Ausgabe 
31.12.1932 Erstes Blatt
 
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Der Kampf um die Währung in Südafrika

Frankreichs FmanzpoM im Südosten

gelöst

hatte,

t minderem

sind bis heute noch nicht abgeschlossen. Durch den Tod der beiden Staatsmänner Dr. Seibel und Schober hat Oesterreich im vergangenen Jahr empfindliche Verluste erlitten. Die inneren Verhält­nisse bei unserem Brudervolk sind ungeklärt, der Zerfall der bürgerlichen Mittelparteien und die außenpolitische Westorientierung der Christlich-So­zialen stärkt einerseits die Kommunisten und läßt auf der anderen Seite eine mächtige Hitlerbewegung heranwachsen.

den. Südafrika wird, so erklärte der Finanzmini­ster, die Goldwährung nicht aufrechterhalten, so­weit es die Metallgrundlage der Währung anbe­trifft, da es augenblicklich unmöglich ist, sich Gold in irgend einer handelsüblichen Form in den Danken des südafrikanischen Bundes zu ver­schaffen. Die Regierung beabsichtigt nicht, die Wechsel - und Devisenkurse zube» e i n f l u s s e n, sondern sie überläßt den Kurs des südafrikanischen Pfundes dem freien Spiel der Kräfte auf dem Devisenmarkt. Das südafrika­nische Pfund wird in keiner,Weise an das englische Pfund und dessen Kursentwicklung gebunden sein.

Der Führer der südafrikanischen Partei, Ge­neral Smuts, und der Transvaal-Rationalist Sx'Imann Boot, hielten am Mittwoch Kampf­reden gegen die Regierung Hertzog.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

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Chefredakteur

Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. PZilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und ;ür den An­zeigenteil i.D.TH.Kümmel jämtlich m (Sie;en.

nachdem die Lausanner Konferenz mehr als einmal unmittelbar vor dem Scheitern stand, kam endlich am 9. 3uli der Lausanner De rtrag zu­stande. Er beendete praktisch die Reparationen und setzte an die Stelle des Doungplanes die Ab­machung, nach der Deutschland der Bank für Jn- £e^V,?naIe Zahlungen eine Schluhzahlung von 3 Mckliarden Mark zu übergeben habe. Diese drei Milliarden sollen als Aufbaufonds für die Reu­ordnung der europäischen Wirtschaft verwendet werden. Gleichzeitig wurde neben verschiedenen Tlebergangsmah nahmen eine Weltwirt- lÄjJjs- und Finanzkvnferenz für das 3ahr 1933 beschlossen.

In Rußland verschärfte sich im Laufe des Sommers infolge der überstürzten Kollektivierung ole Agrarkrise immer mehr. Dies ist um so bedauer- icher als die innere Schwäche Rußlands Deutsch­land der Möglichkeit beraubt, in dem russischen Nlesenreich einen zuverlässigen außenpolitischen Partner zu- finden. Dem Sturz des Absolitismus in toiam, gnbe Juni, folgte am 12.Juli die bra = IllianischeKaffeereoolution" der Süd- staaten gegen die Nordstaaten, die erst im Spät- herbst niedergeschlagen werden konnte und erneut auf Die Unordnung in der weltwirtschaftlichen Struk- tur hinwies. Millionen Zentner Kaffee mußten ebenso wie Millionen Zentner Weizen in Kanada vernichtet werden, während in anderen Teilen der Crde Hungersnot herrscht. Dem Lausanner Repa- rationserfolg folgte leider wenige Tage darauf ein ^^ük^"Ilcher^Rückschlag. Mit Stimmenthaltung Deutschlands beschloß der Völkerbundsrat, Oester- relch eine Finanzhilfe im Werte von 300 Millionen Schilling zu leisten. Die Oesterreich ge­stellten Bedingungen waren unerhört hart. Sie um­faßten neben einer Auslieferung der letzten Ho­heitsrechte auch die Bindung, 20 Jahre lang jede Anschlußpropaganda zu unterlassen. -Die innenpolitischen Kämpfe in Oesterreich, die sich auf Grund dieses schmachvollen Vertrages ergaben,

