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Don -en unmittelbar bevorstehenden Aufgaben, die Vie Sozialpolitik stark berühren, möchte ich drei nennen:

1. Die Schaffung einer einfachen, klaren und billigen Slaalsorganisaiion. Da» ganze deutsche Steuerwesen muh einfach, klar und wirtschaftsfördernd gestaltet werden. Der endgültige Finanzausgleich zwi­schen Reich, Ländern und Gemeinden und die end­gültige Regelung der Arbeilslosenfür- sorge stellen uns vor eine Steuerreform grohen Stils.

2. Es muh Klarheit bestehen über die Behand­lung der Lohnfrage. Ich bin für Aufrecht­erhaltung des staatlichen Lohnschuhes. Der Zwangsschiedsspruch muh aber künftig mehr in den Hintergrund treten. Die Regel muh die freie Vereinbarung fein, zu der der Staat mit seinen Schlichtungsorganen Hilfsstellung zu leisten hat.

3. Die Arbeitslosen fr age wächst sich ne-, ben der Außenpolitik immer mehr zu der deutschen Frage aus. Ein einziges grohes Mittel zur Be­hebung oder auch nur stärkeren Zuruckdrängung der Arbeitslosigkeit gibt es nicht. Die zwei größ­ten Mittel, die bisher genannt wurden, sind ein­mal die Arbeitsbeschaffung großen Stils durch dieöffentlicheHandmit- telS Kreditschöpsung, ferner eine andere Verteilung der vorhandenen Ar­beit vermittels gesetzlich verkürzterAr- b e i t s ze i t. Mit ein oder zwei größeren Mitteln ist der Arbeitslosigkeit nicht beizukommen. Es müssen vielmehr alle gangbaren Wege beschritten werden, als da sind:

Schaffung gesicherter und politisch g e - festigter Verhältnisse im Innern, Liberalität in der Kredit- und Zinsenpolitik, A r - b e i t s b e s ch a f fun g, soweit diese o h n e G e - fährdungderwährung möglich und ver­tretbar ist, bessere Verteilung der vorhandenen Arbeit, Erweiterung des freiwilli­gen Arbeitsdienstes usw.

Der Minister schloß: Entweder wir überstehen das Jahr 1932 durch gegenseitiges Stützen und Helfen, oder aber das deutsche Volk bringt sich selbst um seine Zukunst für Jahrzehnte. In den Jahren 1931/32 hat all' das. was in der Welt- Politik und in der deutschen Politik seit Jahr­zehnten verfehlt war. kulminiert. Diesen Kulminationspunkt müssen wir überstehen.

Schwierige Lage

der Sozialversicherungen.

Ueberall starker Rückgang der Beitrags- cingänge bei steigenden Leistungs­anforderungen.

Berlin, 27. Mai. (VDZ.) Im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages gab Ministerialdirektor Dr. G r i e s e r vom Reichsarbeitsministerium einen Bericht über die Lage der Sozialversicherung. In der Invalidenversicherung beträgt das monatliche Aufkommen an Beiträgen nur noch 54 Millionen gegen 70 Millionen im Jahre 1931. Die Ausgabenverpslichtungen für Heilverfahren blieben jedoch etwa die gleichen. Die Ausgaben für Renten stiegen sogar um etwa 70 Millionen im Jahre. In jedem Monat ergebe sich ein Fehlbetrag von 28 Millionen. Zur Deckung müsse die Versicherung ihre Vermögenswerte heranziehen. Auch am l.iJuni würden die Renten unverkürzt ausgezahst werden.

Die Ange st elften Versicherung verzeichne einen monatlichen Rückgang an Beitragseinnahmen von 5 Millionen Mark, dagegen stiegen auch hier die Pensionen nach Zahl und Höhe ständig. Außer­ordentliche Schwierigkeiten beständen auch in der Unfallversicherung. In der Kranken- Versicherung seien die Einnahmen von 2,3 Milliarden im Jahre 19K9 auf 1,6 Milliarden im Jahre 1931 zurückgegangen. Die Kassen hätten alles getan, um die Versicherten vor Beitragserhöhungen zu bewahren.

