Ausgabe 
31.12.1932 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

zu Fall bringen könnte und weil wir selbst nicht wirksam zu helfen vermögen. Wir tbinnen uns nur beobachtend abseits stell-cn. Wir wissen aber, daß das Blut der volksmäßigen B-erbundenheit dicker ist als die Dinbe der Verträge.

DieZanuarlagung desRelchStags

Berlin, 30. Dez. (VDZ.) In parlamentarischen Kreisen des Reichstags wird angenommen, daß das Reichstagsplenum bei seinem Wiederzusam­mentritt in der zweiten Januardekade eine län­gere politische Aussprache durchführen wird, die e.t w a eine Woche dauern soll. Grund­lage dieser Aussprache soll außer den Miß- trauensanträgen noch eine große Zahl weiterer Anträge verschiedener Fraktionen, vor allem über wirtschaftspolitische Dinge sein. Am Ende der Aussprache würde dann über die Miß­trauensvoten abgestimmt werden. Es heißt, daß diesmal auch die Nationalsozia- l i st e n den Wunsch haben, vor Abstimmung über die Mißtrauensanträge die Regierungserklärung zu hören und die politische Debatte durchzuführen. Weiter verlautet, daß unmittelbar nach dem Zu­sammentritt des Aeltestenrats also nach dem 4. Ja­nuar d i e Koalitionsbesprechungen zwischen den Nationalsozialisten und dem Zentrum wieder ausgenommen werden.

Das neue japanische Weheprogramm.

London, 29. Dez. (TU. Funkspruch.) Das neue japanische Armeeprogramm hat das Hauptziel, die Armee in bezug auf Ausbildung und technische Aus­rüstung aufdieHähederandernmodernen Armeen zu bringen, und Japan die Erfüllung seiner Verpflichtungen aus dem Mandschu- kuo-Protokoll zu ermöglichen. Die S an­der a u s b i l d u n g in der mechanisierten Kriegsführung wird jährlich 100000 Offi­zieren und Mannschaften erteilt werden. Ferner soll eine größere Anzahl Kadetten eingestellt und freiwillig. Offiziere mit kurzer Dienstpflicht ausgebildet werden. Auch eine systematische Ausbildung in der Ausführung von Gasangriffen ist vorgesehen.

Aus aller Welt.

2Nax Liebermann Vizekanzler desPour le rannte.

Nach dem Ableben des 1. Vizekanzlers des Or­densPour le mente" für Wissenschaften und Künste, Ludwig H o f f m a n n, ist, wie die Kaiser- Wilhelm-Gesellschaft für Förderung der Wissen­schaften in Berlin mitteilt, der Maler Professor Max Liebermann von den Ordensrittern zum 1. Vizekanzler gewählt worden.

Muller und Kind durch ausströmendes Gas getötet

Die herzleidende Ehefrau des Schlossers Gott­fried in Leipzig erlitt, während sie sich mit ihrem fünfjährigen Töchterchen in der Küche befand, einen plötzlichen Ohnmachtsanfall in dem Augen­blick, als sie den Gaskocher in Brand setzen wollte. Das kleine Mädchen setzte sich in seiner Hilflosigkeit zu der wie leblos zu Boden gestürzten Mutter. Durch das ausströmende Gas wurden Mutter und Kind getötet.

Die Ursache des Füufkirchener Grubenunglücks.

Zu dem Grubenunglück in Ungarn wird noch ergänzend gemeldet, daß in der Grube bei Fünf- kirchen Sprengungen vvrgenommen wurden. Die Arbeiter waren bis auf die vorgeschriebene Entfernung zurückgetreten. Da nach der Spren­gung die Arbeit nicht wieder einsehte und Toten­stille eintrat, ging man auf die Suche. Der Schacht war mit Grubengas angefüllt. Man versah sich mit Gasmasken und ging in die Tiefe, wo das furchtbare Unglück festgestellt wurde.

MIMIN öom W

Roman von Margarete Antelmann.

