der Depression berücksichtigt werden. 2lls besonders schwerwiegend sei der falsch angewendete politische Interventionismus zu werten. Als Krisenursachen dieser Kategorie sah der Redner vor allem den Versailler Verir« sowie protektionistische und prohibitive Maßnatz- men an. Das Korreferat hielt Prof. Dr. Colm (Kiel) über die einzelnen Ursachen, das Ausmaß und die Ausdauer der Gleichgewichtsstörungen, die durch die zunehmende Industrialisierung in der Wirtschaft hervorgerufen worden sind.
Die Aussprache wurde von dem greifen Geheimrat Prof. Dr. Gering» Berlin eröffnet, der ein» i gangs auf das Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung zu sprechen kam, das als Notprogramm für ein Jahr keinen Anlaß z u I
einer prinzipiellen Kritik geben könne. Es erscheine ihm aber als solches wohl überlegt, klug und kühn und stelle ohne wesentlichen Aufwand beträchtliche Summen zur Wirtschaftsbelebung zur Verfügung in der Erwägung, daß eine Konjunkturwende eingetreten sei. Reichsminister a. D. Dr. G o t h e i n erblickte in der Verminderung b e r S e l b st k o st e n, insbesondere der sozialen Lasten und Steuern, die notwendige Voraussetzung für die wirtschaftliche Wiederbelebung. Reichsminister a. D. Wissel trat für die Verminderung der Arbeitszeit ein und erklärte die Gegnerschaft der Gewerkschaften gegen den Wirtschaftsplan der Reichsregierung damit, daß er die Arbeiter nur als Objekte der Wirtschaft werte.
Sie üeufllieberung her Landkreise in Preußen.
Beseitigung von Llnebenheiien der ersten Verordnung.
Devlin, 28. Sept. (WTD.) Wie amtlich mitgeteilt wird, hat die preußische Staatsregierung eine Verordnung zur Berichtigung und Ergänzung der Verordnung über die Reugliederung von Landkreisen vom 1. August 1932 erlassen.
Die Verordnung enthält eine Reihe von Grenzänderungen zwischen den neu abgegrenzten Landkreisen, in zwei Fällen die A u f - hebu ng der Zusammenlegung von Landkreisen und weiter formelle Vorschriften, die sich mit den Rechtsfolgen der Grenzänderungen, der Auseinandersetzung zwischen Provinzen (Dezirksver- bänden) und der Ue6erleitung in den neuen Zustand befassen. Mit den Grenzänderungen sollen Llnebenheiien, die sich aus der Grenzziehung im einzelnen ergeben hatten, beseitigt werden.
Aufgehoben worden ist die Zusammenlegung des Landkreise Herrschaft Schmalkalden und Schleusingen sowie der Landkreise W o l f h a g e n und Kasse l. Im ersten Falle erfolgte die Aufhebung, um nicht eine etwaige territoriale Reichsreform in diesem Gebiete von vornherein in einer bestimmten Richtung festzulegen, im zweiten Falle, weil die Rachprüfung ergab, daß es zweckmäßiger ist, den Landkreis Wolfhagen mit dem Kreis der T w i st e zusammenzulegen. Letztere Regelung konnte jedoch nicht mit sofortiger Wirkung getroffen werden, da in dem Staatsvertrage zwischen Preußen und Waldeck die Aufrechterhaltung der drei waldeckischen Kreise bis zum 1. April 1934 durch die preußische Staatsregirrung zugesagt worden ist. Die Zusammenlegung der Landkreise Kreis der Twiste und Wolfhagen mit dem Kreissih in Arolsen, sowie der Landkreise Kreis des Eisenberges- und Kreis der Eder mit
dem Kreissih in K o r b a ch ist daher mit Wirkung erst vom 1. April 1934 ausgesprochen worden. Der Aufhebung der Zusammenlegung in zwei Fällen steht hiernach die neue Zusammenlegung von je zwei Kreisen in zwei weiteren Fällen gegenüber, so daß sich die Gesamtzahl der aufgelösten Landkreise (53) durch die Ergänzungsverordnung nicht ändert.
