Ausgabe 
28.11.1932 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

11 feWSdwdjtra.

Schächten in jfinben- m geändert. Es wird Mgsstreike gearbeitet, des halbbefreiten Fül, Vieler hat inzwischen ,,der Zugang zu der hlossenen, der abseits etwa drei Meter vor- r Woithowski befindet er Lage. Körperlich ist ite einige seiner Lieb-

Jahren verteilt.

am Rhein erhielt die »reiben aus Amerita, Erben eines in den nen Deutschen zu er- eit es sich bei dem lahren nad) Hmerila lidenid), bei bereits nad) 80 Satiren, 'öffnet. mitoje

Müllt, war nach

währt.

Das Stadttheater in Gießen spielt gegenwärtig nicht nur in seiner Heimatstadt, sondern auch in Bad-Nauheim, in vielen Abstecherorten und in Darmstadt. Ich freue mich, daß es möglich ge­worden ist, diese Spielmöglichkeiten und damit eine verbreiterte Existenzgrundlage für das Gießener Stadttheater zu schaffen. Ich freue mich insbesondere darüber, daß die Gießener im Sommer in Darmstadt spielen, und daß es ihnen ge­lungen ist, sich auch aus diesem anspruchsvollen Theaterboden eine so einmütig« Anerken­nung zu verschasfen, einen Erfolg, der in kommen- den Jahren sich sicher noch verbreitern und be- festigen wird. Der hessische Staat hat diese Mög­lichkeit, dos Gießener Theater zu fördern, gerne wahrgenommen, zumal es schon seit Jahren trotz besten Willens nicht möglich war, eine Erhöhung der finanziellen Hilfe ein treten zu lassen. Was der hessische Staat in dieser Feierstunde dem Gießener Stadttheater aus vollem Herzen spenden kann und spenden muß, ist

der Dank des ganzen Landes

dafür daß die Stadt Gießen und ihr Theater dazu beigetragen haben, das kulturelle Ansehen des Lan­des zu mehren, und daß sie mit solcher Hingabe und Opferfreudigkeit der deutschen Kunst gedient haben. Glückaufauch für die Zukunft! (Lebhafter Beifall.)

Ein Vierteljahrhunderi Gießener Stadttheater

Oie Jubiläumsfeier zum 25 jährigen Bestehen unseres Bühnenhauses.

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zuteil werden möchte. .

Wenn ich aus der großen Zahl von Privat­personen nunmehr einen Namen nenne, so weih jeder Gießener, aur wen ich ziele: den Mann, der sich die Förderung unseres Etadttheaters geradezu zur Lebensaufgabe gemacht hat, der seit einem Menschenalter als Vorsitzender des Theater­vereins, als Eeschästsführer des ehemaligen Theaterbauvereins und seit ihrem Bestehen als Mitglied der städtischen Theaterdeputation mit unermüdlicher Tatkraft und vollem Erfolge für die Entwicklung unseres Theaterlebens wirkt, Herrn Geh. Hofrat Professor Dr. Fromme. 2hm herzlich zu danken, ist mir eine besonders angenehme Pflicht.

Meine hochgeehrten Damen und Herren? Em noch so schönes, noch so würdiges Theatergebäude kann seinen Zweck nicht recht erfüllen, wenn nicht wahrer künstlerischerGeist in fernen Däm­men waltet. Echter Künstlerge.st ist es ia, ich darf es aussprechen der seit 25 Jahren in diesem Theater lebendig ist. Daß dies der Fall ist, danken wir

zwei männern, deren Name mit der Geschichte des Stadltheaters für alle Zeilen ehrenvoll verbunden bleiben wird:

den einen, den hochverdienten Hofrat Stein- goetter. deckt die kühle Erde; der andere.

; werden.

(®DB.) Die Fühl" en wie der Repa- des Seprälentanten- baldige Ab ft Iw Hebung des u iltion) entschieden, mg wird im Kongreß feiner bevorstehenden rächt werden.

i eine ftyöne Aufgab­en bereicherten.

künstlerischen Ober neuem Programm.

