Ausgabe 
29.9.1932 Frühausgabe
 
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yäntzen, m:c China i'.d) zu dem Waffenstillstands- a Ic.a.aen ne ? '(.>. 'Leiter betonte 21raCi, Japan werde jeden -3 d r ! d; l o g des Aölkerbun - b e 9 glatt a b l e y n e n, d'^r die Unabhängig- Seither Mandschurei mißachte.

WchariM am Geburtstag lxres Oserbesehlshabers.

Pa ole: :)ieich:präf deut H;cneralf Idn'arscha^l von Hindenburg! Berlin, 28. Sept. (WTB.) Z u Ehrendes 8 5. Geburtstages des Herrn Reichs­präsidenten, Generalfeldmarschall von Hinden­burg, sind für die Wehrmacht allgemein folgende Anordnungen getroffen worden:

Samstag, den 1.10. 32, abends:

Großer Zapfen ft reich in allen Stand­orten (einschließlich Truppenübungsplätzen), in denen fiä) Musikkorps befinden.

Sonntag, den 2.10.32:

7 Uhr: Großes Wecken, Beflaggen sämtlicher militärischer Dienstgebäude und Anlagen der Wehr­macht von 7 Uhr bis eine Stunde nach Sonnen­untergang: Schiffe der Reichsmarine: Ausflaggen.

M i l i t ä r g o t t e s d i e n st e in den Standorten.

12 Uhr beim Heer und bei der Reichsmarine: P a r a d e a u f st e l l u n g der Standorttruppen und der Marineteile am Lande, Musterung der Marine- teile an Bord.

Ansprache der Standortsältesten und Schiffskommandanten bzw. Flottillen- und Halb- flottillenchefs.

Vorbeimarsch der Standorttruppen.

P l a h m u s i k in den Standorten.

P a r o l e für Heer und Marine:Reichspräsident, Generalfeldmarschall von Hindenburg!"

Arbeitskonflikt in der Weißenfelser Schuhindustrie.

Einstweilige Verfügung verbietet Unter­stützung der Streikenden.

Weißenfels. 28. Sept. (ERB.) Der in der vergangenen Woche ausgebrochene Arbeits­konflikt in der Weißenfelser Schuhindustrie hat jetzt zur Aussperrung der Arbeiter in allen Betrieben geführt. Die Gesamt­belegschaft der Weißenfelser Schuhfabriken be­trägt etwa 2500 Mann. In fünf Betrieben sind in der vergangenen Woche 850 Mann wegen der auf Grund der Notverordnung erfolgten Herabsetzung der Löhne bei gleichzeitiger Vermehrung der Belegschaft in den Streik getreten. Auf An­trag des Reichsverbandes der deutschen Schuh­industrie. Zwcigverein Weißenfels, ist vom hiesi­gen Amtsgericht im Wege der ein st welli­gen Verfügung angeordnet worden, daß die am Streik beteiligten Gewerkschaften bzw. deren Funktionäre gehalten sind, die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit von ihren Mitgliedern zu verlangen, jede tatsächliche oder finanzielle Unterstützung der Streiken­den sowie die Weiterorganisierung des Streiks oder öffentliche Kundgebungen an die Einwohner­schaft zu unterlassen und mit allen Mitteln darauf hinzuwirken, daß in den Weißenfelser Schuhfabriken der tarifliche Zu st and wie­der herbeigeführt wird. Für jede Zuwiderhand­lung wird den Gewerkschaften eine Geldstrafe von 3000 Mark in jedem Einzelfall angedroht. Der Aufforderung der Arbeitgeber, die Arbeit heute wieder aufzunehmen, ist nir­gends Folge geleistet worden. Demzufolge wurden in allen Fabriken die Aussperrungs­kündigungen mit einer Kündigungsfrist von 14 Tagen ausgesprochen. Gegen die einstweilige Verfügung haben die Gewerkschaften Einspruch erhoben. Darüber wird am Freitag vor dem hiesigen Arbeitsgericht verhandelt werden.

Kleine politische Rachrichten.