Mit der Ergänzungsverordnung ist die Neueinteilung der Landkreise abgeschlossen. Weitere Maßnahmen sind auf diesem Gebiete nicht beabsichtigt.
Die Neuordnung in den Kreisen Llnterweflerwald und Wetzlar.
Jür denRegierungsbezirkRNesbaden kommen folgende Aenderungen in Frage:
3n den Landkreis Unlerwesierwaldkreis wird der Teil des neu zu bildenden Landkreises Westerburg eingegliedert, der besteht aus den Landgemeinden Girod, Goldhausen, Görgeshausen, Großhelbach, Heilberscheid, Hundsangen, Kleinhelbach, Nentershausen, Niedererbach, Nomborn, Obererbach, Oberhausen, Ouetschbach, Ruppach, Steinefrenz und Weroth.
3n den Landkreis wehlar werden eingegliedert: 1. der Teil des neu zu bildenden Landkreises Obertaunuskreis, der besteht aus den Landgemeinden Brandoberndorf, Lspa, hasselborn, Kleeberg und weipersfelden-, 2. der Teil des neu zu bildenden Landkreises Dillenburg, der besieht aus den Landgemeinden Fellingshausen, Frankenbach, Hermannstein, Königsberg, Krumbach, Naunheim, Rodheim a. d. Bieber und Waldgirmes.
Oie Parteien im Wahlkampf.
Dr. Goebbels spricht in Breslau.
Breslau, 29. Sept. (CNB.) In einer Der» sammlung der NSDAP, in Breslau erklärte Dr. Goebbels u. a„ wenn man den Nationalsozialisten Gier nach Ministersesteln oorwerfe, so sei der 13. Au» guft eine klassische Widerlegung dieser Behauptung gewesen. Die Nationalsozialisten wollten keine Fortsetzung des bürgerlichen deutschen Vorkriegspatriotismus. Dieser habe nicht verhindern können, daß 17 Millionen Menschen infolge der kapitalistisch - liberalistischen Wirtschaftsordnung dem Marxismus in die Arme getrieben worden seien. Dem Nationalismus müsse wieder jene aktive revolutionäre Kraft gegeben werden, mit der er die Volksmassen wieder gewinnen könne, bis er schließlich alle Klassen, Stände und Berufe umfasse. Die NSDAP, nehme für sich in Anspruch, die Arbeiter dem Nationalismus zurückgewonnen zu haben. Je schärfer der Arbeiter das kapitalistische Wirtschaftssystem bekämpfe, um so stärker müsse er im nationalen Eigenleben des Volkes wurzeln. Die
NSDAP, kämpfe für außenpolitische Freiheit und Wehrfreiheit Deutschlands und für eine Reform der Nation an Haupt und Gliedern.
Eine deutschnationale Wahlversammlung verboten.
Frankfurt a. d. O., 28. Sept. ($11.) Am Dienstagabend sollte eine Wahlversammlung der TRVP. stattfinden, zu der als Redner der Reichstagsabgeordnete $eiegrapt)enOike£tor Hermany erschienen war. Die Versammlung wurde a u f Anordnung der Ortspolizeibehörde verboten, weil, wie es in der Verfügung heißt, „nach den Umständen eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu besorgen ist. Die Gefahr ist deshalb unmittelbar, weil ein hoher Grad von Wahrscheinlichkeit dafür vorhanden ist, daß die geplante Versammlung durch Angehörige der RS DAP. gestört oder gesprengt werden wird." — Die nationalsozialistische Ortsgruppe bestreitet, daß die Absicht bestanden habe, die Versammlung zu sprengen. Ihre Mitglieder hätten
Müles NIMM
Vornan von Hertha Fricke
Arheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau
34 Fortsetzung Nachdruck verboten.
„Ich sagte dir doch schon, öafj mein Doktor Andresen derartiges nicht liebt", wiederholte Klaus ruhig.
„Was liebt der schöne Mann denn? Die Frau von vorgestern?" Sie fuhr sich mit dem Taschenkamm durch die Knabenfrisur.
„Er liebt die Frauen, die weiblichen Zauber haben und sittliches Gefühl, und die wird es Gott sei Dank 'mmer geben."
