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Die Entpolitisierung der Schule.

Sitte Äo fercnz der Kultusminister unter Vorsitz Grocners.

Berlin. 28. Ian. (WTB. Amtlich) Mit der Frage l^r Entpolitisierung der Schule beschäftigte sich heute im Deichsministerium des Innern eine Konferenz der Kultusminister der Länder unter dem Dorsitz des Deichsministers Dr. G r o e n e r. Die Berichte der Minister gaben einen Einblick in die tatsächliche und rechtliche Lage in den einzelnen Ländern und zeigten die Man­nahmen auf, die gegen die Politisierung der Schule bisher ergriffen wurden. 2luf Grund der eingehen, den Aussprache stellte Reichsminister Grocner als einmütige Auffassung fest, dah die P a r t e i p o - litik nicht in die Schule gehöre. Er werde es stets begrüßen, wenn die Länder entspre- chend den verschiedenen Derhältnissen scharfe Maß. nahmen ergreifen. Ob und inwieweit den von von mehreren Seiten ausgesprochenen Wünschen gemäß von Deichs wegen einheitliche G r u n d s ä tz e für die Entfernung der Parteipoli- tik aus der Schule aufzustellen seien und für die Ausführung ein einheitliches Verfah­ren vorgesehen werden solle, müsse geprüft wer­den. Die Länder hätten schon jetzt die Möglichkeit, die Teilnah nie von Schülern an po­litischen Versammlungen zu verbie­ten. Er empfehle, allgemeinen Gebrauch von die­ser Möglichkeit zu machen. Aufs schärfste zu ver­urteilen sei die Verbreitung von Flug­blättern und Zeitungen verhetzen­den Inhalts unter den Schülern. Hier komme es vor allem darauf an, gegen die Verteiler und Urheber mit allem Dachdruck vorzugehen.

Im übrigen wies der Minister darauf hin, daß die Entpolitisierung der Schule durch po­sitive Maßnahmen gefördert werden müsse, z. B. durch staatsbürgerlichen Unterricht sowie durch gute Schüler­zeitungen und Einwirkung auf die Elternkreise. Die Bedeutung einer unter- stühenden Mitarbeit des Eltern­hauses hob der Minister besonders hervor. Er erklärte sich auch bereit, den Anregungen ver­schiedener Minister entsprechend einen Appell an die Parteien zu richten, von der partei­politischen Beeinflussung der Iugend Abstand zu nehmen.

Im weiteren Verlauf der Sitzung wurden die Ausschreitungen der Gottlosenpro­paganda erörtert. Es ergab sich die einmütige Auffassung, daß die bestehenden gesetzlichen Vor­schriften, insbesondere die Bestimmungen der Rot- verordnung des Deichspräsidenten vom 28. März 1931 ausreichen, die Ausschreitungen der Gottlosenpropaganda zu bekämpfen. Sache der praktischen Handhabung sei es, den gel­tenden Vorschriften einen wirksamen Voll­zug zu sichern.

Oer Hessische Landtag tritt Mitte Februar zusammen.

Darmstadt, 28.Ian. (WSR.) Der Ael- t e st e n r a t des Hessischen Landtags beriet heute nachmittag über die Geschäftslage. Er be- schloß, daß die Ausschüsse ihre Beratungen über die zahlreichen vorliegenden Anträge be­schleunigt fortsehen sollen. Das Ple­na m des Landtags wird dann amDienstag. 16. Februar, zusammentreten. Wan rechnet damit, daß die Beratungen des Plenums, in denen über den kommunistischen und den deutschnationalen Antrag auf Landtagsauf­lösung entschieden werden soll, eine Woche dauern werden.

