Ausgabe 
28.6.1932 Erstes Blatt
 
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Hieraus ergeben sich von selbst nachstehende For­derungen: die unwahre Behauptung, Deutschland sei der alleinige Urheber des Krieges muh auf­gegeben werden: das bei der Festsetzung der Reparationen im Vertrag verletzte Recht muh wiederhergestellt und das Versprechen, die Abrüstung durchzuführen, muh e i n g e l ö st werden.

Die Empörung des deutschen Volkes über den Vertrag von Versailles ist gerecht, ehrlich und notwendig. Denn nur aus der Empörung heraus kann der Wille geboren werden, die Ungerechtigkeiten des Vertrages zu beseitigen und in Europa den Frieden aufzurichten, den die Völker brauchen, um die Massen vor der gänz­lichen Verelendung zu schützen.

*

Zur Wiederkehr des schwarzen Tages von Ver­sailles hat dec Deutsche Fichte-Bund einen

Internationalen Aufruf in Flugblattform her­ausgebracht. Dieses Flugblatt ist in der Reihe der 45 deutschen und über 100 fremdsprachigen Flugblätter des Fichte-Bundes eine neue Waffe gegen Versailles. Es enthüllt die Vorgeschichte der 14 Punkte Wilsons und stellt den in feier­licher Form gegebenen Versprechungen den un­geheuren am deutschen Volke begangenen Betrug gegenüber. Das Flugblatt wird gleich den übri­gen Flugblättern vom Deutschen Fichte-Bund, Hamburg 36, Colonnaden 47, unentgeltlich an die Leser unseres Blattes abgegeben. Wer Freunde oder Bekannte im Auslande hat, verlange es i n deutscher, englischer oder spanischer Sprache. Auf diese Weise kann jeder mithelfen, die deutsche Revisionspropaganda vorwärts zu treiben und die Welt über das an Deutschland begangene Unrecht aufzuklären. Versailles muh fetten!

,U:

ie wir -en Stahlhelm schufen.

Franz Seldte, der Gründer und erste Bundesführer des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, wird am 29. Suni 50 Jahre- In dem folgenden Auszug aus seinem Kriegserlebnisbuch schildert Seldte die Ge­burtsstunde des Stahlhelm. Sich selbst zeichnet Seldte in der Person des Ober­leutnant Helmuth Stahl, der nach Verlust des linken Armes im Propagandadienst der Heeresleitung tätig ist und in Berlin von der Revolution überrascht wird.

Am 12. Rovember fuhren die Brüder Stahl von Berlin in ihre Heimat.

Das Grau des Rovembertages pahte zu Hel­muth Stahls Stimmung. Ihm war zumute, als ob ihm ein lieber Freund gestorben wäre, dessen

Franz Seldte,

Verlust er bei aller dumpfen Trauer noch gar nicht fassen konnte.

Auch der jüngere Stahl starrte vor sich hin. Helmuth blickte sorgend auf den Bruder.

Ja, da sah einer von denen, die nie aufgehört hatten, zu kämpfen, Und draußen, da waren noch Millionen, die noch hätten kämpfen können für einen anständigen Frieden.

Jetzt war eine ganze Welt zufammengebrochen. Aber sie, die Frontsoldaten, fühlten sich un­besiegt. Rur die Heimat, ausgehöhlt und aus­gehungert, war in die Knie gesunken, Und die politische Führung hatte versagt, kampflos hatte sie dem Sturm der Revolution ihren Platz ge­räumt. O, diese Schande.

Helmuth Stahl trat an das Fenster und starrte in die düstere abendliche Landschaft. Heinrich sollte nicht sehen, dah er mit aller Kraft das Heulen wegdrückte.

Haben wir vier Jahre da drauhen für das geblutet und gekämpft? Soll Unfinn werden,

was uns tiefster Sinn war? Soll der Tod der zwei Millionen fürs Vaterland ein Rarren- tum gewesen fein, statt Aussaat beste, edelste, höchste Aussaat eines Volkes?

