Personen: von diesen Todesopfern des Juli waren 32 Nationalsozialisten, 16 Kommunisten, 4 Angehörige der Eisernen Front und 11 sonstige Opfer von Zusammenstößen, die vor dem 2 0. Juli, dem Tage der Einsetzung des Reichskommissars, erfolgten. Don den Juli-Opfern wurden 8 Kommunisten durch Polizeibeamte getötet. Unter der Zahl der politisch nicht näher Gekennzeichneten in der Statistik befinden sich zwei getötete Polizei beamte. Im August belief sich die Zahl der Opfer auf 1 Nationalsozialisten, 2 Kommunisten, 4 Angehörige der Eisernen Front und einen nicht näher Gekennzeichneten.
Keine Hinbenburgseier in Anhalt
Dessau, 29. Sept. (END.) Das anhal- tische Staatsministerium gibt folgendes bekannt: „Der Anregung des NeichSministers des Innern, am 2. Oktober die Dienstgebäude des Landes und der öffentlichen Verbände zu beflaggen, in den Schulen am 1. oder 3. Oktober des Geburtstages des Herrn Reichspräsidenten in schlichten Feiern zu gedenken und im Anschluß an diese Feiern den Unterricht ausfallen zu lassen, hat das Staatsministerium keine Folge gegeben. Der Vorschlag des Staatsministers Dr. Knorr (deutschnat.), des 2. Oktobers entsprechend der Anregung des Herrn Reichsministers und dem Vorgehen Preußens zu gedenken, hat sich nicht verwirklichen lassen, da über diese Frage eine Hebet* einstimmung nicht erzielt werden konnte."
Weite Kreise der Dessauer Bürgerschaft planen trotz dieses Beschlusses des Staatsministeriums, das sich aus dem nationalsozialistischen Ministerpräsidenten Frehberg und dem deutschnationalen Staatsminister Dr. Knorr zusammensetzt, den Geburtstag deö Reichspräsidenten auf überparteilicher Grundlage durch eine Kundgebung würdig zu begehen. Es wird mit der Wahrscheinlichkeit des Erscheinens des Reichsinnenministers hierzu gerechnet.
OieKircheanHindenburgs Geburtstag
Berlin, 29. Sept. (TU.) Der Evangelische Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union hat angeordnet, daß am 85. Geburtstag des Reichspräsidenten d i e landeskirchlichen Dienstgebäude die Kirchenfahnen zeigen sollen. Zugleich hat er die Gemeinden zur Beflaggung der Kirchen aufgefordert. Im übrigen vertraut die oberste Kirchenbehörde darauf, daß in den Gottesdiensten des 2.Oktober überall des Reichspräsidenten fürbittend gedacht werden wird.
Nationalsozialistischer Gauparteitag in Wien.
Wien, 29. Sept. (TU.) Der nationalsozialistische Gauparteitag in Wien begann am Donnerstag mit einer großen Kundgebung in der 15 000 Menschen fassenden Sportarena Engelmann, in der Abgeordneter Straßer spricht. Der Angriffston der Linkspresse hat eine ziemlich erregte Stimmung geschaffen. Die Polizei hat deshalb die Kundgebungen unter freiem Himmel auf die Sonntagkundgebung am Held enplatz beschränkt, in der Reichstags- Präsident Gört ng sprechen wird. Nur für diese ist auch das Abziehen in geschlossenen Massen gestattet worden, iedoch ist auch für diesen Umzug über den Ring das Tragen der braunen Hemden verboten. Die gesamte Polizeimannschaft steht in Alarmbereitschaft. Bereits in den frühen Abendstunden wurden Nationalsozialisten in einer ganzen Reihe Wiener Bezirke überfallen. Acht Personen wurden verletzt, 16 verhaftet. Klebekolonnen der Sozialdemokraten haben vielfach auf den nationalsozialistischen Plakaten die Hakenkreuze mit dem Drei-Pfeil-Abzeichen überklebt, oder die Plakate heruntergerissen.
