Ausgabe 
30.12.1932 Frühausgabe
 
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Wie dieDAZ." erfährt, befinden sich die drei des Mordes an Hentsch beschuldigten SA.-Leute Schenk, Fränkel und Woicik in Südtirol und zwar in Bozen, lieber die Flucht selbst, den Flucht­weg, die Vorbereitungen und die Beihilfe, die ihnen zuteil geworden ist, hätten die Ermittlungen be­reits bestimmte AnhaltspuiTkte ergeben. Auch die Braut des vermutlichen Haupttäters Schenk, deren Bruder schon verhaftet worden ist, soll i n - zwischen flüchtig geworden sein und sich wahrscheinlich ebenfalls nach Bozen begeben haben. Das sächsische Justizministerium hat bereits an das Auswärtige Amt das Ersuchen gerichtet, einen Antrag auf Auslieferung der Verdäch­tigen bei der italienischen Regierung zu stellen. Es wird zur Zeit erforscht, wer den 'bret Flüchtigen die Mittel zur Flucht gegeben, wer sie zur Flucht veranlaßt hat und von wem sie heute noch im Auslande unterstützt werden.

Der flüchtige Sturmführer Schenk ist im Juni 1931 aus der Reichswehr entlassen wor­den. Er war Oberjäger beim 10. Infanterie-Regi­ment in Dresden. Gegen Schenk war seinerzeit ein militärisches Entlassungsverfahren eingeleitet wor­den, weil er verbotenerweise enge Beziehungen zu der nationalsozialistischen SA. unterhielt. Während dieses Verfahrens hatte Schenk seine Verlobungs­anzeige, mit einem Hakenkreuz versehen, in der Dresdner nationalsozialistischen Zeitung veröffent­licht, was wiederum zu einem Strafverfahren gegen ihn führte.

Kunst und Wissenschaft.

Ausstellung von Richard-D^gner-handfchriften in Bayreuth.

Das bevorstehende Wagner-Gedenkjahr 1953 wird dir unter dem Äamen »W a h n f r i e d- Archiv" bekannte und berühmte Hunds'^risten- sammlung des Hauses Wahnfried zum erstenmal der OefsentliHkcit zugängli ch machen. Diese Samm­lung umfaßt alle irgendwie erreichbar gewesenen handschriftlichen Urkunden Richard Wa-ners. von den Reinschristpartituren seiner großen Werke über die Orchester- und Kornpositionsski^en zurück bis zum flüchtig hingeworsenen ersten Ein­fall auf losem Zettel und endlich auch die Urschrif­ten seiner zahllosen Briefe. Die Sammlung wurde bisher streng vor der Oeffentlichteit behütet. Dank d m Entgegenkommen von Frau Winifred Wagner ist nun die Stadt Bayreuth in den Stand gesetzt, eine nach einem bestimmten Plan zu treffende, die Schafsensweise Richard Wagners gut veranschaulichende Auswahl aus den kostbaren Schätzen des Wahnfried-Archivs in Gestalt einer Ausstellung in den Sommermonaten des 2'ahres 1933 den Besuchern Bayreuths und den Festspiel­gästen darzubieten. Mit der Zusammenstellung und Leitung dieser einmaligen Ausstellung wurde der Wagner-Forscher Dr. Otto Strobel beauf­tragt.

Aus aller Welt.

Karl Lindstrom s.

In Berlin starb nach kurzem Krankenlager der Gründer der Karl Lindstrom AG., Karl Lind­strom, im Alter von 63 Jahren. Die Lindstrom AG. fabriziert die Schallplatten-Marken Columbia, Odeon, Parlophon und Beka.

Gutsbesitzer von Räubern überfallen und getötet.

Drei maskierte Räuber drangen in einer der letzten Nächte in das Besitztum des Gutsbesitzers Schulze-Wedding in Appelhülsen bei Mün­ster (Westfalen) ein. Der Gutsherr wurde von den Räubern durch einen Schuß getötet.

