Ausgabe 
30.8.1932 Frühausgabe
 
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der Verfassung bleibe. Wer verfassungsmäßige Politik treiben wolle, müsse sich klar bewußt sein, daß neben dem Reichspräsidenten auch noch der Reichstag bestehe. Löse die Regierung vorzeitig aus Angst vor einem Mißtrauensvotum den Reichstag auf, dann setze sie den dazu bevollmächtigten Reichspräsi­denten der bestimmten Gefahr aus, daß

diese Auflösung nahezu vom gesamten Reichstag als illegal angegriffen werde.

Damit verbaue sich die Regierung aber auch den Weg, als Geschäftsregierung weiterbestehen zu können. Es sei fraglich, ob aus einem Miß­trauensvotum überhaupt di« Kon­sequenzen zu einer Reichstagsauf­lösung gezogen werden müßten. Gerade vom Standpunkt einer konservativen Regierung aus sei es unverantwortlich, das deutsche Volk inner­halb eines wahres in einen fünften Wahlkampf zu stürzen. Es müsse verhindert werden, daß eine Reichsvegierung aus parteipolitischer Vorein­genommenheit und aus purer Sorge um ihre eigene E'istenz den Reichstag an die Wand drücke und damit eine Verfasfungs- und Staatskrise heraufbeschwöre."

Oie Stellungnahme der Oeutfchnationalen.

Berlin, 29. August. (TU.) Die deutschnationole Pressestelle teilt mit:Die Deutfchnationale Reichstagsfraktion trat am Montagnach­mittag zusammen. Diese erste Sitzung der neuen Fraktion wurde vom bisherigen Fraktionsvorsitzen­den Dr. Oberfohren eröffnet, der die wieder- und neugewählten Abgeordneten begrüßte und Mit­teilung davon machte, daß die auf Landwirtschafts- listen gewählten Abgeordneten Dr. Schenk, Frei­herr v. Stauffenberg. Haag (Württemberg) und Abicht (Thüringen) der deutschnationalen Fraktion als Mitglieder beigetretcn sind. Die Fraktion bestimmte "darauf, daß der biherige Vor­stand die Geschäfte zunächst weiterführen soll und ernannte die Mitglieder für die maßgebenden Aus­schüsse. Darauf folgte eine eingehende politische Aus­sprache. Die Fraktion beschloß, sich an denjenigen Sitzungen des Reichstages, die unter dem Vorsitz einer aus Moskau herbeigeholten Sendbotin des Bolschewismus stattfin­den, nur insofern zu beteiligen, als es für die t e ch nifchen Maßnahmen zur Konstituie­rung des Reichstages notwendig ist. Es kam hierbei 3um Ausdruck, daß nichts den Tiefstand des Weimarer Parlamentarismus stärker kennzeichnet als der Umstand, daß die Eröffnungssitzung des neuen Reichstages zum Schauplatz kommunisti­scher Propaganda gemacht werden soll."

Gegen den Aeichstagsvorsih von Klara Zetkin.

M ü n ch e n , 29. Aug. (TU.) In einem Artikel mit der UeberschriftSoll eine Landesverräte­rin den Reichstag eröffnen?" beschäftigt sich derVölkische Beobachter" heute mit der Ver­gangenheit Klara Zetkins. Die KPD.-Abgeordnete Klara Z u m b e l, genannt Zetkin, die eine A g e n - tin Moskaus sei, habe schon während des Welt­krieges die deutschen Gerichte wegen versuchten Lan­desverrats beschäftigt. Wer widerspruchslos dulde, daß die gleiche Klara Zetkin den Vorsitz bei der Eröffnung des Reichstags führe, der mache sich der gleichen vaterlandslosen Gesinnung verdächtig, wie die Kommunistin und Moskauer Agentin Zumbel.