„Im weißen Rössl am Wolfgangsee..."
Von Wilhelm Georg.
St. Wolfgang am See, Herbst 1932.
Nun sitze ich also wirklich im „W e i ß e n Ross l", das ich so oft auf der gemalten Leinwand im Theater sah, das schon vor beinah vier Jahrzehnten als Lustspiel die ganze Welt entzückte, und das als Revue in der Aufmachung Benatzkys jetzt wieder in den Musentempeln „volle Häuser" macht, das — man höre und staune — in der verflossenen Woche zum 425. Male im Wiener Stadttheater gegeben worden ist. Kein Wunder, daß bei der Reklame, die die Bühne für den „historisch" gewordenen Gasthof macht, die Anziehungskraft des „Weißen Rössl" ins Gigantische gestiegen ist. Man veranstaltet Autosonderfahrten ab Salzburg, ab Berchtesgaden, Reichenhall usw., nicht wie es früher hieß, in das „Seengebiet des Salzkammergutes", sondern gibt als Endpunkt das „Weiße Rössl in St Wolfgang" an. Was bedeutet heute die kleine Kneipe der Lindenwirtin, der jungen, was bedeutet der Altheidelberggastbof in der Hirschgasse, das Wirtshaus an der Lahn, gegen das „Rössl" in Wolfgang, wo internationales Publikum in allen Räumen sitzt, die „Daily Mail" im Lesezimmer die begehrteste Zeitung ist und Bilder im Vestibül von der Erstaufführung der Revue in London mit der Aufschrift „The White Horse Inn 1931“ an den großen englischen Erfolg des „Rössl" erinnern I
Wenn man das malerisch am See gelegene St. Gilgen mit dem reizvollsten aller Mozart- denkmäler — die erzene Kinderfigur des Wolfgang Amadeus spielt auf einem Brunnen vor dem Gemeindehause tanzenden Phantasiegestalten auf der Geige vor, wenige Schritte weiter das Geburtshaus von Mozarts Mutter, an die eine Plakette an der geweihten Stätte erinnert — passiert hat, ist man in ein paar Minuten schon in St. Wolfgang. Alter Nest mit kleinen Häusern, an denen vorder die Straße bergabwärts führt... Wir halten vor einem recht niedrigen uralten Torbogen, gleich an der Kirche. Der Chauffeur empfiehlt Besichtigung des Gotteshauses, daS einen wertvollen geschnitzten Altar aus dem 16. Jahrhundert besitzt. Wenig Interesse für die .Herrschaften, nur einige folgen der Aufforderung: die anderen verschwinden durch das Tor, das die
Aus aller Wett
als wir am Mondsee vorüberkamen, lag schon wieder Sonnenschein auf dem Gipfel der Berge. „Ja, im Salzkammergut, Salzkammergut ..."
fische Grenze in Sicherheit gebracht hätten. In Chailar sollen neun Japaner getötet worden sein. Ein japanisches Bombenflugzeug wird vermißt.
Oer Kampf im Gran Chaco.
Asuncion, 29. Sept. (WTD.) Der KriegS- minister hat ein Telegramm des Befehlshabers der paraguanischen Streitkräfte im Chaco-Gebiet erhalten mit der Mitteilung, daß die paraguanischen Truppen zwei Oberstleutnants, zwei Majore, drei Hauptleute und 1000 feindliche Soldaten gefangen genommen und sechs Kanonen erbeutet hätten. Die Bevölkerung nimmt an, daß dieser Erfolg die Beendigung beS Krieges ^herbeiführen werde. — Bei den gefangen genommenen bolivianischen Truppen handelt es sich um die Besatzung des Forts Do - q u e r o n, die sich ergeben hat.
Hochschulnachrichten.
Der Ordinarius für Archäologie und Direktor deS Archälogischen Museums an der Jenaer Universität, Prof. Dr. Ernst L a n g l o tz, hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für Archäologie an der Universität Frankfurt a. M. angenommen.
Kunst und Wissenschaft.
92. Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte.
