Ausgabe 
30.8.1932 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

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Kirchliche Nachrichten.

Katholische Gemeinden.

Freitag, den 2. September.

Gießen. 6 Uhr: Segensamt. Cid,. 6.15: Segens­messe.

..^isvouzieher erweitert unb ihre Unabhängig« leit aufrechter halten werden. Degen Schluß der Tagung erfolgte die Wiederwahl des seitherigen Dorstandes. Als nächster Tagungsort wurde Darmstadt bestimmt.

Reineck als Falschmünzer überführt.

WED. Dillenburg. 29. Aug. Landjägerei, beamte haben nunmehr die Höhle des verhaftet«! Einsiedler- Reineck einer eingehenden Durch­suchung unterzogen. Die Behausung soll in einem furchtbaren Zu st and gewesen sein, dazu voll Ungeziefer. In einer Kautabakdose sand man die halbe Dipsform eines Zwei­markstückes, und zwar die Adlerseite. Durch diesen Fund und den Fund des Die st löf­fel s dürft« erwiesen sein, Last der Einsiedler sich mit Falschmünzerei beschäftigt hat.

Fortuna ordnet ihr Füllhorn.

Oie Reformpläne bei der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie.

entfernt wurde er durch einen furchtbaren Sturm abgetrieben und gelangte westlich nach dem Davis- Sund unter die Eisberge. 2(1 Stunden lang befand sich das Schiff in größter Gefahr, bis es glücklich nach Reykjawik gelangte.

Oer gefilmte Froschsprung.

Wir alle haben schon mal einen Frosch sprin­gen sehen, aber di« Sache geht so rasch vor sich, daß selbst der aufmerksamste Beschauer die Ein­zelheiten dieses Dorganges nicht feststellen kann. Jetzt hat man aber mit Zuhilfenahme der Zeit­lupe alle Teilbewegungen beim Sprung eine« Frosches im Film festgehalten und ist dabei zu interessanten Erkenntnissen gekommen, wie Dr. Walter Hirsch in dem bei Hugo Dermühler in T<rlin erscheinenden .Raturforscher" ausführt. Die Frösche zum Springen zu bringen, war keine leichte Aufgabe. Man hatte eine Anzahl von ihnen in langwieriger Arbeit auf daS Filmen vorberei­tet aber als sie vor der Kamera waren, blieben sie' plötzlich regungslos sitzen, während sie sonst auf Kommandd sprangen. Sie wurden wohl durch die 13 Scheinwerfer geblendet, die im engen Halb­kreis um sie herumstanden, auch die Hitze mochte ihnen unangenehm sein. Jedenfalls muhte bei der Ausnahme eine Jupiterlampe nach der andern ausgeschaltet werden, biS di« grünen Filmstars sich schließlich herbeiliehen, zu springen. Der Film, der mit einer Geschwindigkeit von 160 Bildern in der Sekunde gedreht wurde, gibt eine erschöpfende An­schauung vorn Sprung des Frosches. Dah Frösche willkürlich geradeaus oder seitwärts springen können, weih jedes Landkind. Aber wie geht die­ser schiefe Sprung vor sich? Die Tiere gewinnen dadurch die notwendige Drehwirkung, dah sie den einen Dorderfuh früher vorn Boden abstohen als den andern, so beim Sprung nach rechts den lin­ken vor dem rechten. Der Frosch rollt sich gleich­sam wie ein Rad vom Boden ab. dessen Speichen­länge während des Absprunges zunimmt. Die Radspeiche wird von den langen Hinterbeinen ge­bildet. bie zunächst wie ein Taschenmesser zusam­mengelegt sind und erst allmählich von vorn nach hinten auSgcftredt werden.

Diehen. den 30. August 1932.

Oem September entgegen.

Jetzt blüht die Heide, jetzt prunken die Brom­beeren am grünen Gerank. Holunderbeeren wiegen sich in reicher Fülle im Geäst, der Tisch ist den Dögeln überreich gedeckt. Den ganzen Tag sitzt der Waldpolizist, der Specht, am Baumstamm, und hämmert und pickt, unermüdlich geht sein Köpfchen auf und ab, und fein scharfer, spitzer Schnabel spieht alles auf. was in der Rinde an Lebewesen umherkreucht. Die Amseln aber fressen sich an Ebereschen dick und rund.

