gen durch Beseitigung oder erhebliche Verminderung dec Offensiv- Waffengattungen und der Anspruch Deutschlands auf Gleichheit der nationalen Verteidigung mit den anderen wachten. Die qualitative Begrenjung und Verminderung der Rüstung würde bereits dazu beitragen, die bestehende Ungleichheit zwischen den Rüstungen Deutschlands und seiner Rachbarn zu beseitigen. Dann bleibt aber noch das Verhältnis zwischen den Effektiv st ärken und den leichten Waffen, wie Maschinengewehren, Feldgeschützen und Haubitzen, vielleicht wird sich die geschickt ausgcdachte amerikanische Formet al, wertvoll erweisen. Sie schlägt eine Teilung der militärischen Streitkräfte in drei Gruppen vor: 1. Streitkräfte für den Polizeidienst im Innern; 2. Streitkräfte zum Grenzschutz; 3. Streikkräfte zur Verteidigung des Landes und der Kolonien, wie zugegeben werden mutz, Hal der Versailler Vertrag die deutsche Armee auf die für den ersten Zweck bestimmten Streitkräfte beschränkt, so dah also Deutschland Argumente f ü r eine Verstärkung seiner Polizeitruppe anführen könnte, falls nicht die entsprechenden Grenzschutz st reitkräfle {einer Nachbarn vermindert werden.
Oer Standpunkt Englands.
Genf, 27.April. (TU.) Von der englischen Abordnung wurden der Presse nachfolgende allgemeine Mitteilungen über die Haltung der englischen Regierung auf öec- Abrüstungskonferenz und ihre Stellungnahme zu der Lausanner Reparationskonferenz gemacht:
Die englische Regierung verfolgt in der Abrüstungspolitik dos Ziel, eine breite Verftän- digungsgrundlage zu finden. Die Ab- rüstungskonferenz muß das moralische Ansehen des Völkerbundes stärken und seine Aufgabe auf den Ausgleich der Interessen, auf Verständigung und Kompromisse unter den Völkern hinzuwirken, weiterfördern. Den Völkern muß jetzt die Sicherheit vor allen Gefahren gegeben und die Furcht vor 'Angriffen genommen werden. Die englische Regierung ist bereits gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und Japan durch das Londoner F l o t t e n a b k o m m e n zu einer Herabsetzung der Flottenrüstungen geschritten. Enttäuschung herrscht über das Zögern Frankreichs, dem Londoner Dreimächtevertrag beizutreten und ihm durch den sich anschließenden Beitritt Italiens zu einem F ü n f m ä ch t e v e r t r a g zu machen. Die englische Regierung unternehme seit der Londoner Konferenz ungefähr jeden Monat den Versuch, dieses Ziel irgendwie zu erreichen. Leider habe sie damit bisher noch keinen Erfolg gehabt. Es wird in nicht mißzuverstehender Weise angsdeutet, sie könne eines Tages genötigt fein, aus Gründen der Sicherheit und des Gleichgewichts auf die im Londoner Abkommen vorgesehenen Möglichkeiten der Verstärkung der Flotte aufmerksam zu machen. Wenn nicht alle Rationen den guten Wil- len hätten, obzurüsten, so könne nicht erwartet wer- den, daß ein Land allein seine Militärkräfte verringert.
hinsichtlich der Lausanner Konferenz ist man sich auch in englischen Kreisen über die zu überwindenden Schwierigkeiten klar. Man hat aber bisher aus den hierzu geführten inoffiziellen Besprechungen den Eindruck, daß die großen Probleme mit gutem Willen und gesundem Verstand gelöst werden können. Es handelt sich aber um eine Lösung u n d nicht um eine Verschiebung dieser Probleme. Ein Aufschub würde keinen Nutzen bringen. Die englische Regierung sei entschlossen, unter Verzicht auf jede Zwischenlösung eine Regelung von Grund auf vorzunehmen.
Schwere Wahlausschreitungen in Memel.
2Lie die eingebürgerten Litauer sich aufführcn.
