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29.9.1932 Frühausgabe
 
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Donnerstag, 29. September (952

182. Jahrgang

Nr.229 SrübauSsave

liebhaber, bis er wohl aus Karrieregründen zu den

Ser Mchsaußeimimster nach Berlin zvMekhrt

Abschied vom Freihandel.

Der Austritt der Altliberalen und des Ar- beiterparteilers Lord Snowden aus dem Kabinett Macdonald ist das äußere Zeichen für die Neu-

Deutschland wartet ab.

KeincAeuderung der außenpolitischen Linie.

Genf, 28. Sept. (END.) Reichsaußenminister Freiherr von Neurath hat heute abend um 6 Uhr mit dem Berliner Schnellzug in Be­gleitung von Gesandtschaftsrat Dr. Böller Genf verlassen, um nach Berlin zurückzukehren. Während der Abwesenheit des Reichsauhenml.nl- sters übernimmt Gesandter von Rosenberg die Führung der Delegation.

Der Reichsaußenminister wird morgen zwischen 13 und 14 Uhr in Berlin zurück erwartet. Im Laufe des Nachmittags wird dann noch eine Kabinettssitzung stattfinden, die sich nach den Auskünften der Wilhelmstrahe mit laufenden An­gelegenheiten beschäftigt. Irgendwelche Ueberraschun- gen sind dabei nicht zu erwarten. Jedenfalls ist die Begründung, dah die Abreise des Außenministers auf wichtige Kabinettsberatungen in Berlin zurück­gehe, nicht in dem Sinne aufzufassen, als wenn von deutscher Seite irgendwie mit einer Abschwenkung von der bisherigen außenpolitischen Linie zu rech­nen sei. DieseLinie ist vollkommen klar: In den ganzen bisherigen Verhandlungen, nament- lief) auch mit den Engländern, sind Kompro­misse in der Abrüstungsfrage angedeutet worden, aber in der grundsätzlichen Frage der Gleichberechtigung ist ein befriedigendes Entgegenkommen nicht festzustellen. Solange das nicht der Fall ist, beteiligen wir uns nicht.

Die Abreise des Freiherrn von Neurath stand schon fest, als bekannt wurde, daß Herriot mor­gen in Genf sprechen will. Der Reichsaußenminister hat sicher bedauert, daß er dabei nicht anwesend sein kann. An den Dispositionen läßt sich aber nichts mehr ändern. Natürlich muß man zunächst abwar­ten, was cherriot sagt, und deshalb läßt sich auch noch gar nicht übersehen, ob Herr von Neurath wieder nach Genf fährt, ob eine Antwort von deutscher Seite erfolgt, und wenn das der Fall sein sollte, in welcher Form und von wem sie ge­geben werden würde. Diese ruhig abwartende Haltung ist ein selbstverständlicher Teil der Linie, die die deutsche Außenpolitik beherrscht.

Oie Franzosen sind enttäuscht.

Neurath kommt zur Minderheilendebatte zurück.

Die Umbildung des britischen Kabinetts.

Die freihändlerischen Liberalen und Lord Snowden verlassen die nationale Negierung aus Opposition gegen die Beschlüsse der Neichswirtschastskonferenz von Ottawa.

taktische Gründe eine wenn auch nur unter­geordnete Rolle, wie aus dem redaktionellen Kommentar des liberalen Abendblattes »Star klar hervorgeht. Darin heiht es: Die Liberalen verlassen das Schiff nicht, weil es finit ©te verlassen es, weil es einen falschen Kurs verfolgt. Sie haben ihre Syxnb am Steuer ge­habt, waren aber machtlos, den Kurs zu beein­flussen. Sic wurden nur als Camouflage benutzt. Man brauchte sie, um die Anerkennung den Konservativen zu überlassen und den Tadel für einen Fehlschlag auf sie zu laden.

Eine Erklärung Macdonalds Eine Nation braucht eine überparteiliche Negierung."