Reichspräsident v. Hindenburg hat auf das Huldigungstelegramm, das in der Eröffnungssitzung der 9 2. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Aerzte an ihn abgesandt wurde, mit den besten Wünschen für den Erfolg der Tagung geantwortet. In einer kombinierten Sitzung der naturwissenschaftlichen Abteilungen sprach Professor Dr. Harrassowitz-Gießen übet „Die Mineralquellen des Taunus und ihre geochemische Stellung". Er führte u. a. aus: Chemische Analysen von Mineralquellen stießen bisher auf Schwierigkeiten, da sie stets eine große Zahl von Ziffern ergaben. Dem Vortragenden gelang eS, eine Methode zu finden, mit der man mit Hilfe von zwei, höchstens drei Ziffern den chemischen Charakter der Quellen vergleichen kann. Mit Hilfe dieser Methode kann man auch übersichtliche kartenmäßige Darstellungen Herstellen. Bei den Mineralquellen des TaunuS, die, da fast alle an seiner Randstörung emporsteigen, meist warm sind, handelt es sich um schwefelarme Kochsalzquellen mit Formeln 9 8, 9 9, 10 8 und ähnlich. Die nördlich gelegenen Quellen, beispielsweise die Nauheimer, sind fast alle starke Säuerlinge, da sie von dem Kohlensäuregürtel berührt werden, der Europa vom Westen nach Osten durchzieht. Zahlenmäßig kann man verfolgen, wie beim Eindringen in daS alte Gebirge bet Kochsalzanteil abnimmt und der erdige und alkalische Anteil größer werden. In weiterer Entfernung nimmt der Kochsalzgehalt der Quellen wieder zu.
Die Erklärung dieser eigenartigen Erscheinung kann man dadurch geben, daß sich in gewisser Entfernung vom Nord- und Südrand des rheinischen Schiefergebirges Steinsalzlager befinden, die den Kochsalzgehalt der Quellen verursachen. 3m Innern des Gebirges dagegen tritt eine Vermischung mit erdigen und alkattschen Wässern ein, so daß Der Kvchsalzanteil fast vollständig unterdrückt wird. Prof. Dr. Mergelt (Halle) behandelt« darauf das Thema „Die neuesten überraschenden Funde aus der Braunkohle des Geiseltales bei Halle". In diesem Gebiet konnten über 14 000 gut erhaltene Wirbeltierreste geborgen werden. Von Amphibien liegen sogar Gehirn- und Larvenreste vor. Ausgezeichnet erhalten sind auch Lieberreste von tropischen Jnsektenformen. Weiter fand man Spuren vieler Fischarten. Den letzten Vortrag in dieser Sitzung hielt Drof. Dr. H. Krieg (München) über „Meine Dritte Expedition im Innern Südamerikas." Die Expedition erstreckte sich über die zentralen Gebiete des nördlichen Chacos. Ihre Aufgabe war die Erforschung der Abhängigkeit der Tiere und Menschen von ihrer Llmwelt.
Wie amtlich mittzeteilt wird, sind die Meldungen, wonach bei der Reichsregierung die Wiederein- ührung eines „Burgfriedens" mit voll- tänblgem Versammlungsverbot erwogen werde, alsch.
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Im Reichsgesetzblatt vom 29. September werden die Verordnungen des Reichspräsidenten über das landwirtschaftliche Dcrmittlungsver- fahren, den Dollstreckungsschutz und Pächterschutz, sowie über die Z i n s e r l e i ch t e r u n g für den landwirtschaftlichen Realkredit veröffentlicht.
Firma verkündet „Hotel zum Weihen Rössl"; gleich darunter liest man in wesentlich kleinerer Schrift „Hotel zum Weißen Hirsch". „Rössl" und „Hirsch" scheinen sich gut zu vertragen, man hat noch nie etwaS von Konkurrenzneid gehört. Der „Weiße Hirsch" spielt natürlich nicht die Rolle wie das „Rössl", er wartet offenbar noch auf einen Dichter, Der ihn berühmt macht.
