Ausgabe 
28.12.1932 Frühausgabe
 
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Ein deutschnationales Aufbauprogramm.

Grundsätzliche Richtlinien zur Behebung der deutschen Not.

Berlin, 27. Dez. (TU.) In der letzten Vor- standssitzung der Deutjchnntionalen Bolkspartei sind Richtlinien für die Behebung der deutschen Rot angenommen worden, die jetzt zusammengestellt worden sind und in mehreren Fortsetzungen in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Grundsätzlich wird dann zunächst u. a. fol­gendes von feiten des Lorftandes erklärt:

Bitterste^Rot des deutschen Volkes stellt die Auf­gabe der stunde: Für viele Millionen hungernder und verzweifelnder deutscher Volksgenossen A r - beit und Brot zu schaffen. Die Aufgabe des Wirtschaftsausbaues ist durch umfassendes Handeln auf organisatorischem Wege zu lösen, durch Gesundung der Wirtschaft aus s i ch s e l b st heraus zu einer starken Na­tionalwirtschaft (s. unser Freiheitsprogramm 1932).

Neben dieser privatwirtschaftlichen Hauptaufgabe besteht bei dem augenblicklichen gefährlichen Schwächezustand der Wirtschaft die Notwendigkeit, zur schnelleren Ingangsetzung des sonst sich nur langsam belebenden Arbeitsprozesses vorübergehend ein Sofortprogramm der Arbeitsbeschaffung einzuschieben. Es fall nur produktive und rentable Arbei­ten von öffentlichem allgemeinen Interesse auf­nehmen, so z. B auf dem Gebiete des Verkehrs­wesens.

Wenn wir heute eine sofortige materielle Hilfe in den Vordergrund stellen, so vergessen wir dabei nicht, daß die tiefsten Ursachen des Wirtschaftselends geistiger und politischer Natur sind. Die Deutschnationale Volkspartei wird deshalb ihren vor Jahren begonnenen Kampf gegen das sozialistische System und gegen die verhängnisvollen Auswirkungen des sozialistisch-marxistischen Geistes auf kulturellem, sozialem und staatspolitischem Ge­biet mit aller Schärfe unbeirrt weitersühren

Der Freiheitskampf der deutschnationalen Be­

wegung stellt die Aufgaben der inneren uni» äuße­ren Politik als gleichbedeutfam nebeneinander. Ein unabhängiges freies Reich bleibt Bedingung für jeden dauernden Aufstieg und feine Sicherung und deshalb höchstes Ziel unseres Strebens und Kämp­fens. Voraussetzung für den freien Machtstaat ist Wehrhoheit.

Die erfolgreiche Durchführung aller gestellten Aufgaben setzt einen von Parteieinflüssen und un- vemntwortlichen Einwirkungen jeder Art freien Ordnungs-, Rechts- und Macht st a a t und eine starke und unabhängigeStaats- führung voraus. Die Sicherheit und Arbeits­fähigkeit des Staates ruhen auf feinen Machtmit­teln und auf seiner Beamtenschaft. Die Wehr­macht muß über den Parteien stehen. Verwal­tung und Exekutive müssen in den Händen eines tüchtigen, unantastbaren, unabhängigen Berufs­beamtentums liegen. Der Beamtenkörper in Reich, Ländern und Gemeinden bedarf dringend der Bereinigung von berufsfremden Elementen. Die Fernhaltung außerstaatlicher Einflüsse und Abhängigkeiten, die die Beamtenschaft und damit den Staat verderben, muß durch die soziale Stellung und durch Wahrung ber Rechte der Beamtenschaft gewährleistet sein. Staat, Ge­sellschaft und Wirtschaft sollen auf ch r i st l i ch e r , sozialer Grundlage ruhen. Für die deutsch- nationale Bewegung ist bei ihrer christlichen, im besten Sinne konservativen Weltanschauung, soziale Gesinnung eine Selbstverständlichkeit

Wichtigste Aufgabe der Stände bleibt schnellste und wirksamste Hilfe für unsere darbenden und unglücklichen arbeits- und stellungslosen Volks­genossen, besonders für unsere schwergeprüfte und gefährdete deutsche Äugend, der wir eine bes­sere Heimat, eine licht«"-" de"tlche Suhmft schaffen müllen imh mnlrr

Heim fordert Kontingentierung.