Die Kommunisten und Rationalsozialisten ha­ben dem Landtag eine Reihe neuer An- träge und Anfragen zugehen lassen. Die Anträge der K o m m u n i st e n befassen sich hauptsächlich mit Steuererleichterungen für die Landwirtschaft. Die Dationalsozialisten fragen, wie sich die Regierung zu den Vorgängen stellt, die sich anläßlich einer nationalsozialisti­schen Versammlung in Mainz am 21.Ianuar und

anläßlich der VerhaftungvonDatronal- sozialisten am 17. Ianuar in Dar m - stadt und im vorderen Odenwald ab­gespielt haben, wobei die Polizei sich Llcbergriffe habe zuschulden kommen lassen. Außerdem wird die Regierung interpelliert, ob sie bereit sei, in eine Prüfung des Geschäftsgeb a- rensderElektrizitätswerke gegenüber ihren Stromabnehmern einzutreten, insbesondere soll beim Heberlandwerk Oberhessen festgestellt werden, wieviel Beamte beschäftigt und

welche Gehälter ihnen ausgezahlt werden. In den nationalsozialistischen Anträgen wird ge­fordert, bei der Reichsbahn dahin zu wirken, daß auf den kleineren hessischen Stationen der ländlichen Bezirke Sonntagskarten für möglichst viele Bestimmungsorte ausgegeben wer­den: ferner, daß die Großhandelspreise der wichtigsten an der Börse notierten Lebens­mittel, wie Mehl und Zucker, entsprechend dem Lohn- und Preisabbau gesenkt werden.

Die Regierungskrisis in Oesterreich

Buresch hat Schwierigkeiten. - Oie Heimwehren verlangen ein Kabinett Seipel.

Wien, 28. Jan. (CNB.) Aus der näheren Um­gebung des Bundeskanzler verlautet, daß Dr. Bu- resch damit rechnet, die neue Regierung als 9JI un = derheitskabinett zu bilden. Er dürfte an die Großdeutschen nach ihrer gestrigen ent­schiedenen Erklärung, ohne Dr. Schober nicht in die Regierung zu gehen, nicht noch einmal herantreten. Man glaubt, daß die Sozialdemo­kratische Partei bei ihrer wohlwollend zuwartenden Haltung bleiben wird, so­lange die neue Regierung keine Verschiebung nach rechts bringt.

Die Beratungen zwischen dem Bundeskanzler, den Christlich.Sozialen und den Ver­tretern des Landbundes sind in später Abendstunde auf gewisse Schwierigkeiten gestoßen. Der Landbund soll eine durchgreifen­dere Deubesehung verschiedener Ministe­rien auch durch Christlich-Soziale wünschen und außerdem für seine Partei Einflußnahme im Landwirtschaftsmini st erium etwa durch einen Staatssekretär. Die letzte Forderung stößt bei den Christlich-Sozialen auf Widerstand. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, soll Bundeskanzler Buresch, falls der Landbund seine Vorschläge ablehnt, die Absicht haben, ein rein christlich-soziales Mini st er ium zu bil- den oder seine Mission dem Bundespräsidenten wieder zur Verfügung zu stellen, worauf mit einem Kabinett Seipel gerechnet werden könnte.

Die Betrauung Dr. Dureschs mit der Bildung des neuen Kabinetts hat ohnehin in He i m - Wehrkreisen Unzufriedenheit hervor- gerufen. Heute erschien eine Abordnung unter Führung Dr. Steidels beim Landeshauptmann von Tirol, dem sie von dieser Erregung und dem Wunsche der Heimattreuen Bevölkerung, dah m i t der Kabinettsbildung Dr.Seipel be­traut werde, Mitteilung machte. Sie ersuchten den Landeshauptmann, dies dem Bundespräsi­denten Millas zur Kenntnis zu bringen und füg­ten hinzu, daß sie, falls ihrem Wunsche nicht stattgegeben werde, für die Erhaltung der

Ruhe und Ordnung nicht einstehen könnten.

Meinungen der presse.

