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rungen, die ich in meiner Freiburger Rede genracht haben soll, den Tatsachen ent­sprechen. Ich habe Herrn Dr. Schacht, da ich dauernd von Berlin abwesend war, daraufhin am 23. Juli initteilen lassen, daß ich versuchen würde, ihn nach meiner Rückkehr nach Berlin den authentischen Text meiner Freiburger Rede zur Verfügung zu stellen. Herr Dr. Schacht hat das nicht aogewartet. sondern fußend auf einen vollständia unzulänglichen Bericht des WTB. in einem Bries vom 25. Juli schwere An­griffe gegen mi ch gerichtet. Was ich in Freiburg geäußert habe, ist folgendes: Gegenüber den Ausführungen, die Herr Dr. Schacht in der DAZ." gemacht hat, wonach das von mir gelei­tet« Kabinett die Vorbereitungen zur Lau­sanner Konferenz nichtaus dem Gei st e des Kämpfens, sondern aus dem Geiste des Duldens getroffen habe, bin ich kurz auf die Vorgeschichte des Vounaplanes eingegangen und habe die Verantwortlichkeit des Herrn D r. Schacht f e st g e st e l l t. Ich habe auf die zu frühe Inangriffnahme der Reoi - fionsoerhandllungen des Dawcspla- n e s hingewiesen und auf die später bei den Ver­handlungen in Paris gemachten Fehler. Diese Auffassung muß ich aufrecht erhalten, denn sie entspricht der historischen Wahrheit, wie sie aus den beim Reichsarchlo niedergelegten Urkunden festgestellt werden kann. Es war ein Fehler, die Verhandlungen am Ende einer deut­schen Hochkonjunktur zu beginnen, unid es bleibt in meinen Augen ein Fehler, daß ein festes Angebot in Paris durch Herrn Dr. Schacht gemacht worden ist.

Wer wie ich ein Jahr lang in zahlreichen Bespre- chunhen mit Staatsmännern und Finanzsachverstän­digen die Verhandlungen über die Reparationsfrage geführt hat weiß wie stark alle Argumente gegen eine Beseitigung Der Reparationen auf diesem- gebot aufgcoaut waren. Nachdem durch die Arbeit meines Kabinetts es gelungen war, schrittweise die Welt davon zu überzeugen, daß eine weitere Reparationszahlung unmöglich war, muß Ich es auch angesichts des von Herrn Minister­präsidenten Dr. Held neulich in Köln festgestellten öffentlichen Eintretens des Herrn Dr. Schacht für den Poungplan als einen un­erhörten Vorwurf betrachten, wenn gerade diese Per­sönlichkeit derartige Angriffe gegen das von mir ge­führte Kabinett erheot. Wenn Herr Dr. Schacht üoer die späteren Verhandlungen spricht, die ich in Freiburg nicht erwähnt habe, ob es richtig gewesen lei, im Jahre 1 9 2 9 /30 den Poungplan abzulehnen und auf die Be­freiung des Rheinlandes auf Jahre hinaus nach­träglich zu verzichten, so sind das Fragen, die sich zum Teil zwangsläufig entwickelt haben und über die auch die Auffassung des Herrn Dr. Schacht mehr­fach gewechselt hat. Ich muß däher den Vorwurf der bewußten Unwahrheit auf das schärfste zurück- weisen.

Eine Erklärung national- sozialistischer Hochschullehrer. München, 29. 3ult (Priv.-Tel.) 3mVöl­kischen Beobachter" veröffentlichen eine Reihe Unidersitäts- und Hochschullehrer eine Er­klärung zur Reichstagswahl, in der u. a. folgen­des auSgeführt wird:

