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schreilungen mit sofortiger Wirkung bis einschließlich 1. September verboten. Das Verbot mußte ergehen, weil die beiden Zeitungen durch ihre Ausgaben vom 24. und 25. August in mehreren gleichlautenden Artikeln in bezug auf die Beuthener Todesurteile gegen die Reichsregierung, die preußische Staatsregierung und das erkennende Gericht den Vorwurf bewußter Rechtsbeugung erhoben und diese verleumdet, beschimpft und böswillig verächtlich gemacht und in ihrer Ausgabe vom 25. August diesen Vorwurf auch gegen den Herrn Reichspräsidenten gerichtet haben.
Polizei und Reichsbanner.
Berlin, 27. 2lug. (ERD.) Sn den letzten Tagen sind Meldungen über eine Anweisung des Berliner Polizeipräsidenten zur Beobachtung des Reichsbanners durch die Presse gegangen. Wie wir hierzu von unterrichteter preußischer Seite erfahren, ist die Anweisung durch eine Indiskretion in die Öffentlichkeit gelangt. Sie unterscheidet sich in nichts von ähnlichen Verfügungen, die in bezug auf andere Organisationen und Verbände bereits bestehen.
papen gegen die Landtags-Ansprüche.
Ablehnende Antwort an den Landtagspräsidenten Kerrl.
Berlin, 28. Aug. (WTB.) Amtlich wird mitgeteilt: Reichskanzler v. Popen hat an den Präsidenten des Preußischen Landtages K e r r l das nachstehende Schreiben gerichtet:
„Sehr geehrter Herr Präsident! Auf Ihr gefl. Schreiben vom 26. August beehre ich mich, folgendes mitzuteilen: Wenn Sie der Auffassung Ausdruck geben, daß die gegenwärtige kommissarische Regierung in Preußen dem Preußischen Landtag verantwort- l i ch sei, und daß die Mitglieder dieser Regierung verpflichtet seien, vor dem Landtage zu erscheinen, so vermag ich dieser Auffassung nicht beizutreten.
Die kommissarische preußische Regierung leitet ihre Befugnisse lediglich aus der Verordnung des Reichspräsidenten vom 20. Juli 1932 her und ist daher für ihre Handlungen nur dem Herrn Reichspräsidenten, nicht dagegen dem Preußischen Landtag verantwortlich.
Sch kann auch nicht Ihrer Auffassung zustimmen, daß es Pflicht der kommissarischen preußischen Regierung sei, sich lediglich auf die Wiederherstellung verfassungsmäßiger Zustände und auf die Wiederher st ellung von Ruhe und Ordnung zu beschränken. Während der Dauer ihrer Amtsführung üben die Mitglieder der kommissarischen preußischen Regierung vielmehr alle Befugnisse aus, die dem Staatsministerium und den einzelnen Staatsministern nach der preußischen Verfassung und den preußischen Gesehen zustehen.
Ich verkenne nicht, daß das Fehlen einer dem Landtag verantwortlichen Regierung in Preußen ein recht unerwünschter Zustand ist, dessen baldige Beendigung auch ich begrüßen werde. Zu meinem Bedauern sind die Voraussetzungen für eine Aufhebung der Verordnung des Reichspräsidenten vom 20. Juli 1932 einstweilen aber noch nicht gegeben.
Was ferner die Aenderung der Geschäftsordnung des Preußischen Landtages betrifft, so bin ich, wie Sie wissen, mit Ihnen in der Beurteilung dieses Beschlusses durchaus einig. Ihrem Anträge, dem Herrn Reichspräsidenten den Erlaß einer Rotverordnung vorzuschlagen, durch die diese Aenderung für nichtig erklärt wird, stehen jedoch erhebliche Bedenken entgegen.
Zunächst handelt es sich bei Erlaß oder Aenderung der Geschäftsordnung des Preußischen Landtags um eine innere Angelegenheit des
Parlaments.