Mrs* «tw begann mit Sibylle Flern Ktz

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Unser Stadttheater hatte gestern seinen großen Tag. 3n Anwesenheit deS Hessischen Etaatsprasi- denten Dr. Adelung. des Finanzmimsters Kirnberger, des Landtagspräsldenten Dr. Werner und zahlreicher anderer Ehrengäste sand vor einer festlich gestimmten Gemeinde von Freunden und Gönnern der fßü&nenfunft m Gie­ßen die Jubiläumsfeier des 25jähri- gen Bestehens unseres Theaters statt. Der Orchesterverein Gießen unter der fein- finnigen Leitung von Universitätsmusikdirektor Dr.Temesvarh eröffnete das Programm mit dem Vortrag einer Serenade (O-Dur, opus 239, I. Satz) von Mozart und gab der Feier damit ' einen wahrhaft festlichen Auftakt.

Hierauf ergriff

Oberbürgermeister Or. Keller

das Wort zu folgender Ansprache: Hochansehnliche Versammlung!

Oie Offenhaltung der Läden

an den drei Sonntagen vor Weihnachten.

Das Polizeiamt teilt mit: Auf Grund des § 105b, Absatz 2 der Reichsgewerbeordnung ist für alle Ge- werbezweige des Handelsgewerbes der Gewerbe- betrieb in offenen Verkaufsstellen, die Beschäftigung von Gehilfen Lehrlingen und Arbeitern am Sonn- tag, 4. Dezember 1932, am Sonntag, 11. Dezember 1932, und am Sonntag, 18. Dezember 1932, in der Zeit von 12 bis 18 Uhr gestattet. Die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern bet der Herstellung von Back- und Konditoreiwaren ist auch an diesen Tagen verboten.

Mozart Abend

der Gesangschule Frau Herta Meyer.

Bei dem Mozart-Abend, den Frau Herta Meyer am Donnerstag veranstaltete, war eine Kunst- gemeinde versammelt, die in vorbildlicher Weise zeigte, wie Mozart-Musik auch im häuslichen Kreise gepflegt werden kann, welch köstliche Perlen gerade auch seine Opern für die Hausmusik enthalten. Es ist nicht gleichgültig, ob ein Musikabend ein buntes Potpourri bietet, ober ob das Programm wie man es hier im Krippensaal erlebte mit feinem Verständnis nach einheitlichem Leitgedanken orien­tiert und dementsprechend stilisiert ist: Mozart als Lyriker (Liederkomponist) und Mozart als Drama- titer) (Opernkomponist). In jener Hinsicht erlebte man den Reichtum und die volkstümliche Innigkeit seiner Melodien, in dieser Hinsicht wurde durch ty­pische Musikbeispiele der Opernkomponist gefeiert, der eigentlich erst das Problem der Oper gelost hat, inbem er als erster musikalisch« Charaktere m der

^Als^erantwortlich für die Darbietungen zeich­neten Herr Franz Baue r jun. für die Wtjumen ale Besetzung, Frau Elfriede Fischer für die Klamer- begleitung und Frau Paula r a n k e - Z o n d e r - van für künstlerische Einstudierung. Beginnen wir mit einer Im Programm nicht erwahnttn Dame d.e aber doch als Tonbildnerm für bie Veranstaltung von verantwortlicher Bedeutung ist, da sie ,a doch die grundlegende stimmbildnerische Tätigkeit geleistet hat: Frau Herta Meyer selbst. Gerade die muhe- volle, hingebungsvolle Kleinarbeit 'st es, welche bitter not tut, um das Stimmorgan zur Hergabe eines lockeren, biegsamen, tragfahigen, wohllauten­den Gesangstones zu erziehen. Zufammenfaßend sprechen wir in dieser Hinsicht Frau Meyer bestes pädagogisches Können zu. Zu einem guten San-

«in wichtiger Gedenktag in der kulturellen Entwicklung unserer Stadt.