Wir unterzeichnete deutsche Universität-- und Hochschullehrer haben in den 3ahren nach dem Kriege mit wachsender Ablehnung die verderb­liche Wirkung des herrschenden politischen Sy­stems auf das geistige und materielle Leben unseres Volkes gesehen. Der intellektuell schas­sende Volksteil, dem auch wir angehören, und der in engerem Sinne Bürgertum genannt wird, hat wohl versucht, die geistige Bildung gegen Verflachung zu schützen. Die materielle Ver­strickung aber des ganzen deutschen Lebens in die Einflüsse des internationalen Finanzkapitals hat jenes scheinbare Gleichgewicht der wirtschaftlichen und sozialen Ordnung hervorgebracht, mit dem auch das Bürgertum sich zufrieden gab. So hat es in diesen 3ähren seine sittliche Aufgabe als Führerschicht verfehlt. 3n dieser selben Zeit ist aus der letzten Kraft instinktiven nationalen Le­benswillens heraus eine Volksbewegung ent­

standen, emporgetragen von Männern, deren deutscher Charakter, Gesinnungsreinheit und Or­ganisationskraft heute nicht mehr in Zweifel ge­zogen werden dürfen. Auch wir akademische Leh­rer sind durch alle Bedenken hindurchgegangen, die den intellektuellen Menschen bei einigen Ziel­gedanken der nationalsozialistischen Bewegung kommen. Die wesentlichen Gedanken aber, vor allem: die Bekämpfung des fremdrassigen Ein­flusses in unserem Volksleben, die Einschränkung des Eigennutzes auf allen Gebieten, soweit er dem allgemeinen Nutzen entgegen handelt, der Wille zur Befreiung des Staates und des sozialen Lebens von der materialistischen Fessel des Fi­nanzkapitals, diese wesentlichen Zielgedanken sind durch alle einzelnen Bedenken hindurch von uns als grundsätzlich richtig erkannt.

Die von vielen gefürchtete Einschränkung der geistigen Freiheit durch ein engstirniges nationali­stisches Schema fürchten wir nicht, nachdem wir die geistige Oede und Unduldsamkeit des unter dem Scheine geistiger Freiheit wirkenden internationa­

len Schemas in Kunst, Film und Rundfunk kennen­gelernt haben.

Diese national-sozialistische Bewegung stellt den intellektuell schaffenden bürgerlichen Volksteil vor die letzte Entscheidung, die ihm in der Geschichte unseres Volkes gestellt ist.

Wir erwarten zuversichtlich von nationalsozialisti- scher Führung im Staate die Gesundung unseres ganzen öffentlichen Lebens und die Rettung deut- scheu Volkstums und sind entschlossen, jeder an seinem Teil dafür zu wirken.

Die Erklärung trägt 51 Unterschriften, darunter die Namen her Professoren Haller, Tübingen; Emge, Jena; Hans F. K. Günther, Jena; Lenard, Heidelberg; Krieck, Frankfurt; Endemann, Heidelberg; Rudolf Herzog, Gießen; Philalethes Kuhn, Gießen; Fabricius, Berlin; Rothacker, Bonn; Jaensch, Marburg; Koellreuter, Jena; Baeumler, Dresden; Hans Naumann, Bonn; Haberland, Köln; Banse, Braun­schweig.

Vurgsriede vom 31.3uli bis 10. August.

Eine Verordnug des Reichspräsidenten erläßt für zehn Tage nach der Wahl verschärftes Versammlungsverbot.

Berlin, 29. Juli. (IBIB.) Amtlich. Auf Grund des Art. 48 Abs. 2 der Reichsverfassung wird folgendes verordnet:

Für die Zeit vom 31. 3uli 1 932 bis ZUM Ablauf des 10. August 1 9 3 2 sind alle öffentlichen politischen Versamm­lungen verboten. Als politisch im Sinne dieser Vorschrift gelten alle Versammlungen, die- zu poli­tischen Zwecken oder von politischen Vereinigungen veranstaltet werden. Auch alle politischen Versamm­lungen unter freiem Himmel, die In sesiumfriedeten, dauernd für Massenbesuch eingerichteten Anlagen stattfinden sollen, sind verboten, wer eine solche Ver­sammlung leitet, in ihr als Redner auftritt oder den Raum für sie zur Verfügung stellt, wird mit Ge­fängnis bestraft, neben dem auf Geldstrafe erkannt werden kann. Wer an einer solchen Ver­sammlung teilnimmt, wird mit Geldstrafe bis zu 150 Mark bestraft.

