Ausgabe 
28.6.1932 Erstes Blatt
 
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Elisabeth

erobert sich das Glück

Roman von Margarete Anlelmann

Copyright by M. Feuchttrxmger, Halle.

2l Fortsetzung. Nachdruck verboten I

Eckertsburg erzählte Elisabeth viel von seinen Reisen, besonders von Rußland, wo er viel in­teressantes erlebt hatte. Elisabeth tat es leid, daß sie seinen Ausführungen, die sie stark inter­essierten, nicht so aufmerksam folgen konnte, und sie war froh, als Eckertsburg bald nach dem Mittagessen ging. £

Seltsamerweise schien er über rhre interesse- losigkeit nicht böse zu sein. Er versprach sogar, öfters mit ihr zusammen zu sein, solange Frau Schelmer noch verreist war. Er hatte Elisabeth die ganze Zeit über fast wie ein krankes Kind behandelt, war sehr liebenswürdig und zuvor­kommend gewesen. Rur einmal, als die Rede kurz auf den Sxrliner Weihnachtsaufenthalt gekommen war, hatte er sie mit einem merkwürdigen Duck gestreift. #

Kurt Lampert war am Rachmittag dagewesen und hatte, nachdem er von Wanda abgewiesen worden war, einen herrlichen Rosenstrauß zurü«^ gelassen. Er kam in den nächsten Tagen noch öfters, wurde indes nie empfangen.

Etwa eine Woche nach dem Dall stand Lampert an dem Konservatoriumseingang, als Elisabeth nach der Stunde herauskam. Sie erschrak, als sie ihn erblickte. Flackernd sahen die dunklen Augen aus dem fahler:, abgezehrten Gesicht. Mit Gewalt mußte Elisabeth eine mitleidige Regung unter­drücken. Ruhig und freundlich sagte sie zu ihm:

Seien Sie doch vernünftig, Herr Lampert! Wir beide wollen das alles vergessen, was sich auf jenem schrecklichen Dall zugetragen hatte. Aber es ist besser für Sie und auch für mich, wenn wir uns nicht Wiedersehen. Ich kann Ihnen das nie sein, was Sie erhoffen. Ich will nichts anderes als meine Kunst: der gehöre ich mit ganzer Seele. Für irgend etwas anderes ist kein Raum in meinem Herzen. _ _

Auch Sie haben Ihre Kunst, Herr Lampert. 3n ihr werden Sie Desriedigung finden, bis Sie vielleicht die Frau entdecken, die zu Ihnen paßt. Ich werde immer in Feundschaft an Sie denken und ich wünsche Ihnen alles Gute. Leben Sie Wohl!"

Lampert stand starr und steif vor ihr, ergriff Nicht die dargereichte Hand. So stand er noch, als sie die Straßenkreuzung erreicht hatte und sich noch einmal nach ihm umwandte.

Elisabeth war noch ganz benommen, als sie nach Hause kam. Sie hörte zu ihrem Schrecken, daß

Eckertsburg aus sie wartete, älnd sie erschrak nvch mehr, als sie sein Gesicht sah, das böse aussah und hart. , ,, _

Ich habe auf Sie gewartet, Elisabeth, weil ich Sie etwas fragen muß." r r , _r.r , ,,

Er ging im Zimmer auf und ab, sah Eliscweth an. Sie erbebte unter diesem Blick. Ihr Herz llopfte wild. _

Sie sehen aus wie das verkörperte böse Ge­wissen, Elisabeth Pfilipp."

Ich verstehe Sie nicht, Herr von Eckertsburg.

©d9| Vielleicht werden Sie mich verstehen, wenn ich Sie etwas frage. Wie stehen Sie mit Kurt Lampert?" ,

Elisabeth schrie leise auf. Die Stimme brach ihr vor Schrecken und Scham. Eckertsburg wußte alles! Wie gelähmt saß sie da, wartete auf das, was nun geschehen würde.

Der Mann holte tief Atem, auch er schien mit einer tiefen inneren Erregung zu kämpfen.