Er gibt Anlaß, den Blick aus diesem Raum hinaus zu lenken auf die Gesamtheit des kulturellen Lebens unserer Stadt und dabei sich d e r Männer zu erin­nern, die seit Jahrzehnten die kulturelle Entwicklung der Stabt Gießen eifrig gefördert haben. Ihrer sind viele. Aber unter diesen Vielen ragen drei hervor, bie sich besonbers oerbient gemacht haben, brei Mit­bürger, denen bie Stadt Gießen feif mehr als vier Jahrzehnten eine zweite Heimat geworben ist, Mit­bürger, bie mit ihren hervorragenben Kräften alle- zeit treu für unsere Stabt gewirkt haben unb bie, wie wir alle hoffen, noch viele Jahre ihre reiche Erfahrung bem Kulturleben unserer Stadt nutzbar machen werden. In dankbarer Anerkennung dieser Verdienste hat der Stadtrat auf meinen Antrag be- schlossen, diesen drei Mitbürgern eine Ehrung seitens ber Stabt zuteil werben zu lassen, und ich habe demgemäß auf Beschluß des Stadtrates vom 25. Ro- oember lv32 für Verdienste um die Stadt Gießen

die Lhrenplakelte der Stadt Gießen

verliehen den Herren: Geheimerat Professor Dr. B e h a g h e l, Geheimer Hofrat Professor Dr. Fromme, Geheimer Kirchenrat Professor Di;. Krüger. ~

Hochgeehrte Anwesende! Draußen über ber (Ein­gangspforte bes Stabttheaters stehen schlicht und wahr unb Mahnenb bie vier Worte:Ein Denkmal' bürgerlichen Gemeinsinns". Gemeinsinn unb Opfer- Wille der Bürgerschaft haben von 25 Jahren dieses Theatergebäude erstehen lassen. Gemein sinn bares Erbteil unserer Bürgerschaft sein! (Lebhafter $ 5)arm trat, von lebhaftem Beifall begrüßt,

Staatspräsident Or. Adelung

zu folgender Ansprache vor den Vorhang:

Meine sehr verehrten Damen und Herren, es bedeutet sür mich eine ganz besondere Freude, Ihnen im QCamen der hessischen Staatsregrerung und zugleich im Ramen der Derwaltungskommif- sion des Hessischen Landestheaters bie herz, liebsten Glückwünsche zu dem 25iah- rigen Bestehen des Gießener Stadt- tbeaterS aussprechen zu können. Ich beglück­wünsche die Stadt Gießen zu ihrem ausgezeichne­ten Kunstinstitut, das vor nunmehr 25 Jahren durch einen vorbildlichen Opsersi nn der Bürgerschaft ins Leben gerufen wurde und das trotz des wechselnden Schicksals, das wahrend dieser Zeit über Stadt und Land hingegangen ist, in seinem schonen Hause ohne Unterbrechung der Kunst gedient hat. Ich beglückwünsche das Stadttheater, seinen tüchtigen und bewährten Lei­ter und alle seine Mitglieder, die es verstanden haben, in unermüdlicher und begeisterter Arbeit und mit bescheidenem Aufwand diesem Hause einen ausgezeichneten Auf zu ver- schassen.

Ich kann nur hoffen unb wünschen, daß der schöne Optimismus, der zur (Brünbung unb Durchhaltung des Gießener Stabttheaters ge­führt hat, sich auch in ber Zukunft behaupten wirb, und bah der gute Geist, ber in biesem hause im Dienste der dramatischen Kunst herrscht, weiter walten möge.

Die deutschen Theater haben mit schweren Sor­gen zu kämpfen, und das Gießener Stadttheater und die Gießener Theaterverwaltung sind von die­sen Sorgen nicht verschont geblieben. Das Olot- gespenst, das vielen deutschen Theatern verderb­lich zu werden droht, ist noch nicht gebannt. Aber eines kann man sagen:

der schwere Kampf um den Bestand der deut­schen Theater hat zu der Erkenntnis geführt, daß die Theater aus dem deutschen Geistes­und Kunstleben nicht wegzudenken sind.