Zu der Verordnung wird amtlich mitgdeltt: Der Herr Reichspräsident hat durch eine auf

Grund des Art. 48 RV. erlassene Verordnung e i n mit dem Wahltage in Kraft tretendes Verbot aller öffentlichen politischen Versammlungen, also auch solcher in ge­schlossenen Räumen, erlassen, das zu dem in Kraft bleibenden Demonstrationsverbot hinzu­tritt. Das verbot aller öffentlichen politischen Ver­sammlungen ist auf die Tage vom 31. Juli bis 10. August befristet. Rach der starken politischen Erregung, welche d l e W a h l z e i t mit sich gebracht hat, soll das verbot denpolitischenFrieden fördern. Der Wunsch des Herrn Reichspräsidenten und der Reichsregierung Ist, daß nach durch- fochtenem Wahlkampf die politischen Leidenschaften wenig st ens einige läge lang ruhen sollen. Die letzten Wochen haben, wie der Bevölkerung bekannt ist, außerdem an den Dien st der polijeibeamlen so ungewöhnlich hohe Ansprüche gestellt, daß auch Ihnen eine Ruhe- und Erholungspause gegönnt werden muß.

3ur letzten Landtagssitzung.

Neuer Antrag

auf Verfassungsänderung. Ein Vorschlag der Bolkvpartei zur Beendi­gung geschäftsfützrenver Regierungen.

Darmstadt, 29. Juli. sWSR.) Ein volks­parteilicher Antrag auf Abänderung des Art. 38 der Verfassung fordert folgendes:

Artikel 38 Absatz 1 der Verfassung bleibt un­verändert. Absatz 2 wird wie folgt verändert: Wenn das Gesamtministerium zurücktritt, so muß es die Staatsgeschäfte solange fort» führen, bis der Landtag den Staatspräsidenten neu gewählt und die von ihm berufenen Mit­glieder des Gesamtministeriums bestätigt hat. n? / ^Ablauf des 3 0. Tages nach seinem Rücktritt, oder, wenn innerhalb dieser Zeit der Landtag aufgelöst wird, mit Ablauf des 30- Tages des neuen Landtags, erlischt diese Pflicht. Der Präsident des Oberlan- P e gerichts übernimmt alsdann die Oe* * Hoste des Staatspräsidenten bis zu dessen nach Artlkel 37 erfolgenden Neuwahl und beauf­tragt für die gleiche Zeitdauer den obersten Beamten in jedem Mini- sterium mit dessen Leitung und mit der Wahrnehmung der Dienstgeschäfte eines Mit­gliedes des Gesamtministeriums. Diese Beamten bedürfen nicht der Bestätigung des Landtags. 3m Falle der Verhinderung des Präsidenten des Oberlandesgerichts tritt an seine Stelle der Präsident des Ver­waltungsgerichtshofes.

3n einem Eventualantrag wird im Falle der Ablehnung des vorstehenden Antrags verlangt: Artikel 38 Absatz 3 der Verfassung er­hält folgende Fassung: Der Landtag kann jederzeit die Abberufung einzelner Mitglieder des Gesamtministeri­ums verlangen. Dies gilt auch für die Mitglieder eines nach Absatz 2 des Ar­tikels 38 geschäftsführenden Gesamt­ministeriums. 3m Falle der Abberufung eines geschäftsführenden Ministers hat der geschäfts­führende Staatspräsident den obersten Be­amten seines Ministeriums mit dessen Leitung und der Wahrnehmung der Dienstgeschäfte eines Mitgliedes des Gesamtministeriums bis zu dessen gemäß Artikel 37 erfolgenden Neuwahl zu beauf­tragen. Dieser Beamte bedarf nicht der Bestätigung durch den Landtag. Wird der geschäfissührende Staatspräsident ab­berufen, so übernimmt mit Ablauf des auf die Abberufung folgenden Tages der Präsident des Oberlandesgerichts die Geschäfte des Staatspräsidenten bis zu dessen nach Artikel 37 erfolgenden Neuwahl.

