Hr. 305 Erstes vlatt
182. Jahrgang
Mittwoch, 28. Dezember 1952
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen.
Wie sehen uns die Andern?
Eine weltpolitische Rundschau unserer Ausländskorrespondenten zur Jahreswende -1932/33
mit uns meint, würde uns sicherlich nicht innere Befestigung und eine starke Regierung wünschen; andererseits aber wird sich die italienische Sympathie nicht nur in den großen theoretischen Fragen, sondern auch von Fall zu Fall in den einzelnen konkreten Entscheidungen bewahren müssen, wenn die -Zusammenarbeit fruchtbar fein soll.
Die großen innerpolitischen Ereignisse in Deutschland, die sich im abgelaufenen Jahre schicksalhaft überstürzten, dürften so manchem den Blick für die ebenso schicksalhafte Verflechtung unseres Vaterlandes mit den Geschehnissen jenseits der Reichsgrenzen getrübt haben. Dabei tritt das Deich gerade jetzt mit immer festeren und stets vernehmlicheren Schritten auf jenes politische Gebiet, auf dem man in Jahrzehnten und in Kontinenten zu denken pflegt. Das neue Jahr dürfte in dieser Beziehung überaus heftige Kampfe bringen. Da verlohnt sich wohl eine Betrachtung des Verhältnisses Deutschlands zu den anderen Staaten und Völkern dieses Planeten, worüber nachstehend unsere Korrespondenten in den Hauptländern der Welt berichten. Die Stimmung in England.
Von unserem Oe.-Derichterstatter.
London, Ende Dezember 1932.
Der deutsche Reisende, der zu einem kürzeren Besuche nach London und England kommt, wird in seinen Gesprächen mit Engländern immer wieder die Versicherung hören, daß der Weltkrieg eigentlich ein Fehler war; England hätte mit Deutschland zusammengehen sollen und es solle es heute noch tun. Von den Franzosen wollten sie nichts wissen. Der Deutsche wird schmeichelnde Worte über die Leistungsfähigkeit des großen deutschen Volkes hören, Geschäftsleute werden ihm sagen, daß sich mit den Deutschen viel besser ein Geschäft machen läßt als mit den Franzosen. Der Versailler Vertrag sei eine Schande, es wäre ein Unrecht gewesen, das deutsche Volk so zu knebeln und ihm auch alle Kolonien fortzunehmen. Kein Wunder, daß dieser Deutsche den Eindruck erhält, als ob England sich feit dem Kriege völlig von Fran.reich abgewandt habe und Deutschland zuneige. Er sieht schon das deutsch-englische Bündnis. Wer aber länger unter den Engländern lebt, der weih, daß diese Versicherungen zwar ein lebendiger Ausdruck der öffentlichen Meinung sind, aber er ist sich dessen bewußt, daß man auf sie nicht allzu viel geben darf. Immer und immer wieder wird er in seinem persönlichen Leben Erfahrungen machen, daß doch noch recht lveite Kreise, und zwar gerade dieeinfluß- reicheren ganz anders denken und daß über Deutschland noch eine Menge bedauerlicher Vorurteile in England umlaufen, die kaum aus- zurotten sind.
Dor einiger Zeit veröffentlichten die Zeitungen ein Bild aus Tokio, das zeigte, wie die japanischen Mädchen von Berufssoldaten im Schießen ausgebildet wurden; es wurde ohne Kommentar hingenommen. Wie hätte aber die Presse geschrien, wenn diese Photographie in Deutschland genommen wäre. Die alten Register vom preußischen Militarismus, einem Schlagwort, das noch ganz fest sitzt, wären nach allen Dichtungen hin gezogen worden. Je mehr der in England lebende Deutsche in das politische Denken der führenden Kreise einzudringen sucht, um so häufiger wird er feststellen können, daß England sich bewußt von einseitigen Freundschaften mit einem fe st ländischen Staate fernhält und immer mehr dazu neigt, seine eigenen Wege als Mittelpunkt feines Weltreiches zu gehen. Zwar gibt es in der Konservativen Partei eine gewisse Schule, die an eine engere deutsch-englische Zusammenarbeit einmal in der Zukunft denkt, aber der weite Kreis der Jungkonservativen um den Earl Winterton herum denkt anders, verficht die Weltreichspolitik, erblickt in Rußland den zukünftigen Feind und betrachtet deswegen argwöhnisch jede Annäherungs- bewegungDeutschlandsan Rußland, vor altem auch auf militärischem Gebiete. Das Buch Movilles „Das russische Gesicht Deutschlands", in dem die alten, schon vielfach dementierten Angriffe gewisser deutscher Zeitungen auf die ang:blrchrn Beziehungen des Reichswch.Ministeriums zu Rußland wieder aufgewärmt wurden, hat Deutschland viel Schaden getan, und zwar gerade bei den Kreisen, an deren Verständnis ür deutsche Entwicklungsfragen uns viel liegen otlte. Daher erneute Zurückhaltung und verstärkter Einfluß der Kreise, die zu Frankreich hin- ne.gen, das auf kulturellem und vielen anderen Gebieten noch stark auf die Engländer einwirkt.