Das Schuhkartell deutscher Geistes» arbeiter gegen die Beschästigtensteuer.

Berlin, 27. Mai. (TLI.) Das Schuhkartell deutscher Geistesarbeiter hat an den Reichsprä­sidenten und an den Reichskaiuler folgende Ein­gabe gesandt:Rach Pressemeldungen sollen die geistigen Arbeiter im Deamtenstande, im Ange- stelltenrverhältnis und in den Freien 'Berufen mit einer neuen Sonder st euer, einer sogenanntenDeschästigtensteuer" belastet wer­den. Dagegen erhebt die Leitung des Schuhkartells deutscher Geistesarbeiter, dem die großen geisti­gen Berufsverbände angeschlossen sind und dem die schwere, vielfach unerträgliche Lage vergeistig Schaffenden bekannt ist, hierdurch unter ernstem Hinweis auf die ver­hängnisvollen Folgen entschiedenen Ein - s p r u ch."

Forderungen des OHB. zur Notverordnung.

Die Verwaltung des Deutschnationalen Hand- lungsgehilfen-Verbandes erklärt - wie man uns schreibt zu der in Aussicht stehenden Rotver­ordnung, daß sie die Absicht, wesentliche Teile be£ Deitragsaufkommens der Arbeitslosenver­sicherung zum Zwecke der allgemeinen Arbeitslosenfürsorge zu verwenden, und in Auswirkung dieser Maßnahme die Ver­sicherungsleistungen besonders in den oberen Lohnklassen unerträglich zu beschrän- k e n, mit aller Schärfe ablehne. Die für die Arbeitslosenversicherung aufgebrachten Beiträge dürfen nur für Versicherungsleistun- gen, und für keinen anderen Zweck verwandt werden. Jede Beanspruchung der Versicherungs­beiträge für Zwecke außerhalb der Arbeitslosen­versicherung bedeute für die Versicherten eine zusätzliche indirekte Steuer. Die den Arbeitnehmern für Arbeitslosenversicherung und Arbeitslosenfürsorge in der Rotverordnung zu- gedachte Gesamtbelastung von rund 8 v. H. ihres Einkommens gegenüber nur 1 v. H. bei vergleichbarem Einkommen freier Be­rufe und 1,5 v. H. für Beamte, spreche jeder Gerechtigkeit Hohn. An der Mittelaufbringung für die Arbeitslosenhilfe außerhalb der Versiche­rung hätten sich alle Glieder der Volksgesamtheit nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit und der Sicherheit ihres Arbeitsplatzes zu beteiligen. Das müsse in erster Linie über eine Reform der Krisen st euer dergestalt geschehen, daß auch die veranlagten Einkommen den Tarifsätzen für die Lohnsteuerpslichtigen unterworfen und die so umgcftaltete Krisensteuer auf die bisher von ihr -crschonten, in ihrer Existenz gegenüber den An- 1

Polens Absichten aus Ostpreußen.

Ein offenes Bekenntnis des früheren polnischen Generalkonsuls in Königsberg auf einem Warschauer ^Ostpreußenabend".

