doppelt hat. Zweifellos hat der Hirtenbrief des Bischofs von Lüttich, der den Katholiken eine Stimmabgabe für eine andere Lifte als die der Katholischen Union verboten hat, Einfluß auf das Wahlergebnis gehabt.
Die Zahl der ungültigen Stimmen, die 1929 nicht weniger als 1500 betrug, ist diesmal wesentlich zurückgegangen. Seit 1929 hat außerdem eine Einwanderung von mehr als 1000 Stimm- berechtigten stattgefunden, die zum großen Teil aus Altbelgien gekommen sind. Die Stimmabgabe für die Christliche Dolkspartei ist nur für die Beurteilung der politischen Lage in den drei Kantonen von Interesse. Praktische Aussichten auf einen Wahlerfolg bestanden nicht, da ja mindestens 40 000 Stimmen notwendig wären, um einen Abgeordneten ins Parlament zu entsenden. Erst wenn man das Ergebnis des Wahlkreises Verviers, in den die drei Kantone eingegliedert sind, kennt, lassen sich die Aussichten insbesondere für die abstimmungsfreundlichen Sozialisten beurteilen.
Die SPD. Badens lehnt das Konkordat ab.
Die Landtagsfraktion fügt sich.
Vaden. 27. Nov. (TU.) Der seit Wochen andauernde Streit über die Annahme oder Ab- lehnung des badischen Konkordats innerhalb der Sozialdemokratie fand am Sonntag auf dem Offenburger Parteitag der SPD. eine eindeutige Klärung. Trotz der ultimativen Drohung des badischen Zentrumsführers Föhr, daß bei Ablehnung des Konkordats die seit 14 Jahren bestehende Koalition automatisch g e l ö st sein werde, hat der Parteitag der SPD. folgenden Beschluß gefaßt: „Das Zentrum hat den sozialdemokratischen Parteitag vor ein Ultimatum gestellt, auf das dieser nicht anders als mit einer glatten Zurückweisung antworten kann. Die sozialdemokratische Faktion des Badischen Landtags nimmt im Plenum bei der Abstimmung über die Staatsverträge (Konkordate) sowohl bei dem Konkordat mit der katholischen wie mit dem der evangelischen Kirche unter Durchführung des Fraktionszwanges und mit der Verpflichtung der T e i I- nahme sämtlicher Fraktionsmitglieder an der Abstimmung gegen dieselben, also mit „Bein" Stellung. Alle übrigen, zum gleichen Punkt der Tagesordnung gestellten Anträge sind damit erledigt."
Namens der badischen Landtagsfraktion gab Abgeordneter Marhlof dazu folgende Erklärung ab: „Der Landesporteitag hat gegen di« Auffassung der Mehrheit der Fraktion entschieden. Die gegenrevolutionäre Lage in Deutschland erfordert die geschlossene Abwehrfront der Arbeiterklasse und damit auch die engste Verbundenheit in der sozialdemokratischen Partei. Diesem Gebot fügt sich die gesamte Landtagsfraktion und damit auch dem Willensausdruck des Landesparteitages, im Landtag gegen die Konkordate zu stimmen.
Wieder Zuchthaus gegen Bullerjahn beantragt.
Leipzig, 26. Nov. (TU.) Im Wiederaufnahmeverfahren gegen den früheren Oberlagerverwalter B u l l e r j a h n aus Berlin wegen Landesverrats beantragte Reichsanrvalt Nagel nach mehrstündigen Ausführungen für den Angeklagten Bullerjahn unter Aufrechterhaltung des früheren Urteils 12 Jahre Zuchthaus und Derluft der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren. Der bereits verbüßte Teil der Strafe sei anzurechnen. Der Reichsanwalt erklärte, daß er auf Grund der neuen Hauptoerhandlung zu der festen Ueberzeugung gekommen sei, daß Bullerjahn den ihm zur Last gelegten Landesverrat begangen hat.
Deiner Hände Werk Vornan von Klothilde von Stegmami'Stein. Copyright by Martin Feuchtwcmger, Halle (Saale)
27 Fortsetzung Nachdruck verboten
Wie lange Erika gefahren war — sie wußte es nicht. Da endlich kam die Biegung, Hauser am Ufer — da ein Bootshaus, schneeweiß im Mondschein. Mit letzter Kraft steuerte sie auf das Land S-u, zischend schlug das Wasser gegen das Ufer.