„Dieses ewige Schulmeistern und Predigen", sagte unmutig die junge Frau. „Es wird einem wirklich zuwitz-r. lieber zuviel Galanterie von feiten meines Herrn Gemahls kann ich mich wirklich nicht beklagen."
Sie tat ihm fast leid, daß so gar nichts Gemeinsames zwischen ihnen war. „Aber doch auch nicht über Treulosigkeiten", antwortete er freundlich. Sie ärgerte sich über seine Ruhe. «
„Ich weih ja viel davon, was du auf deinen Fahrten machst. Aber es ist ja möglich, daß du auch dazu zu langweilig bist.
Er ging ins Rachbarzimmer, wo die Suppe eben aufgetragen wurde. Sie folgte ihm.
„Ich dachte, zu anständig, Ilse."
Ob sich Frau Ilse ein bißchen schämte? Sie setzte sich ruhig an den Tisch, ohne zu antworten. Er ah seinen Teller Suppe, und als Aas Mädchen die Suppenteller weggeräumt hatte, reichte er seiner Frau die Schüsseln ohne jede kränkende Reserviertheit, mit freundlicher, kleiner Verneigung, wie er es in jeder guten Gesellschaft getan haben würde.
Schweigend verlief das Mahl, aber eine Unfreundlichkeit lieh Klaus Behrens nicht mehr aufkommen. Er hatte das Gefühl, dah er auch seiner Frau schuldig bleiben muhte, weil sein Herz so still geworden war, aber es. war ja nicht seine Schuld, dah sich nach und nach alle Fäden zwischen ihm und ihr lösten. Er hatte ja den besten Willen gehabt. Sie standen auf und gingen in das Wohnzimmer hinüber. Klaus bot seiner Frau eine Zigarette an. „Da, Ilse, du rauchst ja gern.“
Sie nahm sie, ein wenig verwundert. „Aber du magst es nicht, wenn Frauen rauchen."
Er gab ihr Feuer und setzte eine blanke, schön geschliffene Perlmutterschale vor sie hin.
„Warum denn nicht, Ilse? Ich mag es nur nicht in einem öffentlichen Lokal oder auf der Straße."
„Das ist doch ziemlich dasselbe", sagte sie.
„Ich glaube, darin gehen unsere Meinungen wieder auseinander." Er sah still an ihr vorbei.
..DaS ist das Elend. Sie gehen eben immer auseinander", trotzte Frau Ilse. „Ich möchte wissen, wie du die Frau haben willst. Altmodisch?"
„Rein, Ilse, nur dezent. Ich liebe gut angezogene Frauen." Er lächelte liebenswürdig.
„Oder dah sie kochen und ewig Handarbeiten machen." Sie blies den Zigarettendampf in die Luft.
„Kochen, Ilse? Das habe ich eigentlich nicht von dir erwartet. Du warst verwöhnt. Aber Handarbeiten machen, das fand ich immer wunderhübsch bei Damen. Es war mir direkt ein ästhetischer Genuß, anzufehen, wenn hübsche Frauenhände bunte Seidenfäden durch eine Stickerei zogen, und es konnte überraschend hübsch aussehen, wenn sich plötzlich die Augen von der Arbeit hoben und das Gegenüber lächelnd oder erwartungsvoll ansahen. Es hat mir darum immer Spaß gemacht, meinen Schwestern und ihren Freundinnen vorzulesen, wenn sie an Winterabenden bei der Lampe ihre Kunstwerke stichelten."
„Geschmacksache", sagte Frau Ilse. „Ich mache mir nichts aus den Sticheleien. Man kauft die Sachen heute so billig."
„Aber es ist doch nichts Eigenes, Ilse. Es hat doch keine Seele."
„Wozu braucht eine Tischdecke oder ein Kissen eine Seele? Und ich dafür zerstochene Fingerspitzen. Ach nein, Klaus, das ist Blödsinn."
„Cs tut mir leid, dah unsere Meinungen schon wieder auseinandergehen", sagte er ernst. „Das sollte eigentlich nicht so oft der Fall fein in der Ehe."
„Wie denkst du dir denn eine ideale Ehe?", fragte Ilfe spottend.
