zogen sich zunächst etwas zurück. Heute vormittag jedoch lieh der Befehlshaber der Blauen einen Gegenangriff ausführen, der glückte. Durch Flugzeuge wurde das Tal mit künstlichen Wolken verhüllt, und die auf Lastkraftwagen montierten Geschütze und gepanzerten Maschinengewehre rückten unter dem Schutz der künstlichen Nebel vor, obwohl die Nebel durch ziemlich starken Wind bald zerstreut wurden. Die motorisierten Elemente der blauen Armee konnten dann ein starkes Feuer auf die Roten eröffnen, die die Hochebene räumen muhten. Bekanntlich war das Hauptthema der Manöver die Ausprvbierung der motorisierten Elemente der Armee. Der Generalissimus, General W e y g a n d, und der Chef des Generalstabes, General G a m e l i n, wohnten den Ma- növern bei.
Nie Reformpläne des Reichskabiuetts.
Berlin, 29. Sept. (END. Eigene Meldung.) Wie wir erfahren, beschäftigte sich das Reichskabinett neben dein Vortrag des Reichsauhen- ministers über die außenpolitische Lage mit innerpolitischen Fragen. Dabei behandelte es u. a. die Aufstellung bestimmter Richtlinien für die Laufbahn der Beamten, ein Thema, über das bereits seit sieben Fahren beraten wird und das nun in absehbarer Zeit zu einer Regelung gebracht werden soll. Außerdem spielen bei den Beratungen Fragen der B e r w a l - tungsreform eine Rolle, und zwar Er- sparnismahnahmen, wie sie der Reichskanzler in seiner Rundfunkrede bereits angekün- ldigt hat,' die Verhandlungen hierüber gehen weiter. Zunächst werden sich Ressortbesprechungen über die Einzelheiten anschließen. Ferner hat sich das Kabinett mit dem Arbeitsbeschaf- fungs Programm beschäftigt, das der Präsident des Landgeineindetages, Landrat Dr. G e - re k e, vor »etlichen Wochen bei der Reichsregierung angeregt hat. Es handelt sich dabei um die Nutzbarmachung künftiger Gemeindesteuern für eine zusätzliche Vermehrung der Arbeit.
Oie Arbeitsbeschaffung.
Die erstenAuswirkungen derNotverordnung
B e r l i n, 30. Sept. (WTB. Funkspruch ) Nach den Meldungen, die dem Reichsarbeitsministerium von seinen Schlichtern bis zum 29. September gemeldet werden, konnten in Anwendung der Verordnung über die Vermehrung der Arbeitsgelegenheit rund 13000 Arbeitslose in Dienst und A r - beit treten. Wie viele wegen des betrieblichen Kleinkrieges in Form von wilden St'reiks oder wegen der Drohung mit einem solchen Streik nicht eingestellt werden konnten oder gar wieder ausscheiden mußten, steht nicht fest. Die Behauptung, daß die Gewerkschaften aller Richtungen die Streiks für berechtigt halten, hat sich als unrichtig erwiesen. Es ist anzunehmen, daß der gewaltsame Widerstand gegen die Verordnung an dem Verständigungswillen der Betriebe und ihrer Belegschaften scheitern wird. Jedenfalls steht die Reichsrcgierung nach wie vor auf dem Standpunkt, daß in der Anwendung der Verordnung durch den Arbeitgeber eine Verletzung weder des A r - beitsoertrags noch des Tarifvertrags gefunden werden kann, und daß etwaige gewaltsame Gegenmaßnahmen einer Tarifpartei deshalb eine Verletzung der tariflichen Friedenspflicht darstellt.
Feierschichten bei der Reichsbahn.
Berlin, 30. Sept. (TU.) 3n den Verhandlungen zwischen der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft und den Eisenbahnergewerkschaften wurde ein Feierschichtenabkommen für die Arbeiter in der Bahnunterhaltung abgeschlossen. Die wöchentliche Arbeitszeit soll 40 Stunden betragen. Durch diese Maßnahme kann die Entlassung von 6000 Arbeitern vermieden werden. Die Gleisumbauten, die im Arbeitsbeschaffungsprogramm vorgesehen sind, sollen sofort in Angriff genommen werden, und es besteht dadurch die Möglichkeit, 2 4 000 Eisenbahner für zwei Monate weiter zu beschäftigen. Um die Entlassung von weiteren Eisenbahnern zu vermeiden, mühten Feierschichten im Betriebsdienst eingelegt werden. Eine Entscheidung über diese Frage konnte in den gestrigen Verhandlungen noch nicht herbeigeführt werden.