Da riß sie das Steuer herum und drosselte den Motor. Hart lief das schlanke Boot aufs Land auf: in dem Stoß des Anpralls glitt Erika zurück, ihren ohnmächtigen Händen entglitt das Steuer, und schwer schlug sie mit einer tiefen Ohnmacht auf den Boden der Jacht.
Der Prokurist Degener wurde früh um sieben Uhr durch ein gellendes Klingeln aus dem Schlafe geschreckt.
„Eilbrief, Herr Degener!" hörte er draußen die Stimme des alten Postboten Pöhlchen. Degener nahm dem Manne den Brief ab, riß im Zimmer den Umschlag auf. Sein Gesicht zeigte zuerst den Ausdruck völligen Nichtbegrci ens, aber dann wurde er mit einem Buck sehr wach.
Er raste zurück ins Schlafzimmer und zog sich in fliegender Eile an. Wenige Minuten später weckte er Fritz, den jungen Kutscher und Chauffeur, der in einer kleinen Stube über den Garagen schlief. Wieder wenige Minuten später sah man Fritz mit langen Sprüngen aus seiner Stube kommen; im Haare hingen ihm noch ein paar Federn und sein Anzug war ganz gegen seine sonstigen Gewohnheiten schief zugeknöpft.
Degener rannte in schnellen Schritten vor der Garage auf und ab. So schnell wie heute hatte Fritz den Wagen noch nie herausgebracht. Kaum sah der Prokurist Degener drin, da fuhr Fritz auch schon los. Er fuhr wie der Teufel: um die Ecke, vorbei am Bremerschloß, das noch mit herabgelassenen Fensterläden dastand — in die Stadt hinein.
Zuerst hielt er vor dem Polizeigebäude. Dort hatte Degener eine kurze eindringliche Unterredung mit dem leitenden Beamten.
„Weiter weiter. Fritz!" befahl er, wieder in das Auto hineinkletternd. Und Fritz fuhr in einer durchaus unvorschriftsmähigen Schnelligkeit durch vae noch morgenstillen, dunklen Straßen der Stadt und hinaus, die Chaussee entlang.
sie über die Brücke kamen, unter der der Fluß schäumte, wandte sich Fritz um und deutete nut der Hand stumm hinüber: jenseits, an der Wasserfrvnt, die den Hof des Bremerwerkes ab- grenzte, stand trotz der morgendlichen Frühstunde
0er neue Generalgouverneur von Irland.
London, 26. Nov. (TU. Funkspruch.) König Georg hat den Kolonialwarenhändler Donald D u ck l e y aus dem irischen Städtchen Mahn- noth zum Generalgouverneur vonJr- land ernannt. Die Ernennung erfolgte ver- fassungsgemäß auf Vorschlag der irischen Regierung. Buckley legte bereits am Samstag den Treueid auf König Georg ab. Duckley ist ein Freund de Daleras und hat an der irischen Osterrevolution von 1916 teilgenommen. Er wurde lange Zeit interniert und schloß sich nach seiner Freilassung wieder der irischen republikanischen Armee an. Er wurde zweimal zum Abgeordneten im Irischen Landtag gewählt und stimmte 1922 gegen die Annahme des englisch-irischen Vertrages. Die Ernennung Buckleys, der in Irland sehr volkstümlich ist, rief große Ueberraschung hervor.
Aus oller Well.
Freispruch
im Hofgeismarer .,Pan;erwagen"-Prozeß.
