182. Jahrgang
Somstag, 30. Juli 1932
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Dnttf und Verlag: vrühl'sche Univer^räts-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftlettung und GeschäftrfteNe: Sch'.il'ttaße 7.
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Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange; für Feuilleton Dr H.lhgriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfcheia und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.
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letzte Kundgebungen im Wahlkampf.
Oer Wahlkampf in der Reichshauptstadi.
Ein Fahnenwald über Berlin.
Don unserer Berliner Redaktion.
Der Wahlkampf tobt. Die Zettelverteiler schwitzen in der prallen Iulisonne und sind eifrig besorgt, dast keiner vorübergeht, ohne das unfehlbare Desserungsrezept der jeweiligen Partei in die Hand gedrückt zu bekommen. Das geduldige und wehrlose Papier liegt zertreten in den Gossen, staut sich in den Abflußvertiefungen, und wenn der Himmel in diesen Tagen einen Wolkenbruch schicken würde, gäbe es arge Verstopfungen in der Kanalisation.
Die Wahlpropaganda sucht nach immer neuen Mitteln, um die Wahlfreudigkeit der Wähler wachzuhalten, den letzten Mann an die Urne zu bringen. Reben Parteiversammlungen werden politische Sommerfeste abgehalten, deren Hauptattraktion ein, wie es immer so schön heißt, „Riesen-Brillant-Feuerwerk" ist.
Die Schlagworte verfangen nicht mehr, das Gehirn der Wähler ist unempfindlich dagegen geworden und an ihre Stelle tritt der Augen- reiz. Mit Farben und Emblemen sucht man den Wähler zu kirren. Die Zahl der Fahnen soll es machen. Berlin prangt in einem Flaggenschmuck, wie er nicht einmal in den ersten Tagen des Weltkrieges zu verzeichnen war. Kaum ein Haus ohne Fahne, an manchen Häusern kaum ein Fenster ohne Fahne. Die Kinder auf den Strafen und Spielplätzen spielen mit Parteifähnchen, jeder Verkäufer einer Parteileitung pflanzt die Fahne seiner Partei an seinen Stand auf.
So hat der WgDslkampf auch sein Gutes. Die Fahnenfabriken werden sich alle Vierteljahr so einen Wahlkampf wünschen. Sie wüßten dann nichts von Absatzstockungen und Kassenschwierigkeiten. Manche Fahnenfabriken sind gar nicht imstande, die eingelaufenen Bestellungen noch rechtzeitig vor der Wahl auszuführen, trotzdem sie ununterbrochen Tag und Rächt die Räh- 1 Maschinen laufen lassen. Roch vor keiner Wahl war das Fahnengeschäft so stark wie diesmal. Seit Wochen wird in den Fabriken in drei Schichten gearbeitet und der Ansturm der Käufer hat noch bis zwei Tage vor der Wahl unvermindert angehalten.
Die Rot mag noch so drückend sein, für eine Mode, eine Laune ist noch immer Geld da. Eine kleinere Fahne kostet 2 Mark. Diese 2 Mark opfern arme Leute, um ihrer parteipolitischen Lieberzeugung vom Fenster aus sichtbaren Ausdruck zu geben. Es werden aber auch ganz große Fahnen bestellt, die ungefähr 250 Mark kosten. Der Inhaber einer Berliner Fahnenfabrik schätzt, daß allein für Berlin etwa 300 000 Mark für Fahnen ausgegeben worden sind.
der zur Achse aller Staatsgesinnung zu machen.
Mit dem Ausdruck meiner ehrerbietigsten Hochachtung und aufrichtigen Empfehlungen bin ich
Eminenz ganz ergebener lgez.) v. Papen."
Hitler in der Pfalz.
