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Oie Ablösung -er Hauszinssteuer.

Der Amtliche Preußische Pressedienst veröffentlicht einen Artikel von Dr. v. Heusinger, Ministe­rialrat im Preußischen Finanzministerium, der sich mit der Ablösung der Hauszinssteuer befaßt. In dem Artikel wird, da die Ablösungs­berechtigten über verschiedene Bestimmungen noch im Unklaren sind, u. a. auf folgendes hinaewiesen:

Die Eigentümer sind berechtigt, die Hauszins­steuer, die sich für die Zeit vom 1. 4.1932 bis zum 31.3.1940 ergibt, in der Zeit bis zum 31. März 1934 durch Zahlung eines einmaligen Betrages abzulösen. Wird der Ablösungs­betrag bis zum 30. September 1932 entrichtet, so hat der Eigentümer das Dreifache, wird er in der Zeit vom 1. Oktober 1932 bis zum 31. März 1934 entrichtet, so hat der Eigentümer dos Drei­einhalbfache des vollen Iahresbetrages der Hauszinssteuer für das Rechnungsjabr 1932, also der gegenüber 1930 um 20 v. H. gesenkten Haus­zinssteuer zu zahlen. Neben dem Ablösunasbetrage sind die I a u f e n den Hauszins st euer- betrüge bis zum Zeitpunkt der Ab­lösung zu zahlen.

Erfolgt die Ablösung bis zum 30. 9. 1932, so wird eine besondere Erleichterung gewährt, in­dem die für die Zeit vom 1. April 1932 bis zur Ablösung erhobenen hauszinssteuerbeträge zur hälfte entrichtet werden. Der günstigste Zeit­punkt für die Ablösung ist für den Grundsiück- eigenlümer hiernach der 15. April 1932, da er alsdann die am 15. April fällige houszinvsteuer bereits nicht mehr zu leisten hat.

Bedingung für die Ablösung ist, daß die Haus- zins st euerrück stände für die letzten sieben Monate gezahlt sind, soweit die Beträge nicht mit dem Ziel der Niederschlagung gestundet sind bzw. werden; alle übrigen Hauszinssteuerreste sollen auf Grund einer näheren Vereinbarung zwischen Steuerschuldner und Steuerbehörde alsbald getilgt werden. Die Ablösung der Hauszinssteuer kann ent­weder mit eigenen Mitteln oder durch Auf­nahme einer Ablösungshypothek mit dem Range vor allen anderen Rechten an dem Grundstück unter bestimmten Be­dingungen erfolgen. Die Ablösungshypothek darf nicht mehr als den Ablösungsbetrag zuzüglich eines

Zuschlages von 5 v. $)., und der Zinsfuß nicht mehr als 6| o. H. einschließlich des Derwaltungskoften- beitrages betragen. Als Ablösungshypothek kann eine Goldmarkhypothek eingetragen werden.

Um den Ablösenden gegenüber dem Nichtablösen­den steuerlich nicht zu benachteiligen, werden ihm die verschiedensten steuerlichen Vergünsti­gungen hinsichtlich der Einkommen steuer, der Gewerbesteuer und der Wertzuwachs- steuer gewährt. Das Risiko hinsichtlich hilfÄiedürfti- ger Mieter ist dem ablösenden Hauseigentümer im wesentlichen durch die Bestimmungen abgenom­men, daß in denjenigen Fällen, in denen die Haus­zinssteuer zugunsten solcher Mieter für die Dauer der Innehaltung ihrer bisherigen Wohnung e i n Betrag in Höhe d e s Hauszins st euer- betrages, der bei Nichtablösung der Hauszins­steuer gestundet und niedergeschlagen worden wäre, gewährt wird, soweit seitens des Grundstücks­eigentümers ein entsprechender Miet- Nachlaß erfolgt. Diese Beträge sind jedoch be° grenzt.