Aus aller Well.

Der Präsident des Hessischen Land­tags. Prof. Dr. Ferdinand Werner, bittet uns um Verösfentlichung folgender Erklärung:

1. Das Verhalten Des Vizepräsidenten Weckler war ein in der Geschichte des Parlamentarismus kaum dagewefener grober Verstoß gegen die Geschäftsordnung, denn das Haus war beschlußfähig, da 35 Abgeordnete als an­wesend festgestellt wurden.

2. Es ist unwahr, daß Herr Weckler gegen feinen Willen seit drei Stunden nicht abgelöst wor- ioen sei. Wahr ist, daß ich um 5i Uhr den Präsi- denken Weckler ablösen wollte. Herr Weckler lehnte ab.

3. Erst nach Entfernung der Sozialdemokraten, Zentrumsabgeordneten uno Kommunisten wollte Herr Weckler ab gelöst sein, um sich ebenfalls zu entfernen. Diese Absicht haben Präsident Klo­stermann und ich durchkreuzt, weil wir um unserer Anträge (Hochwasserschäden, Polizeiübergriffe) wil­len das Haus beschlußfähig erhalten mußten.

gez. Dr. F. Werner.

Präsident Werner stellt weiter fest, daß von einer Illoyalität der nationalsozialistischen Fraktion gegenüber den anderen Parteien keine Rede

sein könne. Zwischen dem nationalsozialistischen Fraktionsführer Lenz und dem Vizepräsidenten Weckler sei vereinbart gewesen, daß die bei- den Punkte Hochwasserhilfe und Entlassung von Polizeibeamten unbedingt noch erledigt | werden sollten, auch wenn Die Sitzung etwas län­ger Dauern würde. Die Sitzung habe sich allerdings etwas hinausgezögert und die NSDAP, habe auf selbstverständliche Erledigung bestanden. Da das Zentrum versucht habe, die Behandlung des Polizeiantrags durch Beschlußunfähigkeit des Land­tags unmöglich zu machen, indem der Vizepräsident Weckler aus dem Präsidium gezogen werden sollte, habe die nationalsozialistische Frak­tion selbstverständlich dieses Manöver durch­kreuzt. Der Landtag sei tatsächlich beschluß­fähig gewesen, denn bei der Feststellung der Beschlußfähigkeit des Plenums seien nach der Geschäftsordnung alle Stimmen, auch die Enthaltungen, -usammenzurechnen. Der Ab­bruch der Sitzung sei daher völlig unzulässig ge­wesen. Die nationalsozialistische Fraktion habe in jedem Falle völlig korrekt gehandelt.

Wie wir hören, ist ein Termin für den Wieder­zusammentritt des Plenums noch nicht! a n g e s e tz t. In den ersten Aupufttagen Dürfte sich der Aelteftcnrat mit Der Geschäftslage befassen. I

Deutsche Baukunst-Ausstellung in Tokio.

Im Rahmen der verschiedenen Veranstaltungen, die aus Anlaß des Goethe-Jahres auch in Japan zu verzeichnen waren, hat in Tokio auch eine große Ausstellung n e u z e i t l i ch e-r d e u t s ch er B a u k u n st stattgefunden, die einen außerordentlich großen Erfolg hatte; an der Schluß­feier haben neben anderen hohen Persönlichkeiten auch mehrere kaiserliche Prinzen teilgenommen. Ver­anstalter der Ausstellung war das deutsch-japanische Kultur-Institut in Tokio. Der Präsident dieses In­stituts hat in einem Telegramm allen Iapanfreunden in Deutschland, Die an dem Zustandekommen Der Ausstellung mltgeholsen Haden, seinen herzlichsten Dank zum AusDruck gebrachte die Ausstellung habe bestimmt Das Ansehen Deutscher Kultur und Wissen­schaft in Japan gefördert und das ihrige dazu bei­getragen, Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern noch herzlicher und verständnisvoller zu gestalten.