Warschau, 27. Mai. (TU.) Die Vereinigung der Hochschüler aus den an Ostpreußen grenzenden Bezirken veranstaltete in Warschau einen O st - preußen-Abend, auf der u. o. der frühere polnische Generalkonsul in Königs­berg, Srokowski, einen bemerkenswerten Vortrag über Ostpreußen hielt. Noch im Jahre 1919 habe nach Meinung Srokowskis die Möglichkeit einer Verständigung zwischen Ostpreußen und Polen bestanden, was jedoch durch D e ut s ch - land vereitelt worden sei, da das Reich sich sehr rasch von der Niederlage zu erholen und gleichermaßen an die Revision der Gren­ze n zu denken, begonnen habe. Seit dieser Zeit sei O st preußen Gegen st and besonderer Fürsorge des Reiches geworden, wobei es vor allen' Dingen darum gehe, Ostpreußen auch unter großen Opfern bei Deutschland zu erhalten und nachzuweisen, daß das polnische Pom­merellen zu Deutschland gehören müsse. Darum lasse sich das Reich Ostpreußen auch heute noch viel kosten, obgleich dieses Land ohne natür­liches polnisches Hinterland wirtschaftlich nicht selb­ständig bestehen und aus drei verschiedenen (?) Ge­bietsteilen zusammengesetzt sei. Aufgabe der pol­nischen Diplomatie sei. der Welt klarzumachen, daß Ostpreußen ebenso wie Lettland, Estland upd Finnlandbefreit" werden müsse. Die polnische Oeffentlichkeit und die polnischen Organi­sationen müßten systematisch daran arbei­ten, um die rückständige und vernachlässigte Masse der masurischen B evö l k e r u n g für Polen (!) zu gewinnen. Der Vortragende machte schließlich der polnischen Oeffentlichkeit bittere Vorwürfe, daß sie in dieser Hinsicht vieles versäumt habe.

Grundlose polnische Setze gegen die neuen Befestigungen in Ostpreußen. Die Befestigung des Heilsbergcr Dreiecks ist Deutschland vertraglich erlaubt.

Berlin, 27. Mai. (TU. Funkspruch.) Die pol­nische Presse hat behauptet, daß neue Befesti - gungsanlogen des Heilsberger Drei­ecks, über die vorgestern berichtet wurde, nicht möglich seien, da nach Artikel 180 des Versailler Vertrages die Befestigungen in dem gleichen Zustande wie im Jahre 19 19 verblei­ben müßten. Diese Auffassung ist falsch. Die Frage ist seinerzeit durch einen Beschluß der Botschafterkonferenz vom 5.Februar 1927, dem Verhandlungen mit der Reichsregierung vor­ausgegangen sind, geklart worden. In diesem Be­schluß sind diejenigen Zonen bestimmt worden, in denen Deutschland keine neue Be­festigungen anlegen darf. Für Ostpreußen handelt es sich dabei um eine Küstenzone und die nach der polnischen Grenze Hinge­lege ne Zone, so daß mathematisch genau das Heilsberger Dreieck für neue Befesti­gungen übvig bleibt , dessen Ecken gebildet werden von den Städten Königsberg, Sensburg und Marienburg. Uebrigens sind die Mittel für die neuen Befestigungen schon im vorjährigen und dies­jährigen haushalt enthalten gewesen.

fiommumflenftimulle in Rheinland-Westfalen.

Schwere Schießerei in Wuppertal.

Wuppertal, 27. Mai. (WTB.) Die Tu­multe, die schon vorgestern abend begonnen hatten und gestern seit Mittag neu aufflammten, haben auch in den gestrigen Abendstunden Unruhe in die Stadt getragen. Gegen 20.30 Uhr sammelten sich größere Massen auf der Paradestraße an, die gegen die Polizeibeamten mit Steinwürfen vorgingen. Paradestraße und Rommelspuet wurden mit dem Gummiknüppel gesäubert. Auch in Barmen kam es mehrfach zu größeren Anfammlungen, die teilweise unter Anwendung des Gummiknüppels zerstreut wur­den. Die Polizeibeamten gaben Schreckschüsse ab, da sie mit Blumentöpfen und Flaschen beworfen worden waren. In der Rächt zum Samstag kam es zwischen Kommunisten und der Polizei zu schweren Schießereien. Pa­trouillierende Beamten wurden aus Fenstern mit Karabinern und Maschinenpisto­len beschossen. Die Polizei erwiderte das Feuer und zog Verstärkungen heran. Bei den Schießereien wurde ein Dachdecker, der der Auf­forderung der Polizei, das Fenster zu schließen, nicht nachkam, durch einen Kopfschuß getötet. Um die Polizeitraizsporte zu gefährden, waren an verschiedenen Stellen die St.raßen auf- gerissen und die Kanaldeckel auf die Fahr­bahn geschleudert worden. Auch wurden mehrere Gaslaternen zertrümmert. Die Polizei nahm über hundert Unruhestifter fest.