Rachdem der Herr Reichspräsident bereits durch die Verordnung vom 20. Juli 1932 die zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Preußen erforderlichen Maßnahmen getroffen hat, würde ein Eingreifen in diese interne Angelegenheit des preußischen Parlaments für ihn nur in Frage kommen können, wenn die Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auch nach dieser Richtung hin noch weitere Maß
nahmen notwendig machen würde. Das kann aber um so weniger anerkannt werden, als die beteiligten preußischen Stellen die Möglichkeit haben, über die Rechtmäßigkeit der von dem früheren preußischen Landtag beschlossenen Aenderung der Geschäftsordnung im Rahmen einer Landesverfassungsstreitigkeit die
Entscheidung des Staalsgerichtshoss für das Deutsche Reich
herbeizuführen. Abgesehen hiervon würde es auch noch der Klarstellung bedürfen, ob der gegenwärtige Preußische Landtag die in Rede stehende Aenderung der Geschäftsordnungüberhaupt übernommen hat und ob er hiernach an diese Bestimmung gebunden ist. Ihre Auffassung, daß die Geschäftsordnung durch einen Mehrheitsbeschluß des gegenwärtigen Landtages „bestätigt" worden sei, scheint nicht ohne weiteres zuzutreffen. Der Landtag hat vielmehr abgelehnt, eine Reuregelung der Geschäftsordnung vorzunehmen, die in chrem Ergebnis auf eine Beseitigung des Beschlusses vom 12. April 1932 hinausgelausen wäre.
Ich bedauere lebhaft, auf Ihr Schreiben, sehr geehrter Herr Präsident, zur Zeit nichts veranlassen zu können.
Mit ausgezeichneter Hochachtung
v. Papen."
Rur Ministerialdirektoren erscheinen im Landtag.
Berlin, 28. Aug. (DDZ.) Die praktischen Auswirkungen der Aussprache zwischen dem stellvertretenden Reichskommissar für Preußen Dr. Bracht und dem Landtagspräsidenten K c r r l werden sich bereits am Dienstag kommender Woche bei Zusammentritt des Landtages zeigen. In wohlinformierten Kreisen wird dem Nachrichtenbüro des VDZ. erklärt, daß die kommissarische Regierung bei Wahrung ihrer gemeldeten grundsätzlichen Auffassung die Zusammenarbeit mit dem Parlament dadurch bekunden dürfte, daß sie die zuständigen Ministerialdirektoren als fachkundige Abteilungsleiter an den Paxlamentsüesprechungen teilnehmen läßt. Dagegen dürfte mit dem Erscheinen der mit der Wahrnehmung der Ministergeschäfte betrauten Persönlichkeiten, d. h. der Staatssekretäre und auch des stellvertretenden Reichs- k o m mi ssa rs Dr. Bracht selbst, kaum zu rechnen sein.
Immunität der polnischen dichter aufgehoben.
Warschau, 27. Aug. (WTB.) Durch eine Rotverordnung des Staatspräsidenten wird für die Zeit vom 27. August bis zum 31. Oktober 1932 die verfass ungsmäßige Immunität der polnischen Richter aufgehoben. In dieser Zeitspanne sollen sämtliche polnischen Richter auch ohne ihr Einverständnis auf andere Posten oder in dtzn Ruhestand versetzt werden können.
Frankfurter Goethepreis 1932 für Gerhart Hauptmann.
Höhepunkt und Ausklang der Goethe-Gedächtniswoche.
Oie Dichter-Ehrung im Goethehaus.
Die Frankfurter Goethe-Gedächtnis w o ch e fand ihren Höhepunkt und Ausklang am Sonntag mit der feierlichen Lleberrei- chung des Goethe-Preises an Ger- hartHauptmannin Goethes Geburtszimmer
Gerhart Hauptmann.
und in der Gedächtnisfeier in der Paulskirche. Bei den Feiern wohnten der Reichsinnenminister Freiherr von Gayl als Vertreter des Reichspräsidenten, der Reichsregierung und der preu- ßischen Staatsregierung, und der hessische Ministerpräsident Dr. Adelung bei. Rach einem Musikvortrag verlas Oberbürgermeister Dr. Landmann in Anwesenheit einer auserlesenen Gästeschar die Derleihungsurkunde. Diese lautet:
„Mit ihrer höchsten Auszeichnung ehrt die Stadt Frankfurt im Ramen Goethes die Träger schöpferischer Gedanken, befreiender Schicksalsgestal- tung in unserer Zeit. In Gerhart Hauptmann begrüßt sie den Dramatiker, dem die Bühne unauslöschlichen Dank schuldet, den Führer einer Dichtergeneration, die leidenschaftlich den Weg zum Volke suchte, einen Gestalter, der die Jugend zur Begeisterung hinriß und uns noch heute mit starken Werken beschenkt und erschüttert. Sie ehrt den Mann, der den Deutschen aufs neue mit flammendem Wort die Mahnung zur Lleberwin- dung der Zwietracht in das Herz brannte. Die Stadt Frankfurt a. M. bekundet zugleich mit dieser Ehrung des Schlesiers Gerhart Hauptmann ihre Verbundenheit mit den in allen deutschen Stämmen erscheinenden Kräften dichterischer Schau. Sie huldigt dem seelenbewegten, allmensch- uchen Dichter, der in der eigenen Lebensfülle das Goethesche Meistererbe weitertrug und zugleich die Schätze des europäischen Geistes vermehrte, indem er die soziale Gesinnung zum Ausdruck einer neuen Zeit erhob."