Die erste Lleberraschung beim Betreten des Vestibüls ... Nach Der Lustspielrevue soll hier daS Glück vor der Tür stehen, und Frau Josefa soll, Liebe begehrend, ihren Bräutigam, den Rechtsanwalt Siedler, erwarten. Statt deS Glückes ist hier ein Portier mit den Abzeichen seiner Würde und im schwarzen Bratenrock, zwei goldene Schlüssel am Revers, postiert, der fragt, ob man ein Zimmer nach der Seeseite für einen oder mehrere Tage wünscht, und ein Plakat verkündet das tägliche Gastspiel der beliebten Jazzkapelle Boys Band — unverfälschte Wiener Musik, die mit Rücksicht auf die hier wohnenden Engländer und Amerikaner ihre Firma angle- siert haben. Gegenüber dem Haupteingang die nüchterne, gelb angestrichene „Dependance“; man kann es Herrn Giesecke aus Berlin nicht verdenken, daß ihm angesichts dieses Quartiers Ahl- beck lieber war ... Ganz anders wirkt die Szenerie, die wir beim Betreten der prachtvoll am See gelegenen Terrasse erschauen. Gin Ausblick — märchenhaft schön! Vor uns der smaragdgrüne Wolfgangsee, auf dem unaufhörlich die schmucken Dampfer kreuzen, die die Verbindung mit dem gegenüberliegenden kleinen Bahnhof St. Wolfgang Herstellen, der ganze See umrahmt von der Gebirgskette. Die weißen Wolkenschleier, die heute an diesem trüben Sonntaa — es ist das erstemal feit sechs Wochen, daß der Himmel fein FeiertagSgesicht macht — um die Gipfel Der Berge sich schlingen, können dem Paradiesischen dieser Landschaft keinen Abtrag tun ... Wenn das „Glück“ also auch nicht vor Der Tür steht — hier auf der Terrasse, belebt von einer schönheitS- trunfenen Menschenschar —, hier steht es bestimmt! Den Herren Blumenthal und Kade l b u r g, die vor vielen Jahren auf dieser Terrasse ihr Opus schrieben, das heute noch so schöne Tantiemen bringt, ist es jedenfalls zuerst erschienen.
Die Fabel deS Stückes ist nicht frei erfunden. Die Mutter des jetzigen Wirtes, Frau Peter, in dem Lustspiel Frau Josefa genannt, hat in diesem Hause gelebt, gewirkt und nach frisch-fröhlichem Geplänkel ihren Oberkellner, den
Leopold, geheiratet. Sie wohnt heute als bijährige Matrone in Meran und zehrt, wie ihr „Weißes Rössl", von ihrem dramatischen Ruhm. Vor einigen Monaten erschien das greife Mütter-, chen in ihrer schmucken Landestracht in Wien, um sich die Lustspielrevue, in der sie die Hauptrolle spielt, anzusehen. Sie hat sich dabei köstlich amüsiert. Amüsant sind auch die Szenen, die sich beim Besuch der Fremden in dem Hotel, das als ehemaliges kleines Fischerhaus am See ein erstrangiges Hotel geworden ist, in dem sich'S wahrhaftig gut leben läßt, abspielen. Die Hauptfigur ist natürlich Der „Ober“: ein schmucker Wiener Bursche, mit intelligentem Gesicht, kleinen Bartkoteletten und blitzenden schwarzen Augen; der Frack sitzt wie angegossen. Serviette sieht man nicht, die schwingen nur die kleinen Kellnerinnen; es müssen immer ihrer drei sein, die beim Diner dem Gast servieren: Jung, Mittelalter, Alt. Nummer 1 bringt Suppe, Fisch und Braten. Mittelalter: Süßspeise, Ansichtskarten und Zigarren. Alt: Wein ... Gs ist ihnen, laut Anschlag, verboten, Trinkgelder anzunehmen; der Wirt bittet wenigstens, dem Personal keines anzubieten ... Eine junge Engländerin, die zum ersten Male auf die Terrasse kommt, und die offenbar vergessen hat, daß das „Weiße Rössl" und das Liebesduett Leopold-Josefa vor einigen Jahrzehnten schon be- uno geschrieben worden ist, mustert Den „Ober“ mit zärtlich - freundlichen Blicken, und fragt dann „Are you called Leopold?" („Sind Sie der Leopold?") „Freilich, freilich!" antwortet dienstbeflisfen Der „Ober". „Ich bin der Sohn von Leopold dem Ersten!" Der Mann hat Humor! Wie er mir nachher unter dem Siegel der größten Verschwiegenheit mitteilt, werden „Ober" in diesem Haufe nur bann engagiert wenn sie „Leopolb" heißen; so wlll's die Tradition.