Memel, 28.April. (TU. Funkspruch.) Zu unerhörten Ausschreitungen der litauischen Wahlpropa- aanda kam es in der vergangenen Rächt in ganz Memel. Große Trupps großlitauischer Burschen durchzogen mit Plakaten und Wahlaufrufen die Straßen, klebten an alle Häuser und auch cm die öffentlichen Gebäude Plakate mit litauisch e n A u f r u f e n an und verschonten damit nicht einmal die Denkmäler. So wurden die Büsten am Borussia-Denkmol derart überklebt, daß sie nicht mehr zu erkennen sind, und der Sockel des Kaiser- Wilhelm-Denkmals wurde über und über mit groß- litauischen Wahlaufrufen beklebt. Auch in verschiedenen Straßen wurden die Hauswände mit Teer besudelt und die Fenster mit Plakaten beklebt. Einen Kaufmann, der sich dos Besudeln seines Hauses verbat, schlug man nieder und mißhandelte ihn schwer. Besonders hotte man es auf das Gebäude des „Memeler Dampfsbootes" abgesehen, dessen Fenster und Türen sämtlich mit Teer und Farbe beschmiert wurden. Die Polizeibeamten, die den Ausschreitungen entgegentreten wollten, wurden mit Waffengewalt bedroht und mußten sich zurückziehen. Erst später gelang es, vier der gewalttätigen Burschen festzustellen. Es handelt sich durchweg um Leute, die unlängst aus Groß-Litauen ins Me° melgebiet gekommen sind, sowie um solche, die wiederrechtlich vor kurzem eingebürgert wurden.
Der englisch-irische Konflikt.
De Balcra tehnt Verhandlungen ab.
Dublin 27. April. (TU.) Die zweite Lesung über das Gesetz zur Abschaffung des Treueides wurde im Parlament des irischen Freistaates durch eine große Rede de Valeras eingeleitet. Er wies daraufhin, daß die Abänderung der irilchen Verfassung in diesem Punkt ein Teil d e s Wahlversprechens sei, das er jetzt einlösen wolle. Die verfassungsmäßige Gleichberechtigung des irischen Volkes mit dem englischen gebe Irland das Recht, eine Abänderung seiner Verfassung vo n s i ch ans vorzunehmen, ohne die Engländer um Erlaubnis zu fragen. Aus diesem Grunde werde er i n keine Verhandlungen mit England über tote Abschaffung des Treueides eintreten. Die Abschaffung des umstrittenen Artikels 17 der irischen Verfassung könne erfolgen, ohne daß hierdurch die sonstigen Vertragsverpflichtungen gegenüber Eng- land verletzt würden. Der Führer der Oppofi- tion antwortete de Valera damit, daß eine einseitige Auslegung oder eine einseitige Aenderung eines Vertrages durch eine der Unterzeichnermächte allein nicht angängig sei.
Ser Kampf gegen die Arbeitslosigkeit.
Oie Doppelverdiener.
Ein Rundschreiben des Präsidenten der Rcichsanstalt für Arbeiislosenverst . erung.
Berlin, ?8. April. (ERB.) Der. Präsident der Reichsan st alt für 'Arbeitslosenversicherung hat die Landesarbeitsämter in einem Rundschreiben darauf hingewiesen, daß der Ausschaltung ungerechtfertigten Doppelverdien st es aus Anlaß der wachsenden Arbeitsnot nach wie vor ganz besondere Aufmerksamkeit zugewendet werden soll. — In dem Rundschreiben heißt es unter anderem: „Ich nehme nach den Berichten weiter an, daß nunmehr in allen Arbeitsämtern bei jedem einzelnen Arbeitsgesuch die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse so gewissenhaft qeprüft werden, daß bei der Auswahl von Arbeitssuchenden für offeneStellen keine Doppelverdiener vorgeschlagen werden. Bei der zunehmenden Dauer der Arbeitslosigkeit und dem Mangel an offenen Stellen trägt jeder Vermittler eine schwere Verantwortung dafür, daß Familienväter und langfristige Arbeitslose bei gleicher Eignung bevorzugt werden. Die Landesarbeitsämter und Vorsitzenden der Arbeitsämter haben sich von der Bedeutung dieser gesetzlichen Vorschriften immer wieder zu überzeugen. Schließlich ist es besonders zu begrüßen, daß' sich die Arbeitsämter bemüht haben, ohne die Grenzen zu verletzen, die ihnen gezogen sind, bei der Vornahme von Entlassungen sozialen Gesichtspunkten in steigendem Maße zur Anerkennung zu verhelfen und in besonderen Füllen die Aus- wechslung von Doppelverdienern durch erwerbsbedürftige Arbeitslose zu unterstützen. Ich erwarte, daß die Vorsitzenden der Arbeitsämter zu den Betrieben ihres Bezirkes in einer so engen und vertrauensvollen Verbindung stehen, daß diese die Dienste des Arbeitsamtes auch in solchen Fragen im Interesse einer sozial gerechten Verteilung der Arbeit immer mehr in Anspruch nehmen.