Der Bauei-nführer gegen die Politik der Bayerischen Bolkspartei

München, 27. Dez. (TU.) Der bekannte Bauernführer Dr. Georg Heim unternimmt in einem Artikel im ,.Straubinger Tagblatt" einen Vorstoß in der Kontingentierungsfrage. Er knüpft an die Forderungen des Christlichen Gewerkschafts­führers Otte an, wonach die christlichen Gewerk­schaften in einer landwirtschaftlichen Kontingentie­rung eine Schädigung der industriellen Ausfuhr und damit eine Vergrößerung der Ar­beitslosigkeit erblicken. Er bedauert, daß diese For­derungen der christlichen Gewerkschaften ohne jeden erläuternden Vermerk und ohne jede Ein­schränkung abgedruckt wurden. Es sei auch bei den Wah en vorgekommen, daß sogar Reichs­tagskandidaten der BDP. in ihren Reden gegen die Kontingentierung Stellung genommen hätten. Die Kontingentierungsfrage sei für die Landwirtschaft die wichtigste und nach der gegenwärtigen Lage eineLebensfrage. Wenn in solchen Fragen eine Partei die Unterstützung nicht restlos gewähre, dann dürfe sie sich nicht wun­dern, wenn die größte Berufsgruppe ihrer Wähler, vertreten durch die christlichen Bauernvereine, das nicht ohne Aus­wirkungen hinnehmen.

Verlängerung der Auswertungs- frist bei Versicherungen.

Berlin, 27. Dez. (WTB.) Bei einigen Ber- sicherungsuntemehmungen hat es sich als tech­nisch undurchführbar herausgestellt, bis zum 31. Dezember 1932 sämtliche aufgewerte­ten Versicherungsansprüche so zu be­arbeiten, daß für ihre Befriedigung die im Tei- lungsplan vorgesehene Frist eingehalten werden kann. Ueberwiegend liegt dies daran, daß

erniae Teilungspläne erst im Frühjahr 19 3 2 rechtskräftig genehmigt worden sind und die Zahl der zu bearbeitenden Versicherungsscheine bei manchen Versicherungs-Unternehmungen, beson­ders solchen, die früher in großem Umfang die sog. Dolksoersicherung betrieben haben, sich auf meh­rere Millionen beläuft. Die Reichsregierung hat deshalb in Würdigung von Notständen, denen auch durch eine zum Teil sehr erhebliche Verstärkung des Beamtenoppavats nicht abzuhelfen war, den Versicherungsaufsichtsbehörden in einer Durch­führungsverordnung zum Aufwer­tungsgesetz die Befugnis eingeräumt, Versiche rungsunterne-hmungen bei Vorliegen der bezeichne­ten Voraussetzungen eine nicht über den 31 Dezember 1 934 hinaus zu bemes­sende Frist zuzugestehen, bis zu deren Ablauf Zahlungen abgelehnt werden können Macht die Aufsichtsbehörde von der Befugnis Gebrauch, so hat sie anzuordnen, daß die Unternehmung für die Zeit, um welche die Verpflichtung zur Le stung hinausgeschoben wird, den Berechtigten eine angemessene Verzinsung gewährt. Soweit eine Zahlungsfrist zugestanden wird, was vermut­lich nur für ein'go wenige Unternehmungen notwen­dig sein wird, werden die Berechtigten auch die Berechnung ihrerAnsprüche erst im Laufe dieser Zahlungsfrist erwerben können denn diese Berechnung, nicht bie Zahlung als solche verursacht die ArbeitÄast der d«e Verardnuna Rechnung tra­gen will