Reustadt a. d. H., 29. 3ulu (WSR.) In einer von etwa 40 000 Personen besuchten Wahl- kundgebung der RSDAP., die heute abend im hiesigen Stadion abgeha.ten wurde, sprach Adolf Hitler. Er führte u. a. aus, die RSDAP. wisse, worum es in diesem Wahlkampf gehe. Aus der Vergangenheit sei wenig Gutes geblieben und cs sei merkwürdig, daß sich die politische Diskussion in diesem Wahlkampf lediglich auf die Ereignisse und Geschehnisse der letzten sechs Wochen beschränke; von den letzten 13 Jahren rede niemand. Diese Taktik könne seiner Partei schließlich gleichgültig sein, denn die RSDAP. habe weder v. Papen noch v. Hinden-
Berlin, 29. Juli. (TLI.) Am Freitagabend sprach für die RSDAP. Gregor Strasser im Rundfunk. Er sprach einleitend über den Sinn der Bewegung. Wir sind die erste Bewegung in Deutschland, die die Gegensätze in ihren Reihen aus geschaltet hat, die Gegensätze zwischen Altersstufen, Beruf und Ständen nicht mehr kennt. Die erste, die Land und Staat, Bürger und Bauern, Geschäftsleute und Beamte zu einheitlichem Wollen zusammenfaßt. Die erste Bewegung für die Unterschiede zwischen Rord und Süd, Unterschiede in den Staatsgrenzen, die erste Bewegung, für die Konfessionsunterschiede keine Rolle mehr spielen. Wir sind entstanden a l s Protest des gesund denkenden Teiles unseres Volke« gegen einen Staat, der, nach außen machtlos geworden, nur Untertoerfung unter das Diktat der Feinde und Tributzahlung an die Ruhnießer des Weltkrieges, die internationale Hochfinanz, kennt. Wir sind entstanden als die feste Säule gegen einen Staat, der seinen Volksgenossen das Recht auf Arbeit verweigert. als Protest gegen einen Staat, der eine Wirtschaftsordnung erlaubt und möglich macht, die den Ertragsreichtum der Ratur vernichtet, Weizen, Kaffee ins QHeer wirft, notwendige Leben, üter in sinnloser Weise verderben läßt, alles nur zu dem Zweck, die Preise und die Gewinne der Börse in die Höhe zu treiben. In uns protestiert das deutsche Volk gegen eine Wirtschaftsordnung, die nur an Geld, Besitz und Dividende denkt und die vergessen hat, die Arbeit und Leistung als den Wertmesser der Menschen anzucrkennen.
bürg gewählt. Aber man hätte ihm. Hitler, sogar die Verantwortung für die Ereignisse der letzten sechs Wochen aufbürden wollen. Er übernehme sie aber nur dann, wenn die andern bereit wären, auch die Verantwortung für die letzten 13 Jahre zu übernehmen. Man mache ihm auch den Vorwurf, undeutsch zu sein. Demgegenüber stelle er fest, daß er diesen Vorwurf auch auf sich nehme, wenn national und deutsch gleichbedeutend sei mit Uneinigleit und Zerrissenheit. Rach feiner Auffassung aber seien Einigkeit un d Stärke die Grundlagen des Rationalseins, und nach seiner Rieinung stehe nur hinter dem Recht die Macht. Hitler wandte sich dann an die Wähler und ermahnte sie, am 31. Juli eine gute Wahl zu treffen. Man möge Konfession, Geburt, Stand. Partei endlich einmal beiseite lassen r nd n u r a n D e u t s ch- land denken. — Hitler begab sich anschließend zu einer weiteren Kundgebung nach Karlsruhe.
Lösung des größten Problems unserer Zeit herangegangen werden: Die Ueberwindnng der Arbeitslosigkeit durch Arbeitsbeschassung und Wiederherstellung einer rentablen Wirtschaft.
Die Lösung des Problems darf nicht vom Gelde her, sondern muß von der Arbeit her angefaßt werden. Wenn der Zinsfuß in Deutschland von seiner heutigen unsittlichen Höhe auf ein erträgliches Maß zurückgc- schraubt wird — eine Maßnahme, die jeden Tag möglich ist —, dann wird die private Unter- nehmungslust angeregt und Millionen von Arbeitsaufträgen, die heute wegen des Zinsfußes und wegen der Unsicherheit der politischen Lage liegen bleiben, werden zur Ausführung kommen. Vor allem wird das Vertrauen zur Staatsführung auch eine unerhörte Wirkung auf die Wirtschaft haben Die Finanzierung all dieser Arbeitsbeschaffungsmaßnahn'en muß möglich sein und ist auch möglich. Der Weg der Eingliederung der Erwerbslosen und der Wiedergewinnung der wachsenden Steuerkrc fi. Ersparung der Arbeitslosenbeträge bei der Sozialversicherung. werden einen großen Teil der Finanzierung sicherstellen. Der Rest muß durch geeignete Maßnahmen des Staates gedeckt werden, die unbedenklich sind, solange rentable Arbeit geleistet und neue produktive Arbeit geschaffen
werden. Rie wird der Rationalsozialismus die Zerstörung des Volks- Vermögens durch eine zweite Inflation dulden.
