Entscheidung
Deutschland verhandelt mit der Schweiz.
Basel. 27. Juni. (2M.) Die deutsch-schweizerischen Wirtschaft-Verhandlungen haben erhebliche Schwierigkeiten ergeben: Die Schweiz will da- für die Einfuhr von deutschen Kohlen zuge- standene Kontingent aus die drei Monat« de- Sommerreiseverkehrs befristen. Rls Gegenleistung für die erlaubte Kohleneinfuhr lockert Deutschland die Devisenbeschränkungen so. daß der nach der Schweiz reisende Deutsche statt der ursprünglichen 200 Mark den einmaligen Betrag von etwa 700Mark mitnehmen darf. Deutschland muh aber au- wirtschaftlichen Gründen darauf bestehen, dah die Kohlcneinfuhr nicht nur während der schwachen Sommermonate, sondern mindesten- bi- Jahresende gesichert wird. Da da- Abkommen über die Erleichterung des Reiseverkehrs hiervon abhängt, und die Sommersaison vor der Tur steht, droht die Schweiz, die garue Kohleneinfuhr zu sperren. Ferner sind eine Reihe neue» Einfuhrbeschränkungen in Aussicht genommen, deren Inkrafttreten von einer Verständigung mit Deutschland abhängen soll.
©er Abschluß des Eucharistischen Kongresses
D u b l i n, 27. Juni. (XU.) Der 31. Internationale Eucharistische Kongreß wurde am Sonntagmittag mit einem großen Pontifikalamt, das der päpstliche Legat Kardinal Lauri unter freiem Himmel im Phonixpark zelebrierte, geschlossen. Ein Thor ooi. 2000 Personen und der berühmte Sänger John Maccorrnick wirkten mit. Annähernd eine Million Katholiken nahmen an dem Gottesdienst teil, dem eine feierliche Prozession durch die Straßen Dublins oorausgegangen war. Das Ende der Prozession kam erst im Phönixpark an als das Pontifikalamt beinahe beendet war. Eigens für den feierlichen Schlußgottesdienst war weithin sichtbar auf Terrassen ein Altar, geschmückt mit den päpstlichen Farben, errichtet worden. Zu beiden Seiten des Altars hatten die Würdenträger der Kirche und des Staates ihre Plätze. Man sah an 200 Erzbischöfe und Aebte, den Gouver- ncur von Irland und die irischen Minister, unter Führung d c B a l e r a s. Als gegen 13 Uhr Kardinal Lauri von 8 Kordinälen gefolgt, die Stufen des Altars zum Allerheiligsten cmporschritt, zogen die Spalier bildenden irischen Offiziere ihre Degen. Das Pontifikalamt wurde mit Lautsprechern in allen Straßen Dublins verbreitet und auf mehrere aus- ländische Sender übertragen. Zum Sanktur und zur Wandlung wurde die St. Patricks- Glocke, die aus dem irischen Museum herbeigebracht worden war, geläutet. Am Schluß des Gottesdienstes >wurde durch Fanfarenstöße die Bot- schäft des Pap st es angekündigt, die auf telephonischem Wege von Rom nach Dublin und dann aus Lautsprecher übertragen wurde. Eine ernste Störung entstand, als trotz gegenteiliger Rc- gierungsanweisungen mehrere Flugzeuge lehr tief über der Versammlung flogen und durch den Motorenlärm die päpstliche Botschaft übertönten. Mit dem päpstlichen Segen, den Ordinal ßaun erteilte, fand der Kongreß feinen Abschluß.