Von den sonstigen Figuren deS Lustspiels sind wenige zu sehen. Allenfalls taucht da und dort ein Exemplar des „Giesecke" auf. Einen sah und hörte ich, einen Llnverfälfchten in Joppe und Kniehosen; er war aber weder Glühstrumpf- fabrilant, noch arbeitete er in Trikotagen en gros; man munkelte: Bankdirektor ... Rechtsanwälte ä la Doktor Siedler sah man gar nicht, ebensowenig Hochzeitsreisende, die irgendwie auf- gefallen wären. Man ist heute in Liebe diskreter eingestellt ...
Das einzige, was sonst noch an bas Lustspiel erinnerte, war ber Regen, der, als ich Abschied nahm, sich pünktlich einstellte. Aber auch der war nur eine vorübergehende Erscheinung, denn
Tonfilm: ».Gitta entdeckt ihr Herz".
Die Gitta, die ihr Herz entdeckt, ist blond, heißt mit Zunamen Alpar und ist der Operettenstar und d i e große Mode von Berlin. Erft vor kurzem hat sie als „Katharina" Triumphe gefeiert. Der, für den sie ihr Herz entdeckt, .heißt im Film Peter — in Wirklichkeit: Gustav Fröhlich. Merkwürdig und spassig ist nun aber, wie der Film in die Wirklichkeit uberaing, oder die Wirklichkeit in den Film bineinspielte und das happy end diesmal etwas auf sich hatte, denn die Gitta und der Gustav find gerade um dieselbe Zeit, als sie nach dem Willen des Drehbuches ihre Herzen für einander entdeckten, Mann und Frau geworden, ... was ihrer Popularität, wie man sich denken kann, weiter keinen Abbruch getan hat. Es ist mit diesem Film wie neulich mit dem „Lied einer Nacht": man muß ihn sich ansehen und anhören, anders bekommt man die berühmte Dame hier schwerlich oorgeführt; aber der Gitta-Film ist nicht so absichtlich und ausschließlich um sie herum geschrieben, wie jener um Kiepura. Hier ist eine nette, harmlos-heitere Lustspiel-Handlung, in per die Alpar viel zwangloser zur Entfaltung kommt. Sie singt wunderschön (und ihre Stimme überträgt sich auch tadellos) — mit Schwung und hoher Schule; sie tanzt sogar Czardas und bläst Saxophon nebenbei, spielt mit Temperament aus dem Vollen und verliert ihr Herz auf eine wirklich charmante Art und Weise. An Fröhlich: den kennen wir schon („Voruntersuchung") — dies.- mal hat er es leichter als netter und feiner junger Herr und sympathischer Liebhaber. Der Regisseur heißt auch Froelich (aber Earl und mit oe) — es ist überhaupt eine heitere Angelegenheit, an der im Ensemble noch Paul Kemp, Tibor von Hal.- may, Leonard Steckel, Oscar Sabo und Blondine Edinger beteiligt sind; außerdem Nikolaus B r o d s z k y , von dem die schmissige und ein- gängiae Vertonung stammt. — Das Ganze sieht man seit gestern im Lichtspielhaus. —r—
Neue Erdstöße in Griechenland.