Wie unbeschreiblich klar ist der Himmel. Schaf­fensfreude mühte unser ganzes Wesen erfüllen. Wohl dem, der werken und schaffen und mit Händen oder Kopf wirklich etwas Nützliches her­vorbringen kann. September ist die schönste Zeit des Jahres. Da ist es noch so warm, dah wir nicht heizen müssen, und noch so, hell, dah die Sonne uns fast alles Licht liefert, dessen wir bedürfen. 3a, wir nutzen das Tageslicht bei wei­tem nicht aus.

Das Licht tut unS wohl, dah wir eigentlich recht hungrig danach sein sollten. Es ist wie ein wohliges Bad für Körper und Seele. Die leuch­tende Klarheit dieser letzten August- und ersten Septembertage ist fast wie ein Getränk, das wir mit Wohlbehagen schlürfen. Hub wir genießen in großer Wonne die Stunden in der Spätsom­mersonne, wenn wir über die blühende Heide gehen, die in köstlicher Röte glüht, fühlen uns nah verbunden der schenkenden, nimmermüden Erde. Wie trunken taumeln die Dienen von einem der winzigen roten Kelche zum andern. Sie summen und schwirren, und ihre haarigen Fühe fassen die zarten Dlütenrispen so heftig, daß sie noch lange nach dem Besuch des geflügelten Gastes zittern und beben. Ein Kunstwerk wunder­barster Art ist diese Erika, in der Rahe besehen. Das feine Grün ist bei aller Zartheit so fest und widerstandsfähig, und die Glöckchen gucken so trotzig in die Luft, dah es eine Freude ist. Sie will ja auch ein Weilchen dauern, will noch da fein, wenn ihre schöneren Schwestern schon ver­blüht sind, will uns, auch wenn wir sie Heim­tragen in unsere Wohnungen, lange wie ein liebet Gruß eines sonnigen Spätsommertages vor Augen bleiben.

Dielleicht das schönste ist es, am klaren Tag auf roter Heide liegen hoch oben auf einem Hügel. Das ist. als schwebte man auf weicher Matte hin durch das Himmelsblau, beinahe wie der Prinz im Märchen auf seinem Fliegenden . Teppich. Unter einem ist nichts, über einem nur bie unbeschreibliche Klarheit. Da versinkt alles unb man findet, indem man sich ihr ganz öffnet, hinein zu sich selber. Keine Umgebung vermag so zu einer Dersenkung in das eigene 3ch zu helfen, wie diese schlichte und in ihrer Schlichtheit so erhabene Heidelandschaft, die fast wie ein Bild deutschen Wesens ist: bei aller Bescheidenheit gefüllt mit Werten.

MiffionSfest des Dekanats Gießen.

Arn Sonntag wurde in Gießen baS diesjährige Missionssest des Dekanats Gießen gefeiert. 3n beiden Kirchen, wie auch in der Kapelle deS Alten Friedhofs fanden Festgottesdienste statt, die alle sehr gut besucht waren. Der Gottesdienst in der Stadtkirche wurde belebt durch zwei Ehor- gefänge der Jugend.Lobet den Herren" und Wie schön leuchtet der Morgenstern": m der Iohanneskirche wirkte der Kirchengesangverein unter Leitung von Lehrer Lindenstruth mit. Die Festpredigt in der Stadtkirche hielt Dekan G u ß m a n n. Kirchberg, in der Iohanneskirche Professor Keller. Friedberg, in der Kapelle Pfarrer Staub ach. Watzenborn. 3n allen Predigten kam sehr stark das Bekenntnis zur Rotwendigkeit der Missionsarbeit gerade in.ber Weltnot der Gegenwart zum Ausdruck. Rach dem Gottesdienst in der Stadtkirche sammelte Missionar Lauk von der Baseler Mission die Kinder zu einem Kindergottesdienst, in dem er unter lebhafter Anteilnahme der Jugend allerlei aus der Mission erzählte.