Das Zentrum hofft auf glatten Verlauf

Berlin, 30. Qlug. (ERB.) Sn einer Betrach­tung zur heutigen Reichstagseröffnung erklärt die®e rmania": Man darf annehmen, daß alle Parteien des Reichstages in der ersten Sitzung von dem Bestreben geleitet sein werden, alles zu vermeiden, was das neugewählte Parlament in seiner Arbeitsfähigkeit und Ordnung irgendwie diskreditieren könnte. Deshalb wird auch die Tatsache, daß die erste Sitzung des Reichstages von der kommu­nistischen Abgeordneten Klara Zetkin als dem ältesten Mitglied geleitet sein wird, zu besonderen Zwischenfällen wohl kaum Anlaß geben. Sm übrigen besteht die Absicht, bereits in der Heu-

WennGie mal in Wien sind...

Kleiner Führer für Reichsdeutsche.

Don Joachim Lange.

Wenn Sie in Wien sind, wird Shnen di« Speisekarte manchmal böhmisch Vorkommen. Wie­ner Würstchen bekommen Sie nicht in Wien. Dafür Frankfurter. Aber Wiener Schnitzel.

Rindfleisch heißt nicht Rindfleisch. Sondern hat ungefähr zwei Dutzend Ramen (und schmeckt trotzdem immer egal). Sch verrate Shnen hier nur den schönsten; Matrosenfleisch. Ditte sich genau vorzustellen I

Heuriger ist einheimischer Wein. Heurige da­gegen: neue Kartoffeln.

Die Mehlspeis' führt ihren Ramen häufig zu Llnrecht: sie ist oft gar feineSpeise", sondern Gebäck (Linzer Torte, Schaumrolle).

Aber Gebäck hinwiederum heißt nicht Mehl­speis und auch nicht Gebäck, sondern Bäckerei. Lind was wir eine Bäckerei nennen (Brot- und Fein-), ist in Wien ein Backhaus.

Bier wird in Seideln und Krügeln ausgeschenkt, llnb in den Geschäften rechnet man nicht nach viertel und halben Pfund, sondern wie auch anderwärts nach Deka (1 Deka 10 Gramm). Hoffentlich Bringen Sie nun nichts durcheinander.

Sie wollen auswärts speisen? Die Mahlzeit spielt sich folgendermaßen ab:

An Shren Tisch tritt ein Befrackter, auch Zoahlkellner" genannt, und nimmt die Bestellung jedoch nur für die feste Rahrung entgegen. Der Befrackte teilt Shre Wünsche einem Weiß- bejackten mit, demSpeis'träger", der Shnen Shre Karfiolsuppe (Karfiol ist Blumenkohl) Shr Matrosenfleisch (Sie sind im Bilde?) und die Mehlspeis Bringt. Ein dritter Mann, der Getränkekellner, versorgt Sie mit Bier oder G'spritztem". Gezahlt wird Sie h aßen es er­raten: an den Zählkellner.

Das Trinkgeld: der Befrackte Bekommt, weil er doch die meiste Arbeit mit dem Entgegen­nehmen und Weiterleiten der Bestellung und mit der Kasse hatte, den Löwenanteil, etwa 10 Prozent der Zeche (doch ist er auch mit mehr zufrieden). Speis'träger und Getränkekellner er­halten eine kleinere Summe, die Sie ihnen, in fttoei reinlich getrennten Häufchen, auf den Tisch legen können. Dann kommt meist nvch der Pic-

tigen Sitzung das Präsidium des Reichstages zu wählen. Die Zentrumspartei hält in dieser Frage bekanntlich an der Tradition fest, daß die stärkste Fraktion den Präsidenten stellt, und die übrigen Mitglieder des Präsidiums in der Reihenfolge der Fraktionsstärke gewählt werden, wobei sie selbstverständlich die Voraus­setzung macht, daß die gewählten Mitglieder des Präsidiums sich zur strikten Wohrungder Geschäftsordnung verpflichten. Lieber die Wahl des Präsidiums sind zur Zeit noch Be­sprechungen imgange, die bis zum Beginn der Plenarsitzung ihren Abschluß gefunden haben dürften.