Anträge auf Ablösung sind zunächst an die für die Erhebung der hauszinssteuer zuständigen Stellen zu richten, von der die Ab- lösungsbelräge, die mit dem Ablösungsbetrag Zu zahlenden Steuerruckstande sowie ein rNerk- blatt über die gesetzlichen Bestimmungen und den Gang des Ablösungsoerfahrens kostenlos mitgeteilt werden. Der Antrag kann auch auf Teilablösung gehen. Julästig ist die Teil­ablösung von 25 o. 50 v. h., und 75 v. h. der hauszinssteuer, und bei einem Jahresbetrag von 4000 2Nk. und mehr sogar jeweilig 10 v. h. der hauszinssteuer. Ls besteht bei manchen Hauseigentümern, die an sich gerne ablösen möchten, die Befürchtung, daß die nicht ab­gelöste hauszinssteuer in rascherem als dem vorgesehenen Tempo abgebaut und an deren Stelle eine andere Steuer etwa eine Wohnraumsteuer gesetzt werden könnte. Die Reichsregierung hat in einer amtlichen Presseveröffentlichung solche Befürchtungen m l t allem Rachdruck für unbegründet erklärt.

SieHeilige Woche" in der spanische» Republik

irche nicht

Sevilla ohne Osterpeozession. - Die Kirche versagt sich der Fremdenindustrie.

Von unserem v. (^.-Berichterstatter.

Verbilligung

-er Arbeitslosenversicherung.

Berlin, 30. März. (WTB.) Auf Grund ihrer Ermächtigung durch die 2. Notverordnung

JL. ^*un^ 1931 hat die Reichsregierung am

* Verordnung zur Vereinfachung

und Derbrlltgung der Arbeitslosenversicherung erlassei^ die am 18. April 1 932 in Kraft tritt. Diese Verordnung soll vor allem die Verwaltung auf dem Gebiete der Arbeits­vermittlung und Arbeitslosenversicherung ver- e i n f a ch e n , soweit dies möglich ist, ohne we­sentliche Grundsätze des Gesetzes anzutasten. Der V o r st a n d ist in Zukunft nicht mehr, wie bisher eine neben dem Verwaltungsrat stehende Kör- Perfchaft mit eigener Zusammensetzung, sondern wird aus den Beisitzern des Berwol- tungsrates selbst gebildet. Gleichzeitig übernimmt er diejenigen Aufgaben des Derwal- tungsrates, die zur Geschäftsführung der Reichs- anstalt gehören, während die Entscheidungen von grundsätzlicher Bedeutung nach wie vor dem Verwaltungsrat verbleiben.

Aus Dereinfachungs- und Derbilligungsgrün- Mitglieder des Vorstandes und des Derwaltungsrates und der Verwaltungsausschüsse bei den Arbeitsämtern und Landesarbeitsämtern herabgesetzt und ^der Tagungen dieser Organe auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt

Am materiellen Recht der Arbeitslosenversiche­rung nimmt die Verordnung nur geringfügige

2?r- Zu diesen gehört die Vor­schrift. wonach Beiträge und Teitz von Beiträgen.

anbefohlen, die Semona Santa in althergebrachter Weise zu feiern. Die Kirche Hot sich mit Entschieden­heit dagegen gewehrt, ihre religiösen Veranstal- tungen, die als solche unerwünscht waren, nun z u fremdenindustriellen Zwecken zu pro­fanieren. Man hat deswegen behauptet, nach den vielen anderen Streiks, die die spanische Republik erlebte, als neuester Streik der Kirchen-, der Pro­zessionsstreik ausgebrochen. Nichts ist falscher als das. Brennende Klöster und überfallene kleinere Pro­zessionen haben auch in der Karwoche bewiesen, daß die Verhetzung, die unter dem neuen Regime um sich gegriffen hat, so weit vorgeschritten ist, daß kirchliche Handlungen außerhalb der Gotteshäuser wirklich nicht vorgenommen werden konnten.

