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29/07/1932 Frühausgabe
 
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Ministerpräsident Herriot sandte an den Reichskanzler ein in warmen Worten gehaltenes Beileidstelegramm, auf das der Reichskanzler ge­antwortet hat. Der Präsident des Senats der Freien Stadt Danzig hat dem deutschen Gene­ralkonsul das Beileid Danzigs ausgesprochen. 2m Auftrage der österreichischen Bun­desregierung stattete der österreichische Ge­sandte Dr. Frank dem ReichFauhenminister einen Besuch ab. Der japanische Marineminister hat bei der deutschen Botschaft in Tokio persönlich sein Beileid ausgesprochen.

Oie Völkerbundsanleihe vor dem Wiener Nationalrat.

Wien, 28. Juli. (WTB.) Bundeskanzler Dr. Dollfuß gab im'Nationalrat die mit Spannung erwartete Erklärung über das Lausanner A n l e i h e p r o t o ko l l ab. Er gedachte hierbei besonders des herzlichen Einvernehmens mit den Vertretern der deutschen Reichsregierung und der wertvollen Unterstützung, die diese bei ver­schiedenen Gelegenheiten den österreichischen Unter­händlern angedeihen ließen. Die Anleihe des Völ- kcrbundes bilde den Ausgangspunkt für die Sanierung der finanziellen und Währungsoerhältnisse nicht nur in

Oesterreich, sondern in Mitteleuropa überhaupt. Der Bundeskanzler stellte gegenüber den in der Oeffentlichkeit geäußerten Bedenken und Angriffen fest, daß das Genfer Protokoll vom Jahre 1 922, auf das sich das vorliegende An­leiheprotokoll gründet, sich vollständig mit dem Art. 88 des Friedensvertrages von St. Germain decke. Nicht zu unterschätzen sei die Bedeutung der Bestimmung über den Vertreter des Böl­ler b u n d s r a t e s, der an die Zusammenarbeit mit der Regierung gebunden sei. Die Leitung der Nationalbank nehme in Aussicht, wenn das Lausan­ner Protokoll angenommen und die damit zusam­menhängenden Maßnahmen beschlossen sein wer­den, eine Ermäßigung der Bankrate vorzunehmen. Die Ablehnung der Anleihe sei nicht nur eine Kabinettsfrage, sondern es würden auch neue und unliebsame Schwierigkeiten vom Auslande her für die österreichische Wirtschaft entstehen. Das Protokoll und das Reformprogramm, erklärte Dr. Dollfuß zum Schluß mit erhobener Stimme, find kein völkischer Verrat, sondern die selbstverständliche Pflicht für die Erhaltung des Deutschtums in Oesterreich. Die Rede des Bun­deskanzlers wurde von den Christlich-Sozialen mit stürmischem Beifall ausgenommen. Von großdeut- scher Seite erschollen st ü r m i s ch e Z w i s ch e n - rufe, so daß einige Zeit großer Lärm herrschte. Sodann wurde beschlossen, die Debatte über das Anleiheprotokoll zu eröffnen.

Oie Entpolitisierung der Schule.

Ein ernster Appell -es Reichsinnenministers an die Llnterrichisverwaltungen.

Berlin, 28. Juli. (ERB.) Der Reichsminister des Innern, Freiherr von Gayl, hat an die Unterrichts Minister der Länder ein Schreiben gerichtet, in dem er auf d i e Bedeutung der deutschen Jugenderziehung für die Wiederaufbauarbeit hinweist. Die Frage des Reichsschulgesetzes harre noch immer der Lösung. Er hoffe, demnächst mit den Ländern di« Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme der Arbeiten an diesem Gesetz klären zu können und dabei.die Erfahrungen der Länder im weitesten Maße her- anzuziehen. Das Schreiben enthält weiterhin eine Darlegung allgemeiner Gesichtspunkte für die Jugenderziehung. Die Erziehung zu Volk und Staat, zur Verantwortung und Opferfähigkeit gegenüber dem Ganzen wird als vornehmste Aufgabe der Schule bezeichnet. In Zukunft werde man d i« sachlichen Anfor­derungen wieder in allen Schularten stei­gern müssen, ohne die wertvollen pädagogischen und methodischen Neuerungen des letzten Jahrzehnts preiszugeben.