Ist Ulster (Rordirland) kam es am Sonntag in Verbindung mit katholikenfeindlichen Kundgebungen verschiedentlich zu schweren U e b erfüll e n auf Teilnehmer am Eucharistischen Kongreß, die mit Sonderzügen zu der großen Schlußfeier nach Dublin abreiften. In Ballymena hatte sich bereits vor Mitternacht am Samstagabend eine Menge von mehreren hundert Anhängern derOrange -Partei eingefunden, die Parteilieder fangen. Als die etwa 300 Teilnehmer des Eucharistischen Kongresses erschienen, wurden sie mit Flaschen und Steinen beworfen. Mehrere Personen wurden schwer mißhandelt. Einige Frauen wurden zu Boden gestoßen. Die Unruhen nahmen auf dem Bahnsteig ihren Fortgang, als der Zug abfuhr. Die Menge zerschmetterte die Fenster der Eisenbahnwagen mit großen Steinen, wodurch weitere Personen verletzt wurden.
In Rordirland wurden deshalb am Montag alle Bahnhöfe, durch die die vom Eucharistischen Kongreß zurückkehrenden Pilgerzüge fuhrerr, von bewaffneten Polizisten b e w a ch t, um die Kongreßteilnehmer vor den <yetnZ)feltg[cuen der Orangeleute zu beschützen. Trotzdem kam eS an vielen Stellen erneut zu schweren Angriffen und Mißhandlungen der heimkehrenden Katholiken. An manchen Orten belagerten die Orangeleute die Eisenbahndämme in der Rahe per Bahnhöfe und bewarfen die Züge, in denen sich u. a. hohe katholische Würdenträger befanden, mit Flaschen und großen Feldsteinen. Die c « g i c r u n g von Rordirland gibt eine Erklärung ab, in der sie die Angrifse .unverantwortlicher junger Elemente" auf das f <6 ä rfft c c r ' urteilt und versichert, daß alle Mafmahmen ergriffen werden, um sie zur Rechenschaft zu ziehen.
Oie konstitutionelle Monarchie in Siam.
London, 27. Juni. (LL.) Der König von Siam ist in Begleitung feiner Gemahlin wl^er nach Bangkok zurückgekehrt. Er empfing di« Vertreter der .Volkspartei", die den Verfassung^- wechsel durchgeführt hat und erklärte sich grundsätzlich bereit, die konstitutiv nc Ile Monarchie anzunehmen, öeine^cno-
Oie Sozialdemokraten beim Reichsinnenminister.
Berlin, 27. Juni. (ERB.) Die Mitglieder des sozialdemokratischen Parteworstandes D i t t - mann, Erispien und Stampfer trugen heute abcnd dem Re chSinnenminifter 5 reibe r r n v Gahl Beschwerden über da- Verhalten der SA vor und unterbreiteten ihm umfangreiches Material, dessen Prüfung der Minister zugefagt hat Wie der ..Vorwärts" berichtet, hatten die Mitglieder des Parteivorstandes an den Minister die Frage gestellt, ob er die im Dries de- Reich-Präsidenten umschriebenen Voraussetzungen für ein „Vorgehen mit allen verfassungsmäßigen Mitteln" gegen solche Ausschreitungen, wie z. B. im Fall de- Angriffes auf das „Vorwärts"-Gebäude a lS gegeben betrachte. Der Minister habe geantwortet, daß die- noch nicht der Fall fei. Die Vertreter der SPD. hätten zum Schluß der Unterredung, die etwas über eine Stunde gedauert habe, erklärt, daß ein weiteres Dulden des „uniformierten Terror- der 601.“ zu Folgen zu führen drohe, für die niemand die Verantwortung übernehmen könne.
Barrikadenbau in Leipzig.
Leipzig, 27. Juni. (XU.) Im Osten Leipzigs in Dolkmar-dors und in Paunsdorf führten die Rationalsozialisten am Montagabend in Stärke von etwa 1300 Mann einen genehmigten Umzug durch. AlS der Zug in die Rähe des VolkmarSdorfer Marktes kam, stieß er auf - u - fammengerottete Kommunisten, die Barrikaden errichtet hatten. Sie hatten Fuhrwerke umgeworfen und Steine dazwischen gelegt. Außerdem hatten sie auch schon Straßenlaternen zerschlagen. Die Polizei nahm sofort eine gründliche Säuberung vor, wurde aber aus den Reihen der Kommunisten heraus beschossen. Daraufhin machte die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch. Es wurde eine Anzahl Kommunisten festgenommen. Die Ruhe konnte wiederhergestellt werden. Die Rationalsozialisten konnten ohne Zwischenfälle ihren Zug auflöfcn.
