Nr. 99 (Erftes Blatt
182. Jahrgang
Donnerstag, 28. April 1952
GießenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Tardieu kommt nicht nach Gens.
Oer französische Ministerpräsident an einer Kehlkopfentzündung erkrankt. — Frankreich wünscht vor den Wahlen keine Entscheidung.
Frankreich im Wahlkampf.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
, Paris, Ende April 1932.
Nur noch wenige Tage trennen uns hier von dem auf den l. Mai angejetzten ersten Wahlgang für die französische Kammer. Man muß sich diese Tatsache immer wieder ins. Gedächtnis rufen, um an ihre verbriefte und amtlich besiegelte Realität glauben zu können Denn sie liegt — sozusagen — nicht in der Luft, sie drängt sich nicht auf, ja sie bringt es nicht einmal fertig, das Interesse an llnglückssallen, Sportveranstaltungen, Frühjahrs- moden und lokalen Sensatiönchen zu verschlingen.
Gewiß prangen die Wahlplakate wie in früheren Wahljahren an den in Reih und Glied ausgestellten Tafeln Ebenso gewiß fehlt es nicht an der üblichen --timmungsmache, 'Zlcrjammlungen, Miniflerreden, Leitartikeln und Bierbonkprophezeiungen. Ungehemmt durch Notverordnungen zieht die profeffio- nette Agitation alle Register der Selbstbeweihräucherung und Kegnerbeschinipfung, wobei letztere wahre Crgien der persönlichen Verunglimpfung feiert. Denn i. • französischen Wahlkampf sind nach altehrwürdiger Tradition Ausdrucke und Injurien erlaubt, die in „friedlichen Zeiten" unweigerlich vor den Kadi gehörten. Aeußerlich halt man sich alfo'an die Spielregeln, doch innerlich fehlt etwas: Die massen- ergreifende, massenerregende Leidenschaft! Nichts zündet, nichts fchlagt durch, man hat fast den, Eindruck, als ob das sonst so bewegliche französische 'Volk dem politischen Temperenzlertum verfallen wäre. Man „macht" Wahlkampf und wird auch pflichtgemäß an die Urne gehen — doch ohne die rechte Freude am eigenen Tun.
Das „Warum" dieser Lauheit, ist gar nicht so schwer zu erraten: es fehlt bei allen Parteien die ins Auge springende, zündende Parole, und an die Stelle der Leidenschaften tritt das nüchterne Programm mit seinen abgegriffenen, notdürftig auf- geputzten Formeln. Wenn man ein Schlagwort für den 1. Mai prägen wollte, so mühte es „Unklar- heil" oder „U nsicheryeit" heißen. Daran können weder Tardieu, nod) Herriot oder Blum etwas andern — wenn sie sich in ihren Kundgebungen auch noch so stark machen. Die Masse sieht die „feurigen Zeichen" am Wahlhitnmel nicht und bleibt im Innersten unbeteiligt.
In den Fahren 1924 und 1928 drehte sich alles Für und Wider um die „vulkanische" Persönlichkeit Poincares. Im ersteren Falle siegten — unter dem Eindruck des Dejfchlten Ruhrabenteuers und der ebenso verfehlten Scpariftenpolitif — seine vereinigten Gegner, im zweiten Falle — unter dem nachhaltigen Eindruck der Finanzkrise — seine Freunde. Heute sitzt der alte Lothringer halb gelähmt in seinem Landhause, und sein Schüler Tardieu bemüht sich vergeblich, den leeren Platz des Meisters in den Augen der Nation vollgültig aus- zufüllen. Was Tardieu im Sinne der konservativen französischen Tradition als „Mehrer des Reiches" und „Hüter des Sieges" etwa gewinnt, verspielt er wieder bei der alten (im Senat verkörperten) Generation durch sein selbstherrliches, spöttisches Wesen und durch feine „unruhige", geschäftige Außenpolitik. Man erweist seiner Intelligenz und Tatkraft Ach- tung, doch man sieht in ihm nicht den Granitfelsen unter dem Mastbaum der Trikolore. Als berufener Führer der bisherigen Kammermehrheit hatte Tar- dien die Parole ouszugeben. Er tat das, doch ein wenig zu langatmig, etwas zu „rechtfertigend" und schließlich aud) ju negativ. „Stimmt gegen d i e S o z i a I i ft e n". Der Schwerpunkt lag allzu sehr auf Dem „Wogegen" und zu wenig auf dem „W o - für". Es genügt nicht recht, dem Volk zu sagen: „Stimmt für uns, dann bleibt alles wie es war". Denn so glänzend war es denn auch in Frankreich nicht.