DieDurchführungsbestimmungenzur Steuergutschein - Verordnung erschei­nen in der nächsten Nummer des Reichsgesetzblattes. Sie umfassen Bestimmungen über die Gutscheine für Steuerzahlungen wie für Mehrbeschäftigung, ferner über die Ausgestaltung der Steuergutscheine und ihre steuerliche Behandlung. Schließlich sind noch neun Beispiele angeführt.

Reichskanzler v. Papen wird am 11. Oktober nach Bayern reisen, um der bayerischen Re­gierung einen Besuch abzustatten. Am 12. Oktober wird Reichskanzler v. Papen eine Rede vor dem Verband bayerischer Industrieller halten.

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Der endgültige Termin für die Verfassungsstreit­sache wegen der Einsetzung eines Reichs- k o m m i s s a r s i n P r e u ß e n ist auf den 10. Okto­ber festgesetzt worden.

Im Befinden Winston Churchills, der neuerdings an Paratyphus erkrankt ist, ist eine Verschlimmerung eingetreten, so daß sein Befin­den zu größter Besorgnis Anlaß gibt.

Der amerikanische Marinesekretär hat ange­kündigt, daß die Regierung sofort an den Dau vondreineuenZerstörerngehen werde. Der Dau war seinerzeit aus Sparsamkeitsrück­sichten aufgeschoben worden. Er wird angeblich jetzt in Angriff genommen, um die Arbeitslosig­keit zu vermindern.

Der bolivianische Minister des Aeuhern hat ein vorbehaltloses Schiedsgerichtsverf a h- ren im G ran-Chaco-Strei t abge­lehnt und gegen Paraguay den Vorwurf erho­ben, daß es für die Annahme des Waffenstillstan­des unannehmbare Dedingungen stelle.

Aus aller Welt.

Schlaganfall des Kölner Handelskammerpräsidenten Geheimrat Hagen.

Der Präsident der Kölner Industrie- und Handels­kammer, Geheimrat Hagen, hat dieser Tage nach seiner'Rückkehr von den Einweihungsfeierlichkeiten des Neubaues der Industrie- und Handelskammer und Börse in Köln in seiner Villa einen Schlag­anfall erlitten.

Oer Wirbelsturm über Portorico.

Die besonders von dem Wirbelsturm be­troffenen Gebiete sind Areeibo und Fajando. hauptsächlich das Gebiet zwischen Fajando und Carolina, wo alle Städte dem Erdboden gleichgemacht sind. Die Regierungsbureaus werden in den nächsten Tagen wieder geöffnet sein, als ob nichts geschehen wäre, gemäß dem Wunsch des Gouverneurs, der die Meinung ge­äußert hat, daß man sich nicht der Verzweiflung hingeben dürfe. Der Wirbelsturm, der Portorico verheert hat, hat jetzt San Pedro de Macoris int Süden der Insel Haiti heimgesucht. Alle Vor­sichtsmaßregeln sind dort ergriffen worden.

Schwere Zuchthausstrafen des Heuthener Sondergerichts.

Das Beuthener Sondergericht verurteilte sechs Ar­beiter, die am 5. August einen Polizeibeamten der sie wegen nächtlicher Ruhestörung verwarnt hatte, überfallen, entwaffnet und mit seinen eigenen Waffen schwer mißhandelt hatten, zu Zucht- Ha u s st r a f e n von 12, 11, 10 und 8 Jahren und zu Gefängnisstrafen von 3 bzw. 2 Jahren. Der Staats­anwalt hatte insgesamt 60 Jahre Zuchthaus be­antragt.

Das Brüsseler Elektrizitätswerk zerstört.

