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9. Fortsetzung.
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Elisabeth für einen Augenblick verschwand, „Eva- lein, der Heinrich soll es auch nicht wissen! Er hat niemand als seinen Bruder, und er liebt ihn! Wir wollen ihn nicht damit kranken, das) er ihn nicht mehr achten kann, den einigen Verwandten, den Heinrich besitzt! Denn er war immer so gut zu mir, mein junger Schwager!"
„Sei ruhig, Renate, ich spreche nicht darüber, z>u niemand anders als au deinem Klaus, wenn ich ihm das bringen soll! Aber du sollst noch lange, lange bei uns bleiben!"
Immer derselbe leere Trost, wer hätte ihr besseren geben können?
Renate sehnte sich auch nicht danach. Rur nach ihrer kleinen Tochter verlangte sie öfter als sonst.
Es war ein schwuler, schweigender Sommer- abend, als Dr. Andresen Eva-Marie aus dem Krankenzimmer winkte.
„Morgen dürfen Sie auf Urlaub, liebes, gnädiges Fräulein! Es ist Zeit!" sagte er traurig.
„Morgen schon?" fragte das Mädchen, und die lieben Augen, die er so gern fröhlich sah, wurden dunkel und feucht von den heitz emporsteigenden Tränen.
„Um elf Uhr soll Renate operiert werden!" sagte er. „Wie gern begleitete ich Sie dort hinaus auf das blühende Land. Aber ich soll dabei bleiben, falls mein Bruder benachrichtigt werden muh."
„Kann sie dabei sterben?" fragte Eva-Marie trostlos.
„Wir wollen es ihr gönnen!" antwortete leise Heinrich Andresen. „Es wäre ihr wohl! Aber ihre Radur ist ja stets stärker gewesen als Rar- kose und Krankheit. Vielleicht hält sie noch einmal durch!" _
Sie schwiegen beide und drückten sich die Hände.
„Und gerade jetzt soll ich reisen?" klagte Eva- Marie.
„Sie sehnten sich doch nach Ihren Verwandten! meinte der Arzt. „Sie werden sich doch erholen, einmal unter gesunden Menschen leben, und dazu haben Sie ein Recht!"
„Gewih sehe ich sie gern einmal wieder, Mama, den Onkel und die anderen! Aber ich kann nicht sagen, datz ich mich jemals von hier fortgesehnt hcche! Renate ist mir soviel, sie ist trotz ihres schweren Leidens immer so gut zu mir! — Ich
Die Handlung spielt Im Pullmann-Luxuszug von Peking nach Schanghai. Die Aufnahmen, die während der rasenden Fahrt des Expreßzuges aufgenommen wurden, sind Höhepunkte der Technik. Seine Passagiere, bunt durcheinandergewürfelt, aus aller Herren Länder werden zu Schicksalsgenossen. Liebe, Geld, Hungernach Macht und Sensation undstillesHeldentum ... alle menschlichen Schwächen und Leidenschaften treiben ihrSplel
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habe keinen Mangel gelitten, Herr Doktor, und Sie ..
Er nahm ihre Hand und kützte sie. „lind ich, Eva-Marie?"
Sie sah ihn voll und herzlich in die Augen. „Sie werden mir sehr fehlen, Herr Doktor! lind nun will ich bitten, wann darf ich einmal telephonisch anfragen, wie es mit Renate steht?"
„Dann höre ich wenigstens die Stimme, die mir alle Tage wie eine liebe Heimatglocke llingt!"
Er nahm ein Rezeptblatt aus seinem Block und schrieb ihr Amt und Rümmer aus.
„Rur der Gedanke quält mich", sagte leise Eva-Marie, „datz ich nie hierher zurückkäme, wenn Renate bei dem Schweren, datz sie durchmachen mutz, ihre Augen schlieht!"
„Ich würde Sie auch dann zu finden wissen, liebes Mädchen!" versicherte er voll Hoffnung. „Lassen wir es uns nicht noch schwerer werden, als es der traurige Anlatz unserer Trennung ohnehin schon macht! Lassen Sie uns hoffen, datz diese Trennung nicht von allzu langer Dauer ist. lind dann freuen wir uns auf ein Wiedersehen, gelt, Eva-Marie?"
Sie wehrte es ihm nicht, datz er sie beim Vornamen nannte. Er sprach ihn aus wie eine zarte Liebkosung, wie etwas Köstliches, etwas Glückliches. Lächelnd reichte sie ihm noch einmal ihre Hände.
„Auf Wiedersehen, Herr Doktor!" Es sah aus, als ob die Sonne durch die Wolken schimmerte, dieses Lächeln mit tränenfeuchtem Blick.
Er hätte sie am liebsten gleich an sein Herz genommen, den sützen, lächelnden Mund zu küssen und die Augen, die so klar und fein waren, wie er selten in der grotzen, tollen Stadt Frauen- äugen sah.
Aber Schwester Elisabeth klopfte an und sagte mit höhnischen Blicken: „Gnädige Frau wünscht die Gesellschafterin!"
„Ich komme!" rief Eva-Marie ohne jede Empfindlichkeit. Sie nickte dem Doktor zu, barg daS Rezept mit der Telephonnummer in ihrer Bluse und ging der Schwester nach. Dort blieb sie bei der kranken Freundin und freute sich, wie ruhig und gefatzt diese war, und datz sie heute einen verhältnismätzig frischen Eindruck machte. Dis die Stunde des Abschieds kam, denn in aller Frühe sollte Renate fortgebracht werden, ohne sich vorher durch Abschiednehmen irgendwie aufregen zu lassen.