London, 28. Sept. (XU.) Am Mittwochabend gab Ministerpräsident Macdonald im Namen seiner zur Nationalen Arbeiterpartei gehörigen Mi- nisterkollegen Lord Sankey und Thomas und in seinem eigenen Namen folgende Erklärung heraus: Vor zwölf Monaten übernahmen wir eine schwere Aufgabe, und wir wußten, was das bedeutete. Jetzt wollen wir genau so alle Parteirücksicht- nähme und Parteiinteressen beiseite lassen denn unsere Arbeit ist noch nicht beendet und kann auch nicht beendet sein bis auf diese oder jene Weise eine Regelung der Reparationen und Schulden zustande- gekommen ist. Ferner ist die W e l t w i r t s ch a s ts- ko n f e r e n z zu berücksichtigen. Wir arbeiten wei- ter, bis die Arbeit erledigt ist. Wir erheben jetzt den Ruf an die Wähler, wie vor zwölf Monaten, nämlich: Daß eine Nation eine überparteiliche Regierung braucht, daß reine Partei- crwägungen unseren nationalen Anschluß in der Welt schwächen und ein schwerer Schlag für die Schritte sein würde, die jetzt im Interesse der Wie­dererholung der Welt getan werden.

einem Jahr wurde es für nötig gehalten, die Gefahren in den schwärzesten Farben zu schildern, um die Borbedingung für die natio­nale Regierung zu schaffen. Heute, wo sich die sogenannte nationale Regierung in das Fahrwasser des konservativen Pro­tektionismus begeben hat, kommt es vor allem darauf an, dem Inland und dem Ausland gegenüber den Eindruck der Ruhe zu be­wahren. Die auch in den Schreiben der demissio­nierenden Kabinettsmitglieder betonte Ansicht, dah die akute Krise überwunden ist, entspringt wohl der Absicht, Befürchtungen über schlimme Folgen und einen ungünstigen Eindruck im Aus­land wenigstens im jetzigen Augenblick vorzu­beugen. Als heute mittag das offizielle Bulletin den Rücktritt der drei Vorkämpfer des Frei­handelsgedankens, Snowden, Samuel und Sin­clair, verkündete, war es schon sicher, daß die nationale Regierung den Aderlaß überstehen würde.

Die Gründe, die Snowden veranlaßt haben, dem Premierminister die 4Ojährige Weggenossen­schaft zu kündigen, sind die gleichen wie die Motive der Samuel-Anhänger. Es war d i e einzige Möglichkeit Die sich angesichts der Ohnmacht gegenüber der überwältigenden protektionistisch-konservativen Mehrheit ergab. Abgesehen von der Lieberzeugungsfrage des Frei­handels spielen jedoch gewiß auch Partei-

Neue Kämpfe in der Mandschurei Japan droht mit der Besetzung Pekings und Tientsins.

Schanghai, 28.Sept. (TU.) Wie die chinesisch- Press« meldet, haben sich in der Mandschurei nörd­lich von Mulden erneut blutige Kämpfe der chinesischen Freischärler mit den Japanern abgespielt. Don den Freischaren, die in Stärke von 9900 Mann anrückten, ist die Stadt P e k u , etwa 50 Mellen nördlich von Mulden, b e« setzt worden. Es entwickelte fid) eine heftige Schlacht, in der 100 Japaner getötet sein sollen. Die Tätigleit der Freischärler hat sich auch im Ge- biet von T s ch u n g t s u verstärkt. Weiterhin ist Station Tsitsikar von den Freischaren unter Feuer genommen worden. Ein japanischer Panzer­zug mußte eingesetzt werden. Oestlich von Tsitsikar wurde die Eisenbahnlinie zerstört.

In einer Unterredung mit Pressevertretern er­klärte der japanische Kriegsminister A r a k i, Japan werde, wenn der chinesische General Tschangsueliang in d:e Mandschurei eindringe, nötigenfalls Peking und Tientsin besetzen. Nur so könne die aufrührerische Tätigkeit Tschangsueliangs gegenüber der neuen mandschurischen Regierung unterdrückt werden. Ein erneutes militärisches Sv

Orientierung der englischen Wirt- schas ts Politik, die mit überkommenen Tra­ditionen solgerichtig brechen muhte, um die vi­talen Interessen des Inselreiches der veränderten Weltwirtschaftsstruktur anzupaffen. Als nachdem Bombardement mit den franzöfifchen goldenen Kugeln im Vorjahre das englische Pfund xer- schossen wurde, war es offensichtlich, dah eine Re­organisation nicht im überkommenen Sinne durch Beibehaltung der freihändlerischen Grundsätze und der alten Parteipolitik durchgeführt werden konnte. Das Konzentrationskabinett aller nationalen Kräfte war für England sieht man von der Lloyd-George-Koalition nach den Kakhi-Wahlen 1918 ab politisch ein ge­radezu revolutionärer Versuch, ebenbürtig der Loslösung des Pfundes: vom Goldstandard. Die Arbeiterparteiler haben diesem Versuch eine fast gesinnungstreue Opposition entgegengesetzt, die das Werk Macdonalds nicht störte. Kräftiger reg­ten sich die alten Anfchauungen aber im Kabi­nett selbst. Die Konservativen hielten sich mahvoll zurück, die Liberalen, durch Lloyd Geor- Ses Demagogie zersplittert, machten entweder mit em neuen Kurs einen Verständigungsfrieden, oder sie versuchten innerhalb des Kabinetts, die Entwicklung rückwärts zu revidieren.