Die Frage der Arbeitszeitverkürzung.
Berlin, 27. April. (ZU.) Wie der „Gewerkschaftliche Pressedienst" mitteilt, hat die Bundesleitung des G e w e r k sch a f t s - bundes der Angestellten (GdA.) ein
Telegramm folgenden Inhalts an den Reichsrat und das Reichsarbeitsministerium gerichtet: „Eine Ausdehnung des Regierungsentwurfs über Arbeitszeitverkürzung auf Angestellte ist für Angestellte nicht erträglich, Weitere Gehaltskürzungen bei einer allgemeinen Arbeitszeitverkürzung müssen für Angestellte zu einer völligen Verelendung führen. Rach den bisherigen Erfahrungen mit Kurzarbeit wird Arbeitszeitverkürzung bei Angestellten durch Arbeitsüberbürdung aufgeholt. Ohne gleichzeitigen Einstellungszwang führt Arbeitszeitverkürzung nur zu einer weiteren Gehaltskürzung, aber nicht zu einer E n t- lastung des Arbeitsmarktes. Damit verfehlt Arbeitszeitverkürzung ihren eigentlichen Zweck."
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Die Meldung über die in Aussicht stehende Verordnung über d i e 40-Stunden- woche hat insofern Anklarheit hervorgerufen, als verschiedene Industriezweige in beiden Gruppen aufgeführt werden. Hierzu erfährt der DHD., daß alle Gruppen, für die die 40-Stundenwoche angeordnet werden soll, (Gruppe 2) auch in der Gruppe 1, die dem Genehmigungszwang für eine Aeber- schreitung der 48-Stundenwoche unterliegen, enthalten sind. Das Reichsarbeitsministerium will hierdurch anscheinend erreichen, daß bei den Industriezweigen, die künftig der 40-Stun- denwoche unterworfen sind, die Aeberstun- denmöglichkeit beschränkt wird.
Oie vorstädtische Kleinsiedlung.
Berlin, 27. April. (WTB.) Mit den in der Zeit vom 19. bis 25. April 1932 neu bewilligten 195 Stellen sind nunmehr im ganzen 15 546 Kleinsiedler st eilen bewilligt worden. In dem genannten Zeitraum sind an Kleingartenstellen 5226 bewilligt worden. Damit ist die Gesamtzahl der Kleingartenstellen bisher auf rund 4 9 0 0 0 gestiegen. Der erste Bauabschnitt der vorstädtischen Kleinsiedlung steht nunmehr vor einem gewissen Abschluß. Die Bewilligung der restlichen rund 2000 Siedlerstellen wird in aller Kürze erfolgen. Aus den für den zweiten Bauabschnitt schon jetzt vorliegenden Bedarfsanmeldungen der Städte geht hervor, dah überall ein starkes Interesse an her Fortführung der Kleinsiedlung besteht.
Schwierige Finanzlage der hessischen Gemeinden.
Oer Ornck der Wohlfahrtölasten. — Oie Auffüllung des Ausgleichsstocks. Gießen und Darmstadt bespielen gemeinsam das Kurtheater in Bad-Nauheim.
Darmstadt, 27. April. (WHP ) Vor der Fortsetzung der Etatsberatung teilte Innenminister L e u s ch n e r dem Finanzausschuß des Landtages den Entwurf einer Rotverordnung über die Beschaffung der Mittel für den Ausgleichs st ock zugunsten der unter Wohlfahrtslasten besonders leidenden Gemeinden mit. Dieser Ausgkeichsfonds soll danach gespeist werden: 1. durch 8 Prozent der zu bildenden Kommunalmassen der Einkommen - und Körperschafts st euer und 2. aus der Kom- munalmasse der Amsatzsteuer der die Summe von 3,3 Millionen übersteigenden Beträge. Man erwartet aus Position 1 700 000 Mk. und aus Position 2 2 Millionen Mark Aufkommen. Die Zahl der Wohlfahrtserwerb s l osen in Hessen betrug Anfang April 1930 rund 10 000, am 1. April 1931 rund 25 000, am 1. April 1932 über 43 000. Der Wochen aufwand für die 43 000 Erwerbslosen erfordert über eine halbe Million Mark. Eine Entlastung von diesen hohen Aufwendungen durch den saisonmäßigen Rückgang der Erwerbslosenzahl im Sommer ist deshalb nicht zu erwarten, weil der Zu ström von Ausgesteuerten der Krisenfürsorge stetig anhält. Der Aufwand der hessischen Gemeinden für die Wohlfahrtserwerbslosen wird deshalb im laufenden Rechnungsjahr auf 30 Millionen Mark geschätzt werden müssen. Hierzu kommen die Beiträge der Gemeinden zur Ärifen unter ft üt}ung, die für den gleichen Zeitraum insgesamt 5 b i s 6 Millionen Mark ausmachen.