(Fortsetzung folgt.)
„Ich mutz dir eins sagen, Karl!" Dr. Andresen legte seine Hand auf des Bruders Schulter und atmete tief, als würde ihm das Sprechen schwer. „Ich mutz es dir sagen! Der Zustand deiner lieben Frau ist so ernst, datz die Operation nur ein Aufschub ist. Sie mutz aber gemacht werden, um die arme Frau vor den furchtbarsten Schmerzen zu bewahren! Käme dabei das Ende, so wäre ihr Tod leichter, als das, was sie sonst zu erdulden hätte. Fräulein von Diemen Weitz dies nicht so, sie kennt den Zustand nicht, wenngleich sie von der Hoffnungslosigkeit des Leidens Weitz! Aber Schwester Elisabeth kennt ihn, und sie sollte mehr Respekt und Mitgefühl haben vor dem Unabwendbaren, als durch kleinliche Eifersüchteleien Szenen hervorzurufen, die überflüssig sind. Ich kann dir nur raten, tu deiner Frau zuliebe, was in deinen Kräften steht! Gar zu lange wirst du nicht mehr Gelegenheit haben. Hnb nimm ihr um Gottes willen nicht das bitzchen Sonnenschein, das ihr aus Fräulein von Diemens herzensgutem Wesen strahlt. Ob ich sie gern habe oder nicht, das kommt hierbei nicht in Frage! Ebensowenig aber war ich der Meinung, Schwester Elisabeth zu entlassen. Rächste Woche wird die Operation nötig werden. Dann gehen beide auf Urlaub, und sollte unsere Renate gebessert zurückkommen, so wird sich ja alles finden. Es ist wohl ebenso sinnlos wie zwecklos, die Fähigkeiten der beiden Mädchen gegeneinander abzuwägen, da sie auf gänzlich verschiedenen Gebieten liegen! — Guten Abend denn, ich habe mich schon zu lange versäumt!"
„Rimm das Auto!" sagte der Bruder. Er sah aschfahl aus. Heinrich schbb alles auf das Schwere, was ihm durch die Operation Renates bevorstand.
Er stand noch lange am Fenster, die Hände in die Taschen gesteckt, und sah ins Leere. Ihm war nicht wohl zumute. — Mutzte nun noch ein Mitwisser sein? — Renates Tod, den er lange hatte kommen sehen und längst als etwas Unabwendbares betrachtete, hätte jede Spur seiner
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Schuld ausgelöscht! — Der Marineoffizier, der ihm damals im Wege war, war verheiratet und würde schon deshalb sein früheres Liebesver- hältmiS zu Renate vergessen! Wozu mutzte nun dieses fremde Mädchen Dinge erfahren, die sre nichts angingen und ihn vor allen Menschen, die davon erfahren würden, zum Betrüger stempelten? — Wozu das? — Und wenn er auch nach anderen nichts gefragt hätte, könnte nicht dadurch Gerti einmal etwas erfahren und ihn verachten lernen?
Er liebte das Kind über alles, zumal sie ihm alle Zärtlichkeiten endgegenbrachte, die er sonst entbehrte. Sie sollte nicht erfahren, was er damals getan! Darum beschlotz er, dafür zu sorgen, datz Fräulein von Diemen nicht allzulange allein mit der Kranken war. Es ging ja sehr leicht, die Schwester darauf hinzuweisen, datz er nicht wünsche, datz derartige aufregende Erzählungen wieder vorkämen.
Aber Schwester Elisabeth konnte aufpassen so gut sie wollte, sie hatte nie mehr den Eindruck, als ob sie die beiden Damen störe. Frau Renate lag meistens still. Rur manchmal bat sie Eva- Marie, eins ihrer sützen, kleinen Lieder zu singen. Besonders das eine liebte sie und wollte es. immer wieder hören. Und Eva-Marie. sang es ihr mit wehem Herzen:
„Wenn ich es wützte, ich könnte dich wiederseh'n, an jener Küste, wo tausend Palmen steh'n, wo die Sterne uns so nahe sind, dunkler Rachen, bring' mich hin geschwind. Gerne führe ich in dieses selige Land, stündst du am Ufcr, reichtest mir deine Hand.
Wenn ich es wützte ..
Dann weinte Renate nicht, sie lag mit gefalteten Händen, und ihre Augen bekamen einen Wundersamen Glanz.
„Wenn du mir das Lied singst, Evalein, dann bin ich so glücklich", sagte sie dankbar und legte Eva-Maries Weiche Hand an ihren blassen Mund. Wenn es sie nicht so glücklich gemacht hätte, Eva-Marie hätte es nicht übers Herz bringen können, es zu, singen.
Sie hatte jetzt immer etwas unendlich Zärtliches in ihrem Tun um die Kranke.
„Evalein!" bat die Kranke einmal leise, als Dr. Andresen eben gegangen war. und Schwester
Bekanntmachung.
In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 26. August 1932 bei der Firma hessische gemeinnühigc Dohnungsbau- gesellschaft mit beschränkter Haftung in Gießen folgendes eingetragen: Durch Beschluß der Gesellschaftsversammlung vom 27. April 1932 ist die Gesellschaft aufgelöst. Heinrich Weimer jun. in Gießen ist Liquidator. 6121V
Gießen, den 27. August 1932.
Hessisches Amtsgericht.
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