Die penonaiberanoerungtn in her preuß schen Schulverwa fang

Berlin, 27 Dez. (CAD.) 3n einem Ber­liner Morgenblatt wird in großer Aufmachung über die geplanten Aenderungen in der Schul­verwaltung berichtet und behauptet, daß diese Veränderungen sich einzig und allein gegen die sozialdemokratischen Beamten richten. Don der kommissarischen preußischen

Servav» kündigt ba56eilifle3a6riO33/1934 an

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x)n |euiei vu.uj .vklk.up9ui, nuu -pupji -pius Xi. mit, daß ddin 2. April

1933 bis 2. April 1934 ein Heiliges Jahr stattfinden werde. Dieses Jahr soll daran erinnern daß sich der Todestag Christi nach den Feststellungen der Wissenschaft nun zum 1900. Male jährt.

Staatsregierung wird dazu erklärt, daß es sich bei -den Maßnahmen in der Schulverwaltung lediglich um solche handelt, die durch die Ver- ordnung über die Dereinfachung der Mittelin st anzen notwendig geworden sind, vor allem um die Unterstellung derPro- v i n z i a l s ch u l k o l le g i e n unter die Oberpräsidenten. Die Personalverände­rungen richten sich keinesfalls aus Po­litischen Gründen gegen sozialdemokra­tische Beamte. Es werden auch eine ganze Reihe Beamte abgebaut, die nicht der SPD. ange­hören, ebenso wie sozialdemokratische Beamte im Amt bleiben. Unrichtig sind ferner die Behauptungen, daß die betroffenen Be­amten nach ihrer Beurlaubung von drei Mo­naten fristlos entlassen werden sollen. Die Beamten erhalten im Gegenteil die ord- nungsmäh gen Uebergangsgebühren.

Oie Ausweisung des Eupener Kaplans Gilles.

Weil er Präses des deutschen Jnnglings- vereins war.

Eupen, 2. Dkz. «ERB.) Der Kaplan an der hiesigen St. Rikvlaus-Pfarrkirche, Gilles, der, wie bereits gemeldet, am Heiligen Abend a u s Belgien ausgewiesen wurde, ist reichsdeutscher Staatsbürger. Wie aus gut informierten Kreisen verlautet, wird ihm der Borwurf gemacht, bei einem Aus- flugdes Jünglingsvereins, dessen Prä­ses er ist. das Vorlesen aus demGrenzecho", dem bekannten belgischen Propaganda­blatt. verboten zu haben. Selbst wenn Gilles gegen das .,G eazecho" Stellung genommen haben sollte, was übrigens bestritten wird, so läßt sich ein Ausweisungsbefehl schwer darauf stützen, da dasGrenzecho" kein staatliches belgi­sch e s O r g a n ist. Im übrigen heißt es in den betreffenden Kreisen, man habe das Gefühl, daß die Maßnahme nicht dem Kaplan, sondern dem

Präses des Jünglingsvereins gelten sollte. Glaubt man doch, daß es gewissen bel­gischen Stellen unerwünscht war, an der Spitze dieser Organisation einen Reichs­deutschen zu sehen.

Aus aller Well.

Eine Festnahme im Falle hentsch (Dresden).

Wie bereits gemeldet, war am Montag d i e Leiche eines SA.- Mannes, des 26 Jahre alten Schlossers Herbert Hentsch aus Dresden, i n der Talsperre Malter mit einem Schuß in der Brust aufgefunden worden. Im Zusammenhang damit ist nunmehr auf Veranlassung der Staats­anwaltschaft der SA.-Mann Willi Bormann aus Tharandt fe ft genommen und in das Amts­gerichtsgefängnis Freital eingeliefert worden. 'Bor­mann steht im Verdacht, dem SA.-Sturmführer Rudolf Schenk zur Flucht verhalfen zu haben. Schenk hatte Hentsch am 4. November spät abends an eine bestimmte Stelle beordert, um ihn einen Sonderauftrag zu erteilen. Seit dieser Zeit war Hentsch verschwunden.

