Ausgabe 
30.6.1932 Erstes Blatt
 
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iert aeaen Versailles.

Am 13. Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrages von Versailles fand im Berliner Lustgarten eine Protestkundgebung der Berliner Studentenschaft statt, der auch Tausende ger Bevölkerung beiwohnten. Unser Bild zeigt rechts: Die Fahnen der Korporationen, Studentenbunde und Gruppen.

Verhältnisse in Deutschland hin, die einen 2)ua- Hsmue, wie er etwa zwischen der italienischen Wehrmacht und der faschlilischen Miliz bestehe für uns grundsätzlich ausschlössen. Auf eine kurze Formel zusammengefaßt, bestehe die Aufgabe der SA. im Gegensatz zu jener der Wehr- macht in der Wiederaufrichtung einer organisierten Dolksführung und in der Vollendung der deutschen Volkserziehung.

Oer Evangelische Bund zur Reichsiagswahl.

Berlin, 29.Juni. Das Präsidium des Evange­lischen Bundes erläßt zur bevorstehenden Reichs­tagswahl eine Erklärung, in der es heißt: Unser Volk beginnt immer klarer zu erkennen, daß die Revolution von 1918 Schiffbruch erlitten hat. In Auflehnung gegen die Irreleitung des deutschen Vol­kes ist eine nationale Bewegung von solcher Kraft und Stärke entstanden, daß sie nicht länger von der Gestaltung des deutschen Schicksals ausgeschlossen werden kann. In Mitverantwortung für die Zu­kunft unseres Volkes fordern wir, daß jede zukünf­tige Regierung diesen Tatsachen entscheidend Rech­nung trägt. Wir erwarten, daß bei der Zukunfts­gestaltung unseres Reiches die christliche Religion als der für seine Jnnenentwicklung bedeutsamste Faktor anerkannt und gewürdigt werde. Wir wünschen, daß insbesondere dem aus der Reformation heraus gebo- renen deutschen protestantischen Denken und Wollen der ihm gebührende Raum gegeben werde. Wir ver­langen, daß der evangelischen Kirche das Maß von Recht und Freiheit, das sie auf Grund ihrer Ge­schichte und um ihrer Sendung willen zu beanspru­chen hat, unverkürzt zuteil werde. Wir begrüßen cs, daß die Ueberzahl der bisherigen Parteien und Gruppen eine starke Einschränkung erfahren hat. Die großen und letzten Entscheidungen, in denen wir stehen, verlangen Zurückstellung von Parteieigcn- wünschen, fordern größte Geschlossenheit und darum auch Vereinfachung im politischen Leben. Wir hal­ten es für erforderlich, alle Kräfte dahin zu richten, daß die auf das Zusammengehen mit den politischen Vertretern der marxistischen Revolution, des Frei-

denkertums und Atheismus sich gründende Vorherr, schäft des Zentrums endgültig gebrochen werde. Es kommt alles darauf an, der verhängnisvollen schwarz- roten Koalition, die die Geschicke unseres Volkes und Vaterlandes 14 Jahre hindurch bestimmt hat. ein Ende zu bereiten. Jeder evangelische Christ hat bei seiner Wahlentscheidung dieses Ziel vor allem im Auge zu behalten.

Aus afler Welt

Wann wird das Sklarek-Urleil rechtskräftig?

Die Ausfertigung des schriftlichen Skla- rek°llrteils wird die Strafkammer, die am Diens­tag das Sklarek-Urteil fällte, voraussichtlich einige Monate beschäftigen, so daß seine Zustellung wahrscheinlich e r st Oktober oder November erfolgen wird. Dann werden die Verteidiger ihre Revisionsbegründun­gen anfertigen, so daß vor Mai bis Juni nächsten Jahres mit einer Revifionsver- handlung vor dem Reichsgericht kaum zu rechnen sein dürfte. Erst dann wird das Ur­teil, falls das Reichsgericht die Revision ver­wirft, rechtskräftig. W i l l i S k l a r e k hat Diens­tag abend im Moabiter Untersuchungsgefängnis einen Rervenzusammenbruch erlitten, der seine Uebersührung in das Lazarett des Unter­suchungsgefängnisses notwendig machte. Die Un­tersuchungshaft, die di« Brüder Dklarek jetzt antreten müssen und die sich bis zur Rechts­kraft des Urteils hinziehen wird, wird auf die Strafe höchstwahrscheinlich nicht angerech­net werden, da in der Praxis die Zeit der Untersuchungshaft zwischen Straskammerurteil und Revisionsverhandlung vor dem Reichsgericht all­gemein nicht angerecknet wird, sofern <sich die eingelegt« Revision oer Verurteilten als un­begründet erweist.