„Du siehst, dah wir sie uns beide anders dachten, liebe Frau. Ich wünschte mir sehnsüchtig ein Kind, du findest Kinder lästig, störend, anstrengend. Ich suchte eine behagliche Häuslichkeit, wo man abends auSruhen kann, wenn das Schiss vor Ankev geht, du gehst lieber in Tanzpalais."
„Ihr Männer könnt doch wirklich nicht verlangen, dah man euch bloß die Wirtschaft be-
sich lediglich ein f achliches Urteil über den Unterschied zwischen der nationalsozialistischen Bewegung und der Deutschnationalen Volks- Partei bilden wollen.
Oie Volkspariei lehnt Wahlbündnisse mit regierungsgegnerischen Parteien ab
Berlin, 28. Sept. (CNB.) Die Pressestelle der Deutschen Volkspartei teilt mit: Verschiedene Blätter berichten über eine Konferenz von Parteiführern der Mittelparteien, die in Stuttgart stattsindet, um Verhandlungen über gemeinsame L i st e n für d i e Reichstagsmahl zu führen. Es wird behauptet, daß sowohl die Deutsche Volkspartei wie auch die Staatspartei an diesen Verhandlungen beteiligt seien. Die Deutsche Volkspartei erklärt demgegenüber. daß sie mit solchen Verhandlungen nichts zu tun hat. Für sie kommt irgendein Wahlbündnis mit einer Partei, die sich gegen d i e Politik der jetzigen Reichs- regierung wendet, gar nicht in Betracht.
Gründung einer Gtudentengruppe „Hindenburg".
Marburg, 29. Sept. In Marburg haben sich nationale Studenten zusammengeschlossen, um unter dem Ramen „Hindenburggruppe" die Jugend zu überparteilicher Aufbauarbeit zu sammeln. Die Studentenvereinigung „Hindenburggruppe" seht sich, wie in dem Programm mitgeteilt wird, für die Person des Reichspräsidenten v. Hindenburg und das Programm seiner Regierung ein. Die Ereignisse der jüngsten Zeit in der Geschichte deutscher Innen- und Außenpolitik haben gezeigt, daß nur eine Regierung, die über den Parteien steht und von dem festen Willen beseelt ist, das Wohl des Vaterlandes über alles zu stellen, und die mit eiserner Energie den Weg zum Aufstieg sucht, im Stande ist, Deutschland wieder besseren und glücklicheren Zeiten entgegenzuführen. Lediglich auf propagandistische Wjrkung abgestellte Anträge und Parteireden verkennen den Ernst unserer Zeit. Die wirtschaftliche Rot zwingt zu der von jeglicher Agitation ungestörten Durchführung eines zielbewußten Wirtschaftsprogrammes. Darüber hinaus erheischt die Erhaltung der deutschen Kultur, daß die Freiheit des Einzelnen im Rahmen der von Anstand und Rationalgefühl ge
zogenen Grenzen vor den Bestrebungen einseitig eingestellter Machtgruppen geschützt wird.
Aus aller Welt
Line Arbeitsgemeinschaft der Fachärzte Deutschlands.
In Hannover fand im Anschluß an die allgemeine Aerztetagung eine Versammlung der Fachärzte Deutschlands ftatt um über fachärztliche Sonderfragen zu beraten. Mit Rücksicht auf die Not der Zeit wurde ein engeres Zusammenarbeiten der Fachärzte innerhalb der ärztlichen Hauptorganisation des Hartmannbundes für dringend erforderlich gehalten. Es wurde daher die Einrichtung einer Arbeitsgemeinschaft der Fachärzte Deutschlands nebst Beratungsstelle mit dem Sitz in Bremen, An der Weide 33, beschlossen.
Robert-Koch-Gedächtnisfeier auf den Philippinen.
Auf Deranlassung des in Manila ansässigen deutschen Arztes Dr. C. M. H a s s e l m a n n veranstaltete die Manila Medical Society, die örtliche Untergesellschaft des Aerzte-Verbandes der Philippinen, eine Festsitzung zur Erinnerung an die vor 50 Jahren erfolgte Entdeckung des Tuberku- loscerregers durch Robert Koch. Dr. Hasselmann hielt die Festrede über „Robert Koch und sein Werk".