Die Kämpfe um di« Theateretats haben alle Kräfte mobil gemacht, bie verfügbar waren. Die Träger der Theater, di« Stadt- unb Länderparlamente haben immer wieder Mittel bewilligt, das Publikum hat immer wieder fein« Treue bewahrt unb die Leitungen, Vorstände unb Schauspieler haben unter zum Teil sehr großen persönlichen Opfern bas Beste und bas Wirksamste für bas Theater getan, indem sie unermüdlich auf die Steigerung ber Leistung bedacht waren. Im Theater hat sich bie gemeinschaftbilbenbe Kraft eines ein- , heittichen unb entschlossenen Willens beispielhaft be-

ger bzw. einer guten Sängerin gehört eher auch, baß sie nicht nureinen schönen Ton haben , son- bem daß sie auch gewissen musikalischen Ansorbe- rungen genügen. Hier würbigen wir Frau Fr an k e° Zonbervans glückliche Tätigkeit in ber fünft lerischen Gestaltung ber Gesänge. In diesem Zusam- menhang gehört auch Frau Elfriede Fischer lo- benb erwähnt, bie ohne Zweifel einen sehr umfang­reichen Anteil bei der musikalischen Vorbereitungs- unb Einstudierungsarbeit hatte unb bie Klavier­begleitung so roürbig bot. Daß Herr Frz. Bauer sein vielseitiges musikalisches Können in ben Dienst ber Sache stellte, dürfte ihn als Musik­pädagogen empsehlen. Hier schätzte man ihn wie­derum als feinsinnigen Orchester- und Ensemble­leiter ber mit sicheren Intentionen vokale und in­strumentale Elemente eines Werkes zu einheitlichem Konzertieren zusammenzuhalten versteht. Die Mit­wirkung seines wohldisziplinierten Stammet- vrchesters sei noch besonders erwähnt, da hier­durch eine Driginalroiebergabe der Werke mit Orchester ermöglicht wurde.

Reben den musikalischen Führern konnten auch bie Schüler gut bestehen. In Frau W o e l k e schätzen wir eine Sängerin, deren warme Altstimme fünft- lerisch durchgebildet ist Frau v. R e k o w s Inter- pretation unb Auftreten finb vornehm, der Ton ebel, die Auffasfungsgade verrat vorzügliche Ein­fühlung in den dramatifchen Charakter ber Partien. Eine Schülerin, ber eine aussichtsreiche Zukunft bevvrstehen dürfte, ist Frl. Franke. (Mit bereits Stünftlerreife gesungenen Koloraturen!) Herr Lust verfügt über lockere, mühelose Tongebung und trägt fein vor. Herr Bambei s herrliche Baßstimme dürste bei etwas mehr beschwingter Tongebung noch mehr zur Geltung kommen (guter Vortrag im Schlußterzett!). - Frl. M a n g e l s - dorf hat gute Veranlagung für bas Soubretten« fach. Die Koloraturen werben nach gewissenhafter Schulung noch genauer laufen. Frl. Haase: trotz Inbisposition natürlich naiver, liebevoller, gc« winnenber Vortrag. Herr Wagner: guter lyrischer Einschlag. Weiterhin fleißiges Studium wirb bem noch etwas eingeengten Ton zu lockerem Ansatz und größerer Tragfähigkeit verhelfen. Frl. Wohlfahrt: routiniertes Auftreten unb sichere Interpretation! Frl. Zwang: gut ent- wickelter^onsinn unb beachtliche Musikalität, warme Tongebung, sympathisches Auftreten. Ablegung bes etwas zu reichlichen Iremolierens wirb bie Leistung noch wirkungsvoller gestalten. Frl. Wöhr­mann, bie recht innig fang, hat Aussicht zu guter Leistung. Sm.

Koblenz unb Hanau ist bie Gießener Bühne bas einzige berartige kulturelle Bollwerk, bie einzige Stätte, auf bem bie geistigen Kämpfe unserer Zeit ausgefochtcn, bie großen geistigen Werte ber Ver­gangenheit aufs neue geboren werden können.

Es war unb ist von jeher bie Aufgabe bes Theaters,

nicht nur eine Stätte der Unterhaltung, sondern vielmehr der geistigen Konzentration, der an­regenden Diskussion und einer sozialen Formung zu sein, in dem konkreten Geschehen der Gegen­wart das Ewige auszusuchen und zu gestalten.

unb durch bie Kraft biefes seines künstlerischen Ge­staltens alle Schichten ber Bevölkerung au einer Schicksalsgemeinschaft zusammen zu schweißen und im innersten Erleben zu bereichern.