Das Hofgeismarer Amtsgericht verhandelte in der sogenannten „P a n z erw a g en" - A n g e - legen he it , die im Juli dieses Jahres großes Aufsehen erregt hatte. Wie erinnerlich, hatten sich einige Mitglieder der NSDAP. einen „Panzerwagen" gebaut, um auf ihren Fahrten zu Versammlungen gegen etwaige Heberfälle geschützt zu sein. Bei dem „Panzerwagen" handelt es sich um einen alten Lastkraftwagen, der mit einer doppelwandigen, 5 Millimeter starken Eisenblech- Haube versehen und dessen Zwischenwände mit Sägespänen ausgefüllt waren. Im Verlaufe des Prozesses wurde von Sachverständigen er- llärt, daß der Wagen nicht als „Schiehgerät" bezeichnet werden könne, auch besitze er nicht die Haupteigenfchaften eines Panzerwagens. Der Staatsanwalt hielt zwar kein Vergehen gegen das Kriegsgerätegesetz, aber doch einen groben
Unfug als vorliegend. Er beantragte daher gegen bi« vier Nationalsozialisten eine Geldstrafe und Einziehung des Panzerwagens. Das Gericht schloß sich der Auffassung des Staatsanwalts nicht an und sprach sämtlich« Angeklagten frei. Braunschweiger Hochschulprofessor wegen Dienstvergehens entlassen.
Dor der Dienststrnfkammer'sür nichtrichterliche Be- amt« wurde in Braunschweig ein D i e n lt st r a f - verfahren gegen den früheren Rektor der Technischen Hochschule Braunschweig, Professor Dr. Schmitz, ein geleitet. Prof. Schmitz, der seit 1921 einen Lehrstuhl für mechanische Technologie inne hat, erhielt 1928 von der Sowjetregierung einen Ruf zur Errichtung eines modernen Konstruktionsbüros; er führte im Auftrage Sowjetrußlands wichtige Arbeiten durch, lehnte aber eine Berufung nach Rußland ab. Aus dieser nebenamtlichen Tätigkeit entstanden Prof. Schmitz Auseinandersetzungen mit dem Reichswirtschaftsministerium. Auch wird Prof. Schmitz zum Borwurf gemacht, zu privaten Arbeiten staatliches Eigentum und staatliche Unterstützung benutzt zu haben. Weiter soll Prof. Schmitz die Absichten des braunschweigischen Ministeriums bei der Besetzung der freigewordenen Professur für praktische Pädagogik an der Technischen Hochschule durch Mitteilungen an die Presse durchkreuzt haben. Nach mehrstündiger Verhandlung wurde folgende Entscheidung verkündet: Der Angeschuldiate wird wegen Dienstvergehens zur Strafe der Dienst- e n t l a s s u n g verurteilt. Dem Angeklagten wird auf Lebenszeit die Hälfte derjenigen Bezüge belassen, die ihm zustehen würden, wenn er bei Eintritt der Rechtskraft des Urteils von seinen Amtspflichten entbunden werden würde. Die Urteilsbegründung erfolgte in nichtöffentlicher Sitzung, zu der auch die Presse nicht zugelassen wurde.
(Ein Todesopfer auf den Delbrück-Schächken in Hindenburg.
Der in den Delbrück-Schächten in Hindenburg ein- geklemmt liegende Füller W o i t h o w s k i ist am Montagmorgen an Herzschwäche gestorben. Die übrigen Rettungsarbeiten gehen weiter.
Aus der proviuzialhauptstadt.
Schlaflosigkeit - Leiden unserer Tage.
Don Or. med. Otto Vierlingen
Die Schlaflosigkeit — früher mehr eine Art von Luxuskrankheit — ist in dieser unruhigen, lärmerfüllten und sorgenvollen Zeit ein Massenleiden geworden. Immer weiter greift diese chronische und quälende Krankheit um sich. Jeder Arzt weiß, daß das Verlangen nach Schlaf- und Beruhi- gungsmitteln in den letzten Jahren ganz außerordentlich angewachsen ist. Schlaflosigkeit — ist ost nur die Angst vor dem Wachbleiben, Schlafsucht der Drang, ein unwillkommenes und düsteres Bewußtsein wenigstens zeitweise auszuschalten. Für viele Menschen ist die kurze Zeit vor dem Einschlafen der einzig« Augenblick des Tages, an dem sie mit fick allein sind, zu sich kommen können, und es ist nur begreiflich, daß das heute nicht immer eine erfreuliche Begegnung mit sich selbst wird. Die Ablenkung durch Arbeit, der Zwang, vor fremden Menschen die Haltung zu bewahren, find verschwunden, und über die fehlenden Dämme hinweg fluten die Sorgen auf uns ein.
