Ausgabe 
28.12.1932 Erstes Blatt
 
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Wirischast.

mulatoren, die in Reaktion auf ihre gestrige Stei­gerung 2,50 v. H. verloren, und von Schuckert, Reag, lagen alle anderen Elektrowert« auf Publi­kumskäufe lebhafter und bis 1,50 höher. Erwäh­nenswert waren ferner Thüringische Gas, Schubert & Salzer, Bemoerg, Schultheiß und Volkmann, die bis 1,75 prozentige Gewinne erzielten.

3m Verlaufe war die Kursgestaltung zunächst wieder uneinheitlich, doch konnten sich fpater über­wiegend Gewinne bis 0,50 v. H. durchsetzen. Recht fest lagen Dollarbonds unter Führung von Ren­te nb an k. Gegen 12.45 Uhr wurde es an den Aktien­märkten etwas schwächer, die im Verlaufe erzielten Vesserungen gingen meist wieder verloren, und es ergaben sich darüber hinaus Rückgänge bis 0,50 o. H.

Am Geldmarkt war Tagesgeld kurz vor dem Ultimo natürlich weiter steifer und zog bis auf 4,65 bzw. 4,50 v. H. an der unteren Grenze an.

Privatdiskonten blieben weiter im Angebot. Reichs- Wechsel per 25. März und Reichsschatzanweisungen per 15. Mai lagen so gut wie umsatzlos.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. 1R., 28. Dez. (WTB. Draht­meldung.) Die letzte Getreidebörse im alten Jahr verkehrte bei schwachem Besuch und etwas ab» g e s ch toä ch t e r Sya ltung. Dem kleinen An­gebot stand so gut wie keine Nachfrage gegen­über. Die Preise für Brotgetreide und Hafer bröckelten um 2 Mk. her Tonne ab. Futtermittel lagen weiter etwas besser. Die Mehlpreise blieben unverändert bei schleppendem Geschäft.

Es wurden notiert: Weizen 202,50, Roggen 162,50, Sommergerste für Brauzwecke 180185, Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 28,1529, Roggenmehl 22,2523,25, Weizenkleie 7,40, Rog­genkleie 8,00, Weizenmehl, niederrh., 2828,25. Tendenz: sehr ruhig. Frankfurter Kartoffel-Groß­handelspreise: Infolge der Feiertage ruht das Geschäft vollkommen. 2lbschlüsse sind nicht be­kannt geworden.

Vor dem Fußbatt-Länderkampf DeutschlandItalien.

Ganz links: Jakob (Regensburg), der öeut|d)t Torwart, Daneben Der Mittelstürmer Rohr (in schwarzweißem Trikot): im Kreis: Kobierski (Linksaußenstürmer); oben: Leinberger (Mittel­läufer) und K n ö p f l e (linker Läufer); ganz rechts: Bergmaier (Rechtsaußenstürmer).

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Frankfurt behauptet.

Frankfurt a. M., 28. Dez. (WTB. Drahtmel­dung.) Nach vorbörslich etwas höheren Taxen er­öffnete «die amtliche Börse in sehr ft i 11 e r Hal­tung und im Vergleich zur Abendborse mit unein­heitlicher Kursgestaltung. Von der Kundschaft lagen taum Orders vor, so daß die-Spekulation, Die gestern größere Engagements eingegangen war, gewisse Ermüdungserscheinungen zeigte und teilweise kleine Realisationen vornahm. Aus der Industrie lagen keine neuen Momente vor, ebenso wie von der schwächeren Haltung Wallstreets keine Anregung ausgehm konnte.

Die Kursveränderungen nach beiden Seiten hiel­ten sich im Rahmen des Bruchteils eines Prozents. Nur die gestern stark erhöhten Werte, wie Harpener, Reichsbank und Rhein-Elektro Mannheim lagen in Reaktion 2 bis 2,5 v. H. schwächer. Die übrigen Marktgebiete setzten wie folgt ein: JG.-Farden und Rütgerswerke lagen bis 0,5 v. H. niedriger, Scheide­anstalt waren im gleichen Ausmaße höher. Von Elektrowerten zogen Licht & Kraft und Bekula bis zu 0,75 o. H. an. Am Montanmarkt erhielt sich etwas Interesse für Stahlverein mit plus 0,40 v. H. und Phönix mit plus 0,13 v. H., wogegen Mannesmann mit 0,25 v. H. und Gelsenkirchen mit 0,75 v. H. schwächer einsetzten. Von Einzelwerten gaben Deut­sche Linoleum und Norddeutscher Lloyd dis zu 0,40 v. H. nach, Zement Heidelberg waren behauptet, Aschaffenburger Zellstoff gewannen 0,90 v. H.