Das Elektrizitätswerk in Drüssel ist durch einen Drand vollkommen z e r st ö r t worden. Die Strom­versorgung der Stadt ist gänzlich stillgelegt. Die Zerstörung ist entgegen den ersten Mitteilungen nicht auf eine Explosion zurückzuführen, sondern auf einen Drand, der in den Leitungsanlagen des Hauptsaales entstand und sich mit so über­raschender Schnelligkeit ausbreitete, daß die De-

legschaft eben noch Zeit hatte, sich Hals über Kopf in Sicherheit zu bringen. Die gesamten Anlagen mit ihren großen Turbinen sind v o l l st ä n d i g vernichtet. Rur ein Rebenwerk mit einer Leistung von 36 000 PS konnte gerettet werden. Es bestätigt sich, daß damit die Kraftver­sorgung der gesamten Stadt zunächst still- gelegt worden ist. Ein Arbeiter hat schwere Brandwunden erlitten. Riesige Menschen­massen beobachteten die Katastrophe von den Ufern eines in der Rähe vorbeiziehenden Ka­nals aus. Die Zeitungen, mit Ausnahme des Soir", sind nicht erschienen. Später setzte die Versorgung mit elektrischem Strom wieder ein, nachdem die Erzeugung in beschränktem Umfange wieder möglich geworden war.

vierstündiger Kampf gegen einen Hornissenschwarm.

Dieser Tage hatte die Altonaer Feuerwehr einen nicht alltäglichen schweren Kampf zu be­stehen. Im Ienisch-Park hatte sich ein größerer Hornissenschwarm in einen hohlen Daum eingenistet. Rachdem mehrere Anwohner durch Stiche lebensgefährlich verletzt worden waren, wurde die Feuerwehr alarmiert, die das Rest erst nach vierstündigem Kampf vernichten konnte. Bekanntlich genügen drei bis vier Hor- nissenstiche, um einen Menschen zu töten. Ein Hund, der dem Daum zu nahe gekommen war, wurde durch einen Stich bereits völlig gelähmt. Eine Frau, die kurz darauf gestochen wurde, zeigte gleichfalls schwere Lähmungserschei­nungen. Die Feuerwehr ging mit Feuerschuh­anzügen und Rauchhelmen gegen das in vier Me­ter Höhe befindliche Rest vor. Auf einer hohen Stange wurde ein Dwistbausch befestigt, der mit Tenzol getränkt war. Als man mit der Brand­fackel in die unmittelbare Rähe des Restes kam, stürzten die Hornissen in großen Schwärmen in die Flamme, um gleich darauf völlig verkohlt zur Erde zu fallen. Der von den Hornissen bewohnte Teil des Baumes wurde schließlich abgesägt. Erst nach vierstündiger Arbeit konnte die Feuerwehr abrücken.

Riesendevisenschmuggel aufgedeckt.

Die Zollfahndungsstelle Deuthen ist einem Riesenschmuggel von Devisen und Effekten auf die Spur gekommen, an dem zahlreich Personen im deutschen und ostober­schlesischen Grenzgebiet beteiligt sind. Rach den bisherigen Ermittlungen liegt die Zentrale der Schmugglerbande in einem Hotel in Kattowih, von wo aus der Schmuggel über die deutsche Grenze besonders nach Deuthen, Dreslau und Derlin geleitet wurde. Zollfahndungsbeamte hat­ten bereits in den letzten Tagen in oer Wohnung des Wechseistubeninhabers Max S a p e r eine Haussuchung vorgenommen. Dem Saper gelang es, über die Dächer zu flüchten und noch einen großen Teil des Geldes nach dem Aus­lande in Sicherheit zu bringen. Ietzt wurde wegen Verdunkelungsgefahr die Ehefrau des Saper in Haft genommen, ebenso eine Kon­toristin.

Prozeß gegen einen 17jährigen Raubmörder.

Vor dem Jugendgericht in München begann die­ser Tage die Verhandlung gegen den 17jährigen Eisendreherlehrling Fritz Schlecht von München, der in der Nacht zum 2. Juli d. I., wie seinerzeit gemeldet, den 63 Jahre alten verheirateten Kauf­mann Heinrich B r ö r von Solingen im Englischen Garten erwürgt und beraubt hatte. Die Anklage lautet auf Raubmord. Die Verhandlungen finden unter dem Vorsitz des Amtsgerichtsrates Dr. K n a p p i ch statt, die Anklage vertritt erster Staats; an-jalt Dr. Messerer, die Verteidigung liegt in den Händen von Rechtsanwalt Dr. Hans Stock. In den frühen Morgenstunden des 2. Juli war im Englischen Garten ein älterer kräftiger Mann mit Wurgspuren am Halse und anderen Verletzungen tot aufgesunden worden. Dem Toten fehlten Geld, Uhr «unb Schmucksachen. Der Ermordete konnte auf Grund des Kassenzettels eines Münchener Kauf­hauses als der Kaufmann Brör aus Solingen fest- aestellt werden. Er war erst am vorhergehenden Tage in München eingetroffen und in einem Hotel am Hauptbahnhof abgestiegen. In wenigen Stun­den konnte das Verbrechen dank der Mithilfe der Presse aufgeklärt werden. Ein in der Nähe des

