucki sich Gedanken um den Dichters- mann machte.

Liebst du denn einen?"

Ich? Nein, aber ich dachte, du."

Einen Mann?"--Es kam hastig, bann eine

Pause unb ein Lachen, ein sehr unechtes Lachen: , Ick, lasse euch älteren Schwestern durchaus den Vortritt, Ille."

(Fortsetzung folgt.)

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