Wien, 28. Jan. (TU.) Die den Grohdeutschen nahestehendenW iener Reue st en Rachrich- t e n" schreiben zur Regierungskrise u. a., der Sinn des Rücktritts fei das Verschwinden Dr. Schobers gewesen. Es handele sich nicht darum, ob Dr. Schober ein Ministeramt bekleide oder nicht, sondern um die Infamie und die Jämmerlichkeit, daß sich ein österreichischer Regierungschef den wirklichen oder vermeintlichen Wün­schen der französischen Diplomatie wider st andslos füge, weil er hoffe, dafür einen Kredit zu erhalten, mit dem man wieder ein paar Wochen fortwursteln könne. Bundes­kanzler Dr. Buresch müsse jetzt von rechtswegen mit seiner Christlich-Sozialen Partei allein bleiben. In Wirklichkeit sogar nur mit den Abgeordneten dieser Partei, denn die Wähler wünschten ebenso wie Neunzehntel und mehr der österreichischen Bevölke­rung die Bereinigung ihrer Heimat mit dem Deutschen Reich. Die sozialdemokra­tischeArbeiterzeitung" sagt u. a.:Die Schwarzaelben wittern Morgenluft. Sei jetzt nicht der richtige Augenblick, Oesterreich und Ungarn durch eine Zollunion zu ver­einigen, damit so ein neues kleineres Oesterreich- Ungarn entstehe, bereit, im günstigen Augenblick Otto von Habsburg als Kaiser und König heimzuführen? Schober gilt den Seipeloten als ein Hindernis solcher und ähnlicher Pläne."

Die ,.Deutsch-Oe st erreichische Ta­geszeitung", die häufig die Stimmung im nationalsozialistischen Lager wieder- gibt, erklärt, Deutsch-Oesterreich habe von Seipel und seinem Klüngel Schwierigkeiten zu erwarten. Die Anmaßung einzelner als gänzlich unfähig erwiesener christlich-sozialer Parteipolitiker, die sich unter Umgehung des Volkes dem armen Oesterreich neuerlich aufdrängen wollten, müsse zu offener Revolution führen. Deuwahlen seien das einzige Ventil.

Lin offener Srief Hitlers an den Reichskanzler.

München, 28. Ian. (CDD.) DerVölkische Beobachter" veröffentlicht einen offenen Brief Adolf Hitlers an den Reichs­kanzler Dr.Brüning, in dem Hitler sich mit der Erwiderung deS Reichskanzlers auf die Denkschrift Hitlers über feine ablehnende Haltung in der Frage der Verlängerung der Reichsprasidentschaft des Generalfcldmarschalls v. Hindenburg beschäftigt.

Hitler widerspricht der Darstellung des Kanz- lers, dah es sich nicht um ein Aufheben der die Wahl des Reichspräsidenten betreffenden Bestimmungen der Weimarer Verfassung gehan­delt habe, baß vielmehr die Amtsdauer des jetzigen Reichspräsidenten im Wege der Gesetz­gebung um eine gewisse Zeit verlän­gert werden sollte. Richtig sei demgegenüber, daß der Reichstag die Amtsdauer des Herrn Reichspräsidenten auf sieben Iahre, also auf die volle gesetzlich vorgezeichnete Amtsperiode ver­längern sollte. Der Vorschlag des Reichskanzlers

würde in der Form einer zeitlich be­grenzten Suspension inhütlich wie tat­sächlich eine Außerkraftsetzung und damit Aufhebung der die Wahl des Reichspräsidenten betreffenden Bestimmungen der Weimarer Ver­fassung bedeuten.

Praktisch werde damit die allerwichtigste Be­stimmung der Verfassung aufgehoben: denn nun­mehr solle das Volk nicht mehr mit der Wahl seines Reichspräsidenten nach Ablauf von sieben Iahren betraut werden, indem man die Amtszeit auf dem Wege eines verfas­sungsändernden Gesetzes einfach um so­undsoviel Iahre verlängere. Das Volk-recht der persönlichen und unmittelbaren Wahl des Reichsoberhauptes könne aber nicht durch irgend­eine sogenannte qualifizierte Reichstags­mehrheit ersetzt werden, ohne daß tatsäch­lich dieses Volksrecht aufgehoben werde.

Die Darstellung deS Reichskanzlers gefährde,

Kölner Hänneschen-Theaier.