Aeußerlich ist bas ein recht stumpfsinniges Dilb: Auf einer kleinen Bühne stehen zwei große Glastrommeln, die sich ständig be­wegen. mehrere Beamte mit sehr ruhigen, aus- , ,eglichenen, nein, mit routinierten Bewegungen lautieren daran herum, einer greift hier ein Röllchen heraus unb verliest bie Rümmer, zwei andere Männer schreiben die Zahl auf, ein wei­terer Beamter piekt mit vieler Würbe das Röll­chen auf eine Radel, unb endlich entnehmen wieder andere, dunkel gekleidete Männer der zweiten Trommel ein Röllchen, das entweder keine Ziffer trägt bann war das b i e be­rüchtigte Riete, oder bie eine hübsche Summe nennt, also ist ein Gewinn herausge­kommen. Dor ber Bühne sitzen in mehreren Reihen interessierte Menschen, bie teilweise mit­schreiben, ober aber bloß so herumlungern. Das Ganze nennt sich Ziehung ber Preußisch- Sübdeu tschen Klassenlotterie: es fin- bet in Berlin in der Rähe des Potsdamer Platzes statt und ist wie gesagt äußerlich eine ziem- lich stumpfsinnige Angelegenheit.

Denn ber auf Sensationen erpichte Beobachter, der in ben Ziehungssaal eintritt, erwartet Span­nung unb Aufregung, er will fiebernde Augen sehen, er möchte bemerken, wie bie hier herum- sitzenden Lotteriespieler angestrengt auf bie Rufe ber Beamten warten ah, jetzt kommt mein Los, wirb es... wird es nicht?

Derartige große Tage kommen aber doch ge­legentlich vor, man muh nur ben rechten Zeit­punkt wählen. Es läßt sich zwar nicht errechnen, wann dasgroße Los" gezogen wird, von dem sogar die Richtspieler träumen mir geht es wenigstens so. Aber wenn beispielsweise bie letzte lange, sich über Wochen hinziehenbe Aus­spielung beginnt, ober wenn biePrämien" her­auskommen müssen, bie boch auch ganz ansehnliche Gelbsummen verheißen, ja, bann ist Stim­mung im Ziehungssaal, bann fiebern die Augen, bann finb bie Ohren aus bas Aeuherste angespannt, bann beugen sich bie Oberkörper ber Anwcscnben vor. als wollten sie näher unb immer näher ber Spielbühne sein, bann verfolgen alle Blicke bie viel zu langsam erscheinenden Be­wegungen der Beamten an ben Spieltrommeln, bann ist bie Luft heiß unb stickig unb verbraucht, bann raschelt kein Einwickelpapier ber mitge­brachtenStullen" mehr, bann ist alles jung unb alt unb reich unb arm von bemver­fluchten Hunger nach Golb" gepackt.

Rur bie Beamten nicht, bie bebädjtig unb stö­rungsfrei ein Röllchen nach dem anberen aus ben Trommeln nehmen. Ob Freilos ober großes Los, ob Riete ober Prämie ihnen gilt bas alles gleich: sie haben ja nur ihre Pflicht zu erfüllen, allerbings unter ber verschärften Aufsicht von vielen hunbert Augen, bie burchweg mißtrauisch beobachten. Das Mißtrauen ist grunblos, aber in Geldsachen hört bekanntlich bei uns die Gemüt­lichkeit auf. Die Sache mit ben Waisenkindern, bie da unbeteiligt unb unbestechlich bie Lose ziehen, stimmt ja schon lange nicht mehr; biefe armen Jungens hätten zwar etwas heftiger auf bas Gemüt gewirkt als ältere Beamte im feierlichen Gehrock, aber schließlich hat ber Beamteneid auch feine Dorzüge. Auch bie Ruhe unb Hnbeteiligtheit wirken angenehm. Wenn man schon nichts ge­wonnen hat, so weih man sich boch nach ber Ziehung sicher, bah sich alles korrekt unb zuverlässig abgespielt hat. ,

Was bie Ruhe unb bie Zuverlässigkeit betrittt, so haben diese nicht zu Unrecht gerühmten Eigen­schaften auch auf die Leiter ber Preuhisch^ud- beutschen Eenerallotteriedirektion Derzeihung, diese so unmögliche Wortbattung entstammt dem Arbeitsbereich einer preußischen Behörde unb ist wahrscheinlich gesetzlich geschuht, sagen wir also lieber nichts gegen berartige Spraa-schopfungen! also auf bie großen unb allgewaltigen Lotterie­männer übergegriffen unb sich dort sogar noch vervielfacht. Zwar kann man sich auch bort nicht ganz den harten Lehren entziehen, d.e ber Rehen-