Deutsche Anleihen lagen etwas lebhafter, insbe­sondere Neubesitz mit plus 0,13 o. H. und spate Reichsschuldbuchforderungen mit plus 0,40 v. H. Reichs-Altbesitz waren nur knapp gehalten. Von Industrie-Obligationen gaben Stahloerein-Bonds und Reichsbahn-Vorzugsaktien dis 0,5 v. H. nach. Am Ausland-Rentenmarkt bröckelten 4-v. H -Ein­heits-Rumänen 0,13 v. H. ab. Am Pfandbrieftnarkt war das Geschäft recht lebhaft, da bei dem er­höhten Kursstand etwas Material herauskam. Li­quidationspfandbriefe lagen zum Teil noch etwas fest, im übrigen blieben die Kurse behauptet. Die Werte der Preußischen Landes-Pfandbriefanstalt Berlin kamen dagegen von 1 bis 2 v. H. fest zur Notiz. Stadtanleihen lagen meist von 1 bis 1)4 vom Hundert höher.

An den Ak t i e n m ä r f t e n herrschte im Ver­laufe fast vollkommene Geschäfts stille und die Kurse bröckelten bis zu Vi v. H. ab. Am Rentenmarkt waren Deutsche Anleihen lebhaft, jedoch ohne wesentliche Aenderung. Späte Reichs­schuldforderungen bröckelten ab. Tagesgeld blieb weiterhin sehr leicht und mit 3)4 o. H. unverändert.

Berlin weiter freundlich.

Berlin, 28. Dez. (WTB. Funkspruch.) Wäh­rend man an der Dorbörse noch überwiegend festere Kurse nannte, zeigten die ersten Notierungen fein einheitliches Bild; die Rückgänge waren sogar in der Mehrzahl. Bei den ®ro6banfen lagen besonders für Dersorgungswerte und auch andere Spezialpapiere Kauforders des Publikums vor, die Börse selbst schritt aber verschiedentlich auf dem er­holten Kursniveau zu Glattstellungen und nahm auch Tauschoperationen vor. Dessen ungeachtet war die Grundstimmung weiter durchaus freundlich, vor allem wohl in Erwartung der Auswirkungen des Gereke-Arbeitsbefchaffungspro- grammes. -sonst lagen eigentlich kaum Anregungen vor, die einen Einfluß hätten ausüben können, zu­mal Neuyork eher in schwächerer Haltung geschlos­sen hatte. Das Hauptinteresse konzentrierte sich nach wie vor auf die festverzinslichen Märkte.

Arn Montanmarkt büßten Gelsenkirchen 0,75 v. H. ein. Harpener waren sogar 2 v. H. schwächer und Rheinische Braunkohlen gingen um 4,50 v. H. zurück. Demgegenüber konnten sich Ilse und Nie­derlausitzer Kohle erholen. In Farben kam anfangs wieder stärker Material heraus, das aber schlank ausgenommen wurde. Mit Ausnahme von Akku-

Eisschießen im Gießener Eis verein.

Die Meisterschaften des südwestdeutschen Eissport- oerbandes, die am 7. und 8. Januar 1933 auf der Bahn des Gießener Eisoereins stattfinden, bringen auch die Meisterschaft im Eisschießen. Bekanntlich konnte der Gießener Eisoerein im vergangenen Winter mit seiner 1. Moarschaft auf der Brun- hildisbahn auf dem Feldberg überlegen Meister werden. Auch diesmal, noch dazu auf heimischer Bahn, sind die Aussichten zur Erlangung des Mei­stertitels sehr gut. Leider ist Klart der bewährte Anleger abwesend, doch wird die 1 Moarschaft in der Aufstellung: Dr. Pfeffer, Schonebohm. Müller-Leutert und Mohr wohl die gleiche

Spielstarke aufweisen, da die guten Eisoerhältnisse zum Heben bisher ausreichend Gelegenheit boten.