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale)

18 ForNestung Nachdruck verboten

Sie gelobte sich, nur einen ganz reichen und un­abhängigen Mann zu heiraten: einen, der ihr ein noch besseres und abwechslungsreiches Leben er­schließen, der sie durch die ganze Welt führen würde...

Die Lampions warfen ihren verführerischen Schein über das Promenadendeck, auf dem die Passagiere hin und her spazierten, um sich von den Strapazen des Tanzes zu erholen.

Magdalene Winter und August Dichter standen etwas abseits von den anderen Schiffsgästen, am rückwärtigen Teil des oberen Schiffsdecks, und starrten auf die bewegten Wellen, die den Licht­schein der Lampions vielfältig zurückwarfen.

Magdalene war ein wenig nachdenklich. August Dichter hatte ihr, als sie allein waren, noch viel erzählt aus seinem Leben. Don seiner Heimat, seinem Elternhause, dem Unglück, das die Ver­schwendungssucht seiner Eltern zur Folge hatte, von den Kämpfen des letzten Jahres und von dem langsamen Aufstieg. Von der großen, gro­ßen Arbeit, die geleistet werden muhte, und von dem endlich winkenden Lohn, der kommen würde, wenn er durchhielt.

Dieser Mann da neben ihr war sicher ein wert- vol er und guter Mensch. Aber er war nichts für sie, darüber war sie sich klar. Sie würde die­ses Leben nicht ertragen können!

In diesem Augenblick hörte sie leise ihren Na­men.

Madelon..

Sie hob den Kopf, schaute in die Augen des Mannes, die sie so sonderbar ansahen. Eine Welle flutete über sie hin, ging zu ihrem Herzen und machte sie erbeben. Jäh preßte sie die Hände um den Fächer...

2n diesem Augenblick fühlte sie brennende Lip­pen aus ihrer Schulter.

Einen Augenblick packte sie ein Schauer, fühlte sie ein nie gekanntes Glücksgefühl. Dann siegte ihre kühle Vernunft.

Was soll das, Herr Doktor?" sagte fte, und sah den Mann groß an.

..3ch liebe Sie, Madelon."

Magdalene lieh sich nicht mehr von ihren Ge­fühlen überrumpeln. Sie blieb ruhig und be­herrscht.

Sie überraschen mich, Herr Doktor Richter."

Ich wußte es selbst nicht, Madelon. Aber jetzt weih ich es, daß ich Sie liebe. Und daß ich Sie

Aus der provmzialhauptfladi.

Bahn frei für 1933.

Wenn in der Silvesternacht der Kreislauf der zwölf Monde sich schließt und die Mitternachts- glotfen zum Start für ein neues Rennen auf der Ringbahn des Lebens läuten, auf der es alljähr­lich 365 Hindernisse zu nehmen gilt, dann ziemt eine kurze Atempause, ein Augenblick der Rückschau zu einem neuen Vorwärts. Wie ja auch der Reiter, bevor er in den Kampf geht, Pferd und Sattelzeug prüft. Und Pferde reiten wir ja alle. Sehr kost­spielige Vollblüter sogar! Man nennt sie Stecken­pferde. Häufig sind es sogar böse Aufstecker oder Krippenbeißer. Wie wäre es, wenn wir einmal das Material durchmustern und die windigen Außen­seiter, die ihren Hafer nicht verdienen, ausmerzten? Es bleibt sicher noch ein brauchbares Lot übrig, das zu reiten lohnt, um Erfolge zu erzielen.

Das neue Jahr gibt jedem wieder fein Rennen frei. Ob und wie er sein Ziel erreicht, ist Sache seines Könnens. Mancher kann auf das alte Jahr zurückblicken wie ein Sprinter, der eine neue Best­leistung ausgestellt, seine Rivalenabgehängt", hin­ter sich gelassen hat. Er wird den Zielpfosten wei­terstecken. Denn er läuft immerdas Rennen sei­nes Gebens". Ihm wird alles unter den Händen greifbarer Erfolg. Er ist und bleibt botanisch ge­sprochen: ein Glückspilz.