Snzwischen hat die gegenseitige Fühlungnahme der Rationalsozialisten und des Zentrums für den Reichstag nur so viel ergeben, daß di« Ratio- n a l s 0 z i a l i st e n sich gegenüber dem Alters­präsidium der Kommunistin Klara Zetkin höchstwahrscheinlich mit einer Protesterklä­rung begnügen und ihren Ausführungen im Reichstag nicht beiwohnen werden, worauf dann nach Erledigung der Formalitäten tunlichst noch am Dienstagnachmittag eine zweite Sitzung zur Wahl des Präsidiums abgehalten werden soll. Den Reichstagspräsidenten werden die Rationalsozialisten stellen. Einen der Vizepräsidenten das Zentrum. Die Rationalso- zialisten präsentieren wahrscheinlich den Abge­ordneten S t ö h r, das Zentrum den Abgeord­neten Esser.

Vierzehntagige Vertagung des Reichstags?

Berlin, 29. Aug. (ERB.) Wie wir aus parlamentarischen Kreisen erfahren, wird sich der Reichstag, nachdem morgen die konsti­tuierende Sitzung erfolgt ist und wahrscheinlich auch schon die Wahl des Präsidiums vorgenommen wird, 8 bis 14 Tage ver­tagen, um inzwischen die Verhandlungen zwischen dem Zentrum und den Rational­sozia l i st e n abzuwarten.

preußische Koalitionsverhandlungen gehen weiter.

Berlin, 29. Aug. (VDZ.) Die Zentrums- fraktivn des Preußischen Landtages trat am Montagabend zu einer Sitzung zusammen, in der vor allem auch die koalitionspoli­tische Lage in Preußen erörtert wurde, Abg. Dr. Graß berichtete über den Stand der mit den Rationalsozialisten geführten Koaliti­onserörterungen, die entgegen der ur­sprünglichen Annahme am Montag noch nicht zum Abschluß kamen, vielmehr am Dienstag fortgesetzt werden sollen. Die Aussprache der Zentrums­fraktion soll gleichfalls am Dienstag weiter­gehen.

Das MWastsprogmmm der Aeichsregimmg.

Offiziöse Erläuterungen.

Berlin, 29. Aug. (TU.) Zu dem vorn Reichs­kanzler von Papen in feiner gestrigen Rede kurz skizzierten Wirtschaftsprogramm erfährt man von gut unterrichteter Seite noch folgende Einzelheiten: Die Schritte der Reichsregierung wol­len Anreiz bieten, die

Vroduklionsgülerinduflrie zur Reubelebung

zu bringen. Sie will dies auf zweierlei Weife er­reichen. Einmal durch Prämiierung der Einstellung von Arbeitern, dann durch steuerliche Entlastungen auf dem Gebiete der Produktion, um ihr die Mög­lichkeit zu geben, liquider zu werden. Es ist in Aus­sicht genommen, für 12 Monate die neue Ein­stellung von Arbeitskräften dadurch zu begünstigen, daß für jeden neueingeftetlten Arbeiter ein Steuer- entla st ungs schein von 400 Mark pro Jahr gezahlt wird. Diese Zahlung kann ohne Belastung der öffentlichen Hand erfolgen, da sie durch jeden neu eingestellten Arbeiter in höherem Maße noch entlastet wird.