Abreise der deutschen
Kontingentierungskommission.
Berlin, 29. Sept. (ERB.) Die Kommission, die den Auftrag hat, einer Reihe von ausländischen Regierungen die Notwendigkeit der Kontingentierung der Einfuhr gewisser landwirtschaftlicher Erzeugnisse anzuzeigen, hat ihre Reise heute angetreten. Die Kommission steht unter der Führung von Ministerialrat Walter vom Reichsernährungsministerium; ihr gehören Geheimrat Wiehl vom Auswärtigen Amt und je ein Vertreter des Reichswirtschafts- und des Reichsfinanzministeriums an. Die Reise führt zunächst nach Brüssel, dann weiter nach dem Haag, nach Paris, Rom und Kopenhagen. Sie ist im ganzen aus 14 Tage berechnet.
Kleine politische Nachrichten.
Nach einer im „Reichsanzeiger" veröffentlichten Verordnung wird die Ausgleichs st euer auf Mineralöle (Mineralölsteuer) für die Zeit vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1932 auf 1 Mk. für einen Doppelzentner festgesetzt.
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Baldwin ist als Nachfolger Snowdens zum LordGeheim-Siegelbewahrer ernannt worden und wird weiter gleichzeitig das Amt des Lordpräsidenten des Geheimen Rates ausüben. Ferner wurden Höre - Delisha (National- Liberal) zum Finanzsekretär im Schatzamt ernannt, Bürgin (National-Liberal^ zum Parlamentssekretär im Handelsamt, Lord Plymouth (Konservativ) zum Parlamentssekretär im Kolonialamt, He a dl a n (Konservativ) zum Parlamentssekretär im Derkehrsministerium und Butler (Kons.) zum Hnterstaatssekretär in Indien.
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Sir Oswald Mosley, einst Konservativer, dann eines der jüngeren Mitglieder der Arbeiterpartei und zuletzt begeisterter Anhänger Mussolinis, hat sich zum Derkünderdes Faschismus in Großbritannien erklärt. Die „Neue Partei", die er nach seinem Ausscheiden aus der Arbeiterregierung gründete, soll
Belgien und Griechenland.
Meisterstücke politischer Heuchelei vor und in dem Weltkriege.
Don Dr. Gustav Wolost, o. ö. Professor der Geschichte an der Universität Gießen.
Mit dem Schlagwort „Heiligkeit der Der- träge" ist im Kriege eine zündende Propaganda gegen Deutschland wegen seines Durchmarsches durch Belgien getrieben worden, und heute noch kehrt dieses Wort mehr oder weniger verschämt in der französischen Presse und den Reden Herriots wieder, wenn es gilt den rechtlich unanfechtbaren Anspruch Deutschlands auf Gleichberechtigung zu bekämpfen. Dabei ist längst erwiesen, daß England, Frankreich und Belgien selbst vor dem Kriege ein bedenkliches Spiel mit der velgischen Neutralität zuungunsten Deutschlands getrieben hatten, und soeben ist ein neues Zeugnis bekannt geworden, daß Frankreich und England ebenfalls die Absicht zum Einmarsch in Belgien gehabt haben — nur mit dem Unterschiede, daß Deutschland zu diesem Mittel in politischer Defensive griff, die andern in politischer Offensive. Ines neue Beweisstück sind die Aufzeichnungen von Marschall Joffre, dem französischen Oberbefehlshaber zu Beginn des Krieges (besprochen von Major o. Wegerer in den „Berliner Monatsheften" Auaust). Daraus ergibt sich, daß in Erörterungen zwischen der englischen und französischen Regierung im Jahre 1912 Belgien selbstverständlich a l s Kriegsschauplatz betrachtet worden ist; Poincarä erklärte, schon eine Konzentration deutscher Truppen bei Aachen gebe den Franzosen das Recht zum sofortigen Einmarsch, und die englische Regierung hatte schon während der Marokkokrisis (1911) Erkundigungen an der belgischen Küste unternehmen lassen, um im Kriegsfälle auch ohne Zustimmung Belgiens Truppen bei Zeebrügge auszuschiffen. Belgien hat sich das ruhig gefallen lassen, also seine Neutralität zum Schaden Deutschlands bloßgestellt. Schließlich hat man in jener Konferenz den Entschluß gefaßt, nicht zuerst in Belgien einzumarschieren, sondern den Deutschen den er st en Schritt zu überlassen, aber nicht aus ethischen Bedenken, aus Respekt vor der garantierten belgischen Neutralität, sondern aus rein opportunistischen Gründen: man erwog daß es bei der öffentlichen Meinung Englands und der Welt einen besseren Eindruck machen werde, wenn man den Deutschen die formale Verletzung der belgischen Neutralität überlasse. Da Deutschland, von zwei Seiten bedroht, voraussichtlich schleunigst nach einer Seite die Offensive ergreifen mußte, konnte man sich ruhig zurückhalten. Aber alle Vorbereitungen zum Einmarsch wurden im Jahre 1914 sofort während der Mobilmachung getroffen; noch ehe die deutsche Regierung ihre Forderung auf Durchmarsch in Brüssel überreicht hatte, hatte Joffre schon seinen linken Flügel zum Einmarsch angesetzt: zweifellos wollte er ihn a u f alle Fälle, mochte Deutschland die Neutralität achten oder nicht, durch Belgien vorgehen lassen.