Bei dem anderen gab es vielleicht manchen harten Fight, wie es in der Boxersprache heißt. Er war wohl auch hin und wieder für kurze Zeitauf dem Boden". Aber er kam jedesmal rechtzeitig vor dem Aus!" erneut auf die Beine, fand fein Kämpfer­herz wieder und stand feine 12 Monatsrunden durch. Es reichte zwar nur zu einemUnentschie­den", doch er hofft in den kommenden Treffen auf den Punkt oder gar auf den entscheidenden Sieg durch Niederschlag dessen, was ihn bisher sich nicht durchsetzen lieh. Denn zu dem bloßen Können ge­hört auch eine Portion Glück!

Dann die ewigen Sonntagsreiter, die dauernd imtoten Rennen" oder unterferner liefen" ein­kommen. Der nimmt die Hin dem. sie zu kurz, jenem bricht der Gaul aus oder bleibt stehen, oder er muß in der Zielgraden noch einen anderen vorbei- taffen. Nach feiner Meinung hätte es immer noch zu einem Halssieg langen müssen, wenn ihn der TrainerSchicksal" nicht auf eineZosse" gesetzt hätte. Aber nun wird er Dampf aufmachen, auf Biegen und Brechen reiten, was er sich jedes Jahr vornimmt. Bis es doch einmal klappt!

Es wird im Leben wie im Sport bleiben: die einen kurbeln in dem Augenblick an, den ihnen der eingeborene Instinkt diktiert, und sie setzen ihr glück­haft Schiff geraden Wegs und genau an der er­rechneten Landungsstelle auf. Die Hans Huckbeins bleiben zeitlebens Pechvögel. K. J. G.

Wie verhält man sich bei einem Brande?

Die Frage, was zu tun ist, bis die Feuerwehr kommt, wird häufig an den Fachmann gerichtet. Sie läßt sich nicht eindeutig beantworten: ver­schiedene Verhältnisse bedingen, wie auch sonst im Leben, verschiedenes Handeln. Immerhin lassen sich allgemeine Dichtlinien geben.

Wichtig ist es stets, den Umfang des Feuers festzustellen. Vesteht Aussicht, das Feuer selbst zu löschen oder wenigstens niederzuhalten, so werden selbstverständlich Löschverfuche am Platze sein. Ein beherzter Mensch, der energisch zufaht, fairn viel ausrichten. Eine brennende Gardine ist schnell heruntergerissen und das Feuer mit den Füßen ausgetreten: ein brennendes Sofa kann sehr wohl auch von einem Laien durch Ueber- gießen mit einem Eimer Wasser gelöscht werden. Wollte man hier warten, bis die Feuerwehr kommt, so würden inzwischen die Flammen die ganze Zimmereinrichtung ergriffen haben.

Die Anstrengung, ein Feuer noch vor Ankunft der Feuerwehr zu löschen, wird am größten sein,

wenn es die Dettung eines Mensches, vielleicht sogar eines Familienmitgliedes gilt Personen, deren Kleider in Vrand geraten sind, haben fast immer das Testreben, fortzurennen. Dadurch aber werden die Flammen nur noch mehr angefacht und die Gefahr vergrößert. Daher heißt es, schnell eine Decke, eine Jacke oder sonst etwas Dichtes um den Brennenden herumzuschlagen und ihn auf den Boden zu legen, wo man die Flam­men ausdrückt und dann mit Wasser ganz löscht. Dann müssen die verbrannten Kleider sorgfältig auf geschnitten und abgelöst werden. Ein Aoreißen wäre falsch, weil die Haut leicht verletzt werden könnte.

Ein glimmender Teppich ist ohne Gefahr. Brennt dagegen der Fußboden, was sich gewöhnlich nur durch aus den Fugen dringenden Rauch bemerk­bar macht, so soll man mit Wasser gießen recht sparsam sein, weil sonst leicht erheblicher Wasser­schaden angerichtet wird: am besten löscht man nur so weit, daß das Auftreten offener Stam­men verhindert wird, um im übrigen das Ein­treffen der Feuerwehr abzuwarten. Das Vor­gehen gegen einen Brandherd muß in gebückter oder kriechender Stellung erfolgen, weil der Qualm immer nach oben steigt, unten sich also die meiste noch atembare Lust befindet. Sehr zweck­mäßig ist es, ein Taschentuch oder dergleichen vor den Mund zu halten. Das Löschwasser darf nur auf den brennenden Gegenstand s elbst gegossen werden: Wasser einfach in den Qualm zu gießen, hat nur den Erfolg, daß Wasserschaden entsteht.