Oft hält man für Schlaflosigkeit, was in Wirklichkeit nur eine natürliche Herabsetzung der Schlafdauer bedeutet. Denn jedes Alter braucht seinen eigenen Schlaf. Der Säugling schlaft fast ununterbrochen, ein einjähriges Kind 18 Stunden, für das 2. bis 5. Lebensjahr reichen 14, für das 5- bis 6. 12 Stunden, für das 1. bis 14. Jahr 10 Stunde^, für das 15. bis 50. 8 Stunden, für das 50. bis 60. 5 bis 6 Stunden, und für das
höhere Alter nur 3 bis 4 Stunden. Es ist also grundsätzlich anders zu bewerten, ob ein junger oder ein alter Mensch nicht schlafen kann, und es wäre schädlich und sinnlos, einen alten Menschen zu Schlaf zu zwingen, den ihm die Natur nicht mehr zugedacht hat.
Schlaf ist Reizausschaltung. Innen und außen muß Ruhe herrschen, dann wird auch allmählich der ständige Störenfried in uns, das Gehirn mit seinen mehr oder weniger klugen Gedanken, Ruhe finden. Am einfachsten schaffen wir noch die äußere Reizausschaltung, obschon auch dies« inmitten der lärmenden Stadt eine immer schwierigere Aufgabe wird. Grelles Licht, laute Umgebung, Hautreize können uns die Ruhe rauben. Aber die menschliche Natur besitzt «in zauberhaftes Anpassungsvermögen auch an die unangenehmen Seiten des Daseins, wir gewöhnen uns oft mit überraschender Schnelligkeit an Lärm von außen, an das Rauschen des Meeres, das Klingeln der Straßenbahnen, das Stampfen der Maschinen, und nach einiger Zeit fehlen uns diese Dauergeräusche beinahe zum Einschlafen, wenn sie fortblciben. Schmerzen und Beschwerden bedürfen natürlich besonderer Behandlung, um als Störer des Schlafes ausgeschaltet zu werden.
Aber die „echte" Schlaflosigkeit entsteht aus einer oft unerklärlichen inneren Erregung, einer lieber» empfindlichkeit der Nerven, die wie ein sehr empfindliches Pendel unendlich lange Zeit brauchen, um aus dem gestörten Gleichgewicht wieder in den Zustand der Ruhe zu kommen.
Es gibt zwei sehr verschiedene Typen von Schlaf- losen, die Morgenschläfer und die Abendschläfer.
das
bei dem kalten
den mit
„Nein, nein! Das Boot ist heil — und Mädel soweit auch, das heißt, die Glieder heil. Aber eine
durch das eisige Wasser gewatet sein. Sie lag pitschnaß und halb erstarrt im Doot. Wie sie es überhaupt fertiggebracht hat, das Doot bis cm di« Schleuse zu führen, ist mir ein Rätsel. Der Schleusenwärter hat sie gefunden und hier eingeliefert."
„Tapferes Mädel!" Degeners Stimme klang erschüttert. „Ist Gefahr für fie(“
Der Baumeister zuckte mit den Achseln.
„21a, Lungenentzündung ist ja gerade kein Spaß. Ich habe gleich den Arzt holen lassen, der hofft
„Ja, ich weiß, daß die kleine Erika Schmitt mit einem unserer Rennboote ausgerissen ist. Hat Sie Ihnen auch erzählt, warum?"
Der Baumeister sah den Proluristen ernst an:
„Erzählen? Das ist nicht gut möglich, denn das wissen Sie sicherlich nicht, wie wir diese junge Dame Erika — so nannten Sie sie doch — auf gesunden haben? Ohnmächtig, ohnmächtig am Steuer des Bootes, gerade vor unserer Schleuse."
„Um Himmels willen!" Degener packte Baumeister an der Schulter. „Verunglückt dem Boot? Reden Sie doch!"
das Tor des Bootsschuppens weit geo'fnet, und ein dunkles Loch gähnte ihnen entgegen. Der Prokurist nickt« Fritz zu. Letzterer wandte sich wieder zu seinem Steuerrade und legte noch ein paar Kilometer draus.
Die Felder, halb aufgetaut, flogen vorüber: Kinder, die von den Dörfern her durch die erste Helligkeit des Morgens zur Schule wanderten, sahen dem vorüberfliegenden Auto neugierig nach. Qiun schoß der Wagen über die Pontonbrücke von W. und um die Wegebiegung herum sah man schon die Kirchtürme der Kreisstadt B., die unterhalb des Flusses den Bremerwerken benachbart war.