Der Oberbürgermeister machte dann noch be- kannt, daß Gerhart Hauptmann sich nur als der ideelle Träger des Frankfurter Goethepreises fühle, und daß in seinem Auftrage der materielle Wert des Preises zur Hälfte dem Deutschen Hoch st ist und zur anderen Hälfte notleidenden deutschen schaffenden K ü n st l e r n zukommen soll.
In seinen Dankworten für die Verleihung des Goethepreises führte Gerhart Hauptmann
u. a. aus: Wir befinden uns im Innern eine- deutschen Rationalheiligtums, weil hier noch der Geist eines göttlichen Knaben und seiner bürgerlichen Eltern lebt. Richts darf einem Volke heiliger fein, als solche Erinnerungsstätten. An dieser geweihten Stätte, die ich liebe wie keine andere, haben Sie mir die Urkunde einer Preiserteilung überreicht, im Ramen dessen, der heute vor 183 Zähren in diesem Hause der Welt geschenkt wurde. Da der selige Knabe hier noch immer und überall gegenwärtig ist, so wird er auch diesem Ereignis beiwohnen. Wem würde es nicht ebenso ergehen, wenn ich erkläre, ich sähe ihn, den dunklen Blick seine,- Götteraugen auf mich gerichtet. Alter Mann, was brauchst du noch Preise, scheint er zu sagen, der du ein Leben genossen und hinter dir hast. Um deinetwillen geb ich zurück. Und ihm, in der Tat, der diese Treppen, Gänge und Zimmer, kurz: dieses ganze Gebäude mit ewiger Jugend beseelt, reiche ich Ehre und Gold zurück, so wie man einen Knaben aus Liebe beschenken mag.
Goethe-Geburtstagsfeier in -er paulskirche.
Nach dem Vortrag des Priestermarsches aus der „Zauberflöte" eröffnete Oberbürgermeister Dr. Sanbmann die Feier. Die Versammlung sei sich einig in der Verehrung des Meisters, und wenn er, der Redner, den Reichsminister des Innern, Freiherrn v o n Gayl, besonders begrüße, so geschehe es mit der Bitte, dem Herrn Reichspräsidenten in Neudeck die Grüße der Versammlung zu übermitteln.
Reichsinnenminister Freiherr von Gayl sprach als Vertreter der Reichsregierung Huldigungsworte zu Goethes Gedächtnis und grüßte im Auftrag des Reichspräsidenten, des Reichskanzlers, der Reichs- regierung und der Preußischen Staatsregierung die Festgemeinde, die Deutschen innerhalb und außer- halb der Reichsgrenzen und die Völker der Kulturwelt, die sich heute mit uns vor dem weltumspannenden Geiste neigen.
Herr von Gayl führte bann u. a. folgendes aus: Es ist selbstverständlich, daß die Regierung des Deutschen Reiches, gleichviel, welches politische Antlitz sie tragen mag, sich zu dem größten deutschen Dichter ihres Volkes bekennen muß und daß sie in vorderster Reihe derer zu stehen hat, die Goethes Geist feiern. Worauf es aber bei diesem Bekennen ankommt, ist nicht ein Feiern mit den Lippen, sondern allein der Wille, die großen Kulturaufgaben der Zeit im Geiste Goethes anzupacken und, sow/it es Schicksal und Wesen der Kultur gestatten, auch der Lösung entgegenzuführen.
Wir verehren in Goethe einen seltenen, wie wenige vor und nach ihm das Weltall umspannenden Geist. Wir wissen, daß gerade er in ausgleichender äleberparteilichkeit allen Kulturen auf dieser Welt gerecht zu werden, sich sein Leben hindurch bemüht hat.
Wir begreifen, wie Goethe bei aller Aufnahmefähigkeit für fremde Gedanken doch im innersten Kern seiner ganzen Persönlichkeit und fei- nes Schaffens im deutschen Volkstum wurzelt. So ist Goethe ein aufbauender und wegweisender Führer im deutschen Kulturleben, dessen Wirken zeitlos und unbegrenzt ist.