Der Innenminister der spanischen Republik hatte der verschiedenartigen Einstellung derNeuzeit" gegenüber den Prozessionen weiten Spielraum ge­lassen.^ Er überließ die Lösung des ProblemsKar­woche" einfach den Gouverneuren der Provinzen, die offiziell nur dort Prozessionsverbote verhängten, wo Störungen der öffentlichen Ordnung durch syn- dikalistische und kommunistische Elemente zu er­warten waren. So wollte man sowohl derVer­bannung des Aberglaubens" wie den Bedürfnissen der Fremdenindustrie Rechnung tragen. Aber, wie gesagt, dieses Spiel machte die Kirche nicht mit. Wenn man ihr die alte Freiheit beschnitt, dann wollte sie auch nicht gut dafür sein, die nach Sevilla geströmten Engländer und Amerikaner und ihre Schaulust zu befriedigen. Es hätte wirklich nicht viel gefehlt und dergottlose" Staat hätte die Ab­haltung der Prozessionen mindestens in Sevilla erzwungen. Die Hoteliers jammerten, die Eisen­bahngesellschaften klagten, Chauffeure und Kutscher fluchten, die typischen Platzvermieter der Prozessio- nen stöhnten kurzum, das ganze geschäftemachende offizielle Sevilla war wütend. Aber die Kirche pro­fanierte ihre Prozessionen nicht. Sie leistete der Unlogik der Machthaber unter dem Beifall des ganzen übrigen Spaniens Widerstand. Das neue Spanien muß merken, daß es die Kräfte der Tradition unterschätzt hat. Jetzt muß es einsehen, daß man zu schnell eingerissen hat, ohne das notige Aufbaumaterial zur Stelle zu haben. Graue Nüchternheit hat auch hier die bunten Far­ben alten, gesunden Lebens verdrängt.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Madrid, Ostern 1932.

In wenigen Wochen will die spanische Republik den ersten Jahrestag ihres Bestehens feiern. E i n neues Fest für den festesfrohen Spanier, das sicher laut, lärmvoll und glänzend werden wird. Ader mit den Festen, die das Volk seit Jahrhunder­ten feiert, wird die junge spanische Republik sehr schlecht fertig. Das hat dieS e m a n a Santa", die Osterwoche, bewiesen.Aufklärung" undVer­bannung des Aberglaubens" steht mit an erster Stelle auf dem Programm des neuen Regimes. Graue Nüchternheit greift als Folge dieser modernen Bestrebungen fort,chreitenb um sich. Die weihrauchumwobene Romantik Spaniens, die seit Jahrhunderten immer wieder Ausländer in das Land des Cervantes zog, wird verdrängt. Und nir­gends stärker machte sich dieser Wechsel bemerkbar, als in der Osterwoche, die früher den Höhepunkt des spanischen Gefühlslebens bildete.

Bis zur Revolution noch erwachte in dieser heiligen Woche die ganze Mystik Spaniens, die den alles gleichmachenden grauen Alltag ver­scheuchte. Schwarzseidene Mantillen, wie sie Mütter und Großmütter trugen, traten an die Stelle der Pariser Damenhüte, die auch hier Eingang sanden. Die breitrandigen Cordobeser der Männer entstiegen den Truhen und die Cofradias, die Bruderschaften von Frommen aller Stände, bereiteten sich mit ihren bunten, mittel­alterlichen Femetrachten auf die feierliche Pro» zesfwn vor. Klima des Landes, Charakter des Volkes haben hier eine andere Auffas- fung des Osterfestes geschaffen als im verinnerlichten Deutschland. Man respektiert auch hier die Leidenswoche des Erlösers, aber man luhlt, je weiter man nach Süden kommt, oaß die Karwoche für den Durchschnittsspanier em Unterdrücken der schon vorgefühlten Auferstehungsfeier ist, die ihren farbenprächtigen pompösen Höhepunkt seit undenklicher Zeit in Sevilla findet.

Die unerhörte Menge von schaulustigen Frern- oen, die aus allen Erdteilen zu den berühmten Prozessionen nach Sevilla strömen, brachte natürlich auch eine geschäftemachende, sehr Welt- Sremdenindustrie mit sich. Aber wer sich ^uye nahm, das Empfinden des Volkes wirk­lich zu studieren, der sah, daß dieser Leidenschafts­ausbruch in Form religiöser Prozessionen alles anöere war als ein fremdenindustrieller Rum- ÄrfjÄ« ^e Osterwoche ist und bleibt die typifchste Offenbarung des national-spanischen, re- ligwsen Empfindens. Eine kindliche naive Ver­ehrung äußert sich während der Rächte der Kar- tot£ l'e anderswo mit solcher Inbrunst gar m$t vorstellbar ist. Spontane Dittlieder und Lob- gesange steigen aus der Menge auf zu den präch- tigen Heiligen- und Mutter-Gottes-Statuen, die