Von Hedda Llndner-Leuschner, Köln.

Das Alte Kölner Hänneschen-Theater gastiert am kommenden Sonntag auf Ein­ladung des Goethe-Bundes in Gießen.

Die Macht des Puppenspiels ist ungeheuer. Pup­penspiel entzündet und entflammt, verzaubert und erlöst. Alt und jung erliegen seiner Kraft. Wie ein Sturzbach, der Bäume und Felsen mit sich fort- schwemmt, reißt das Puppenspiel die Gemüter in feinen Bann. Wie sollte ich's anders sagen, da ich Hunderttausende von Menschen, große und kleine, durch jenes kleine Guckloch in der Brustwand des Allen Kölner Hänneschen-Theaters sah, das sich der Puppenspieler schafft, um auch auf den Gesichtern der Menschen den Widerhall des Spiels zu sehen.

Was ich da auf dem Antlitz der Menschen las, war mehr, als Dichter in Worten und Maler in Farben ausdrücken können. Es war die Seele der Menschheit. Müde und Elende wurden verklärt durch den Schimmer des Glücks. Alltagsschwere fiel ab von den Beladenen. Die Hände der frommen Schwe­stern schlugen über dem Kops zusammen und der Arbeiter lachte sich frei von feiner Last. Mütter mit ihren Kindern stiegen zusammen ein in das Schiff der Erlebnisse und die Väter ließen Bonk, Börse, Laden oder Feld, Acker und Fabrik, um wieder ein­mal staunen und glauben zu können.

Das ist es: der Glaube ist so stark im Puvpenspiel, daß er lebendig werden läßt, was tot und hölzern ist. Die Phantasie arbeitet so lebhaft, daß Eigen­schaften alles ergänzt, was nur leise angedeutet wird.

Das Kind vom Puppenspiel fernhalten, heißt seine besten Kräfte nicht entwickeln; heißt die Kräfte schlummern lassen, die das Leden einst von dem er­wachsenen Menschen fordern wird. Im Puppenspiel beim Zuhören und Selbftspielen entfalten sich Veranlagungen, die einen wertvollen Schatz bilden im Kampf ums Dasein: Gestaltungskraft, Heber- Windung, Ursprünglichkeit.

So, wie viele unserer großen Dramen aus dem Puppenspiel gewachsen sind (Faust",Genoveva"), so gebiert auch heute noch die einfache Art des Puppenspiels Lebenskraft und Urkunst.

Es scheint, als ob das Nachkriegseuropa den tief­sten Sinn des Puppenspiels zu begreifen sich an- schickt. Ueberafl wacht eine Bewegung auf, das Puppenspiel in reiner und edler Art den Kindern und Erwachsenen zu schenken.

Das von Dr. N i e s s e n in Köln geleitete, vom Institut für Theaterwissenschaft an der Universität Köln gegründete Alte Kölner Hänneschen-Theater hat in fünf Jahren fast zwei Millionen Menschen in ganz Deutschland und darüber hinaus erfaßt.

Schmarren und Schnecken.