Was nun die Radikalsozialisten anbelangt, so befindet sich Herriot in dem höchst schwierigen Dilemma einer Zwitterstellung zwischen halbrechts und links. Zwischen dem Zentrum — mit dem eine Regierung der „Konzentration" möglich wäre — und den Sozialisten des „Kartells" und der zweckmäßigen Wahlverbindungen. Also auch hier Unklarheit und Unausgesprochenheit, auch hier fein zündender Funke. Außenpolitisch st ehtHer. ri o t seinem Gegner Tardieu bedenklich nahe und mutz stärkste Rücksichten auf die unbedingt nationalistische Stimmung der „alten Herren" seiner bourgeoisen Partei nehmen. Dementsprechend rührt er die patriotische Trommel und läßte seine außenpolitische Kritik in der Anklage gipfeln, daß man die feineren und geschickteren Methoden Briands zugunsten einer plumpen Kraftmeierei preisgegeben habe. Sein Widerstand gilt nicht der Sache, sondern höchstens der Form, wobei er sich die Grundprinzipien Tardieu-Lavals restlos zu eigen macht. In peinlicher Ermangelung neuer zugkräftiger Gedanken reiten die Radikalen ihr altes braves Steckenpferd: den donquichotischen „A n t i k l e r i k a l i s m u s" und rennen mit der „Laienschule" offene Türen ein. Die Parole Hai nichts 'Beftedjenbes, ist jedoch erprobt, da der kirchen- feindlich erzogene französische Bauer immer noch sein kleines freigeistiges Vergnügen darin findet, gegen „seinen" Dorfgeistlichen zu stimmen. Der Haß der Partei gilt nicht den Mittelgruppen um Tardieu oder Laval, sondern — aus rein innerpolitifdjcn Gründen — dem rechten Flügel der bisherigen Mehrheit: der klerikalen „papislischen" Maringruppe.
Die Sozialisten ihrerseits haben durch den Tod Briands (oder richtiger: der falschoerftandenen Berkörperung des Schlagworts „Briandpolitik") viel an Werbekrast eingebüßt. Ein weiterer Verlust ist zweifellos das Abfchwenken Paul- Bo n^ cours, dem viele offene und heimliche Sympathien folgen. Doktrinärer Marxismus ist der französischen Mentalität ein so fremder Begriff, daß selbst Läon
Tardieus Absage.
Die Erkrankung laut sehr gelegen.
Paris, 27. April. (TU.) Die vielen Reben und Reifen der letzten Wochen haben den Rliniftcrpräfi- benten Tardieu fo stark ermüdet, bah ihm die Aerzle vorläufig strengste Ruhe empfohlen haben. Tarbieu Ist ernstlich an einer kehI- fopfenljünöung erkrankt. Er wirb weder am Donnerstag in Belfort die beabsichtigte große politische Rebe halten, noch am Freitag, roie ursprünglich geplant war, nach Genf reifen.
Der Ministerpräsident hat sich infolgebeffen gezwungen gesehen, an den ständigen französischen Der- freier beim Völkerbund, Paul-Boncour, folgendes Telegramm zu senden:
„3d) wäre Ihnen sehr zu Dank verpslichtet, wenn Sie den Herren Stimson, 2H a c bona I b, Brüning unb Granbi folgende Mitteilung machen würden: Als ich gestern von dem Wunsch meiner Kollegen erfuhr, mich am Freitag in Genf zu sehen, habe ich zugesagt. obgleich ich bereits leibend war. Aber die starke Kehlkopfentzündung, an der ich leide, hat Inzwischen derartige Fortschritte gemacht, daß meine Aerzle mir kategorisch b I c beiben Jl a d) I r e i f e n untersagen. Sie verbieten mir ebenfalls, am Donnerstag in Belfort bie politische Rebe zu halten, bie nunmehr burch einen meiner Regierungskollegen verlesen roerben wirb. Sie verlangen von mir bis auf weiteres vollkommene Ruhe. Ich bin selbst sehr unzufrieben damit, aber ich kann nichts dagegen machen. 3d) bitte Sie, meinen Kollegen mein Bebauern auszusprechen."
