Von Geld und Liebe.
Roma« von Grete von Gaß.
Copyright by 5Rartht Feuchtwonger, Hall«
24 Fortsetzung Nachdruck verboten.
Glücklich hatte er sich nie in dem stilecht ausgezogenen Hause seiner Frau gesuhlt: jetzt empfand er jede Stunde, die er in ihm zubringen muhte, als Qual. Gr beeilte sich, es morgens zu verlassen, um in die Bank zu gehen — dehnte seinen Arbeitstag zu unglaublicher Länge aus.
Während er arbeitete, genoß Rose ihr Leben in vollen Zügen. Ihre Freunde halsen ihr dabei. 3mmer standen sie ihr zur Verfügung. llnb es waren so riesig interessante und amüsante Menschen. Der Kunstmaler Andree Costa war momentan der interessanteste von ihnen. Er porträtierte Rose. Dazu hatte sie ihm ein Atelier im Oberstock der Billa ausbauen lassen. Zwei Zimmer, die neben dem Atelier lagen, waren für ihn eingerichtet. Darin wohnte er nun. Rose gestand Hans-Achim, dah es sie unsäglich glücklich machte, Andree Costa in ihrer Rähe zu haben, und das; sie auf die Freundschaft des großen, anerkannten Künstlers sehr stolz war. Ihr Vater schätzte diese Freundschaft weniger, weil sie ziemlich große Opfer von ihm verlangte.
Er hatte in letzter Zeit einige große Verluste gehabt, deren Folgen sich in seinem Geschäft unangenehm bemerkbar machten. Er gestand Rose seine Mißerfolge und ermahnte sie, in Zukunft ihre Ausgaben etwas einzuschränken — jedenfalls das Geld nicht weiterhin so mit vollen Händen hinauszuwerfen, wie sie es bisher getan.
Er sagte ihr dies, während sie gemeinsam den Morgenimbih einnahmen. Hans-Achim war längst in der Vank, und Vater und Tochter hatten Gelegenheit, sich miteinander auszusprechen.
„Ich kann nicht begreifen, was ich mit deinen geschäftlichen Verlusten zu tun haben sollte, Papa. Mein Vermögen ist doch abgetrennt von dem deinen?" sagte Rose.
„Es steckt doch in meinem Geschäft, Rose. Ist an seinen Gewinnen wie an feinen Verlusten beteiligt."
„Aber doch wohl so gesichert, daß es mir nicht verlorengehen kann?"
Sie sah ihn mit kühl forschendem Blick an.
„Es wird dir nicht verlorengehen, Rose. Ich werde mich von meinen Verlusten auch wieder erholen."
„Ra, das will ich hoffen, Papa. Unb dein Vorwurf, daß ich das Geld mit vollen Händen hinauswerfe, ist ungerecht. Ich gehe sehr verständig mit meinem Geld um. Für meinen Haushalt, der doch von beiden der größere ist, verbrauche ich weniger als die gute Braun für den deinen."
„Schon möglich — davon verstehe ich nichts, Rose. Was die Braun mir abfordert, gebe ich ihr. Das ist ja nun seit Jahrzehnten so. Ich habe mich stets auf sie verlassen. Tue es auch heute noch. Und eine zuverlässige Person ist die Alte. Aber es mag schon so fein, daß sie nicht so sparsam mit jedem Pfennig umgeht wie eine Hausfrau. Meinem Haushalt fehlt eben die Frau."
Rose antwortete mit einem Achselzucken. Diese Unterhaltung begann ihr langweilig zu werden.
„Ja — ja — sieh mal vor allen Dingen zu, Papa, daß mein Vermögen nicht kaputt geht."
Sie erhob sich.
„Willst du schon gehen, Rose? Ich hätte noch viel mit dir zu besprechen."
„Was denn?" fragte sie ungeduldig und sah auf ihre Armbanduhr.
„Cs ist bereits zehn. Um elf Uhr hab' ich meinen Chauffeur bestellt — ich habe mich mit Andree Costa verabredet für die Galerie."
„Ra, ’ne halbe Stunde hast du schon noch Zeit."
„Gut. Also sag, was du noch auf dem Herzen hast."
Sie hockte sich auf die Lehne ihres Sessels, sah den Vater in ungeduldiger Erwartung an.
„Rose, ich trage mich mit der Absicht, zu heiraten."
Sie schlug die Hände zusammen.
„Richt möglich!"
„Was erscheint dir daran unmöglich? Ich bin doch noch kein Greis."
„Rein, gewiß nicht!"
„Ra also!"
„Wer wird denn die Glückliche fein, Papa?"
Ihre spöttische Frage versetzte ihn in Verlegenheit.
