MkkS SemöWS
Vornan von Hertha Fricke
Urheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau
8. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„3a, aber das kannst du ihr doch nicht zum Dorwurf.machen, kleine Schwägerin! Dazu ist sie doch engagiert! Aber vielleicht könnte sie durch Takt und Freundlichkeit des Pflegedienstes ewig gleichgestellte Uhr ein wenig angenehmer regulieren!"
„Das tut sie aber nicht, Schwager! Sie ist selbst eine Uhr, eine Maschine, eine Person ohne Seele, ein gräflicher Mensch!"
„Dein Leiden macht dich ein wenig ungerecht!"
Die Kranke richtete sich auf. „Magst du sie etwa, Schwager Heinrich?"
Er lachte und schüttelte den Kopf. „Verlieben würde ich mich nicht in sie!"
„Siehst du, und das nimmt sie Eva-Marie persönlich übel! Und mir auch! Mir ninunt sie übel, dah ich Eva-Marie lieb habe, dah ich ,du' zu ihr sage und sie gern um mich habe! Das) sie überhaupt gekommen istl"
„3a, wenn du sie so vorziehst, Renate!"
„Du etwa nicht, Heinrich?"
Er lachte. „Doch! Aber nun sage mir, hat diese reizende junge Dame, die noch mit einem köstlichen, blitzenden Zorn in den Augen in deinem kleinen Mahagonisalon sah, wirklich dieses Muster an Pflichterfüllung und Exaktheit eigenhändig hinausgeworfen?"
„Mit den eigenen Händen gerade nicht, oder doch, so —" Renate ahmte wundervoll Eva- Maries nicht mihzuverstehende Geste nach der Tür nach.
Dr. Andresen Machte laut. „3hr seid köstlich, ihr beiden Frauenzimmevchen! Aber warum so -r
Run machte auch er die entlassende Handbewegung. Renate wurde ganz munter.
„Warum? Run, weil wir uns etwas erzählten, was diese Pflegerin gar nichts angeht, wohinein sie ihre spitze Rase nicht stecken braucht!"
„Was denn, Renatchen?"
„3ndiskret!" scherzte sie. „Dinge aus der 3u- gendzeit!"
Er freute sich über Renates gute Laune. w Liebesgeschich ten?"
„3a!“ sagte Renate. „Und die gehen dich auch nich-sZ an!"
„Da hast du recht! — Aber ich hatte nicht -gedacht, dah Fräulein von Diemen auch Liebesgeschichten macht!"
„Eva-Warie? — Rein, ich!" sagte Renate ehrlich.
„Du?" Ungläubig und mit tiefem Mitleid sah er sie an.
„3ch meine doch früher!"
„Kindchen, das ist ja alles gut und schön! Cs geht mich auch nichts an, was du mit deiner Freundin — so darf ich doch sagen — plauderst! 3m Gegenteil, es freut mich von ganzem Herzen, dah du froh mit ihr sein kannst! Aber ich muhte nur einmal feststellen, was eigentlich los war, denn die Gewissenhaftigkeit Schwester Elisabeths fürchtete für dich!"
„Quatsch!" machte Renate abfällig.
„3ch mag Fräulein von Diemen selbst gern!" gestand der Arzt mit warmer Stimme.
„O wie fein! Wie mich das freut! — Weiht du, was ich mir wünsche?" Renate zog seinen Kopf zu sich heran.
„Dcüh du sie so lieb hättest, dah sie deine Frau wird!" sagte sie ihm ins Ohr.
Da zog der Arzt die blasse Hand an seine Lippen. „Das soll sie werden, Renate! Du weiht ja gar nicht, wie lieb ich sie habe! Aber ich muh erst Boden unter den Fühen haben. Eine Assistenten stelle an einer Rervenklinik ist mir in Aussicht gestellt. So lange muh ich noch warten — und du magst sie ja noch nicht entbehren."
„3ch mochte nicht mehr ohne sie sein, Heinrich? 3ch wünsche dir und ihr alles Glück der Erde! Aber loh sie mir, solange ich lebe!" Tränen traten in ihre Augen.