Rein, nie, niemals.

Helmuth Stahl warf sich wieder in feine Ecke. Zögernd begann er:

Diese Revolution, nein, die hat nicht die Kraft, uns den Frieden zu bringen. Diese Revolution ist nicht ein glühendes letztes Aufbegehren, kein Ruf ,Auf, Kinder des Vaterlandes!, ist nicht ein glühendes Hochreihen der Massen zur letzten Kraft, zum letzten Einsatz für Freiheit und Frie­den des Vaterlandes. Es ist ein scheußlicher Zu­sammenbruch, schmählich und vielleicht sogar vom Feinde bezahlt. O, ich kenne die feindliche Propa­ganda. O. ich ahne bitter, sie werden es nie schaffen. llnö dann geht es durch Tiefen und Röte und Sorgen, die schlimmer sind als die Kriegsnöte, die sie glaubten nicht mehr einen Tag länger ertragen zu können. Jahre, Jahr­zehnte werden sie ihnen auf den Sklavennacken legen, und wir werden mit tragen müssen, und dann, Heinrich, nach all dem Dreck und dem Waten durch das tiefste Elend, nach Erschöpfung der letzten Mittel, dann kommt die Sache doch an uns, an die verratene Front, und wie draußen, so werden wir es zum Schluh hier drinnen machen müssen."

Etwas Reues rang nach Leben, wurde geboren.

Kraft und Mark der alten Führung ist ver­siegt und verdorrt.

Helmuth Stahl grübelte.

Kann das verloren gehen? Kann das wirklich verloren gehen? Das, was wir vier Jahre lang da draußen getan haben?

Rein.

Stahl sprach halblaut vor sich hin- Rein, er kann nicht verlorengehen, der Geist des Front­soldatentums.

-Sie haben ja die Sache hier ohne uns gemacht. Die Frontsoldaten sind ja gar nicht gefragt worden. Sie sind ja noch draußen. Daß wir beide hier sind, wir und die paar Urlauber und die Verwundeten das spricht ja gar nicht mit. Aber, wenn unsere Kameraden, die Männer der Front zurückkommen, dann wird die Front sprechen, jetzt ober später. Wir sind hier. Wir sehen und wissen, was die da draußen noch gar nicht sehen und auch nicht wissen können. Das gibt uns die Pflicht, uns vorzubereiten es vorzu­bereiten."

2n ihm wurde es ganz ruhig. Es ging ihm wie so oft im Gefecht. Wenn sie angetreten waren, dann war mit einemmale alle Unruhe weg, dann hatte ihn eine heitere, gelassene Ruhe erfüllt.

Jetzt fühlte er: ein neuer Schicksalsbefehl ist erfolgt. Ein neues Ziel ist erkannt. Ich bin neu angetreten.

Heinrich, ja, das ist ja auch wirklich die Ret­tung. Richt das Gesochs, das rote, kann führen,

Freifischer.

Von Edmund Scharein.

Noch immer balgt sich dis Sonne mit den Nebeln, die da über dem Graben brauen und im schilfver­wachsenen Wiesengrunde spuken. Auch über dem Wasser bis zur Mitte des Sees ist die Lust noch diesig.

Das gefällt dem Adler nicht, dem Fischadler, der vor einigen Minuten erst vom Horst abstrich dem Ufer zu und nun auf sturmzerzauster Fichte hockt und mißmutig die Schwingen hängen läßt. Was soll er auch bei der unsichtigen Luft über den Fluten des Sees, bei diesen wallenden Nebelschleiern, die die flinken Fische wie mit einer Tarnkappe um­geben? Nebel das ist kein Jagdwetter für den Fischadler, Sonne braucht er, der Freifischer, oder doch wenigstens klare Luft, um Beute machen zu können. Und er braucht jetzt viel; denn im versteckten Horst gieren drei allzeit hungrige Junge nach Atzung.