Leider war es wegen des schlechten Wetters nicht möglich, die Rachmittagsversammlung auf ber Walbbühne abzuhalten. So mußte man sich in bie Stabtkirche begeben, wo sich Denn auch nachmittags eine zahlreiche Gemeinbe jufanunen- fanb. Der Posaunenchor Lich. ber am Morgen schon in ben Kliniken für bie Kranken geblasen hatte unb ber gekommen war, um bie Beglei­tung ber Lieber auf ber Walbbühne zu über­nehmen. wirkte nun in ber Stabtkirche mit Lanbeskirchenrat Ausfelb begrüßte bie An- toefenben im Ramen bes Pfarrkollegiums unb des Kirchenvorstandes der Stadt Gießen, er wies darauf hin, daß eine lebendige Gemeinde immer eine Missionsgemeinde fei und daß die Missionsarbeit sich mit Notwendigkeit aus der Dankespslicht gegen Gott ergebe Dekan Guß­mann erstattete den Jahresbericht und gab einen Heberblick über die Missionsleistungen der ein­zelnen Gemeinden des Dekanats Gießen. Die Ansprache von Missionar Laut lenkte den Blick der Gemeinde auf die verschiedenen .Missions­gebiete und zeigte die großen Schwierigkeiten mit denen die Missionsarbeit gerade in der Gegenwart zu kämpfen hat. Sie lieh hinein sehen in die geistigen Bewegungen in Snbteii. China und Afrika, zeigte, wie dort überall cm Ringen ber verschiebensten Weltanschauungen unb Religionen zu beobachten ist unb wies auf bie Aufgaben bes Christentums in diesem Kampf ber Weltanschauungen hin. Die verschiedenen Ansprachen waren umrahmt von Liebern der Gemeinbe unter Begleitung von Orgel und Po­saunenchor. Mit Gebet. Vaterunser unb Segen würbe bie Versammlung geschlossen.

AusbauderZehntage-Wettervorhersage

Der Versuch der Zehntage-Witterungsvorherfagen, die von der Staatlichen Forschungsstelle in grani furt a M in den Monaten Juli und August erst La s im " weitesten Umfange zur Veröffentlichung fiJ waren bearbeitet für Norddeutsch- L -Mich der Oder, West-, MM-l- rmd Süd. d-u.Ich.°n° ohne 'E «uchVurch

Ltoeid)" Anerkennungen aus den Kreisen der prat- Mchen Nutznießer beftätigt wird, Kerne einzig- der nierzehn SBorausfagen -°r"^^'^gabF g . nnrhprinnp Die erste am L. x)u>i gur »

den letzten Tagen geringe Abweichungen, die vier

Buntes Allerlei.

Ein süßer Schah im Fußboden.

Eine alte Frau in Wülfrath im Rheinland hat aus d«m Fuhboden ihres Schlafzimmers einen sühen Schah von einem halben Zentner garan­tiert reinen Bienenhonig gehoben. Seit Jahren schon beobachtete bie Frau unter bem Fuß» hoben ihres Schlafzimmers summende Geräusche, denen sie aber keine Beachtung schenkte. Das Ge­summe wurde aber von Sommer zu Sommer stärker. Riemand konnte es sich erklären, unb um den Geräuschen auf bie Spur zu kommen, be- schloh man, den Fuhbvdenbelag abzunehmm. Zur großen Heberraschung entdeckte man. dah sich zwi­schen Fußbodenbelag und ber Decke des barunter- liegenden Zimmers Bienenvölker angefiebelt hat­ten. Zu- und Abgang fanden die Bienen in den Ritzen des Mauerwerks. Etwa 40 000 Dienen hat­ten sich hier eingerichtet und Waben von etwa anderthalb Meter Länge angelegt. Der Honig. Vorrat beträgt etwa 50 Pfund.

Eine Wiking-Fahrt.