Alle diese Vorgänge lassen die sittliche Entrüstung der Entente über die Vergewaltigung Belgiens als übelste Heuchelei erscheinen, sie hat aber im Kriege in der Behandlung Griechenlands eine praktische Probe ihrer Achtung vor den Rechten der Neutralen gegeben. Auch darüber hat uns eine neue Quelle, ein Band der russischen Dokumente zur Geschichte des Krieges, genau unterrichtet.
Griechenland wollte im Weltkriege neutral bleiben: die Entente besetzte nach ihrer Niederlage vor den Dardanellen im Fahre 1915 gewaltsam Saloniki, um von hier aus Serbien zu
unterstützen, bald forderte sie sogar Anteilnahme am Kriege; unter Androhung und Durchführung der Hungerblokade machte sie dem König Vorschriften über Winisterernennungen und verhinderte, daß die nach Griechenland flüchtenden Serben, wie es das Völkerrecht verlangte, entwaffnet wurden; die wichtigsten Dahnen und Straßen und die Seepolizei mußten der Entente übergeben werden, mehrere Fnseln wurden beseht, willkürliche Verhaftungen und viele andere Zwangsmaßregeln vorgenommen, die, wie der russische Gesandte in Athen selbst schrieb, „allen Rechten der Neutralität geradewegs zuwider- laufen“. Bald ging man dazu über, den Thron des Königs Konstantin, in dem man den Hauptvertreter der Neutralitätspolitik sah, zu untergraben; zwei Millionen Franken stellte Frankreich dem Ententefreund V e n i s e l o s „für Propagandazwecke in der Armee zur Verfügung". Anstiftung zum Hochverrat und zur Revolution schien den Vertretern der öffentlichen Moral und der Zivilisation ein erlaubtes Mittel zu fein gegen qnen Staat, der im Frieden leben wollte.
Als trotzdem die griechische Selbständigkeit nicht sogleich gebrochen werden konnte, weil, wie aste Ententevertreter in Athen wußten, die große Mehrheit der Nation der königlichen Politik zustimmte, schlug im Jahre 1916 Briand vor, Truppen in Athen zu landen, „um König Konstantin in seine Schranken zu weisen". Das war sogar dem Zaren zu viel; er schrieb entrüstet: „ich nenne das eine vollkommene Einmischung in die inneren Angelegenheiten Griechenlands. Ein sehr abschüssiger Weg". Indessen nicht der Zar, sondern Briand setzte schließlich seinen Willen durch. Fast täglich wurden auf Frankreichs Betreiben neue Forderungen gestellt, obgleich sie erfüllt wurden, dauerte die Blockade fort und forderte manche Todesopfer, wozu der französische Gesandte bemerkte, „das sei nur eine Folge der falschen Verteilung der Lebensmittel und das Schicksal der Blockierten könne ihn nicht rühren". Der Zynismus und die Brutalität der französischen Politiker und Militärs setzen niemand in Erstaunen, der ihr Verhalten in Deutschland nach dem Kriege kennt.