Längst ruft der Bussard über den dunklen Wipfeln, die nach Norden hin gegen den blauen Himmel boll­werken und der Habicht streicht bereits mit feiner Beute aus der versteckten Schilfbucht dem nahen Holz zu.

Das Glas geht ans Auge: schlaff hängt etwas herab aus den Fängen des Freibeuters. Vielleicht ist's eine Jungente, die er aus dem Schof holte. Warum sollte er auch drüben auf der Feldmark revieren, ws bislang nur zwei Hühnergelege waren und jetzt zwei Elternpaare die junge Brut sorgsam hüten, wo nur wenige Junghasen ihr Dasein fristen. Warum da doch hier alles in schier unbegrenzter gülle zu haben ist! In jedem Rohrwald, in jeder chilfbucht tausendfältiges Leben! Hier führt die Stockente ihre Jungen, hier lärmen die Bläßhühner und Rohrsänger, hier ist der Haubentaucher zu Hause und die zierliche Krickente; hier hat im seichten Uferwasser die Knäkente Wohnung genommen. Hier lacht das Leben vom ersten Sonnenstrahl bis in die blaue Dämmrung hinein, hier in dieser Unberührt­heit des waldumrauschten masurischen Sees. Und eine Meile davon ist's genau, so, und wieder eine Meile ebenso weiter: Gewässer reiht sich an Ge­mäßer. Aber haschen wird es ihn doch mal, den Hühnerhabicht, den Schrecken dieses Wasserpara­dieses. Seit gestern weiß ich seinen Horst. Im Früh, jahr suchte ich ihn vergeblich; aber jetzt hat mir das Geschmeiß der Jungen die hochgelegene Raubburg verraten. Und wenn es heute nicht glückte, so lag das weder an dem Bock, der mich schon einige Tage beschäftigt, noch an dem Nebel, der heute aus die­sen Gründen nicht weichen will, sondern lediglich an dem Fischadler, an dem verwegenen Freifischer, dessen Kraft und Gewandtheit mich immer wieder

in seinen Bann zieht. Und dabei kenne ich weit schönere Raubvögel als diesen.

Langsam, jede überflüssige Bewegung vermeidend, wende ich ihm den Blick zu. Noch immer hockt er unbeweglich auf dem zackigen Ast. Sein schräg nach vorn gerichtetes Auge tastet den See ab, von dem letzter Dunst eilends entflieht.

Die Sonne hat über den Nebel gesiegt. Ihre feuri­gen Strahlen zerreißen eben letzte Schleier. Im Sonnengold glitzert die weite Fläche. Hier und da schnellt ein munterer Fisch empor über silberner Flut.

Da breitete der Adler die Schwingen ein Ab­stößen er steigt empor mit schwerem Flügelschlag. Unter ihm zittert an leicht schwankendem Ast das dunkle Gelock der Fichtennadeln. Und wieder tragen ihn seine Schwingen dorthin, wo sie ihn gestern trugen und vorgestern. Immer dieselbe Bahn ist's, die er zieht: erst führt sie über den Rohrwald, dann über die flache Stelle, wo die Binsen weit in den See vorstoßen. Aber ob er auch tief zieht, das mun­tere Wassergeflügel ficht es nicht an. Die Bläß­hühner lärmen weiter, der Rohrsänger schwatzt wie zuvor, und die Stockente mit ihren Jungen auf der Schneise sucht nicht mal die nahe Schilfdickung auf. Und dabei braucht nur ein leichter Schatten vom Hühnerhabicht oder Rohrweih über das Schilf zu huschen, um alle Stimmen weit in der Runde zum Schweigen zu bringen um den munteren Gang alles Lebens zu hemmen. Aber den großen Vogel da den fürchten sie nicht, wissen sie doch, daß seine Jagdzüge anderm Getier gelten.