Wie bet „Tempo“ zu ber durch Ueberanftrengung hervorgerufenen Erkrankung Tardieus ergänzend zu berichten weiß, ist bie am heutigen Mittwoch von den Aerzten festgestellte Kehlkopfentzündung m i t Fieber verbunden. Der Ministerpräsident muh bas Bett hüten unb sich größte Schonung auferlegen. Am Dienstagabend fei die Indisposition des Ministerpräsidenten bereits deutlich gewesen, doch habe man gehofft, daß die Nachtruhe Besserung bringen werde. Leider hätten die Aerzle jedoch eine nicht unwesentliche Verschlechterung feststellen müssen. Lin Bulletin wurde heute nicht ausgegeben, doch hört man am Quai d'Orsay, bah Tarbieu unter heftigen Halsschmerzen zu leiden hat. Sein Zustand ist am Nachmittag nicht beunruhigend, aber auch in keiner weise gebessert. Gerüchte, bah Tarbieu es angeblich oer meiben wolle, so kurz vor ben Kammerwahlen weittragende und vielleicht entscheidende Verhandlungen mit Brüning, Macdonald und Stimson zu führen, werden in politischen Kreisen als völlig unbegründet zurückgewiesen.
Die pariser presse sehr befriedigt.
Einer schw erigen Situation auS de We e gegangen.
Paris, 28. April. (WTB. Funkspruch.) Die Un- päßlichkeit Tardieus, bie bie geplante Konferenz zwilchen Brüning, Macbonalb, Tarbieu, Stimson unb vermutlich aud) Granbi unmöglich gemacht hat, wirb von den Sonderberichterstattern der Pariser Presse in Gens dazu benutzt, ben Plan Macbonalbs unb Stitnfons z u bagatellisieren. Nach Ansicht bes Außenpolitikers bes „Petit Parisien" könne man in Genf innerhalb eines Tages unmöglich zu einem konkreten Ergebnis gelangen, unb
Blum im Wahlkampf zugeben mußte, baß seine Zeit für Frankreich noch nicht gekommen sei, unb baß die Partei nicht etwa den Privacbesitz, sondern nur das „kapitalistische System" bekämpfe Von diesem System macht sich der genügsame, sparsame, auf ben Erwerb eines Kleinkapitals eingeschworene französische Arbeiter eine höchst nebelhafte Vorstellung. Das Gespenst ber Arbeitslosigkeit kennt er eigentlich nur aus ziemlich unbeteiligter Anschauung, ba eine weise Gesetzgebung zunächst ben zugewanber ten italienischen, polnischen, deutschen ober russischen Arbeiter an die Luft setzt. Es ist übrigens höchst bezeichnen!», baß ber französische Sozialismus seine getreueste» Wähler unter ben gewissermaßen grunb- sätzlich oppositionellen — reichen Bauern bes Süd- westens finbet. Ebenso fremb wie ber Marxismus ist ber Masse bes Volkes hier ber Internatio n a l i s m u 5. Die oerschiebenen ... ismen gehören wohl zum osftziellen Programm, haben aber im praktischen Leben, b. h. im Bewußtsein bes einzelnen, nichts zu suchen. Eine platonische Geste ben Ge nassen im Auslände gegenüber, bie man im übrigen ihrem guter, ober bösen Schicksal überläßt. Für jeben waschechten Franzosen liegt bas Ausland hinter sieben Bergen und lebt unter Verhältnissen, die zu erforschen sich nicht der Mühe lohnt.
Sozialismus ist also eine französisch-innerpolitische Angelegenheit, ohne jeden hitzigen umstürzlerischen Beigeschmack. üeute, bie ihre kleinen parlamenta-
Frankreich habe am Vorabenb seiner Wahlen sich auch nicht für Lösungen entscheiben können, für die es sämtliche K o st e n würbe tragen müs fen — Der Außenpolitiker bes „Ed)o de Paris" ist darüber erfreut, baß Tarbieu infolge feiner In- bisposition nicht nach Genf zu lammen brauche, weil er boch nur in bie Isolierung ge drängt worben wäre unb man von ihm Konzessionen verlangt hätte, ohne irgenbeine Gegenleistung zu bieten. — Aus biesen Ton sinb sämtliche Berichte aus Genf abgeftmunt. Das beutet barauf hin, baß ein Mot d *0 r d r e ausgegeben worben ist.