Autobußunglücf in Frankreich. Zwei Tole.

Wie ein Funkspruch aus Lyon meldet, fuhr ein mit Ausflüglern besetzter Autobus, Der das be­kannte Kloster Grande Chartreuse besucht hatte, bei der Rückkehr infolge falscher Steuerung gegen einen Baum. Zwei Insassen wurden getötet, fünf wurden schwer verletzt.

Serien mit Renate.

Von Harry Schreck.

Renates Leben hat als Hintergrund Die klein« Stadt am Rand Der Ostsee, wo Die Bewohner gerne Baurenfeind, Begasse, Wasserstradt umd Fokuhl heißen.

Natürlich ist Die kleine Stadt gar keine kleine Stadt. Denn die Begasses und die Wasserstrodts, die Baurenfeinds und Die Fokuhls würDen Das nie glauben; und in Der Tat, sie haben doch ein Rund- fahrtauto, in Dem sechs Fremde Durch Die alten Straßen fahren können; und dann, im Winter haben sie am Stadttheater schon die Dretgroschen- oper aufgeführt. Was kann man mehr von einer Stadt verlangen, zumal Renate selb st verständlich auch in diesen Großstadt-Mauern weilt?

Renate fünfzehnjährig, schlank und neroenlos und straff tjat jetzt den ehrenvollen Auftrag, den Herrn, Der auf Besuch kam, hübsch zu unterhalten.

*

Der Herr, der auf Besuch kam, ist zunächst ver­legen.

Er hat Renate sieben Jahre nicht gesehen und merkt verdutzt, daß er wohl anders reden muß, als er vor sieben Jahren mit Renate redete. Er schaltet ungestüm im Hebelwerk des Gehirns und sucht nach einem Ausspruch, Der nun angemessen wäre. Zu feinem lebhaften Bedauern kommt er bloß darauf, zu sagen:Ja, wirklich nein, wie du groß geworden bist! Und wie die Zeit vergeht!"

Renate lächelt höflich und mit zarter Nachsicht.

Der Herr, Der auf Besuch kam, spürt, daß sein Beginnen nicht gerade glücklich war; er stiefelt schweigend mit Renate durch Die Stadt und hofft sich Daran zu gewöhnen, daß sie heute fünfzehnjäh. rig ist, daß sie ein Baskenmützchen auf Dem kurzen Schwarzhaar trägt, daß sie hochbeinig, schlank und neroenlos und straff an seiner Seite geht und über­haupt nicht ineyr Die frühere Renate ist ...

Der Herr, der auf Besuch kam, schaltet immer noch.

*

Renate schwenkt mit ihm vorerst zum Tennis­platz.

Der Herr, Der auf Besuch kam, sieht dort Hart­wig Drücke wieder. Indes, dies ist nicht richtig; er sicht ihn aber gar nicht wieder; denn Hartwig Drücke ist nicht mehr der Hartwig Drücke; der Hartwig Drücke, der dort knapp und hort Den hellen Ball ins gegnerische Feld hinüberhaut, ist ein Athlet,

ein Heros in dem braunen Glanz von sechzehn Jah­ren. Er grüßt mit freundlich lärmendem Gebrüll.

Renate salutiert mit ihrem Tennisschlägergrisf...

Aus der Achteten kehle Hartwig Drückes dröhnt es donnernd:Was meinst Du dazu ... sechs zu zwei!" Renate lächelt achtungsvoll zurück und fragt Den Herrn, der auf Besuch kam, harmlos aus, was er von Halb klug-Bällen halte unh ob er ihrer An­sicht sei, daß Hartwig geradezu fürs Doppelspiel geboren fei, sofern er nicht so nah ans Netz vor­ginge und dort nur an den Angriff dächte...?