In der isländischen Hauptstadt Reykjawik ist, wie von dort gemeldet wird, ber Norweger Folgeroe in einem Schiff angekommen, dasRoald Amundsen" heißt und ganz wie ein altes Wikinger-Schiff ge­baut ist. Folgeroe, der wie die Winkinger ohne Log oder Chronometer segelt, verließ mit einer Beman­nung von drei Leuten am 4. August St. Johns auf Neufundland, um nach dem Kap Farewell auf Grön­land zu segeln, aber 60 Kilometer von der Küste

stimmte wieder genau, bie fünfte war mieber in ben letzten lagen ungenau. Von ber sechsten bis zur vierzehnten unb letzten Vorhersage dieses Sommers, die vom 18. bis 28. August reichte, erwies es sich durchweg, daß die Zehnlagevorhersage als Ganzes sich schon im ersten Jahr gut bewährt hat, daß die deutsche Meteorologie einen Fortschritt für sich be- 'ispruchen kann, der einzig dasteht.

Wohl als das wichtigste Moment dieses namentlich für die deutsche Landwirtschaft und die Kurorte

stift erteilt: 800000 Lose lagen auch bei der gegenwärtigen Ziehung wie schon seit Jahren bereit zum Verkauf, aber 340000 davon sind nicht abgesetzt worden. Die Lotterie-Direk­tion muh diese Masse selbst spielen, ein bißchen helfen ihr bie Kollekteure habet Zeichen ber Zeit? Gewiß, denn bis zum Anbruch der Welt­wirtschafts- und der speziellen deutschen Krise im Jahre 1930 war die Lotterie im großen und ganzen so gut wie ausverkaust: fast alle Lose konnten untergebracht werden. Damals kam die Lotterieverwaltung auf eine Idee. durch die Erhöhung der Lospreise von 120 auf 200 Mark konnte theoretisch der Spielplan ver­bessert, die Gewinnzahl vermehrt und die Ge­winnhöhe aufgestockt werden. Aber die Ar­beitslosigkeit begann immer stärker an- zuschwellen und die Einkommen sanken immer ent­schiedener. Alsv waren die fünf Mark für ba« Achtellos beinahe allmonatlich zu zahlen, bei vielen spieleifrigen und spielfreudigen Menschen nicht mehr ba; sie mußten auf ihr Los verzichten. Immer mehr stieg bie Zahl ber unverkauften Lose an, gegenwärtig ist beinahe die Hälfte nicht abgesetzt worden.

Was nun? Bekanntlich muh in derartig ver­zweifelten Fällen bei allen Behörden der Welt ebenso wie beim privaten Menschenetwas ge­schehen". Hnb wenn ein Derartiger Auftrag erst einmal in ben Instanzenzug eines staatlichen Apparates hineingetutet ist, kann man sich darauf verlassen, bah auch etwas geschieht. Das sehr ein­fach konstruierte Hirn bes Spielers käme in diesem Falle zu dem Schluß, daß die Lose zu teuer seien; verkäuflich könnte man sie jedoch wieder machen, wenn der Preis den Zeitverhältnissen entsprechend herabgesetzt würde. Dielleicht auf die drei Mark für das übliche Achtel wie in früheren, zum Teil sogar fetten Jahren. Aber nein, dagegen sträubt sich die Behörde mit dem unsäglich langen Ramen, sie besteht auf ihren fünf Mark, denn vier Staatssäckel, die von Preu­ßen, Bayern. Württemberg und Baden sind an den Gewinnen beteiligt, dazu auch noch die Reichskasse, bie ihre Lotterie st euer haben will. Wer selber Spieler ist unb wer nach bem Rezept Doktor Martin Luther bem gemeinen Mann von ber Straße auf bas Maul sieht, ber weih, bah tatsächlich bie hohen Lospreise von ber Beteiligung an ber Lotterie abschrecken. Eine Herabsetzung bes Einsatzes würbe es bestimmt möglich machen, bie Spieler von einst toieber an bie Trommeln her anzuholen. Dah man auf drei Mark nur drei Fünftel des sonst möglichen Ge­winnes hereinholen kann, ist jedem Har, der sich mit gütiger Hnterstützung des Herrn Adam Riese einmal über den Spielplcm und seinen Aufbau hermacht.