Dies ist das Programm, dies bie kulturelle Aufgabe, bie Mission, bie schon in ben Ur­anfängen aller Theaterkultur in Gießen verankert war und bie zu erfüllen wir heute wie bamals be­rufen sind.

Gestützt unb getragen von bem Vertrauen ber Stabt Gießen, ber bie Unterhaltung feines eigenen Stabttheaters" nicht ein nobile officium, fonbern ein burch Trabition unb Dpferfreubigfeit ihrer Bür- ger ins Leben gerufenes unb anoertrautes Gut be- beutet als Pfleg- unb Pflanzstätte ber Kunst für bie Stabt unb bie hessische Lanbesuniversität, für ben Kreis unb die ganze oberhessische Provinz, dienen mir alle bie Männer bie vor, wie bie Män­ner, bie hinter ben Scheinwerfern stehen! ber uns überkommenen Aufgabe, stolz und verantwor­tungsbewußt mit bem Einsatz unseres ganzen Kön­nens. Dies ist uns am heutigen Tage fei es hier in breitester Öffentlichkeit ausgesprochen und aufs neue gelobt nicht Pflicht, fonbern freubiges Bekennen. ,, ,

Unsere Leistungen fallen Ihnen Zeugnis ablegen!

(Lebhafter Beifall.)

Einen eindrucksvollen

Querschnitt durch die markantesten Ausführungen

der vorigen und der diesjährigen Spielzeit bot die nun folgende Auswahl aus dem großen Re­pertoire des Stadttheaters. Man sah nachein­ander: die erste Wirtshaus-Szene aus Rieber- gallsDatterich" (Regie und Titelrolle: Hub): die große Szene bei Hoprecht aus Zuckmahers Hauptmann von Köpenick" (Regie: der Inten­dant: Voigt: Fassott: Hoprecht: Hauer): die Kirchenszene aus BrucknersElisabeth von England" (Regie: der Intendant: Philipp von Spanien: Heyser: Elisabeth: Maria Koch): die Strahenszene aus(Sgmont" (Regie: der In­tendant: Klärchen: Beatrice Doering) und, nach einem schwungvollen Orchestervorspiel, die Rütli-Szene aus »Teil" (Regie: Fassott: Stauffacher: Fassott: Melchthal: Egge­rn ann: Rösselmann: Geiger). Sämtliche Auf­führungen fanden starken Beifall. Die triumphie­renden Schlußtakte aus Beethoven«Ggmont - Ouvertüre, vom Orchesterverein wirkungsvoll zu Gehör gebracht, bildeten den Ausklang der über­aus würdigen Jubiläumsfeier.

Theater-Ausstellung.

Während der Pause hatte man Gelegenheit, die im Foyer und den Wandefgängen eingerichtete, interessante Theater-Ausstellung zu besichtigen, die sehr sehenswerte Einblicke in die künstlerische und technische Arbeitsleistung der Bühne gewahrt und den in der Festschrift niedergelegten Rechen­schaftsbericht sinnfällig illustriert. Man findet hier vergilbte Programmzettel aus verschollenen Spielzeiten, Figurinen und Kostüm-Entwurse (Hube r), zahlreiche S^enenphotographien, außer­ordentlich instruktive, plastiscl)« Bühnenbild-Mi­niaturen (Löffler), Kostüme, Rüstungen, Uni­formen aus dem Fundus, viele Lichtbilder ein­heimischer und auswärttger Darsteller ausge- arbcitete Regiebücher, Briefwechsel mit Autoren u a m. alles in allem: ein farbiges und impo­nierendes Bild von der vielseitigen künstlerische Gemeinschaftsarbeit an unserem Stadttheater. hth.

Intendant Dr. Prasch, steht lebens- und schaf­fensfreudig unter uns, gewillt und befähigt, den künstlerischen Hochstand unseres Theaters, den wir ihm danken, auch in schwerster Zeit zu bewahren.