Ein Einbrecher

im Kampf mit einem Polizeibeamten erschossen.

In der Nacht drangen zwei Einbrecher in den Keller eines Koloniolwarengeschäfts in Reinicken- dorf-Ost bei Berlin ein. Hauseinwohner benachrich­tigten einen im gleichen Hause wohnenden Haupt­wachtmeister. Als dieser den Keller betrat, wurde er von den Einbrechern mit einer Brech st ange zu Boden geschlagen. Der Beamte erhielt eine schwere Kopfverletzung. In der Notwehr gab er einen Schuß ab und verletzte den einen

TerVordhulid rettet ein deutsches Ll-doot vor dem Untergang.

Von E Freiherrn von Spiegel.

Nachdruck verboten.

Der Verfasser ist ein bekannter deutscher U-Bootführer des Weltkrieges, dessen Er­lebnisse auch einem Film <,Morgenrot") zugrundegelegt wurden.

Dies ist eine eigenartige Geschichte, denn sie Zeigt, wie ein kleiner Hund ein großes deutsches U-Boot zweimal norm Untergang bewahrte und feiner 45-Mann-Besatzuna das Leben rettete.

Es handelt sich um unseren Bordhund M a s k i, seines Zeichens ein fuchsfarbener, chinesischer Chow- dog, ähnlich den Polarhunden mit der topischen schwarz-blauen Zunge. Als ich ihn vier Jayre vor dem Krieg als rotes Wollknäuel in dem Chinesen- zampan entdeckte, der im Hasen von Hongkong neben dem Fallreep unseres Kanonenbootes jchau- feite, und einen Silberdollar für ihn runterwarf, kam ein hutzeliges Chinesenweib heraufgewatschelt und übergab ihn mir mit dem typischsten aller Chinesenworte:maski",bitt' scyön never- mind."

Die tropenheißen Planken des Südsee-Kanonen- boots wurden seine Heimat, und als er größer wurde, machte er zu seinem Stammbaum den Fockmast. Das Land verachtete er, sein einziges Interesse galt dem Wasser und allem, was sich um unser Schiff herum auf dem Wasser abspielte. Das wurde mit Gebell begrüßt, egal, ob es Treib­holz, vorb eiziehende Schiffe, springende Delphine oder spielende Möwen waren.

Maski wurde unser treuer Begleiter auf allen unseren fernen U-Boottsahrten im Krieg. Nur, wenn wir einen besonders gefährlichen Auftrag hatten, ließen wir ihn an Land zurück.

*

Wir hatten in Sicht der irischen Küste einen englischen Dampfer torpediert, dessen Besatzung nun in zwei Booten auf dem Wasser lag. In halbauf- getauchtem Zustand ließ ich das Turmluk öffnen, kletterte heraus und befahl dem Kapitän des ge­sunkenen Schiffes, mir feine Schisispapiere und Ladelisten längsseits zu bringen. Da wir stunden­lang unter Wasser gefahren waren, hatte ich Maski aus bestimmten Gründen an Deck gesetzt. Pflichtgemäß eilte er zur Ankerklüse, denn er war ein vollkommen decksreiner Bordhund.

Einbrecher schwer, der zweite flüchtete. Der Ein­brecher st a r b vor seiner Einlieferung ins Kranken» Haus.

Reue erfolgreiche Probefahrt desFliegenden Hamburgers".

Der neue Schnelltriebwagen der Reichsbahn, der sogFliegende Hamburger", der feine jüngste Fahrt mit einer ganzen Reihe bekannter Persönlich feiten als Fahrgäste unternahm, brauchte für die Strecke Berlin Hamburg nur 138 Minuten gegenüber 142 Minuten auf sei­nen früheren Probefahrten. Unter den Fahrtteil­nehmern befanden sich u. a. Staatssekretär Dr. Meißner als Vertreter des Reichspräsidenten, Staatssekretär Planck als Vertreter der Reichs­

te gierung, der Generaldirektor der Deutschen Reichs­bahn Dr. Dorpmüller, ferner mehrere höhere Beamte des Reichsoerkehrsm:n:steriums, Professoren der Universitäten und Technischen Hochschulen usw. Unter den geladenen Hamburgern befanden sich u. a. der Präsident der Hamburger Handelskammer N o 11 e b o h m, Geheimrat Dr. Cuno, Dr. Mel­chior und Max Warburg.