Oer AxichSbund der Kriegsbeschädigte«-zur letzten Notverordnung.
Unter dem Vorsitze des Reichstagsabgeordneten R o ß m a n n • Stuttgart fand in Berlin eine gemeinsame Sitzung des Bundesvorstandes und Bun- desausfchusfes statt. Beschlossen wurde, den nächsten Monat als Kampsmonat der Kriegsopfer durch große Kundgebungen zu kenntzeichnen. In einer einstimmig angenommenen Entschließung stellen die Körperschaften des Reichsbundes der Kriegsbefchä- digten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen fest, daß die neue Reichsregierung durch die Notverordnung vom 14. 6. 23 gerade die sozial schwächsten Kreise aufs Schärfste und Unerträglichste in ihrer Lebenshaltung beschränkt, in ihrem Glauben an Volk und Staat erschüttert und besonders die Kriegsopfer wiederum bitter enttäuscht hat. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten fordert: Befeiti- gungallerNotoerordnungsvorschriften, die derReichs- Versorgung den Charakter eines sozialen Dersor- gungsrechts genommen haben. Aufhebung sämtlicher Vorschriften über Anrechnung öffentlichen und pri- Daten Einkommens auf die Renten und Wiederherstellung des Grundsatzes von Leistung und Ge- genleiftung in der Sozialversicherung, d. h. Streichung aller Anrechnungsbestimmungen, die das Ruhen ober die Kürzung von Versicherungsrenten beim gleichzeitigen Bezüge von Militärrente anordnen.
Oie Erhebung der Salzsteuer.
Berlin, 27.Juni. (WTB.) Laut Mitteilung des Reichsfinanzministeriums tritt die Salzsteuer am 16. Juli d. I. in Kraft. Sie beträgt 12 R p f. für ein Kilogramm und wird beim Salzwerk erhoben. Steuerpflichtig ist nur das Speifesalz, Salz zu gewerblichen Zwecken, wie früher, steuerfrei, in der Regel nach zuvoriger Denaturierung. Zur Ausfuhr bestimmtes Salz ist ebenfalls von der Steuer befreit. Die Steuerüberwachung der Salz- werke beschränkt sich lediglich auf eine Buchkontrolle. Für das am 16. Juli d. I. außerhalb der Salzwerke vorhandene Salz ist eine Rach steuer vorgesehen. Von der Anmeldung, die bis zum 23. Juli d. I. zu erstatten ist, sind nur befreit Salzhändler, wenn sie nicht mehr als vier Zentner, und andere Personen, also Prioathaushaltungen, Gastwirtschaften, Kantinen, industrielle Betriebe ufw., wenn sie nicht mehr als einen Zentner Salz im Besitz haben.
Wettervoraussage.
lieber England und Irland Hot sich aus den im Westen gelegenen Störungen ein abgeschlossener Kern ausgebreitet, der seinen Einfluß bereits über Nord- frankreich und Holland entfaltet und auch üder^WZt- deutschland ein Umdrehen der Winde nach »üben bewirkt. Bei ber weiteren Entwicklung wirb es durch die Störungstätigkeit zu Gewittern kommen, zumal an der Rückseite des Kernes das Eindringen von kühler Luft zu erkennen ist.
Aussichten für Mittwoch: Unter weiterer Erwärmung im Lause des Tages Gewitterstörungen oder gewitterartige Niederschlage.
Aussichten für Donnerstag: Etwas wolkiges, sonst wieder aufheiterndes Wetter.