Die volks- und staalspolitifche Lrziehungsauf- gabe der deutschen Schule stehe in scharfem Gegensatz zu der parteipolitischen Beeinflussung der Jugend. Die sch r a n - kenloseverhehung durch parteipoli- tische Organisation en sei schlimm st e Versündigung und das Gegenteil zur Erziehung zu echter Staatsge­sinnung. Die bisherigen Maßnahmen zur Entpolitisierung der Schule seien nicht hin- reichend. Leider hätten sichauchdieFührer großer Parteien dem Ruf versagt, auf die parteipolitische Bearbeitung der wahlun­mündigen Jugend zu verzichten. Parteiische Einseitigkeiten in der Personal­politik und der Einführung von Lehrbüchern habe in der Elternschaft ein t i e s e s Miß­trauen gegen die Staatsschule erregt und innerhalb der Lehrerschaft Un­sicherheit und parteipolitische Ver­bitterung hervorgerusen. Lehrer dürfen deshalb keine Parteimänner, sondern müssen Jugenderzieher sein, die in ihrer pädagogischen Haltung den überpartei­lichen Staatsgedanken verkörpern.

Die Erziehung zu echter Staatsgesinnung müsse ergänzt und vertieft werden durch eine deutsche Bildung, die sich auf die geschichtlich- kulturelle Gemeinschaft des deut­schen Volkes gründet und ein lebendiges Volksbewußtfein entwickelt. Dieser Ge­danke wird in dem Schreiben dann weiterhin mit Bezug auf die einzelnen Schularten entwickelt. Betont wird, daß die Erziehung zur Staats­gesinnung und zum Volksbürgertum ihre stärkste innerliche Kraft aus den Wahrheiten des Christentums emp­fange. Deshalb werde der Minister es als be­sondere Pflicht betrachten, die freie Entfal­tung der christlichen Schule und die christliche Grundlage aller Erziehung zu sichern. Weiter wird betont, daß die Schule auf die Unterstützung ihrer Arbeit durch Eltern, Staat und Volk angewiesen ist. lieber die Schulerziehung hinaus werde der Minister daher alle Mittel der öffentlichen Kulturpflege der ge­stellten Aufgabe dienstbar machen. Wo die Ju­gend sich selbst in ihren Bünden, in den Arbeitslagern, im Freiwilligen Arbeitsdienst usw. Ansätze einer neuen sittlichen Ord­nung schaffe, könne sie mit der ganz be­sonderen Anteilnahme und Förderung, des Ministers rechnen. Zum Schluß des Schrei­bens erbittet der Minister die vertrauensvolle Zusammenarbeit der Länderregierungen zu dem Ziele, durch die rechte Erziehung der deutschen Jugend die Zukunft Deutschlands zu sichern.

Staatliche Betreuung der Jugendarbeit.

AuSbildunqsmöglichkeilen für Unterführer aller Verbände

Berlin, 28. Juli. (ERB.) In der Oesfentlich- keit sind irrig« Ansichten über die Absichten der Reichsregierung hinsichtlich der Betreuung der Jugend in sportlicher und sittlicher Beziehung verbreitet. Es ist dabei nicht etwa an die Sub­ventionierung einzelner oder gar an die Bildung neuer Verbände gedacht, sondern vor allem daran, den bestehenden Verbänden durch die Schaffung von Ausbcl» d u ngs m ö g l i ch ke i te n für die Unter- * führer Gelegenheit zu geben, diesportliche

Oie Eisenbahukatafirophe in Berlin.