In Gladbach-Rheydt veranstalteten ein­zelne Trupps von Erwerbslosen Kundgebungen, wobei sechs Kommunisten festgenommen wurden. In der Friedrichstraße wurde nach dem Polizei­bericht bei einem Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Rationalsozia­listen ein Kommunist durch Revolverschüsse ver­letzt, einer getötet. Als der Tat verdächtig wurden zwei Personen verhaftet. Rach diesem Vorfall durchzogen Streifenwagen der Polizei die Straßen der Stadt, um neue Zusammenstöße

zu verhüten. Es wurden noch weitere Festnahmen fcprgencmmen. Wegen Beteiligung an den Vor­fällen in Düsseldorf hat die Polizei den kommu­nistischen Landtagsabgeordnete nFrän- k e n in Rheydt verhaftet. Rach seiner Ein­lieferung ins Polizeigefängnis unternahm er einen Fluchtversuch. Er konnte jedoch wieder fest­genommen werden. Er wurde bereits dem Richter vorgeführt.

Auch Remscheid ist Schauplatz kommunisti­scher Tumulte gewesen. Rachmittags hatten sich größere Gruppen von Kommunisten auf dem Marktplatz angesammelt. In den Abendstunden kam es auf dem Marktplatz und den anliegenden Straßen erneut äu Ansammlungen von Demon­stranten, gegen die mehrfach mit dem Gummi­knüppel vorgegangen werden mußte. Kurz nach 22 Llhr wurde ein Lleberfollkommando nach der Honsberger Straße gerufen, wo sich kommu­nistische Sprechchöre gebildet hatten. Beim Erscheinen wurden die Beamten m i t P i st o l e n- schüssen empfangen. Ein Beamter erhielt einen Steckschuß in die Hand. Die Polizei er­widerte das Feuer. Als die Polizei das Gelände abgesperrt hatte, wurden noch einige Schüsse auf sie abgegeben.

Auch in Köln kam es in verschiedenen Stadt­teilen unter kommunistischem Einfluß zu Z u s a m . menrottungen. In Ehrenfeld wurden die Be­amten bei der Abbeförderung von Fest- genommenen tätlich angegriffen und mußten von der Schußwaffe Gebrauch machen. Ver­letzt wurde iedoch niemand. In K'a l k kam es eben­falls zu Ansammlungen, die unter dem Namen Hunger-Marsch" entstanden. Auch hier wurde die Polizei bei der Abbeförderung von Zwangsgestell­ten angegriffen und mußte mehrere Schüsse abgeben. Dabei wurden zwei Personen durch Bauchschüsse, eine durch einen Armschuß verletzt. In dey Severin-Straße wurden bei Zusammenrottungen mehrere Schaufenster zertrümmert.

gestellten unvergleichlich mehr gesicherten Be­amten ausgedehnt werde. Eine besondere B e - schästigtensteuer hält der DHV. angesichts der bis um 33 bis 40 v. H. herabgesetzten Gehälter der im privaten Dienst stehenden Arbeitnehmer für vollkommen unmöglich.

Das neue österreichische Kabinett vor dem Aattonalrat.

Aukündigung von handelspolitischen Ver­handlungen.