Wir wissen aber auch, daß es Pflicht bleibt, sich strebend zu bemühen, im täglichen Kampf mit allen Widerständen. Kamps um Leben und Zukunft des Volkes ist unsere tägliche Losung, aber dieser Kampf kann und soll zum Segen werden. Das ist letzter Schluß der Weisheit des sterbenden
Motes VMÜM
Roman von Hertha Fricke
Llrheberrechtsschuh: Verlag Oskar Meister, Werdau
7. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Es ist meine Pflicht, sie Ihnen zu reichen!" sprach die Schwester fest und mit einer Stimme, die keinen Widerspruch dulden wollte. Sie träufelte die Medizin in einen kleinen Löffel und reichte Renate ein Glas Wasser.
„Rehmen Sie jetzt ein, gnädige Frau! Die Damen können sich ja bann weiter unterhalten, wenngleich ich der Ansicht bin, daß aufregende Gespräche durchaus nicht angebracht finb. Sie hielt den Löffel dicht vor Renates Mund. Renate schluckte rasch die Tropfen. Sie war böse auf die Pflegerin.
„Immer diese Bevormundung, wo doch keine Heilung ist! Die letzten Tage sollen mir wohl noch verbittert werden! Richts, nichts wird mir gegönnt! Ihr ewiges Befehlen, Schwester Elisabeth, regt mich viel mehr auf, als wenn ich mich den ganzen Tag mit Fräulein von Diemen unterhalte!"
„Das mag der Arzt feststellen!" antwortete eisig die Pflegerin. „Ich sehe, wie schlecht Ihnen diese Unterhaltung bekommt!"
Frau Renate wurde ganz rot im Gesicht.
„Gehen Sie jetzt!" verlangte sie zornig. „Die regen mich auf!"
„Bitte, Schwester, gehen Sie doch jetzt", bat sanft Eva-Marie. Sie ängstigte sich um Renate. „Ditte, gehen Sie doch endlich! Sie sehen doch, die gnädige Frau hat mir etwas zu sagen!"
„Ausgerechnet Ihnen!" zischte die Pflegerin. Ihre Augen funkelten böse. „Der Kranken ist strengste Ruhe verordnet!"
Da wies Eva-Marie sie mit einer unendlich vornehmen, aber ebenso bestimmten Handbewe- gung fort. „Die gnädige Frau wünscht mich allein zu sprechen, Schwester Elisabeth! Ich würde mich ohne Szene entfernen, wenn es umgekehrt der Fall wäre, wenn gnädige Frau Sie zu sprechen wünschte! ilnb ohne Empfindlichkeit!"
„3d) gehe ja schon!" sagte die Pflegerin be»' leibigt. „Aber ich muß Ihr Benehmen dem Arzt melden."
„Laß mich weitersprechen!" sagte Renate und nahm des jungen Mädchens Hand. „Die Aerzte verboten in der Klinik jeden Besuch! — Ich konnte Klaus nicht bitten, es war immer wie eben. Ich sollte mich nicht aufregen, und keiner dachte daran, daß ich mich wohl äußerlich zur Ruhe zwingen konnte, aber die unerlösten Gedanken mich tausendmal mehr quälten. Man versprach mir, ich würde bald wieder gesund
werden und nach Hause kommen! Darauf machte ich Pläne. Rach Hause kam ich, aber gesund wurde ich nicht! Lind so liege ich nun schon Jahre unter dieser Tyrannei!"
„llnb dein Gemahl, Renate? — Weiß er, daß Klaus Behrens lebt, daß du ihn wiedergesehen hast?"
„Daß er lebt, wußte Karl immer! Daß er ein Betrüger war, als er mir von Klaus Tode erzählte, habe ich ihm gesagt. Aber niemand hat es gehört, als er und ich! — llnb ich blieb krank unb hilfsbedürftig! llnb Gerti liebt ihren Vater — was sollte mir nun noch die Scheibung? — Klaus ist verheiratet unb ich werde doch nicht wieder gesund! — Aber wenn ich tot sein werde, Evalein, bann nimm ben silbernen Schlüssel von meinem Hals, nimm bas Kästchen an bich unb bringe es selbst zu Klaus! Versprichst du mir das? — Wenn bu es tust, braucht mein süßes Äinb nicht zu wissen, daß sein Vater mich betrogen hat und seiner Mutter Herz einem anderen gehört." Sie weinte still und fassungslos. — Eva-Marie liebkoste sie unb versprach alles, wie man einem kranken Kinde alles verspricht, um es zu beruhigen.