In einem Volk, in dem oben und unten die kurz von mir skizzierten Grundsätze durchgesührt sind, werden wir in der Lage sein, jene Außen- p o l i t i k zu treiben, die die Weltgeltung Deutschlands so wieder herstellt, wie st« Deutschland nach seiner Geschichte, nach der Größe und dem Wert seines Volkes verlangen kann. Ein solches Deutschland ist dann wieder bündnisfähig und w'.rd in der Welt sehr schnell jenen Respekt wieder sich erwerben, den es braucht.
Oas Wahlabkommen der Deutschen Voikspariei. Alle Stimmen gesichert.—Vollkommene Handlttngüfretßkit.
Berlin, 29. Juli. (XU.) Die Pressestelle der Deutschen Volkspartei teilt mit: Gegenüber irreführenden Verlautbarungen weist die Deutsche Volkspartei noch einmal darauf hin, daß ihr Wahlabkommen mit der 3 c u 11 d) - nationalen IBolf spart ei für die Re ich s- lifte keinen anderen als einen wahl- tech n i s cb e n Charakter trägt. Cs soll damit die Gefahr der Zersplitterung und des Stimmenverlustes bürgerlicher Wähler vermieden werden und dem Ziele gedient sein, alle, national-bürgerlichen Stimmen gegen die Wiederkehr einer Mehrheit, die in der •Oauptfadje aus Sozialdemokraten und Zentrum besteht, einzusetzen. Gleichzeitig ist damit die Sicherheit geschaffen worden, daß alle Re st st Immen der Deutschen Volkspartei, die in den Wahlkreisen zur Erringung von Mandaten nicht ausreichen sollten, denjenigen volks- parteilichen Kandidaten zugute kommen, die auf dem R e i ch s w a h l v o r s ch l a g der Deutjchiiationalen Volkspartei in ausreichender Zahl aufgestellt sind. Die Verhandlungen, die zwi- . schen den beiderseitigen Parteileitungen vor Wochen ' stattgefunden haben, ergaben eine völlige Heber- einstimmung dahin, daß eine Regierung d e r Weimarer Koalition oder deren Tolerierung weder für die Deutsche Volks- Partei noch für die Deutsch nationale Volkspartei in Frage kommt. Das entspricht der politischen Linie, die von der Deutschen Volkspartei nach ihren eigenen Entschlüssen seit einem Jahre feststcht. Darin waren sich die vertragschließenden Parteien vollkommen einig, ebenso darüber, daß die Deutsche Volkspartei in ihrer künftigen parlamentarischen Haltung vollkommen frei ist und nach ihren eigenen Entschlüssen handeln wird. Dementsprechend hat die Deutsche Volkspartei in der Wahlbewegung einen selbständigen Kampf geführt und die politischen Grenzen gegenüber anderen Parteien ausnahmslos klar gezogen.
VlMmgs A-iIwlN an HMnbm mid Schacht.
Wahlreden im Rundfunk.
Gregor Straßer spricht für die NSDAP.
Oer Reichskanzler an Kardinal Bertram.
Berlin, 29. Juli. (WTB.) Reichskanzler von Papen hat an den Vorsitzenden der Fuldaer Bischofskonferenz Kardinal Bertram Fürst-Erzbischof von Breslau das nachstehende Schreiben gerichtet:
Ew. Eminenz
beehre ich mich auf das gefällige Schreiben vom 16. Juli folgendes ergebenst zu crwide'm: Die Ausfassung der Mitglieder der Fu'daer Bischosskonferenz, daß besonders in der letzten Zeit vor der Deichstagswahl jeglicher Terror verhindert werden müsse, teile ich durchaus. Die Ausschreitung en, welche der politische Kampf in zahlreichen Füllen zur Folge gehabt hat, sind aufs tief st e zu beklagen.
Hm nach Möglichkeit Zusammenstöße zu ver. meiden, hat die Reichsregierung schon am 13. d. M. ein allgemeines Verbot aller Ver- saminlungen unter freiem Himmel undaller Auszüge erlassen. Weil die öffentliche Sicherheit und Ordnung in dem größten deutschen Lande, in Preußen, nicht genügend gewährleistet erschien, hat die Reichsregierung ferner nicht gezögert, den Herrn Reichspräsidenten dcm Erlaß einer Verordnung vorzuschlagen, welche die Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Gebiete des Landes Preußen zum Zweck hat. Wie Ew. Eminenz bekannt ist, bin ich für die Geltungsdauer dieser Verordnung zum Reichskommissar für das Land Preußen be stellt worden und werde auch in dieser Eigenschaft weiter alles tun, um Z u - sa mmenstöße zu verhindern, die von jedem ordnungsliebenden Deutschen mit Recht verabscheut werden.