Lufttemperaturen. Am 27. Iuoi. mittags -4,9 Grad abends 18,5 Grad: am 28. Juni: morgens 18,5 (9rab Celsius. Maximum 27,1 Grab, Minimum 10 5 Grab. Sonnenfcheindauer 13S Stunben. — Erdtemperaturen in 10 cm liefe. Am 27.3um: abenbs 24,6 Grad; am 28. Juni: morgens 17,5 @rab Celsius.
tag abgeben, da er barm den neuen Der- faflungtenttDutf durchgelelen habe. Inzwischen unterzeichnete der Kdnig eine Verordnung. die allen Maßnahmen der Volk-partei Gesetzeskraft gibt. Die gefangenen Prinzen werden erst freigelaffen werden, wenn die neue Regierung ihr Amt antritt. Hm weitere Beunruhigung zu verhüten, sind alle Straßen und Plätze Bangkoks mit Militär besetzt. Tanks und Panzerwagen fahren durch dre Stadt.
»um Eintritt in ein Kollektiv ungesetzlich sei. Auch ein zwangsweises Eingliedern des den Dauern gehörigen Viehs in ein Kollektiv dürfe nicht stattsinden. da ein derartiges Verfahren den Gesetzen widerspreche. Der Staat habe streng darüber zu wachen, daß in Zukunft alle derartigen, mit den Gesehen in Widerspruch stehenden Maßnahmen unterbleiben, zu denen auch ungesetzliche Verhaftungen Haussuchungen und DermögenskonfiSkotionen gehören.
Aus der pwvinzialhauptüadt.
G i e ß e n. den 2L. Juli 1932.
Gustav Krüger zu seinem 70. Geburtstage (29.Juni). Don Heinrich Dorntamm.
Geheimrat Krüger — diesen Hamen nennen am morgigen Tage nicht allein die Universität und die Wissenschaft mit dankbarer Gesinnung und herzlichen Wünschen. Er gehört einem größeren Kreise dem Lande Hessen und einer ganzen Generation seiner Pfarrerschaft, die er zu gefchicht- schichtlichem Sinn und strenger Wahrhaftigkeit erzogen hat; der Stadt, in der er durch mehr als 40 Jahre, ohne doch den Stolz auf seine Vaterstadt Bremen zu vergessen, eine zweite Heimat gesunden und deren Hamen fein Gelehrtenruhm Im In- und AuSlande. vor allem England und Amerika, mit hat verbreiten helfen. Kaufleute und Handwerker kennen den gütigen und gerechten Mann. Dem Kirchenvvrstand der Luca-gemeinde und der Armenpllcge hat er lange Jahre hindurch seine Kraft und seinen Rat geliehen. DaS Theater zählt ihn bis heute zu seinen unermüdlichsten und urteilsfähigsten Freunden. Der Konzertverein verehrt ihn als tatkräftigen Vorsitzenden, ohne den die Blüte des musikalischen Lebens in Gießen im letzten Menschenalter überhaupt nicht denkbar wäre; nicht weniger die Gießener Theologische Konferenz, deren Geschichte unter seiner Leitung ein kleines Spiegelbild der Entwicklung der Theologie in den letzten Jahrzehnten geworden ist. Roch heute ist der schon fast fünf Jahre Emeritierte der Studentenschaft wohlbekannt; nicht nur der geistvolle Lehrer seinen Hörern, sondern auch der freundliche, in der Hilfe für Bedürftige erfinderische EphvruS seinen Stipendiaten, deren Sache er nicht auS den Händen gegeben und oft und mit Rachdruck aegen Kürzungen verfochten hat. Unter seinen Kollegen genießt daS Wort des erfahrenen Kenners der Universitätsgeschäfte und zweimaligen Rektor- großes Ansehen. Dor allem aber ist es die besondere Freude der Theologischen Fakultät, daß er ratend und lehrend noch mitten in ihr arbeitet und daß ihre Studenten sich von seinen sicheren Händen in den Reichtum der kirchengeschichtlichen Arbeit leiten lassen können. In ihm wirkt die große wissenschaftliche Geschichte, die die Gießener Fakultät in dem Menschenalter um die Jahrhundertwende durchlebte, kraftvoll in die gegenwärtige Arbeit hinein. Die vornehmsten Züge der großen theologischen Bewegung, die sein Leben erfüllt hat, ihre Dorur- teiülosigkcit und Wahrhaftigkeit, ihr Freiheits- bewuhtsein und ihre schöne Menschlichkeit, ihr Sinn für edle Kunst und sittliche Größe, ihre Offenheit für Leben und Geschichte haben in ihm Gestalt gewonnen. Er läßt auch dem, was ihm fremd ist, sein Eigenleben und hat einer von ihm und seinen Freunden heute oft abweichenden Theologie manche Proben ber Duldung und des Berstänb- nisfes gegeben. Und par persönlich nachzutragen ist wohl seine allergeringste Fähigkeit, wie er andererseits auch der erste ist, dort wo er selbst ndt einem raschen Wort wider seinen Willen verwundet hat, für Heilung zu sorgen. Wie oft hat eg auch scharfen sachlichen Metnung-verschiedenhei- ten durch eine unwiderstehliche Liebenswürdigkeit deS Herzens ihren Stachel genommen! Auch in feine literarischen Fehden bringt diese Gesinnung und die Grazie feiner Feder, so schneidig er sie zu führen weiß, immer einen versöhnlichen Ton.