General Smuts begrüßte die Bestrebungen von Doot zur Dildung einer Koalitions­regierung und er.iärte sich zur Mitarbeit be­reit. Er drückte seine Desriedigung über die Maß­nahmen der Regierung aus, die auf ein Verlas­sen des Goldstandards hinzielten, verlangte jedoch gleichzeitig eine Währunasentwertung. Doot er­klärte, daß Smuts allein nicht in der Lage sei, die Regierung Herhog zu stürzen und eine Koalitionsregierung zu bilden, seine Mit­arbeit unter einer Persönlichkeit, die die Ra­tionalisten und die südafrikanische Partei ver­einigen würde, wäre jedoch zu begrüßen. Die für die Wohlfahrt Südafrikas wichtigsten Haupt­ziele seien neben einer Koalitionsregierung die Abschaffung des Rassenkampfes und die Ent­wertung des südafrikanischen Pfundes.

Deutschland und die Wett im Iahre 1932.

Das Jahr 1931 hatte Den drohenden Schatten einer Weltkatastrophe über alle Staaten und Völ­ker der alten und neuen Welt geworfen Frankreichs Starrsinnigkeit zerschlug Deutschlands Plan, auf dem Weg über die deutsch-österreichische Zollunion das zerrissene Mitteleuropa wirt­schaftlich neu zu ordnen. Der Bankenkrach er­schütterte die Grundfesten der deutschen Wirtschaft und führte haarscharf an einer Staatskrise vorbei. Die englische Währung begann plötzlich zu schwanken und damit auch das englische Weltreich in den Strudel des Zusammenbruchs zu ziehen. Un­geheure Arbeitslosenarmeen in Deutschland, Ame­rika und England verkündeten die Notlage einer übereilt rationalisierten Wirtschaft. Es gab auf ein­mal nicht mehr Sieger und Besiegte, sondern nur noch Opfer des großen Krieges und der sinnlosen Friedensschlüsse. Die Repa­rationen hatten sich für die ganze Welt als Danaer­geschenk erwiesen. Die Ungleichheit des europäischen Rüstungsstandes führte zu fortdauernden Übergrif­fen Der Polen und Litauer und beschwor die Ge­fahr kriegerischer Konflikte herauf. Japan hatte in Schanghai die Fragwürdigkeit des Völkerbundes wieder einmal unter Beweis gestellt. Deutschland mußte im neuen Jahre aus dem Schuldturm der Reparationsverpflichtungen und Den Fesseln einer einseitigen Abrüstung heraus, sollte das Jahr 1932 nicht den Auftakt zum Chaos bilden.

Am 17. Juni begann endlich die große Repa- rationskonferenz in Lausanne un- ter dem Vorsitz Macdonalds. Die zur gleichen Zeit tagende 33. Abrüstungskonferenz tarn Segensatz zu den Reparationsverhandlun- gen nicht vom Fleck. Der deutsche Reichskanzler von Papen, der die Lausanner Verhandlungen mit einem außerordentlichen Optimismus begonnen iS?*! bald einsehen, daß die von ihm er­sehnte deutsch-französische Verständigung noch in ferner Zukunft lag. Rach mancherlei Krisen, und

JstderGoldstandardverlaffen?

Günstige Beurteilung in London.

London, 29. Dez. (WTB.) Die Frage, ob für Südafrika eigen tl ch noch der GoldstandarD gilt, be­antwortetDaily Telcg.aph" folg mder maßen: Süd­afrika hat den Goldstandard verlassen insofern, als es feine Reservebank von der Ver­pflichtung enthoben hat, Noten auf Verlangen gegen Gold einzutau- schon, und somit eine der Regeln aufge­geben hat, die von jeher als notwendig zu einem ordnungsmäßigen Funktionieren des Gold­standards betrachtet worden find. Anderseits beab­sichtigt die jetzge südafrikanische Regierung an- ch:-inend, den Kurs des südafrikanischen Pfundes der Goldparität so nahe zu halten wie möglich. Wenn ihr dies auf Die Dauer gelingt, dann wird keine der wirtschaftlchen Folgen einer Aufgabe des Goldstandards cintrcten. Der Hauptgrund dafür, daß die jetz'ge Regierung ihre Währung nicht vom Goldstandard trennen möchte, liegt in ihrer Ueberzeugung, daß dies einen Schlag gegen das Gold als Wert­messer bedeuten würde. Das Gold aber ist d i e größte Hilfsquelle Südafrikas. Die Opposition dagegen wünscht planmäßige Wertminderung des südafrikanischen Pfundes, um die R o h st o f f p r e i f e, die gegenwärtig den Erzeugern keinen Gewinn erlauben, zu verbes­sern. Daher besteht kein Grund, einen starken Fall des südafrikanischen Pfundkurses zu erwarten, und die Südafrikarische Union befindet sich in einer ftarfen Stellung, Da sie auf inter­nationalem Gebiet über eine günstige Zahlungs­bilanz verfügt.