Der neue Berliner Grohrundfunksender.

Nachdem die Verhandlungen des Reichspostmi­nisteriums mit dem Reichswehrministerium wegen Ankaufs eines geeigneten Geländes in Berlin- Tegel nunmehr zum Abschluß gelangt sind, wird

mit dem Bau des Berliner Großrund- funksenders auf dem Tegeler Schießplatz als­bald begonnen werden. Mit der Fertigstellung des Großsenders kann im Frühj ahr 1 933 gerech­

net werden.

Frankreich baut einen Riefen-Ozeandampfer.

Am 29. Oktober findet in Saint Razaire der Sta­pellauf des größten Ozeandampfers der Welt statt, der vorläufig unter der Bezeichnung5uper isle de France" bekannt ist. Das Schiff wird etwa 60 000 Donnen haben und soll auf den Namen ^Prä­sident Doumer" getauft werden. Seme In­dienststellung ist für 1934 vorgesehen.

England in Erwartung desGraf Zeppelin".

Eintausend Doh-Scouts aus allen Teilen von Middlessex sind ausgewählt worden, um bei der Landung des LuftschiffesGraf Zeppelin am nächsten Samstag auf dem Flugplatz Hanworth mitzuwirken. Sie werden das Wochenende in Zelten verbringen. 250 von ihnen werden a l s Landungsmannschaft ausgebildet, die übrigen werden für den Ordnungs- dienst sorgen, damit sich nicht ähnliche Vor­fälle ereignen wie bei dem vorigen Besuch des Luftschiffes, wo die Zuschauer die Absperrungen durchbrachen und dadurch das Luftschifs in Ge­fahr brachten. DerGraf Zeppelin" wird am Samstag um 18 XLtyr aus Friedrichshafen erwar­tet. Er wird, da auf dem Flugplatz Hanworth kein Ankermast vorhanden ist, von der Lan­dungsmannschaft sestgehalten werden. Dann wird das Luftschiff nach Aufnahme neuer Passagiere zu einem 24stündigen Fluge über England und Schottland aufsteigen und am Sonntag um 18 Mr nach Hanworth zurück- kehren.

vom Bllh erschlagen.

Bei einem schweren Gewitter, das mit unheim­licher Schnelligkeit über Südostfriesland hinzog, wurden im Siedlergebiet Esterwegen drei auf dem Moor tätige Arbeiter, die sämt­lich aus Ostrhauderfehn stammen, vom Blitz ge­troffen. Zwei waren auf der Stelle tot, der dritte wurde schwer verletzt.

Prof. Edmund Husserl (Freiburg), als Begründer der Phänomelogie einer der einflußreichsten Denker der heutigen Philosophie, wurde von der Pariser Akademie für moralische und politische, Wissenschaft zum korrespondierenden Mitglied gewählt. Husserl ist der erste deutsche Gelehrte, dem nach^daw Welt­kriege diese Ehrung zuteil wurde.

Feuer auf dem deutschen DampferTanger".

Auf dem deutschen DampserTanger" der Oldenburg-Portugiesischen Dampf­schi s f r e e d e r e i, der sich auf der Reise von Marokko nach Hamburg befindet, ist in der Deutschen Bucht Feuer ausgebrochen, das sich mit großer Geschwindigkeit auf dem Achterschiff ausbreitete. Den zu Hilfe herbei­gerufenen Dergungs- und Schlepp­dampfern gelang es, das Schiff bei Neu­werk auf Grund zu sehen. Infolge der großen Hitze ist es sehr schwer, an das Feuer heranzukommen. Das ganze Hinterschiff bildet ein Flammenmeer. Die Mannschaft ist nach den bisher vorliegenden Meldungen gerettet.