DerDeutsche Sprachverein" schreibt: Der Ein­silbernein" kann mit solcher Kraft und Schroff­heit gesprochen werden, daß kein Widerspruch möglich ist. Trotzdem glauben viele nicht an die Wirksamkeit des kurzen Wortes: daher ver­doppeln, ja verdreifachen sie es: Rein, dreimal nein! Häufiger aber gibt man der Verneinung durch andere Wörter und Formeln Nachdruck. Bis zum Ueberdruh hören wir in neuerer Zeit immer wieder das Silbe für Silbe betonteAus­geschlossen", das sogar in der Dichtung auftritt, z. B- in WedekindsSimson". Gemütlicher klingt die Frage: 3 wo? vollständiger: I, wo werd' ich denn? Daß darin das Fragewort wo mund­artlich für wie steht, verkennt u. a. auch Spit- teler,Lachende Wahrheiten": I wohin? fällt mir nicht ein! Oft wirft man einem bescheiden Bittenden den Ausruf zu: Was du denkst! oder versichert ihm. Ich denke nicht dran! Man erteilt ihm auch die wohlmeinende Mahnung: Laß dich nicht auslachen! Im Erzgebirge wie im badischen Unterland befiehlt man einem kurz: Geh! (gesprochen). Sehr unfreundlich ist das Anerbieten: Ich werde dir was husten (oder pusten), was backen, was braten (im Preußischen mit dem Zusatz: aber nich on de Pann). Zur höhnischen Abweisung einer Bitte dienen die Hauptwörter: Quarkspitzen! en Schmarrn! Käse! ernte alte Mütze! en alten Hut! Schnecken! (Schnecken mit Salat!" bei Rosegger;Schnecken hat's geregnet! bei der Handel-Mazzetti). Wer scheinbar zurückhaltend entgegnet: Ich hätte bald was gesagt! unterdrückt einen recht derben Aus­druck. Der als höflich gerühmte Sachse dagegen bietet Ohrfeigen an: e paar 'nein (kannst du kriegen)! Zum mindesten führt er die Ablehnung, etwas zu tun, mit den Worten ein: dah ich nur (komme, bezahle usw.)! Seltsam ist die Antwort: Ia, beim Bücken! Sie erklärt sich als eine Lieber- tragung der ausweichenden oder spottenden Ant­wort auf Fragen wie: Wo (statt: bei welchem Fleischer) kaufst du diese gute Wurst? Auch auf die Fragen: Haben Sie gute Geschäfte gemacht? Gibst du etwas zum Besten? hört man die Ant­wort: 3a, beim Bücken, häufiger aber das ab­gekürzte: Hat sich was! Dgl. in SchillersTu-

ranöot:Rat, Majestät? Hat sich da was zu raten." Sehr höhnisch klingt: Das gäb's! Das wäre noch schöner! Die abwehrenden Worte: Bewahre! Behüte! bedürfen der Ergänzung des Wortes Gott: 3, Gott bewahre! Schweizerisch behüt is behüt uns Gott, d. i. ganz und gar nicht; vgl. preußisch: Gott geb! (wat vor Possen sünd bat!) Auch eine Zustimmung kann spöttisch gemeint fein, so: Allemal (abends)! oder: 3ch danke! oder das gedehnt betonte, förmlich ge­sungene(3) nu freilich": in Sachsen ist 3 ja (e cha) durchaus abweisend, auch bei Fragen wie: Hat er Geld? Gibt's Belohnung?, worauf auch geantwortet wird: Ra, von wegen! oder: Wenn du mal was hörst!

Rettung aus der Lawine.

Infolge der großen Entwicklung des Schnee­schuhsports in den Alpen hat auch die Zahl der Verschüttungen durch Lawinenschnee stark an­genommen. Ohne die Gefahren der Berge ge­nügend zu kennen, ziehen viele Touristen auch im Winter jetzt auf gewagte Unternehmungen aus, und ebensolche große Unkenntnis zeigt sich, wenn das Unglück geschehen ist. Wie man aus einer Lawine gerettet werden kann, das ist dem Laien ganz unbekannt, und doch kommt es dabei meist nach der Heberraschung durch die Lawine auf die ersten Minuten, ja sogar auf die ersten Sekunden an. Dr. Rudolf Campell aus Pontresina in der Schweiz, der sich mit der Hilfeleistung bei Lawinen-Verschüttungen ein­gehend beschäftigt hat, gibt nun in derDeut­schen Medizinischen Wochenschrift" eingehende Anweisungen. Bei Staublawinen, durch die in wenigen Augenblicken Rase, Mund und Lungen mit feinstem Schneestaub gefüllt werden, so daß eine Atmung für den Augenblick fast ausgeschlos­sen ist, wird der Erfahrene -Mund und Rase mit den Händen vor dem Eindringen von Schnee schützen. Gelingt ihm dies nicht, dann müssen die Kameraden, dis ihn au- seinem Schneegrabe herauSholen, möglichst rasch vom Schnee befreien, ihm Mund und Rase frei machen und sofort mit der künstlichen Atmung beginnen. Wird da- Opfer von der Lawine mit zu Tal gerissen, dann wird der verschüttete Körper unter dem Druck wie ein Schwamm ausgepreßt. Wenn durch bie'en Druck die Atmung versagt, bann ist er verloren. Deshalb soll der­jenige, der von einer nassen Lawine erfaßt wird, alle Kraft aufwenden, um, solange die Lawine fließt, mit Schwimmbewegungen an die Oberfläche zu gelangen, und sobald der Strom