Rach ber Idee von 1930 ist letzt die zweite fällig. Wenn keine 800 000 Lose mehr zu verkaufen sind geben wir eben nur noch 500 000 aus. so wirb gesagt. Darin liegt ber Schlich, wenigstens diese Loszahl sei bestimmt abzusetzen Mit Der- laub, so geht bas nur nach der Wahrscheinlich­keitsrechnung auf. Der kommende Winter wird auch noch nicht leichter sein als seine Dorgänger, es läßt sich daher eher annehmen, dcch sich die Zahl der Spieler noch weiter vermindern könnte. Gewiß klingt es ganz nett und schön, bah trotz dcr Verminderung ber Lose bie Gewinnchancen gleichbleiben werben allerdings ist der Spiel­plan bis jetzt noch nicht abgeschlossen!, weil man statt wie bisher in zwei Abteilungen nur noch in einer spielen will. Doch damit kann der Spielerstamm nicht erhalten werden, dem die fünf Mark für das AchtelloS knapp und immer knapper werden. Wenn der Staat ein beinahe undurchbrochenes Monopol auf das Lotteriespiel übernimmt, muh er sich dem Spielerwillen einigermaßen anpassen. Denn die Lotteriespieler wollen nicht mehr erzogen werden: sie wünschen unb das wird am Ende die maßgebenden Herren überraschen zu gewinnen, rner,

wertvollen Fortschritts ist bie Sicherheit unb Weit­sicht zu bezeichnen, mit ber bie Witterungsumschläge rechtzeitig erkannt unb in ben Vorhersagen klar unb unzweideutig zum Ausdruck gekommen finb. So würbe, um nur bas markanteste Beispiel zu er­mähnen, bas überall Gültigkeit hatte, ber Heber- gang zur längs ri stigen Schönwetter- p e r i o b e im August rechtzeitig oorhergesagt. Von allgemein gültiaen Einzelheiten seien nur bie über ganz Deutschland verbreiteten Gewitter am 21. August genannt, bie mit ber daraus folgenden Abkühlung bereits acht Tage vorher angesagt worben waren. Nach biefem gelungenen ersten öffentlichen Versuch kann bie Staatliche Forschungsstelle für langfristige Witterungsoorhersage jetzt an bie wissenschaft­liche Ausgestaltung ihrer Arbeit für ben nächsten Sommer gehen. Zunächst müssen bie Vor­hersagen für bie Monate Juli unb August vervoll­kommnet werben, bie theoretischen unb synoptisch- statistischen Untersuchungen, bie ben Vorhersagen zu- grunbe liegen, werben fortgesetzt, um bie Zuver­lässigkeit unb Genauigkeit ber Prognosen noch zu steigern. Daß bies möglich ist unb in welcher Richtung hierzu bie Forschungen noch weiter aus­gebaut werben müssen, h°t sich durch bie bisher gewonnene Erfahrung gezeigt. Sinb erst bie Grunb- lagen für bie Monate Juli unb August entsprechend vervollkommnet, so wirb auch an bie Bearbeitung ber Unterlagen für weitere Monate herangegangen werben. Die Staatliche Forschungsstelle trägt sich mit ber Absicht, für bas ganze Vegetationshalbjahr, also bie Monate April bis Oktober, die Unterlagen zu künftigen Zehntagevorhersagen auszuarbeiten.

Daten für Ticnctaa, 30 August.

1928: ber Maler unb Bildhauer Franz von Stuck in München gestorben.

" DerkeHr - unfa11. Am Ludwigsvlah er. eignete sich gestern gegen 16 Hhr ein schwerer Hnglückssall. Gin Personenkraftwagen, der von der Kaiserallee kam und über den Ludwigsplah in die Ludwigsstraße fahren wollte, geriet an der Ecke Gartenstraße gegen einen schweren, mit Zie­gelsteinen beladenen Lastkraftwagen, der eben in die Gartenstraße einbiegen wollte. Der Anprall war so heftig, dah der Fahrer des Privatkraft, wagens durch seine eigene Windschutzscheibe hin- durch gegen den Lastlras twage.i geschleudert wurde Die Freiwillige Sanitätskolonne brachte ihn zur Chirurgischen Klinik. Der Kraftwagenführer, ein Herr zu I e t e l o h aus Gladenbach hat einige allerdings unbedeutende Kopfverletzungen und an­scheinend auch eine leichte Gehirnerschütterung er­litten. Das Privatauto wurde erheblich beschädigt. Die Schuldfrage ist noch nicht völlig geflärL

" Ehemalige hessische Leibdrago­ner in Langensalza. 3m Schaukasten des Gießener Anzeigers" (Schulstrahe) sind gegen­wärtig Bilder von dem Besuch des Dereins ehe­maliger hessischer Leibdragoner G'.ehen bei der Traditionseskadron in Langensalza zu sehen.