Hauptbahnhofs wohnender Schneider erhielt am Vormittag des fraglichen Tags von dem ihm be- kannten-Eisendreherlehrling Schlecht einen bejchmutz- ten Anzug zum Reinigen, auf dem sich Blutspuren befanden. In der Tasche sand der Schneidermeister eine goldene Uhr mit dem Monogramm A. B. Er teilte seine Wahrnehmungen der Polizeit mit, worauf Schlecht verhaftet wurde. Schlecht behauptete, mit Drör in einen Streit geraten zu sein. Dabei habe er ihn niedergeschlagen und gewürgt. Als er sah, daß Brör bewußtlos am Boden lag, habe er ihm seine Sachen weggenommen und sei davongelaufen.

Kunst unv Wissenschaft.

Oer Maler und Graphiker Emil Orlik f

Der bekannte Graphiker und Maler Professor Emil Orlik ist am Mittwoch in Derlin im Alter von 62 Iahren einem Herzleiden erlegen.

Orlik wurde am 21. Iuli 1870 zu Prag ge­boren, studierte in München bei Lindenschrnidt und Raab, arbeitete dann selbständig in Prag und München Und wurde 1905 als Nachfolger Professor Eckmanns an das Berliner Kunst­gewerbemuseum berufen.

Orlik ist gleicherweise als Maler, Radierer und Lithograph bekannt geworden. Während eines Aufenthaltes in Iapan machte er sich mit der Technik der japanischen Holzschneidekunst ver­traut. Don seinen Radierungen befinden sich Abdrucke in den Kupferstichkabinetten von Dres­den, München und Derlin. Die bekanntesten seiner Gemälde sindHerbstlied" undBaugrund im Schnee". Außerdem hat er eine große Zahl von Lithographien, Entwürfest für Exlibris, Buch- illustrationen und Plakaten geschaffen, versuchte sich mit Pcmkok im Farbenholzschnitt und wußte in seinen Porträts eine Reihe von Charakter­köpfen zu gestalten, so Max Klinger, Gustav Mahler, R. Strauß, Max Slevogt, d' Albert, An­sorge u. a. m. Zu erwähnen sind ferner die Map­penwerkeDüchse der Pandora".95 Köpfe", Ci über China",Reue 95 Köpfe". Auch in den Ausstellungen des Oberhessischen Kunstver- eins in Gießen waren gelegentlich charakteristische Arbeiten von Orlik zu sehen.

Lin Notruf der deutschen Naturforscher und Aerzte.

In der unter dem Vorsitz von Geheimrat Professor Dr. Aschoff- Freiburg in Wies­baden abgehaltenen geschäftlichen Sitzung der 9 2. Versammlung deutscher Ratur­forscher und Aerzte wurde beschlossen, die nächste Versammlung 1934 in Hannover abzu­halten. An Stelle von Geheimrat Prof. Dr. Karl Duisberg, der das jahrelang von ihm ver­waltete Amt des Schatzmeisters nicht mehr selbst übernehmen konnte, wurde Prof. Dr. Hörlein- Elberfeld gewählt. Ferner wurden als neue Mit­glieder Professor Dr. Karl von Frisch-Mün­chen und Professor Dr. Morawih-Leipzig in den Vorstand gewählt. Einstimmig wurde eine Entschließung angenommen, in der die Reichsregierung gebeten wird, die für die Rot­gemeinschaft deutscher Wissenschaft erforderlichen Mittel nicht unter die Grenze sinken zu lassen, auf der die Fortführung der hoffnungsvoll be­gonnenen Arbeiten nicht mehr möglich wäre. Die Reichsregierung wird gebeten, nicht nur die im Verhältnis zum Gesamtetat des Reichs immerhin doch sehr bescheidenen Mittel für die gedachten Zwecke in der Höhe der letzten Iahre unverkürzt zu belassen, sondern darüber hinaus eine wenn auch in noch so bescheidenem Rahmen gehaltene Vermehrung vorzunehmen, die auch in Rot­zeiten wie der jetzigen möglich sei und deren Ruhen ein Vielfaches der Aufwendungen dar­stellen werde.