Wien, 27. Mai. (WTB.) Der Nationalrat trat zur Entgegennahme der Regierungserklärung des neuen Kabinetts zusammen. Bundeskanzler Dr. Dollfuß erklärte, da Oesterreich mit Geduld und gutem Willen allein ohne Hilfe von außen leider seine Auslandverpflichtungen nicht erfüllen kann, stehen wir in diesen Tagen vor der Entscheidung über die Devisen sperre für A u s l a n d s ch u l d e n. Wir hegen die berechtigte Hoffnung, daß das Ergebnis der für Montag an­gesetzten Sitzung der vorn Völkerbundsrat einge­setzten Gemischten Kommission -Erleichterung in der Erfüllung unserer Pflichten gegenüber den. Auslandgläubigern wie auch gegenüber unserer eigenen Wirtschaft bringt. Jede Verzögerung müßte unerfreulichen Schaden nicht nur für Oestrreich, sondern auch für die interessierten Staaten und das Ansehen des Völkerbundes im Gefolge haben. Die Regierung wird sonst in kürzester Zeit vor ein- schneidende S e lb st Hilfemaßnahmen ge­stellt sein.

In allernächster Zeit beabsichtigt die Regierung, an die in Betracht kommenden Staaten Ein­ladungen zu handelspolitischen Ver­handlungen ergehen zu lassen. Erfreulicherweise finden wir als Anknüpfungspunkt schon die B e - r e i t e r k l ä r u n g D e u t s ch l a n d s, die grundsätz­lich entgegenkommende Antwort Polens unddie grund­sätzlich freundliche Einstellung Italiens vor. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß Vorzugszölle im mitteleuropäischen Raum nur dann volle Wir­kung haben, wenn einerseits der begünstigte Staat 100 v. H. seines Exportbedarfs bevorzugt in einem oder in mehreren Staaten unterbringen kann, ander- feits der gebende Staat in den betreffenden Artikeln noch immer einen zur Bedarfsdeckung notwendigen Teil des Imports unter dem normalen Zollschutz

beläßt. Der Bundeskanzler kündigte sodann eine Reihe von innerpolitischen Maßnahmen an, darunter die Einführung eines freiwilligen Arbeits- d i e n st e s nach den in Deutschland gemachten Er­fahrungen.

Der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Bauer griff die Zusammensetzung der Regierung aufs schärfste an und stellte schließlich einen Mißtrauens­antrag gegen das Gesamtkabinett.

Japans außenpolttischer Kurs.

Die angelsächsischen Mächte lehnen eine Beteiligung an dcrTchanghai-Konfcrenz ab.

Tokio, 28. Mai. (TU.) Der neue japanische Kriegsminister Araki erklärte, daß die Stellung­nahme Japans zur Mandschurei und Mongolei unverändert bleiben werde. Die japanische Regierung sei bestrebt, im Fernen O st e n mit aj l e n Mitteln für Ordnung zu sorgen. Sie werde alle Maßnahmen treffen, um den 5 r i e b e n 3 u s i ch e r n. Im gegenwärtigen Augen­blick sei wichtigste Aufgabe die Einheit des japani- schon Volkes wiederherzustellen. Heber die Stellung der Regierung zur Armee erklärte Araki, daß d i c Disziplin verschärft iverden müsse. Die Welt sitze auf einem Vulkan. Deshalb müsse Jovan der Welt seinen Einheitswillen beweisen.

Der bisherige japanische Außenminister Joschi- s a w a hatte die Abhaltung einer internatio­nalen Dermittlungskonferenz in Schanghai angeregt, die dem am 29. Februar vom Präsidenten des Völkerbundsrates gemachten Vorschlag entsprechen soll und eine Einigung über die Schaffung neutraler Zonen um Schang­hai und andere Handelshäfen herbeisühren soll. Die amerikanische Regierung lehnt die Be­teiligung an einer solchen Konferenz ab. Macdo - nalb soll Stimson in einer telephonischen Unter- rebung zugesagt haben, eine Beteiligung Groß­britanniens ebenfalls abzulehnen.