Es Ware falsch, wenn man aus Vorstehendem den Schluß ziehen wollte, daß die Zusammen- arbeit m.t England zwecklos sei weil es doch seinen eigenen Weg geht; im Gegenteil ist es durchaus notwenb.g, sich die Pflege der deutsch-englischenBezie Hungen ernstlich angelegen fein zu la,en. aber sachlicher, und folgerichtiger als dies während vieler Jahre in der Dachkr.egspolitik der Fall war. Es ist gänzlich verkehrt, den Engländern irgendwie nachzulaufen, wie dies leider viekerseits in Deutschland gemacht wird, weil der Engländer hierfür ke.n Verständnis hat, Wohl aber ist es ricbiig, ein Verhältnis der gegensei- tigen Achtung zu schaffen, das seine Grundlage meinem gefunden, aber ruhigen £1? t£”lal€rn Selbstbewußtsein hat. Der Mann, der fest und gesund in seinem Heimaterden wurzelt, aber Verständnis für das Denken des anderen hat, wird am ehesten dem Eng- lander Achtung abtrotzen und am besten mit ihm auskommen.
Wie denkt man in Frankreich?
Von unserem v. 6.-Berichterstatter.
Paris, Ende Dezember 1932.
Der DurchsHniltssra. z fe h a t feineeigene Meinung von Deuti^nano. Wenner in die Lage kommt, sich ein Bild von Deutschland zu machen, setzt er eine dicke Drille auf, die die jeweiligen Beherrscher der öffentlichen Meinung verschreiben. Gegenwärtig sind Psychosegläser am weitesten verbreitet, die die Aufschrift „Krieg" tragen. Dur wenige Franzosen verlassen ihr Land, die Mehrheit ist daher darauf angewiesen, zu glauben, was andere sage n. Mit dem Begriff Deutschland ist für den französischen Politiker die Sicherheitsfor- der un g untrennbar verknüpft: der gewöhnliche Sterbliche folgert daraus, daß man jenseits des Rheins nur an Vergeltung denkt. Zu berücksichtigen ist hierbei, daß Franzosen und Deutsche so sehr verschieden voneinander sind, daß sie schwer elften Generalnenner für ihre Anschauungen finden können. Diese Voraussetzungen dürfen bei der Betrachtung des deutsch-französischen Verhältnisses nicht vergessen werden.
Innerhalb der regierungsfähigen Schicht nehmen die Radikalsozialisten, deren Gewicht feit den letzten erfolgreichen Wahlen zunächst jedenfalls ausschlaggebend für die Staatsführung fein wird, den realistischsten Standpunkt Deutschland gegenüber ein. Sie sind klug genug, die Ge
fahren einer Vereinsamung abzuschätzen und wissen, daß Frankreich mit Deutschland rechnen muh, ob es nun parlamentarisch oder anders regiert wird. Man darf jedoch keine zu großen Hoffnungen auf eine beschleunigte Aenderung der französischen Politik an diese Tatsache biüpfen, weil auch diejenigen Politiker, die Deutschland in ihr Rechenexempel einbeziehen, viel zu universalistisch denken. In der Ueberzeugung von einer aus der französischen Devolution abzuleitenden Mission zur Beglückung der Menschheit, bewegen viele führende Franzosen großzügige Gedanken über einen neuen Aufbau Europas in ihren Herzen. Das innerpolitisch zerrissene Deutschland, dessen Entwicklung die französische Oberschicht so gern im voraus erraten würde, bleibt aber eine Un- bekannte, die die französische Gleichung nicht aufgehen läßt.