Der Fischadler hat das offene Wasser erreicht. Ein wenig höher ist er gestiegen, und fein Flug ist nicht mehr so langsam wie vorhin, als er über das Röhricht zog. Eine Wendung macht er, dann gleitet er über der im Sonnenlicht glitzernden Wasserfläche eine Strecke lang ohne Flügelschlag dahin, rüttelt über eine Stelle ... tut ein paar wuchtige Schwirl- genschläge, die ihn rasch fördern, gleitet in sanftem Bogen zurück. Wieder ein kurzes Rütteln über un­bewegter Tiefe ...

Plötzlich stürzt er herab, ist unten auf dem Wasser- spiegel, versinkt in der Flut ... Kreise zeigen die Stelle, wo er eben war und nicht mehr ist.

Dort ein wenig abseits taucht der Vogel empor. Schwer schlägt er mit den Schwingen und arbeitet sich mühsam hoch. Unter ihm schimmert silbern im Sonnenlicht ein Fisch. Ohne sonderliche Eile zieht der Adler seine Bahn im Wellenflug: ein Fallen und Steigen, ein fünftes Gleiten und kräftiges Ru- dern. Und wieder ist s derselbe Luftwechsel, den er sonst nimmt nach glücklich beendetem Jagdzug.

Rechts von mir schwebt er in Wipfelhöhe vorbei, läßt sich herab, blockt auf einem Pfahl am Seerande auf.

Scharf späht er aus über seinem Opfer, einem ansehnlichen Hecht, der schlaff über der Rundung

nein, die Besten und die Starken haben zu führen, und das sind die grauen Männer der Front. Richt die Etappe und die Drückeberger und die Reklamierten nein, nicht die haben zu führen, sondern wir, wir Frontsoldaten- ilnö gibt's keine Könige mehr, gibfs keine Führer mehr, die uns den Befehl geben Heinrich, dann geben wir uns selbst den Befehl."

Beide sprangen auf und sahen sich stumm an und gaben sich die Hand.

Rach einer Weile sagte der Aeltere:Wir haben recht, das ist das Richtige. Wir müssen handeln. Ich sehe jetzt unseren Weg. Ich will mir das alles in der Rächt heute noch einmal durch den Kopf gehen lassen und aufsetzen. Morgen früh will sowieso mein alter Feld­webel Veder mich aus dem Lazarett besuchen. Von dir sind ja wohl auch Bekannte oder Kame­raden im Heimatlazarett oder auf Urlaub. Be­stell die alle morgen früh um 10 zu uns. Ich bin mir dann im Reinen, und ich will euch dann meine Idee vortragen. Wir müssen zusammen- stehen. Wir müssen eine Vereinigung von Front- kämpfern schaffen, einen Bund der alten Front­soldaten. Wir sind erst ein Paar, aber wenn sie von draußen zurückkommen, dann werden sich viele uns anschließen. Und diesen Bund, den müssen wir dann über das ganze Land ziehen und stark machen. Wir werden verdammt viel dazulernen müssen. Aus Soldaten und Unter­tanen müssen neue Menschen in Deutschland er­wachsen. Wir müssen Männer an die Spitze kriegen, die sich auf uns Frontsoldaten stützen können, die uns rufen, wenn dieses verfluchte Revolutionsgeschmeiß dereinst zusammenbrechen wird."

Don Sankt Marien schlug die Turmuhr 10 Uhr vormittags. Durch den grauen Rovemberhimmel kämpfte sich die blasse Sonne hindurch. Helmuth Stahl ging langsam an das Fenster.

Der Ausschnitt der gegenüberliegenden Dächer ließ ein gutes Stück Himmel frei, und in diesem aufhellenden Himmel standen scharf und nah die beiden Doppeltürme des Magdeburger Domes.

Hell und klar zeichneten die großen, goldenen Zeiger der Turmuhr die Stunde. Auf den beiden Turmspitzen spielten die goldenen Wetterfahnen im Winde, drehten so gleichmäßig ab und schwenk­ten ein, als wenn sie eine wohl einexerzierte Infanterierotte wären, und die zackigen Fahnen- spihen grüßten wie zwei funkelnde Hoffnungs­sterne den ernst Hinaufschauenden.