In einem Rahmenwettbewerb werden weitere Moarfchaften, darunter auch eine Damenmoarschaft, den GEV. vertreten. An dieser Stelle sei nochmals betont, daß das Eisschießen der gegebene Eissport für alle Nichtschlittschuhläufer ist. und zwar vom Jüngsten bis zum Aeltesten Wer, dazu noch Dem Kegelsport huldigt, wird bei Der Verwandtschaft beider Sportarten ichon in kurzer Zeit Gutes leisten.

Um einen Einblick in Den Eisschießspon zu geben, wird Der Gießener Eisverein am DonnerstagabenD in feinem Sporthaus an Der Eisbahn einen Film zeigen, betitelt:Die süd-westdeutschen Eisschieß-

meisterschaften auf Der Brunhildiseisbahn auf dem Feldberg 1931" Dieser Film, der in glänzender Weise auch dem Außenstehenden einen Einblick in diese Sportart gewährt, dürste für Gießen insofern eine besondere Bedeutung haben, als auf dieser Veranstaltung die Meisterschaft errungen wurde. Näheres ist aus Der heutigen Anzeige ersichtlich.

Kunst unö Wissenschaft.

Der Komponist Hubert Pfeiffer t.

21m ersten Weihnachtsfeiertag starb in einem Aachener Krankenhaus der blinde Wupperta^r Komponist Hubert Pfeiffer. An dem Morgen, too er in Aachen starb, wurde in seinem Heimat- ort Barmen seine Weihnachts-Motette zur Urauf­führung gebracht. Pfeiffer, der nur ein Alter von 41 Jahren erreicht hat, ist besonders durch die große ll-Dur-Messe bekanntgeworden. Im Jahre 1927 hatte er für seine ^-Moll-Klaviersonate den Beethoven-Preis erhalten. Auch beim letzten Deutschen Sängerbundesfest in Frankfurt war er für srin WerkDie Antiphonie an den Tod" mit &em ^taatspreis ausgezeichnet worden. Der Ver­storbene, der sich bis in feine letzten Stunden hin­ein mit einer großen Kantate auf Gedichte oon> ©aroffa beschäftigt hatte, war auf einer Kon­zertreise in Aachen und mußte sich dort eines Fu­runkels wegen in das Krankenhaus begeben. An den Folgen dieses Furunkels ist der Künstler plötz­lich gestorben. Pfeiffer, der bereits in jungen Jahren in der Dürener Blindenanstalt weilte, hat dort den ersten Unterricht in Klavier und Orgel erhalten.

Aus aller Wett.

Flucht vor den Revolutionswirren in Honduras.

Der 2866 Druttoregistertonnen große Dampfer Agira" des Rorddeutschen Lloyd, der in der Zentralamerikafahrt Dienst tut, ist nach Amapala gesandt worden, um die in Honduras ansässi­gen und durch die Revolutionswirren! vielleicht gefährdeten Deutschen nötigenfalls an Dord zu nehmen. Rach einem inzwischen einge­gangenen Funkspruch des Dampfers haben von dieser Möglichkeit insgesamt 22 Frauen und Kin­der Gebrauch gemacht.

Großfeuer

äschert zwei Wohnhäuser und acht Scheunen ein.

In Sindolsheim (Baden) brach in einer Scheune Feuer aus, Das rasch auf sieben weitere Scheunen und zwei Wohnhäuser Übergriff und alle Gebäude bis auf Die Grundmauern einäfefjerte. Die ge­samten Erntevorräte sowie die landwirtschaftlichen Maschinen sind verbrannt. Dagegen konnte Das Vieh grettet werden. Der Schaden ist sehr groß. Die randursache ist unbekannt.

Autozusammensioh.