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unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Gesundbrunnen im Norden Berlins ereignete sich eine schwere Eisenbahnkatastrophe. Eine Rangierlokomotive fuhr einem von der Ostsee heimkehrenden Ferienzug in die Flanke und stürzte mehrere Personenwagen um Aus den Trümmern wurden zwei Tote und über 50 Verletzte geborgen. Unser Bild zeigt die Unglücksstelle an der Einfahrt in den Bahnhof Gesundbrunnen.

und sittliche Ertüchtigung der Ju­gend nach einheitlichen Richtlinien durchzuführen. Es ist damit zu rechnen, daß die Vorarbeiten für diese Pläne in der näch­sten Woche zu einem gewissen Abschluß gelangen werden. Federführend dabei ist das Reichs­innenmini st erium. Für diese Förderung der Jugendarbeit kommen sämtliche Ver­bände in Frage, die an der Erziehung der Jugend in sportlicher und kultureller Beziehung Mitarbeiten wollen. Ausgeschlossen wer­den dabei aber die kommunistischen Ver­bände sein, von denen anzunehmen ist, daß sie auch in ihren Jugendverbänden andere Ziele verfolgen

Verbot -erhessischen Lanoeszeitung" un- ihrer Kopfblätter.

Da r m st a d t, 28. Juli. Amtlich wird mitge­teilt: Der hessische Innenminister hat mit sofortiger Wirkung b i s 4. August einschließlich fol­gende nationalsozialistischen Blätter Hessens ver­boten:Hessische Landeszeitung",Südwestdeutsche Landvolk - Zeitung".Mainzer Tageszeitung", Rhein- und Hessebauer",Niersteiner Rheinwarte", ,L)berhessische Tageszeitung",Wormser Tageszei­tung",Offenbacher Nachrichten" und sämtliche etwaigen Kopfblätter oder Ersatzblätter des gleichen Verlages. Begründet wird das Verbot mit der bei der Wiedergabe der kommunistischen Dokumente erhobenen Behauptung, die hessische Regierung dulde bewußt Gesetzwidrig­keiten allerschwerster Art. Der verächtlich machende Charakter dieses Vorwurfs muß als B e s ch i m p - fung der hessischen Regierung erachtet werden.

Strafantrag gegen Avgeor-nete -er NSDAP.

Darmstadt, 28. Juli. Amtlich wird mit­geteilt: Bei der Staatsanwaltschaft des Landge­richts der Provinz Starkenburg hat das hessisch« Gesamtministerium Strafanzeige gestellt gegen die nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten Dr.

Best, Wassung, Kern und den Gauleiter Lenz, sowie gegen ihre Parteigenossen von Davidson und S t a w i n ck a. Die Anzeige er­folgte wegen wissentlich falscher An­schuldigung und feßt auf der durch die Ge­nannten beim Oberreichsanwalt gegen Minister Leuschner erhobenen Anzeige wegen angeblicher Begünstigung kommunistischer Hoch- und Landes­verratsplane. Die schweren Anschuldigungen seien wieder besseres Wissen aufgestellt. Es sei den Be­schuldigten bei der Erhebung der Anzeige bekannt gewesen, daß die Vorgänge in der kommunistischen Partei, sich außerhalb Hessens zugetragen haben, und daß deshalb der Innenminister keiner­lei Verantwortung für sie trage.

Meine politische Nachrichten.

Im Reichsratsausschuß ist zwischen der Reichs­regierung und den Ländern in der Frage der Neu­regelung des Rundfunks eine völlige Einigung zustgnde gekommen. Es wurde eine Reihe von Leitsätzen festgelegt, nach denen in Zu­kunft der Rundfunk geleitet werden soll. Ministe­rialrat Erich Scholz vom Reichsministerium des Innern wird heute um 19.35 Uhr, über die Neuregelung des Rundfunks über alle deutschen Sender sprechen.

Falls der zum Tode verurteilte Präfidentenmör- >der Gorguloff von der ihm gebotenen Gelegen- beit, innerhalb dreier Tage die Nichtigkeits- v e s ch w e r d e einzureichen, nicht Gebrauch macht, wird die Begnadigungskommission in der zweiten Hälft« des August über seinen Tod be­stimmen. Die Hinrichtung dürfte voraussichtlich nicht vor September stattfinden.