Der Breslauer Hochschulkonflikt.

Wie von der preußischen Regierung mitgeteilt wird, ist der Breslauer Professor Cohn, gegen den, wie gemeldet, kürzlich Rektor und Se­nat der Breslauer Universität in einer Veröffentlichung Stellung genommen hatten, noch vor den Feiertagen auf eigenen Wunsch vom Reichskommissar für das Kultusministerium Pro­fessor Kähler zur Berichter st attungemp- fangen worden. Der Reichskommissar hat im Anschluß an diese Besprechung den Rektor der Universität Breslau, den Prorektor und den Dekan der juristischen Fakultät nach Berlin gebeten, um ihren Standpunkt in die­ser Angelegenheit kennen zu lernen. Diese Be­sprechung wird in der ersten Januarwoche statt- sinden.

Gießener Giadttheater.

,Jm weißen Rötzl/

Vor einem Jahr haben wir in einer hübschen Gastspielaufführung der Harnborner Operettenbühne das erneuerteWeiße Roßl" zum erstenmal hier gesehen. An dem Stück in seiner heute allgemein gespielten Gestatt haben viele Leute mitgearbeitet. Die Grundlage bot das alte und bewährte Lustspiel von Blumenthal und Sabelburg. Daraus hat Hans Müller einen Operettentext gemacht. Zu diesem Libretto schrieb Ralph Benatzky die Musik, Robert Gilbert die Schlagertexte. Und außerdem haben Bruno ©ranid) ft übten, Robert Gil­bert, Robert Stolz, bie allesamt einen Namen in ber Operettenliteratur haben, vier musikalische Einlagen beigesteuert. Das nennt man ein Kollektiv Der burchaus ungewöhnliche Erfolg biefes Kollektiv- ftückes begann mit einer berühmt geworbenen unb oft kopierten Inszenierung von Erik C h a r e f f im Großen Schauspielhaus zu Berlin. Damit war die Laufbahn der Operette entschieden: sie hat sich nicht nur die ganze deutsche Provinz im Sturm erobert, und hier wie in ber Reichshauptstadt er­staunliche Auffühvungsferien erzielt, sondern sie würbe auch einer ber markantesten unb dauerhaf­testen deutschen Theatererfolge im Ausland

Die Erneuerung des alten Lustspiels unb die An­passung von Text unb Vertonung an ben Geschmack eines mobernen Publikums geschah äußerst geschickt und, wie ber durchschlagende Erfolg desRößls" beweist, ohne baß die vielen Köche den Brei ver­dorben hätten. Die Köche find in biefem Fall lauter alte Theaterhasen: sie wissen, was gespielt wirb, und haben einander vorzüglich in die Hände gearbeitet. Benatzky ist einer der begabtesten unter unfern jüngeren Komponisten, dem in seiner einfallsreichen Partitur die Verschmelzung von volkstümlich-sang­barer Melodieführung und neuzeitlicher Instrumen­tation viele Anregungen gegeben hat Das Libretto von Hans Müller hat die alten und hinlänglich bekannten Motive des immer wieder gern gespielten Stückes aufgefrischt, modernisiert unb ausgejchmücki: bie populär komischen unb die gefühlsbetonten Ele­mente ber Fabel sind wirkungsvoll gemischt die beliebten unb oft belachten Lustspieltypen am Ge­stade des Wolfgangfees haben auch in der Neu- faflung mchts von ihrer natürlichen Anziehunas- kraft verloren

Die Inszenierung von Heinrich Hub ist eine so fidele unb aufgekratzte Angelegenheit, daß wir uns

wundern, warum man dasWeiße Rößl" nicht als Silvester-Vorstellung angesetzt hat: es wäre ein idealer theatralischer Jahresabschluß, um das Publi­kum in angeregter Stimmung ins neue Jahr zu entlassen. Hub hat sich ridjr.g hineingekniet unb entfaltet einen großen Betrieb mit Gesang und Tanz in allen Tonarten (mondän unb volkstüm­lich), mit Blechmusik und Seilerei, mit Feuerwehr­kapelle unb Jungfrauen verein, mit Pat unb Pata- chon, mit Böllerschüssen unb Schuhplattlern