Feuerwehrauto verunglückt. Lin Toter, vier Schwerverletzte.

Die Motorspritze aus dem toürttembergischeu Schwarzwalddorfe Stockach wurde zu einem Brande nach Mühlingen gerufen. 3n der Rähe der Kosakenbrücke kam der schwere Wagen in einer scharfen Kurve infolge Glatteis ins

Rutschen, durchbrach Las Geländer der Brücke, stürzte eine steile Böschung hinunter und legte sich im Bach auf die Seite. Von den 15 Mann Besatzung war der Friseur Hepp sofort t o t, vier andere Feuerwehrleute erlitten schwere Verletzungen und wurden nach dem Kran­kenhaus Stockach übergeführt. Bei dem Brand in Mühlingen wurden die Scheune, die Stal­lungen und das Sagewerk eines Landwirts ein» geä schert.

62 Tote des Unterweltkrieges in Lhikago.

3m 3 ahre 1 932 sind bisher bei den Schie­ßereien in der Chikagoer Unterwelt 4 3 G a n g - sters und 19 Sch uh leu te getö tet wor­den.

Wie sehen uns die Andern?

Eine weltpolitische Rundschau unserer Ausländskorrespondenten zur Jahreswende 1932/33

Die Reiche des Nordens.

Vom No dmeer zum Belt.

Von unserem Dr. P. ^.-Berichterstatter.

Stockholm, Ende Dezember 1932.

Bis in die graue Vorzeit ragen die Beziehungen zwischen Deutschland und beim germanischen Norden zurück. Nicht immer waren sie ftvedLicher Art. Doch die Bande der gemeinsamen Abstammung, der Ver­wandtschaft in Wesen, Sprache und Kultur verleug­neten sich nie. Von Deutschland aus fand das Chri­stentum, fand das Werk Martin Luthers und alle großen Kultur strömungen den We g über die Ost­see nach dem Norden. Gerade jetzt haben Deutsch­land und das größte der Nordländer g-cm:'infam die Erinnerung an den schwedischen H e l d e n k ö n i g gefeiert, der vor 300 Jahren auf deutscher Erde den Heldentod starb.

Siandinav.en ist weder politisch noch wirtschaftlich eine Einheit und es ist da­her unmöglich, fein Verhältnis zu Deutschland mit einem Wort zu bezeichnen. Eine Neibungsfläche be­steht nur an der deutsch-dänischen Grenze. Zwischen Deutschland und Schweden sind die alten Freundschaftsbande trotz zeitweiliger han­delspolitischer Trüburgen doch nie ernsthaft auf die Probe gestellt worden. Von der Animosität, die in Norwegen in manchen Devölkerurgskrcisen während des Weltkrieges gegen uns zum Ausdruck kam, ist jetzt nur selten mehr etwas zu spüren. Mit Finnland schließlich verbindet uns die Blut- gemeinschaft des finnischen Freiheitskrieges, wo deutsche Regimenter Seite an Seite mit Finnlands weißer Garde aus dem russischen Großfürstentum das freie Finnland erstehen ließen.

Die Frage: ..Sind die Nordländer deutsch­freundlich?" wird oft gestellt, läßt sich aber we­der für ganz Skandinavien, noch für die einzel­nen Nordländer mit einem glatten 3a und noch viel weniger mit einem Rein beantworten. So viel kann man jedoch sagen, daß im besonderen di e akademische 3ugend noch immer d i e deutschen Hochschulen bevorzugt, daß deutsch vor oder neben englisch die wich­tigste Fremdsprache ist und daß unter den Gebildeten, in der Kaufmannschaft und gerade in den Berufen, die mit dem Ausland eine direkte Fühlung haben, ein großer Teil sich ohne Vor­behalt als Deutschfreunde bekennt.