Hat das Feuer einen Umfang angenommen, daß ein eigenes Eingreifen erfolglos ist, so wäre es trotzdem verkehrt, tatenlos zuzusehen, bis die Feuerwehr kommt. Durch zweckentsprechendes Handeln kann noch immer viel Nutzen erzielt werden. Dies Handeln muh darin bestehen, die Weilerverbreitung zu verhindern, gefährdete Sa­chen zu retten und schließlich der Feuerwehr den Weg zu ebnen. Dem Feuer müssen also Hinder» nisfe in den Weg gelegt werden. Bei Woh- nungs-, Keller- und Dachstuhlbränden kann man das am besten dadurch erreichen, daß man die Türen zu dem brennenden Raum zumacht. Bei offenen Türen entsteht Zugwind, durch den das Feuer angefacht wird. Daran sollte man stets denken, auch wenn man in höchster Eile toeg- rennt, um die Feuerwehr zu alarmieren. Man hindert weiter die Ausbreitung, wenn man noch nicht vom Feuer ergriffene brennbare Gegen­stände wegräumt, wie z. D. trockenes Holz usw. Ist das Eintreffen der Feuerwehr bald zu er­warten, so wird sich die Rettung gefährdeter Sachen aus benachbarten und darunter oder darüber liegenden Räumen meist erübrigen. Bei solcher Rettung aus Räumen, die über der Brand­stelle liegen, ist darauf zu achten, daß nicht etwa der Rückzug duvcy das Feuer abgeschnitten wird. Ist das geschehen, oder befindet man sich vielleicht sogar in dem.brennenden Raum selbst und kann den Ausgang nicht mehr gewinnen, so muh man versuchen, einen etwaigen Balkon zu er­reichen, ist ein solcher nicht vorhanden, so muh man sich ans Fenster stellen und sich der Feuer­wehr durch Rufen bemerkbar machen.

Vor allem aber muh der Zugang zup Brand­stelle frei gemacht werden: es sind also die Durch- sahrtstore und die Türen zu den brennenden Ge­bäuden aufzuschließen und etwa auf dem Hof stehende Wagen zu entfernen. Ferner ist es not­wendig, besonders bei tiefen Grundstücken die Feuerwehr am Eingang zu empfangen, ihr den Weg zu zeigen und sie über die Lage der Brandstelle und die Art des Brandes genau zu unterrichten.

Wird das alles getan, so ist die Feuerwehr in der Lage, das Feuer schnell und mit den richtigen Mitteln anzugreifen und zu löschen.

Flußlaufverlegung der Lahn im Freiwilligen Arbeitsdienst.

Am Flußlauf der Lahn in der Nähe des Städtt- {eben Elektrizitätswerks ist gegenwärtig eine grö- ßere Verlegungsarbeit im Freiwilligen Arbcits» dienst im Gange. Die Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ist bis jetzt für 15 000 Tagewerke mit einer Gesamt­förderungssumme von 27 000 Mark durch den Be- zirkskommifsar für den Freiwilligen Arbeitsdienst genehmigt worden. Die Gesamtkosten der Arbeit belaufen sich auf 32 000 Mark. Zur Zeit sind 120 Ar­beitsdienstfreiwillige bei der Arbeit beschäftigt. Träger der Arbeit ist die Stadt Gießen, Träger des Dienstes das Hessische Heimatwerk. Die Derlegungs- arbeiten stehen in engem Zusammenhang mit einem größeren Kanalisierungsprojekt, dessen Ausführung zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen ist und das sowohl für die jetzigen städtischen Betriebe an der Lahn, wie auch für die Lahnkanalisierung und den künftigen Viehhof von großer Bedeutung sein wird.