Brandstiftung in einer Ortskrankenkasse.
In den Bureauräumen der Allgemeinen Ortskrankenkasse des Landkreises Grünberg (Schlesien), die im Gebäude des Kreishauses untergebracht sind, brach plötzlich Feuer aus und fand in den Akten große Rahrung. Die Löscharbeiten nahmen mehrere Stunden in Anspruch. Eine über den Bureauräumen wohnende alte Frau mußte von der Feuerwehr aus der Gefahrenzone entfernt werden. Sie wurde rauchvergiftet ins Krankenhaus eingeliiefert. Die Polizei stellte mit Bestimmtheit Brandstiftung fest, da an verschiedenen Stellen Aktenstücke mit Petroleum begossen und angezündet waren. Es wurden eine Flasche Petroleum und zwei leere Flaschen gefunden, in denen sich Petroleumreste befanden. Die Türen sind von den Tätern mit passenden Schlüsseln geöffnet worden. Auf einen Raub scheint es nicht abgesehen gewesen zu sein, da der Kassenschrank ganz unberührt geblieben ist. Die Polizei verfolgt mehrere Spuren.
Eine Balkanreise in Krisenzeiten.
Griechenland und der große Kreter.
Von unserem P. ^.-Korrespondenten.
Athen, September 1932.
Am 25. September ist das griechische Parlamenl neu gewählt worden. Leniselos hat wiederum eine starke Mehrheit erhalten, obwohl die Prognose für ihn ungünstig lautete. Ohne Zweifel ist er die stärkste Persönlichkeit, die je seit dem Bestehen des neugriechischen Staates in ihm aufgetreten ist. Er stammt aus Kreta und ist dort 1865, noch unter türkischer Herrschaft geboren. Von dem Tage an, wo er als aktiver Politiker in die Geschicke eingreifen konnte, verfolgte er ein Ziel: das des g r o ß g r i e - chischen Staates unter feiner eigenen Führung. Im Weltkrieg setzte er auf die Karte der Alliierten, und vom griechischen Standpunkt aus tat er recht daran. Bei einem Bündnis mit den Mittelmächten hätte Griechenland türkisches Gebiet überhaupt nicht bekommen, denn die Türken fochten ja auf derselben Seite, und das Stück von Albanien, das Griechenland von den Mittelmächten angeboten war, hätte kaum einen Gewinn bedeutet, eher eine Verlegenheit.
®an$ anders beim Bündnis mit der Entente. Lief der Krieg unglücklich für diese aus, so brauchte Griechenland nichts zu verlieren; siegte sie, so winkten als Preis nicht nur Mazedonien und Thrazien, sondern auch noch Smyrna und womöglich der ganze griechische vordere Teil von Kleinasien. Der Ausgang des Krieges gab der Berechnung von Veniselos recht.
sorgt und die Hemden flickt. Solange man jung ist, will man doch etwas vom Leben haben."
„Ich gehe gern mal mit dir in die Oper, Ilse." „Das langweilt mich."
„2a, siehst du, und die Tanzlokale mit der widerlichen Musik und der unangezoge ren Weiblichkeit langweilen mich. Ja, mehr als das, es ekelt mich oft an. And um das zu haben, brauchte ich ja eigentlich nicht zu heiraten."
Obwohl Klans Behrens in aller Ruhe sprach, antwortete seine Frau dauernd gereizt. Schließlich zog sie sich schmollend zurück und sprach nicht mehr.
Ihr Mann saß schweigend und gelassen, rauchte seine kurze Seemannspfeife und las die Zeitung. Frau Ilse fuhr umher und telephonierte allerhand mit ihren Bekannten und sagte schließlich so laut, daß ihr Mann es hören konnte, ihr Mit- kommen am Abend zu. Klaus beschäftigte sich und sagte kein Wort dagegen, was sie nur noch mehr gegen ihn aufbrachte.