Bei der Zahlung fällig werdender Limsah-, Ge­werbe-, Grund- und Teförderungssteuer im Laufe des Sahres 1932 bis 30. September 1933 werden dem Steuerzahler Steueranrechnungsscheine aus- gehändigt, und zwar bei der Llmsatzsteuer in der Höhe von 50 Prozent der eingezahlten Steuer, bei der Gewerbesteuer von 40 Prozent, bei der Grund­steuer von 25 Prozent und bei der Deförderungs- steuer von 100 Prozent. Die Scheine werden von den Finanzämtern ausgestellt. Mit ihnen kann in der Höhe von je einem Fünftel in den nächsten fünf Sahren ab 1. Oktober 1934 Steuer gezahlt werden, und zwar sämtliche Arten von Reichs- fteuem mit Ausnahme der Einkommen- und Kör­perschaftssteuer. Die Scheine werden mit einem Agio versehen, dergestalt, daß ein Steuerschein über 100 Mark im Sahre 1934 mit 104 Mark, 1935 mit 108 Mark usw. in Zahlung genommen wird. Man denkt sich den technischen Vorgang so, daß im Sahre 1934 der Einzahler einen neuen andersfarbigen Schein im Werte von Vierfünftel zurückerhält, im nächsten Sahre wiederum einen neuen in einer anderen Farbe im Werte von drei Fünfteln usw. Die Höhe der auf diese Weise auf­gegebenen Steueranrechnungsscheine ist aus 1,5 Milliarden Mark errechnet worden. Da für die Prämiierung der Reueinstellung von Arbeitern ein Betrag von bis zu 700 Millionen Mark in Aus­sicht genommen ist, ist also insgesamt mit etwa 2,2 Milliarden Steueranrechnungs schein en zu rech­nen. Diese sind gewissermaßen als

Schahanweisungen auf Steuergrundlage

zu betrachten. Sie sollen dazu dienen, ben Unter­nehmern bi« Möglichkeit einer zusätzlichen Krebitunterlage zu schaffen. Die Reichs­bank wirb sie als lombardfähig bezeichnen. Die burch bie Prämiierung ber Reueinstellung von Arbeitern geschaffene Erleichterung ber Lage ber Reichsversicherungsanstalt soll eventuell bazu bie­nen, bie zur Zeit außerordentlich geringen Unterstützungssätze der Arbeitslosen zu erhöhen.

Die angekündigten Maßnahmen auf dem Ge­biete ber Sozialpolitik werben barin lie­gen, daß bie Schlichter ermächtigt werden, in solchen Fällen, in denen der Rachweis erbracht ist, daß zusätzliche Arbeit beschafft werden kann, in die Tarifverträge einzugreifen und bie Löhne herabzusehen. Das Existenzminimum ber Arbeiter soll in jedem Falle gewahrt werden. Um einen Druck auf eine

Rlehreinstellung von Arbeitern audAuüben, wird zunächst bis 31. März n..S- fol­gende Regelung vorgesehen: Die Arbeiter erhal­ten zunächst für die ersten 30 Wochenstunden vol­len Tariflohn. Entsprechend einer Mehreinstel­lung von Arbeitern kann der Lohn für die 30. bis 40. Stunde herabgesetzt werden. Wo eine Reu­einstellung von 25 Prozent des Arbeiterstammes vorgenommen ist, kann diese Lohnermäßigung für die 30. bis 40. Stunde auf 50 Prozent des Tarif­lohnes festgesetzt werden. Das Reichsarbeitsmini­sterium, das Gegner aller schematischen Lösungen ist, will hierdurch einen indirekten Druck auf die Unternehmerschaft ausüben, die Arbeitszeit zu kürzen.

Die Steuer anrechnungsscheine, die in der Höhe von 100 Prozent auf die vom 1. Oktober 1932 bis 30. September 1933 fällige Deförderungs- fteuer ausgestellt werden, sollen der Entlastung der Reichsbahn dienen und sind in diesem Zusam­menhang ein Teil des Arbeitsbeschaffungspro­grammes.

Sieueranrechnungsscheme und öffentliche Haushalte.

Berlin, 29. Aug. (TU.) Ueber die Wirkung der Ausgabe von Steueranrechnungs­scheinen auf die öffentlichen Haus­halte äußert man sich an zuständiger Stelle dahin, daß die Prämiensummen für bie Einstel­lung neuer Arbeitskräfte in Höhe von 700 Mil- lionen zunächst einmal bie öffentlichen Haushalte, unb zwar in erster Linie die der ©emeinben, direkt und inbirekt entlasten wer-

colo, ber Shnen in ben Mantel hilft, unb in ben größeren Weinrestaurants auch ber Zi- garrenbua, bie Brezelfrau, bie Garberobefrau, bie Musik unb schließlich seiauch noch b e s Manns gebucht, ber diese Räume sauber macht ..."