So war auhen- und innenpolitisch das Kabinett Macdonald vielfach gehemmt. Es war hin und wieder entweder ein beförderter Rückschritt oder ein zurückgehaltener Fortschritt, und die Klärung muhte dann eintreten, wenn der neue Wirtschafts- kurs auch für das gesamte Imperium mahgebend wurde. Aus der Reichskonferenz in Ot­tawa wurde das einheitliche Wirt­schaf t s r e i ch wenigstens umrissen. Was in den achtziger und neunziger Iahren des vorigen Jahrhundert der ältere Chamberlain mit seiner lärmenden imperialistischen Propaganda nicht er­reichte, ist Macdonald zum wesentlichen gelungen. Gegen den Begriff eines einheitlichen Wirt­schaftsimperiums wandten sich die jetzt aus­geschiedenen Kabinettsmitglieder nicht, aber ihrer politischen Herkunst nach muhten sie begründete Zweifel darin setzen, ob eine ausgespro­chene Schutzzollpolitik und damit eine gewisse Abschließung vom freien Welthandel die einzige Möglichkeit war, Englands verlorene Vor­machtstellung zurückzugewinnen.

Seit vor hundert Jahren C o b d c n feinen Freihandelsruf ausstieb und unter dem Banner des Freihandels Englands Jndustriemarkt zeit» weilig bis zum Aufkommen der festländischen und amerikanischen Rivalen ein Monopol be­saß ist schon aus der insularen Lage heraus die britische Wirtschastspolitik freihändlerisch orientiert gewesen. England bezog feine Lebens­mittel von überall her, es bezahlte mit Industrie- Waren und da die landwirtschaftliche Erzeugung Englands gering ist, wäre es unsinnig gewesen, die Lebensmitteleinfuhr auch noch mit Zollen zu belegen. Das Glück der größtmöglichsten Zahl, auch ein englischer Begriff, beruhte also Genera­tionen hindurch darauf, dah im Austausch gegen Lebensrnittel englische Industriewaren nicht durch Zollmahnahmen anderer Länder oder durch auf- kommende ausländische Industrien an ihrer Ver­breitung gehindert würden. Als das mit der industriellen Erstarkung des Festlandes Europas in den letzten beiden Iohrzehnten des vorigen Jahrhunderts geschah, setzte die er st e o cp utz - zollbewegung ein, drang jedoch aus Den Konferenzen des Mutterlandes mit den Kolonien nicht durch. Erst die Weltwirtschaftskrise und die Verschiebung des Finanzzentrums von Eng­land nach Wallstreet bereiteten den Boden für eine wirtschaftliche Absperrungspolitik, die in Ottawa, wenn auch leicht verklausuliert, tatsäch­lich das einheitliche Wirtschaftsimperium zustande brachte.

Es ist ein Irrtum, anzunehmen, diese Entwicklung fei von den englischen Linksparteien bekämpft wor­den. Die Arbeiterparteiler waren an und für sich weder Freihändler noch >Lchutzzöllner: sie haben niemals diese Frage als solche des politischen Glaubensbekenntnisses, als Dogma betrichtet, son­dern nach reinen Nützlichkeitsgesichts- punkten gewertet. Die britische Arbeiterbewegung unterscheidet sich von der europäischen dadurch, daß sic sich wesentlich in den Formen des Gildcnsozialis- mus betätigte. Die geistige Führerschicht, die alten Fabians, zu denen auch Snowden gehört, waren allerdings mit liberalem Gedankengut geimpft, bildeten aber nur eine zahlenmäßig geringe Führerschicht, die sich übrigens auf drei politische Lager verteilte, auf die Unabhängi­gen, den radikalen Flügel also, auf den Stamm der Gewerkschaftler, die bis zu Burns Zei­ten sogar jede Parteiform ablehnten, und aus die Linksliberalen. Das Freihandelsdogma war diesen Intellektuellen, im Gegensatz zur Masse, Glaubenssatz, aber es bleibt doch bezeichnend, daß R u n c i m a n im Macdonald-Kabinett auch jetzt noch verbleibt, obgleich er auch aus dieser Schule stammt. Sir Herbert Samuel schließlich der zu- rüdgetretene Innenminister, war ursprünglich Zoll-