Der elsässische Abg. 9t o ff 6 entging dieser Tage mit knapper Not Dem Tode. Rosse befand sich mit Zwei Freunden in seinem Auto auf Dem Wege nach Kalmar als er an einer Chausseekreuzung mit einem Lastwagen zusammen st ieß. Der Wagen Des Abgeordneten stand im Nu in Hellen Flam- m e n. Rosse und ferne Freunde konnten gerade noch aus dem Auto springen und entgingen so Dem Der- brennungstoD.

39 tote Bergleute in Illinois geborgen.

Nach einer Meldung des BerlinerLokalanzei- §ers" soll es gelungen fein, 39 der bei dem Gru- enunglüd in Decatur (Illinois) getöteten Bergleute zu bergen. Von fünf Bergleuten nimmt man an daß sie n o ch a m L e o e n sind, lieber Das Schicksal Der übrigen sechs Vermißten, ist nichts be­kannt.

Srieffoffen der Redaktion.

(Rechtsgutachlen sind ohne Verbindlichkeit der Sdjnfrleitung.)

P. Sch in R. Sie müssen Inoal-idenmarken zu 90 Pf. verwenden.

MKonmoomW

Roman von Margarete Antelmann.

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale)

16 Fortletzung Nachdruck verboten

Sein Vorschlag sand eifrig Zustimmung. Die kleine Karawane fetzte sich in Bewegung.

Magdalene und August Richter blieben einen Augenblick zurück.

Sehen Sie nur, Herr Doktor, diese wunder­volle Beleuchtungi Ist das nicht herrlich?"

Aufstrahlend suchten ihre Augen die Augusts, der den Blick ebenso leuchtend zurückgab. Gleich darauf schlossen sie sich den anderen an.

Als man in einer gemütlichen Ecke des ele­ganten Saales saß, fuhr Frau Reichmann Plötzlich erschrocken in die Höhe.

»Was ist Ihnen, gnädige Frau?" fragte Joe, die neben Frau Reichmann saß.

Mein Armband!" stammelte die Frau entsetzt und sah auf ihren Arm von dem das glitzernde Schmuckstück verschwunden war.

ihn Gottes willen! Haben Sie es verloren, gnädige Frau?"

Ich weiß es nicht." Dann rief sie ihrem Mann entgegen, der gerade an den Tisch zurück­kam:Kurt, mein Armband! Es ist nicht mehr da!"

Die kleine Tafelrunde war sehr bestürzt. August Dichter versuchte zu beruhigen.

Tas Armband muß sich wiederfinden, gnädige Frau. Sie haben es ja auf dem Schiff verloren."

Seit wann vermissen Sie es, gnädige Frau? Hatten Sie es noch, als wir den Saal betraten?" fragte jetzt Titus.

3<$> weiß es nicht", antwortete Frau Reich­mann.In diesem Augenblick ist mit der Verlust bewußt geworden. Ich kann aber nicht sagen, wie lange es schon weg ist."

Joe frohlockte. Sie hatte das kostbare Schmuck­stück cm sich gebracht, als man sich gerade gesetzt hatte. Riemand hatte ihre geschickte Arbeit ge­merkt. Titus hatte das Armband, das sie ihm zugefteckt hatte, bereits in Sicherheit gebracht.

Ich vermute, gnädige Frau Sie haben das Armband verloren, als Sie ooen auf Deck die Arme ausbreiteten, vor Entzücken über die Schön- heit des Meeres. Dabei wird e8 ins Wasser ge­fallen sein!" meinte jetzt Joe, und die anderen stimmten ihr zu.Wir wollen den Verlust natür­lich zur Vorsicht dem Kapitän melden. Vielleicht findet sich das Armband doch noch."

Aber jetzt wollen wir uns den Abend nicht verderben lassen, Kind", sagte Reichmann.So­bald wir zu Hause sind, bekommst du ein neues Armband. Sei nur vergnügt, das ist die Haupt­sache."

In Lissabon legte das Schiff zum ersten Male an, in aller Frühe, morgens um sieben Ahr.

Ein großer Teil der Passagiere verließ den Dampfer. um entweder die Stadt zu besichtigen oder nach Eintra zu fahren ober zum Schloß P«na; Wagen und Autos standen bereit, die Fahrgäste aufzunehmen.