„Und um Gertis Willen versprich mir, niemandem davon zu sagen! Es könnte ja auch Klaus' junges Glück stören, wenn er glücklich
„Ich schweige, Renate! Mein heilig Ehrenwort! Und ich bringe deinem Klaus das Kästchen!" Eva-Marie nahm feierlich die blasse Hand.
„So, nun bin ich ruhig, Evalein! — Ich tue meinen Diamantring noch hinein. Du kannst ihn verkaufen. Der Erlös wird deine Reise zu ihm und alle deine Unkosten decken. Und willst bu chn nicht verkaufen, brauchst bu es nicht, so behalte ihn zum Andenken an mich!" Eva-Marie küßte die marmorblasse Stirn.
„Wie wohl mir jetzt ist!" sagte Renate. „Run mag's meinetwegen morgen zur Operation gehen Run ist alles in Ordnung! Unb Klaus wirb mir em reines Andenken schenken! — Das wenigstens! llnb finde ich ihn wieder dort drüben . dann bin ich seine rechte Frau — gewiß bin ich das! Dann weiß er alles! — Alles! — Dann hat er mich wieder lieb! Mir ist so wohl, Evalein! Hab Dank!"
„Du sollst wieder gesund werden, Renate!" schmeichelte Eva-Marie unb barg ihre Tränen hinter Renates welligem Haar. Aber bie Kranke nahm mit einem kleinen, schmerzlichen Lächeln bie gesunde Mäbchenhand.
„Wozu, Kind? — Ich bin müde — so müde! Ich will gar nicht gesund werden!"
5.
Karl Andresen saß mit seinem Bruder Heinrich in dem schwarzen, dunklen Herrenzinimer. Sie hatten eben davon gesprochen, daß Frau Renate so schnell wie möglich in die Klinik gebracht
werden müsse. Run schwiegen sie, wie vor etwas Unabwendbarem.
„Was versprichst du dir von der Operation?" fragte Karl Andresen ben Doktor. Der tat bedächtig bie Asche seiner Zigarre ab unb wußte nicht recht, ob er die Wahrheit sagen sollte. Aerzte sind oft barmherzig, wenn sie eine kleine Unwahrheit zum Trost sagen, lind dieser da war sein Bruder! — Daß seine Ehe nicht ganz klar und harmonisch war, hatte Heinrich Andresen wohl oft gemerkt, aber man wußte nicht, wieviel die schwere Krankheit der lieblichen Frau Renate schuld daran war. Freilich er, der Arzt, batte oftmals Chen gesehen, wo bie Krankheit unb die Sorge barum bie Liebe der Gattin nur wärmer emporschlagen ließ in der Angst, den Geliebten zu verlieren. Aber Karl war eine «twas rücksichtslose unb egoistische Ratur. Ihm fehlte Wohl die seelische Vorbedingung für eine Liebe, die Entsagung und Fürsorge forderte. Eine seltsame Scheu des Gatten am Krankenbett der Frau war ihm, dem Doktor, längst ausgefallen. Er deutete sie nur nicht richtig. Karl Andresen gab Geld über Gelb, so ungefähr, als ob er sagen wollte: „Da habt ihr! Tut alles! Ich will gern bezahlen, aber ich eigne mich nicht dafür!"
„Was versprichst bu bir von der Operation?" fragte er noch einmal dringender den sinnenden Bruder. „Endgültige Heilung?"
Der Arzt sah ben Bruder betroffen an. Glaubte er wirklich an solche Aussicht? „Wir sind der armen Renate die Operation schuldig, weil sie allein ermöglicht, ihre Lebenszeit erträglich unb schmerzfrei zu gestalten!" antwortete er bann mit einer gütigen, ruhigen Stimme.
>'2llso boch! — Ich. bachte es mir!" sagte Karl Anbresen unb trommelte nervös mit ben Fingern auf der Platte des geschnitzten Cichen- tisches.
„Es ist bedauerlich für bich — aber wieviel trauriger für bas gequälte junge Geben unb für eure kleine Tochter!"
„3a!“ sagte der Kaufmann. Heinrich wußte nicht recht, was dieses „3a" bedeutete. Vielleicht war es nur gedankenlos gesagt, unb Karl litt mehr, als er sich den Anschein gab.