Nach aus Athen vorliegenden Meldungen wurde die Insel Ehalkidike wiederum von Erdstößen erschüttert. In Saloniki wurden die Stadthalle und die Regierungsgebäude schwer beschädigt. Die meisten Einwohner, die von einer Panik ergriffen wurden, verbrachten in ihrer Angst vor weiteren Hauseinstürzen die Nacht im Freien. Größere Schäden wurden auch In Asvestochori und anderen Dörfern in der Nähe von Saloniki angerichtet: An einer Stelle hat sich ein Riß von drei Kilometer Länge und 20 Meter Breite gebildet. Den amtlichen Angaben zufolge beläuft sich die Zahl der Toten auf 3 2 8 und die der Verwundeten auf über 1000. Englische Kriegsschiffe und Zerstörer sind von dem britischen Flottenstützpunkt Mudros zur Hilfe herbeigeeilt und haben in Jerissos und Stratoni angelegt. Die Matrosen haben sofort die Rettungsarbeit ausgenommen. Der griechische Torpedobootzerstörer „Pergamos" ist in Caoalla eingetroffen. Er hatte 50 Menschen an Bord, die bei dem Erdbeben auf der Halbinsel Ehalkidike verletzt worden sind. Ein Verletzter ist unterwegs gestorben. Die Hilfeleistung für die Dörfer im Erdbebengebiet gestaltet sich außerordentlich schwierig. Die Beförderungsmittel bleiben vielfach stecken, Da sich ausgedehnte Erdrisse gebildet haben. Einige Stunden vor der ersten Erschütterung begannen die warmen Quellen von Apollonia so reichlich zu fließen, daß in der Nachbarschaft U e b e r s ch w e m - mungen eintraten, während der Arnaia-See, der 60 Kilometer vom Mittelpunkt des Erdbebengebietes entfernt lag, austrocknete.
Russisches U-Boot mit der ganzen Besatzung untergegangen.
In den letzten Tagen ist ein russisches O-Doot im Finnischen Meerbusen von dem dänischen Dampfer „Robert Maersk" gerammt worden und mit seiner gesamten Besatzung von etwa 35 Mann unte rgegangen. Der Dampfer erhielt bei dem Zusammenstoß selbst ein großes 2ed, so daß er nach Leningrad zurückkehren mußte. Rach den Angaben, die „Allehende" beim dänischen Generalkonsulat eingeholt hat, soll kein Zweifel darüber bestehen, daß das russische U< Doot mit Mann und Maus untergegangen ist. In der Nähe von Leningrad fanden in der vorigen Woche große Flottenmanöver statt. Von russischer Seite wird die Katastrophe geheim- ge h a l ten, wie es bereits zweimal bei früheren älnterseebootsunglücken im Finnischen Meerbusen geschehen ist.
Serum gegen spinale Kinderlähmung.
Die Bekämpfung der spinalen Kinderlähmung geschieht erfolgreich durch ein Serum, das von der sero-bakteriologischen Abteilung der Behring-Werke in Marburg aus Rekonvaleszentenblut hergestellt und dort zum Selbstkostenpreis abgegeben wird. Die Beschaffung des Blutes war zunächst mit Schwierigkeiten verbunden; da die Behring-Werke jetzt aber aus dem Ganzen Reich dieses Blut erhalten, ist die Fabri- atlon des Serums soweit gesichert, daß es in
Oer Aufstand in der Mandschurei.
M u k d e n, 29. Sept. (TU.) Der Aufstand der unter dem Befehl von General Supingwen stehenden chinesischen Eisenbahnschutztrup- p e n wird bestätigt. Die Chinesen haben nicht nur die Grenzstation Mandschuria, sondern auch Dalainor, Chailar und Puhatu besetzt. Die Lage wird durch die Nähe der russischen Grenze verschärft. In Mandschuria wurde die man dich u= rische Garnison entwaffnet, die Kasernen zerstört und die mandschurische Flagge heruntergeholt. Die Aufständischen schnitten alle Verbindungen ab und umzingelten das japanische Konsulat. Don Tsiksikar sind japanische Truppen unterwegs. Während nach chinesischen Berichten 200 japanische und koreanische Bewohner getötet wurden, versichern die japanischen Behörden, daß sich die japanischen Staatsangehörigen über Die ruf-
Kleine politische Nachrichten.