„Liebe, kleine Renate — nein, ich nehme sie dir nicht! Du sollst diese liebe, feine Seele behalten, wenn sie dich so erfreut!" Er streichelte die feinen, blassen Hände. Das Mitleid mit der einst so schönen, kraftvollen Frau erschütterte ihn, und es wurde ihm gar nicht klar, dah er mit diesem Versprechen und Wartenwollen eigentlich zugab, dah es nicht zu lange dauern würde. Aber Renate war hellhörig.
„Wie es nur kommt", sagte sie nach einer Weile sinnend, „dah zwei Brüder so verschieden sein können, wie Karl und du!"
• „Du weiht doch, dah wir zwei Mütter hatten, wenn auch der Vater und der Rame der gleiche ist. Lind wir Aerzte glauben, dah die Mutter wohl das meiste an Geist und Charakter zu geben hat."
„Dann mühtet ihr Männer immer sehr vorsichtig sein mit eurer Wahl. Denn gute und kluge Kinder zu haben, ist doch ein grohes Glück!"
„3a, du hast recht! Ein Glück, das länger währt, als die Schönheit einer Frau, und das bis ins Alter hineinreicht, wenn man das Glück der Verliebtheit längst vergessen hat!"
„Darum muht du Eva-Marie heiraten, Hein
rich!" Sie sah ganz ernsthaft aus. „Sie ist zuverlässig und treu! Lind ihr Herz ist so klar und aufrichtig, dah man stets weih, was sie meint, und wie sie es meint! Auch ihr Zorn gegen Schwester Elisabeth war ehrlich und gerecht! Weiht du, ich möchte gern eine andere Pflegerin haben."
Dr. Andresen sah sinnend vor sich hin.
„Liebe Schwägerin, gerade jetzt ist es ein schlechter Zeitpunkt für diesen Wechsel. Wir sind ja beide der Ansicht, du und ich, dah sie exakt ihre Pflicht tut. 3ch bin auherdem der Meinung, dah sie gerade jetzt schwer entbehrlich ist, da sie die Entwicklung deines Leidens miterlebte, und darum sehr genauen Bescheid weih. Eine andere könnte dir jetzt leicht unnötige Schmerzen machen. Das ist zu vermeiden. Und da du selbst damit einverstanden bist, dah wir durch eine Operatton zu Helsen suchen, kommst du ja doch für eine Weile in die Klinik, und die Schwester auf Erholungsurlaub!"
Renate sah träumend in weite Fernen.
,^Hat es denn überhaupt Sinn, dieses Operieren?"
„Ganz ohne Zweifel!"- versicherte der Arzt. „Du wirst dich bald Wohler fühlen, und diese ziehenden und drückenden Schmerzen quälen dich nicht mehr!"
„Aber Heilung gibt es nicht?" fragte lauernd die Kranke.
„Liebe Renate! So dachte man früher! Heute ist die Wissenschaft weiter!" lenkte Dr. Andresen ab. Was wollte er sagen?
Er verabschiedete sich von Frau Andresen und versprach, Eva-Marie zu schicken.
6.
3nzwischen sah Schwester Elisabeth bei Herrn Karl Andresen und verklagte geschickt Eva-Marie. Sie bauschte die Geschichte von der Aufregung und den alten Briefen noch einmal so groh auf und lieh durchblicken, dah es sich anscheinend um frühere, gewih weit zurückliegende Beziehungen der gnädigen Frau gehandelt habe, und dah sie glaube, sie habe Herrn Karl Andresens Ramen dabei nennen Horen. Der Mann stand auf und ging nervös auf und ab. Die beiden Damen waren so vertraut geworden, sie duzten sich sogar, sollte Renate der Freundin ihr Herz ausgeschüttet haben?
Er hatte ein schlechtes Gewissen, und darum war ihm Fräulein von Diemens Gegenwart plötzlich sehr fatal. Wie es Wohl jedem Menschen fatal sein muh, jemanden täglich begegnen zu müssen, der von einer unredlichen Handlung weih, die er sich zuschulden kommen lieh. — 3emanden täglich zu begegnen, der einem darum im 3nner- sten verachtet. — Er wollte sehen, dies Fräulein Gesellschafterin loszuwerden! — Schwester Elisa
beth verlieh ihn, und sein Bruder trat wieder bei ihm ein.