Sie wollen mehrere Tage in Wien Bleiben, aber nicht in einem Hotel ober einerPennsi ohn" logieren. Ein Schild an einemZinshaus" macht Shnen kunb, baß imMezzanin", Stiege I, Tür 12, ein Kabinett zu vermieten sei. Sie steigen also über Treppe I in ben Zwischenstück unb sehen an Tür 12 ben Telegraphen in Tätig­keit, ber kein Telegraph ist, fonbern eine elek­trische Klingel. Von bem Zins, ben bie gnä Frau Shnen als usuell angibt, sollten Sie nichts ab- hanbeln, benn er ist bestimmt wohlfeil.

Run gehen Sie auf bie Gasse, weichen bauernd falsch aus, nämlich nach rechts, unb fragen schließlich einen Wachmann nach bem Weg zum Ring. Der Schupo benn ein solcher unb nicht ein Beamter ber Wach- unb Schliehgesell- schaft ist ber Wachmann verweist Sie auf bie J-S2inie ber Straßenbahn, was aber nicht Sot, fonbernSeh" ausgesprochen wirb. Am Ring angelangt, nehmen Sie bie öffentlichen ©ebäube in Augenschein, barunter bie Universität, wo sich bie jungen Leute, bie bie höhere Schule, also bie Mittelschule besucht haben, zum Doktor vor- bereiten, was gar nicht nötig ist, ba sowieso in Wien jeherbessere Herr" zwischen 16 bis 30 mitHerr Doktor", in späteren Sahren mit Herr Professor" tituliert wirb. Sobann be­steigen Sie einen Autobus unb lassen sich, vorbei am Stefansdorn, ber in Wirklichkeit Stefanskirche heißt, zur Donau schaukeln. Die Donau ist jeboch mit nichten bie Donau, fonbern nur ber Donau­kanal,an was" selbst bie Wiener immer toieber vergessen. Die richtige Donau flieht nämlich gar nicht burch Wien, fonbern läßt bie Stabt links, also rechts, liegen. Unb ist auch nicht schön blau, fonbern schön gelbgrün.

Sn einerTrafik" erstehen Sie eine Schachtel Aegyptische ober ein paar Virginier. Allmählich werben Sie es lernen, baß 17 Groschen 1 Groschen sinb, also 10 Pfennig, unb daß bie Aerzte nicht Sprechstunbe, sondern Ordination abhalten. Auf einem Okkasionsverkauf erstehen Sie weiterhin nicht für, aberum 10 Schillinge ein fesches Hüterl, gehen, mit diesem geschmückt, nachmittags

zur Saufe und nach dem Rachtmahl zum Tanz unb können babei feststellen, bah in Wien weniger als anberswo Wiener Walzer getanzt, bafür aber so elegant wie nirgenbs gefaxt und ge- tangot wird.

Kein Ober, kein Wirt verargt es Shnen, wenn Sie nur mal so ins Casä gehen, bie neuesten Renndepeschen zu ftubieren, bie am Garderobe« halter hängen. Ober sich gratis ein Streichholz für Shre Zigarette vom ersten Tisch an ber Tür zu nehmen. Sm Gegenteil: er gibt Shnen noch selber Feuer.

Wenn ber Berliner sich burch eine Menschen­ansammlung brängen will, sagt er:Oorenblick ma'I" Der Wiener:A kloans Momenterl Bitt* scheen!"

Wissen Sie, was an den Türen von Amts­zimmern steht?Tür zu!"? Mit nichten: Das Publikum wird höflich ersucht, bie Tür zu schließen."

Unb im Zoologischen Garten in Schönbrunn ist es nichtverboten, bie Tiere zu necken". Sonbern:Benehmen Sie sich vor bem Affenkäfig so, bah man nicht zu Dergleichen zwischen Shrer Sntelligenz unb jener ber Affen gezwungen ist!"

Mir hat bas sehr gut gefallen.

Shnen hoffentlich auch wenn Sie in Wien sinb ...

Tonfilm:OieNachiderEnischeidung".