Der Vertreter der Reichsregierung bei den Regierungen der Länder Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden und Hessen, Freiherr von Lersner hat der hessischen Regierung feinen Antrittsbesuch gemacht. Aus diesem Anlaß fand eine Besprechung mit dem Oefamtmini- fterium statt.
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Reichskanzler von Papen wird am 16. Oktober in Paderborn auf einer Tagung der Arbeitgeberverbände eine Rede halten.
dringenden Krankheitsfällen in Marburg abgefvr- dert werden kann. J?
Schnelle Aufklärung der Brandstiftung in Grünberg (Schlesien).
Der Kafsengehilfe Weißmann, der bei der Landkrankenkasse des schlesischen Landkreises Grün- berg beschäftigt ist, hat das Geständnis abgelegt, den Brand in den Räumen der Landkrankenkasse angelegt zu haben. Weißmann gab an, er habe die Tat aus Verärgerung über [eine Kollegen verübt, da er bei ihnen für seine politischen Ansichten fein Verständnis gefunden habe. Er sei auch ein Gegner der Zusammenlegung der Landkreise Grünberg und Freystadt und habe durch An- lepung des Feuers vermeiden wollen, daß Frev- ftädter Kreisbeamte die oberen Räume der Landkrankenkasse Grünberg als Diensträume erhielten. Weißman will allein gehandelt und auch keinen Anstifter hinter sich gehabt haben. Seine Angaben werden nachgeprüft.
Sühne für einen schweren Raubüberfall.
Wegen eines am 8. Juli auf die Dolksbank in Kätscher verübten Raubüberfalls wurden von dem Schwurgericht in Ratibor der Reiseoertreter Emil B o c z e k aus Berlin zu 15 Jahren der Arbeiter Josef Konietzny aus Woinowik zu 10 Jahren und der Reisevertreter Aloys Myschi aus Woinowttz zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die drei Verurteilten hatten bei dem Raubüberfall den Direktor der Volksbank durch mehrere Schüsse verletzt und einen Betrag van 2500 Mark erbeutet. Nach einer wilden Flucht durch die Stadt waren sie schließlich in der Umgebung Kätschers festgenommen worden.
Zweimal zum Tode verurleill.
Das Schwurgericht in Plauen verurteilte dieser Tage den 19 Jahre alten Landwirtschaftsgehilfen Morgner wegen Doppelmordeszweimal zum Tode und wegen vorsätzlicher Brandstiftung zu zwei Jahren Zuchthaus. Der Verurteilte, der feit VA Jahren bei dem Gutsbesitzer Wolf im Vogtland im Dienst stand, hatte im März d.J. die Eheleute mit einem Beil erschlagen und bann die massive Scheune in Brand aesetzt in der Hoffnung, daß das Feuer auf das Wohnhaus übergreifen und die Spuren seiner Tat vernichten würde. Er will aus Nache gehandelt haben, da er von Wolf oft gereizt worden fei fein ausreichendes Essen und niemals Geld erhalten habe. Die Frau habe er getötet. um feinen Tatzeugen zu haben.
Felssturz an der „Loreley der Mosel".
Gegenüber der bekannten Felssturzstelle bei Cochem, die bei dem regnerischen Wetter der letzten Zeit erhöhte Dergrutschgefahr bietet, stürzten an der rechten Flußseite an der „Loreley der Mosel" größere Felsmasse nab und verschütteten auf eine längere Strecke die unterhalb der Absturzstelle liegenden Weinberge. Das Felsgeröll staute sich etwa 20 Meter vor der Landstraße Cond—Valwig. Man befürchtet, daß sich noch weitere Felsmassen lösen. Der Schaden in den Weinbergen ist beträchtlich.