Seit langem hat im besonderen d ie fran­zösische Kulturpropaganda zielbewußt versucht, den deutschen Kultur ftnfluß zurückzu­drängen. 3n den letzten Monaten haben wir es erlebt, daß die Dalutaentwicklung das Wirtschaftsleben der Nordländer in ein enges, beinahe Ab h ä n g i g ke i t s ver h ä l t ni s z u England brachte und daß überall in Skandina­vien eine wirtschaftspolitische Reuorientierung: »weg von Deutschland, hin zu England!" propa­giert wurde. Doch diese Rufe find schon jetzt sehr viel schwächer geworden. Die deutsch- nordischen Handelsbeziehungen sind so fest und er-

Wie ich nun oben auf dem Turm stehe und in die Bücher und Papiere sehe, die der englische Gupta in mir reicht, und mir Notizen für das Kriegstagebuch mache, höre ich plötzlich Maski vorne am Bug bellen. Natürlich blicke ich hoch und sehe, wie er mit gesträubtem Kragen etwa drei Strich nach Steuerbord wütend in die Ge­gend kläfft. Und als meine Augen der Richtung seines Körpers von der fahnenartig ausgestreckten Rute bis zu der spitzen Fuchsnase folgen, sehe ich in geringem Abstand die Spitze eines U-Boot- sehrohrs munter schäumend durchs Wasser ziehen. Heilige U-Johanna, das konnte nur ein Eng­länder sein! Also: ,^>art Backbord! Backbord Maschine äußerste Kraft zurück! Steuerbord vor­aus!"

Na, also ich versichere unter Eid, es war der letzte Augenblick. Unser braves Boot drehte unter dem Druck von Schrauben und Ruder wie ein Ski­meister im Telemack und war kaum 90 Grad herum, da waren die englischen Torpedos schon heran und passierten, weiße Luftstreifen hinter sich herziehend, unsere Steuerbord- und Backbordseite. Hätte unser wachsamer Ausguck am Bug den bösen Feind nicht durch fein Bellen verraten, bann hätten wir ihm unsere Breitseite geboten und wären mit größter Wahrscheinlichkeit von seinen Torpedos getroffen und vernichtet worden ...

*

Das zweitemal war noch sonderbarer. Wir hatten einen kleinen Dampfer in der Biskaya durch War­nungsschuß zum Stoppen gezwungen und fuhren, nachdem die Besatzung das Schiff in zwei Booten mrlassen hatte, in seine Nähe, um es mit wenigen Granaten zu versenken. Für einen Torpedo erschien uns das Objekt nicht wertvoll genug, denn die we­nigen Torpedos sparten wir für fettere Happen. Die See war glatt wie ein Teich, und außer dem verlassenen Dampfer weit und breit nichts in Sicht.

Ich stand an Deck zwischen Turm und vorderem Geschütz, um nach beiden Seiten Befehle erteilen zu können. Der Geschützführer hatte bas Auge im Fernrohr und den Finger am Abzug und wartete darauf, losgelassen zu werden. Dor mir auf dem Tauchtank stand Maski und bellte den immer näher kommenden, verlassenen Dampfer aus vollem Halse an, was natürlich sein gutes Recht war, denn wie sollte sonst ein Bordhund auf seine Kosten kommen.