Dies ist ein amerikanischer Film ber Paramount ... mit deutschen Schauspielern. Das Motiv ist nicht ganz neu; es erinnert ein wenig anHotel Stadt Lemberg". Milieu und Schauplatz Rußland im Krieae erweisen sich noch immer als wirksam. Das dankbare Grundmotio Rettung eines zum Tode verurteilten Offiziers durch eine Frau wird durch jenes andere und von jeher, auch literarisch, be­liebte Motiv der Frau zwischen zwei Männern zu- 0 kompliziert und gesteigert. Die Regie von

tri Buch 0 wetzki vermag mit filmgerechten Mitteln die in der Fabel begründete Spannung vis 3um freundlichen Ausklang (ohne aufdringliches haPPy end) zu bewahren. Darstellerisch ragen Con­rad V e i d t als General Platoff und Olga T s ch e ch 0 wa als Marya Sablin aus dem auch sonst nicht übel besetzten Ensemble heraus. Deidt (diesmal mit einem koketten Bärtchen) macht in ber kleidsamen Kosakenuniform eine elegante Figur und gibt dar­über hinaus eine noble Leistung mit aller hier ge-

uen durch die Abnahme von Versor- gungsberechtigten aus den öffentlichen Haushalten, sowie durch ihre Einreihung in die Steuerpflichtigen unb SozialaBgabepflichtigen, in­direkt durch eine Belebung ber Konsum­kraft unb bamit Wiederbelebung ber Steuer­quellen. Diese 700 Millionen liquibieren sich also selbst.

Die anberthalb Milliarben Steueranrechnungs- scheine wirken sich für bie öffentlichen Haushalte erst in ben nächsten Sahren aus, unb zwar ab 1. April 1934 rein rechnerisch gesehen mit etwa 300 Millionen jährlich plus Zinsen. Diese Summe wirb bann praktisch in ben Haushalten als eine Steuersenkung in Ersehe.nung treten.

Gewerkschastsproiest bei Hindenburg.

Berlin, 29. Aug. (ERB.) Die Vorstände der Freien Gewerkschaften unb Qlnge- ftelltenoerbänbe haben, bemAbend" zu­folge, an ben Reichspräsidenten ein Tele­gramm gesandt, in bem sie bie Erklärungen bes Reichskanzlers in Münster über bie Absichten ber Reichsre gierung alstatsächliche Be­seitigung bes verfassungsmäßig garantierten Ta- rifrechtes unb eine einseitige Bereicherung ber Unternehmer auf Kosten ber Arbeiter unb An­gestellten" bezeichnen und an den Herrn Reichs­präsidenten appellieren,einer solch Beispiellos unsozialen Politik bie Zustimmung zu versagen unb bie verfassungsmäßigen Rechte ber Arbeiter unb Angestellten zu schützen".

Arbeitsbeschaffung in Anhalt.

Dessau, 29. Aug. (WTD.) DaS anhal- tische Staatsmini st erium hat angeord­net, daß Steuerschuldner, bie Bis zum 15. Ro- vember ben Rachweis erbringen, daß sie in der Zeit vom 23. August bis 31. Oktober 1932 für Reparaturen ober Derbesserrin­gen an ihren steuerpflichtigen Grundstücken ©elb- aufwendungen gemacht haben, in der Höhe ber Hälfte bes aufgewendetenDetrages, jeboch nicht über eine Monatsrate hinaus, von der Steuer von Bebautem Grundbesitz befreit werden. Diese Dorschrift findet auf Personen, die die Steuer ganz oder teilweise Bezahlt haben, entsprechende Anwendung. Für Schwarzarbeit wird nichts bezahlt.

Aus aller Well.

Schwerer Aulounfall in SübtiroL Lin Toter, zwanzig Verletzte.