Stahl war mit sich in der Rächt ins Reine gekommen. In seiner Brieftasche knisterten die Papiere mit den Entwürfen und Aufzeichnungen für Heinrich und Deder. Er war entschlofsen, feinen Weg zu gehen.

Durch die Fensterscheiben wurde von der Gasse das anschwellende Summen und Brisen erregter Stimmen vom Markt hinaufgetrage.? Unten ge­nossen sie neue Freiheit.

Stahl sah auf die große Uhr und die beiden Morgensterne.

10 Uhr. Im Vorzimmer hörte er die Tür gehen und Schritte und dann die Flüsterstimme seines Bruders und Veders klingende Antwort. Die beiden Soldaten tarnen pünktlich. Stahl sah noch einmal zu den beiden Sternen hinaus. Er hob die Faust zum Durchschlagen, wie früher so oft beim Feuerbefehl in seiner M.G.K.

Und durch die Zähne sprach er zu sich selbst: Ihr wollt mir mein Vaterland nehmen. Ihr wollt mir meinen Krieg versauen.

Ich we.de euch Dr chenzähne säen."

Seldte spricht heute im :)i und funk.

Aus Anlaß der 13. Wiederkehr der Unterzeichnung des Versailler Friedensdiktates wird der Gründer und Erste Bundesführer des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten, Franz Seldte, am heutigen Diens­tag, in der Zeit von 19 bis 19.30 Uhr, im Rund­funk sprechen über das Thema:Das Wollen des Stahlhelms für Staat und Vol k". Wie das Stahlhelm-Bundesamt mitteilt, wird der Vortrag von sämtlichen deutschen Sen­dern übernommen.

des schlammüberzogenen Holzes herabhängt. Späht und späht dorthin, wo einsame Wälder in der Ferne verblauen und denn wieder abseits, wo aus dem Dunkel der Föhren das silberne Band dec Seen leuchtet.

Ueberall, soweit der Wald rauscht und das Rohr flüstert, ist sein Jagdgebiet.

Siam - dieietzteHochburg derEiikeite.

Mit der Revolution in Siam wird das letzte Bollwerk gestürzt, das der Absolutismus noch in bet Welt hatte. Nirgends sonst bestand noch eine so völlige Herrschaft des Hofes wie im Lande des weißen Elefanten". Zwar haben auch hier die westlichen Einflüsse in den letzten Jahren immer mehr Fortschritte gemacht, und sie sind es wohl auch, die die alte Tyrannei des Zeremoniells und der Etikette schließlich untergraben haben. Erst vor kurzem zeigte sich die Macht des Hofes in ihrem ganzen Glanze, als die 150jährige Regie- rungszeit des Herrscherhauses aus dem Stamm der Chakri mit großem Gepränge gefeiert wurde. 3n ©iam herrschten bisher Zustände, die sich nur entfernt mit den Regierungsformen des europäi- schen Absolutismus im 17. Jahrhundert verglei­chen lassen. Die Hierarchie der Hofgesellschaft be­wahrte alle Regeln und Würden. So gab es eine ganje Äafte con Prinzen, die sämtliche Stellen an sich gerissen hatten und das Land aussaugten. Die Prinzen ber verschobenen Klassen hatten auf ganz bestimmte Titel Anspruch, aber diese Titel schließlich auch für solche verwendet, die sich ihrer eigentlich nicht bedienen dursten, und so wurden immer neue Würden geschaffen. Alsvom Himmel zum Herrscher berufener Prinz" durften öunachst nur dieKönigskinder erster Klasse" be- hDn einem König und einer c$ten Königstöchter abstammten. Dann aber tour- ÖkC anderen Prinzen so genannt, und be«halb nahmen die bevorzugten Prinzen neue an- Kronprinz z. D. wird mit SA"?rtrWcw&*t, unter denen der ersteeiner tr läite '*Mnb too^Igeboten