Magdalene, Joe und Titus schlossen sich der Fahrt nach Pena an.

Es tat Magdalene leid, daß Doktor Richter nicht mittam. Sie begriff überhaupt nicht, warum er sich seit gestern etwas zurückzog.

Dicht, daß sie sich in den Mann verliebt hätte. Die war überzeugt davon, in ihm nur den guten Reisebekannten zu sehen, der ihr die Zeit vertreiben half und der interessant zu plaudern verstand.

Für ernstere Dinge kam er überhaupt nicht in Frage. Gr war nichts weiter als ein armer Doktor, dem diese Schiffsreise durch ein Los zugefallen war und der sich solch eine Extravaganz sonst nicht hätte leisten können. Jedenfalls kein Mann, der für Magdalene Winter ernsthaft zur Diskussion stand.

Magdalene wußte, daß sie begehrenswert war, reizvoll und schön. Die bewundernden Blicke der Männer, sagten es ihr und der Reid der Frauen.

Dazu kam noch ihr vieles Geld. Sie konnte sich den Mann aussuchen, den sie einmal heiraten würde.

Sicher nicht einen so armen Schlucker wie den Doktor Richter. Wenn er ihr auch sonst noch so gut gefiel. Ja, sie verhehlte sich nicht, daß er ihr gefiel, daß sie gern mit ihm zusammen war.

Er wußte nicht, daß sie eine Deutsche war Sie hatte sich ihm als Französin vorgestellt, hatte ihm gesagt, daß ihr deutscher Großvater nach Frank­reich gezogen war. And niemand erfuhr, daß sie Magdalene Winter hieß und nicht Madame Madelon Wintöre...

August Richter hatte sich den Ausflügern nicht angcschlosfen. Er machte sich nichts aus solchen Massenwanderungen; er blieb lieber für sich allein.

Später als die anderen verließ et das Schift, für sich allein die Straßen der Stadt zu durch­streifen.

Tann sah et in der Sonne vor einem kleinen Eass und ließ seine Gedanken spazieren gehen.

Bis jetzt gefiel ihm diese Schiffsreise recht gut And daß er dabei die kleine Französin getroffen hatte, wat ein besonderes Glück.

Madelon Wintere hatte tiefen Eindruck auf ihn gemacht. Aber irgend etwas war da, was ihn unangenehm berührte. Sie war Französin? Wie kam es, daß sie so ausgezeichnet deutsch sprach. Eigentlich hätte er sie, trotz der schwarzen Haare und des ÄamenS, für eine Deutsche ge­halten.

And dann ihre Fteunoe. Sowohl die Frau als auch der Mann machten den denkbar schlechtesten Eindruck auf August Richter. Es lag ein gewisses Etwas um die beiden, das er sich nicht erklären konnte, das ihm aber zu denken gab. Geheuer waren die beiden nicht, das stand fest.

And es war nicht zu verstehen, wieso Madelon Wintöre sich die beiden zur Gesellschaft gewählt hatte.

Es gab Stunden, wo Madelon nichts anderes war als ein fröhliches, junges Mädel, wo sie offen und heiter war und alle Damenhaftigkeit beiseite ließ. Da gefiel sie ihm am besten, da war sie ein natürlicher Mensch. In solchen Mo­menten durchflutete es August Richter heiß. Da mußte er sich zusammennehmen, wenn er keine Torheit begehen wollte.

Aber er ernüchterte, sobald er Madelon mit ihren Freunden zusammensah. Dann kamen die Zweifel über ihn. über ihre Herkunft, ihr ge­heimnisvolles Dasein. And aus diesen Zweifeln heraus hatte er gestern beschlossen, sich etwas abseits zu halten und auf der Hut zu fein.

Es hatte keinen Sinn, sein Herz an dieses Mädchen zu hängen. Diese Liebe würde ihm nur Anheil bringen und Sorge. And Sorgen hatte er daheim genug, die brauchte er sich nicht noch mit nach Hause zu bringen.

Gegen Abend war die ganze Schiffsgesellschaft wieder versammelt: das Schiff setzte seine Reife fort.