Aus aller Welt.

Bluttaten farbiger französischer Soldaten.

In Saarburg hat ein Soldat de« dortigen algerischen Tirailleur-Regiments den Sergeanten Haid ben Said mit dem Bajonett durch- bohrt, so daß der Verwundete noch am Abend starb. 2m Gefängnis in Metz hat sich ein in

Llntersuchungshaft fitzender Sergeant de« MD0- chinger algerischen Schützenregiments, der vor einigen Wochen in einer Araberkneipe in M orchingen die beidenTochterdeS Wirts erschossen und ihre Mutter schwer verwundet hatte, im Schacht des Treppenhauses vom obersten Stockwerk hinabgestürzt. Gr blieb mit zerschmetterter Schädeldecke tot liegen. Heimkehr eines Kriegsgefangenen nach 16 wahren.

Wie dieBZ." aus Endingen im Schwarz­wald berichtet, hat der deutsche General­konsul in Neapel an den dortigen Bürger­meister gestern folgendes Telegramm geschickt: Daubmann hier eingetroffen, Eltern benachrich­tigen." Der Name Oskar Daubmann steht auf dem Gefallenendenkmal des Städt­chens Endingen mit dem VermerkGefallen in der Somme-Schlacht, Januar 1916". Als die Eltern des angeblich Gefallenen jetzt die Nachricht erhielten, daß ihr Sohn noch lebt, find sie vor Freude zusammengebrochen, obwohl sie nicht ganz unvorbereitet-auf die Tatsache waren, daß ihr Sohn noch lebe. Dor acht Jahren schon ist einmal in Endingen ein Telegramm an die Eltern gekommen, in dem nur die Worte standenO s - kar lebt und i ft in A fr i ? a^-. Letzt ist auch ein Brief mit dem Poststempel Palermo bei den Eltern eingetroffen. In diesem Brief schreibt Oskar Daubmann, daß er nach einem Marsch von 5000 Kilometern in Palermo einge­troffen sei. Er sei in der Somme-Schlacht schwer verwundet und in französische Ge- fangenschaft geraten. Nach seiner Heilung habe er einen Fluchtversuch unternommen und dabei einen Posten erschlagen. Darauf sei er zu zwan » 3 i g Jahren Zuchthaus verurteilt und nach Afrika deportiert worden. Es fei ihm jetzt gelungen, nach den 5000-Kilometer-Marsch die Küste zu erreichen und ein Schiff nach Palermo zu besteigen. Er liege am Sonnenfieber darnieder.

Scheußliche kindesmißhandlung.

Der 25jährige Mechaniker Zeitler und seins 24 Jahre alte Ehefrau hatten sich vor dem Schöffengericht München wegen einer scheußlichen Kindesmißhandlung zu verantworten. Sie hatten ihr unehelich geborenes dreieinhalbjähriges Töchterchen von den Schwiegereltern abgeholt und heimgebracht. Angeblich weil das Kind ungern mitgegangen war, setzten sie es zu Hause auf die Herdplatte, und die Frau heizte den Herd ein. Dann liehen sie das arme Kind solange auf «der heißen Herdplatte fitzen, bis cs durch die Kleider auf beiden Seiten des Gefäßes schwere Brandwunden er­litten hatte. Ferner hatte der Vater an einem Febrüarabend das Dreijährige notdürftig bekleidet in den Hof hinausgeschickt, hatte es in der grimmigen Kälte stehen lassen und vom Fenster aus zugeschaut, und fast zwei Stunden muhte das Kind schlotternd und er­starrt in der Frostkälte stehen. Das Gericht ver­urteilte den Ehemann zu einem Jahr zehn Mo­naten, die Ehefrau zu einem Jahr drei Monaten' Gefängnis. Bei der Urteilsverkündung sprach der Vorsitzende die tiefe Empörung des Gerichts über das herzlose Verhal­ten der Eltern aus.