wie es in dem offenen Brief weiter heißt, die bet* Seit geltende Verfassung überhaupt. Der Grund­gedanke der Weimarer Verfassung sei gewesen, dem Reichstag den vom Volk gewählten Reichspräsidenteng g-nüberzuste len. Von diesen Grunoiäulen unseres Reichs­aufbaues versuche der Kanzler die eine ein­zureißen. Es sei ganz klar, wenn eine Deichs­tagsmehrheit das Recht besitzen solle, die Amts­bauer deS Herrn Reichspräsibenten zu verlän­gern. dann müßte genau so gut eine andere Mchrhüt das Recht haben, sie abzukürzen.' Die unausbleibliche Folge einer derartigen parla­mentarischen Amtszeitverlängerung würde eine in ihren Auswirkungen unabsehbare Herab­minderung des Ansehens und Einflusses eines derartigen vom Parlament abhängig gewordenen Reichspräsidenten fein.

Mit Bezug auf die politischen Gründe der Ab­lehnung heißt es bann weiter, der Reichskanzler habe die rein persönliche Auffassung, baß der par­lamentarische Versuch einer Amtszeitverlängerung eine n a t i o n a l p o l i t i s ch notwendige Tat sei. Er, Hitler, habe die Heberzeugung, daß die nationalpolitisch wichtigste Handlung die Be­seitigung des heutigen Systems sei. Zu der Feststellung des Reichskanzlers, daß die Ursache unserer Not der Versailler Vertrag sei, erklärt Hitler, daß es zu einem Versailler Vertrag nie g e k o m m~e n-^oüre, wenn die Parteien des Zentrums, der Sozialdemokratie und der Demokratie nicht bas Reich ausge­höhlt, zerstört und verraten hätten, wenn sie nicht die Revolution vorbereitet, durchge- führt ober zumindest akzeptiert und gedeckt hätten. Diese Parteien hätten durch die Unterzeichnung die­ses Vertrages seine Erfüllung zumindest als möglich vorgetäufcht. Wenn der Reichskanzler sage, daß auch eine andere Reichsregierung auf feinem Wege weiterfortschreiten müßte, so zeige die Ge­schichte, daß es doch ein Unterschied sei, ob in einer verzweifelten Lage ein Herzog von Braun­schweig die Armee führe oder ein G n e i s e n a u. Am Schlüsse seines Briefes verweist Hitler darauf, daß das Reich den Verfolgungsfelbzug gegen den Nationalsozialismus fördere und sagt weiter: Wenn der Reichskanzler als sein gutes Recht den Glauben in Anspruch nehme, daß es kein anderer hätte bes­ser machen können, als er, dann dürfte er auch den Nationalsozialisten das Recht nicht versagen, überzeugt zu sein, daß es keine Regierung hätte schlechter machen können, als die seine.

Memel im Kampf um seine Autonomie.

Der Gouverneur fordert den Rücktritt des Landcspräsidenten.

