von her Berliner Volkszeitung und von der Münchener Post angestrengt hatte, wurden vier Schriftleiter wegen übler Nachrede zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt, der fünfte zu einer Geldstrafe von» 600 Mark. Sn der Begründung wird u. a. bemerkt, daß die Behauptungen in dem der Verhandlung zugrundeliegenden Artikel, Alfred Rosenberg sei während des Weltkrieges in französischen Dien- sten gewesen und habe gegen Deutschland Spionage getrieben, nicht erwiesen sind.
Oie politischen Lleberwachungsaus- schüffe bei -en Rundfunkgesellschastcn.
Berlin, 27. Suni. (LU.) Die nationalsozialistische Fraktion hat dem Preußischen Landtag einen Antrag eingebracht, bei der Reichsregierung dringend dahin vorstellig zu werden, daß die seit 1926 bestehenden politischenUeberwachungs-
ausschüsse bei den Rundfunkgesellschaften sofort abberufen und durch Ausschüsse erseht werden, die nach dem heutigen politischen Kräfteverhältnis zusammengesetzt sind.
-Zur Begründung wird erklärt, daß auch während der Regierungstätigkeit des jetzigen Deichskabinetts bisher nur zwei Nationalso- zialisten im Rundfunk hätten sprechen dürfen, was zum Teil auch auf die Besetzung der Ueberwachunasausschüsse zurückzuführen sei. So habe der Ueberwachungsausschuß der Berliner Funk stunde jetzt die Uebertra- gung eines sachlichen Fachvortrages des Obersten Hierl über Arbeitsdienstpflicht nicht zugelassen, ebenso nicht den Vortrag des Reichspropagandaleiters der NSDAP., Dr. Goebbels über das Thema „Der Nationalsozialismus als staatspolitische Notwendigkeit".
Aus aller Well.
Elternbeiralswahlen in Grvh-Verlin.
Im Gesamtbezirk von Groß-Berlin fanden am Sonntag die Elternbeiratswahlen statt. Schon die ersten Ergebnisse zeigen die st arte Ueberlegen- heit der Chri st lich-unpolitischen Liste. Bisher logen von 385 evangelischen Volksschule n folgende Wahlergebnisse vor: Danach haben erhalten: Die Ehristlich-unpolitische Liste 2892 Sitze, die sozialdemokratische Liste Schulaufbau 729 Sitze, die Kommunistische Einheitsliste 446 Sitze. Andere Listen 104 Sitze. Es stehen noch die Ergebnisse von ungefähr 100 Volksschulen aus. Außerdem ist zu berücksichtigen, daß an den 55 katholischen Schulen nur katholische und an den 53 weltlichen Sammelschulen nur weltliche Kandidaten gewählt worden sind. Von den 167 höheren Schulen liegen bis jetzt die Ergebnisse von 94 Schulen vor. Danach erhielten die christlich-unpolitischen 650 Sitze, die Sozialisten 84, die Kommunisten 10 Sitze, andere Listen 43 Sitze. Außerdem wurden für die sogenannte Gemeinschaftsliste, die christlich-nationalen Charakter trägt, 202 Kandidaten gewählt.
Die Schlußworte der Angeklagten im Sklarek-Prozeß.
WilliSklarek erklärte, er sei nur der Leiter der KVG. gewesen. Sein Bruder Max habe ihn lächelnd beiseite geschoben und erklärt, gute Leistungen seien nicht das wesentliche, die Hauptsache sei die P r o t e k t i o n. Er habe nichts Strafbares gemacht. Er sei geprellt und bestraft worden. — Schmidt versicherte seine Anschuld. Hoffmann erklärte, er habe seine Pflicht bis zum äußersten erfüllt. Aehnlich äußerte sich S o k o - lofsky. Gäbel sagte, daß er als Anhänger der kommunistischen Sdee Sch'emmerloka'e besucht habe darüber habe er sich die bittersten Vorwürfe gemacht. Er habe Fehler gemacht, aber kein Verbrechen begangen. D e g n e r bat kurz um seinen Freispruch. Bürgermeister Schneider erklärte, nur im Interesse der Stadt Berlin gehandelt zu haben. Kohl erklärte, keine Zuwendungen erhalten zu haben. Er habe nur zum Besten der Stadt gehandelt. Er bäte um ein gerechtes Urteil, das nur auf Freispruch lauten könne. '
Deutsche Fleischerfachmesse Dortmund.