Dreißig JahreSüddeutsche Monatshefte".

Die im Derale Knorr & Hirth G. m. b. H. in München erscheinendenSüddeutschen Mo­natshefte" eröffnen mit dem Oktoberheft 1932 Aus dem Zusammenbruch der Ration" ihren 3 0. Iahrgang. Die Zeitschrift, die ihre Leser über alle Gebiete des Wissens auf dem Laufenden hält, läßt sich in erster Linie das Schicksal des Deutsch­tums auf der ganzen Erde angelegen sein.

Oie neuen Mitglieder des Gießener Gtadttheaters.

Dom Stadttheaterbureau werden uns die fol­genden Mitteilungen über die neuengagierten Mitglieder unseres Ensembles zur Versügung ge­stellt:

So herzlich ein echtes Theaterpublikum und die Gießener darf man wohl als solches bezeich­nen seine alten Bekannten wieder begrüßt, so ist man doch begreiflicherweise auf die neuen Ge­sichter besonders gespannt. Wir stellen daher un­sere bisher neuverpflichteten Mitglieder alphabe­tisch vor.

Im Schauspiel interessiert zuerst der jugendliche Held und Liebhaber: Rainer Eggemann, ein großer, schlanker, blonder Mensch, der typische Norddeutsche. Schon von Iugcnd auf hatte er den Theaterfimmel". Don der staatlichen Schauspiel­schule Berlin unter Leitung Professor Iessners kam er ans Stadttheater Berlin: dann Deutsches Theater Hannover, von dort gastierende Zwischen­landung in Köln: jetzt: Gießen. Der große blonde Iunge mit seinem frischen Iungensgesicht und den strahlenden Augen ist unverbesserlicher Optimist:Gibt's ja gar nicht, daß hier gezö­gert wird. Ich will die Theaterfreunde besuchen und recht schön bitten, die lassen uns nicht im Stich!"

Der Operettentenor Alfred Sier ment, der vom Landestheater Karlsruhe zu uns kommt, ist vielen ja fein ganz Unbekannter mehr, meint nur: bei einem solch einzig schönen Theater wollen Sie nicht Abonnent werden? Ia, dann sind Sie auch nicht dabei, wenn ich in der OperetteDie Toni aus Wien" als erste große Fachrolle den Theo­dor Körner finge? Liebe, gnädige Frau, Sie lassen mich doch nicht vergeblich bitten?

Einer, der sich bei uns die Sporen edler Schau­spielkunst verdienen will, ist Kurt Peter Ha­mel von der Schauspielschule Frankfurt a. M., von wo ihn der Intendant im wahrsten Sinne des Wortesloseisen" muhte. Er ist Mann­heimer Kind und spielbesessen. Rach einem mehr- semestrigen Studium der Germanistik und Theater­wissenschaft in Heidelberg und Frankfurt ver- schlug es ihn zur Bühne. Er steht am Anfang seiner Laufbahn und hofft hofft hofft! Mit seinem nettesten Lächeln bittet er: Vergeßt euer Abonnement nicht mir zuliebe!

Vom Landestheater Gotha kommt unsere Sou­brette Liesel Deling. Ein schlankes, blondes Temperamentsteufelchen: sie bringt auch ihren entzückenden braunen Dackel mit, von dem sie sich

nie trennt. Dor gar nicht langer Zeit, als Mädel- chen von vier Iahren, debütierte sie in Bad Kissingen und blieb dann auch, als Sproß einer alten und bekannten Theaterfamilie, der Tra­dition treu. Liesel Deling ist eine Tochter der Kammersängerin Deling-Schäfer, die in früheren Iahren verschiedentlich auch in Gießen zu Gast war. Ihre beiden Schwestern Margot und Gustel gehörten auch bereits dem Ensemble der Gieße­ner Bühne an unter der Intendanz des verstor­benen Hofrats Steingoetter.