Als um acht Ahr Dr. Andresen kam, waren bereits die beiden tanzlustigen Ehepaare Kell- mann und Metzer da und taten sehr erstaunt, daß Herr Behrens nicht Lust zeigte, mitzukommen. Man brauchte alle Aeberredunaskünfte, und die beiden Damen in den schicksten Kleidern boten schließlich ihre ganze Koketterie und Liebenswürdigkeit auf, um Andresen auf ihre Seite zu bekommen. Der war abrt ebenso verbindlich, so kühl und ablehnend wie Klaus. Schließlich holte dieser eine Flasche Südwein, trank sie mit den unternehmungslustigen Leuten und wünschte ihnen viel Vergnügen. Er selbst habe leider mit Herrn Dr. Andresen eine wichtige Besprechung, die keinen Aufschub dulde, da derselbe morgen reisen müsse, und um der Bettelei der Damen und den witzigen Redereien der beiden Herren ein Ende zu machen, verabschiedete er sich höflich und zog sich mit seinem Besuch in sein Zimmer zurück.
Seufzend warf er sich dort in einen Stuhl. Als er aber den Wagen fortrollen hörte, hellte sich sein Gesicht ein wenig auf. Er rüdte. zwei tiefe. Sessel an den Kamin, legte eigenhändig Holzscheite in das offene Feuer und sagte von Herzen: „Run wird es gemütlich!" Dann setzte er Zigarren und Wein auf die blanke Messing- platte des türkischen Tischchens, auf der die Flammen in roten Streifen spiegelten.
„Diese Platte kaufte ich ahnungslos in Kairo", sagte er. „And wissen Eie, was dieser krakelige Segensspruch bedeutet, der hier herumgraviert ist? Tod allen Christen, heißt das." Gr lachte
Wäre nachher nicht das unglückliche Abenteuer in Kleinasien dazu gekommen, so läge die griechische Ostgrenze heute am Schwarzen Meer, vor den Toren von Konstantinopel und bei Sardes, im alten Lydien. Veniselos war der Verant- wörtliche für den Krieg mit der Türkei, der so unglücklich endete. Er hat es später nicht wahrhaben wollen und hat dem König Konstantin schwere Vorwürfe gemacht, daß er die Vermittlung Englands und Frankreichs für einen rechtzeitigen Frieden mit den Türken nicht annahm. Aber Konstanlin wußte nur zu gut, daß, wenn er den Frieden schloß — er hätte die Preisgabe von Kleinasien erfordert — Veniselos der Erste sein würde, der dafür feinen Sturz verlangte. Der König verlor das Spiel, Kleinasien und Ostthrazien gingen wieder verloren, aber Griechenland konnte den Vorteil buchen, daß durch den gewaltsamen Bevölkerungsaustau s ch mit der Türkei das bis dahin nur halb- griechische Mazedonien jetzt ein fast ganz griechisches Land geworden ist.
Man kann dagegen einwenden, daß es ein Verlust für Griechenland ist, wenn jetzt aus ganz Kleinasien die fleißige, intelligente, handelstüchtige und zum Teil sehr wohlhabende griechische Bevölkerung v e r- s ch w u n d e n ist. Im großen und ganzen haben die griechischen Flüchtlinge, die jetzt in Mazedonien und Altgriechenland angesiedelt sind, auf ein niedrigeres wirtschaftliches Niveau herabsteigen müssen, als das war, auf dem sie sich vordem befanden. Es fehlen dem Griechentum jetzt die vielen Anknüpfungspunkte in den reichen Landschaften der kleinasiatischen Westküste, in Cilicien und am Schwarzen Meer. Trape-
behaglich und setzte sich dem Doktor gegenüber, ihm Wein und $abat anbietend.
„Armer Kerl", dachte Heinrich Andresen. „Soviel Sinn für das Traute und so wenig Gleichklang bei seiner Frau. Zu Renate hätte er ganz gewiß besser gepaßt und sie zu ihm."
„Seien Sie mir willkommen", grüßte KlauS Behrens und hob sein Glas. „Merkwürdig, heute morgen kannten wir uns noch nicht, und nun freue ich mich, daß Sie bei mir sind."
Dr. Andresen tat ihm Bescheid und sah ihir herzlich mit seinen klugen Augen am. „Mir ist es, als ob wir uns schon tausend Jahre kennen, Herr Behrens, und daß ich darum heute wohl nirgends anders fein könnte, als bei Ihnen."