Ein Teil der führenden Franzosen fühlt die Kräfte des wiederaus strebenden Dachbarvolkes, empfindet das neue Selbstbewuhtsein der deutschen Außenpolitik und den Wettbewerb der deutschen Wirtschaft. Es schlußfolgert, daß die bisherige Behandlung Deutschlands falsch war. Im kommenden Jahr wird es sich zeigen, ob der Wunsch nach Entspannung auch zu einem tatsächlichen Umbruch der französischen Psychologie Deutschland gegenüber erfolgt, für den sich in politischen Kreisen gewisse Anzeichen feststellen lassen. Französische Beobachter behaupten, schon heute gäbe es in Frankreich mehr Anhänger einer Verständigung als in Deutschland.
Rur keine Illusionen über Spanien.
Don unserem v. G. - Berichterstatter.
Madrid, Ende Dezember 1932.
2Iuf ®runb der sogenannten Neutralität Spaniens während des Weltkrieges, eine ‘Neutralität, die in der Hauptsache lediglich in der Dicht- anwendung der bewaffneten Macht bestand, hat sich in Deutschland die Legende der angeborenen Deutschfreundlichkeit Spaniens gebildet. Jedermann, der die Kriegsjahre in diesem Lande der Sonne erlebt hat, weiß, daß von einer wirklichen ‘Neutralität im großen Sinne des Wortes überhaupt nicht gesprochen werden kann, da Spanien v i e l z u schwach war, um sich gegen die Uebergriffe der Entente zu wehren und weil es zu kaufmännisch veranlagt war, um sich die ungeheuren Verdienstmöglichkeiten entgehen zu lassen, die durch andauernde Kriegslieferungen an Frankreich sich boten. Innerlich und überzeugt deutschfreundlich war lediglich der überwiegende Teil des Militärs und der gesamte Klerus, während die Masse der Geschäftswelt sich nur von egoistischen Motiven leiten ließ und die sogenannte „Jntelli- genz völlig auf feiten Frankreichs, von dem es seine Ideale bezog, stand.
Wenn man also in Deutschland auch heute noch glaubt, jeder Spanier komme als vorbildlicher Deutschenfreund auf die Welt, so ist das ein gefährlicher Irrtum. Durch die Devolution sind die „Intellektuellen" in die füh- renöe Schicht aufgerückt, die Armee wurde ihres Einflusses beraubt und der Klerus verdrängt und verfolgt. Solange nun in Deutschland noch der sozialistische Kurs sich behauptete, stand man in den neuen offiziellen Kreisen diesem Deuischland chmpathisch gegenüber, eine Einstellung, die sich ,ofort änderte, als in Deutschland der Rechtskurs eingeschlagen wurde. Mit wehenden Fahnen zog da das amtliche Spanien in das Lager jener Lander, denen Deu!schlands Bekämpfung Tradition geworden ist. Die französische Propaganda tat das ihre, um diesen Prozeß
nach Möglichkeit zu beschleunigen, so daß Spanien hinsichtlich der internationalen Politik heute fast ohne Reserven auf feiten Frankreichs steht.
Dazu kommt, daß man hier in der Einrichtung des Völkerbundes eine ideale Erfindung erblickt, von der man sich im Ernst eine ^Befriedung Europas erhofft. Welche internationale Einstellung das amtliche Spanien heute hat, geht für den, der zwischen den Zeilen lesen kann, ganz klar aus folgenden Neuerungen des spanischen Außenministers hervor: „Spanien unterhält hervorragende Beziehungen zu allen Völkern der Welt. Des onders herzlich ist feine Freund- sa-aft mit den westlichen Ländern, die wie Frankreich und England, in intimerem Kontakt mit uns leben. Wir haben aber dazu noch die Absicht, unsere Beziehungen besonders zu verengen mit Ländern, die wie die Schweiz, Holland, Belgien, Tschechoslowakei, Schweden, Norwegen und Dänemark ein hohes kulturelles Niveau erreicht haben und deren pazifistische Einstellung innerhalb des Völkerbundes mit der unsrigen parallel läuft“. Mit anderen Worten, die französische Politik in Genf soll durch die kleineren Länder un-ter Spaniens Führung unterstützt werden. Von der Unterdrückung Deutschlands durch diesen Verein zur Wahrung bet Entente-Interessen, von der Absicht, in den Kampf gegen dieses uns angetane Unrecht eingreifen zu wollen, ist kein Wort in solchen Erklärungen spanischer Minister zu lesen. Eine Vogel-Strauß-Politik Deutschlands diesen feststehenden Tatsachen gegenüber könnte sich eines Tages bitter rächen. Eine Aenderung in der heutigen spanischen Einstellung kann nur dann erwartet werden, wenn das augenblickliche System hier abgewirtschastet haben wird und die konservativen Elemente des Landes die Zügel der Regierung wieder in der Hand halten. Dis dorthin aber wirb noch reichlich Wasser den Manzanares hinunterfließen.