Ebenfalls auf ihr erstes Auftreten in Gießen wartet bereits ungeduldig Sybille Eveline Flem­ming, unsere erste Sängerin. Sie kommt vom Stadttheater Landsberg a. d. Warthe. Diese große blonde Frau mit den schönen blauen Augen ist sicher unser wanderlustigstes Mitglied. Als Aus­ländsdeutsche verbrachte sie ihre Kinderjahre in Petersburg. Die Mutter, Thekla Lingen, war eine um die Iahrhundertwende viel gelesene Frauen­lyrikerin. Stolz ist Sybille besonders auf einen ihrer Vorfahren, der mit zu den elf Schillschen Offizieren gehörte, die 1809 zu Wesel auf Defehl Rapoleons für ihre Liebe zum Vaterland er­schossen wurden. Sybille Flemming trat erstmalig im Staatstheater Derlin auf und war nach ihrer .ckkehr von einer Süd-Amerika-Toumee mit Mvissi Mitglied des Landestheaters Darmstadt, von dort führte ihr Weg über Landsberg her zu uns. Zu ihren schönsten Derufserfolgen gehört die Regine in IbsensGespenstern" und die Lisa aus TolstoisLebendem Leichnam". Auch sie freut sich ungemein auf ihre erste große Ge­sangspartie und hofft als Toni in der Operette Die Toni aus Wien" ihr Können zu beweisen.

Ausgeschieden sind folgende Mitglieder: Maria Sachse und Hans P a e t s ch. jetzt am Stadt­theater Heidelberg, Raimund S ch e l ch e r, jetzt am Reuen Theater in Frankfurt, und Albert Ians check, jetzt in (Bamberg.

Myerhuber rast durch deuAeiher

Don Horst Thielau.

Mein Freund Meyerhuber hat gestern abend wieder einen ganz bösen Anfall gehabt. Da ist er wie ein Wilder von einer Welle auf die andere gesprungen. Gierig, unersättlich wie einer, der die Aetherbotschaften auf einmal an sich reihen will, drehte er die Trommeln vorwärts, dann rückwärts, dann wieder vorwärts. Der Lautsprecher jammerte wie unter Keulenschlägen.

Und so entbot der malträtierte Lautsprecher uns.

den malträtierten Zaungästen, das folgende viel­seitige Abendprogramm:

--aber diese Einschränkungen des Vererbungs­gesetzes sind unzweifelhaft. Selbst die entschiedensten Forscher erkennen, daß--

--es am besten ist, wenn man nach einigen Minuten etwas mit Wasser angefeuchtete Pottasche barübergibt und die Wäsche durchreibt, wobei--

--zunächst einmal daran zu erinnern ist, daß diese Regierung auf dem politischen Schachbrett zwei­mal einen Tempogewinn zu verzeichnen hatte: zu­erst, als sie unmittelbar nach der Wahl erklärte--

--die Menschheit pflege schon seit Jahrhun­derten zu den Hülfenfrüchten instinktiv Speck und fettes Fleisch zu essen um so einen Ausgleich an diesem wichtigen Nährstoff herbeizuführen. Wer das aber nun doch nicht verträgt, der--

--hat keine Ahnung von dieser majestätischen Fahrt. Die Kraftbrühe wurde eben aufgetragen, als wir über den Thuner See dahinflogen. Deutlich sahen wir die Axenstraße, die Tellskapelle, und man--

--verrührt sodann sechzig Gramm Butter mit zwei bis drei Eigelb und gibt eine Prise Salz und Muskatnuß dazu. Unter dauerndem Rühren--