Wenn auch die Messeleitung bei Beginn der Messe davon überzeugt war, daß die Deutsche Fleischerfachmesse Dortmund 1932 eine qualitativ ganz hervorragende Fachschau werden würde, so konnte doch bei allem Optimismus ein derartig starkes Snteresse in den Fachkreisen nicht vorausgesehen werden, wie es die ersten Messetage gezeigt haben. Es hat sich allerdings sofort herausgestellt, daß die Fleische- reimaschinenendustrie sensationelleNeuig- keiten herausgebracht und zum ersten Male auf der Dortmunder Fachmesse ausgestellt hat. Diese Neuigkeit dürfte denn auch sehr stark dazu beigetragen haben, daß der Besuch aus dem gesam
ten Deutschen Reiche sowie auch aus dem Auslande ein so erheblicher geworden ist. Bereits am Sonntag sind einige tausend Autos und Autobusse zur Westfalenhalle angerollt. Die Messehallen waren xum Teil überfüllt. Dabei ist festzustellen, daß mindestens 50 v. H. der Messebesucher sich aus ern st haften Snteressenten zusammensehten Auch aus Holland ist der Zustrom außerordentlich groß gewesen. Die Dortmunder Hotels waren am Sonntag restlos besetzt, so daß bereits zahlreiche Privatquartiere in Anspruch genommen werden mußten.
Abschied der deutschen Kriegsschiffe aus Danzig.
Rach viertägigem Aufenthalt erfolgte die Heimfahrt des deutschen Linienschiffes „Schlesien" und der beiden Torpedoboote. Bereits am frühen Morgen setzte eine wahre Völkerwanderung zum Liegeplatz der Schisse ein. Klassenweise und unter Gesang zogen sämtliche Danziger Schulen unter Führung ihrer Lehrer hinaus. Dor der „Schlesien" hatte die Schupokapelle Aufstellung genommen. Punkt 10 Ahr wurden d ie Haltetaue ge- l 5 st. Unter den Klängen des Deutschlandliedes setzte sich das Linienschiff langsam in Bewegung, in Kiellinie gefolgt von den beiden Torpedobooten. Brausende Hurrarufe der unübersehbaren Zuschauermengen ertönten. Ein letzter Flaggengruß, und die deutschen Schiffe dampften wieder der Heimat entgegen.
Rlesenbrand in Antwerpen.
Sn der großen Markthalle St. Sacques, die mehreren Genossenschaften als Lagerhalle für die verschiedensten Güter dient, brach ein Brand aus, der rasch um sich griff und auch auf die benachbarten Gebäude, darunter ein Hospital für Greise und eine Kirche übersprang. Die Feuerwehr macht alle Anstrengungen, um ein weiteres Umsichgreifen des Brandes zu verhindern. Mehrere Feuerwehrleute sind bereits leicht verletzt worden. Die Feuersbrunst hat ungeheure Warenmengen vernichtet. Der Verlust geht in die Millionen.
Schottische Nationalisten holen die englische Flagge herunter.