„Zum Wasserbau amt, Fritz!" rief Degener. Fritz, am Steuer, nickte nur. Er bog links von der Brücke in eine kleine Seitengasse ein, in die das Auto nur vorsichtig hineinfahren konnte. Gleich darauf weitete die Gasse sich zu einem kleinen Platz, an dem eine schmucke Villa lag. Mit wildem Gekläff raste ein schneeweißer Terrier dem Gefährt entgegen. Da öffnete sich auch schon die Haustür der Villa. Ein großer, breitschultriger Mann mit wettergebräuntem Gesicht und klugen Augen unter dichtem, graumeliertem Haupthaar kam eilig heraus.
„Degener", sagte er, „Sie schickt die Vorsehung hierher. Da ist eine ganz tolle Geschichte passiert."
„Ich weiß", antwortete Degener. „Ein Boot von uns wird bei Ihnen eingelaufen sein___“
Der Wasserbaumeister sah den alten Freund fassungslos an.
„Sie wissen...?"
auf die Kraft der Jugend und des gesunden Hearns."
„Kann man sie sprechen?" fragte Degener hastig.
„Olein! Sie liegt ja in hohem Fieber — ohne Dcsinnung. Ehe die Krise vorüber ist, kann man nichts Sicheres sagen. Weil man nun aus dieser k e'nea Saeju ig'er nichts herausholen konnte, habe ich schon versucht, mit Bremerschloß Verbindung zu bekommen, aber die Post ist ja erst ab acht Uhr geöffnet.“
»Das ist gut, daß Sie keine Verbindung bekommen haben, sonst wäre die ganze Heldentat der fleinen Erika am Ende vergeblich gewesen. Man darf im Dremerwerk zunächst nichts wissen. Sonst würde das Rennboot mit der Erfindung des jungen Kurt Bremer am Ende noch einmal gestohlen: aber dann von diesen Schurken."
Der Baumeister sah besorgt in das erregte Gesicht des alten Freundes.
„Hören Sie, Degener, ich habe den Eindruck, daß auch Sie Fieber haben! Rennboot — Erfindung — Schurken — stehlen... — Wer soll etwas stehlen? Ich verstehe das alles immer weniger, je mehr Sie mir sagen. — Na, kommen Sie erst mal herein; drinnen können wir gemütlicher reDen."
Der Wasserbau meist er nahm feinen alten Freund am Arm und führte ihn in das behaglich erwärmte Amtszimmer. Nachdem sich Eigener mit einem Kognak gestärkt, erzählte er, was sich in der le ten Nacht im Dremerwerl ereignet hatte.
Tie ganze Werldiebftahls-A.rgelegenheit erzählte er und schloß mit den Worten: „Und die Katastrophe ist durch das heldenmütige Verhalten der kleinen Erika im letzten entscheidenden Augenblick vereitelt worden, denn morgen hätte das norwegische Boot mit der gestohlenen Motorverbesserung den Preis bekommen. Die Schurkerei wäre kaum aufgedeckt worden — oder wenigstens zu spät."
„Und was werden Eie nun beginnen?" fragte der Wasserbaumeister.
»®rft den Arzt abwarten, denn ich will auf alle Fälle den alten Schmitt benachrichtigen. Die fromme Lüg«, die die kleine Erika ihm da auf- 0etifä)t_ hat, von Geschäftsreise mit dem Chef, toirö, fürchte ich, nicht so lange wie ihre Krankheit Vorhalten. Der alte Mann hat schon in der letzten Zeit genug durchgemacht. Er soll sich k iie Minute länger als nötig sorgen. Weiter werde ich schnellstens den jungen Herrn Kurt zurückru'en. Es wird Zeit, daß der zukünftige Herr vom Bremerwerk zurückkommt, um hier reinen Tisch zu machen. Inzwischen kann sich die Polizei mal dafür interessieren, daß kein Unberufener sich weiterhin auf dem Bremerwerk zu schaffen macht."