--tastete die Gräfin, obwohl ihr Antlitz völlig farblos war, nach den Zündhölzern, und ein paar Sekunden später strahlte über der Kerze, die von einem dunklen, altväterlich geschnitzten Leuchter ge­tragen wurde--

die unabweisbare Zeitnotwendigkeit, die Aufmerksamkeit auf den Darm und die unverdau­lichen Schlacken zu richten, wie ja einst schon der primitive Mensch--

an den Normalsatz der Gesellschaftssteuer nach Paragraph elf des Gesetzes gebunden war. Bei Fusionen wieder ergibt sich ein Satz von einem Pro­zent, wobei--

--sie noch immer an dem elektrischen Anlasser hantierte, ohne daß der Motor, der sonst auf den leisesten Wink gehorchte, angesprungen wäre. Aerger- lich richtete Selma--

--an den ehemaligen Reparationsagenten die Frage, was ihn veranlaßte, diese Mahnungen die sich im gleichen Maße gegen die amerikanische Hoch­schutzzollpolitik wie gegen die ebenso wirtschaftsfeind­liche Goldthesaurierung der Franzosen richten, zu ignorieren und--

--den Plattfuß mindestens an drei Tagen in der Woche vorsichtig zu kneten, unter besonderer Be­rücksichtigung der Tatsache, daß--

--die Eisenindustrie bisher schon ihre Preis­kalkulation nicht in die inländischen Verkaufspreise des Syndikats eingesetzt hat. Es ist deshalb zu ver­stehen, baß--

--er Angst bekam, er würde hinuntergleiten. Aber er hielt sich an den Zügeln, solange es ging; als jedoch seine Kraft zu erlahmen drohte, wimmerte er mit bebender, tränenerstickter Stimme:

--Vergessen Sie bitte nicht, Ihre Antenne zu erben! Wir wünschen Ihnen eine angenehme Nacht!" ...

Oer Vater und der Säugling.

Wir wissen von den Fischen, daß es Arten! gibt, bei denen der Fisch-Papa die Sorge um die Aufzucht der Drut übernimmt. Der Stichling zum Deispiel hält sorgsam vor dem Rest Wache, bis die kleinen Stichlinge aus dem Ei kriechen. Dann lehrt er seine Kinder schwimmen. In geordneten Zügen führt er sie im Wasser spa­zieren, wie der Schäfer seine Herde. Das Un- menschliche, wollte sagen Unfischliche, in seinem Charakter ist nur, daß er diejenigen seiner Spröß- Itnge, die im erwachenden Selbstbetätigungstrieb aus der Reihe schwimmen, kurzerhand auffrißt. Väter verlieren bei der Kinderpflege eben leicht die Geduld. Der Mensch, auch der Vater, aber ist gut. Wenn er böse handelt oder böse denkt, dann tut er es nur, weil er es nicht besser versteht. Die Väter find in der Säuglingspflege nicht ge­nügend ausgebildet und stehen daher ratlos vor der Wiege des schreienden Säuglings und wissen nichts anderes zu tun, als wie ein Feldwebel zu fluchen. Hier muß Wandel geschaffen werden: durch Einrichtung von Mutterschulen für Väter und solche, die es werden wollen. Eine solche Schule besteht schon in Reigate in England, die regelmäßig Kurse für Männer in der Säug­lingspflege veranstaltet. An dem ersten Kursus haben zehn Männer teilgenommen, wahrscheinlich aber nicht mit dem notwendigen Ernst, den die hohe Aufgabe erfordert, denn bei der Abschluß­prüfung haben nur fünf das Examen bestanden. Den Prüflingen wurden u. a. folgende Fragen vorgelegt: Erstens, was machen Sie. wenn Sie mit dem weinenden Kind allein in der Wohnung; sind? Zweitens, was machen Sie, wenn das Kind Symptome einer Erkältung zeigt? Drittens, was machen Sie, wenn Ihre Frau nicht nach Haus kommt und das Kind Hunger hat? Ia, was machen Sie dann? Sie können doch nicht, wenn Sie mit dem Kind allein m der Wohnung sind und es Hunger hat, den Hut aufstülpen und Ihre Frau holen: Sie können auch nicht, wenn das Kind Symptome einer Erkältung zeigt, ihm die für Sie heilsame Medizin eines steifen Grogs verabreichen. Was machen Sie? Besuchen Sie schleunigst einen Däter-Kurlus in der Säuglingspflege!