Uebrigens ist die Aufführung ebenso wie das Stück selbst das Ergebnis einer fleißigen Kollektiv- Arbeit. Am Dirigentenpult waltet. Kapellmeister M o e h l seines Amtes unb interpretiert mit Schwung unb Schmiß die dankbare Partitur. Ewald ulke hat die choreographische Leitung, Frau ulke mit ben Girls steuert in abwechslungs­reicher Aufmachung ein paar effektvolle Tanzein­lagen bei. Herr Löffler hat dasWeiße Rößl" (einen Apfelschimmel, wenn wir recht gesehen haben) mit farbenfroher Realistik aufgebaut samt Kuhstall, schöner Aussicht unb luftigen Zwischenakt-Vorhängen. Auch die Herren Keim (Beleuchtung) unb Huber (Kostüm-Ausstattung) feien m diesem Zusammen­hang nicht vergessen

'Den Zählkellner Leopold Brandmeyer gab Herr Wrede: die Rolle mutzte seinem wienerischen Gemüt und Gesangsstil besonders entgegenkom-- men. Er hatte sich bald sreigesungen und wußte Humor und Sentiments gerecht zu verteilen. Die LiederZuschaun kann i net" undEs mutz was Wunderbares sein" waren die Höhepunkte seiner Leistung.

Den Fabrikanten Gieseke hatte Herr Hub sich selber reserviert: er brachte die massiven Berliner Bonmots treffsicher und mit Behagen unter die Leute. Ein« besonders schöne Cache war sein Solo- Schuhplattler nachher MelodieIm Salzkammer­gut da kammer gut lustig sein".

Aus dem Ensemble der ersten Ausführung ist Herr F i e r m e n t als Siedler als einziger übrig­geblieben. Er gab seine Partie dezent und lie­benswürdig, auch gesanglich in bester Form. Sy­bille Flemming war die fesche und kouragierte Rötzl-Wirttn, Liefe! Deling eine elegante und lustige Ottilie, auch tänzerisch ihrer Soubretten- Rolle angenehm gewachsen. Einen Sonderapplaus holte sich verdientermaßen Herr B r u ck als Sigis- inund: er scheint sich vor allem gesanglich kulti­viert zu haben: sein witzig auf gezogener Schlager

Was kann der Sigismund dafür" war ein aus­gesprochener Publikumserfolg. Aus der Menge der Mitwirkenden feien noch Hauer und V o l ck , Annemarie Ottmer, Ruth und Walter Michel, die Damen Wielander. Wal­ther-Lederer und T i p p m a n n hervorgehv- ben.

Vom großen Erfolg war schon die Rede. Es gab viel Beifall und Blumen. hth.

Glück und Llnglück.