bt; Als »Komgskinder zweiter Klasse" r9cn- Sprvßlinge eines Königs, die SÄT? ftUes Herrschers erzeugt sind. Die vbreftC^ uus Kindern von Königs- sohnen, die diesen von Frauen der Adelsklassen Ehrend zu der vierten Priuzen- - 09IU!tflen Hofleuten", die gerechnet werden die von einem König und einer illeai- JÜ11" abstammen. Diese vierte Klasse wttd im allgemeinen nicht mehr zu den Hofstellen zu- ändern kann sich nur auf dem Wege 9UC *Ven erlauchten Kreis dervom Smuggelto01 Betufcnn Prinzen" ein-

Das Urteil im Gttarekprozeß. Len und Willi Sklarek zu je 4Jahren Zucht- haus verurteilt.Beide Angeklagte sofort verhaftet.

Berlin, 28. Juni. (OB. Funkspruch.) 3m Sklarek-Prozeß wurde heute das Urteil ge­fällt. Es wurden verurteilt: Leo und Willi Stie­ret wegen Betruges in Tateinheit mit schwerer Urtundenfälschung und aktiver Bestechung zu je vier 3 ahren Zuchthaus und fünf 3ahren Ehrverlust. 6 Monate der Untersuchungshaft wer­den angerechnet. Die beiden Verurteilten wurden sofort in haft genommen.

Der Angeklagte Lehmann wurde zu 1 3 a h r 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Weiter wurden verurteilt (sämtlich wegen schwerer passiver Bestechung): Tuch zu 6 Monaten Gefängnis, Schmitt zu 4 Monaten Gefängnis, Hoffmann zu 4 Monaten Gefängnis, 6 o h l zu 1 3ahr 3 Mo­naten, Sokolowski (auch wegen Untreue) zu 1 3ahr 3 Monaten Gefängnis, Gäbel zu 1 3ahr 6 Monaten Gefängnis, Degener zu.6 Monaten Gefängnis, Schneider zu 4 Monaten Gefäng­nis, L u d i n g zu 1 3ahr 3 Monaten^Gefängnis. Die Unfähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter wird ausgesprochen bei kohl, Sokolowski, Gäbel, Degener und Schneider.

Oie polnische Hetze geht weiter. Serien ° Kundgebungen gegen Deutschland und Danzig.

Warschau, 27. Juni. (ERB.) 2n Polen fanden eine Reihe von organisierten Kundgebun­gen gegen Deutschland und Danzig flott. Der hier tagende polnische Inva­lidenkongreß glaubte, eine herausfordernde Haltung Danzigs gegen Polen feststellen zu kön­nen und richtete gegen diese nur in der polni­schen Einbildung bestehende Gefahr einen gehar­nischten Protest. In Krakau sand eine Kund­gebung statt, die Einspruch erhob gegen sog. deutsche Bemühungen um eine Grenzregulierung. Eine in Sosnowice im Kohlengebiet von Dombrowa abgehaltene Delegiertenversammlung des Regierungsblocks verflieg sich schließlich zu der Behauptung, daß dieerpresserische Revisionskampagne" Deutschlands einen neuen Krieg Hervorrufen könne. Aehnliche auch gegen Danzig gerichtete Entschließungen wurden auf Versammlungen in Bialhstok und Thorn ge­faßt. In Warschau selbst fand anläßlich des Zehnjahrestages der Angliederung Ostoberschlesiens an Polen eine vom Re­gierungsblock veranstaltete Kundgebung statt. Vor dem Auseinandergehen fangen die Versammelten die Rationalhymne, dasLied von der ersten Brigade" und das berüchtigte deutschfeindliche Rota-Lied.

Oie Agrarkollektivwirtschast in der LlOGGR.