Unk are läge in Kapstadt.

Die Opposition g gen Hertzog.

Kapstadt, 29. Dez. (TU. Funkspruch.) Die unsichere Währungslage in Südafrika hat ein L.urcheinancer geschaffen, das eine gewisse Komik aufwuist. Die Danken, die amtlichen Stellen, die Presse und die Bevölkerung sind sich durch­aus nicht einig darüber, ob Südafrika den Goldstandard verlassen hat oder nicht. Die gangbarste Auslegung geht dahin, daß Südafrika nach innen den Goldstandard ver­lassen hat, ihn jedoch nach außen auf­rechterhält. Obgleich das südafrikanische P^und ni_;t m.hr in Goldzeld eingewe^selt wird ist das Schatzamt der Meinung, daß der süd­afrikanische Kurs auf der Goldparität erhalten werden kann, indem die ausländischen Verpflichtungen in Gold geleistet werden. Eine neue Sensation hat die Mitteilung der Goldbergwerlslammer he. vorgerufen, daß fi-> sich nicht mehr für verpflichtet halte, ihr Gold an die Aeservebank abzugeben, sondern es auf dem freien Markte an den Höchstbietenden verkaufen werde.

In einem Interview wies Finanzminister H a - venga den Vertreter des Reuter-Bureaus auf die Tl r s a ch e n der Suspendierung der Evldein- lösungspflicht in Südafrika hin. Die Regierung habe nut ihrem Beschluß dieKapitalflucht verhindern wollen, die während der letzten drei Tage ungefähr drei Millionen Pfund Ster­ling der Südafrikanischen ülnion entzogen habe und die vor allem durch südafrikanische Spekulanten hervorgerufen worden sei. Hätte die Regierung nicht eingegriffen, so wären die Danken zur Schalterschliehung gezwungen wor-

Gleichberechtigung auf dem Rüstungsgebiet noch lange nicht die letzte Etappe erreicht hat. Man muh damit rechnen, daß die nächsten Etap­pen unter der Parole stehen müssen: h e i m z u m Reich! Das gilt zunächst für das Saavge- b i e t. Das wird dann weiter gelten für die Ge­biete jenseits der blutenden Grenzen im Offen und muh einmal gipfeln in der Vereinig ung aller Deutschen von der Rordsee bis S.u m Du rgenland in einem Reich. Es ist eine schäbige Politik, die mit den Grundgedanken eines wahrhaften Völkerbundes gar nichts zu tun hat, wenn man die Rot eines Landes mit er­presserischen Maßnahmen ausnuht. Cs gibt Verträge, Protokolle und Erklärungen, die von der Geschichte selbst zerrissen werden, weil sie in ihrem Lichte alsunmoralischerschei- nen müssen. Man mag jetzt einer Anleihe po­litische Klauseln anfügen. Die Entwicklung wird doch einmal über sie Hinwegschreiten, weil die letzten bewegenden Kräfte der Geschichte, die sich in der nationalen Idee ausprägen, stärker sind als Papiere.