Grade will ich stoppen und die Schrauben rück­wärts schlagen laßen, als ich glaube, ich hörte nicht recht. Und mir war plötzlich so, als ob ich drei Hände voll Ameisen unter der Ledermütze hätte, denn drüben antwortet hell und unverkennbar eine keifende Hundestimme auf das melodische Bellen

gänzen sich so glücklich, daß eine dauernde Stö­rung kaum denkbar ist. Doch gilt es, auf der Hut zu sein. Machtpolitisch haben seit mehr als einem 3ahrhundert zwischen Deutschland und dem eigentlichen Skandinavien niemals ernste Gegen­

sätze, sondern nur freundschaftliche Beziehungen bestanden. 3m besonderen wird das mannhafte Eintreten Schwedens in einer Zeit, wo sa't die ganze Welt gegen und stand bei uns unver­gessen bleiben.

Von Kairo bis Kapstadt.

Don unserem l-.Berichterstatter.

Kairo, im Dezember 1932.

Um in der Sprache englischer Thronreden zu sprechen: die Beziehungen Deutschlands zu den verschiedenen Ländern Afrikas, soweit sie nicht ausgesprvche. .e Einfluß geb iete europäischer Groß­mächte sind, haben sich seit Ende des Krieges er­freulicherweise von 3ahr zu 3ahr ver- bessert. Ein Blick auf die Außenhandelsstatistik zeigt, daß Afrika ein immer stärkeres Absatzgebiet für deutsche Erzeug­nisse wird. Das ist um so bemerkenswerter, als der deutsche Handel in den sogenannten Man­datsgebieten, die früher deutscher Kolonialbesitz waren, auf alle möglichen unnatürlichen Hinder­nisse stößt. Es geht nicht an und das Genfer äleberparlament sollte sich dieses Falles einmal annehmen, daß die Mandatare die Liefe­rungsausträge, die ihre Schützlinge zu vergeben haben, ausschließlich in ihren eigenen Ländern un- terbringerr. Aber das sei nur nebenbei erwähnt.

Mit Aegypten ist Deutschland durch freund­schaftlichste Beziehungen verbunden. Das ist eine Tatsache, die auch nicht durch den Fall der in Ber­lin verbliebenen Büste der Königin Nofretete ge­trübt werden konnte. Die deutsche Wissenschaft fin­det auch heute noch in Aeoypten ständig verständ­nisvolle Förderung und Unterstützung, und beide Völker ergänzen sich auf wirtschaftlichem Gebiet. Das große Interesse, das England an Aegypten als eine der großen Schlüsselstellungen des englischen Weltreiches hat, ist dank dem Streben der ägypti­schen Regierung und Wirtschaft wenigstens nach ökonomischer Unabhängigkeit auf den Handel mit Deutschland ohne sichtbaren Ein- f l u ß. Das ist ein Kennzeichen auffteigenber Ent­wicklung. Schon der Vater des zur Zeit regieren* den Königs Fuad hat vor vielen Jahren als Khe- dive das Wort geprägt:Aegypten liegt in Europa nicht mehr in Afrika." Das moderne Aegypten hat diesen Leitspruch in die Tat umgesetzt. Die seit drei Jahren herrschende Welt­wirtschaftskrise hat auch für die wertvolle ägyptische Baumwolle im Zusammenhang mit der Devi­senfrage Absatzschwierigkeiten gebracht. Was lag näher, als mit anderen Ländern, die für Aegypten brauchbare Güter bereithielten, Warenaus­tausch - Abmachungen zu treffen. Einer der ersten Staaten, deren Handelsinteressenten sich zu diesem vernünftigen Verfahren entschlossen, war Deutsch­land. Im Herbst dieses Jahres wurde mit Zustim­mung der zuständigen deutschen Stellen ein Vertrag perfekt, wonach die ägyptische Regierung vom Stick*

t 11 I I I III »ill ! IWIIWII TI 11| IIHIIMWII! I IMII Bll Wl IUI III unseres Maski. Ein Hund auf dem verlassenen Schiff? Der Leutnant neben mir hat es auch gehört, denn er fährt herum und sieht mich entgeistert a i. Wir dachten in Sekundenschnelle dasselbe: W o ein Hund ist, sind auch Menschen. Kein Seemann läßt ohne Not seinen Hund zurück. Und wo Menschen sich versteckt halten, da stinkt etwas. Da ist dicke Lust, Gefahr! U-Bootsfalle! Himmel- kreuzdonnerd'ck!