Obgleich England, Rußland und Italien überzeugt waren, daß Frankreichs Auftreten ebenso „den Begriffen der politischen Moral wie allgemeinen Zweckmäßigkeitsgründen" widerspreche, gaben sie sich doch damit zufrieden und stimmten zu. daß der König unter Androhung einer Beschießung Athens zur Abdankung auf gefordert wurde. Alm seinem Volke dieses Schicksal zu ersparen, hat Konstantin bekanntlich das Land verlassen (Juni 1917): die populären Kundgebungen gegen Frankreich unter den Mündungen der französischen Geschütze zeigten, wie das Volk diesen Vorgang empfand. Natürlich setzte jetzt eine offene französische Gewaltherrschaft ein. Ein Venizelistenterror bildete sich, schrieb der russische Gesandte, und „schwer hat Griechenland unter den „französischen Freiheiten" zu leiden."
Die Dokumentensammlung ist ein neuer Beweis, wie souverän die Entente mit der Wahrheit und Dölkerschicksalen umzuspringen gewohnt war, und wie wenig insbesondere in der französischen Politik auf Gerechtigkeit und sittliches Empfinden zu rechnen ist, sobald ihr Interesse in Frage kommt.
fortan den Namen „Dritische Union der Faschisten" führen.
Die Lohnverhandlungen in der Spinnereiabteilung der Daumwollindustrie in Lanca- f h i r e sind zusammengebrochen. Die Arbeiter sind entschlossen, Widerstand zu leisten, falls die Kürzungen am 15. Oktober in Kraft gesetzt werden sollten.
Der ungarische Reichsverweser hat den Verteidigungsminister G ö m b ö s mit der Kabinettsbildung beauftragt.
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In R i o deJaneiro verlautet, daß auf Grund der Unterhandlungen zwischen der brasilianischen Bundesregierung und den Aufständischen des Staates Sao Paulo ein Waffenstillstand abgeschlossen worden sei.
Kunst und Wissenschaft.
Die Dresdener Tagung des Vereins für Sozialpolitik.
Die Beratungen - des Vereins für Sozialpolitik behandelten das Thema der Autarkie. Prof. Dr. v. Dietze-Jena und Prof. Dr. Lederer-Berlin lehnten das starre Autarkie-Postulat für Deutschland ab. Prof. Lederer erklärte, Deutschland sei seiner Lage und Geschichte nach von jeher auf einen regen Güteraustausch mit seinen Nachbarstaaten angewiesen. Gegen eine Autarkie sprächen jiid)t nur wirtschaftliche, sondern auch politische, nationale und kulturelle Erwägungen. Professor Brandt- Berlin wies auf die Gefahr übergroßer Ausdehnung gewisser wirtschaftlicher Spezialgebiete hin, die als Folge der Kontingentierung eintreten könnten. Professor Lotz- München warnte vor der Vernichtung des Hauptsteuerträgers, der Industrie. Geheimrat D e m u t h befürchtete ungünstige Wirkungen der Kontingentierung auf den Außenhandel. Unter gewissen Einschränkungen hielten Professor Stucken- Erlangen und Professor Brinkmann- Tübingen die Autarkie in Deutschland gegenwärtig für durch- führungs- und wünschenswert. Nach den Schlußworten der beiden Referenten wurde die Tagung mit einer Ansprache des Vorsitzenden, des Geh.-Rats Prof. Dr. Sombart»Berlin, geschlossen.
Aus aller Well.
Theaterskandal in Mainz.
Ein Theaterskandal ereignete sich dieser Tage im Mainzer Stadttheater bei der Aufführung des Lustspiels „Marguerite: 3" von Fritz S ch w i e f e r t. Als von der Bühne herab Bemerkungen fielen, die an die schwarzen Besahungs- truppen erinnerten, erschollen Schlußrufe. Das Publikum verlangte, daß das Stück abgebrochen werde. Dem Spielleiter gelang es schließlich, die Theaterbesucher zu. beruhigen. Nachdem die peinlichen Stellen übergangen waren, konnte das Stück zu Ende geführt werden. Gewisse Parteien in Mainz kündigen an, daß die Aufführung des Stückes noch ein Nachspiel haben Wird,
Oer Maler Emil Orlik f.
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Professor Emil Orlik, der bekannte Maler und Graphiker, ist, wie bereits gemeldet, im Alter von 62 Jahren in Berlin einem Herzleiden erlegen. Orliks Schaffen war von einer kultivierten Grazie erfüllt, feine großen Bildnisradierungen gehören zu den Meisterleistungen der Graphik. Orliks Tod bedeutet, nach dem Hinscheiden von Slevogt, einen neuen schweren Verlust für die deutsche bildende Kunst.
Einbrecherbande unschädlich gemacht.