Die englische Flagge wurde von dem als Militärkaserne dienenden Schlosse Stirling bei der schottischen Stadt Stirling durch Mitglieder der schottischen Nationalpartei heruntergerissen und durch das schottische Banner ersetzt. Am Schluß einer Veranstaltung zum Andenken an die Schlacht von Dannvckbarn im Fahre 1314, bei der die Schotten die Engländer schlugen und damit die Anabhängigkeit für Schottland gewannen, erhob plötzlich eine Frau das schottische Danner und forderte alle Teilnehmer auf, ihr zu folgen, um den Union Sack vom Schloß Stirlingherunterzuholen. Die Menge marschierte geschlossen durch die Tore des
Sein Bruder.
Don Georg Mühlen-Schulte.
Am Mittwoch, zu einer ungewöhnlichen Zeit also, kommt Guntram auf die Idee, das Kontor der Strumpfwarenfabrik Guntram 8- Co., deren Chef er ist, zu ignorieren und den Tag in seinem Landhaus zu verbringen. Das Landhaus liegt einsam auf einer Anhöhe, ein ganzes Stück hinter dem Dorf.
Als Guntram aus dem Buschwerk des verschlungenen Gartenwegs heraustritt, hört er ein verdächtiges Geräusch in der geschlossenen Veranda.
Guntram zieht seinen Revolver und öffnet die Tür.
An dem runden Rohrtisch sitzt ein Mann in einem roten Sweater und liest Zeitung. Vor ihm, von der Zeitung fast verdeckt, steht eine Flasche. Der Mann springt auf, als Guntram eintritt. Er hält die Hände hoch und sagt beschwörend:
„Schießen Sie nicht, werter Herr! Ich bin ganz harmlos!"
„So? Sie sind ganz harmlos?"
„Ja."
„Was machen Sie denn hier?"
„Ich lese."
„Aha, Sie lesen! Natürlich! Warum sollen Sie auch nicht lesen?!"
„Ganz recht. Ich lese den Roman. Eben hat Ro- derich die leise erschauernde Margot auf die Schulte geküßt. Eine sehr kitzlige Sache, werter Herr. Wenn es Roderich bloß ehrlich mit dem Mädel meint!"
, Na, hoffentlich doch. Mich interessieren übrigens auTrblicklich anders Dinge. Was ist das da für eine GWe?"
, -J. D . "
„Na, da!"
ri) dc>! — Das ist eine Sektflasche."
Sie mal an! Meine letzte Pommery, nicht r
ch weiß c3 nicht, werter Herr. Ich nahm an Sie t ■ ! <'('.) mehr, sonst hätte ich die Pulle nicht an- i ■' l "
Nwah/e! D.izu sind Sie ja viel zu gut er=
rcob', werter Herr! Uebrigens, der Sorten i ; n;1. Der Sekt hat das ganze Mousseur
: ' Wollen Sie mal losten?"
c'.-t si rt es Sie, daß ich kein Glas habe, r.’i n.i Flaschenkind, werter Herr. Ich habe b i die Brust genommen, und das auch i'. meine Mutter Flaschenspülerin in einer < । b"i idt "
. milfart! Aber nun wollen wir mal acn Dingen reden, wenn es Ihnen ist."
„Bitte sehr, werter Herr!"
„Also was suchen Sie hier?"
„Ich suche Stellung, werter Herr."'
„Stellung? Halten Sie das Haus für ein Arbeitsvermittlungsbureau?"
„Nein, werter Herr. Ich bitte um Entschuldigung, daß ich hier eingedrungen bin. Ich ging draußen vorbei und sah den Korbsessel in der Ecke. Daraufhin habe ich mir Eingang verschafft."
„Weil Sie den Korbsessel sahen?"
„Ja. Sie müssen wissen, daß ich Verandamöbellackierer bin. An d»n Armlehnen des Sessels ist die ganze Farbe runter. Ich wollte Ihnen vorschlagen, den Sessel neu lackieren zu lassen."
„Ach nee!"
„Ja. Vielleicht nehmen wir ein etwas helleres Rot. Ist viel freundlicher."
„Sv so! — Na, darüber können wir ja mal später sprechen. In zwei bis drei Jahren."