Wenn man jetzt von Paris aus Die neue poli- Fesselung Oesterreichs so forcieren möchte, so geschieht das offenbar auch im Hinblick auf Die Haltung, die Italien neuerdings cinzuneh-mcn scheint. Nach dem Staatsbesuch con Combos in Rom verlautete aus sehr zuverlässiger Ouclle, daß über territoriale Umgestaltungen längs der Donau gesprochen worden sei und daß in diese Pläne auch die deutsche Gleichberech­tigung Sforderung hincingearbeitet werden solle. Es war selbstverständlich, daß den Enthüllungen, in denen von einem vereinbarten Losschlagen Italiens, Ungarns, Bulgariens und Albaniens Die Rede war, ein römisches Dementi folgen würde. Aber das Dementi ist immerhin matt. Es wird in ihm der Beschluß des großen Faschlstonrates bestätigt, der eine Befriedung Europas ohne eine Aufhebung be­stimmter untragbarer Klauseln für unmöglich er­klärt. Wenn man in Rom auch sagt, daß die Re­vision der Ostverträge nur über das Durch Öen Völ- kerbundspakt vorgeschriebene Verfahren erfolgen könne, so mußte man doch in Panis in diesen Zu­sammenhängen nervös werden, und darum greift man gierig nach der Gelegenheit, die sich bei der österreichischen Anleihe bietet, um neue Fesseln 3U schmieden. Es ist für Deutschland nicht ganz lL.cht, zu diesen Problemen Stellung zu nehmen, weil Oesterreich die Anleihe lebensnotwendig braucht, weil Die Ablehnung Frankreichs sie unge­achtet der britischen und italienischen Ratifizierung

Tas englische Imperium, bas neben seinen indischen Schwierigkeiten auch noch daran frortft, daß die wirtschaftlichen Interessen der verschiedenen Tominien auseinanderstreben, hat sich am 22. August als Ergebnis der Konfe­renz von Ottawa ein kompliziertes System von Vorzugs- und Schutzzöllen gegeben, das zwar Kanada gegenüber der amerikanischen Kon­kurrenz entlastet, das aber nicht geeignet ist, die Schlote im engt scheu Industriegebiet wieder rauchen zu lassen. Auch die Konferenz von Stresa, die an die Stelle des gescheiterten Tardieuplanes eine wirtschaftliche Belebung der mitteleuropäischen Märkte herbeisüh- ren sollte, ist praktisch gescheitert. England mußte erneut in den letzten Wochen einen Wäh­rung st u r z in Kauf nehmen, die 1919 zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee entstan­denen Staaten werden sich in Zukunft nur dann behaupten können, wenn sie fernerhin französische Ülnterstützu.'.gen beziehen, ojer a.e; die wirtschaft­liche Vernunft über den liberalen Rationalstaats­gedanken siegen lassen. Tie am 30. September i n Ungarn vollzogene Berufung des Abgeord­neten Gömbös zum Ministerprüsidenten bildet einen Aktivposten für eine deutsche, nach Südvsten gerichtete Außen- und Wirtschaftspolitik im Jahre 1933. Tas alte Jahr ging jedoch nicht xu Ende ohne eine außerordentliche Verschär­fung de r f ranzös isch-amerikanischen Beziehunge n. Tie französische Kammer hat Amerika das am 7. Rovember mit überwältigen­der Mehrheit Roosevelt an die Stelle von Hoo­ver gesetzt hat, die Schuldenzahlung ver­weigert. Herrivt selbst ist von P a u l - B o n - cour abgelöst worden, ohne daß dadurch der Kurs der französischen Politik gegenüber Deutsch­land oder Amerika sich ändern dürfte. So wird wachste 3<rhr im Zeichen großer außen­politischer Entscheidungen stehen.

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Reue Ketten für Oesterreich?

Die Franzosen behaupten, daß sie kein Geld hät­ten, um ihre Schulden zu bezahlen. Sie haben es sogar auf einen Konflikt mit Amerika ankommen lassen. In Washington hat man es gar nicht nötig, auf das gehortete Gold in den Kellern der Bank von Frankreich und auf die unmäßigen Rüstungs­ausgaben hinzuweisen. Wenn die Franzosen auch keine Schulden bezahlen wollen, so gehen sie doch ernsthaft mit sich zu Rate, wenn die Frage zur De­batte steht, ob man mit finanziellen Anstrengungen das Sy st em der Pariser Vorortoer- träge in sich festigen kann.