Hochverehrte Anwesende! Sie alle wißen, daß eine Stabt wie Gießen nur gebeihen kann, wenn ein mächtiger, breiter Strom kulturellen Lebens sie durchflutet, wenn Wissenschaft und Kunst in er­freulicher Mannigfaltigkeit in ihr grünen unb blühen unb Geist unb Gemüt emporheben über bie Not unserer zerrissenen Zeit. Der heutige Tag ist

25 Jahre sind vergangen, seitdem diese- Theatergebäude errichtet worden ist und einem mächtigen Aufschwung unseres Theaterlebens Raum gegeben hat. Wir sind versammelt, um diesem denkwürdigen Ereignis eine schlichte Er- innerungsstunde zu widmen. Und wir feiern mit Recht! Denn, wenn aus kleinen, we.t zurückliegenden Anfängen in langsamer, somit naturgemäßer Entwicklung unser Theaterwesen dank dem Verständnis und Interesse der Devol- kerung immer mehr Fortschritte erzielen konnte, wenn dank einer beispiellosen Opferw.lligkeit der Vüegerschaft nach Entwürsen der Wiener Archi­tekten Fellner und Helmer und des Gie­ßener Architekten Hans Meyer dieses Theater­gebäude schön und zweckmäßig geschaffen wer­den konnte und dann in diesem würdigen äuße- ren Rahmen die künstlerischen Darbietungen von Jahr zu Jahr zu erfreulicher, anerkannter Höhe emporgedeihen konnten, wenn in den letzten Jah­ren wirtschaftlicher Rot, der so manches Kultur- qut in Deutschland zum Opfer fiel, der künst­lerische Hochstand unseres Stadttheaters tapfer durchgehalten werden konnte, dann, verehrte Anwesende,

haben die Skadk Gießen und ihre Bürgerschaft gerechten Anlaß, mit Freude unb mit Stolz solcher Entwicklung zu gedenken.

Ich begrüße herzlich alle, die gekommen sind, diese Gedenkfeier mit uns zu begehen. Beson­ders willkommen heiße ich die Herren Staats­präsident Dr. A d e l u n g , Finanzmimster Äirn- berger und Landtagsvräsident Dr. Werner, drei Herren, die die kulturellen Belange un­serer Stadt, wie sie in der Landesuniversttat und im Stadttheater vornehmlich verkörpert sind, stets gefördert haben.

Hochverehrte Anwesende! An einem 3udi- läumstage hält man gern besinnlich und Prüferw Rückschau auf die Vergangenheit. Doch ich muß, so angebracht und verlockend es wäre, wegen der k appen mir zur Verfügung stehenden Zeit mir längere Ausführungen versagen und auf die Festschrift verweisen die Herr Dramaturg Wolfgang Kühne zum heutigen Tag versaßt hat und die geradezu

ein Stück hessischer unb Gießener Kulturgeschichte barstellt.

Meine Ausgabe ist, mit kurzen Worten der Pflicht des Dankes zu genügen. Wahrlich, die Fülle des Dankes ist grohl Ich danke vor allem der Gießen erDürgerschast. Dne Bürger­schaft ist es, die von jeher unserem Theaterleben großes Interesse entgegengebracht und durch opferwillige Tat bekräftigt hat. Ich danke den früheren Stadtverordeten - Ver­sammlungen und dem jetzigen Stadt- r a t welche die Mittel für den Theaterbetrieb berei<geftellt haben. Es ist eine Ruhmestat des gegenwärtigen Stadtrates, daß er trotz ber fi­nanziellen Rot, unter der mit allen deutschen Ge­meinden auch die Stadt Gießen leidet, durch De- Billigung des erforderlichen Zuschusses unser Stadttheater am Leben erhält.

Besonders herzlichen Dank sage ich der hes­sischen Staatsregierung und dem Landtage, die duvch Bewilligung eines Bei­trages und noch auf andere Weise die ^rrchsuh- tunq und Aufrechterhaltung unseres Theater­betriebs ermöglichen. Die dairkenswerte Anwesen­heit deS Herrn Staatspräsidenten, des Herrn Sr- nanzministers und des Herrn Landtagsprasioenten beweist mir, daß diese Herren warmes Interesse an unserem Stadttheater nehmen und gewiß auch weiterhin betätigen werden.