Gens. 27. April. (TU.) Die heute nachmittag telephonisch hier eingetroffene Nachricht von ber Erkrankung Tardieus unb die Absage feiner zu Freitagfrüh angekünbigten Rückkehr nach Gens hat große Ueberraschung hervorgerufen. ba die Besprechung zwischen Qllac» donald, Saison und Brüning und die zahlreichen vertraulichen Berhandlungen der letzten Tage ausschließlich der Vorbereitung der Besprechung am Freitag galten, in ber zum ersten Male der Versuch einer ileberbrüdung der deutsch-französischen Gegensätze mit englisch-amerikanischer Vermittlung unternommen werden sollte. 4'er werden die Folgen des Fernbleibens Tardieus eingehend erörtert Es besteht der Eindruck, daß damit auf französischer Seite eine Verschiebung der Besprechung bis nach den französischen Kammerwahlen bezweckt ist und daß erst nach den französischen Wahlen die heue französische Regierung zu entscheidenden Derhand-
®enf, 27. April. (TU.) Ministerialdirektor Brandenburg gab im Luftfahrt aus- schuß der Abrüstungskonferenz eine Erklärung über den deutschen Standpunkt zu der Begriffsbestimmung der Angriffswaffen auf dem Gebiet der Luftfahrt ab. Die Aufgabe, festumrissene Vorschläge zu machen, welche Luftwaffen als Angriffswaffen anzusehen seien, werde wesentlich erleichtert, weil hier, wie der englische Außenminister bereits im Hauptausschuß erwähnt habe, ein historischer Vorgang im Versailler Vertrag und den gleichzeitigen Verträgen von 1919 vorliege. Diese Verträge hätten in eindeutiger Weise die Waffen bezeichnet, deren Abschaffung wegen ihres Angriffscharakters als eine unerläßliche Abrüstungsmaß- nähme anzusehen war. Deutschland und andere Mächte hätten die militärische Luftfahrt durch Zerstörung abgeschafft und auf diese Weise ein Beispiel für diejenigen Maßnahmen gegeben, die jetzt allgemein als wirksame Abrüstung durchgeführt werden müßten. Die Bombenflugzeuge. die einen reinen Angriffscharakter hätten und in schlimmster Weise das Leben der Zivilbevölkerung und die nationale Verteidigung gefährdeten, fielen ohne Zweifel unter die Begriffsbestimmung der Angriffswaffen. I a g b - und Aufklärungsflugzeuge seien gleichfalls im Versailler Vertrag in die qualitative Abrüstung einbezogen worden. Der Antrag der deutschen Abordnung gehe daher dahin, daß der Luft- sahrtausschuh die gesamte militärische
rischen Geschäfte machen unb „auch mal dran- kommen" wollen. Ein Plus für Leon Blum ist bie tatsächlich oorhanbene unb leicht erklärliche saturierte Friebensliebe bes Bauernvolkes. „Wer nicht will, ber hat: wer nicht mag, ist satt." Ober umgekehrt: Wer hat unb satt ist, erblickt in einer aggressiven Außenpolitik ä la Tarbieu in erster Linie bas eigene Risiko. Sehr abträglich für ben Sozialismus ist jeboch anbererjeits bas „warnende Beispiel" Eng lanbs unb Deutlchlanbs, bie Angst bes französischen Sparers vor finanziellen unb wirtschaftlichen Experimenten.
Angesichts aller dieser Erwägungen unb ber allgemeinen politischen „Lustlosigkeit" läßt sich mit einiger Sicherheit voraussagen, baß bie Wahlen keine großen Berfdiiebungen mit sich bringen werben. Eine .Rabikalisierung nach rechts ober links kommt in biesem Lanbe bes ausgeglichenen selbstzufriebenen Psahlbürgertums gar nicht in Frage, b$ bie Triebkraft ber Volkserregung ober Dolksnol fehlt. Wohl aber ist ein gewisser „Ruck nach 1 inks" unb eine 'Jlieberlage ber Marin-Gruppe wahrscheinlich. Wenn sich bie bisherige Kämmermehrheit — burch Einschrumpfen ihres rechten Flügels — nicht hält, dürfte bas praf- tifdj-parlamentariidie Ergebnis bie Konzentration, b. h. ein Zusammengehen bes Zentrums (Tarbieu) mit ben Radikalsozialisten (Herriot) fein.
— Der Sonberb^richterstatter des „Figaro" in Genf spricht von einem vertagten Manöver So logisch es gewesen wäre, baß ber französische Ministerpräsident unb Außenminister vor ben Wahlen nach Gens gekommen wäre, wenn die allgemeine Abrustungskoinmission ihre Besprechung fortgesetzt hätte, ebenso gefährlich wäre sein Kommen gewesen, wenn er lebigltd) an Prioatbe sprechungen mit bem Führer ber amerikanischen, englischen unb beutschen Delegation hatte teilnehmen sollen.
lungen über die Reparation«» und Abrüstungskonferenz bereit ist.