Im auswärtigen Ausschuß des Senats hat sich der Ministerpräsident Paul-Boncour mit Entschiedenheit für die Beteiligung Frankreichs an der österreichischen Anleihe eingesetzt, und er hat dabei keine Zweifel an feinen wahren Absichten gelassen. Er hat es deutlich ausge­sprochen, daß der Sinn der von ihm befürworteten finanziellen Anstrengungen Frankreichs Darin lie­gen muffe, von Oesterreich Die Bestätigung d e s Protokolls von 1922 zu erhalten. An diesem Protokoll sind bekanntlich die Bemühungen von Brüning und Curtius g-scheitert, über die Ver­wirklichung der Zollunion dem Anschlußge- danken tatsächliche und wirksame Grund­lagen zu geben und die Entwicklung in zwingende Daynen zu lenken. Im Jahre 1922 hat Oesterreich für eine V ö l k e r b u n d s a n l e i h e das Ver­sprechen abgeben müssen, daß es sich durch keinerlei Vereinbarungen in wirtschaftliche Ab­hängigkeit von einem anderen Staat begeben werde. Nun kann man ja darüber streiten, ob eine Zollunion bereits eine solche Abhängigkeit schafft. Das Haager Gericht hat damals dem Pro­test Frankreichs recht gegeben. Aber die Franzosen fühlen sich noch nicht ganz sicher. Die Ausführun­gen Boncours wurden durch einen feiner Vorgänger, Laval, dahin erweitert, daß man als Bedingung für die französische Beteiligung an der Anleihe einen feierlichen Verzicht Oesterreichs auf den Anschluß verlangen müsse.

Laval sagt uns über die Ziele der französi- fchen Politik in Mittel- und Südosteuropa gewiß nichts Reues. Aber es dürste doch interessant sein, den Gründen dafür nachzuforschen, daß man gerade jetzt die Fesseln um Oesterreich enger legen möchte. Man kann sich in Paris keinen Zweifeln darüber hingeben, daß der deutsche Kampf gegen Versailles in der Forderung nach

Nachdem Deutschland Die zwar bis heute noch nicht ratifizierte Repanationsfrage a\'"" nahm Das Präsidialkabmett mit nid). ........

Eifer das aroeite Deutsche Kernproblem Der Außen­politik in Angriff: Die Wehrgleichheit. Am 27. Juli meldete General von Schleicher Deutsck- lands Gleichberechtigungsforderung an. Am 6. Sep­tember verkündete er in Ostpreußen, Daß Deutsch­land nach dem Scheitern Der Abrüstungskonferenz auf alle Fälle Die zu seinem Schutz notwen­digen wehrtechnischen Maßnahmen ergreifen werde. Zur gleichen Zeit verließ Deutschlands Vertreter auf Der Abrüstungskonferenz, Botschafter NaDolny, den Genfer Boden, auf Dem man über Scheinge­fechte nicht hinausgekommen war. Deutschlands Fernbleiben wurde zuerst mit entrüsteten und mo­ralischen Noten Englands und Frankreichs beant­wortet, schließlich sah man jedoch in Genf ein. Daß ohne Deutschland nicht verhandelt wer­den konnte. So fand Außenminister von Neurath, als er am 21. November nach Genf zurückkehrte, eine veränderte Atmosphäre vor. Am 7. Dezember konnte Denn auch Deutschland Den zweiten großen Erfolg Dieses Jahres hercinholen: Deutschlands Recht auf wehrpolitische Gleichberech­tigung wurde ausdrücklich anerfannnt. Deutsch­land wird im Januar in der Abrüstungskonferenz Mieder vertreten sein, um Öen Schritt von Der theoretischen zur praktischen Anerkennung vorzube­reiten. Ein Zurück gibt es jedenfalls für Deutsch­land in dieser Frage nicht mehr.

General-Anzeiger für Gberheffen

lind verloa: vrLHI'sche Univei stläis-Snch- nnd Slcinörutfcrei R. ranze in Sietzen. Schriftleitung und Seschäftsltelle: Schultratze 7.