Ich sehe an Ihrer Bestürzung, Fräulein Pfi­lipp, daß da etwas nicht stimmt. Man hat mir viel erzählt, von einem Bild von einem Künst­lerfest, einem Maskenball, daß Lampert Sie nach Hause begleitet hat. Ich habe mich Ihrer ange­nommen, es liegt mir viel an Ihrer Zukunft! Das alles paßt nicht zu Ihnen, Elisabeth..."

Elisabeth wußte, daß es jetzt keinen anderen Weg gab, daß sie ihm alles sagen muhte. Es war einerlei, ob er ihr glaubte. Sie muhte jeden­falls die Wahrheit sagen.

Sie wissen ja, Herr von Eckertsburg, wie ich Karl Lampert kennenlernte. Herr Lampert kam von da an öfters zu uns. Frau Schelmer hatte ihn in ihr Herz geschlossen. Sie vertraute ihm mehr, als er verdiente. Er hatte sich schon immer grohe Mühe um mich gegeben. An dem Rach­mittag, als Frau Schelmer abreiste, trafen wir ihn zufällig, und Tante Schelmer bat ihn, sich meiner anzunehmen. Von da an kümmerte er sich fast jeden Tag um mich, aber er war zurück­haltender als früher, so dah ich ihm sogar er­laubte, mich nach Berlin zu begleiten...

Und das Bild was ist mit dem Bild?" unterbrach Eckertsburg schroff.

Alles Blut war mit einem Male aus Elisa­beths Gesicht gewichen. Sie stöhnte auf. Er war nahe an sie herangetreten, hatte ihre Hand ergriffen.

Antworten Sie mir! Waren Sie Lamperts Modell?"

Rein, nein nein! Wie ein Aufschrei kamen diese Worte aus Elisabeths Mund. Schluchzend sank sie auf einen Stuhl.Ich schwöre Ihnen, Herr von Eckertsburg, ich habe das Bild erst ge­sehen, als es fertig war. Wohl hatte Lampert mich gebeten, ihm zu sitzen. Ich habe diese Bitte abgelehnt. Erst an jenem Atelierfest bekam ich das Bild zu sehen. Ohne mein Wissen hat er es geschaffen..

Sie konnte nicht mehr weiterreden, Tränen erstickten ihre Stimme. Regungslos stand Eckerts­burg da, schaute auf das Mädchen herab. Es war kein Wunder, dah dieses Geschöpf einen Maler bezaubert hatte. Wenn es nur nicht gerade Elisa­beth Pfilipp gewesen wäre!

Als er am Vormittag den Maler aufgesucht, hatte er ihn vor diesem Bild gefunden. Er war hinzugetreten. Das Blut war ihm zu Kopf ge­stiegen, Er hatte den Maler zur Rede gestellt, hatte keine andere Antwort erhalten als ein ge­hässiges Lachen. Dann war er hierhergefahren, um auf Elisabeth zu warten.

Inzwischen hatte er Wanda in ein Kreuzverhör genommen und von dem Künstlerfest gehört und dem Maskenball. Von Elisabeth mußte er letzt die Wahrheit erfahren: er war überzeugt davon, daß sie ihn nicht anlügen würde.

Er wußte, daß Lampert ein Genußmensch toar, der das Leben nahm, wo es sich bot. Der mcht danach fragte, ob er eine Mädchenblüte knickte, ein reines Geschöpf unglücklich machte. Grimmig biß er die Zähne zusammen in dem Gedanken, daß Elisabeth einem Wüstling ausgeliefert war, daß man sie nicht vor ihm beschützt hatte.

Wie ein Alp war es ihm von der Seele ge­fallen als er Elisabeths Antwort vernommen hatte.'Sie war nicht Lamperts Modell gewesen: ^^In^dtosem ^Augenblick hob Elisabeth den Kopf:

Ich habe nichts Schlechtes getan, glauben Sie mir, Herr von Eckertsburg!"

In dem Gesicht des Mannes arbeitete es, seine Finger zuckten. Im letzten Augenblick riß er sich zurück. Er durfte es nicht machen wie der Malcr, durfte Elisabeths Ruhe nicht stören. Sie hatte oft genug gezeigt, daß sie in ihm nichts anderes sah als den Kunstfreund, der ihre Zu­kunft festigte. Seine Vernunft hatte gesiegt.