Mit ber theologischen Bewegung, die ihn als jungen Menschen ergriff unb zu beren vornehmsten Gestalten er gehört, ist Krügers Wissenschaft- liche Lebensarbeit (von der im Juli-Heft von „Volk unb Scholle" etwas ausführlicher als hier möglich geredet werden soll) eng verbunden. Als Jenenser unb Gießener Student entzündete er sich an den Genien feiner Lehrer Äarl Hase unb Adolf J)ar- nack. Er hat es dem größten Künstler unter den deutschen Kirchengeschichtsschreibern, Karl Hase, dessen Enkelin er heimführte, nachgetan in dem Bestreben, die deutsche gebildete Welt in seiner Wissenschaft heimisch zu machen. So hat er ihr in einem weit verbreiteten Buche, das in diesem Jahre neu aufgelegt worden ist, die Geschichte des Papsttums in großzügigem Ueberblicf erzählt und ist oft dem Reiz gefolgt, ein Persönlichkeitsbild zu zeichnen (Luther, Melanchthon, Landgraf Philipp, Ca- nisius Ketteier u. a ). Aus diesem Verantwortungsgefühl für die Öffentlichkeit hat er auch eine so wenig beachtete Arbeit wie die Betreuung der Theologie in Meyers Konversationslexikon übernommen. Auf fein wissenschaftliches Heimatgebiet, die Geschichte ber alten Kirche, leitete ihn fein ideenreicher Gießener Lehrer Harnack und der strenge, sachliche Histarikerwille Karl Müllers, neben dem Krüger in Gießen seine Dozentenlaufbahn begann. Ein zu- sammenfassendes Handbuch der alten Kirchenge- schlchte und eine ausgezeichnete Darstellung der lateinischen altchristlichen Literatur sind neben zahlreichen anderen kleineren unb größeren 'Arbeiten hier die bedeutendsten Früchte seines Schelsens. (Eine ihn mit Harnack stark verbindende Neigung hat ihn daneben in die Gefilde des 18. Jahrhunderts, vornehmlich in die Goethezeit geführt, deren Religion er erst im vorigen Jahre in feinem schönsten, in langem, innerem Umgang gereiften Buche für breitere Kreise geschildert hat. Ein Hasser des Fremdworts ohne Ansehen der Person (auch seines Lehrers unb Freundes Harnack) läßt er in durch" otiger Sprache, anmutig geformter ober scharf unb witzig treffender Rede, im herzlichen, sprühenden Gespräch den Künstler spüren, der in ihm steckt und ber sich nur dem ganz erschließt, der ihn hat Geige spielen hören. Ein Hauch aus der Welt der klassischen deutschen Musik und Dichtung liegt auf seiner Häuslichkeit. Sinnbild dafür ist das Schillerbild in seinem Arbeitszimmer mit der Locke, die Schillers Gattin zwei Jahre nach feinem Tode dem Ahnherrn Krügers, Heinrich Voß, geschenkt hat.