Berlin, 28. Ian. (TU.) Der deutsche Presse- sturm gegen die von litauischer Seite geplante Vergewaltigung des Memelgebietes hat auf die litauischen Rationalisten offenbar doch etwas a b- kühlend gewirkt, weshalb man sich lebhaft be­müht, alle Gewaltpläne in Abrede zu stellen. Trotzdem ist die Gefahr noch keineswegs behoben. Der litauisch« Gouverneur R e r k h s. der zur Zeit in Kowno wellt, hat nunmehr als seine Mindestforderung den Rücktritt des Landesprüsidenten Böttcher verlangt, was praktisch einem Rücktritt der gesamten memel- ländischen Landesregierung gleichkommen würde. In Memel sieht man jedoch keinerlei Ver­anlassung, der Rücktrittsforderung des Gou­verneurs zu entsprechen, nachdem der memellän- drsche Landtag der Landesregierung erst vor wenigen Tagen im Zusammenhang mit den litau­ischen Angriffen das Vertrauen ausge­sprochen hat. Präsident Böttcher hat erklärt, daß er ebenso wie sein Direktorium auf keinen Fall zurücktreten werde. Er würde ledig­lich der Gewalt Weichen.

In Kreisen des Landtags wird darauf hinge- wiesen, daß ein Rücktritt der Landesregierung den litausichen Plänen nur entgegenkommen würde, da dann der Gouverneur die Möglich­keit besitze, einen Litauer als Landespräsi-

sich verlangsamt, soll er versuchen, Kopf und Brust einen freien Raum zu schaffen. Außer dem plötzlichen Tode in der Lawine gibt es auch ein allmähliches Absterben bei zunächst erhal­tenem Bewußtsein. Solche Verschütteten müssen versuchen, sich aus der Umklammerung deS Schnees zu befreien oder doch wenigstens mit einem Arm oder einem freigewordenen Stock gegen die Oberfläche hinauf zustoßen. um sich mehr Luft, Licht und vielleicht Rettung zu ver­schaffen. Ein herausragendes Lebenszeichen kann für die suchenden Kameraden von großem Wert sein: das gleiche gilt von Rufen. Hm die Laute, die die Verschütteten von sich geben, besser hören zu können, hat Dr. Carnpell ein Lawinenhörrohr erfunden, eine 2,50 Meter lange, 200 Milli­meter dicke Eisenröhre, an der oben ein Stetho­skop angebracht ist. Mit diesem Apparat kann man auch leise Geräusche in der Tiefe der Lawine wahrnehmen und außerdem das Rohr dazu ver­wenden, um den Verschütteten Luft zuzuführen. Liegt der Verunglückte längere Zeit in der La­wine, so kommt zu der Gefahr der Erstickung, des Erdrücktwerdens und der Erschöpfung die deS Erfrierens. Die Körpertemperatur senkt sich immer mehr, mrd wenn sie etwa 20 Grad Cel­sius ist, erlischt das Leben. Beim Ausgraben der Verschütteten kann man schon aus der Farbe der Haut Rückschlüsse auf den Zustand ziehen. Diejenigen, die durch Erschöpfung oder Erfrie­rung bewußtlos find, haben eine Hautfarbe wie grauweißer Marmor. Bei dem sogen, blauen Scheintod ist die Blaufärbung ein Zeichen dafür, daß bei raschen und zweckmäßigen Wiederbele­bungsversuchen noch nicht alle Hoffnung ver­loren ist. Dagegen bietet derweiße Scheintod" mit weißgrauer Verfärbung nur noch geringe Aussichten auf Rettung. In den meisten Fällen genügt es nicht die künstliche Atinung einzuleiten, sondern es muß auch für künstliche Wärmezufuhr durch das Reiben mit wollenen Decken und das Einhüllen mit warmen trockenen Kleidern gesorgt werden. Unerfahrene Helfer versuchen, dem Bewußtlosen warmen Tee oder Kognak einzugießen. Das ist aber ganz falsch, denn, wer bewußtlos ist, kann nicht schlucken, und so gelangen die Flüssigkeiten nicht in den Magen, sondern in die Luftwege und richten dort gro­ßen Schaden an. Ist der Verschüttete wieder zum Leben erwacht, bann muß man abwarten, bis Atmung und Herz normal arbeiten: erst dann kann der Abtransport erfolgen; dabei ist be­sonders auf gute künstliche Wärmezufuhr ? : achten.