Vornonzcn.

Tageskalender für Freitag. Stadt- theater: 20 bis 22 Uhr:Der Dieb". Lichtspiel­haus (Bahnhofstraße):F. P. 1 antwortet nicht".

F. P. 1 antwortet nicht ..." Das Lichtspielhaus, Dahnhosstrahe, bringt wenige Tage nach der Uraufführung in Berlin als außergewöhnliche Filmpremiere den neuesten Grohfilm der UFA.F. P. 1 antwortet nicht.. Der Film wurde in wochenlanger schwierigster Ar­beit an der Ostsee nach dem gleichnamigen Ro­man von Kurt S i o d m a k geschaffen, der ein Bild der nächsten Zukunft, einen weiteren Schritt der technischen Entwicklung zeichnete, eine Ent­wicklung, die sich bereits ernsthaft anbahnt und vielleicht schon bald Wirklichkeit werden wird: die Fluginsel, der Zwischenlandeplatz im Welt­meer. In, dem Film sehen wir Hans Albers in der tragenden Rolle, neben ihm Sybille Schmitz, Peter L o r r e und andere. Der Film geht bereits am heutigen Freitag über die Lein­wand. Jugendlichen ist der Zutritt gestattet. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.

Daten für Freitag, 3tt. Dezember.

1819: der Dichter Theodor Fontane in Neurup­pin geboren; 1832: der Schauspieler Ludwig Devrient in Berlin^yestorben.

* Verschönerung an der Ostanlage. Auf Veranlassung des städtischen Hochbauamtes hat die städtische Gartenverwaltung die Böschung des Schoorgrabens in der Ostanlage, entlang der Exerzierhalle, mit Sträuchern bepflanzen und so gärtnerisch neu Herstellen lassen. Die Stadtver­waltung hat sich damit den Dank aller Freunde unserer schönen städtischen Anlagen gesichert. Der rote Backsteinbau der Exerzierhalle wird durch das Heranwachsende Gesträuch künftig immer mehr verdeckt werden. Vielleicht ist es den zuständigen Stellen auch möglich, die Wand der Exerzierhalle noch mit Efeu oder Vitus Deitchi zu bekleiden. Hierdurch würde einem weiteren Wunsche vieler Anlagenfreunde Rechnung getragen, ohne daß eine Schädigung der Gebäudewand zu befürchten wäre.

** E i n Bettler als Wohnungsein- b re ch e r. Der heutige Polizeibericht meldet: Am ersten Weihnachtsfeiertag zwischen 17 und 18 Uhr wurde in der Wohnung eines Kaufmanns in der Bahnhofstraße ein Wohnungseinbruch verübt. Als Täter kommt ein junger Bettler in Betracht, der um die fragliche Zett in dem Hause bettelnd ver­weilte. Gestohlen wurde ein Kollier aus Alttilber mit blauen Steinen, eine lange feine goldene Kette, eine stark vergoldete Halskette, sechs Füllfederhalter MarkeKawcco", und eine Hornbrille. Wahrneh­mungen über den Verbleib der gestohlenen Gegen­stände und des Täters werden an die Kriminal­polizei erbeten.

** Für Silvester versorgt. Wie der heu­tige Polizeibericht mitteUt, wurde in der Nacht zum Donnerstag in Alten-Buseck in die Wirtschaft

fragen muh, ob Sie meine Frau werden wol­len ..

In Magdalenes Kopf rasten die Gedanken. Die­ser Mann bot ihr eine Heimat und ein Herz, zum ersten Male. Diele Männer schon hatten ihr Liebesworte zugeflüstert, seitdem sie reich war. Noch keiner war darunter gewesen, der so ernst und so männlich war, und dessen Antrag so hoch zu werten war.

August Richter sah den Kampf, der in Mag­dalene vor sich ging.

Ich habe Sie erschreckt, Madelon. Vergeben Sie mir mein Ungestüm. Aber verschließen Sie sich nicht meinen Gefühlen. Ich liebe Sie, innig und aufrichtig Ein Heim wartet auf Sie, ein ruhiges, stilles Heim, in dem das Glück woh­nen wird, wenn Sie dort sind.