3m Auftrage von Tardieu stattete Paul- Boncour Macdonald. Stimson und Brüning Besuche ab. um die Mitteilung von der Erkrankung des französischen Ministerpräsidenten zu machen. Der englische Ministerpräsident Macdonald reist am Samstagabend, der amerikanische Staatssekretär Stimson bereits am Freitag. Er wird sich vor seiner endgültigen Rückkehr nach ben Vereinigten Staaten noch einige Tage in Cannes aufhalten. Dr. D r litt i n g wird am Donnerstag bei einem Frühstück bei Macdonald noch einmal mit Stimson zu- fammentreffen. so daß sich dort die Gelegenheit für eine Aussprache zwischen ben drei Staatsmännern ergibt. Der endgültige Zeitpunkt für die Abreise Brünings ist noch nicht festgesetzt, jedoch ist vorläufig die Abreise f ü r Donnerstagabend vorgesehen
Luftfahrt als eine Waffe bezeichnen möchte, die unter die vom Hauptausschuß festgesetzte Be- griffsbestimmung der Angriffswaffe falle.
Der deutsche Antrag wurde einem Änteraus- schuh überwiesen. Außer dem deutschen Vertreter nahmen noch die Delegierten Italiens, Japans, Polens, Belgiens und der Schweiz das Wort. Ihre Ausführungen brachten nichts Neues. Der Vorsitzende stellte fest, daß nur ein einziger konkreter Antrag, der deutsche, vorliege; er fordert die Delegation auf, ihre Ansichten bis zur nächsten Sitzung in formulierten Anträgen vorzulegen.
Die VermittlungssormelSlinisonS
Deutschlands Anspruch aus gleiche Mittel der nationalen Verteidigung.
Conbon, 29. April. (IDTB. Funkfpruch.) Der blplomatifdje Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt: Die privaten Besprechungen zwischen Dr. Brüning, Macdonald und Stimson Haden d i e M ö g- lichkeilen einer eventuellen Verständigung gezeigt, und zwar nicht nur im allgemei- nen, sondern auch hinsichtlich der sranzö- sisch-deutschen Seite des Problems. Die Hauptpunkte, in denen die Delegationsführer Deutschlands, Großbritanniens und Amerikas zwar noch keine Vereinbarung, aber eine Annäherung ihrer Standpunkte gesucht haben, waren die qualitative Beschränkung der Rüstun-
Eine solche Kombination — als die möglichste unter ben möglichen — vorausgesetzt, mürbe sich an der außenpolitischen Haltung Frankreichs praktisch gar nichts än- dcrn. Es ist eine vielfach aufgeworfene, aber nichts bcsloweniger müßige Frage, ob unb in welcher Richtung sich die vorausgegangenen beutschen Wahlen auf bas französische Ergebnis auswirken können, ba jcbe französische Partei in ihrer Weise oer- suchen wird, Argumente aus Deutschlanb herbeizu- schafsen. Der Glaube an eine tiefe unb einbeutige, leicht absehbare Wechselwirkung ist falsch, ba er bie eigene Mentalität ber fremben unterschiebt. Am ehesten ist ber Franzose noch geneigt, frcmbe Kraft unb fremben Willen zu reipefticren, ba sich seine Außenpolitik gern in ber Richtung bes geringsten (phasischen ober ibeeilen) Wibcrstanbes bewegt.
Ebenso irrig ist cs ferner, die politischen Begriffe „rechts" unb „links" in Deutschland unb Frankreich kritiklos gleichzusetzen, benn tatsächlich haben sie nicht viel mehr als ben Namen gemein unb unterfdjeibcn sich, in ihrer weltanschaulichen Struktur wie Zielsetzung, grunblegenb ooneinanber. — Schließlich aber ist es ein geradezu verhängnisvoller Fehler, die Losung ber beutschen Probleme ober bie Besserung unserer Lage von außen her unb nicht von innen heraus zu erwarten. Wer in diesem falschen Sinne etwas Entscheidendes von den französischen Wahlen erhofft, wird sich unweigerlich getäuscht haben.
üebecraschung in Genf.
Am Donnerstag erneutes Zusammentreffen Brünings mit Stimson und Macdonald.
Deutschland fordert Abschaffung der Luftwaffe.
Der Versailler Vertrag als Maßstab für die Bestimmung der Angriffswaffen.