Diese Beiträge konnten von einer großen Anzahl hessischer Gemeinden schon im vergangenen Halbjahr nicht mehr geleistet werden, so daß das Reich dazu überging, die über zwei Millionen Reichsmark betragenden Rückstände kurzerl-and an den Ueberroeifungs- fteuern einzubehalten. Durch diesen Zugriff des Reichs wurden mehr als ein Drittel der in dem gleichen Zeitraum anfallenden Kommunalmasse einbehalten und dadurch auch die unbeteiligten (Bern e i n b e n betroffen. Eine Reihe Gemeinden hat infolge der Ausrechnung auf Jahre hinaus keinerlei lleberweisungs- steuern mehr zu erwarten, ein Zustand. der um deswillen besonders gefahrdrohend ist, weil eg sich hier um solche Gemeinden handelt, die am schwersten belastet sind. Zu den rund 35 Millionen, die die Gemeinden insgesamt für die Betreuung der Erwerbslosen im Jahre auszubringen haben, kommt eine G e - samtzinsbelastung von schätzungsweise annähernd 25 Millionen Mark, so daß allein für die genannten Zwecke, die nur einen Teil der kommunalen Ausgaben darstellen, auf den hessischen Gemeinden einejährlicheLast von rund 60 Millionen Mark liegt.
Dabei sind die Einnahmen derGemein- den infolge der Wirtschaftskrise ständig rückläufig. Das Gesamtsteueraufkommen der hessischen Gemeinden an Reichsüberweisungssteuern. Realsteuern, Bürger» und Biersteuer -wird für das Rj. 1932 auf rund 50 Millionen zu veranschlagen fein, während allein die oben errechnete Belastung 60 Millionen Mark beträgt, und demnach das Gesamtsteueraafkommen um rund zehn Millionen Mark übersteigt.
Es ist verständlich, daß bei dieser Sachlage der Minister die Forderung nach verstärkter und wirksamer Reichshilfe erhob.
Die bisherige Reichshilfe für die mit Wohlsahrts- ausgaben besonders stark belasteten Fürsorge- terbänbe reichen infolge des Anschwellens der Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen bei weitem nicht aus; nur wenn etwa durch eine organisatorische Aenderung in der Betreuung der Erwerbslosen das Reich die Gemeinden wesentlich entlaste, bestehe Hoffnung, ohne finanzielle Zusammenbrüche bei den Kommunen über das Jahr 1932 hinauszukommen. An der Selbsthilfe dürfe es freilich auch in Zukunft nicht fehlen. Reben verstärkten Spa r*m ahnahmen seien von allen Gemeinden die ihnen zur Verfügung stehenden Steuerquellen auszuschöpfen. Die vorgelegte Rotverordnung werde der Regierung ermöglichen, mit Hilfe des Ausgleichsstocks in den dringendsten Rotfällen auszuhelfen. Im übrigen, so schloß der Minister, könne den Gemeinden nur vom Reich grundlegend und wirksam geholfen werden. -- D4r Ausschuß erhob gegen die Rotverordnung keinen Widerspruch.