Oie Möglichkeit einer national­sozialistischen Regierung in Hessen.

WSN. Darmstadt, 29. Juni. DasDarm- I städter Tagblatt" beschäftigt sich mit den Ver­fassungsbestimmungen über die Wahl des Staats­präsidenten und kommt zu dem Schluß, daß diel Möglichkeit einer Regie ««in gsbil- dung durch die Nationalsozialisten durchaus gegeben ist. Der Artikel geht da­von aus, daß die drei bürgerlichen Ab­geordneten der Einheitsliste und der Deutsch­nationalen Partei ohne weiteres geneigt, wahr­scheinlich sogar eifrig bestrebt sein werden, die Nationalsozialistische Partei in Hessen zur Herr­schaft zu bringen, damit sie ihre Staatskunst be­weisen könne. Nach Artikel 37 der hessischen Ver­fassung werde der Staatspräsident, der die übrigen Mitglieder des Gesamtministeriums zu berufen hat, von jedem neugewählten Landtag in öffentlicher Sitzung mit absoluter Stim­menmehrheit gewählt. Mit dieserabso­luten Stimmenmehrheit" sei nicht etwa die Mehr­heit der stimmberechtigten Abgeordneten gemeint, sondern die Mehrheit der tatsächlich in gültiger Weise abgegebenen Stim­men. Daraus ergebe sich, daß eine Reihe von Fällen denkbar ist, in welchen die Nationalsozia­listen mit den drei bürgerlichen Abgeordneten die für die Wahl des Staatspräsidenten erforder­liche absolute Mehrheit im Landtag bilden kön­nen. Selbst wenn man davon absehe, daß dieses Ergebnis durch Stimmenthaltungen oder Abgabe ungültiger Stimmen herbeigeführt werden könne, blieben Fälle von Verhinderung von Abgeordneten an der Ausübung des Mandats, fei es infolge von

Erkrankungen oder sonstigen Gründen, übrig, die ausschlaggebend in Betracht kommen könnten. Nun lieg« eine Behinderung der geschilderten Art in Hessen augenblicklich deshalb vor, weil e i n kommuni st ischer Abgeordnet er (Ha­mann) vor kurzem gerichtlich verurteilt, i n H a f t genommen worden sei und auf Grund der gegen ihn erkannten Strafe voraussichtlich ein Jahr oder länger unfreiwillig dem Landtag fern bleiben müsse. Durch dieses zufällig« Ereignis erlange die Rechte mit ihren 35 Stimmen die absolute Mehrheit im Landtag und sei in der Lage, die Neuwahl des Staatspräsidenten für einen von ihr aufgestellten Kandidaten durchzusehen und so der geschäftsführenden Regierung ein Ende zu machen, ohne daß es dabei eines Entgegen­kommens des Zentrums bedürfe.

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lieber die heutige erste Sitzung der natio­nalsozialistischen Landtagsfroktion wird folgende Mitteilung ausgegeben: Heute nach­mittag fand im Fraktionszimmer der Nationalsozia­listen die erste Sitzung der nationalsozialistischen Fraktion des neugewählten Landtags statt. Der Fraktionsführer Gauleiter Lenz begüßte die voll­zählig im Braunhemd erschienenen nationalsozialisti- schen Abgeordneten Hessens und erläuterte bie nächst liegenden Aufgaben der Parla­mentsarbeit. Die Landtagsfraktion gab ein­mütig dem Willen Ausdruck, das in sie gesetzte Ver­trauen der nationalsozialistischen Wähler zu recht- fertigen.

Oer Berliner im Zerrspiegel seines Humors.