Der Herr, der auf Besuch kam, spielt auch Ten­nis.

*

Man geht zu Drltt spazieren durch das Städtchen.

Ein schlankes Auto, blau lackiert und nickelglän­zend, parkt still an einem Straßenrand; der Herr, Der auf Besuch kam, wirft nur einen schnellen Blick nach Dem Gefährt ... indes, Renate kreist bezaubert und erregt um Nickel, Lack unD Glas herum.Ich möchte wissen", wendet sie sich an den Herrn, der auf Besuch kam,ob Der hydraulisch doppelseitig bremst und Vierzylinder-Viertaktmotor hat."

Der Herr, der auf Besuch kam, lächelt überrum­pelt.

Der sechzehnjährige Athlet (Der braun« Heros Hartwig) ist rücksichtsvoll genug, um keine Paus« zuzulassen.Natürlich, Dierzylinder-Diertalt! Das heißt hydraulisch bremst er schlecht." Renate lächelt achtungsvoll zurück; sie Ist zu höflich, um sich zu verwundern, daß ihr Der Herr, der auf Besuch kam, hier keine Antwort geben konnte; und Hartwig Drücke lärmt Die dumme Pause ruhig zu.

Der Herr, Der auf Besuch kam, wird ein wenig rot ...

*

Der Herr, Der auf Besuch kam, ändert das Ge­spräch.

Er fragt mit einem leisen und befangenen Zau­dern, ob wohl Renate gerne lese. Renate lächelt knapp und äußerst höflich, daß sie Dies gelegentlich schon tue. Erleichtert fährt Der Herr, Der auf Be° fud) kam, Im Gespräch fort; er fragt mit einem Eifer, Der ihm selber nicht geheuer ist, was Denn Renate gelegentlich natürlich lese. Renate teilt ergeben seufzend mit:Wallace".

Der Herr, Der auf Besuch kam, lieft nicht Wallace.

Indes, er wünscht In diesem Augenblick, er hätte Wallace doch einmal gelesen genau so, wie er wünscht, er kennte sich in Halbslug-Bällen und einem Automotor aus. Er äußert aber leider wider seinen besseren Glauben, daß er ganz andere Dinge schätze, denn Menschen vom Geschmack ... und über-

Haupt, nicht wahr, natürlich ... und Menschen von Kultur (er murmelt eine ganze Zeit so fort).

Renate läßt ihn zart, doch melancholisch stehen.

*

Am nächsten Morgen aber kommt Renate wie­der her.

Sie lächelt fünfzehnjährig, also höflich ernst, und sieht den Herrn, der zu Besuch kam, liebenswürdig an, um schließlich die Erkundigung an Ihn zu rich­ten, ob er denn in der Tat Damit den Lebensunter, halt verdiene, indem er schreibe, um gedruckt zu werden. Der Herr, Der auf Besuch kam, nickt ge­schmeichelt und denkt hierbei, daß doch Der Augen- 'schein oft trüge. Wie reizend, daß Renate ...

Renate zückt ermutigt schnell ein Heftchen.

Wir haben nämlich", meint sie plötzlich leicht be­kümmert,wir haben nämlich Ferienaufsatz; und da ... da habe ich plötzlich gedacht",Ach so!" bemerkt der Herr, der auf Besuch kam,Den sollen wir wohl jetzt gemeinsam machen?" Renates Auge zieht sich überrascht zusammen:Ich glaube aber, daß es besser wird, wenn einer das allein anfängt. Und dann ... wir haben Drüben grab das Gram­mophon."

Der Herr, Der auf Besuch kam, nimmt Die Arbeit an.

*

Der Herr, der auf Besuch kam, schreibt und brü­tet.