Ew. Eminenz haben in Ihrem Schreiben vom 16. Juli mit Recht betont, daß allen treu christ- lich gesinnten Kreisen das Gebot des göttlichen Meisters heilig fei, Achtung und Gehor- sam der obrigkeitlichen Gewalt zu leisten Die Reichsregierung vertraut darauf, daß dieser christliche Fundamentalsatz auch bei den christlichen Kreisen Beachtung findet, die einzelnen politischen Maßnahmen einer Regierung ablehnend gegenüberstehen, deren vordringlichstes Wollen es ist. diechristlicheWeltanschauungwie-
Diese große antikapitalistische Sehnsucht Hal heute vielleicht schon 95 v. h. unseres volles bewußt und unbewußt erfaßt, obwohl sie nichts, aber auch gar nichts zu «un hat mit einer Ablehnung des aus Arbeit und Sparsinn entstandenen, sittlich berechtigten Eigentu ns.
Wir Nationalsozialisten bejahen die deutsche ; Arbeiterbewegung in ihrem Entstehen als den Ausdruck von Mill onen und ihrer Sehnsucht, als gleichberechtigt in die Nation ausgenommen zu werden. Wir bedauern aufs tiefste, daß die damals bürgerliche Führung Deutschlands dieses Problem > nicht erkannte und im Rahmen der Nation gelöst hat. Wir sehen aber im heutigen Marxismus eine Verfälschung der deutschen Arbeiterbewegung, die Verdammung zur ewigen Erfolglosigkeit. Wir wissen, daß man die Lösung sozialer Probleme nur dann durchführen kann, wenn man Herr im eigenen Hause ist. Die Auseinandersetzung mit ' dem Marxismus muß kommen, wenn Deutschland ! leben will. Eine Auseinandersetzung nicht mit dem [ deutschen Arbeiter, sondern mit denen, die ihn falsch ! geführt und zum Sklaven der W e 11 f i n a n z gemacht haben. Mit allen Mitteln des Staatsapparates werden mir jenes neue Denken im deutsch cn Volk durchsetzen, wonach in Politik und Wirtschaft, in Kunst und in Literatur, in Sport und in Theater nur noch ein einziger Maßstab gelten wird, das ist das Wohl der Nation.
Die Erziehung verdeutsch enIugend wird geändert werden müssen. Richt die Vermittlung mechanisierten Wissens und seelenloser Paragraphen ist die Hauptsache, sondern die Er. Ziehung des jungen Deutschen zu einem Staatsbürger ohne Standesdünkel und ohne K l a s s e n ha ß. Darum wird der nationalfozia. listische Staat die Schule niemalsausseiner Hand geben, wenngleich er den Konfessionen zur Erteilung des Religionsunterrichts die von ihnen für notwendig gehaltene Zeit immer zugestehen wird. Die Arbeitsdienst pflicht wird das große Erziehungsmittel des zwanzigjährigen, auf dem Asphalt der Straße heimatlos gewordenen deutschen jungen Menschen.
Wenn die Slaalsauloriläl im wahren Sinne des Wortes in einem gerechten, sauber und sparsam verwalteten Staat wieder gesichert und das vertrauen des Volkes zur Slaatsfuhrung wieder vorhanden ist, dann muß mit allen zur Mitarbeit bereiten Kräften der Ration an die
Der ehemalige Reichskanzler auf einer Zentrumskundgebung im Berliner Sportpalast.