Bei der Explosion eines Pulverlagers, die kürz­lich in Vermont in den Vereinigten Staaten er­folgte, wurden neun Personen in den umliegen­den Häusern schwer verletzt. In einem Haus aber siel ein großes Stück Gips von der Wand über eine Wiege, in der ein zweijähriges Kind lag, und schützte so das Kleine vor dein Regen von Glassplittern und anderen Trümmern, die in­folge der Explosion umhersausten. Einen solchen Vorfall kann man wohl nicht anders denn als Glück" bezeichnen. Diese launische Göttin treibt mit den Menschenkindern seltsame Spiele, von denen in einem Aufsatz der ReuyorkerSun" allerlei erzählt wird. In einem anderen Fall, der sich kürzlich in Amerika ereignete, fiel ein Baby vom Fensterbrett einer Wohnung im zwei- ten Stock sechs Meter tief auf einen gepflaster­ten Hof und landete unverletzt auf den weichen Leibern zweier hier schlafenden Hunde. Ein an» öcrer glücklicher Zufall rettete einer Anzahl von Personen im April 1931 zu Otter Lake in Michi­gan das Leben. Während eines Sterbegottes- dienstes brach der Boden der Kirche ein, und in» stürzte die ganze Versammlung von 250 Menschen in den Keller. Doch wurde niemand verletzt, der Teil des Bodens, auf dem der Sarg stand, blieb unversehrt. Aber nicht nur das Glück vollbringt immer wieder Wunder des Alltags, sondern auch das Unglück lauert dort, wo man es am wenigsten erwarten möchte. Die Insassen eines Ausflugszuges, der von Boston nach Reu- York fuhr, ahnten nichts Böses, als ein Schnell­zug von der entgegengesetzten Seite an ihnen vor­übe rsauste. Aber gerade in diesem Augenblick stieß die Lokomotive des Schnellzuges eine mäch­tige Wolke heißen Dampfes aus, unb die Gewalt toar so groß, daß 40 Fenster von dem heißen Damps zerbrochen und verschiedene Personen ver­letzt wurden. In Attika im Staate Reuyork trat eine Frau vor die Tür ihres Hauses, um ihre

Katze zu rufen. In demselben Augenblick sauste ein Kraftwagen, dessen Führer die Herrschaft . über das Steuer verloren hatte, gegen die Tür und zermalmte die Frau. Im vergangenen Mai versuchte eine Frau in Chikago Selbstmord zu begehen, indem sie den Gashahn in ihrer Küche öffnete. Dadurch wurde eine Explosion hervor- gerufen, bei der ein ahnungslos Vorübergehen­der getötet wurde. Die Frau selbst wurde nur geringfügig verletzt. Ein 13jähriger Junge zu Richmond in Kalifornien ließ einen Drachen stei­gen, dessen Leine sich mit einer Starkstromlei­tung von 60 000 Volt verwickelte. Der dadurch entstehende Kurzschluß durchbrannte den Draht: das freigewordene Ende schlug einem Vorüber­gehenden den Hut vom Kopf, bohrte sich durch das Asphaltpflaster und durchstieß ein großes Gasrohr, aus dem sofort die Hellen Flammen auf­schlugen. Eine seltsame Ursache eines Unglücks­falls war auch ein Vogel, der eine brennende Zigarette aufpickte und nach seinem Reste trug, das sich in dem Gebälk des Rathauses von Mel­rose in Massachusetts befand. Das Gebäude wurde dadurch in Brand gesteckt. Sperlinge, die auf dem Dach eines Hauses zu San Antonio in Texas ihr Rest bauten, benutzten dazu außer Zweigen auch Streichhölzer: durch ihr Kratzen an den Kuppen wurden die Hölzer entzündet und das Haus brannte nieder. Zu Eldorado in Kansas schor ein Landmann seinen Maulesel: eine Fliege stach das Tier, das ausschlug und die Schere dabei mit solcher Gewalt in den Arm des Man­nes trieb, daß er eine schwere Wunde erlitt, an der er starb.

Öocbfcbulnocbricbten.

3u ordentlichen Mitgliedern der mathematisch- naturwissenschaftliHen Klasse der Heidelber- frenxie her Wissenschaften sind die or­dentlichen Professoren an der dortigen Universi- tot Dr. Philipp Broemser (Physiologie) und Dr. Viktor Freiherr v. Weizsäcker (Innere Medizin) gewählt worden.

An der Technischen Hochschule in Karls­ruhe ist der Lehrstuhl für Geometrie dem Pri­vatdozenten Dr.-Jng. G. Haenzel in Berlin angeboten worden.

Zur Wiederbesetzung des an der Technischen Hochschule Karlsruhe freiwerdenden Lehr­stuhls für Wärmekraftmaschinen ist ein Rus an Dipl.-Jng. E. Lupberger in Berlin er­gangen.