Beide Maschinen dreimal äußerste voraus! H-art Backbord! Geschützbedienung ans achtere Geschütz! Beide Hecktorpedorohre fertig zum Schuß!" Hei, da kam Leben in unser Boot. Mit einem Satz war ich oben auf dem Turm. Der Leutnant sprang mit Maski unter dem Arm hinterher. Der Hund bellte noch den Dampfer an. Schon donnerte unser erster Schuß vom Heckgeschütz und die Schrauben quirlten weißen Schaum, als der Dampfer sich tatsächlich als Falle demaskierte und hinter rasselnden Klap­pen Kanonen erschienen. Und auf die englischen Granaten brauchen wir nicht lange zu warten. Aber da die Entfernung schnell zunahm und unser Heckgeschütz auch nicht schlecht schoß, kamen wir mit einem lacken Oeltank und zwei Leichtverwundeten davon.

Wer aber kann wissen, was geschehen märe, wenn die Stimme unseres braven Maski nicht das Echo feiner englischen Bruderseele heroorgelockt hätte, das uns im letzten Augenblick davon abhielt, uns vertrauensselig mit gestopptem Boot neben unser Verderben zu legen. Ich bezweifle nur, daß es dem Bordhund der U Bootsfalle, der nur seine Hundepflicht getan und doch fein Schiff um die ersehnte Beute gebracht hatte, in den nächsten Ta­gen ebensogut ergangen ist wie unserem Maski, der sich vor Liebesgaben nicht zu retten wußte und in der Not seines Magens zum erstenmal feit feiner Südseejugend die heiligen Planken eines Kriegs­schiffsdecks beschmutzte.

Was aber auf einem U-Boot nach dem nächsten Tauchen nicht mehr zu sehen war ... und über­haupt ..., auf so einem U-Boot!

Oie honorierte Grobheit.

Der Maler 6t in Hannover war in alten schö­nen Zeiten lange vor dem Krieg als saugrobes Genie bekannt. Einmal bekam ein Buchhändler von einem Sammler den Auftrag, ihm ein Auto­gramm dieses Künstlers zu besorgen, etwa für 100 Mark. St. gab aber keine Autogramme, grundsätzlich nicht Der Buchhändler wußte sich Rat Er schickte an St, den er kaum kannte und noch nie als Kunden gehabt hatte, eine betrqcht-

stoffsyndikat 50 000 Tonnen Stickstoff im um eren Wert von 5 Millionen Mark kaufte.

pten dagegen lieferte an eine Gruppe von Bremer Baumwollhäusern ein im Werte gleiches Quantum ägyptischer Baumwolle. Das Geschäft ist der deutschen Baumwollindustrie sehr zustatten ge­kommen, und die Devisen sind im Lande geblieben. Aegypten ist für Deutschland auch heute noch das bedeutendste Absatzgebiet in Afrika. Die deutsche Ausfuhr in das Nil-Land hatte sich 1929 im Ver­gleich zu 1914-13 fast verdoppelt und ist auch heute noch erheblich höher als im letzten Jahre vor dem Kriege.

Ein Land großer Möglichkeiten für deutschen Llntemehmungsgeist ist Abessinien, von dem man in Deutschland leider viel zu wenig weiß. Die weitgehende Motors erung des ganzen Erd­teils, die die Bedeutung der afrikanischen Absatz­märkte so stark vermehrt hat, ist der Grund, warum auch das Land des großen Haile Se- lassie I. (Ras Safari) immer mehr in den Be­reich des internationalen Handels rückt Die