„Tausend Jahre sind eine kurze Spanne Zeit", sagte Klaus Behrens und erzählte seinem Gaste von dem Dhruva der altindischen Mythe. Er zeigte ihm den -kleinen Gott auf dem silbernen Kasten, ließ ihn klingen und berichtete, daß triefe liebliche Figur indischer Kunst den Polarstern darstellen sollte, der Ewigkeit und Festigkeit bedeute. Roch manches Interessante hatte er zu zeigen, köstliche, kunstgeschmiedete Waffen, bronzene Tierfiguren, Götzenbilder, Drachen, lauter auserlesene Sachen indischer und altchinesischee Kunst, wie sie sonst nie nach Deutschland kamen. Das Zimmer war ein kleines Museum exotischer Wunderlichkeit.
„Die Möbel hier stammen von meinen Eltern", erzählte er. „Dies Zimmer ist mein alleiniges Eigentum, und es wäre das einzige, auf das ich Wert legen würde, wenn meine Frau Ilse einmal den Wunsch hätte, von mir zu gehen." Er sprach wie zu sich selber.
„Hat Ihre Frau Gemahlin denn diesen Wunsch?", fragte mitleidig Dr. Andresen.
„Heute morgen schien es mir so", antwortete Klaus. Es kam ihm gar nicht zum Bewußtsein, daß er zu diesem sympathischen Mann, den ee heute morgen doch erst kennengelernt hatte, wie zu einem Freunde sprach.
„Ich bedauere es", sagte Dr. Andresen, und fein Ton hatte soviel Wärme und Mitgefühl.
„Es ist nicht so wichtig," sagte Klaus Behrens. „Ich fahre doch bald wieder über See ,und dann, ist es ihr gleich. Denn da hindre ich sie ja nichc im ihren vergnügten Unternehmungen. Wir sind aus zwei Welten."
„Sie legen keinen Wert darauf, sich scheide« zu lassen, um eine bessere Ehe zu finden, wie mie scheint", meinte Andresen.
(Fortsetzung folgt)
eit, vnM to oo Jmljne, um
drahtende Sonr Mjeri die alten Fl 5, 116 unb 1 vrenzeichen der 'Rc ik-Cer noch läßt die ■eibenen, roten un fctynetlcrnb unb ra fcrabemarjd) ein, Minter mit wuchtig ii: Kolonnen der c Itfy das glänzende iifer geistiges Aug 1187 0. Fern von ki. Bellend mischt fceire und Mitraill feiynbe Erde umt Wmzose fitzt. Tod i Mwtrt vorwärts sch ■t clüllone und Reg p>. ihnen leuchten Katternb bauscht f B-mb unb im Lustdi r) zeigt den Orens ;jr siea unb (tyre, j '.iap ift bae
Sii Wbr ist fo M nicht mehr be Ufi-nd die Drachr i) - Unglück m M fen. 1027 würbe Mr 1 Dollar fta ^äbie.W'
Men Währung
schon im Jahre 19 Sesechtssührung le brn Schützengräben en ausbewahrt zr elbentaten unsere freue und Pflichtei
Deren Symbole fi fkbne()nte ooranlei I Wenn diese ehr, 1 Äffischen d k Oktober in < Aerganaenheit mied peten, so würden fi rjten aus ihrem : Mssn die Sprache fr*die Chronik ■f.» bem Leben bi V"nOen soll. Da ,1! l. Mtojoglid;
iisi
„ine bE La war ^lhin ta Achen und^ellM ffift diest^ Zriech [irVn a!a Sichel' i<tung fic3 DDn dem 8? v indisches ßi Mes P J dos V ffi «’ff gÄ I
IirtiflJ11 * t es d her k°mw. Ei Cha" iimliche" ' । ehLdasn (eines ^Lnftanli 9 f( ete daraus "klugen81 a?nn er nie o s kann er ®ie9t! r W 'V/sriechenlan! Ilrt i erstens j i A S
ginanzfrageN'
< rt«;»1" ktlt i
siche «Ä fl[ten
IKw J8 *» hÄ?’
Wüten S 1812, W^bun?L te
Wirch I
Ltn » Cntb
b» i» y.1 «■'»
iB-„ä »n&"6181 UÄ IfeÄf