Ich kann mir das große Haus nicht mehr vor- stellen ohne Sie, Madelon. Ich gestehe es Ihnen offen, Madelon: Es wird zuerst etwas knapp zu­gehen bei uns, denn das Geld meiner Frau soll unangetastet bleiben. Aber es wird bald besser werden, wenn erst das Bergwerk im Schwung ist.

Wenn wir beide uns ehrlich lieb haben, wird es keine unüberwindlichen Hindernisse geben, wird alles gut und wunderschön werden. Wenn Sie erst mein sind, wenn ich weiß, für wen ich ar­beite, dann werde ich mit doppelter Kraft dabei fein, dann wird alles noch einmal fo gut gehen wie bisher.

Madelon du bist die Frau, die mein Glück ist! Ich liebe dich! Werde mein!

Leise kamen die Worte von Augusts Lippen, mit verhaltener Glut. Zuletzt hatte er Magda­lenes Hände ergriffen, sie an feine Lippen gezo­gen.

Magdalene hatte still zugehört: ein unbekanntes Gefühl hatte sie überfallen. Dann, als er von dem ruhigen Hause sprach und von dem knappen Leben, war sie plötzlich wieder nüchtern gewor­den. Das alles war nichts für sie. Hausfrauen­pflichten! Strümpfe stopfen! Wäsche ausbessern! O n^in! di von bitte sie genug. Eine beklem­mende Angst legte sich auf ihr Gemüt. Nein, nein, nein! Nur niemals in ein solches Leben zurück! Ihr graute vor Enthaltsamkeit, Entsagen, Sor­gen und vor dem Rechnen.

Unter keinen Umständen würde sie diesem Manne folgen. Sie mußte ihr Herz wappnen, durfte sich keinen Streich spielen lassen.

Sie schweigen, Madelon?

Magdalene zögerte. Was sollte sie ihm ant­worten, ohne ihn zu verletzen?

Ihr Antrag überrascht mich, Herr Doktor. Ich danke Ihnen für diese Worte aber..

Aber?"

Ich kann mich vorläufig noch nicht binden, Herr Doktor. Bin noch so jung, kenne nichts vom Le­ben, will meine Freiheit genießen..

Also einen Korb?"

Fast heiser stieß es der Mann hervor und ließ die Hände des Mädchens fallen. Sein Anblick erschütterte Magdalene: er tat ihr unsagbar leid.

Nein, nein! Sie verstehen mich falsch!

Madelon!"

Später, wenn ich genug habe von dem Leben in der Fremde, wenn ich mich nach Ruhe sehne, in einem Iahr vielleicht..

Sie brauchen mich nicht zu vertrösten, Made­lon. Ich weiß jetzt, woran ich bin. Wenn Sie mich liebten, wie ich Sie liebe, barm würden Sie anders sprechen. Ich muß Sie nur noch um Ver­zeihung bitten für meine Kühnheit. Leben Sie wohl, Fräulein Madelon, und vergessen Sie den Mann, der töricht genug war, seine Augen zu Ihnen zu erheben."

Mit knapper Verbeugung entfernte sich August Richter.

Magdalenes Augen standen voll Tränen. In ihr war auf einmal alles ganz leer, als ob sie etwas Kostbares verloren habe, durch eigene Schuld.

Hatte sie richtig gehandelt? Weshalb klopfte ihr das Herz so schwer?

Was lag schließlich daran, daß dieser Doktor Richter von ihr gegangen war? Er war doch kein Mann, dem sie nachzutrauern brauchte. Sie war jung, schön, reich. Sie konnte jeden Mann bekommen, den sie haben wollte.

Aber dieser Mann war nicht wie andere Männer, das wußte sie jetzt. Bei ihm war man gut aufgehoben, geborgen vor den Stürmen des Lebens. Er würde feine Hand schützend halten vor die Frau, die er liebte und die er zu der f:inen gemacht hatte.

Unb ihr Herz sagte ihr jetzt, auf einmal unb deutlich, daß sie August Richter liebte, wie sie nie zuvor einen Mann geliebt hatte.