„Darüber möchte ich vorläufig nicht sprechen — ich bin nämlich nicht sicher, ob sie meine Werbung annimmt.“
Rose lachte laut auf.
„Sehr gut! Du, Papa, ich weiß eine, die deine Werbung gleich annähme — die sie gewiß längst erwartet. Ob diese es ist?"
„Wen meinst du denn?"
„ Maria Costa."
„Wie kannst du glauben, ich werde die heiraten", sagte er, und eine dunkle Röte stieg in sein Gesicht.
„Warum sollte ich das nicht glauben? Ich beobachte feit Monaten, daß du ihr auf Leben und Tod den Hof machst."
„Ach, Unsinn!"
Er sah vor sich hin. Sein Gesicht hatte sich verfinstert. Rose stand auf.
„Ra, die Unterhaltung ist nun wohl beendet", sagte sie, „da du mir nicht sagen willst, wer meine zukünftige Mama sein wird."
Er hob den Blick, hielt ihn für einen Moment
in nachdenklichem Ausdruck auf sie gerichtet. Lieberlegte, ob er ihr nicht doch sagen sollte, daß er beabsichtigte, um Ottilie Tönnies zu werben?
Rose wurde unruhig unter seinem Blick.
„Ich muh nun gehen, Papa — verzeih."
„Rein, warte mal — ich muh dir doch sagen, was ich vorhabe: Ich will in die Grohbeeren- straße zu Achims Mutter."
„Zu Achims Mutter? Willst du sie etwa heiraten?"
„Ja, das will ich."
„Um Gottes willen! Tu dir und mir das nicht an. Ich laufe aus dem Hause, wenn sie herein» kommt."
„Warum? Das begreife ich nicht." Er schüttelte den Kopf. „Du hattest deine Schwiegermutter einmal sehr gern."
„Hatte! Jetzt schon lange nicht mehr. Das muht du doch längst bemerkt haben. Sie hat so eine unausstehliche Art mir gegemiber. Beständig hat sie etwas an mir auszusetzen, bekrittelt alles, was ich tue. Rein, ich mag sie nicht." Ihre Stimme hob sich. „Ich will nicht, daß sie hier ins Haus kommt, Papa — hörst du!"
Er sprang auf. Rot im Gesicht, schrie er sie an:
„Du hast nichts zu wollen. Ich tue, was mir beliebt! Hole mir Die Frau, die mir gefällt — frage nicht danach, ob es dir recht ist. Du magst ausziehen, wenn du meinst, nicht mit ihr im selben Hause leben zu können. So, und nun geh, wir haben nichts mehr miteinander zu reden!"
Sie glitt aus dem Zimmer. Ein Zittern überfiel sie. Ins nächste Zimmer stürzte sie hinein. Es war Hans-Achims Arbeitszimmer. Sie ließ sich in feinen Schreibtifchsefsel fallen, schloß sekundenlang die Augen.
Als sie sie wieder öffnete, fiel ihr Blick auf eine Kabinettphotographie, die auf seinem Schreibtisch stand. Es war das Bild seiner Stiefmutter. Ihre Hand streckte sich nach dem Bild der Verhaßten aus: im nächsten Augenblick lag es auf dem Boden. Das Glas des Rahmens klirrte. Das Klirren freute sie. Ihr Fuß schob sich an das Bild heran — trat auf die Rückwand des gelben Dronzerahmens, die ihr zugekehrt war.
Run die Vernichtung vollständig war, empfand sie so etwas wie Befriedigung. Von der Straße her erklang ein Hupensignal zu ihr. Sie erhob sich.
Vom Fenster aus stellte sie fest, welches Auto vorgefahren war: ihres oder das ihres Vaters. Es war ihr weißer Mereedeswagen. Sie eilte in ihr Zimmer, um sich zur Ausfahrt umzukleiden.
„Der gnädige Herr wartet bereits seit einer halben Stunde", sagte die Zofe, die ihr beim Ankleiden half.
Mit dem gnädigen Herrn war Andree Costa gemeint.
„So beeilen Sie sich, Rina."
Sie blickte in den Spiegel. Ihr dunkles Gesicht glühte vor innerer Erregung. Ihre Augen flamm
ten noch immer. So werde ich ihm gefallen, dachtr sie, und lächelte ihrem Spiegelbilde zu. Ihre Zähne schimmerten weiß hinter den rot geschminkten Lippen.
„ Fertig, Rina?"
„Fertig, gnädige Frau! Rein, bitte, noch einen Augenblick. Ein Tröpfchen Sasranor aufSTaschen- tuch. So, bitte!“
Rose stopfte das duftende Spitzenläppchen in ihr Drokattäschchen.