Sympathie im faschisiischenIialien
Don unserem ^.-Berichterstatter.
Rom, Ende Dezember 1932.
Wenn man das Verhältnis Italiens zu Deutsch- land betrachtet, wird man immer wieder an die -Eatladje antnupfen muffen, daß Mussolini be= reits vor zehn Jahren aus der Vedrückersront der früheren Feindstaaten heraustrat und seinen geistigen Feldzug zur Revision der Fr ledensoer träge begann. Von jenen An- sangen über die Reden von Neapel und Turin, über bie Artikel des Popolo d'Jtaiia" bis zur jüngsten Kriegsichulden-Kundgebung des Großen Fafchifti- jchen Rates mit der erneuten Forderung des „odjmamm örüberl" führt eine gerade Linie. Dieses letzte „schwamm drüber" galt den inler- alliierten Kriegsschulden, wie bas erste die deutschen Reparationen mit einbegriffen hatte
Der letzte französische Annäherungsversuch an Italien, der im November mit der Romreise Verengers und den Reden Herriots ein- fetzle, ist genau so wie die zahlreichen früheren Vorstöße zum Scheitern verurteilt; vielleicht mehr an den politischen Gegebenheiten, als am guten oder sch.echten Willen der Beteiligten. Dieselben Gegebenheiten können Deutschland und Italien ein weites Stück in der Geschichte zusammenführen. Es hat keinen Sinn, gefühlsmäßig über die Zweifel zu stolpern, ob Italien Deutschland
als Gegengewicht gegen Frankreich, als Damm gegen den Bolschewismus, als Mitarbeiter in der barnieberliegenben Wirtschaft, als Mit- und Neuordner auf dem Balkan oder sonst irgendwie nötig hat. Gemeinsame Interessen können und sollen zu aufrichtiger Zusammenarbeit führen.
Deshalb sei kurz festgestellt, wie bas maß- gebende Politische Italien bem heutigen Deutsch- lanb gegenübersteht: Italien wünscht b e n beutschen Wieberaufbau als eine europäische Notwendigkeit. Italien betrachtet bie nationale Bewegung in Deutschlanb mit unverhohlener Symvathie. Italien hat Interesse daran, daß in Deutschland endlich jene innerpolitische Beständigkeit erreicht wird, die es in die Lage versetzt, auch in der Außenpolitik auf weite Sicht folgerichtig zu handeln. Denn wenn auch in den Lebensfragen, wie Reparationen ober Gleichberechtigung, in Deutschlanb b i e große Linie unveränbert blieb, so gab es doch in andern außenpolitischen Dingen Schwankungen und Widersprüche, die eine Zusammenarbeit sehr erschwerten. Es sei nur an die Handelspolitik, besonders die Kontingentierungsfrage erinnert.
Dies ist in groben Zügen, was Italien über Deutschland denkt. Eine Nation, bie es schlecht
Der Beimischungszwang für Margarine
Berlin, 28. Dez. (MTV. Funkspruch.) Zue Förderung der Verwendung inländischer tierischer Fette ist die Reichsregierung durch eine Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten ermächtigt worden. einen Verwendungszwang für Butler bei der Herstellung von Margarine in Ergänzung des schon seit 1. Dezember 1930 bestehenden Verwendungszwanges für Talg und Schmal; anzuordnen. Die Reichsregierung wird ferner ermächtigt, Vorschriften über den Umfang der Herstellung von Margarine, Üunstspeisefctl, Speiseöl, Pflanzenfetten und gehärtetem Iran zu erlassen sowie einen Verwendungszwang von inländischen Oelsaaten in den Oelmühlen anzuordnen. Schließlich enthält bie Verordnung noch Bestimmungen, die die Reklame von Margarine und Kun st speisefetten betreffen, um Mißbräuchen auf diesem Gebiete entgegenzuwirken
Kampf um bie Goldwährung in Südafrika.