Alle waren voll Begeisterung über das, was sie gesehen hatten. Die meisten Passagiere zogen sich an diesem Abend früh in ihre Kabinen zu­rück: der Tag war zu anstrengend gewesen.

Rur in einer Ecke der Bar sah eine vergnügte HerrengeselftchaN Man zechte und war sehr fröhlich.

Plötzlich fuhr einer der Herren, ein Hamburger Stadtrat, verstört in die Höhe. Er suchte in seiner Drusttasche, suchte suchte...

Pah und Brieftasche waren vorhanden, aber die Hauptsache fehlte: ein Päckchen mit Bank­noten. die er in einem Kuvert bei sich trug.

Vielleicht haben Sie das Geld in einem an­deren Rock stecken?" fragte einer Der Herren.

Rein! Ich weiß bestimmt, daß ich es zu mit steckte, als ich morgens die Kabine verlieh. Es schien mir sicherer in meiner Brusttasche. And nun ist das ganze Geld weg. Fünftausend Mark waren es. Ich muh es einfach unterwegs ver­loren haben. Oder einer der eingeborenen Führer hot es taschenfpielerisch hecausgeholt. Ich muh gleich nach Hause telegraphieren, dah man mir neues Geld schickt...

Man hatte Madeira besucht und Cadiz, war an Gibraltar vorbeigefahren und hatte sich an

den pittoresken Formen dieser englischen Festung ergötzt. Malaga wurde besichtigt eine der reizvollsten Städte Andalusiens.

Eine andere Welt tat sich auf, als die Reisen­den nach Ceuta-Tetuan kamen, als sie die Rähe der afrikanischen Wüste spürten und den Hauch eines neuen, seltsamen Erdteils.

Magdalene war tote berauscht. Richts war mehr zu merken von der überlegenen Weltdame, als Die sie sich sonst gab. Ihr romantisches Gemüt nahm all das Reue in sich auf, das sich ihr Per* * schtoenderisch bot.

Sie berauschten sich an dem bunten Leben in Den Basars, und sie kaufte Fächer, Spitzen, Seide, bunte Steine wahllos und unermüdlich. Am meisten freute sie sich über einen kleinen Dolch, dessen Griff mit Elfenbein eingelegt war und arabische Echriftzeichen trug. Das würde ein kost­bares Erinnerungsstück werden!

Von Ceuta aus schiffte man sich nach Barcelona ein, wo man sich einen Tag lang aufhalten würde.

Mit Doktor Richter war in diesen Tagen eine merkwürdige Veränderung vorgegangen. Er, der sich bisher nie um Frauen gekümmert hatte, der sich «egen die Liebe gefeit fühlte, wußte mit einem Male, daß er diese Frau liebte, mit allen Sinnen und mit der ganzen Glut seiner so lange zurückgehaltenen Mannesempiindungen.

Er liebte dieses reizende Geschöpf, das einmal ein s üßes, unschuldiges Mädchen war und ein andermal eine verwöhnte Weltdame. Er liebte ihr seidiges, dunkles Haar, ihre großen, grauen Augen und ihren schmiegsamen, schlanken Körper, den stets ein geheimnisvoller und betörender Duft umgab.

Er liebte ihr fröhliches Lachen, ihre kapriziöse Art, sich zu geben, und es störte ihn nicht einmal, wenn sie die Annahbare spielte.

In Madeira war er sich dieser Liebe zum ersten Male ganz bewußt geworden, als er neben Madelon Wintere im Auto saß und als bei einer jähen Wendung des Wagens - sich zwei Hände in hellem Schrecken an seine Brust gc» tlarnntert, als zwei große graue Augen ihn schreckerfüllt angestarrt hatten...

Da war es mit einem Wale über ihn gekommen, bas süße, berauschende Gefühl, das man Liebe nennt

Behutsam hatte er feine Arme um Me schlanke Gestalt gelegt, leise hatte er geflüstert: ., Fürchten Sie sich nicht, Madelon. Es geschieht Ihnen nichts, solange ich bei Ihnen bin.

Vielleicht hatte auch Magdalene damals den entscheidenden Augenblick erlebt, denn von diesem Augenblick an war sie merkwürdig still, sobald sie in August Richters Rähe kam.

(Sortierung folgt.) '