Der Wafserbaumeister schüttelte mit dem Kopfe:
„Einen Mordsskandal wird das geben: der Schwiegersohn der Frau Kommerzienrat Bremer als Hochstapler entlarvt..."
... sind
schöne Lungenentzündung hat sie Bad bekommen Sie muß mitten
Ulster bo' die nahe
Degeners Gesicht bekam einen harten Ausdruck, den man dem sonst so freundlichen Manne nicht zugetraut.
„Der hochmütigen Gesellschaft gönne ich es beinah, wenn es nur nicht um den ehrlichen Namen unseres alten, gütigen Herrn ginge. Aber das hilft alles nichts. Jetzt heißt es, mit eiserner Hand auskehren und das Dremerwerk vor diesen Schmarotzern zu retten — für den wirklichen Erben. Aber nun muß ich fort. Ich komme heute abend nochmals wieder. Das Doot haben Sie doch unter sicherem Verschluß?"
„Selbstverständlich! Auch Erikas wegen brauchen Sie sich nicht zu beunruhigen. Es geschieht alles Menschenmögliche für sie. Wir haben ja zuerst, als der Arzt von einer längeren Krankheitsdauer sprach, an eine Uebersührung ins Krankenhaus gedacht, aber nun wir wissen, wie nahe Ihnen allen diese mutige kleine Dame steht, behalten wir sie selbstredend bei uns. Meine gute Mathilde ist ja immer glücklich, wenn sie jemanden zu bemuttern hat. Sind wir erst über den Derg, wird sie unseren Patienten schon herauspflegen."
Zweiundzwanzig ft es Kapitell
Im Continental-Hotel erschien am frühen Morgen ein unauffälliger Herr im braunen Ulster und braunen Hut, der ein kurzes, leises Gespräch mit dem Geschäftsführer hatte. Der Herr im braunen
Innere der Kape
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Nach einer geraumen Weile erschienen die beiden Herren wieder, nun mit Hut und Mantel belleidet, und schritten dem Ausgang zu. Der Herr im braunen Ulster faltete seine Zeitung zusammen und folgte langsam den beiden durch Die blitzende Drehtür des Hotels.
Gerade, als sich die Heiden draußen voneinander verabschiedeten, trat der Herr im braunen Ulster an sie heran. Höflich lüftete er seinen Hut und sprach ein paar Worte, bei denen er wie zufällig die Innenseite seines Mantels öffnete und eine kleine unscheinbare Blechmarke zeigte.
Der schwieriger« Fall ist di« Abendschlaflosigkeit; fast alle nervösen Schlafstörungen äußern sich in dieser Form: der Kranke wälzt sich ruhelos hin und her, schläft Dann, leicht aufschreckend und unruhig ein, aber erst gegen Morgen erreicht er Die Station des tiefen, erquickenden, traumlosen Schlafes. Umgekehrt verhalten sich Die „Nachtschlaflosen", wie 1 ie Winterstein kürzlich genannt hat. Sie schlafen chnell und störungslos ein, di« normale Abflachung ter Schlaftiefe gegen.Morgen reicht aber schon aus, um sie aufzuwecken, und — einmal aufgewacht — können fie nicht mehr «inschlafen. Fast alle alten Leute pflegen solche unfreiwilligen Frühaufsteher zu fein, aber sie haben gegenüber ihren schlaflosen Brüdern vom Abend Den großen Vorteil, Daß sie bereits — wenn auch verkürzt — geschlafen haben unD nicht Die Schranken der Durchwachten Dunkelheit zu spüren brauchen, die um so folgenschwerer sich auswirken müssen bei Menschen, Die Die Weckeruhr, kaum, Daß sie gegen Morgen Schlummer gefunden haben, schrill und unbarmherzig schon wieder zur Arbeit ruft.
Hier setzt Der Segen Der modernen „Schlafmittel" ein. Besser ist es natürlich, wenn man mit natürlichen Maßnahmen (Waschungen, Sä Dem usw.) zum Ziel Der Ruhe gelangt. Wo sie aber versagen. Da können chemische Mittel noch oft helfen, vorausgesetzt, daß Die Zusammensetzung und Die Meng« Des Mittels Unschädlichkeit verbürgt. Die guten Schlafmittel schaffen nicht Schlaf, fie erleichtern nur Das Einschlafen, in Dem fie Die erhöhte Reizbarkeit Der Nerven herabsetzen und Die Tür ins Paradies Des Schlafs weit offenhalten.