Verlin, 29. Juli. (TU.) Der Wahlkampf der Zentrumspartei in Berlin erreichte am Freitagabend seinen Höhepunkt mit einer M assen- kundgebung i ni Berliner Sportpa - l a st Eine Parallelversammlung wurde notwendig, die im Westen Berlins in den Tennishallen stattsand. Rach dem Einzug der Fahnen und Banner in den von etwa 15 000 Personen dicht besetzten Saal begrüßte der Vorsitzende d s B:r- liner Zentrums, Krone, den Bischof von Berlin, Dr. Schreiber, Minister a. D. Dr. Hirt- sie f er, und Polizeikommandeur a. D. Hei - mannsberg. Unter Hochrufen betrat dann Dr. D r ü n i n g den Saal. Aach einem ehrenden Gedenken für die Tölen der „Riobe" erinnerte Dr. Brüning an sein Eintreten in Versammlungen in ganz Deutschland für die Wiederwahl und die Autorität des Reichspräsidenten von Hindenburg, wobei er betonte, wenn irgendwann die Qlutorirät vor Erschütterungen bewahrt werden müsse, so sei dies in diesen bewegten Zeiten notwendig gewesen. Hätte man die Krise im Reichskavinett nicht so beschleunigt, so wäre es möglich gewesen, wie ich es wollte, alsbaldzueiner Regierung mit der Rechten zu kommen. B'^n konnte zur Umbildung im Reich den dafür günstigsten außenpolitischen Moment abwarten.
Was hugenberg in seinem Telegramm an mich behauptet,
daß ich in meinen Reden die alte Unwahrheit wieder vorgcbracht hätte, es sei d e r R e ch t e n wahrend meiner Reichskanzlertätigkeit wiederholt (9 e • lege n Ij eit gegeben worden, s i ch an der Regierung zu beteiligen, ist so formuliert, daß Hugenberg einen Fall herausnimmt. Ich stelle dazu fest: Ich habe das schwere Amt des Reichskanzlers auf Grund der mir im Frühjahr 1930 gemachten Mitteilungen übernommen, daß Hugenberg für die Uebernahme der Verantwortung nach dem Sturz des Kabinetts Müller nicht in Frage kam. Ich habe ein Kabinett gebildet, das sich aus ton« f e r d a t i d e n Männern zusammensetzte, das auf der Unterstützung der Deutschnationalen fußte und im Anfang ist es gelungen, die DNDP. größtenteils für die Unterstützung dieses Kabinetts zu gewinnen. Das ist der entscheidende Fall und darüber habe ich in meiner Rede gesprochen. Ich habe damals in Zeugengegen
wart Hugenbera in einer Unterredung gesagt, wenn er d i e N e g i e r u n g mit der D N V P. u n t e r st ü tz e, sei es s e l b st v e r st ä n d l i ch , daß dann die Zent.umspartci, wenn die Sozialdcmokra- tie im Reich in der Opposition zur Regierung stehe, die Konsequenzen in Preußen nach einiger Zeit ziehen werde. Das war die klare Schicksalsfrage. Damals hat sich Herr Hugen- berg versagt. Das ist der Gruno der Entwicklung für die Zukunft gewesen. Ich habe außerdem nach der Reichslagch'vahl an sämtliche Parteien das Programm der Reichsregierung herangebracht, auch an die Deut sch nationalen. Ich habe mit ihnen darüber gesprochen und als Antwort b.bmm.n, d ß d e D nVP. daran nicht Mitarbeiten lönnle. 2m Dezember 1930 habe ich versucht, bei den Parteien zu sondieren, ob
in Crmächtigunasgesetz zustandegebracht werden lönnte. Damals chabr ich sehr lange mit Hugen- beog verhandelt und lein Angebot gemacht. Das habe ich in der Unterhaltung mit ckhm festgestellt, und weiter nichts. Wer die schwere Verantwortung übernehmen wollte, mußte sinterst ützung suchen, wo er sie bekommen konnte. Man konnte mir allerdings nicht zumuten, mich auf Verhandlungen einzulassen, die dem Zweck dienten, mich festzulegen. Ich nehme zugunsten Hugenbergs an, daß er nicht weiß, daß ich nach meinen Septemberbesprechunzen mit den Parteien im Oktober dem Reichspräsidenten vorgeschlagen habe, eine Rechtsregierung ohne mich unter gewissen Vor- aue'ehungen zu bliben. Es hat nicht an mir gelegen, wenn dieser Vorschlag nicht angenommen worden ist. Ich habe Hugenberg gegenüber auch bei der Vorbereitung der Reichs- Präsidentenwahl betont, daß meine Person bei diesen Dingen überhaupt keine Rolle spiel«. Ich muß die Ausdrucksweise im Briefe Hugenbergs als eine Behauptung zu- rückweisen, für die es einen parlamentarischen Ausdruck überhaupt nicht gibt.
Brüning nahm bann zu dem offenen Brief des Rkichsbankpräsidenten a. D. Dr. Schach!
mit folgenden An-führungen Stellung:
Herr Dr. Schacht hat bei mir angefragt, ob die in tinem Auszug des WTB. miebergegebenen Aeuße-