Genf, 28. Sept. (TU.) Die Abreise des deutschen Außenministers hat in hiesigen französischen Kreisen völlig überrascht, da man bisher eine der- artige Haltung der Reichsregierung nicht ge- wohnt war. Man hatte auf französischer Seite fest damit gerechnet, daß der Reichsaußenminister wegen der angetünbigten Rede Her - riots unverzüglich feine 21 b reife v er- schieben würde und damit seine Kompromiß- bereitschast bekundet hätte. Wie zu erwarten war, wird die Abreise von französischer Seite als eine absichtliche deutsche Geste dargestellt, die nur die Gegensätze zwischen der deutschen und fran­zösischen Auffassung unterstreichen sollte. In eng- fischen Kreisen beurteilt man dagegen die Abreise des Freiherrn v. Neurath durchaus ruhig und sachlich und weist darauf hm, daß der englische Außenminister b e r e i t s v o rein t- gen Tagen abgereift sei und sein« Rückkehr völlig ungewiß wäre. Auf französischer seit« be- stand zweifellos die allzu offensichtliche Absicht, Her- riot in Anwesenheit des deutschen Außenministers einen großen Triumph in der Völkerbunds- K .

Versammlung zu ermöglichen, um damit für die gehen Japans in schanghai werde davon ab.

weiteren Verhandlungen der Gleichberechtigungs- frage eine den französischen Wünschen entsprechende Atmosphäre zu schaffen.

Es dürste zum erstenmal in der Geschichte der deutschen Teilnahme an Völkerbundsverhandlungen fein, daß eine Unterredung zwischen den gleichzeitig anwesenden führenden französischen und deutschen Staatsmännern nicht ftattgefunben hat. Die Ini­tiative für die Weiterbehandlung der Gleichberechti- gungssrage bleibt weiter auf der Gegen­seite, da an einer Weiterführung der Gleichberech­tigungsverhandlungen in erster Linie die Mächte interessiert sind, die für die Abrüstungskon- ferenz und damit für den gesamten Völkerbund eine Gefahr aus einem Fernbleiben Deutschlands erblicken. Es ist jedoch nicht aus- geschlossen, daß Neurath, falls erforderlich, zu den Verhandlungen über die Minderheiten­frage am Schluß der Völkerbundsversammlung zuruck kehrt, da die Reichsregierung einen energischen Vorstoß in der Richtung einer grund­legenden Revision der bisherigen katastro­phalen, di« Minderheiten sabotierenden Haltung des Völkerbundes unternehmen will.

Henderson ist hoffnungsvoll.

Genf, 28.Sept. (WTB.) Der Präsident dcr Abrüstungskonferenz Henderson hat heule abend vor seiner 2Tbreife nach London der Presse folgende Erklärung abgegeben:Der Präsi­dent der Konferenz für die Herabsetzung und Be­grenzung der Rüstungen hat seine Bespre­ch u n g e n bis zu seiner Abreise nach London heute abend fortgesetzt. Im Laufe des Tages hat er mit Frei Herrn von Neurath, Baron Aloisi, Herrn Tenesch, Herrn Zaleski, Herrn Hymans und Herrn Madariaga Unterrebungen gehabt. Herr Henderson hofft, daß genügende Fort­schritte bis zu seiner Rückkehr nach Genf zu der nächsten Sitzung des Büros am 10. Oktober gemacht werden, um ihm zu erlauben, dem Büro bei seiner ersten Sitzung einen Bericht vorzulegen und die Prozedur zur Be­handlung der Sicherheit und der Gleichberechtigung ins Auge zu fassen."

Dogmatikern um Snowden überschwenkte.

Für die zurückgetrctenen Minister ist Ersah da. Die Wirtschaftspolitik des Kabinetts Macdonald wird durch diesen Rücktritt noch britischer orientiert, als sic es bis jetzt schon war. Eng­land hat eine große Offensive zur Wiedergewin­nung der Auslandmärkte begonnen. Es wartet auf die Kündigung des deutfch-sranzösischen Handels­vertrages, es hat in den letzten Jahren immer mehr Waren aus Europa (mit Ausnahme von Frankreich und Deutschland) bezogen und dafür Jndustriewaren abgesetzt, als aus den Vereinigten Staaten, mit denen der britische Handel rückläufig ist. Dieser Kurs hat zwar das Arbeitslosenheer nicht verringert, jedensalls aber den Teilerfolg erzielt, daß die Wirtschaftslage sich nicht ber- schlechterte. Lind schon das wird in dem einst so hochmütigen England als Erfolg des Kabinetts Macdonald verbucht Dafür ist bezeichnend, daß sogar die Konservativen parteioffiziös für das Verbleiben. Macdonalds im Amte eintraten.