Der Volkswitz hat ein scharfes Auge für die Besonderheiten und Eigenarten des eignen Cha­rakters, und so ist im volkstümlichen Humor eine wichtige Quelle der Völkerpsychologie ge­geben. Besonders der Berliner hat sich in seiner Komik wohl besser geschildert und ausgedrückt als in irgend etwas anderem. Ein vortrefflicher Kenner der Berliner Wesensart, Hans Os­wald, unternimmt es, in seinem soeben bei R. Piper & Co. in München erschienenen, zu der SammlungWas nicht im Wörterbuch steht" gehörigen BuchBerlinisch", durch eine Ana­lyse der Sprache und durch eine reiche Samm­lung bezeichnender Geschichten uns einen Einblick in die Seele des Berliners zu gestatten. Don der besonderenHelligkeit" des Bewohners von Spree-Athen sind schon früh treffende Züge be­richtet worden. So fragte um die Mitte des 17. Jahrhunderts ein Goldschmied den Berliner Ratsherrn Schönbrunn, woher es käme, daß die neuen Doppel-Groschen so bald rot würden, worauf Schönbrunn antwortete:Sie schämen sich, daß sie so arm an Silber sind." Aus dem 18. Jahrhundert berichtet uns eine Anekdote aus dem Lessing-Kreise:Lessing traf sich gern mit seinen Freunden in derBaumannhöhle", einem nach dem Küfer Baumann genannten Weinkeller in der Brüderstraße. Dort las eines Abends der Philosoph Mendelssohn aus seinemPhaedon", über die Unsterblichkeit der Seele vor. Ein Ber­liner hörte aufmerksam zu und trat nach der Vorlesung an den Tisch, an dem Lessing, Mendels­sohn und Nicolai sahen.Ick jloobe nich an ihr", meinte er.Woran glauben Sie nicht?", fragte Lessing.Nu, an de Unsterblichkeit."Warum denn nicht?"Ja, sehn Se, wenn ich dran jloobte und se kommt nich, denn ärgerte ick mir. Wenn ick dran jloobe und se kommt doch noch, so finde ick toeita nischt dabei: wenn ick aber nich dran jloobe und se kommt, so freie ich mir. Merken Se wat? Drum jloobe ick nich an de Unsterblichkeit." Sprach's und verließ das be­rühmte Dreigestirn. Aber der Berliner ist auch nüchtern genug, um sein eignesHellesein" zu verspotten. Dafür bezeichnend ist eine Geschichte, die zuerst der bekannte Berliner Humorist Glas­brenner erzählt hat: Ein Leutnant bemerkt, daß sein Kaffee seit einigen Tagen so dick ist: er ruft deshalb seinen Berliner Burschen ins Zimmer und fragt ihn nach der Ursache:Ja, seh'n Se, Herr Leutnant", sagt dieser,der alte

Trichter ist entzwee jejangen, un nu hab' ick eenen Strumpf jenommen, un da is et mög­lich --"Zum Donnerwetter!" ruft de. Offi-

hier,Kerl, bist du wahnsinnig?"I 2ott be­wahre", antwortet der Bursche voll Seelenruhe, jlooben Se mir doch man, det ick weeß, wat ick dhue! Ick weeß ja, det Se sich einrichten müssen, un werde nich so rinrasen. Ick hab« ja man een alten Strumpf jenommen!"