Der Kasseler Kriminalpolizei ist es jetzt gelungen, die beiden letzten einer sechsköpfigen Einbrecherbande — vier der Diebe wurden früher bereits verhaftet — f e st z u n e h m e n. Die Bande hatte seit einem Jahr Kassel und die nähere Umgebung heim- gesucht und zahlreiche Einbrüche in Bureaus, Geschäfte und Gastwirtschaften ausgeführt. Insgesamt können 39 Einbrüche nachgewiesen werden. Die Bande, die auf ganz raffinierte Art arbeitete, konnte längere Zeit ihr unsauberes Handwerk aus« üben. Sie arbeitete mit den modernsten Diebesgeräten Der Wert des zusammengestohlenen Gutes ist erheblich. Sämtliche Verhafteten stammen aus Kassel und sind teilweise erheblich vorbestraft.
108 beladene Färderkörbe einer Drahtseilbahn abgestürzt.
An der Drahtseilbahn der Hartsteinwerte Tambach-Dietharz (Thüringen), die den Speicher am Bahnhof mit dem Steinbruch verbindet und etwa 7,5 Kilometer lang ist, r i h aus noch nicht geklärter Ursache unweit der Berladestelle das Förderseil. Alle 108 beladenen Förderkörbe, jeder etwa 12 Zentner schwer, stürzten aus einer Höhe von 40 Metern indieTiefe. Glücklicherweise sind keine Menschenleben zu Schaden gekommen. Ein an der Strecke auf einem Mast arbeitender Aufseher konnte sich im letzten Augen- "llck durch Abspringen retten. Eine Landstrahen- überbrückung wurde von einem der Korbe durchschlagen. Ein Wagen stürzte vor den Augen zweier Touristen nieder, die mit dem Schrecken davonkamen. Der Betrieb ist für einige Tage sttllgelegt.
Wetzlars Abschied vomRheinland
0 Wetzlar, 29. Sept. Heute vormittag sand im neuen Kreishaus die letzte Sitzung des Kreisausschusses in seiner jetzigen Zusammensetzung statt. Der Vorsitzende des Kreis- ausschusfes, Landrat M i ß, gedachte der langen Zugehörigkeit des Kreises Wetzlar zur Rheinprovinz und verlas bann folgende
Kundgebung
des Oberpräsidenten der Rheinprovlnz:
Am 1. Oktober scheidet der Kreis Wetzlar von der Rheinprovinz und dem Regierungsbezirk Koblenz, um in die Provinz Hessen-Nassau und den Regierungsbezirk Wiesbaden eingegliebert zu werden. Preußens Staatsbehörden am Rhein haben dem Kreise Wetzlar stets eine besondere Fürsorge angedeihen lassen. Sie entsprang in den ersten 50 Fahren der Zusammengehörigkeit wohl auch dem Wunsche, die Einlebung des neuen, noch von anderen Staaten umschlossenen Landes- teils in das preußische Staatsgefüge zu erleichtern; sie war aber später, als es keine Grenzpfähle mehr zwischen Koblenz und Wetzlar gab, ber Ausdruck einer echten inzwischen gefügten Verbundenheit.
Vom Kreise Wetzlar, der während des Rhein- und Ruhrkampfes mir und zahlreichen anderen Beamten gastliche Aufnahme bot, nehme ich heute als Oberpräsident der Rheinprovinz und für das Provinzialschulkollegium, sowie im Namen des Herrn Regierungspräsidenten und der Regierung in Koblenz Abschied. Möge der Weg in eine andere Provinz dem Kreise Wetzlar Glück bringen! Möge vor allem Deutschlands Weg wieder aufwärts gehen, dann werden auch im Kreise Wetzlar erneut die Früchte eines Wohlstandes reifen, der in den letzten 100 Fahren in gemeinsamer Arbeit von Volk und Staat begründet worden ist.
Der Oberpräsident der Rheinprovinz. Fuchs.