So stand Die gesamte deutsche Außenpolitik, von Brüning klar enannt, von Papen, Neurath und Schleicher folgericht.g fortgesetzt, im abgelaufenen Jahr unter zwei großen Gesichtspunkten: Schluß mit den Kriegstributen und Gleich­berechtigung für Deutschland in der R ü st u n g s f r o g e. Bereits der erste Tag des Jahres brachte die Festsetzung Der Lausanner Re­parationskonferenz. Ursprünglich auf Ende Januar festgesetzt, wurde es immerhin Mitte Juni, bis sie beg.nnen konnte. Am 8. Januar erklärte Brüning in einer bindenden Rede, daß Deutschland keine Reparationen mehr zahlen werde. Den französischen Entrüstungssturm nahm man in der ganzen Welt gleichmütig hin. Das am 24.Januar ver­längerte internationale Stillhalteabkommen bewies Die Einsicht Der großen Welt- und Wirtschaftsmächte, den Zuscmmmbruch Deutschlands zu verhindern. Ehe jedoch Deutschland mit einer eigenen aktiven Politik hcrvortreten konnte, waren noch mancherlei Schwierigleiten zu überwinden. De Anfangs Fe­bruar in Genf eröffnete 32, Abrüstungskonferenz kam nicht vom Fleck. Die am 18. Februar von Deutschland gemachten praktischen Vorschläge, Den europäischen Rüstungsstand zu begrenzen, fanden zwar Die Unterstützung Rußlands und Italiens, die Abrüstungskonferenz selbst verlor sich jedoch in tragikomisch.'n Debatten, ob Panzerwagen Angriffs- vder Verteidigungswaffen seien, und ob das Sch la n- gengift zu den Kriegswaffen gehöre oder nicht. Auch der Völkerbundsrat ging sowohl im ja pautsch-chine­sischen Konflikt als auch in der Klage des Memel- landes gegen die litauischen Ueberg.iffe allen Entscheidungen aus dem Wege. So ging Das elfte Vierteljahr zu Ende, ohne daß es gelungen wäre. Die erstarrten Fronten der Außenpolitik auf; zulockern. Denn auch der am 6. März übermittelte franz sstsche Mitteleuropaplan, der sog. Tardieu- Plan, sah nichts anderes vor als die Verewigung der französischen Militärhegemonie über Europa burrf) eine wirtschaftliche Neugliederung Der mittel- europäischen Staaten unter Ausschluß von Deutsch­land und Italien. Gemeinsam mit Italien Das sich Überhaupt im vergangenen Jahr als ein stillschwei­gender Bundesgenosse der deutschen Außenpolitik erwies, lehnte Deutschland den Tardieu-Plan ab.

3m April nahmen Völkerbund und Qlbrü- stunIskonferenz ihre Arbeit wieder auf. Inzwi­schen hatte sich zwischen England und I r- 1 and ein schwerer Der'assungskonflikt ergeben und Engrand zog sich fühlbar und sehr zum Vach- teÄ Deutschlands für einige Zeit von der Fest- tandspolitik zurück, um zuerst einmal im eigenen 7?r£u'-Vr Ordnung zu sorgen. Als endlich eine Abrustungssront Deutschland, Italien. England Amerika und Rußland gegen Frankreich zustande gekommen war, sprengte Tardieu die Abrüstungs- ton erenz, indem er wegen einer angeblichen Kehl- kopferrrankung plötzlich nach Paris abreiste. Die

französischen Kammer erbrachten

Wochen daraus den Sturz Tardieus und führten am 4. Juni zur Regierung Her - r i o t. Am 15. Mai war es in Japan zu einem terroristischen Umsturzversuch des Geheim- Drache" gekommen, in &c,,«n Verlaus zwar r icht die ersehnte Militär­diktatur, aber ein nicht minder kampfeswilliges Kriegs.ab.nett zur Herrschaft kam. Dem Völker- bund zum Hohn und Spott wurde die gesamte Mandschurei besetzt dum Jahresende toarem ö-.a Kampfe noch nicht abgeschlossen, und durch das enge Bündnis zwischen Stalin und Tchang-Ka: Schek hat d.e Lage im Fernen Osten em« so außerordentliche Verschärfung erfahren daft für das Jahr 1933 hier der gefährlichste Wetterwinkel für Die Weltpolitik vermutet wer­den muß.

Nr. 307 Erstes Matt 182. Jahrgang Zreilag, 30. Dezember 1932

Gietzener Anzeiger