3n Fortsetzung der Elatsberalung wurden dann Kapitel 6 (Bad-Nauheim) und Kapitel 7 (Bad Salzhausen) gegen die Kommunisten genehmigt. Ein Zentrumsantrag, in Bad Salzhausen auch 1932 für die Blinden wieder Kurtaxebefreiung zu gewähren, wurde der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. 3n Beantwortung von Fragen aus dem Ausschuß erklärte die Regierung, daß das Städtische Orchester in Mainz während der Sommermonate wieder die Kurmusik in B a d-N anheim übernehme. Die Theater- bespielung am Kurtheatcr soll durch Heber- einkunft des Landestheaters mit dem Gießener Stadttheater so geregelt werden, daß im ersten Teil der Saison das Landestheater, in der zweiten größeren Hälfte das Stadttheater Gießen Gastspiele geben wird. Mährend der Sommerferien der Landesbühne wird außerdem das Stadttheater Gießen das Sommertheater in Darmstadt bespielen.
Der Finanzausschuß drückte den Wunsch aus, die Regierung möge versuchen, den Bau des 3 o- hannisberg-RestaurantsinBad-Nau- heIm noch im Herbst zu beginnen.
Scharfe Tonart gegen die NSDAP, in Baden.
Staatspräsident Tr. Schmitt fordert beamtenrechttichc Konsequenzen aus dem SA.-Verbot.
Karlsruhe, 27. April. (WTB.) Im Badischen Landtag nahin Staatspräsident Dr. Schmitt gegen die politische Betätigung der Beamten in der RSDAP. Stellung. Die Beamtenschaft sollte zersetzt werden, und dagegen gebe es eine Rotwehr. Es sei im Bureau und während der Bureaustunden agitiert worden. Die Beamtenschaft möge sich bei den Rationalsozialisten dafür bedanken, wenn die Regierung mit unerbittlicher Strenge vorgehe. Die Regierung wolle gerade und gerecht gegenüber den Beamten im Staate ihre Pflicht tun. Sie wolle dafür sorgen, dah die Ministerien sauber, stich- und charakterfest blieben. Die Regierung habe telegraphisch und schriftlich in Berlin den Antrag gestellt, aus der Aufhebung der SA. die beamtenrechtlichen Konsequenzen zu ziehen. Ms Dr. Schmitt eine nationalsozialistische Presseäuherung
als das Charakterloseste bezeichnete, waS et T» gelesen habe, rief ihm der nationalsozialistische Abgeordnete Kraft zu: „Sind Sie!" Wegen dieser Aeußerung gegenüber dem Staatspräsidenten wurde Kraft auf die Dauer von 60 Kalendertagen von der Teilnahme an den Sitzungen ausgeschlossen.
Severing fordert Regierungsbeteiligung der NSDAP.
Berlin, 27. April. (TU.) In einem Interview erklärte der preußische Innenminister Severing, daß ohne Frage durch den Ausfall der Wahlen d i e Aussichten einer R e g i e r u n g s b e t e i l i - gung der Nationalsozialisten in Preußen und im Reich erhöht worden seien. „Zuminde. stens", so sagte Severing, „trifft bas für Preußen zu, da sowohl in der Sozialdemokratie wie im Zentrum die Neigung stark gewachsen ist, nunmehr auch die Nationalsozialisten an der Verantwortung zu beteiligen, die bisher diese 'Parteien allein getragen haben. Die hem- mungslose Agitation der Nationalsozialisten hat ja nur deshalb so viel Anhänger gesunden, da sie die drückende Wirtschaftsnot, die Steuerlast, die Ar- beitslosigkeit, die Kürzung der Gehälter und Löhne den republikanischen Parteien zur Last legten. Die Nationalsozialisten haben skrupellos diese schlimmen Folgen des Weltkrieges und der Weltwirtschaftskrise als abwendbar dargestellt, ,und versprochen, alles zu bessern, wenn sie regieren würden. Es ist begreiflich, daß deshalb sowohl im Zentrum wie bei den Sozialdemokraten der Wunsch vorhanden ist, nunmehr den Nationalsozialisten Gelege nheitzu geben, ihre Worte mit den harten Tatsachen in Einklang zu bringen. Aber eine Regierungsbeteiligung der NSDAP, in Preußen und im Reich kann natürlich nur als eine B e - teiligung an der Regierung in Frage kommen, d. h. im Verein mit anderen Parteien, die eine Gewähr dafür bieten, daß die Grundgesetze her Verfassung nicht, verletzt werden."
Zentrum und NSDAP.