Zirkus Straßburger in Giehen. Roch jetzt, zur Stunde, hat der Zirkus Straßbur­ger in einer anderen, in einer mitteldeutschen Stadt seine Zelte aufgeschlagen und zieht mit sei­nen Dorstellungen die Menschen in seinen Dann. Hebet Tag und Rächt aber wird die Zeltstadt hier in Gießen sein und auf dem Oswaldsgarten neu erstehen. Sonderzüge mit vielen Wagen wer­den hier eintressen. Für kurze Stunden wird auf dem Güterbahnhof unserer Stadt ein hochinter­essantes Leben und Treiben herrschen, so lange, bis alles an Ort und Stelle ist. Am Abend deS kommenden Freitags wird dann bereits die erste Dorstellung stattfinden. Der Zirkus Straßburger ist ein Unternehmen, das. so wird uns geschrce- ben, alte, gediegene Zirkuskunst pflegt und mit der Fülle seiner Darbietungen jedermann vieles zu bringen weiß. Erstklassige Künstler, prächti- ges Pferdematerial, eine Anzahl großartiger Raubtiere werden die 'Besucher zu sehen bekom­men. Richt weniger denn 500 Menschen dienen dem Unternehmen. Menschen aller Rassey. ver­einigen sich im Zirkus und warten mit ihren man­nigfachen Künsten auf. Clowns sorgen für den Humor. 50 Musiker konzertieren während der Darbietungen, die sich in rascher Folge in w nege und Rennbahn abspielen werden. Der ZirkuS Straßburger wird sicherlich auch in Dießen ein dankbares Publikum finden.

Foffaden-Kletterer an der Arbeit.

Bad-Nauheim, 29. Aug. (WSN.) Durch einen Fassadenkletterer wurde in der Nacht zum 28 August ein Gast in einem Bad-Nauheimer Hotel schwer geschädigt. Der Dieb nahm zwei gol­dene Armbanduhren, eine Damen- und eine Herren- ubr sowie eine Kinderarmbanduhr mit, außerdem fielen dem Einsteigedieb etwa 200 Ma r k i n b a r n die Hände. Wahrfchemlich hat der Fassaden- fetterer einen Morgenschnellzug nach Frankfurt benutzt, um auszureißen. Der Verdächtige wird als ein etwa 30jäf)riger Mann mit grauem Anzug geschildert.

30. Verbandstag

hessischer Gerichtsvollzieher.

rrn»-77 Friedberg, 29. Aug. Am Samstag- naSag hielt der Landesverband Hessen des Deutschen Gerichtsvollzieherbundes seinen 30. Der- bandstag ab, der mit einer Zeier des 30- b r i a e n Bestehens verbunden war Rach Erledigung des geschäftlichen Teils der Tages- Arhmrrm hielt Obergerichtsvollzieher ©laufen

3nfrm «ftai betoäft-gte er sich At Anstellungs-. Besoldungs- und Ausbildungs- kagen ür Gerichtsvollzieher, .^me,Forderungen ^streckten sich vor allem auf eine gründliche theo- AisÄ und praktische Dorbildung der Anwar. ker. Redner verlangte ferner ausreichende £ » f n r h u n a für die Gerichtsvoll- ?i e h e?und Gleichstellung der Gerichtsvollzieher mll 5en oberen Gerichtsbeamten In dem zweiten Referat wurde die Re u g c ft a 11 u n g ö e r 3i» nilvroießordnung unter besonderer Be­rücksichtigung des Zwangsvollstreckungswesens be- banbelt ^Dei der Reformierung des ZwanAsvoll- streckungswesenS müßten die Kompetenzen der Ge-