Berühmt ist der Berliner wegen seinerkal­ten Hundeschnauze". Er läßt sich nicht unterkriegen und nicht aus der Ruhe bringen. Ein hübsches Beispiel dafür wird aus dem Dänischen Krieg von 1864 berichtet: Ein preußi­sches Regiment war im schweren Granatfeuer In eine sehr niedergedrückte Stimmung geraten. Da rief plötzlich die Stimme eines Berliners: Nanu! hier is man ja seines Lebens nich mehr sicher!" Die Komik dieser Bemerkung schlug durch. Alles lachte, und der gute Mut war wieder hergestellt. Die Schlagfertigkeit seines Witzes drückt sich in der großen Bildhaftigkeit feiner Sprache aus, und diesen Vorzug offen­bart er in erster Linie beim Schimpfen. Das Berliner Schimpf-Lexikon wird an kühnen Bildern von keinem andern übertroffen. Wie grotesk weiß er z. B. die Dummheit des andern zu kennzeichnen:Dir ham se woll mit Kalt­wasser vabrieht?"Dir Ham se woll mit'n wasser vabrieht?"Dir Ham se woll mitn Klammerbeutel jepudert?"Dir Ham se woll mit de Pauke jepiekt?" Nicht minder kühn sind seine Drohungen, z. B.:Hast woll lange nich aust Krankenhaus jekiekt?"Dir hau ick, det de in feen Sarch mehr rinpaßt!"Det Aas stech ick mit 'n jefrornen Waschlappen bot!" Een Schlag und de Nese sitzt hinten." Ick hau dir uffn Kopp, det dir de Strümpe platzen!" Andere derartige Fragen, durch die man den Gegner reizt, lauten:Se sind wolln bisken brustschwach inn Kopp?"Se haben wollne alte Stiebelbürste verschluckt?"Ihnen haben Se woll mit Ochsenmilch uffjezogen?" Daraus folgen dann jene freundlichen Drohungen wie z. B.:Ick stoße dir vorn Nappkuchen (Kopf), bet bie Rosinen rausfallen!"Ick streichle bir dein Jedächtnis, bette mit deScene Jrundwasser fühlst!"Dir soll ick woll vorn Puffer Haun, Sette melancholisch wirst?" Wie die Alten langen, so zwitschern schon die Jungen. Das Berliner Kind zeigt den Humor der Erwachsenen schon in ausgesprochenem Maße, wie unzählige Geschichten aus Zilles berühmtem Milljö" zeigen.

Die Schatzgräber auf der Kokos-Insel.

Wie bereits kurz gemeldet, soll nunmehr einer der am meisten besprochenen und am häufigsten gesuchten Schätze, nämlich der auf der Kokos-Insel, gesunden worden sein. Nachdem innerhalb der letz­ten 40 Jahre mindestens ebenso viele Expeditionen das kleine Eiland, das etwa 800 Kilometer westlich von Costarica im Stillen Ozean liegt, nach allen Richtungen durchsucht und durchwühlt haben, wäre also nun, wenn sich die Richtigkeit der Meldung bestätigt, einer neuen kanadischen Gesellschaft die Beute von etwa 180 Millionen Mark zugefallen, die in den Träumen so vieler Schatzsucher als lockendes Ziel gespukt hat. Die Auffindung des von den See­räubern hier vergrabenen Schatzes soll mit Hilfe elektrischer Suchinstrumente gelungen (ein, und zwar befindet sich die Schatzstelle m dem Bett eines aus- getrockneten Bachs unter einer überragenden Fels- flippe, der Flußlauf war von den Piraten künstlich abgelenkt worden, um spätere Sucher irre zu füh- ren. Derjenige, der bei dieser Nachricht wohl die stärkstennegativen" Gefühle gehabt hat, ist der englischeSchnelligkeits-König", der Inhaber des Geschwindigkeits-Rekords im Kraftwagen Sir Mal- colm Campbell. Er hat vor sieben Jahren eine Schatzsucher-Expedition nach der Kokos-Insel gelei­tet und beabfäitgte ursprünglich, sich auch an dem neuen Unternehmen zu beteiligen. Dann aber lockte es ihn doch mehr, einen neuen Angriff auf den Schnelligkeits-Rekord zu unternehmen, und er ging stattdessen auf die Rennbahn nach Daytona. Nun ha! er das Nachsehen und bekommt nichts von den 180 Millionen Mark. Aber noch ärgerlicher ist es daß er sich ganz genau an die Fundstelle erinnert und ganz in ihrer Nähe sein Lager aufgeschlogen hatte.Es ist eine Ironie des Schicksals", schreibt er, »daß ich diesen ausgetrockneten Bach entdeckte und tatsächlich verschiedene Male genau über die Stelle ging, an der der Schatz lag und wo jetzt seine Auf- indung berichtet wird. Ich richtete große Aufmerk- amkeit auf dieses Gebiet, aber nachdem ich es sorg- ältig übersucht hatte, kam ich zu dem Ergebnis daß der Flußlauf durch natürliche Ursachen abgelenkt ein müßte, nämlich durch Felsen, die von der Ufer- eite herabgestürzt waren und das Flußbett ver- perrt hatten. Das ausgetrocknete Bett ist mit großen Felsstucken überstreut, die erst entfernt werden müs­sen, bevor die eigentliche Ausgrabung beginnen kann. Die Entfernung dieser Steine dürfte nicht schwierig sein, da sie an das nahe gelegene Ufer hinauf gerollt werden können. Es gibt nur zwei Buchten auf der Kokosinsel, an denen die Landung mit einem Hei­nen Boot möglich ist: sonst treten die zerklüfteten Felsen bis in das Meer hervor. Die Schis ahrt ist sehr schwierig und gefährlich, da überall eine starke