Die Noteneinlöf ngspslicht der Staatsbank aufgehoben.
Pretoria, 27. Dez. (WTB.) Rach einer amt- lichen Mitteilung des Schatzamtes ist die Reserve- Bank der Verpflichtung zur Einlöfung von Roten in Gold enthoben worden. 3n der Begründung dieses Schrittes heißt es, infolge der politischen Unsicherheit seien ungewöhnlich große Ankäufe oon Devisen und die Zu- rückziehung von Goldschätzen zu harnst erzwecken vorgenommen worden. Eine Fortdauer dieses Zustandes würde eine außerordentliche Gefahr für die an und für sich gesunde Lage des Kredit- und Bankgeschäftes bedeuten.
In London werden alle Meldungen aus Südafrika über den Kampf um die Goldwährung lebhaft erörtert, wenn sie auch infolge des heutigen allgemeinen Banken- und Börfenfeiertags unmittelbare Rückwirkungen noch nicht gezeitigt haben. Seit einiger Zeit konnte man in London ein sich allmählich verstärkendes Angebot südafrikanischer Pfunde gegen englische Währung beobachten. Der Gedanke, der hinter diesen Umtausch-Transaktionen liegt, ist natürlich der, das Agio auf südafrikanische'Pfunde auszunutzen — gegenwärtig kosten 100 englische Pfund nur etwa 70/10 südafrikanischer Währung — und dann diese südafrikanische Pfunde zurück^uerwerben, sobald die Union die Goldwährung ausgibt.
Mit Interesse wird die Reaktion des Marktes ber sübafrikanischen Bergwerkswerte bei ber morgigen Wiebereröffnung ber Stock Exchange (Wertpapierbörse) entgegengesehen. Die Hoffnungen'auf eine Loslösung von der Golbwährung haben in letzter Zeit zu einer verstärkten Rachfrage nach Aktien solcher Minen geführt, bie verhältnismäßig geringfügige Schätze verarbeiten unb daher infolge einer mit ber Währungsabwertung Hanb in Hanb gehenben Kostenverminberung ihre „Lebensspanne" erheblich verlängern konnten. Die morgige Kursentwicklung bürste baden abhängen, ob bie Börse ber Ansicht ist, baß die letzten politischen unb finanzpolitischen Entwicklungen in ber Union bie Chancen ber Opposition, einen Sturz ber jetzigen Regierung unb ihres Systems herbeizuführen, geschwächt haben ober nicht.
Was auch immer ber Ausgang bes gegenwärtigen Streits fein möge, bie Rückwirkungen auf bie Struktur des sübafrikanischen Wirtschaftssystems können kaum in ihrer Bedeutung unterschätzt werben. In ber Zeit von 1928 bis 1931 ist bie Ausfuhr lanbwirtschaftlicher Erzeugnisse ber Union von 31,8 Millionen Pfund auf 12,9 Millionen gefallen, währenb sich ber Wert ber Golbprobuktion von 44 Millionen auf 46,2 Millionen erhöht hat. Da jeboch bei bem gegenwärtigen Stanb ber Pro- buktionskosten mit einem erheblichen Rückgang der GolberzeWung schon in absehbarer Zeit zu rechnen ist, besteht bie bringenbe Notwenbigkeit, die Wirtschaft durch Entwicklung anderer Industrie- unb Landw.r schaflszwe.ge von bem Gold- bergbau weniger abhängig zu machen, von dem sich heute direkt unb inbiteft bie Hälfte ber Bevölkerung ernährt.
Süd-Afrika Hai den Goldstandard aufgegeben.
Kapstadt, 28. Dez. (MTB. Funkspruch.) 3a einem Interview mit dem Reuter-Vertreter erklärte Finanzmin-ster hawenga, Südafrika sei de facto vom Goldstandard abgegangen, die Banken müßten die Währung auf Gruno der neuen Basis bewerten. Das Regierungsorgan ,ll)ns Vaterland" schreibt: wir befinden uns in derselben Lage wie England im September 1931.