-Wir wollen Renate bas Leben so freundlich machen, wie wir können!" meinte der Arzt mit tiefem Mitleid. „Weiter können wir nichts tun!" „llnö das besorgt eigentlich vorbildlich das in Weser Beziehung recht talentierte Fräulein von Diemen! 3ch werde ihr an Gehalt zulegen I" antwortete Karl Andresen.
Heinrich verstand den Bruder nicht. Wie konnte man so etwas so geschäftsmäßig behandeln. Karl sah in seines Bruders Gesicht.
„Du natürlich auch! Du hast auch stets getan, toad du konntest, Heinrich!" fügte er anerkennend
hinzu. „Und darum freut es mich eigentlich, dir heute ein Angebot machen zu können!"
„Ach, Herr Doktor, ach bitte, ich glaube, diese Schwester Elisabeth hat mich eben verpetzt!"
»Das hat sie schon getan, Eva-Marie! Kommen Sie doch einen Augenblick hier herein!" Dr. Andresen öffnete die Tür eines kleinen Zimmers, in dem alte, blanke Mahagonimöbel mit veilchenfarbenen Bezügen standen.
„Rehmen Sie Platz, gnädiges Fräulein!"
Eva-Marie setzte sich. Ein blitzblanker Zorn stand in ihren lebendigen Augen.
„Was hat sie gesagt?"
„Daß Sie unsere Renate aufgeregt hätten, daß Sie ihr Briefe gebracht hätten, deren 3n- halt durchaus nicht für unsere Kranke geeignet sei und ihr geschadet hätten, daß Sie am Schluß noch diese brave, pflichttreue Pflegerin hinausgeworfen hätten, und solche Schandtaten mehr!" Sn den Augen Dr. Andresens blitzte es lustig.
„Von all dem ist nur das Letzte wahr!" antwortete Eva-Marie. „Und das war um Renates willen nötig!"
„Hm!" machte der Doktor. „Run erzählen Sie, was es gegeben hat!"
„Rein!" sagte das Mädchen. „Dazu habe ich kein Recht! Fragen Sie Renate!"
„Sch denke, sie schläft?" fragte Dr. Andresen.
„(Sie ist ganz wach und wartet schon auf Shren Besuch, Herr Doktor!"
Er schüttelte den Kopf, aber er übersah die (Situation, ehe er in das Krankenzimmer trat. Eva-Marie schlüpfte in ihr Zimmer. Lächelnd sah er ihr nach.
„Run, Renate?" Er setzte sich an ihren Liege- stuhl.
-^uten Tag, Heinrich!" grüßte sie ihn erfreut.
„3d) höre eben von deiner vorzüglichen Pflegerin, du seiest ganz elend von einer großen Aufregung, die Fräulein Eva-Marie dir ge- bracht! ä
Stirn ein wenig faltig. „Schwester Elisabeth ist verrückt!"
„So, das ist nett! Kraftausdrücke liebe ich bei meinen Patienten. Die bedeuten zurückkehrenden Lebensmut!"
„Außerdem taugt sie gar nichts!" beharrte cSrau Renate. „Sie ärgert mich mit ihrer ewigen Bevormundung!"
„Kindchen, sie hat vorzügliche Zeugnisse aus Krankenhäusern, befolgt exakt ihre Vorschriften, ist peinlich sauber und minutiös genau.“ „llnb mit ihrer Exaktheit und Genauigkeit verdirbt sie mir jede Freude, jeden Spaß! Will ich mit Eva-Marie plaudern, wie heute, so fährt sie mit ihrem elenden Medizinlöfsel dazwischen, freue ich mich, wenn Eva-Marie so hübsch Klavier spielt, dann erscheint das graue Wesen mit der Uhr in der Hand und bringt mich zu lFortsetzung folgt) .
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100. Wiederkehr sein einer bis zum Burg rüttung landen u geistigen Ausruhr, befänden sich uns als Schülp s> stadt für Goethe. „Wahrheit^ unb ■ aangene bürgerlid litten Bürger in nende wird den h ohne Heroismus r wart kommen. - Wunsche, daß der lichtere Zeit fallen
Die Grüße der von deren Präsidc [en • Berlin übe führte er aus, we nis an Goethes - eines Einzigen, f Zeitalters höchster Daß in diesem Ic
„Gras Zeppeli Friedrichsh sprach.) Das ßuj heute um 6 Uhr n sagieren an Bord 3 aufgestiegen.
„Do X“ nc Das Flugfchiff „Di Homburg nach Lüb> Abstur; einer der Ein deutsches Flr war, um eine neue zusliegen, ist in der Das Flugzeug ist z sind nur unerh
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