Antwerpen, 27. April. (CRD-) Die Zeitung „Reptune" veröffentlicht eine Anterrebung mit dem Abg. Joos. Auf die Frage, ob ein- Regierungsbündnis zwischen dem Zentrum und der äußersten Rechten möglich sei, habe Joos u. a. ausgeführt: Das Zentrum wird sich niemals zu irgendwelchen Experimenten bereit finden« Wenn die Sozialdemokraten bis jetzt unsere Hilfe hatten, so geschah dies, obwohl wir ihre soziale Lehre bekämpfen. Wir hatten vor ihrer Disziplin und vor der politischen Reife ihrer Führer Achtung. Die Sozialdemokratie hat stets, obwohl sie ihre Ideen verteidigt, einen klaren Blick für ihre Verantwortung gegenüber dem Lande gezeigt. Wenn die Hitler-Partei unsere Anter- stühung sucht, darf sie nicht auf Schimären bauen und muß ihren revolutionären Charakter aufgeben. Soweit die Hitler-Partei die Fehler des Marxismus, die kostspielige Dem- agogie der Gesetzgebung, das kollektive System, das den Individualismus tötet, bekämpft, können wir ihr nur bei stimmen. Aber wir hätten keinen Gewinn von der Ersetzung der marxistischen Demagogie durch die hitlerische. Die katholische Partei ist sich zu sehr ihrer Verantwortung bewußt, um ein solches Spiel zu versuchen.
Protest der NSDAP, gegen die Einsetzung von Neichskommiffaren in den Ländern.
München, 27. April. (TA.) Anter Hinweis auf den Rus nach einem Reichskommissar, der in einem Teil der Presse erhoben wird, erklärte Reichstagsabgeordneter Frank II (München) im „Völkischen Beobachter", dah die Reichsleitung der RSDAP., jeden Versuchen, die Gliedstaaten des Deutschen Reiches im Wege eines Reichskommissariats um ihre eigenen staatlichen Rechte zu bringen, als offene Kriegserklärung an die Ration betrachten würde. Adolf Hitler habe wiederholt für sich und die Bewegung erklärt, daß er d e n Voraussetzungen der Legalität in jeder Weise entsprechen werde. Die Ra- tionalsozialislen seien daher dem Wortlaut der republikanischen Bekenntnisse ihrer Gegner entsprechend k o a l i t i o n s f äh i g. Da jeder neugewählte Landtag die Rechtspflicht besitze, einen den Mehrheitsverhältnissen entsprechende Regierung zu bilden, könne nicht unter dem Vorwand, die Rationalsozialisten seien als „Derfassungs- feinde" oder „Staatsfeinde" nicht koalitionsfähig, einer Regierungsbildung mit Rationalsozialisten aus demWege gegangen und dafür ein Reichskommissar gefordert werden.
Hitler-Zugend und SA. Verbot.
Wie von dem Gauführer der Nationalsozialistin schen Jugendbewegung Hessens mitgeteilt wird, hat der Reichsinnenminister auf die Anfrage des Reichsführers der Hitler-Jugend, Dr. von Ren- tcln, als Grund für die Auflösung der Hitler- Jugend angegeben, daß die höheren HI.-Führe« Mitglieder des Stabes der SA.-Führung waren. Das Telegramm des Reichsinnenministers lautet! „Rachdem die Hitler-Jugend gemäß Dienstvorschrift für die SA. der RSDAP. Seite 47 und 48 in die Gesamtorganisation der SA. eingegliedert war, wenn auch Anterstellung unter die SA.-Füh- rung nur in oberen Stellen und einzelnen Beziehungen angeordnet war, fällt sie inrecht- licher Hinsicht unter Verbot der Rot - Verordnung. Dadurch ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß sich RSDAP. später auf neuer Grundlage ebenso wie die anderen Parteien eine Jugendorganisation ohne militärischen Charakter schafft. In Diesem Sinne sind auch die Landesregierungen von mir verständigt worden, gez. Groener."
Japanischer Vormarsch in der Rordmandschurei.
Bekämpfung der Aufständischen.
M u k d e n , 27. April. (TA.) Die japanische Armee hat in der Rordmandschurei unter Einsatz von drei Drigad'en einen großangelegten Vernichtungsfeldzug gegen die chinesischen Freischärler eingeleitet, die sich gegen die neue mandschurische Regierung auf» lehnen. Zunächst bewegen sich die Truppen, di« unter dem Oberbefehl des Generalleutnants H i - rose stehen, in einer umfassenden Zangenbewegung nach der östlichen Zvne der ostchinesischeL