Unb sie hatte ihn gehen lassen, /aus eitler Überheblichkeit und aus Genußsucht: hatte ein treues Herz ausgeschlagen, um äußeren Tand dafür einzutauschen.

Ietzt, da es zu spät war, gingen ihr die Augen auf. Sie war schlecht und dumm dazu. Langsam sank ihr Kopf vornüber, die Tränen liefen über ihre Wangen.

Den besten, ehrlichsten Menschen hatte sie von sich gestoßen, den Mann, den sie liebte! Schon lange heimlich liebte, ohne baß sie es sich hatte eingestehen wollen.

Seinetwegen war das alles so schön gewesen! Deinetwegen hatte sie sich geschmückt! Seinetwegen hatte sie die Reise so gefreut!

Wie eitel war sie gewesen, unb wie töricht! Was hätte ihr Mütterchen zu all dem gesagt?!

Unb plötzlich überfiel sie ein Sehnen nach der guten, alten Mutter Hahn, nach ihren gutge­meinten Vorhaltungen, nach ihrem bescheidenen Stübchen. Dort hatte sie nichts gewußt von solchen '

Zwiespältigkeiten. Dort hätte sie anders ge­handelt und richtiger.

Dort hatte sie eine wahre Freundin gehabt, einen Menschen, auf den sie sich verlassen konnte. Hier war sie ganz allein, denn Ioe darüber war sich Magdalene jetzt klar geworden war nicht die Freundin, die sie sich erhofft hatte.

Wohl verstand sie es, alle äußeren Dinge zu ordnen und Magdalenes törichte Wünsche zu bejahen und auszuführen. Ia, sie trieb sie dazu, noch mehr Luxus zu treiben unb sie noch hof­fähiger zu machen, als sie es schon war.

Joe batte, sie auch bazu gebracht, ihren alten guten deutschen Namen abzulegen, sich mit einem fremden zu schmücken, ber ihr nicht zukam.

Zu sehr hatte sie auf bie bösen Einflüsterungen gehört, bie von Joe kamen unb bie von Titus van Iolliet unterstützt wurden. Don diesem Manne, ber ihr eigentlich gar nicht mehr gefiel und den sie noch lieber los geworden wäre als Joe Nowakowsiia.

Die hochmütigen Bemerkungen der beiden über August Richter waren auch zum großen Teil schuld daran gewesen, daß sie August Richter abgewiesen hatte.

Ietzt mit einem Male waren ihre Augen sehend geworden jetzt, mitten in dieser schönen Nacht, in ber sie einsam auf bem großen Schiff stand.

Sie war doch nicht schlecht. Daß sie ihr Leben genießen wollte, jetzt da sie soviel Gelb hatte, das war doch keine Sünde? Sie hatte nie etwas Böses getan, die ganzen Monate über.

Und nun war sie plötzlich so unglücklich ge­worden, aus eigener Schuld. Wenn sie nur das alles wieder gutmachen konnte!

Eine leuchtende Sternschnuppe fiel. Auch in Magdalenes Augen leuchtete es auf. Morgen schon würde sie ihr Unrecht eingestehen, würde sie selbst zu August Richter gehen, ihm alles sagen. Und er würde ihr verzeihen, weil er sie liebte. Würde sie verzechend an sein Herz nehmen.

Stimmengewirr ließ sie auffahren. Rasch tupfte sie sich die Tränen aus den Augen und trat heiter ber Gesellschaft entgegen, bie kam, sie in den Tanzsaal zurückzuholen...

Doktor Richter trat in seine Kabine unb fand Titus van Iolliet, der überrascht zu seinem Kabinengenossen aufsah.

Nanu. Herr Doktor, schon so früh ziehen Sie sich zurück?

Ia, Herr van Iolliet! Ich bin sehr müde und will gleich ins Bett gehen!

Er begann mit seiner Nachttoilette.

Titus van IoUiet beschäftigte sich noch ein paar Augenblicke in ber Kabine, bann ging er mit kurzem Gruß hinaus.

(Fortsetzung folgt)