Das wirksamste Schlafmittel aber ist Die innere Schlafbereitschaft. Wir müßen mit eigener, entschlossener Hand Den Riegel zur Wirklichkeit zuschließen unD Die Wohltat der Loslösung von allen Plackereien Des Tages willig hinnehmen. „Sie Angst vor Dem Nichteinschlafenkönnen verhindert Das Einschlafen." Alles, was Diese Angst bekämpft, förDert den Schlaf!
Oer Freiwillige Arbeitsdienst.
Die Ortsgruppe Gießen Des DHV. hatte zu einem Vortrag am Samstag in Das Vereinsheim eingelaDen. Regierungsrat Dr. Sues vom Arbeitsamt Gießen sprach über Den Freiwilligen Arbeitsdienst und über das, was bisher Durch ihn erreicht wurde. Der Redner gab zunächst einige Zahlen: 500 Maß- nahmen wurden in Oberhessen durchgeführt; 11 000 Arbeitsdienstwillige wurden eingestellt, 4100 arbeiten noch jetzt. Zeitweise wurden 30 Prozent Der Arbeitslosen erfaßt, daneben wurden 200 Maßnahmen als Notstandsarbeiten Durchgeführt. 1,6 Millionen Mark flössen Durch den FDA. nach Oberhessen. Die Ar- beitsDienstwilligen seien Dankbar für Die Möglichkeit arbeiten zu können. Verhältnismäßig viel hätten Dabai sogar Die Vorteil« Der Arbeitslosenunterstützung aufgegeben. Die Arbeit habe neuen Lebensmut gegeben, UeberaU begegne man im Arbeitsdienst frohen Gesichtern. Ein neuer Kameradschaftsgeist habe sich angebahnt, ein neuer Idealismus, Selbstzucht sei wieder in den Vordergrund getreten — Begleiterscheinungen Des Freiwilligen Arbeitsdienstes, Die nur zu begrüßen sind und di« man von Dieser Art Beschäftigung auch erhoffte. Viele Dankbare, ja begeisterte Briefe lägen von Ar- beitsdienstwilligen vor. Der Redner gab eine große Anzahl dieser Briese zur Kenntnis, aus Denen die Freude über die Arbeit, über Kameradschaft und neuen Geist sprach und die segensreichen Auswirkungen Des Freiwilligen Arbeitsdienstes erkennen ließen. Arbeitsdienst bedeute nicht Zwang, nicht modernes Sklaventum. Im Arbeitsdienst fänden sich durch freien Entschluß Die Besten. Das Arbeite, erlebnte komme besonders Darin zum Ausdruck, daß Die Kolonnen oftmals bei besonderen Arbeiten kleine Gedenksteine, Erinnerungen an Die Stunden gemeinsamer Arbeit setzten. In weiteren Ausführungen ging Der VortragenDe auf Die Formen Des Arbeite- Dienstes und die grundsätzlichen Voraussetzungen ein. Er beschäftigte sich ferner m t der Ausbildung von Führern, sprach über die Wirtschaftlichkeit des FAD., und Die geistige Betreuung Der Arbeits-
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stierte sich Dann in einen der Klubsessel, , Der Treppe in Der Halle standen, und Der tiefte sich anscheinend in feine Morgenzeitung. Nach einer Weile tarn ein eleganter, schlanker junger Mann die Treppe herunter auf den Früh- stücksraum zu. Der Herr im braunen Ulster sah zu Dem Geschäftsführer hinüber: Der gab ihm einen unauffälligen Wink mit den Augen und Deutete gleichzeitig auf einen anderen Herrn, der eben durch die Halle kam, sich suchend umsah und Dann gleichfalls in das Frühstückszimmer ging. Dieser Herr hatte ein dunkles, ausländisch geschnittenes Gesicht, wie ein Mongole, mit einer breit gedrückten Nase, geschlitzten Augen und einem breitlippigen Mund. Der Herr im braunen Ulster setzte sich in seinem Klubsessel so, daß er nun die Tür des Frühstückszimmers genau im Auge behalten konnte.
(Sortierung folgt.)