Der große Kreis derer, die von Gustav Krüger Anregung.Belehrung und Freundlichkeit empfangen haben, vereint sich morgen in dem Wunsche, daß Gatt ihm noch lange Jahre fruchtbaren Wirkens gebe.
Gießener Wochcnmarktprcise.
• Gießen. 28. Juni. Ss kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter daS Pfund
SO bis 1.00; Süßrahmbutter 1.30; Landbuttcr 1.10 bi* 1.20; Wirfmg 10 bi* 12. Weißkraut 12; Spinat 15; Römilchkoh! 12 bis 15; Bohnen 40: Spargel 30 bis 50, Erbten 25. Tomaten 40 bis 55; dtoi<bc!n 16: Rhabarber 8 bis 10; Kartoffeln (alte) 5. Kartoffeln (neue) 10 brs 15. Olcpfcl «ausländische' 50 bis 60: Dörrobst 30 bis 35; Kirschen 35 in» 45; Stachelbeeren (unreife) 20; (Srbbeervn 35 bis 50; Honig 40 bi- 45; sunge Hähne 80 bis SO; Suppenhühner 70 bis SO; Tauben das Stuck 50 bis 70; Ra le 5 bis 10; Eier S; Blumenkohl 30 bis 60 Salat 8 bis 10; Salat gurken 25 bis 35; Oberkohlrabi 10 bis 12; Rettich 10 bis 12; gelbe Ruben pro Bund 10 bis 12; Radieschen 8 bis 10; Kartosteln pro Zentner 4.50 bis 4.80 Mk
Bornotizen.
— Taaerkalender für Dienstag: Alice- Schulvcrein, 20 Uhr Fröbelfeminar, Generalversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ber Kongreß tanzt".
— Ekkehardspiele in Gießen. DieSpiel- schar der Ekkehardspiele, die noch deute im Lause des Tages in Gießen eintreff en und sich mit einem Umzug der Gießener Bevölkerung norfteUen wird, i’cranftaltct morgen abend einen Volkskunstabend, der sicherlich viele Freunde deutschen Kulturgutes Im Cafe Leib vereinigen dürste. Näheres über Die Veranstaltung ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich.
— Deutsche Heimat Im Filmbild. Eine Filmfymphonle der Heimat darf man den Film wohl nennen, der am kommenden Donnerstag um 16, 18 und 20 30 Uhr im Lichtspielhaus Bahnhofstraße zur Vorführung gelangt ^et Bildstreifen führt in die schönsten Gaue des deutschen Vaterlande-. Man lernt im Bilde die Rordsee und das Wattenmeer, die Inseln Snlt, Westerland. Helgoland u a. kennen, bann gebt s in die Weltstadt Hamburg unb in bi« Bezirke der beutschen Mittelgebirge, in ben Harz, in da- romantische Bobetal. die Roßtrappe unb zum Herentanzplatz Der Film zeigt weiter bie groh- artigen Schönheiten de- Riesengebirge- im Sommer unb Im Winter unb beschließt ben bunten Kräng ber Bilder mit Ausnahmen auS Bayern, von Den KönigSschlöfsem unb von dem Gipsei ber Zugspitze. Räßere- ist aus ber morgigen Anzeige ersichtlich
— Konzert im Tas e Leib. Am kommenden Freitag 16 unb 20 Uhr. finben im Easä Leib zwei Konzerte de- Tradition--Orchester- der ehemaligen Schuhtruppe ber deutschen Kolonien statt. Man beachte die heutige Anzeige.
• • Die Dü rgersteuer — ber Arbeitgeber haftet! Unter Bezugnahme auf bie heutige Bekanntmachung über die Bürgerfteucr ber Lohn- unb Gehaltsempfänger weist bie Stadtverwaltung auch an dieser Stelle darauf hin, daß der Arbeitgeber für die Einbehaltung unb Abführung der Bürgersteuer seiner Arbeitnehmer haftet. Fall- er feiner Verpflichtung nicht nachkommt. wirb die Steuer von ihm durch Hastungs- bescheib angeforbert unb nötigenfalls tm Derwal- tungszwangsverfahren beige lieben.