Moskau, 27. Juni. (WTB.) Anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr des Gründungstages der Staatsgewalt der UDSSR. hat die Re­gierung eine Verordnung veröffentlicht, in der einer freien Entwicklung der land- wirtschaftlichen Kollektivwirtschaft neue Konzessionen gemacht werden. Der erste Schritt auf diesem Gebiete, so heißt es, sei die Freigabe des gesetzmäßigen Handels der Kol­lektiven auf den städtischen Märkten gewesen. Jetzt erfolge der zweite Schritt, der der Bevor­mundung ber Kollektiven durch rechtsunkunbige Ortsgerichtsbarkeiten ein Enbe bereiten und a.le Eingriffe in die Verwaltung beseitigen wolle.. Weiterhin wird daran erinnert, daß namentlich jeder Zwang des einzelnen Bauern

Die eigentlichen Beherrscher Siams waren bis­her die Mitglieder der ersten Prinzenklasse, die sog.Chaofas". Sie genossen eine große Anzahl von Vorrechten, trieben einen königlichen Auf­wand, der die Staatskasse in unerhörter Weise be­lastete, und sahen in Olemtem und Würden, dis wenig Arbeit, aber viele Vorteile einbrachten. Zahllos war die Liste ihrer Privilegien. So durs­ten sie allein fließendes Wasser aus der Tasse trinken, die bei den Krönungsfeierlichkeiten der Könige verwendet wurde: sie allein erhielten bei den Iahresfesten die Opferspenden aus den Hän­den ber Drahmanen. Ihre Abzeichen waren Tassen und Teekannen aus emailliertem Golb, die wurden. Die anderen Prinzen durften nur solche ihnen bei den festlichen Aufzügen vorangetragen Tassen und Teekannen als ihre Wappen verwen­den, die nicht aus Gold bestanden. Auch die zweite Prinzenklasse gehörte der Deamtenhierarchie an und bekam vortreffliche Aemter sowie große Be­züge aus der Staatskasse. Die dritte Klasse, die Mon-Chao, hatten das Vorrecht, innerhalb der Mauern des Königspalastes die Tonsur zu tragen und die Roben der Bonzen in Gegenwart des Kö­nigs im ersten Tempel von Bangkok anzulegen. Sie hatten Anspruch auf eine gedeckte Sänfte. Wenn ein solcher Prinz starb, so beteiligte sich die Krone an den Kosten der Verbrennung und lieferte den weißen Sarg, in dem die Leiche auf den Scheiterhaufen gelegt wurde. Die Größe der Scheiterhaufen, die in der Form einer Pagode er­richtet werden, war je nach dem Rang des Prin­zen verschieden, und bei hohen Würdenträgern verschlang die Errichtung eines solchen riesigen Scheiterberges ungeheure Summen. Während die Rachkommen der Prinzen der ersten Klasse sofort Anspruch auf Aemter und Gehälter besaßen, muß­ten die Söhne ber nieberen Klassen erst als Pa­gen den Hofbienst beginnen unb sich, wenn sie es zu keiner Hofstellung brachten, mit kleinen Pen­sionen begnügen. Die siamesische Etikette, mit der früher nur noch die am chinesischen Hof ver­glichen werden konnte, war eine unendlich schwie­rige Wissenschaft, die nur die Zeremonienmeister ganz beherrschten. Am Hose gab es Brahmanen und Astrologen sowie zahllose andere Hofstellen. Die seltsamste Blüte dieser Zeremonialwissenschaft stellt der Kult des weißen Elefanten dar. So war mit seiner Salbung eine umfangreiche Fest­lichkeit verbunden, bei der u. a. das Verschlucken eines roten Zuckerrohrs, auf dem fein voller plame unb Titel eingezeichnet ist, verbunden war. Wenn dieser ganze phantastische Auswanb veral­teter Bräuche jetzt verschwindet, so wird das Volk aufatmen, und der letzte ileberreft einer Kultur wird verlöschen, die einstmals an den Höfen eine ungeheure Rolle gespielt hat.