Ausrichtigen Dank schulden wir der Pro­vinzialverwaltung und der Kreisver­waltung, deren Teiträge wir immer begrüßen, weil sie uns notwendig und angebracht erscheinen. Die Zahl der Privatpersonen, die als Spender oder in sonstiger Weise warmherzigen Qlnteil an unse­rem Theater nehmen, ist erfreulicher Weise groß, so groß, daß es unmöglich ist, alle Ramen ywr zu nennen. Aus tiefem Herzen sage ich allen, be­sonders den Stiftern, aufrichtigen Dank nnt dem ich die Ditte und Hoffnung verbinde, daß viele willkommene Unterstützung uns auch in Zukunft

Anschließend hielt

Intendant Or. proto

die folgende Ansprache:

Meine sehr verehrten Damen und HerrenI

Der BegriffStadttheater" als eines von einer Stadtgemeinde in eigener Verwal­tung geführten Theaterbetriebes ist von we­nigen Ausnahmen abgesehen erst das Ergebnis unserer Zeit und jüngsten Entwicklung. Gewiß hatte auch vor Krieg und Revolution die Mehrzahl der deutschen Städte eine Bühne, die den Ramen Stadttheater" führte: doch verdiente diese De- zeichnung eigentlich nur das Gelände, das von der Gemeinde für diese Zwecke bereitgestellt oder zumeist wohl aus repräsentativen Gründen errichtet worden, also städtisches Eigentum war. Der Betrieb dieser Bühnen jedoch war mehr oder weniger Sache eines Privatunternehmers, der zu der städtischen Verwaltung nur in dem losenVer- hältnis eines Pächters stand, in künstlerischer wie in finanzieller oder gar sozialer Hinsicht aber kei­nerlei Verantwortung der Stadt gegenüber trug und zu tragen hatte. Die Gefahren für einen sol­chen von der Konjunktur abhängigen Betrieb liegen auf der Hand und seine Bezeichnung als einesstädtischen" entsprach in keiner Weis« seinem innersten Wesen und Wert.

Es ist nun bezeichnend für unsere Gießener Dheaterverhältnisse, daß hier die Entwicklung, die zur Errichtung dieses Hauses, dessen 25jähri­ges Jubiläum wir heute festlich begehen daß in Gießen die Entwicklung, die zu unserem Stadttheater führte, eine ganz andere gewesen ist als gemeinhin sonst im Reich.

Wenn Sie unsere Festschrift zur Hand nehmen, die ein Stück Gießener und oberhessischer Kul­turgeschichte in knappen Umrissen auf zeigt, so finden sie die Tatsache verzeichnet, daß in Gießen der Kunst Thaliens nicht wie zumeist in anderen Städten und Gauen unseres Vaterlandes durch reisende Schauspielergesellschaften der Weg be­freitet wurde, sondern daß

von der Bevölkerung selbst, unb zwar von ber 3 u g e n b, von Schülern unb Stubenteu unter Führung ihrer Professoren bie Initiative hierzu ergriffen würbe.

Dieser Ursprung und Beginn, der die sonst üb­liche Possenreißerei verpönte und der Theater- kunst unter der Führung eines klassisch gebil­deten Gelehrtenstandes auch in der Auswahl des Spielplans die Wege ebnete und wies, ist be­zeichnend und richtungbestimmend geblieben bis in die heutige Zeit.

So ist auch das GießenerStadttheater , wie es vor nunmehr 25 Jahren erstand,

das ureigenste Werk der gesamten Gießener Bevölkerung.

Sie hat es sich selbst aus eigener Kraft und im Be­wußtsein ihrer Berufung als geistiges Zentrum der Provinz Oberhessen unter der Führung von tultur- und kunstbegeisterten Männern und Frauen er- schaffen als einDenkmal bürgerlichen ©emeinf Inns", und es ist auch kein Zufall, sondern aus Ursprung und Werden allein zu ver­stehn, wenn feine Eröffnung in dem 300. Jubi­läumsjahr der hessischen Landesuniversitat gesckah. Hüter und Verwalter dieses, unseres Gie- ßenerStadttheaters" aber wurde die Stadt, die es in zielbewußtem Festhalten an dem in glück- lichereren Zeiten Erschaffenen verstand, es allen Gewalten der Krisenjahre zum Trotz nicht nur zu erhalten, sondern auszubauen und aus ihm

das Theater Oberhessens wie ber angrenjettben preußischen Provinzen

zu schaffen: zwischen Frankfurt und Kassel, zwischen