Schmuck behängt, in feierlichen Ä rcn stundenlang durch die Straßen der ^tragen werden, bis das kühle Mvrgen- beendet. Der Richtspanier kann sich M Eigentümliche religiöse Empfinden kaum er- J?a8 1U Aohre Begeisterungsstürme aus- bestimmte, besonders verehrte Gna­denbilder m wogendem Schein eines Meeres von Kerzen d,e Kirchen verlassen DDn

K^^?»^nständige, spanische Poesie kam in diesem W b' nter Schloß und Riegel. Gerade die berühmtesten Prozessionen haben mit wenigen Aus­nahmen nicht ft a 11 f i n b e n können Die Kirche jche" Remwli^ ^rteidigungszustand gegen die weit- uche Republik, die das Kreuz aus den Schulen ent. fernt hat, und die die Religion auch von der Straße verbannen will, auf die sie in diesem Lande seit nJS Srkn ein Recht hat. Zwar hat man feine Unterschiebe gemacht zwischen Prozessionen und Pro. Zessionen. Die einen, die nichts anderem dienten als der religiösen Erhebung ihrer Teilnehmer, sollten und durften Nicht stattfinden, die anderen, die darüber hinaus die Schaulust von Fremden befriedigten toütcn umjeben Preis stattfinben ... Unb weil bi e Kirche sich weigerte, hat man es ihr beinahe

die später als ein Monat nach Fälligkeit entrichtet worden sind, für die Zugehörigkeit zur Lohn­klasse künftig nicht mehr zu berücksichtigen sind.

Oie NSOAp.'Kandidaten für Heffen-Aaffau.

Fr a n t f u r t a. M. 30. März. (WSN.) Zu ben Landtagswahlen am 24. April hat die national- sozialistische Parteileitung folgende Kandidaten für Hessen-Nassau aufgestellt: 1. Karl Weinrich, Obersekretär in Kassel; 2. Dr. Friedrich Karl Krebs, Landgerichtsrat in Bad Homburg; 3. Walter Krü­ger, Hauptmann a. D. in Frankfurt a. M.; 4. Karl Vetter, Landwirt in Wanfried; 5. Roland Freis- ler, Rechtsanwalt in Kassel; 6. Willi Metz, Land­wirt in Kasdorf; 7. Adolf Beckerle, Diplomvolks­wirt in Frankfurt a. M.; 8. Fritz Lengemann, Bureauangestellter in Kassel; 9. Felix P i e k a r s k i, Obersekretär in Wiesbaden; 10. Konrad Verne, Kaufmann in Kassel.

Wegen Spionage zugunsten polens in Ostpreußen verhaftet.

Berlin, 30. März. (TA. Funkspruch.) Wie dieDAZ" aus Königsberg berichtet, 'ist der Oberlandjäger Borkowski in Wittenberg bei Tharau, der seit acht Zähren in Ostpreußen Dienst als Oberlandjäger tut, unter dem drin­genden Verdacht verhaftet worden, Pläne der Festungsanlagen in Königs­berg an Polen verraten zu ha­ben. Der Beschuldigte stand in enger Verbindung mit dem Königsberger pol­nischen Konsulat. Borkowski ist auch häufiger al£ es bei seinen dienstlichen Obliegenheiten er­forderlich gewesen wäre, nach Danzig ge­fahren, wo er mit den dortigen amtlichen pol­nischen Stellen in Verbindung getreten ist. Es ist anzunehmen, daß Borkowski keine amtlichen Pläne der Festungsanlagen in die Hand bekom­men hat, sondern daß er auf Grund seiner ar­tilleristischen Kenntnisse selbst Pläne an­fertigte, was ihm dadurch erleichtert wurde, daß er als Oberlandjäger zu den sonst verschlos­senen Festungsanlagen Zutritt gehabt hat. Bor­kowski sollte vor einiger Zeit befördert und von seinem jetzigen Posten verseht werden. Er hat jedoch sowohl die Versetzung wie die Be­förderung abgelehnt.