Schwere politische Zusammenstöße bei Innsbruck.

Im Vorort H ö 11 i n g bei Innsbruck kam es zu schweren politischen Ausschreitungen, die zur Alarmierung des Innsbrucker Mili­tärs führten. Die Rationalsozialistische Partei hatte eine Versammlung einberusen, in der ein Redner aus Salzburg sprechen sollte. Kurz nach Beginn der Versammlung marschierten die Sozialdemokraten auf und drangen in den Saal ein, wo sofort eine wüste Schlägerei entstand, die sich auf die Straßen ausdehnte. Da die Gen- darmerei allein die Ruhe nicht wiederherstellen konnte, wurde Militär eingesetzt. 32 Ver­letzte wurden ins Krankenhaus gebracht. Einer der Verletzten ist bereits gestorben.

Lin Motorrad vom v-Zug ersaht.

In der Nähe des Bahnhofs Ottersberg bei Bre­men ereignete sich am Bahnübergang an der Straße nach Verden ein schweres Unglück. Vom O Zug KölnHamburg wurde ein mit zwei Personen be­setztes Motorrad erfaßt und mehr als 500 Meter mitgeschleift. Die ArbeiterDolk- mann und Warnhoff, beide verheiratet, die sich a u f dem Wegezur Arbeit befanden, wurden auf der Stelle getötet. Wie Augenzeugen be­haupten, ist die Schranke nicht geschlossen gewesen, doch muß die Schuldfrage durch die Unter­suchung geklärt werden.

Der Mainzer Domschah wieder daheim.

Die Londoner Ausstellung des Mainzer Domschatzes ist am letzten Dienstag geschlossen worden. Bereits am Mittwochnachmittag traf der Domschatz unter der Obhut des Domkapitulars Dr. Schneider, der ihn auch in London gehütet hat, und in Begleitung eines befreundeten englischen Aristokraten mit allen seinen Teilen wieder in Mainz ein. In London hat man allgemein bedauert, daß die Ausstellung nicht länger fortgesetzt werden konnte. Sie war ein Ereignis für d i e englische K u n st w e l t und bedeutete auch in kirchlicher und nationaler Hinsicht einen starken Erfolg.

Molorboolunglück auf dem Rhein.-

Dei dem auf dem Rhein herrschenden Sturm- Wetter ereignete sich in der Rähc von Düs­seldorf bei Stürzelberg ein Motorbootunglück. Der Düsseldorfer Kaufmann Mahlbach fuhr mit seinem Boot auf ein unter Wasser befindliches Hindernis auf, so daß das Doot kenterte. Der Besitzer ertrank.

Wettervoraussage.

Das zentraleuropäische Störungsfreiem schrumpft zusammen und über dem Festlande setzt allmählich Luftdruckanstieg ein. Somit wird sich das Wetter etwas ruhiger gestalten, und die Temperaturen werden hoher zu liegen kommen, zumal die direkte Kaltluftzufuhr abgeschnitten ist. Da sich aber über England ein verbreitetes Regengebiet bewegt, ist auch bei uns noch mit etwas Niederschlag zu rechnen, der jedoch nur vorübergehend und in ge­ringem Maße auftritt. Im großen und ganzen geht die Wetterlage einer Besserung entgegen.

Aussichten für Sonntag: Etwas wärmer, wolkig mit Aufheiterung, nur vereinzelt noch etwas Niederschlag.

Aussichten für Montag: Meist trockenes, mehr aufheiterndes Wetter, mit langsamer Erwär­mung wahrscheinlich

Lufttemperaturen am 27. Mai: mittags 11,4 Grad Celsius, abends 6,9 Grad: am 28. Mai: morgens 5,9 Grad. Maximum 12,3 Grad, Minimum 4,6 Grad, Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 27. Mal: abends 13,3 Grad: am 28. Mai: morgens 10,4 Grad Celsius. Niederschläge 0,5 mm.