*

Vor dem ständigen Internationalen Ge­richtshof im Haag begann die öffentliche Ver­handlung über den Antrag der norwegischen Regierung auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung, durch die der d ä n i s ch e n Regierung jedes gewalt­same Vorgehen gegen norwegische Staatsangehörige in dem umstrittenen Gebiet von Südostgrön­land untersagt werden soll.

Empfindsame Wilwerschast.

Von Hans Aatonek.

Wenn der Zug sich in Bewegung setzt und di« Taschentücher flattern, gleicht der Bahnsteig einige beklommene Sekunden lang einem einsamen Lan­dungssteg, von wo man dem entschwindenden Schiff nachblickt. Nun ist die Tatsache endgültig: Frau und Kind rollen dahin. Bis zu diesem Augenblick war man heitersten Uedermuts voll. Jetzt erst vollzieht sich ein stiller Lichtwechsel der Seelenszenerie: auf den Strohwitwerhumor des Ehemanns, der eben noch die Witzblattsituation des am Kupeefenfter stehenden, besorgte Ratschläge empfangenden Gat­ten innerlich belächelte, fällt der Schatten einer ge­linden Wehmut, und zögernden Schrittes verläßt man die Bahnhofshalle.

Wie ganz anders, wie leer und fremd und ab en- teuerlich kann eine Stadt sein, in der unter einer halben Million gerade zwei, zwei Menschen fehlen! Man treibt ohne Ziel dahin, das Pendel der Häus- lichkeit schlägt nicht mehr.

Strohwitwer ich liebe diese Wort-Zus ammen- stellung nicht, so wenig wieSchwerenöter". Sie gehören beide dem Witzblatt und sind schal und trivial schon von Geburt an. Die vorübergehende Trennung von der Familie ist eine Witwerschast ganz seltsamer, zwiespältiger Art. Sie gibt die Freude des Ungebundenseins und weckt gleichzeitig die Unbequemlichkeit und Trauer des ungewohnten Alleinseins. Es ist eine doppelte und dreifache See­lenszenerie; denn zu all dem wird noch ine Freud« des Ungebundenseins rasch enttäuscht durch die Wahrnehmung, daß man nicht mehr so recht fähig ist, ungebunden zu sein.

Die leere Staat ohne das gewohnte Familien- zentrum ist fremd und abenteuerlich. Obwohl ich der Zuhausegebliebene bin, ist mir doch, als wäre ich verreist. Auch verreisen ist ein relativer Begriff, und Einstein könnte beweisen, daß sich nicht der Zug, in dem Frau und Kind saßen, fortbewegt hat, sondern der Perron, auf dem ich stand.

*

Wenn ich im 18. Jahrhundert lebte, würde ich ein empfindsames Tagebuch führen, das etwa so begänne: Kaum zwei Stunden von dir getrennt, fühle ich, wie Trauer mein Herz umschleicht. Ader wie seltsam, meine Augen tun, als ob sie davon nichts wüßten, und mit stärkerem Wohlgefallen denn je mustern sie die weißen Sommerkleider der artigen Frauenzimmer, die die heißen Straßen und jasminduftenden Gärten unserer guten Stadt an­mutig beleben; sie fordern heraus, den Vergleich zu wagen, den die bestehen wird, die fern ist . . Ur­teile darüber nicht zu hart, solange du nicht an dir

selber erfahren hast, daß die Wehmut der Einsam­keit ein gar schlimmer Kuppler ist