Brandung herrscht und die Insel von unter Wasser liegenden Felsen dicht umgeben ist, die nur bei derEbbe teilweise sichtbar werden. Die beiden Lan­dungsplätze sind die Wafer-Bai, die im Nordwesten der Insel liegt, und die Chatham-Bai in Nordosten. Es ist infolgedessen anzunehmen, daß der Schatz ursprünglich an einer dieser beiden Buchten gelandet und von dort weiter einwärts gebracht wurde. In­folge des gebirgigen Charakters der Insel und der außerordentlichen Mühen, die die Fortschaffung eines schweren Schatzes über so unebenen und zer­klüfteten Boden verursachen mußte, habe ich stets geglaubt, daß der Schatz ganz in der Nähe der Küste vergraben sein muß. Anderseits war es mir klar, daß jede größere Erdbewegung auf diesem jungfräulichen Boden Spuren in der überaus üppi­gen und wuchernden Vegetation der Insel hinter­lassen müßte und daß daher diese Stelle verhältnis­mäßig leicht zu ergründen sei. Aber die alten Pira­ten waren schlauer und hatten die einzige Stelle auserwählt, auf der das Vergraben möglich war, ohne daß Spuren zurückblieben. Indem sie das Wasser des Flußbettes ablenkten und bann ihre geraubten Reichtümer hier in die Erde versenkten, taten sie bas einzige Richtige, und ich möchte mich ohrfeigen, daß ich dies nicht besser erkannt habe, als ich tat. Der Bach, um den es sich handelt, liegt an der Chatham-Bucht. Mein kleines Lager war nur 30 Meter von der Stelle entfernt aufgeschlagen, aber wir arbeiteten dann westwärts von dem Bach, nur in einer Entfernung von etwa 100 Meter von der eigentlichen Schatzstelle."

Ein armer Exwelimeister.

- Jedesmal wenn S ch m e l i n g in den Vereinigten Staaten um Ruhm, Titel und Dollars gekämpft hat, bringen bie Zeitungen ausführliche Nachrichten über die Riesenhonorare, die ihm zugeflossen sind. Jetzt, nachdem er den Titel des Weltmeisters verloren hat, interessiert es die Verehrer des Boxers ungemem, ob er es dafür wenigstens nun zum Millionär ge­bracht hat. Die Oeffentlichkeit wird aber beruhigt, es fällt auch dem Mann mit dem stärksten Viteps nicht so leicht, Millionär zu werden. Seine Einnahmen aus seiner gesamten früheren Boxertätigkeit werden mir rund eine Million Mark beziffert. Davon gehen aber große Ausgaben ab, denn er unterhält nicht weniger als fünf Haushalte. Er hat nur 300 000 Mark zurückbehalten und fein gegenwärtiges flüssiges Vermögen wird auf etwa 400 000 Mark, der Wert seiner Grundstücke auf 200 000 Mark ge­schätzt, so daß er noch manches blaue Auge schlagen und empfangen kann, bevor er im Handbuch der Millionäre erscheint.