Bewunderung malte sich auf Costas Gesicht, als er Rose sah. Die tat ihr gut. Sie trag stets Verlangen danach, dah man sie bewunderte.
Hans-Achim tat es schon lange nicht mehr. Er preßte auch niemals seine Lippen so heiß auf ihre Hand, wie Costa dos eben tat. Bewunderung und Zärtlichkeiten gab es schon lange nicht mehr zwischen ihnen. Hatte er sie überhaupt je bewundert? Rein! Er war ein nüchterner, langweiliger Peter. Gar nicht an ihn denken — das verdarb ihr die Stimmung.
Sie lächelte Costa an.
„Jetzt wollen wir eine Stunde Kunst genießen, und danach lade ich Sie ein zu einem Frühstück. Ich denke, das nehmen wir bei Adlon."
Ihm war es recht.
In der Galerie führte er sie - herum, erklärte ihr jedes Bild, nannte die Ramen der Künstler.
Sie hatte wenig Kunstverständnis, staunte die Bildwerke an, ohne jegliches ®mpftTe6en für ihre Schönheiten. Sie glaubte ihm aufs Wort, wenn Costa bei dem eilten oder anderen bemerkte:
„Ueberholte Kunst — längst veraltet. Allmählich ringt sich doch eine ganz neue Richtung durch. Und das ist gut. Zum Kampf Berufene sind am Werk. Uebrigens: auf der nächsten Ausstellung wird mein Bild ,Die Gerechtigkeit/ prangen."
„Es ist also angenommen?" fragte Rose entzückt. Er nickte.
Rose wußte, er fühlte sich auch als Berufener.
„Ich freue mich", sagte sie, „ach, ich bin ja so stolz auf Sie. Mein heißester Wunsch ist es, Sie recht bald auf dem Gipfel Ihres Ruhmes zu sehen."
Er lächelte geschmeichelt, ein ganz klein wenig verschämt. Sah sich spähend um, ob man unbeobachtet sei, und nahm dann ihre Hand, nm einen heißen Kuh daraufzupressen.
„Ich danke Ihnen für Ihr Interesse -- ss ist so wohltuend. Dah ich es nur nie verliere."
„Aie", sagte sie.
Und ihre Blicke senkten sich ineinander.
Andree Costa hob seine schmale, weiße Künstker- hand nach seinem Kopf, lieh sie durch fein schwarzes Gelock gleiten, sah Rose mit einem Blick an, der sie förmlich einhüllte in Fürsorglichkeit.
„Ich fürchte. Sie ermüdet zu hoben. Galerie- besuche sind anstrengend. Gehen wir, ja?"
„Ja, mir ist's recht."
(Fortsetzung folgt.)
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Bekanntmachung.
Es wird hiermit nochmals darauf hin- oewiefen, daß der für Mittwoch, den 2. IHätj 1932, vorgesehene Schweinemarkl nicht stattfindet. 1621C
Gießen, den 29. Februar 1932.
Bürgermeisterei Gießen. __I. D.: Dr. Rosenberg.
Bekanntgabe.
Der Nachtragsvoranschlag der Gemeinde Mainzlar für 1931 Rj. liegt von Montag, den 29. Februar L 3. auf unterzeichneter Bürgermeisterei an 8 Tage lang zur Einsicht offen. 1633V
Es wird eine Umloge erhoben, wozu auch die Ausmärker beizutragen haben.
Mainzlar, den 27. Februar 1932.
Bürgermeisterei. Bogel.
Dienstag, den 1. März 1932, nachmittags 2 Uhr, sollen im „Löwen", Reuen- weg 28 dahier, bzw. an Oct und Stelle svekanntgabe erfolgt im versteigerungslokal) zwangsweise gegen sofortige Barzahlung versteigert werden-.
1 Instrument, 1 Ladeneinrichtung, 1 Mikroskop, 1 Ruhebett, Bücher, Schreibmaschinen, 1 Kassenschrank, 1 Motor, 1 goldene Uhr mit Kette, Sofas, Stühle, 1 Kommode, Klaviere, 1 Ausziehtisch. 1 Opel-Auto, Büfetts, Schreibtische, 1 Zielfernrohr, 1 Leitspindelbank, 1 Nivellierinstrument, 1 Goniometer, Drehstühle, Damenschirme, 1 Bücherschrank, Stoffe, 1 Registrierkasse, Schuhe aller Art, 1 Strumpftheke, Hüte, Hemden, Mützen, 1 Schnellwaage, 3 Fremdenzimmer. 1624V
Hebbel,
Gerichtsvollzieher in Gießen, Wilhelmstraße 6 II. — Telephon 4039.