Kehren wir in das zwanzigste Jahrhundert zu­rück. Der Ehemann als Junggeselle ist plötzlich allen Problemen des leiblichen Unterhalts preisgegeben. Es beginnt die Odyssee durch die Restaurants; auch die eigene Wohnung, hallend vor Leere, ist wie ein unbekanntes Land. Die sonst so ersehnte Stille schlägt einem kalt entgegen. Zögernd geht man auf Entdeckungen aus, Zimmer um Zimmer. Das ein­zig Lebende sind die Fliegen, die surrend die Situa­tion beherrschen und sich zusehends auf dem unab= geräumten Frühstückstisch vermehren. Verderbliche Motten schwirren in silbrigem Zickzack. Gespenstisch klatschen meine Hände hinter ihnen her. Ich er­schrecke vor dem Geräusch, das ich verursache. Wo ist di« Butter, wie schneidet man Brot, wo ist der Tee? Hier liegt ein Zettel, beschrieben von ihrer Hand:In der Speisekammer ist noch Kompott." Süßes Kompott ... süßerer Zettel; er ist wie ein liebes Vermächtnis ... Hand und Auge streichen über die Möbel wie über etwas Fremdes. Die Stille drängt «inen hinaus. Man bekommt's wie einst als Junggeselle wieder mit der Stubenangst, dieser greulichen Seelenkrankheit schwankender Ein­samkeit. Mein Gott, wie schwer ist es, nicht zu ver­gessen, daß die Jalousien im Schlafzimmer morgens stets herunterzulassen sind. Das Leben ist ein Pro­blem, ob einsam ober zu* zweien.

Und im Gitterbettchen liegt der vergessen« Teddy­bär und hat alle Viere von sich gestreckt ...

Badeanzug, gelb und violett.

Ein Drama in drei Akten.

Von Hans Webau

I.

Lionel geht mit der kleinen Frau Hanks spazieren. Die Strandpromenade entlang. Und bann, links um bie Ecke, in bie Schaufensterstraße.

Sehen Sie mal", sagt bie kleine Frau Hanks unb zeigt auf einen gelbvioletten, silbern gesäumten Strandanzug,ist er nicht ein Gebicht?"

Lionel füfjlt wie sein Herz klopft.Natürlich", nickt er,ein Gebicht, für Sie bestimmt unb für nie- manben anders."

Lionel unb bie kleine Frau Hanks betreten den Laben.

II.

Der Strandanzug ist leider verkauft", zuckt der Inhaber die Achsel.

Aber, aber", sagt Lionel,Sie werden doch

nicht nur ein einziges Exemplar davon haben?"

Oh, bitte", lächelt der Inhaber,es handelt sich um ein Modell. Und Modelle pflegen, das liegt in der Natur der Sache, nur ein einziges Mal ange­fertigt zu werben."

Wie schabe", flüstert Frau Hanks,was hat er denn gekostet, und wer hat ihn gekauft?"

Neunzig Mark hat er gekostet", sagt der Inhaber, und gekauft hat ihn" unb er wirst einen Blick auf ben angehefteten kleinen weißen Zettelein Herr Hanks."

Aber bas ist ja herrlich!" jubelt die kleine Frau Hanks,mein Mann! Und da sagt man immer, es gebe keine Romantik mehr."

Gewiß", seufzt Lionel,hier an der Nordsee gibt es augenscheinlich noch sehr viel Romantik."

III.

'Nach dem Mittagessen sitzen in der Strandburg zusammen: Lionel, Frau Lionel, Hanks, Frau Hanks und eine nette alte Dame.

Wollt ihr nicht baden?" schlägt bie nette alte Dame vor.

Einen Augenblick", hebt ba Frau Lionel bie Hanb.Ich habe noch eine Uederraschung für euch." Unb sie schlägt ben Babemantel zurück unb steht ba in einem gelbvioletten Stranbanzug mit silbern schirnmernben Säumen.Ein Gelegenheitskauf", lächelt sie,nur zehn Mark, gerabezu romantisch, was?"

Kinder", schüttelt bie nette alte Same ben Kopf, tut mir den einzigen Gefallen und guckt euch nicht so entgeistert an."

Der Dubliar.