Die neuen Minister.

3toet Konservative und cm Liberaler.

London, 28. Sept. (TU.) Amtlich wird mil- geteilt:Der König von England hat den Rück­tritt der drei Minister Lord Snowden, Sir Herbert Samuel und Sir Archibald Sin­clair, angenommen und feine Zustimmung ju folgenden Minislerernennungen ge­geben: Zum Innenminister wurde der bisherige Landwirtschastsminister Sir John ©ilmour er­nannt, dessen Nachfolger der bisherige Unterffaats- fefretär im Schatzamt, Major Walter L l l i o t, wird. Zum Staatssekretär für Schottland wird Sir Geoffrey Lollins ernannt.

von den neuen Ministern gehören ©ilmour und Elliot der fionferoatioen, Lollins der Liberalen Partei an.

Die Gründe des Rücktritts der Liberalen.

Die Hinneigung des Kabinetts zur protektionistischen Zollpolitik.

London, 28. Sept. (TLl.) Am Mittwoch­abend wurde der Brief veröffentlicht, in dem die Samuel-Liberalen Minister ihren Rücktritt be- grünben. Die wichtigste Aufgabe, so heißt es u. a. in dem Schreiben, wäre die Befreiung der Welt von Zollmauern und anderen Handelsbeschränkungen gewesen. Statt dessen habe aber die englische Regierung neue Beschrän­kungen geschaffen, die zur Erhöhung der Ar­beitslosigkeit beitrügen. Sodann werden die Ein­wendungen gegen die Ottawaer Abmachungen bargelegt, die zu einer Erhöhung der Le­be n s m i t te l p re i s e führen müßten. Schließ­lich versichern die Minister der Regierung, daß sie die Regierung in allen Fragen mit Ausnahme der Ottawaer Abmachungen unterstützen würden. , , _

Auch Snowden legt in einem sechs Selten langen Schreiben die Gründe seines Rücktritts dar. Er sei seinerzeit nur unter der Bedingung in die Regierung eingetreten, daß sie nur für nationale Zwecke arbeite. Stattdessen sei es jedoch immer klarer geworden, daß die protektionistische Seite der Regierung und des Llnterhauses entschlossen sei, eine volle Schutzzollpolitik durchzuführen und dabei Macdonald und ihn, Snowden, als Werk­zeuge für die Durchführung dieser konser­vativen Politik auszunützen. Keines der kün­ftigen Ergebnisse, die man vorausaesagt habe als man zu einer Schutzzollpolitik übergegangen sei, sei erzielt worden. Der Außenhandel Großbritanniens sei beträchtlich zurück­gegangen, die Arbeitslosigkeit habe zugenommen und die Schutzzollpolitik habe im Auslande D e r g e l t u n g s m a h n a h- menundEinschrankungenzur Folge ge- habt.

Oie Simon-Liberalen unterstützen weiter Macdonald.

London, 29. Sept. (WTB. Funkspruch.) Bei einer Zusammenkunft der sog. Simon-Liberalen Par- lamenismilglieder wurde eine Entschließung ange­nommen worin der Ueberzeugung Ausdruck gegeben wird daß die Fortsetzung der nationalen Bemuhun- aen angesichts der ernsten Probleme, vor denen die Nation und die Welt stehen, unbedingt notwendig lei Der Außenminister Sir John Simon und der Handelsminister Waller Runciman werden zu ihrem Entschluß, den Premierminister weiterhin zu 1 unterstützen, beglückwünscht.

Die Krisis überwunden.

Lond on, 28.Sept. (CND. Eigene Meldung.) I Die Kabinettskrise ist vorüber. Sie ist aufjet- t lich wenigstens undramatisch verlaufen wie . die meisten ihrer Vorgängerinnen un6 zeigt wie» - der einmal, wie gut man sich in England auf . geschickte Inszenierung versteht. Vor

Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bi« zum Nachmittag vorher.

Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärt« 10 Reichspsennig; für No- tilameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennitz» Platzvorfchrift 20 , mehr.

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Dr. Friedr. Wllh. Lange. Deranttoorilich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.

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