Ich schätze Sie hoch ein, Fräulein Elisabeth, und es hätte mir leid getan, wenn Sie so weit gesunken wären. Ganz frei von Schuld sind Sie nicht. Sie wußten, daß der Maler Sie begehrte, sie kannten seine Gefühle. Es wäre besser gewesen, Sie hätten sich früher von ihm zurückgezogen. Sie wären nicht mit ihm zu einem Maskenball ge­gangen."

Sein Gesicht war wieder sehr böse geworden. Elisabeth hatte aufs neue Tränen in den Augen. Plötzlich verließ Eckertsburg das Zimmer, kam aber wenige Augenblicke darauf wieder zurück, ein Glas Rotwein in der Hand.

Trinken Sie, Elisabeth! Sie sind sehr bleich: der Wein wird Ihnen gut tun.

Gehorsam nahm sie das Glas, trank einen großen Schluck. Eckertsburg stellte das Glas zurück. Dann nahm er Elisabeths Hand in die seine.

Sie wissen, Elisabeth, daß es gut mit Ihnen meine, daß ich nur ihi,.^Bestes will.

Glauben Sie mir das? Wollen wir endlich Freunde werden, Elisabeth?

Ja...

Elisabeth hauchte es. Einen kurzen Händedruck noch, dann war Eckertsburg fort. Gleich darauf hörte Elisabeth die Wohnungstür- ins Schloß fallen. *

Am anderen Morgen sah sie am Flügel, die Lieder für ihr Konzert zu üben. Sie hatte wun­dervoll geschlafen in dieser Rächt. Jetzt brauchte sie keine Angst mehr zu haben vor Kurt Lampert, jetzt, nachdem sie Eckertsburg alles gesagt hatte. Sie hatte einen Freund, der sie schützen würde. Welch herrliches Gefühl, einen Menschen zu be­sitzen, der es gut meinte! Wenn sie nur endlich die Scheu ablegen könnte, die sie immer noch vor Eckertsburg empfand!

Mitten in ihre Gedanken hinein klopfte es an die Tür. Wanda kam und meldete Kurt Lampert. Er ließe sich nicht abweisen, wolle Fräulein Pfi­lipp unbedingt sprechen.

Ditte, sagen Sie ihm,, daß ich üben müßte und keine Minute Zeit hätte, ihn zu empfangen."

Kaum aber hatte Wanda das Zimmer ver­lassen, als die Tür aufgerissen wurde und Lam­pert hereinstürmte. Er stand vor Elisabeth, stür­misch ihre Hände küssend.

Vergib vergib ich muh dich sehen ich kann nicht ohne dich fein ..."

Elisabeth hatte ihm die Hände entzogen, wies nach der Tür.

Gehen Sie!"

Schon lag der Mann vor ihr auf den Knien. Elisabeth, nicht so, nicht so ich liebe dich... Elisabeth lehnte halb ohnmächtig am Flügel. Der Mann da vor ihr war von Sinnen. Was sollte sie nur tun?

Herr Lampert, so kommen Sie doch endlich zur Vernunft! Sehen Sie denn nicht, daß ich nichts von Ihnen wissen will? So gehen Sie doch endlich!"

Ich gehe nicht, ehe du mir nicht sagst, daß du mich liebst, dah du mein werden willst."

Aber, mein Gott, Herr Lampert! Ich liebe Sie doch nicht nie kann ich Ihnen gehören...

Die beiden hatten nicht gehört, dah nebenan jemand ins Zimmer getreten toar. Es warEckerts­burg, der gerade noch Elisabeths letzte Worte ge­hört hatte. Leise toar er nafjergetreten, sah durch Die halb offene Tür auf die beiden erregten Menschen.

Geliebte, du weiht nichts was du sagst. Du wirst mich lieben lernen, wenn du erst siehst, wie sehr ich dich liebe. Mit allen Fasern meines Herzens und ich würde sterben, wenn ich dich nicht erringen könnte. Ich kann nicht mehr arbeiten ohne dich...

(Fortsetzung folgt.)

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