• • D i e Bautätigkeit in Gießen. Von gut unterrichteter Seite erfahren wir. daß die Baugenossenschaft 1 8 9 4 Gießen schon in allernächster Zeit mit ber Errichtung von mehreren Einfamilienhäusern auf dem (Selänbe zwischen Sicher Straße unb Altem Steinbacher Weg. unterhalb ber Gisenbahnstrecke Gießen—Fulda, beginnen wird. GS muß anerkannt werden, daß trotz ber Schwere ber Zeit die Kräfte zur Milderung der Ardeit-losigkeit auch in Gießen wachgeblieben unb tätig sind Denn auch nur wenig Rot auf biesem Wege gellnbert werben kann, so ist boch damit zu rechnen, daß der Arbeitsmarkt wieder etwa- belebt wirb und damit den verschiedensten Unternehmungen Verdienstmöglich- feiten erschlossen werden. Daß die Stadtverwaltung durch Bereitstellung unb Erschließung des Gelänbes zu dieser Arbeit-beschassung nicht unwesentlich beigetragen hat, soll nicht unerwähnt bleiben unb verdient volles Lob der gesamten Bevölkerung.
• • I u st i z pe r s o n a l ie. Ernannt wurde ber AmtSgerichtsrat bei dem Amtsgericht in Fürth l. O. Eduard Zemsch zum Oberamt-richtec bei dem Amtsgericht in Hirschhorn, mit Wirkung von einem noch zu bestimmenden Zettpunkt an.
• • Finanzamtspersonalien. Regierungsrat 5 a b r i c i u ei bei dem Finanzamt Darmstadt-Stadt ist zum Vorsteher des Finanzamts Heppenheim a. b. B. ernannt worden. Der Vorsteher des Finanzamts Heppenheim, Regie» rungsrat Justus Reim Herr, wurde auf sein Rachsuchen in den Ruhestand versetzt.
•• Die Abgabe zur Arbeitslosenhilfe über Die Krankenkassen betrifft eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil. Interessenten feien besonders darauf aufmerksam gemacht.
" Volkskonzert des Konzertvereins. AIS diesjähriges Volkskonzert des Gießener Konzcrtvereins wird ein Orchefterkonzert de» Gießener Orchestervereins unter Leitung von Dr. Stefan Temesvary am Freitag, 8. Juli, 20 Ahr. im Stadttheater stattsinden. Rähere Mitteilungen folgen.
•* Fahrt nach den Schlachtfeldern Frankreichs. In den Tagen vom 2. bis 8. Juli findet, veranstaltet und durchgeführt durch das MER.-Reisebüro Frankfurt a. M. Hauptbahnhos, eine Fahrt nach den Schlachtfeldern in Frankreich (Verdun, Reims, Peronne, Arras, Lille ufw.) unb nach den Kriegersriedhöfen im Westen statt. Die Anregung zu dieser Fahrt ging von Herrn F e n ch ol (Ober-Horgern) aus.
•• Zwei Gartenhaus • Einbrüche in Gärten an der Lahn am diesseitigen Ufer wurden heute früh der Kriminalpolizei gemeldet. Die Ein- brecher nahmen aus dem einen Gartenhaus einen Einröhren-Radioapparat und ein Fernglas mit, aus dem anderen Haufe wurde nichts mitgenommen. Die Ermittelungen der Kriminalpolizei wurden fofort in die Wege geleitet
•• E i n kleines Schadenfeuer entstand gestern gegen 14 Uhr in dem Haufe Wolltorstr. 32, wo der Fußboden unb Balken unter einem Ofen in Brand geraten waren. Die schnell herbeigerusene Feuerwache konnte in einer knappen halben Stunde des Feuers Herr werden und gegen 14.30 Uhr wieder in das Depot einrücken.
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