Er kann es manchmal kaum verhindern, daß seine Achtsamkeit vom Thema abschweift, das ein Stu- dienrat ersann. Statt geistreich jenem Sprichwort nachzugehen, Das steif darauf beharrt, daß Wohl­tun Zinsen trägt statt dessen sieht er gern zum Grammophon hinüber, in dessen Nähe Hartwig und Renate tanzen.Wie reizend", denkt er,doch Re­nate tanzt schlank, nervenlos und straff ... I"

Renate zwitschert etwas Mahnendes zum Disch hin.

Der Herr, Der auf Besuch kam, schreibt und brü­tet, warum das Wohltun Zinsen trägt. Er schreibt es nicht ganz ohne leisen Unmut ... doch immerhin, er schreibt es in dem philosophisch durchgeformten Stii uhD mit Der Eleganz, auf die er in Der Tat sehr stolz ist. Der Studienrat muß endlich doch ein­mal erfahren, weshalb, zu welchem Ende, zu wel­chem Zrvecke 'Das Wohltun auf Der Welt besteht...

Renate hofft, «daß er Dasfast genügend" findet.

*

Der Herr, Der auf Besuch kam, sieht sich (Die Hoffnungslosigkeit Im Blick) nach Beistand um. Er findet ihn; Renates Mutter nickt ihm sreundlich zu.

Renates Mutter spielt nicht Tennis; Renates Mutter legt auf Vlerzylinder-kiertakt wenig Wert; Renates Ätutter lieft nicht Wallace, Renates Mutter pflegt auch nicht mit Hartwig Drücke um Das Gram­mophon zu tanzen. Renates Muster ist gescyeit und liebenswürdig; sie plaudert über Bücher, spricht von Reisen um Die West; sie nimmt sich des Verlassenen an: ja, sie verspricht sogar Den Aufsatz, her von Wohltun und Zinsen handelt, gelegentlich zu lesen und zu loben ...

Es ist ein Jammer", denkt Der Herr, Der zu Be­such kam,es ist ein Jammer, daß nicht sie Renate ist ... Renate fünfzehnjährig, schlank und straff...!"

Der Rekord auf dem Nagelbett.

Vielerlei Nekorde werden aufgestellt. Eine« hält Den Nekord im Astsiben, Der andere im Dauertanz, wieder ein anderer ist stolz auf den Nekord, daß es ihm gelungen ist, tagelang hinter­einander ohne Pause auf dem Klavier zu spielen. Ehrenvoller wäre der' Nekord desjenigen, dem es gelänge, ebenso lange zuzuhören. Aus triftigen Gründen hat man noch keinen Nekord aufgestellt imLiegen auf dem Nagelbett". Nägel haben Eigenschaften, die der Aufstellung eines Nekords abträglich sind. Selbst die indischen Fakire wer­den mit der Länge Der Zeit gegen spitze Nagel­matrahen empfindlich. Aber es steht fest, daß die Fakire im Nucken weniger empfindlich sind, als in ihrer Berufsehre. 3n einem italienischen Varietö produzierte Der Fakir Manetti seine Künste. Er verschluckte Nägel, wie ein Neapoli­taner Spaghetti, stach sich Hutnadeln durch die Zunge, als sei es Großmutters Dutt, lies mit bloßen Füßen über scharf geschliffene Degen, dehnte sich behaglich auf dem Nagelbett usw. Kein Stich konnte ihm etwas anhaben. Als ihm aber aus einer Loge zugerufen wurde, daß das alles nur Suggestion sei, da empfand er doch einen Stich. Er parierte mit einer Herausforderung an jedermann. Er wolle sich mit jedem Fakir der Welt in seinen Künsten messen, niemand würde ihn übertreffen können. Es wurde ein Richteramt gebildet, und der Wettkampf soll demnächst in Nom ausgefochten werden. Noch ist unbekannt, welche Kapazitäten auf dem Gebiete der Fakirkünste sich an dem Wettkampf be­teiligen werden; das Interesse der Kunstgenossen ist aber sehr groß, und daher kann man heute schon Herrn Manetti angenehme Ruhe wünschen, wenn er sich zur Rekordleistung auf das Nagel­bett legt.