Bei Mals im Dintschgau ereignete sich ein schweres Autounglück. Eine Person wurde getötet und 20 verletzt. Ein auf der Fahrt nach Meran Befindlicher großer AutoBus aus RavensBurg konnte auf der aBschüssigen Strecke^ vorn Reschenpaß herab nicht mehr abgebremft werden, so daß der Führer, um ein größeres Unglück zu verhüten, sich gezwungen sah, den Autobus gegeneinenDaum zu steuern. Der Daum wurde wie ein Zündholz geknickt. Der Wagen stützte um. Sämtliche Snfaffen wurden in weitem Dogen herausgeschleudert. Dier der am schwersten verletzten Personen wurden ins Krankenhaus nach Mals gebracht, wo ein ge­wisser Paul Schmied aus Ravensburg bald daraus seinen Verlegungen erlag. Zehn weitere Verletzte wurden ins Krankenhaus nach Meran, die übrigen sieben leichter Verletzten nach Bozen gebracht.

Zwangsverwaltung für die Reuyorker Untergrundbahn.

Di« Interborugh Rapid Transit Corp., die den Reuhorker Untergrundbahnverkehr betreibt, ist nicht in der Lage, ihren am 1. September fälli­gen Verpflichtungen, die 3 1 MillionenDol- l a r betragen, nachzukommen. Auf Veranlassung der zuständigen Aufsichtsbehörde wurde die Ge­sellschaft daher unter Zwangsverwaltung gestellt. Die Aktiven des Unternehmend werden auf nom. 500 Millionen Dollar beziffert. DieSn- foloem stellt einen der größten 3ufammen- brüche in der Geschichte der Vereinigten Staa­ten dar.

Verantwortlich für Politik: I. V.: Ernst Blumschein.

botenen darstellerischen Diskretion und Zurückhal­tung. Die Tschechowa, in einer Pola-Negri-Rolle, wirkt angenehm jugendlich ganz zuerst beinahe mäd­chenhaft, und spielt mit liebenswürdiger Routine unb ausgesprochener Eignung für derartige Aufgaben. Peter V 0 ß als Leutnant Sablin ist noch zu nennen. Der Film läuft jetzt im Lichtspielhaus: aus dem Beiprogramm ist der Vorspann zumSchanghai- Expreß" mit Marlene Dietrich bemerkenswert, -r-

Vom papenstück und vom Himmelreich.

Vom Papenstück und vom Himmelreich, von Spätzle und Kalbshaxe, von Kulmbacher Bier und badischem Kirsch, von Klößen und Strudeln und vielen andern Sonderheiten der nach den deut­schen Stämmen mannigfaltig gegliederten deutschen Küche plaudert das Ehrenmitglied des Snter- nationalen Verbandes der Köche, Emil Rae - gele, im Septemberheft von Delhagen & KlasingS Monats heften. Auf Grund fei­ner sachkundigen Angaben hat der Maler Adolf P r 0 p p aus vier Blättern eine ebenso lustige wie bunte Landkarte der deutschen Speisekarte entwor­fen. Sn den Speisen und Getränken, wie sie in den Landschaften des deutschen Sprachgebiets, z. T. seit sehr alten Zeiten, Sitte sind, spiegeln sich nicht bloß die Eigentümlichkeiten der Stämme und die Bedingungen des Himmels, unter dem sie ge- «r rr1 Tafelfreuden sind Kulturgüter, deren

pflegliche Erhaltung aus denselben Gründen einen Wert hat, aus denen wir uns an Volkstrachten und Volkskunst erfreuen. Die Vorherrschaft der internationalen Hotelküche, die vor dem Kriege unzerstörbar schien, ist bei uns erschüttert, seit Weltkrieg, Snftation und Devisennot uns gezwun­gen haben uns auch auf diesem vergleichsweise harmlosen Gebiet auf unsre heimische Art zu be­sinnen.

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Albert Desant, Ordinarius oer Ozeanographie an der Berliner Universi- tut, hat die Vega-Medaille der Schwedischen Gesellschaft für Anthropologie und Geographie und die Agasiz-Medaille der amerikanischen Vationalalaöemie der Wissenschaften" erhalten.

Die Mitglieder der Wegenerschen Grönland- Expedition, die Doktoren Georgi, Löwe und ^orge,. stnd zu korrespondierenden Mitgliedern der Dänischen Geographischen Gesellschaft ernannt worden.