21 reichsdeuischen Lehrern im Memelland gekündigt.

Berlin, 30. März. (Funkspruch.) Wie bie DAZ. aus Memel berichtet, hat bas Direktorium S i m a i t i s am Mittwoch 21 reichsbeutschen Leh­rern gefünbigt. Bei bem größten Teil der gekün- bigten Lehrer handelt es sich um solche, bie nicht für bie litauische Staatsangehörig­keitoptieren konnten, also Reichsbeutsche bleiben mußten, ber kleinere Teil besteht aus solchen Lehr- Personen, bie seinerzeit für Deutschland op­tiert hatten.

Aus aller Wett.

Tagung der Deutschen Gesellschaft für Lhirurgie.

Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie ist im Langenbeck-Dirchow-Haus in Berlin zu ihrer 56. Tagung zusammengetreten. Der Vorsitzende. Professor V o e l d e r - Halle, gedachte in sei­ner Eröffnungsrede des hundertsten Geburts­tages des Gründers der Gesellschaft, Franz Königs. Dann ging der Redner auf die Be­strebungen ein, die Chirurgie in eine Reihe von Spezialgebieten aufzusplittern. Voelcker warnte dringend davor aus Sorge um die Aus­bildung des ärztlichen Rachwuchses. Aerzte, so erklärte er. welche später die operative Kunst pflegen wollen, können diese nicht in engbegrenz- ten Spezialgebieten erlernen, sondern nur in einer allgemeinen chirurgischen Schulung auf brei­tester Grundlage. Als Hauptreferent des ersten Tages sprach Professor H e n s ch e n - Basel über das ThemaDie Leber in der Chirurgie".

Kirchenfeindliche Ausschreitungen in Spanien.

In ber Ortschaft Huescar in ber Provinz Gra­naba überfielen etwa 300 sogenannte Extremisten eine Prozession, bemächtigten sich ber in ber Prozession mitgeführten Fahnen unb zogen unter Absingen der Internationale durch die Dorfstraßen. Die Bewohner gerieten darüber in so starke (Erregung, baß sie verschiebentlich aus ben Häusern auf bie Unruhestifter feuerten unb einige von ihnen schwer verletzten. Die Gendarmerie stellte schließlich bie Ruhe wieder her.

Ein italienischer Sozialistenführer f.

In Paris ist im Alter von 75 Jahren der ehe­malige italienische Abgeordnete Filippo Turati, einer der bedeutendsten Führer des italienischen So­zialismus unb seit der faschistischen Aera das aner­kannte Haupt ber italienischen Emigranten, gestor- ben. In Canzo bei Como als Sproß einer alten lombardischen Abelsfamilie geboren, studierte Tu­rati in Bologna Rechtswissenschaften unb würbe dann Provinzialrat in Mailand, wandte sich jedoch bald dem sozialistischen Gedanken zu, und zwar in der Fassung von Karl Marx. Aus anarchistischen Fantasien führte er den italienischen Sozialismus auf den Weg wissenschaftlicher Begründung unb praktischer politischer Arbeit. Im Jahre 1891 be» grünbete er bie ZeitschriftChritica sociale", bie er bis 1903 selbst leitete. Später legte er ben Schwer­punkt auf die Tätigkeit im Parlament, dem er seit 1895 als Vertreter eines Mailänder Wahlkreises an­gehörte. Doch ist er dort seit der faschistischen Re­volution Ende Oktober 1922 zusammen mit bem ganzen italienischen Sozialismus lahmgelegt. Im Dezember 1926 wagte er mit Erfolg eine aben­teuerliche Flucht über Korsika nach Frankreich, wo er seitdem lebte.

Die Lebenshaltungskosten der Familie Sklarek.