„Es will mir doch scheinen, als ob dies Fräulein Gesellschafterin unser allzu grohes Entgegenkommen ausnutzt und sich allerhand herausnimmt, was ihr nicht zukommt und meiner Frau keineswegs dienlich ist! 3ch gehe mit dem Gedamken um, sie zu entlassen", äuherte der Kaufmann.
„Aber Karl!" sagte der Doktor ein wenig erschrocken. „Vorhin sprachst du doch davon, dah du ihr Gehalt erhöhen wolltest ihrer guten Eigenschaften halber?"
„3ch habe aber inzwischen allerhand erfahren, was sie mir doch anders erscheinen läht, als wir meinten! Wir Männer lassen uns da zu leicht durch ein hübsches Lärvchen täuschen."
Der Doktor wurde zornrot. „3ch wette, das tat diese graue Rönne, die auher ihrer guten Ausbildung nichts hat, was sie gegen Fräulein von Diemens Liebenswürdigkeit in die Waag, schale zu werfen hätte!"
Karl Andresen steckte sich scheinbar gleichmütig eine Zigarre an. „Du sprichst parteiisch, Heinrich! Wie verliebte junge Männer manchmal sind!"
„Rur Männer?" fragte der Arzt böse werdend. „Dann darf ich dir wohl zu meiner Entlastung sagen, dah die, welche es am meisten angeht, deine kranke Gattin, mich eben gebeten hat, diese Pflegerin aus ihrer Rähe zu entfernen!"
Es ging Karl Andresen plötzlich durch den Sinn, dah diese kluge Elisabeth als Aufpasserin recht nützlich für ihn wäre. Sie würde seine Frau wenigstens oft hindern, sich gegen die neugewonnene Freundin gar zu rücksichtslos auszuspre» chen, und sie würde es bei ihrem geringen Wohl- wollen für das Fräulein gewih verstehen, wenn er ihr einen diesbezüglichen Wink gäbe.
„Es fällt mir nicht «in, um einer plötzlichen Laune meiner kranken Frau willen einen zuverlässigen und unentbehrlichen Menschen zu entlassen! Dis dahin war ja niemand mit den Lei- stungen der Schwester unzufrieden. Aber zwei Weiber im gleichen Dienst, das gibt immer Stunk!"
„Sprich doch etwas respektvoller!" bat der Arzt.
„Von Fräulein von Diemen meinst du?" Karl Andresens Gesicht war höhnisch, und das vorher so gute Einvernehmen der Brüder war getrübt.
„Du scheinst schlechter Stimmung zu sein! 3ch will lieber gehen!" antwortete Heinrich.
„Unsinn!" brummte der andere. „Aber waS hast du zu den törichten Wünschen meiner Frau gesagt? Du warft natürlich auch dafür, dah diese kleine hübsche Kröte ihren Willen kriegt!"
(Fortsetzung folgt.)
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K A ISE R'S GESCHÄFT
Familien-Drucksachen Verlobungsanzeigen bei Brühl, Schulstraße Geburtsanzeigen
36 Jahre alt
In tiefer Trauer:
6095 D
Gießen und Darmstadt, den 29.' August 1932.
04989
Heinrich Ehmer, Verw.-Inspektor Charlotte Ehmer.
Gießen (Friedrichstraße 3 I), den 29. August 1932.
Die Einäscherung findet in aller Stille statt. Von Beileidsbesuchen bitten wir absehen zu wollen.
Nach schwerem Leiden verschied heute unsere Innlgstgeliebte, herzensgute, treusorgende Frau und Mutter Margarete Ehmer, geb. Prüfer
Allen denen, die bei dem Heimgang unseres lieben Entschlafenen
Herrn Otto Hehler
Gerichtsvollzieher L R.
ihre Anteilnahme bewiesen, sagen wir unseren herzlichsten Dank.
Die tieftrauernd Hinterbliebenen:
Dr. Otto Hehler
Marie Brück, geb. Heisler
Möbl. Zimmer
von ein». Herrn ges. Schriftl. Ang. unt. 04983 an d. G. A.
[Stellenangebote]
Wir betrauern tief das Ableben unseres lieben Gründung»-A. H.
Hermann Eidmann
akt. 1881-84
Oberforstmeister i. R. in Darmstadt
Die Landsmannschaft Darmstadtia
I. A. d. C.: Erich Heil F. C.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 31. August, um 14.30 Uhr in Babenhausen statt.
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