Der Kreisausschuß seinerseits nahm dann mit folgender Kundgebung
Abschied von der Rheinprovinz:
„Der Kreis Wetzlar hat 117 Fahre zur Rheinprovinz gehört. Diese Berbindung wird durch die Verordnung der preußischen Staatsregierung vom 1. August 1932 gelöst, die den Kreis in die Provinz Hessen-Nassau eingliedert. Der Kreis hat in dieser Zeit seiner Zugehörigkeit zur Rhein- provinz auf allen Gebieten eine bedeutsame Entwicklung erfahren. Heber all, wo diese Entwicklung durch die öffentliche Verwaltung eine Förderung finden konnte, hat die Kreisverwaltung bei den Regierungsstellen und der Provinzial- verwaltung Änterstühung und Rückhalt gefunden. Besonders dankbar erkennt ber Kreisausschuh bie wesentlichen Aufwenbungen an, bie die Provinz in vielen Fahrzehnten im Kreise Wetzlar gemacht hat. Er kann daher den Tag des Ausscheidens des Kreises aus Lrr Rheinprovinz nicht vorübergehen lassen, ohne allen beteiligten Stellen der Rheinprovinz den Dank des Kreises für bie allseitige Förderung zum Ausdruck zu bringen. Mögen auch schon immer starke wirtschaftliche Beziehungen zur Provinz Hessen-Nassau bestanden haben, so hat sich doch in ber Zeit ber Zugehörigkeit zur Rheinprovinz ein gutes inneres Verhältnis ber abseits gelegenen Enklave Wetzlar zur Rheinprovinz entwickelt. Besonders würben bie persönlichen Beziehungen vertieft, als im Fahre 1923 ber Herr Oberpräsident und der Herr Regierungspräsident mit ihrem Verwaltungsstab im Kreise Wetzlar Zuflucht fanden. Die Bewohner des Kreises Wetzlar und seine Verwaltung werden deshalb die Zeit ber Zugehörigkeit zum Rheinlanb gern unb bankbar in Erinnerung behalten. Sie finb sich aber auch bewußt, baß ein höheres staatliches Fntevesse im Rahmen ber großen Verwaltungsreform im Sinne der Verordnung vom 1. August 1932' biefe Zugehörigkeit lösen mußte. Wenn hierburch geschichtlich gewordene Bande gelöst werden, so gibt ber Kreisausschuß ber Hoffnung Ausdruck, bah bies ein Opfer ist, bas dem allgemeinen Wohl gebracht wirb. Möge bie Almgemeinbung sich für ben Kreis wie für Preußen unb für bas Reich segensreich auswirken."
Wetzlar, 29. Sept. 1932.
Der Kreisausschuh des Kreises Wetzlar.
Ab 1. Oktober wirb bis zur neuen Wahl ein provisorischer Kreis au s sch uß, ber noch von bem Herrn Regierungspräsibenten ernannt wirb, bie Derwaltungsgeschäste des Kreises führen. Dem neuen Kreisausschuh werden auch Vertreter ber neu zugeteilten Kreisgebiete angehören.
Senkung der Sieuerzinsen.
Berlin, 30. Sept. (WTB. Funksvruch.) Der Reichsminister ber Finanzen hat eine Verordnung zur Senkung der Steuerzinsen erlassen. Durch bie Verordnung werden für bie Zeit vom 1. Oktober 1932 ab bie Aufschubzinsen unb bie Stundungszinsen gesenkt. Dei den Aufschubzinsen, bie bei Zöllen unb bei ber Umsahausgleichsteuer erhoben werben, wirb ber Zinsfuß von bisher 8 v.H. auf 5 v.H. jährlich herabgesetzt. Für bie Stundungszinsen, die sich bisher auf 5 bis 8 v.H. beliefen, wird ber Zinsfuß auf 5 v. H. jährlich herabgesetzt.
Wettervoraussage.
Das westliche Tief hat zwar burch seine Warmluft den hohen Druck über Deutschland wesentlich abgeschwächt und auch 'Bewölkung verursacht, Keint sich aber doch nicht stärker auszuwirken' ?aJ?m5ter Zeigt wieder steigende Tendenz, ■ V1 Hochdruckgebiet erneut aufbauen
- Allerdings gleitet noch Warmluft auf, die » ? »ich verschiebt, wodurch Nebelbildungen zustande kommen und auch gelegentlich leichte Niederschlage nicht ausgeschlossen sind.
Aussichten für Samstag: Neblig-be- wolkt, zeitweise auch ausheitemd, nur vereinzelt leichtere Niederschläge, noch mild.
Aussichten für Sonntag: Weiterhin nebug-bewolkt mit Aufheiterung, keine wesent- lichen Niederschläge.
Lufttemperaturen am 29. September: mittags 17,4 Grad Celsius, abends 13,6 Grad; am 30. September: morflens 13,6 Grad. Maximum 17,8 Grad, Minimum 9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 29. «September: abends 16,4 Grad; am 30. Septem- ber: morgens 13,5 Grad. — Sonnenfcheindauer 6>$ Stunden.
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