Sm Sklarek-Prozeß bekundete der Buchmacher­gehilfe v. Lindenau, daß Willy Sklarek bei ihm im Jahre 1924 und 1928 60 000 bis 100 000 Mark in Wetten umgeseht habe. Es ei ein Verlust von etwa 20 000 Mark pro Ikahr ür Willy Skl. entstanden. Dann wurde die Schwägerin der Sklareks, Frau Barsch, vernom­men. Woher Willy Skl. jetzt das Geld zum Lebensunterhalt nehme, könne sie nicht sagen. Es würden ab und zu Schmucksachen der Frau Skl verkauft. Bors.:Vor zehn Minuten hat erst Willy Skl. gesagt, daß seine Frau überhaupt keinen Schmuck bekommen hat. Wissen Sie, ob Skl. irgendwo noch ein Bankkonto oder einen Safe mit einer Million hat?" Zeugin:Davon habe ^h keine Ahnung." Die Zeugin gab weiter cm, daß man sehr bescheiden lebe und für -k.A""agesfen den siebenköpfigen Haushalt nicht mehr als 2,50 Mark ausgebe. Auch die

nächste Zeugin äl f f a t, die früher Köchin hei D, Sklarek war, jetzt aber ohne Gehalt bei ihm lebL, machte ähnliche Aussagen. Die Zeugin Rich» ter, Hausangestellte von Willy Skl., bekundete, daß sie 40 Mark Gehalt bekomme, daß die Zah­lung aber sehr schleppend sei. Sie bleibe haupt­sächlich aus Anhänglichkeit bei der Familie Skl,. wo man sehr bescheiden lebe. Willy Skl. erklärte, daß er jetzt direkt verarmt lebe und schon auf der Suche nach einer billigeren Wohnung sei.

Wiederaufnahme des Bullerjahnversahrens angeordnet.

Der 4. Strafsenat des Reichsgerichts hat unter Mit» Wirkung des Senatspräsibenten Dr. Bünger beschlos­sen, bie Wieberaufnahme unb Erneuerung der Haupt» verhanblung gegen Bullerjahn anzuorbnen. Buller- jahn war am 11. Dezember 1925 vom 4. Strafsenat bes Reichsgerichts zu 15 Jahren Zuchthaus wegen Lanbesverrats verurteilt wor. ben. Davon hat Bullerjahn sechs Jahre verbüßt. Zur Vorbereitung seines Wieberaufnahmeverfahrens ist Bullerjahn bereits vor fast einem Jahre aus der 5)aft entlassen roorbep.

Furchtbares

Brandunglück in einem Agramer Filmatelier.

3n der Rächt zum Mittwoch ereignete sich i n> Agram ein furchtbares Brckstdnnglück, das fünf Tote und 29 Schwerverletzte forderte. Der Brand entstand durch feine Explosion in einem Filmatelier, das im zweiten Stockwerk eines sechsstöckigen Gebäudes untergebracht war. Das Feuer fand darauf neue Rahrung in einigen grp- ßen Kannen mit Benzin, die ebenfalls explo­dierten. Die Operateure sprangen sofort zum Fen­ster hinaus auf die Straße. Durch den ßuftörmf tour&eu im älmkreis von einem halben Kilometer zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert. Bald dar­auf wurden auch Die anderen Stock­werke vom Feuer erfaßt. Unter den Bewoh­nern des brennenden Hauses brach eine furcht­bare Panik aus. Die meisten sprangen blind­lings aus allen Stockwerken auf die Straße hinab wo sie tot oder schwerverletzt liegen blieben.

Familientragödie in Rormegen.

5n Verbal, in der Nähe von Drontheim, tötet ein 21jähriger junger Mann, vermutlich in einen Anfall von Geistesgestörtheit Vater und Mut^ ter unb seine sünf Geschwister im Alter von 4 bis 20 Jahren. Der Mörber legte bann an bas Wohnhaus Feuer unb benachrichtigte Feuer- wehr unb Polizei. Bereits in ben letzten Tagen waren bei dem Täter Anzeichen von tiefer innerer (Erregung zu bemerken. »

Eigenartiger Tod eines greisen verwandtenpaares.

.Q3cEIin wurden der 72jährige Rentner schlack und seine 65 Zähre alte Kusine Heint 'n der Küche ihrer Wohnung tot aufgefunden. Aus dem Herde brannte eine Gasflamme unter Topf. Topf und Inhalt waren völlig verkohlt. Die Untersuchung ergab keinen An- haltspünkt dafür, daß an den alten Leuten ein Verbrechen verübt war. Die Mordkommission erklärte den Unfall etwa folgendermaßen: Frau H^m sah vor dem Ofen und buk Kuchen. Schlack wusch sich in einer Schüssel. Plötzlich wuh sich Frau Heim durch eine unvorsichtige Bewegung die Hände verbrannt haben und auf den Stuhl zurückgesunken fein. Schlack wollte ihr zu Hilfe kommen. Als er entdeckte. Daß sie t o t war, hat er wahrscheinlich vor Schreck einen Herzschlag bekommen.