„In zwei big drei Jahren?"»
„Ja. Ich denke, soviel werden Sie kriegen."
„Wie meinen Sie das, werter Herr?"
„Ach, ich habe bloß mal gehört, für Verandamöbellackierer, die in Abwesenheit des Besitzers gewaltsam in ein Landhaus einbringen und sich für ihre dunklen Absichten mit gestohlenem Sekt stärken, gibt es soviel."
„Ich verstehe Sie, werter Herr! Haben Sie Mitleid mit mir!"
„Mitleid?"
„Ja. Ich habe einen Bruder, werter Herr. Er ist taub." /
„Sehr bedauerlich. Aber was geht mich Ihr Bru- der an?"
„Werter Herr, wir sind alle Menschen. Mein Bruder ist in einer entsetzlichen ßaqe."
„Wieso?"
„Er ist taub."
„Das haben Sie schon mal gesagt."
„Er hört nichts, werter Herr."
„Kann ich mir denken, — wenn er taub ist!"
„Er ist hilflos in seiner Taubheit. Vollkommen hilflos. Wenn ich ihn im Stich lasse, geht er vor die Hunde."
„Na, nun meinen Sie bloß nicht."
„Mein Bruder! Mein a ... ha ... har ... mer Bru ... hu ... der!!!"
„Fürchterlich, Ihre Rührung! ... Ich will Ihnen mal was sagen, — es ist ja bestimmt kein wahres Wort an dem, was Sie mir da von Ihrem Bruder erzählen ..."
„A ... ha ... Halles wahr, we ... he ... herter Herr!"
„Hören Sie bloß mit diesem grauenhaften Geheul auf! Und lassen Sie mich ausreden! Ich sage wahr- fcheinlich schwindeln Sie mir die Hucke voll, aber
Wie sieht es in USA. aus?
Gespannte parlamentarische Lage.-Wird Roosevelt demokratischer Präsidentschaftskandidat?
W a s h i n g t o n, 26. Suni. (WTB.) Die Hoffnung auf den Schluß der Parlamentssesfion hat sich nicht verwirklicht. Die beiden Probleme, die in der letzten Woche dem Kongreß Aur Erledigung noch übriggeblieben sind, die Kürzung der Beamtengehälter und die Milderung der Arbeitslosigkeit, beschäftigen die Exekutive und Legislative immer noch, und die Kluft zwischen beiden erscheint jetzt tiefer denn je. Präsident Hoover lehnt die Auflegung weiterer Schahanweisungen für unproduktive Pläne ab, und der Senat kämpft mit dem Repräsentantenhaus um Sparmethoden, von denen die Beamten möglichst wenig betroffen würden. An sämtlichen Fronten herrschte das Wochenende über Waffenruhe in der Erwartung, daß diese Woche irgendein Kompromiß bringen wird.
Die demokratischen Parlamentarier drängen auf Vertagung, um an dem am Montag beginnenden Parteikonvent teilnehmen zu können. Auch dort ist man im Augenblick auf dem toten Gleis angelangt, da sich sämtliche Gegner des Gouverneurs Roosevelt vereinigt haben, um seine Pläne zu durchkreuzen. Der Tradition entsprechend bedarf es zur Aufstellung des demokratischen Kandidaten einer Zweidrittelmehrheit aller Delegierten desParteikonvents. Roosevelt, der nur über eine knappe Mehrheit verfügt, verlangt daher die Aenderung dieses Brauchs, was aber Alfred Smith und die Vertreter der Tammanh Hall, der demokratischen Parteiorganisation Neuhorks, ablehnen. Heber die Entwicklung läßt sich im Augenblick daher nichts Voraussagen.
Die Armee der Veteranen hat sich in Len letzten Tagen etwas vermindert, und die Bewegung hat durch die entschiedene Haltung des Senats beträchtlich an Stoßkraft verloren. Immerhin dürste der größte Teil der Veteranen noch längere Zeit hierbleiben und weiter ein schwieriges Problem für die Sicherheits- und Gesundheitspolizei bilden.
Außenpolitisch wartet man die Äußerun
gen der übrigen Mächte auf den Abrüstungs- Vorschlag Hoovers ab und hofft dabei, daß sich die Gegenvorschläge inhaltlich im Rahmen der von diesem vorgeichlagenen Kürzung um ein Drittel aller Waffengattungen halten werden. — Die Lausanner Verhandlungen verfolgt man mit großer Sympathie und würde eine baldige Verständigung begrüßen. Angesichts des sachlichen und versöhnlichen Tones des Reichskanzlers v. Popen und des französischen Ministerpräsidenten Herriot ist man ziemlich optimistisch hinsichtlich, des Endresultates.
Oer Parteikongreß der Demokraten.
Newyork, 27. Juni. (TU.) In Chikago wurde der Parteikongreß der Demokraten mit üblichem Gebet eröffnet. Senator Barkley von Kentucky hielt eine zweistündige Eröffnung5keds; in der er u. a. die drei letzten republikanischen Verwaltungen, besonders die Hoover-Regierung, für die Wirtschaftslage der Vereinigten Staaten verantwortlich machte. Er befürwortete eine Zollre - form, eine Banke nreform, die Farmer- Hilfe und sprach sich für eine fünftägige Arbeitswoche aus. Der demokratische Plattformentwurf enthält außenpolitisch den Beitritt zum Haager Schiedsgericht, die Aufrechterhaltung der Monroedoktrin und die Schul den st reich u n g im Austausch gegen Rüstungs- einschränkungen. Als Präiioentschaftskandi- doten der Demokratischen Partei gelten Gouverneur Roosevelt, A l Smith, der Sprecher des Repräsentantenhauses, Garner, Newton D. Baker, Gouverneur Ritchie von Mary-Land, Senator Reed von Missouri. Als Favorit gilt Roosevelt. Als Vizekandidaten für-die Präsidentschaft werden genannt Senator Wheeler von Montana und Bankier Trailer von Chikago. Das Ergebnis ist jedoch völlig ungewiß.
Schlosses an den Militärwachen vorbei, die so überrascht waren, daß sie nichts unter- nahmen. Zwei junge Leute kletterten auf das Dach, rissen die englische Flagge herunter und setzten die schottische an ihre Stelle. Nachdem die Menge das Schloß wieder verlassen hatte, wechselte einer der beiden Soldaten die Flagge wieder um.
Schwerer Anfall , eines deutschen Delegationsmitgliedes in Genf.
Der Hilfsarbeiter in der Rechtsabteilung des Auswärtigen Amtes, Dr. Fritz Norden, wurde von einem Motorradfahrer überfahren und in schwerverletztem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Sein Zustand ist sehr ernst. Dr. Norden gehört der deutschen Delegation auf der Abrüstungskonferenz an und ist seit Fahren ständiger Mitarbeiter der deutschen Delegationen auf den internationalen Konferenzen.
Friedhossschändungen in Dessau.
Zwei bis drei junge Burschen drangen in den letzten Tagen und Nächten in den Friedhof ein und zerstörten etwa 100 Denkmäler, unter ihnen 35 bis 40 Grabkreuze. Man vermutet die Täter, die man bisher noch nicht hat fassen könyen, in den Reihen des Gottlosenoerbandes.
Schweres Autounglück in Böhmen.
Zwischen Komotau und Brüx stürzte ein mit fünf Personen besetzter Kraftwagen in einer scharfen Kurve in den Straßengraben. Der Wagen wurde vollkommen zertrümmert, vier Insassen sind kurz nach dem Unfall ihren Verletzungen erlegen.
Das Gold der „Eghpl" freigegeben.
Der Admiralitätsmarschall ordnete die Freigabe der von der „Egypt" gehobenen Gold- und Silberladung an, die an Bord des italienischen Bergungsschiffes nach Plymouth gebracht worden war. Unter den Augen von vielen Tausenden von Zuschauern wurden dann die Gold -und Silberbarren aus geladen und mit einem Sonderzug nach London befördert.
Hochschulnachrichten.
Professor Fritz Schachermeher, Fena, hat einen Ruf an die Aniversität Fnnsbruck auf den Lehrstuhl für alte Geschichte als Nachfolger von Professor Lehmann-Faupt erhalten.
Der Berliner Privatdozent Dr. Kurt Stern ist als Gastprofessor für Biologie an die Western Reserve Aniversity Cleve land (Ohio, USA.) berufen.
Der Kieler Botaniker Professor Dr. Georg Tischler hat als Gastprofessor der Fohn-Hop- kins Aniversity in Baltimore eine Vortragsreise an zehn amerikanische Aniversitäten unternommen. Der Gelehrte ist auch von der japanischen botanischen Gesellschaft in Tokio zum Korrespondierenden Mitglied gewählt worden.
Der Literarhistoriker der Aniversität München. Professor Dr. Hans Heinrich B o r ch e r d t, ist als Gastprofessor an die Columbia Aniversity von N e u h o r k berufen.
Der Hamburger Röntgenologe Dr. Fedor H ä - ne sch ist von der Königlichen Gesellschaft für Medizin in London zum Korrespondierenden Ehrenmitglied ihrer radiologischen Abteilung ernannt worden.
meinetwegen! Ich will mal Gnade vor Recht er- gehen lassen. Um Ihres Bruders willen werde ich Sie nicht der Polizei ausliefern. Machen Sie, daß Sie wegkommen!"
„Danke sehr, werter Herr! Das ist eine edle Tat!"
„Schon gut!"
„Es ist eine edle Tat, daß Sie an mich die Aufforderung richten: Karl, mach, daß du wegkommst!" — „Karl habe ich nicht gesagt."
„Gewissermaßen, meine ich. Gewissermaßen haben Sie zu mir gesagt: Karl, reiß aus!" — „Also ver- schwinden Sie schon!"
— ret6 — aus!l haben Sie gesagt." „Warum brüllen Sie denn so? Ich bin doch nicht taub."
„Ganz egal, werter Herr! Wenn die Rührung über mich kommt, dann muß ich schreien. Sie haben edelmutigerweise zu mir gesagt: Karl — Karell!!! — Türme!!!"
Die überanstrengte Stimme des Sprechers schnappt mit einem Mißlaut jäh ab. Gleichzeitig kommt aus dem anstoßenden Speisezimmer ein klirrendes ©e- polier .. Guntram stößt mit dem Fuß die Tür auf. Er steht vor dem Büfett einen Mann knien, der ihm den Rucken zukehrt und seelenruhig Silberzeug in einen Sack packt.
„Mein Bruder Karl!" stellt voll müder Resignation der Verandamöbellackierer vor. Sie sehen jetzt daß ich die reine Wahrheit gesagt habe: Das dumme Luder da ist stocktaub!"
Ist Elvira schuldig?
Diese Frage beschäftigt die Mitglieder der Lon- voner Gesellschaft nicht weniger als die Whitechapel- leute unb die Kriminalisten von Scotland Pard. Seit Jahren hat kein Kriminalfall in England solche Aufregung verursacht, wie diese Liebesgeschichte mit dem unglücklichen Ausgang. 7 1
®.1 oiraJBarnet) ist die Tochter eines promi- nenten Londoner Börsianers. Ihre Schwester ist mit einem englischen Herzog verheiratet, der der eng- rll5 Gardeoffizier angehört. Elvira war schon und scharmant, und sie schien prädestiniert für eine reiche unb glückliche Heirat. Um so erstaun- ter war man in der Londoner Gesellschaft, als man erfufjr, daß das schöne Mädchen sich in einen Iazz- mufifer verliebt hatte und als es ihr gelang ten starren Widerspruch ihrer Eltern zu beugen' und den unbekannten Musiker zu heiraten. In den ersten Monaten war alles Gluck und Seligkeit; es dauerte nicht lauge, und schon nach sechs Monaten wurde die ung eiche Ehe geschieden. Elvira Barney kehrte üjs ny?l ,nr Haus ihrer Eltern zurück. Sie wurde Schauspielerin und trat — unter einem P eudonym — im Londoner Gaiety-Theater auf. Sie stand zwischen den Welten; sie gehörte nicht
mehr ganz zu der Gesellschaft, ohne daß man sie deshalb eine Halbweltdame hätte nennen können. Ihr Haus jedenfalls galt bald als Sammelpunkt der Londoner Künstlerschaft und vor allem der Londoner Bohemiens.
Es liegt einige Monate zurück, daß Elvira Barney den jungen Thomas Scott-Stephen kennenlernte, den Sohn eines reichen schottischen Bankbirektors, und baß beide sich sterblich ineinander verliebten. Monate hindurch bauerten diese innigen Beziehun- gen. In den letzten Wochen erst munkelte man, daß zwischen den beiden nicht mehr alles stimme, unb nicht nur die Dienstboten wußten von den Streitigkeiten, die an der Tagesordnung waren. Trotzdem war Scott-Stephen noch häufig Gast bei Elvira Barney. Vor einigen Tagen gab Elvira wieder eine ihrer beliebten Gesellschaften. Unter den Geladenen — es waren ungefähr fünfzehn Personen — befand sich natürlich auch Thomas Scott-Stephen. Man schlemmte und trank, und es wurde drei Uhr morgens, bis die Gesellschaft auseinanberging. Man wunderte sich natürlich nicht, daß Scott-Stephen allein zurückblieb; man war bas von früher her nicht anders gewöhnt.
Wenige Minuten nach dem allgemeinen Abschied hörten die Portiersleute — sie hatten sich noch nicht zur Ruhe begeben — den Knall von zwei Schüssen. Noch ehe die erschrockenen Leute etwas unternehmen konnten, wurde die Tür der Portierswohnung aufgeriffen. Frau Barney stand im Türrahmen, schneeweiß im Gesicht. Sie zitterte am ganzen Kör- per, und sie bat, sofort einen Art zu holen, Mister Scott-Stephen habe sich erschossen.
Der Arzt war nach wenigen Minuten zur Stelle; er konnte nur noch den Tob des jungen Mannes feststellen. Die sofort verständigte Polizei verhörte Elvira Barney und erfuhr, daß sie und ihr Freund einen kleinen Wortwechsel gehabt und daß Scott- Stephen trotz der Unwichtigkeit des Streites plötz- heb einen Revolver gezogen und sich in die Schläfe geschossen hatte. Beide Schüsse seien so schnell gefallen, daß sie sie nicht hatte verhindern können. Schon die sofort oorgenommene Untersuchung des Polizeiarztes führte zu der absoluten Verneinung eines Selbstmordes: die Schüsse waren nicht aus nächster Nähe abgegeben; die Einschußwunde zeigte keinerlei Verbrennungsmerkmale. Auch die Tatsache, daß sich der Schuß in der linken Schläfe befand' obwohl Scott-Stephen kein Linkshänder war, spricht gegen die von Elvira Barney oorgetragene Selbst- mordtheorie. Die junge Frau wurde sofort verhaftet Bisher ist es noch nicht gelungen, ihre Selbstsicher- beit im geringsten zu erschüttern. Sie läßt sich durch kein Kreuzverhör aus der überlegenen Ruhe unb Fassung bringen, und sie bleibt bei der dezidierten xö^feÄleCOtl‘StCP!,en |e,b|t **