Durch seine enge Verflechtung mit dem bri­tischen Weltreich ist E ü d a f r i k a für die deutsche Wirtschaftspolitik ein nicht immer leicht zu be­handelndes Gebiet gewesen: aber auch hier gilt der Grundsatz, daß sich mit Klugheit und Takt manches erreichen läßt. Wenn auch die Han­delsbilanz miC Südafrika zur Zeit leicht Passiv ist, so gehört Südafrika neben Aegyp­ten doch zu den für Deutschland wichtigsten Absatzländern des Kontinents. Cs ist zu hoffen, daß durch die Verpflichtungen, die Südafrika in, Ottawa eingegangen ist, der deutsche Handel nicht allzu stark betroffen wird. Auf die Prä- ferenzklausel haben wir leider verzichten müi?:n. 3mmerhin kann der Güte deutscher Waren durch keinerlei vertragliche Bestimmungen Abbruch ge­tan werden. Die Hilfe der deutschen Wissenschaft bei der Goldgewinnung hat unser Ansehen stark gehoben, und es hat sich gezeigt, daß die Ein­verleibung Deutsch-Südwests wenigstens nicht zu unserem Rachteil ausgeschlagen ist. Ein ausgesprochener 'Erfolg jüngeren Daiums ist so­gar die Zulassung der deutschen Sprache als Amtssprache in diesem Gebiert Die S'arkung des Deutschtums in Südwest wird dazu beitragen, die regen Handelsbeziehungen zu Südafrika insgesamt noch weiter auszubauen. 3n Südafrika findet der deutsche Auswanderer, sofern er über leidliche Mittel verfügt, eine gute Aufnahme und ein verwandtes Volkstum.

lich hohe Antiquariatsrechnung und schrieb dazu: Herr St. hätte sich nun wohl Zeit genug gelassen, die Rechnung zu bezahlen: jetzt aber platze ihm die Geduld und er bitte Herrn St. so dringend wie höflich, die Zahlung sogleich usw. St. war, wie Augenzeugen berichten, starr. Richt lange: dann setzte er sich hin und schrieb dein Buchhändler einen Brief einen Brief . . .! Sv herrlich und geistvoll saugrob, daß der Buchhändler im sie­benten Himmel war und seinem Kunden statt hun­dert Mark einhundertsün^zig mit Leich tigke't für dieses originelle Autogramm advertangen konnte.

Oie älteste Katze der We^t.

Unter einer Menge fossiler Knochen, die von der Scott-Fund-Expedition in Süd-Dakota auegegra« den wurden, sand sich auch der Schädel eines prähistorischen Säbelzahntigers, dessen Alter auf acht bis neun Millionen Jahre geschätzt wird. Von dieser Tigerart stammen alle noch heute lebenden Katzen ab. Da der Schädel in einer älteren Schicht lag als alle bisher aufgefundenen Katzenfossilien, darf man seinen Träger mit Recht als die birlang älteste Katze der Welt betrachten. Unsere Haus­katze stammt natürlich nicht unmittelbar von die­sem Katzen Urvater ab. Ihre unmittelbaren Ahnen sind die ägyptische Falbkatze und die nordis^e Wildkatze.

6o<bfd)ulnodirid>f6n.

Das Ordinariat für römisches und bürgerliches Recht an der ilniDerfität Frankfurt ist dem o. Professor Dr. A. B. Schwarz in Frei­burg angeboten worden.

Zur Besetzung des Frankfurter botanischen Lehrstuhls ist ein Ruf an Professor Dr. E. G. Pringsheim in Prag ergangen.

Dem o. Professor für Mirtschafts- und Sozial- wissenschasten an der Llniversität 3e n a, Dr. rer. pol. C. von Diehe ist ein Lehrstuhl für Dationalökonomie an der Llniversität Berlin angeboten worden.

Der Privatdozent der Zoologie an der Llniver- sität Münster, Dr. C. K o h w i g , hat einen Ruf an die Technische Hochschule in Braun­schweig erhalten.

Professor Dr. rer. nat. G. Woermann an der Technischen Hochschule in D a n z i g hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der landwirtschaftlichen Betriebslehre an der ^Universität H a l l e erhalten.