Folgenschwerer Familienskreit.

In Bad Wildungen erschoß ber 73jährige Pensionsinhaber Grünert im Streit um bie (Ein­tragung einer Hypothek seinen etwa 50 Jahre alten Schwiegersohn, ben Gastwirt Kaiser aus Jesberg, ©runert selbst starb nach ber Tat infolge ber er- httenen Aufregung an einem Herzschlag.

Beim Golfspielen vom Blih getötet.

ÄnMaidenhead (Themse) wurden während eines schweren Gewitters auf dem Golfplatz eii, Spieler und sein Stockträger durch einen Blitz ge­tötet. Der Spieler hatte mit dem Jungen unters einem Golfschirm Zuflucht gesucht.

von Erdmasien verschüttet und getötet.

In Bad Ems wurde der auf der Schutthalde derBlei-undSilberhütte beschäftigte Ar­beiter Gensmann aus Becheln durch einbrechende Erdmassen verschüttet. Trotz sofortiger Der- gungsmaßnahmen konnte der Verunglückte nicht mehr lebend geborgen werden. Erst nach halb- stündiger angestrengter Tätigkeit gelang es, den Verschütteten zu befreien. Der Tod war bereits eingetreten.

In der Syrischen Düste verschollen.

Der vom Völkerbund mit ber Festlegung ber !?Lenrd1UIDlfd)e.n Syrien unb bem Irak beauftragte Dberft Reynier ist nach einer Meldung aus Da« masfus in ber Syrischen Wüste verschollen. Oberst Reynier war mit seinem Begleiter imFlug. zeug aufgestiegen, ufn sich von Beiruth nach Bagbab zu begeben, unb ist dort nicht eingetroffen. Sofort ausgefanbte Hilfsapparate haben inmitten ber Wüste bieTrümmer bes Flug- Zeugs aufgefunben, ohne aber eine Spur ber In- fassen zu entdecken.

Line römische Garnisonsloöt in Lybien ausgegraben.

Der Altertumsforscher Prof. I u n t e r hat soeben in ber Lybischen Wüste bie Ueberrefte einer kleinen antiken Stabt entdeckt. Vermutlich handelt es sich um eine Öarnifonftabt aus ber Zeit bes römischen Imperium. Der Funbort befindet sich etwa 80 Kilometer von ber Oase Baharia entfeint. Bis jetzt finb bie Ruinen von 60 Gebäuden, deren jedes etwa 5, bis 6 Räume enthielt, ausgegraben worden. Prof. Iunter wurde durch einen" Araber, der an der Ausgrabungsstelle mehrere alte Gold­münzen fand, auf die Spur der verschütteten Stadt gebracht.

Eine Kirche durch Feuer vernichtet.

Sn Zuid-Beijerland in der Provinz Sud-Hol­land wurde die aus dem Fahre 1679 stammende reformierte Kirche durch Feuer vernichtet Die Feuerwehr stand dem Brand machtlos gegenüber Sie mußte sich darauf beschränken, ein Ueber- greifen auf die umliegenden Häuser zu verhin­dern. Trotz ihrer Bemühungen wurden aber außer der Kirche noch zwei Wohn Häuser in Asche gelegt. Opfer an Menschenleben sind nicht zu be­klagen.

vom Omnibus überfahren und getötet.

Ein von Lorch kommender vollbesetzter Omni­bus überfuhr unterhalb des Kurhauses Aßmanns- Hausen em Mädchen, das während es einet? Person im gerade vorbeifahrenden Zug zuwinktt. rückwärts den Bürgersteig der Rheinuferstraße verlassen und in den Wagen hineingelaufen war. Die Verletzungen des Mädchens waren so schwer, datz der LS yach Migm MstwLen einte* j

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