Seitdem es Sitte geworden ist, in jedem Winter einen neuen Tanz einzuführen, ist jeder, der das Tanzbein schwingt, begierig, schon im Sommer zu erfahren, was man tanzen wirb. Das Kleid nach dem neuesten Schnitt macht die Schneiderin in drei Tagen, aber der neue Tanz will geübt fein. Man­cher lernt leicht, mancher schwer und mancher nie. Da kam ein Tanzlehrer in Wien, von dem in Tän­zerkreisen erzählt wird, daß er das Gras auf dem Parkett wachsen höre, obwohl dort keines wachsen darf, und erzählte, er wisseaus bester Quelle", man werdeDubliak" tanzen. Sie kennen doch Dubliak, den alten Nationaltanz aus der Krim? Man kannte, aber man konnte nicht. Und so wurde denn nach jeder beliebigen Foxtrottmelodie Dubliak geübt. Die Tanzschritte waren sehr schwierig, sehr kompliziert und der Unterricht mußte immer weiter ausgedehnt werden. Ser Zufall wollte, daß ein Bewohner der Krim in jenen Zirkel hineinschneite. Weder konnte er, noch kannte er Subliaf, obwohl er ein besonders guter Kenner der Tänze seiner Heimat ist. Sie flei­

ßigen Subliakschüler zogen lange Gesichter, und es verschwand der Mann mit dem Subliat, denn er war ein Schubiak.

Tonfilm:Voruntersuchung".

Wir haben das Schauspiel von Max Alsberg, dem bekannten Strafverteidiger, und Otto Ernst Hesse im vorigen Herbst hier im Stadttheater ge­sehen. Ser Film ist nach dem Stück gedreht; die Abweichungen hn Aufbau sind äußerer Art und er­geben sich zwanglos aus ben Stilgesetzen unb ber Technik der verschiedenen Gattungen. Gemein­sam ist beiden die klare Tendenz: gegen den Indizienbeweis im Strafprozeß und gegen gewisse Methoden der gerichtlichen Voruntersuchungspraxis. Sas wird an einem konkreten Schulfall in einer so geschickten und spannenden Art entwickelt, daß die Problematik ziemlich unauffällig in die Form einer höchst spannenden Kriminalreportage gekleidet wird. Ser Film hat hier naturgemäß rein räumlich bie bessere Chance (bem Bühnenstück gegenüber); er exponiert anbers, aber die Grundlinien laufen parallel. Sie Regie von Robert S i o d m a k ist durch eine hier besonders wirksame Aufnahmetechnik ausgezeichnet, bie nicht nur von Schauplatz zu Schauplatz, sonbern auch von Person zu Person überspringt: in einer zugleich irreführenben, schritt­weise aufklärenden und den Handlungsfa^n ver­knüpfenden Weise; ferner durch ein« pointierte Milieuschilderung und eine bis in kleine Züge hinein markante Besetzung. In deren Mittelpunkt steht Bassermann als Landgerichtsrat Sr. Bienert; er versteht es mit seiner immer wieder bezaubernden, intensiven und vergeistigten Sarstel- lung, sowohl die Beziehungen zwischen der privaten und der juristischen Sphäre dieses Falles ganz un­aufdringlich schon früher anzudeuten, als dies im Stück geschah; seiner großen Leistung, die gegen Ende hin immer bezwingender wird, gelingt es, bie hoppelte Problematik bes Falles mit einer beiden Lagern gerecht werdenden Sachlichkeit und mensch­lichen Haltung zu formulieren. (Sie Pointe und die Lösung sind so zugespitzt, wie das bei derartigen Thesenstücken zu sein pflegt.) Dassermanns wichtigster Gegenspieler ist Gustav Fröhlich (Fritz Bernt), der eine überzeugende und temperamentvolle Lei­stung zeigt. Ueberhauot ist ber Film, wie wir schon anbeuteten, ausgezeichnet besetzt; wir nennen noch Brausewetter (Walter Bienert), Oscar Sima (Zülke), F a l k e n st e i n (Scherr), Speel manns (Klatte), Bienert (Baumann) und Edith Mein­hardt (Mella Ziehr). Der Film läuft im Lichtspielhaus mit einem hübschen Beipro­gramm, in dem bie farbigen Tierbilber von Stel­lingen nicht nur aus tedmiicfien Gründen bemerkens­wert sind, »i: