Die ÄLG.-Ausstellung in Mannheim.
Die diesjährige große Wanderausstellung derDeutschen Landwirtschafts- Gesellschaft findet in der Zeit vom 3 1. Mai bis 5. Juni in Mannheim statt. Die süddeutsche Landwirtschaft muh dies freudig begrüßen, erhält sie doch dadurch Gelegenheit, ohne allzu große Kosten für die Reise usw. die DLG.- Ausstcllung zu besuchen und die Fortschritte in der Tierzucht, der Technik auf vielen Gebieten, sowie der Produktion vielseitigster landwirtschaftlicher Erzeugnisse kennenzulernen. Besonderen Interesses erfreuen sich stets die täglichen Vorführungen der Züchterkollcktionen aus den einzelnen Hochzuchtgebietcn der deutschen Pferde- und Rindviehzucht, die jeweils vormittags den großen Ausstellungsring passieren, und am Auge des Beschauers in nicht cndenwollender Fülle und Ausgeglichenheit vorüberziehen. Die Wirtschaftskrise wird allerdings in diesem Jahre manchen > Züchterverband davon abhalten, aus zwingenden Ersparnisgründen, die DLG.-Ausstellung zu beschicken, so daß zweifellos gewisse Lücken in den sonst üblichen Massenvorführungen vorhanden sein werden. Erfreulicherweise hat die Schauleitung der Ausstellung jedoch dafür Sorge getragen, daß die täglichen Vorführungen im großen Ring möglichst vielseitig gestaltet und allen züchterisch eingestellten Besuchern etwas bieten werden. Richt zuletzt kann cs mit Genugtuung begrüßt werden, daß auch in Mannheim zahlreiche erstklassige Gespanne von Warm- und Kaltblutpferden aus den heimischen und alten Zuchtgebieten das Auge des Beschauers erfreuen werden.
Als besondere Attraktion müssen die ostfriesischen Gespanne des Stalles Klopp aus Leer angcsprochen werden, welche erfreulicherweise in vielseitigster Anspannungsart zur Vorführung kommen. Es handelt sich hier um jene auf fast allen bedeutenden Turnierplätzen Deutschlands vielfach siegreichen Gespanne, die in einer Reihe wirkungsvoller Schaunummern auch für Mannheim verpflichtet sind. Sie werden durchweg von
Reitschülern der Fahr- und Reitschule Leer gefahren werden, der S t a m m s ch u l-e Hessens, in welcher die Mitglieder der dem Landesverbände Hessen angeschlossenen ländlichen Reit- und Fahrvcreine ihre Ausbildung nach einheitlichen Grundsätzen genießen. Die F a h r - und Reitschule Leer wird mit insgesamt 20 ihrer ehemaligen Schüler die Schaunummern mit den Gespannen des Kloppschcn Fahrstalles täglich vorführen. 3n erster Linie dürften die bereits im vergangenen Jahre bei der DLG. in Hannover, sowie beim Internationalen Turnier in Aachen mit außerordentlichem Erfolge vorgefahrenen Randoms auch diesmal ihre Anziehungskraft auf das Publikum nicht verfehlen, dann werden etwa sechs Tandems und drei Vicrerzüge des gleichen Stalles gezeigt werden. Erfreulicherweise werden die hervorragenden Gespanne in Mannheim in der Hauptsache von ehemaligen Reitschülern der Schule aus Hessen vorgefahren werden, die hier eine willkommene Gelegenheit finden, ihre in der Schule erworbenen außergewöhnlichen Fähigkeiten in der Fahrkunst vor der Oeffentlichkeit unter Beweis zu stellen.
An den Rachmittagen der Ausstellungstage findet täglich das DLG.-Reit - und Fahrturnier statt, welches zahlreiche bekannte Tur- nicrreiter und Fahrer und Pferde in den Ring führen wird. Die Tage des 4. und 5. Juni sind ausschließlich den ländlichen Reitern Badens, der Pfalz und Hessens Vorbehalten und werden zweifellos sich des besonderen Interesses der Landbevölkerung erfreuen. Auch an diesen beiden Rachmittagen werden die Schaunummern der Fahr- und Reitschule Leer als Einlagen das Turnierprogramm abwechselungsreich unterbrechen. Als besondere Zugnumnter muß der Kloppsche Rappenachterzug ange- sprachen werden, der in turniermähiger Anspannung ein herrliches Bild bietet und das Auge jedes Pferdeliebhabers erfreuen wird.
Zett wurden uns z. B. wiederum einige Fälle bekannt, wo trotz ausgesprochener Senkfüße die Ergreifung stehender Berufe schwere Fußoperationen notwendig machte.
Infolge der Befreiungsanzeigen für die Arbeitslosenversicherung gehen alle Lehrverträge durch unsere Hände. Wir haben so die Möglichkeit, auch die ohne uns eingestellten Lehrlinge auf Grund der vorhandenen schulischen und ärztlichen Unterlagen auf ihre voraussichtliche Bc° rufseignung einzuschähen, wenngleich sie nicht in unserer Beratung waren. Dieser diskrete Einblick in die Lehrverhältnisse nötigt uns manches Kopfschütteln ab. Wieviele Lchrplätze könnten belfer beseht, wieviele gesundheitliche Schäden durch vernünftigere Lehrlingsauslese noch vermieden wer- denl Da ist die stets weiter um sich greifende Einsicht höchst erfreulich, daß die öffentliche Berufsberatung, deren aufklärende Arbeit freilich nicht in jedermanns Interesse liegt, mit ihren vielseitigen Erfahrungen und Feststellungsmöglichkeiten voraussichtlicher Derufseignung für Ratsuchende. Arbeitgeber und Wirtschaft eine nicht zu unterschätzende segensreiche Einrichtung ist. Aus manchem Saulus ist heute ein Paulus geworden, und von allen Seiten und Bevölkerungskreisen her nimmt man sie gerne und immer häufiger in Anspruch.
Zum fast täglichen Erlebnis gehört es. daß die Aussichten in ein und demselben Beruf mit normaler Arbeitslosigkeit aus ganz nichtigen, einfältigen Gründen einmal sehr pessimistisch, ein andermal. vielleicht gerade vom nächsten Ratsuchenden, ebensosehr optimistisch beurteilt werden, und je nach der kurzsichtigen Einstellung des Ratsuchenden wird der betreffende Beruf dann strikte abgelehnt, oder stark begehrt. Die unsicheren, schlechten Wirtschaftsverhältnisse wirken auf viele in dem Sinn, anstatt die Eignung nun erst recht die völlig unvorherzusehenden Berufsaussichten zum ausschlaggebenden Gesichtspunkt der Beruss- entscheidung zu machen. Lind wer würde bei der Lehrstellenzuweisung die immer wiederkehrende Frage nicht verstehen, ob der Junge nach dem Auslernen auch bleiben könne. Was liehe sich in dieser Beziehung aber auf drei bis vier Jahre noch versprechen oder prophezeien? Man wähle in erster Linie den geeigneten, seinen Anlagen und Fähigkeiten entsprechenden Berus ohne übergroße Rücksichtnahme auf augenblickliche Aussichten, die morgen schon wieder anders sein können, man sei eifrig bemüht, ein tüchtiger Facharbeiter zu werden, man nütze die Lehrzeit bei einem wirklichen Meister gehörig aus und nehme der Jugend durch leichtsinniges Gerede nicht die Hoffnung auf bessere Zukunft! In möglichster Erfüllung dieser Imperative liegt noch die beste Gewähr eines nicht allzu harten Berufs- und Lebensschicksals.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
* Treis a. d. Löa., 27. Mai. In der jüngsten Gemeinderatssihung stand der Voranschlag für 1932 zur Beratung. Hierbei zeigte sich, wie sehr unsere Gemeinde unter der Erwerbslosigkeit leidet. Obwohl die Diersteuer in doppelter Höhe und die Bürgersteuer mit 300 v. H. erhoben wird, weist der Voranschlag noch ein Defizit von mindestens 18 000 Mk. auf, das aus dem Ausgleichsstock gedeckt werden soll. Der Gemeinderat nahm folgende Entschließung einstimmig an; »Die Gemeinde ist aus eigener Kraft nicht in der Lage, die ungeheuren Wohlfahrtslasten zu tragen. Sollten Reich und Land die fehlenden Mitteln nicht zur Verfügung stellen, so ist die Gemeinde gezwungen, ihre Zahlungen einzu stellen.'
I L i ch, 27. Mai. Im Verlaufe mehrerer Wochen hat sich auf der Eisenbahnlinie Gießen — Gelnhausen in der Gemar - fung Lich in nächster Rähe der Lieberführung über die Butzbacher Straße ein allmählicher Dammrutsch vollzogen, der der Reichsbahn Veranlassung gab, größere Ausbesse - rungsarbeiten ausführen zu lassen. Der Bahndamm besteht an dieser Stelle aus reiner Lette, die durch Witterungseinflüsse ins Gleiten gekommen ist. Die Züge verkehren schon seit Wochen an dieser Stelle im Fuhgängertcmpo. An mehreren Stellen werden jetzt Schächte in den Bahnkörper getrieben und diese mit Stücksteinen und Schlacken ausgefüllt. Sie sollen der Entwässerung des Dammes dienen und einem weiteren Abgleiten des Llntergrundes entgegen- wirken.
'D L i ch, 28. Wai. Die hiesige Marktkommission hat wegen des Ausfalles des Fastnachts- und Ostermarktes beschlossen, am Montag, 1 3. Iuni, hier ersatzweise einen Schweine - und Krämer m a r 11 stattfinden zu lassen. Dem Verlauf des Pfingstmarktes nach zu urteilen, ist zu diesem Markt mit einem starken Austrieb erstklassiger Ferkel zu rechnen und somit der Bevölkerung Gelegenheit geboten, sich mit bestem Material zu versorgen. Auf die in nächster Zeit erscheinende amtliche Bekanntmachung über die Abhaltung des Marktes sei jetzt schon hingewiesen.
4c L i ch, 27. Mai. Die von der Reichsregierung eingeleitete Aktion zur Versorgung der H ü h n c r° Haltungen mit billigem Ausland- weizen ist hier bereits zur Durchführung gelangt. Von einer größeren Anzahl Geflügelhalter wurden insgesamt etwa 3550 Hühner angemeldet, das sind etwa i/s der bei der amtlichen Viehzählung am 1. Dezember 1931 ermittelten Hühner. 3e Huhn gelangen bekanntlich 2,5 Kilo verbilligter Weizen zur Abgabe. Der Gesamtbedarf zuzüglich einer fünfprozentigen Erhöhung beträgt etwa 9280 Kilo.
* Obbornhofen, 28. Mai. Der Altveteran von 1870 71 Heinrich Peter Ruppel und seine Ehefrau, geb. Hahn, können am 2. Juni das seltene Fest der diamantenen Hochzeit begehen. Herr R u p p e l ist von Beruf Zimmermeister und in der Llmgegend allgemein bekannt und geschätzt. Als tüchtiger Handwerker bekannt, wurde er von der Graf Solms-Laubachschen Bauvcrwal- tung bei der Errichtung von Reubauten aus deren Gütern stets herangezogen. Der Jubilar steht Im 85., seine Ehefrau im 82. Lebensjahre.
Kreis Büdingen.
△ Büdingen, 27. Mai. Die Kreis-Wan- dcrkochschule hat Kurse in Düdelsheim und Stockheim abgehalten. In Düdelsheim mußten we
gen starker Beteiligung zwei Kurse stattfinden. Dom 30. Mai ab findet ein fünfwöchiger Lehrgang in Hirzenhain statt.
A Bleichenbach, 27. Mai. Ein seltenes Vorkommnis im Imkereibetriebe ereignete sich dieser Tage hier, indem ein fremder, jedenfalls von auswärts hergekommener Bienenschwarm hoch aus der Luft einem Bienenhaus zustrebte und in eine leerstehende Wohnung einzog.
Kreis Schotten.
V 6eIInrob, 27. Mai. Gin lokaler Feiertag im Kirchspiel Sellnrod war bis auf die neueste Zeit der 2 6. Mai, der sog. „Hagel feier- t a g“. Dieser Feiertag geht zurück auf den 25. Mai 1868, an dem ein Hrvchtbares Hagelwetter die Fluren unserer Gemarkung und der Llmgegend schwer verwüstete. In Zeitungsberichten aus jenen Llnglückstagen ist heute noch ersichtlich, wie schwer das Wetter gehaust hatte. Die Pfarrer Bang und Wüst aus Sellnrod bzw. Bobenhausen l! erließen dama's ci en Ausruf zur Hilselcistung. Daraufhin erhielten die Gemeinden von dem Großherzog, und der Großherzoglichen Familie, dem Fürsten von Lich, dem Grafen von Laubach, von vielen Gemeinden und Privaten 1657 Gulden und 11 Kreuzer an Geld und 4O‘/2 Malter Frucht. Davon erhielten Bobenhausen, Höckersdorf und Wohnfeld 800 Gulden und die Hälfte der Frucht. Von dem Rest erhielt Altenhain, welches weniger hart betroffen war, 100 Gulden. Das übrige wurde unter die Ortsbürger von Sellnrod und Schmitten verteilt. Rur wenige Leute waren damals mit ihren Feldfrüchten gegen Hagel versichert gewesen. Zur Linderung der Rot trat außerdem auf Rachsuchen ein Steuernachlaß ein (Sellnrod 241 Gulden und 12 Kreuzer, Schmitten 13 Gulden und 20 Kreuzer). Mit Genehmigung des Oberkonsistoriums wurde angeordnct, daß zum Gedächtnis an dieses Hagelwetter alljährlich am 26. Mai ein Gottesdienst abgehalten werden sollte. Seit etwa drei Jahren wird dieses Hageltages am nächstliegenden Sonntag im Gottesdienst gedacht, wie cs z. D. auch in Lardenbach Brauch geworden ist.
Kreis -Usfeld.
Nieder-Gemünden, 27. Mai. Unter der Leitung des Aufsichtsratsvorsitzenden, Bürgermeister Lutz (Elpenrod), hielt die M o l k e r e i g e n o 11 e n» schäft Nieder-Gemünden ihre ordentliche Jahresversammlung ab, die von rund 250 Mitglied dem besucht war. Der Rechner gab die Jahresrechnung und die Bilanz bekannt, gegen die keine Ein- Wendungen erhoben wurden. Dem Vorstand wurde einstimmig Entlastung erteilt. Aus dem Reingewinn werden die Geschäftsguthaben mit 10 v. H. verzinst, der Restbetrag wird zu gleichen Teilen der Betriebsrücklage und dem Reservefonds zugeführt. Die satzungsgemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder Rocker (Bleidenrod) und Becker (Maulbach) wurden einstimmig wiedergewählt. Wer Mitglieder, die im Jahre 1931 keine Milch abgeliefert haben, wurden von der Generalversammlung ausgeschlossen. Die neue Milchlieferungsordnung wurde von der Versammlung mit Stimmenmehrheit genehmigt. Das Anwesenheitsgeld wurde auf 3 Mark je Mitglied festgesetzt. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten hielt Dr. Wald vom Verband Hessi- scher Landwirtschaftlicher Genossenschaften einen Vortrag über das Genossenschaftswesen. Anschließend überreichte er den Vorstandsmitgliedern Nathes (Nieder-Gemünden) und H e ß (Büßfeld) sowie den Mitgliedern Martin (Nieder-Gemünden), Bernhardt (Elpenrod) und H e I f t e n b c i n (Hainbach) anläßlich des 40jährigen Bestehens der Genossenschaft Ehrendiplome; die Ausgezeichneten sind Mitbegründer der Genossenschaft. Direktor Nathes berichtete anschließend noch über die Gründungsgeschichte der Genossenschaft. Ein geselliges Beisammensein folgte den geschäftlichen Verhandlungen nach. — Die hiesiye Spar- und Darlehnskasse hielt unter der Leitung des Aufsichtsratsvorsitzenden Nathes (Nie- der-Gemünden) ihre ordentliche Generalversammlung ab. Die Jahresrechnung und die Bilanz wurden von der Generalversammlung einstimmig genehmigt und dem Vorstand und Aussichtsrat Entlastung erteilt. Die satzungsgemäß ausscheidenden Vorstands- bzw. Aufsichtsratsmitglieder Karl Kehr (Hainbach), N a •
thes (Nieder-Gemünden), Binding (Elpenrod) und Steeg (Elpenrod) wurden einstimmig wieder- gewählt. Aus dem Reingewinn wurden den in der Generalversammlung anwesenden 109 Mitgliedern je 3 Mark Agwesenheitsgeld bewilligt, der Restbetrag wird dem Reservefonds und der Betriebsrücklage gutgeschrieben.
Preußen.
Kreis Marburg.
WSR. Mar.burg, 27.Mai. Der 19jährige Student Wilhelm Keitel aus Stockheim (Oberheffen) stürzte in der Rächt zum Donnerstag so unglücklich auf der Treppe, die von der Rittergassc zum lutherischen Kirchhof führt, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt, an dessen Folgen er am Donnerstagnachmittag, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, verstarb.
2Raubü6erfal( auf einen Geldbnefiräger
WSN. Frankfurt a. TL, 27. Mai. Heute, kurz nach 9 Uhr, wurde im Hause Sandweg 27 der Geldbriefträger Georg Mohr von einem unbekannten Mann überfallen und seiner Tasche beraubt. Auf die Hilferufe des Briefträgers, der am Kopfe schwere Verletzungen davontrug, eilten Hausbewohner herbei, die den Täter verfcheuchten.Diefer warf auf der Flucht die Geldtasche in ein Nachbargrundstück, wo sie aufgefunden und fichergestellt wurde. Von dem Täter fehlt bisher noch jede Spur. Er hat, wie Zeugen angeben, längere Zeit vor dem Hause gewartet, und wahrscheinlich eine fingierte Postanweisung nach dem betreffenden Hause aufgegeben.' Für die Ergreifung des Täters hat die Reichspost eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt.
Strafkammer Gießen.
* Gießen, 27. Mai. Am 29. Februar fand in Alten-Dufeck, nachdem eine öffentliche Versammlung von der zuständigen Behörde- nicht genehmigt war, eine Mitgliederversammlung der Rationalfozialistischen Arbeiter-Partei statt, zu der auch cingeladcne Richtmitglieder in großer Zahl sich einfanden. Da auf Grund der Ermittelungen anzunehmcn war, daß die sog. Mitglieder- vcr^immlung in Wirklichkeit eine verbotene öffentliche Versammlung war, wurde wegen Verstoßes gegen die Paragraphen 2, 3 der Verordnung zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. Mäi^ 1931 gegen Veranstalter. Leiter und Redner der Versammlung Anklage erhoben. Das Amtsgericht Gießen sprach diese aus subjektiven Gründen insoweit frei und verurteilte lediglich wegen einer 11 Übertretung gemäß Paragraphen 16, 18,4 des Dereinsgesetzes. Die Berufung der Staatsanwaltschaft konnte heute nicht durchgeführt werden; zur Beiladung von Zeugen mußte die Verhandlung vertagt werden.
Am 15. Rovember 1931, dem Tage der hessischen Landtagswahlen, wurde ein Rationalsozialist in Vilbel von verschiedenen Kommunisten bedroht und geschlagen. Zwei von diesen konnten fest- gestellt und angeklagt werden. Das Amtsgericht Vilbel sprach den einen mangels Beweises frei und verurteilte den anderen zu zwei Monaten Gefängnis. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft hin wurde heute auch der Freigesprochene wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung verurteilt, und zwar mit Rücksicht auf seine Vorstrafen zu vierMonatenGcsäng- n i s.
Vezirksschöffengerichl Gießen.
Gie.ßen, 27. Mai. Ein Schornsteinfegergeselle hat feine Dienstherrin um den Betrag von 80 bis 90 Mk- geschädigt, indem er von ihm eingenommene Fegegelder unterschlug. Ferner hat er einen Betrug dadurch begangen, daß er den Schornstein eines Hauses nicht reinigte und sich die Gebühr trotzdem bezahlen ließ. Seine Anwesenheit in einem Haus hat er benutzt, um einem Dienstmädchen einen Zwanzigmarkschein, den diese in einer Schublade ihrer Kammer aufbewahrte, zu stehlen. Er war in keinem Fall
geständig, so daß eine umfangreiche Beweisaufnahme nötig war. Da Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten bestandeq» der in früheren Fällen aus diesem Grund frei- gesprochen worden war, sand auch eine psychiatrische Begutachtung statt, die das Ergebnis hatte, daß der Angeklagte zwar ein Psychopath, nicht aber geisteskrank ist. E.in früheres Gutachten. das von der Annahme einer bestimmten Geisteskrankheit 'ausgegangen war, erwies sich nach dem weiteren Verlaus der Geistesentwicklung des Angeklagten nicht als haltbar. Es wurde auf eine Gesamtgefängnis st rafe von zwei Monaten erkannt.
Amtsgericht Gießen.
Die „falsche Anschuldigung" umfaßt trotz ihrer nahen Verwandtschaft mit den Ehrverletzungen wegen der schwereren Ratur des Vergehens einen besonderen Abschnitt des Strafgesetzbuchs. Er sieht als Mindeststrafe einen Monat Gefängnis vor, kennt keine mildernde Llmstände, und es kann der Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte ausgesprochen werden. Im Fragefall wurde auf eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen erkannt. Rur das Alter des Angeklagten — er jft 72 Jahre alt - und seine Invalidität schützten "Ihn vor einer höheren Strafe. Er erhob seinerzeit Anzeige bei der Polizei, eine in demselben Hause wie er wohnende Frau bzw. deren Angehörigen, mit denen er auf gespanntem Fuß lebte, hätten sich des Verbrechens wider das keimende Leben schuldig gemacht. Er will dies aus einer von ihm abgelauschten Unterhaltung mit Distimmt- heit entnommen und dann auch dahingehende Beobachtungen gemacht haben. Von der Staatsanwaltschaft wurde auf die Anzeige hin ein Verfahren ein geleitet, aber wieder eingestellt. Sie gewann aber aus den Verhandlungen die Lieberzeugung. daß es sich seitens des Anzeigenden um eine bewußt falsche nach § 164 des St.G.B. zu bestrafende Anschuldigung gehandelt habe, abgegeben lediglich in der Absicht, ein Strafverfahren zu veranlassen. Die erhobene Anklage hatte auch Erfolg. Es ergab sich in der Gerichtsverhandlung aus einer ganzen Reihe von Umständen, daß alle Angaben des Angeklagten, die zur Llnterstühung seiner Anzeige dienen sollten, nur erdichtet und unwahr sein konnten. DaS Motiv der falschen Anzeige war Rache gewesen.
Ein Heiratsschwindler, angeblich berufsmäßiger Agitator einer politischen Partei, erhielt wegen Betrugs zwei Monate Gefängnis. Das Verhältnis, das er angeknüpft hatte, begann mit gemeinschastlichen Besuchen von Lokalen und endete damit, daß der Angeklagte ohne Abschied verschwand, nachdem er seine leichtgläubige Begleiterin dazu gebracht hatte, ihm von ihren Ersparnissen 300 Mark zu verabfolgen, die er angeblich benötigte, um eine Stelle in der Industrie zu erhalten. Er hatte ihr auch die Absicht späterer Verehelichung vorgespiegelt.
Wegen Beleidigung zweier Polizeiwachtmeister und eines Feldschühen im Dienste wurden gegen einen hiesigen Schlosser, bzw. eine Ehefrau, auf Geldstrafen von je 20 Mark erkannt. Im ersten Falle war die Polizei aus Anlaß einer Schlägerei eingeschritten, bei der der Angeklagte beteiligt war. Dieser, darüber ungehalten, ließ seinen Zorn gegen die Polizei dadurch aus, daß •er die Wachtmeister mit gemeinen Schimpfworten bedachte, die auch nicht nachließen, als er auf die Wache befördert wurde. Der zweite Fall ereignete sich gelegentlich einer Haussuchung nach angeblich gestohlenen Fichtenstämmchen in der Wohnung der Angeklagten, die hierüber aufgebracht war und den Feldschühen ebenfalls mit Schimpfworten titulierte, ihm auch die ehrenrührige Behauptung ins Gesicht sagte, er erhalte für jede Anzeige 5 Mark, für die er nachher Schoppen trinke.
Kirche unö Schule.
Kreis Schotten.
S ch o 11 e n , 27. Mai. Lehrer i. R. Leidig, der schon wiederholt Reisen nach Amerika unternommen hat, sprach in einer Bezirkslehrcr- konserenz über das „Amerikanische Volksschulwcs.e n“. Der Redner hatte Gelegenheit, sowohl städtische als auch ländliche Schulkörper dieses Landes zu besuchen und Einrichtungen und LInterrichtsweise fennenwlemen. Die Lehrpersonen sind bis zu 85 Prozent weiblich. Die männlichen Lehrkräfte scheiden, sobald sie eine besser bezahlte Stellung erhalten können, aus, dem Schuldienst aus. Im Unterricht findet das Prinzip der Selbsttätigkeit weitgehendst Berücksichtigung Hausaufgaben gibt es nicht. Die Schüler erfreuen sich innerhalb eines gewissen Rahmens während der Lehrstunden größerer Freiheit. die sich sehr oft auch auf die Wahl der Beschäftigung erstreckt. Das handwerkliche Können wird stark gefördert. Schüler, die in gröbster Weise die Schulzucht verstoßen, werden von der Schule ausgewiesen. Das Schuljahr dauert zehn Monate, Juli und August sind schulfrei. An den sehr beifällig aufgenommenen Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache, an der sich auch die Herren des Lehrerkollegiums von Alsfeld, sowie die Schulräte aus beiden Kreisen beteiligten.
(Schluß des redaktionellen Teils.) Die bringt man Kinder dazu, mehr Milch zu trinken?
Was muß man manchmal anstellen, um ein Kind zum Milchtrinken zu bewegen! Und meistens ist der Widerstand des Kindes gar nicht fo unberechtigt. Milch ist nämlich nicht für jeden fo leicht verdaulich, wie man gemeinhin glaubt. Taufende von Müttern in allen Ländern der Welt sind daher dazu über« gegangen, in die Taffe Milch zwei bis drei Kaffee, löffel Ovomaltine-Kraftnahrung zu geben. Man erhält dadurch ein Getränk, das gut schmeckt, viel nähi kräftiger ist und so bekömmlich, daß jedes Kind es gern trinkt- Doomaltine ist aus den edelsten Bestandteilen von Ma/z, Milch, Eiern und Kakao her- gestellt und wird feit Jahrzehnten von Aerzten aller Länder als Kraftnahrung — besonders für den schwächlichen und nervösen Organismus — empfohlen. Schon mit einer Dose zu RM. 1,15 aus der nächsten Apotheke oder Drogerie können Sie einen Versuch machen. Wollen Sie erst eine kostenlose Ge» schrnacksprobe, so erhalten Sie diese von Dr. A. Wander G. m. b. H., Abt. I 79, Osthofen (Rhein. Hessen). 4127V
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