gemeht als lautere evangelische Persönlichkeit im 5n- und Ausland größte Hochachtung. Als Reichspräsident war er in seiner siebenjährigen Amtszeit dem deutschen Volke ein Vorbild der Pflichterfüllung und Treue und ein steter Mahner zur Einigkeit. Darum bedauern wir es, daß seine erneute Kandidatur im- Zeichen schärfster politischer Richtungskämpfe steht. Für uns als über- parteiliche Bewegung ist es in Anbetracht dieser, unser ganzes Volksleben durchzitternden Kämpfe nicht möglich, eine Wahlparole für einen Kandidaten herauszugeben. Wir halten es aber für notwendig, jedes einzelne Mitglied an seine Wahlpflicht zu erinnern. Dabei setzen wir voraus, daß jeder einzelne die Entscheidung so fällt, daß sie mit unserer evangelischen, unserer nationalen und unserer sozialen Haltung in Einklang steht.
Eine Erklärung
des Kyffhäuser-Bundes.
Berlin, 27. Febr. (TA.) Der deutsche Reichskriegerbund Kyffhäuser teilt mit: „Die am Tage der Präsidentschaftserklärung Hindenburgs veröffentlichte Kundgebung des ersten Präsidenten des Kyffhäuserbundes, General der Artillerie a. D. von Horn, ist durch den einsetzenden Parteikampf um machtpolitische Fragen in wesentlichen Punkten für agitatorische Zwecke ausgenuht worden. Dies war vorauszusehen. Selbst aber auf die Gefahr hin, daß
der über den Parteien stehendeKhff- häuserbund durch den Tageskampf um politische Meinungen in Mitleidenschaft gezogen würde, durfte die Dundesführung dieser größten Organisation gedienter Soldaten in gerechtem Streben für das Wohl des Vaterlandes sich nicht davon abhalten lassen, die Gewissensfrage des Reichspräsidenten, der bekanntlich Ehrenpräsident des Kyffhäuserbundes ist, mit reinem, soldatischem und vaterländischem Treue- empfindcn zu beantworten. Diese freie Antwort, nicht diktiert von Parteien, Ausschüssen oder politischen Machtzüchtungen, steht für die Organisation unverrückbarfest. Dies hindert aber nicht, auch das besonders zu betonen, was aus Parteitaktik gern in der Oeffentlichkeit übersehen wird, daß nämlich die Kundgebung neben der Mahnung, deni Ehrenpräsidenten Vertrauen und Treue zu bewahren, ausdrücklich sestlegt, daß jedes einzelne Mitglied s i ch s e l b st bei der Reichspräsidentenwahl zu entscheiden hat. Am hierüber nochmals Klarheit zu schaffen, heißt es in einer Bekanntmachung, die ;ter Vorstand des Kyffhäuserbundes in der soeben erschienenen Rümmer des Bundesblattes Kyffhäuser veröffentlicht: „Aus dem Treugelöbnis die Schlußfolgerung für politische Gefolgschaft zu ziehen, ist dem einzelnen überlass en. Zeder einzelne hat, wie in dieser Kundgebung zur Reichspräsidentenfrage gesagt wurde, nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln."
Li« Ms Adolf Mrs an den Reichspräsidenten.
Berlin, 28. Febr. (TA.) Der Führer der Rativnalsozialisten, Adolf Hitler, hat am Sonntag ein längeres Schreiben an den Reichspräsidenten v. Hindenburg gerichtet. Hitler erklärt darin, als Führer der großen Rationalsozialistischen Partei gezwungen zu sein, die Aufmerksamkeit des Reichspräsidenten auf gewisse Vorkommnisse hinlenken zu müssen. Das Schreiben fährt dann fort: „1. Die Sozialdemokratische Partei, die Sie, Herr Reichspräsident, in ihrem Parteiaufruf von: 27. Februar für ihre Mähler als Kandidat aufstellt, schreibt in ihrem Wahlaufruf folgendes: „Hitler statt Hindenburg, das bedeutet Chaos in Deutschland und ganz Europa... Höchste Gefahr und blutige Auseinandersetzung im eigenen Volk und mit dem Ausland." Herr Reichspräsident, ich weise den Versuch, mit diesen Methoden das Ausland gegen die freie politische Meinungsentscheidung der deutschen Ration, unter 'Bezugnahme auf Ihren Ramen mobilmachen zu wollen, entrüstet zurück. Ich habe in meinen Aeuherungen Ausländern gegenüber nie unterlassen, darauf hinzuweisen, daß jede b i s - herigedeutscheRegierungvonwahr- hafter und aufrichtiger Friedensliebe beseelt gewesen ist. Versuche, eine unbequeme deutsche Bewegung vor dem Auslande als Anruhestifterin hinzustellen, werde ich, wenn Sie unter Heranziehung Ihres Ramens, Herr Reichspräsident, erfolgen, und nicht zurückgewiesen werden, von jetzt ab persönlich in der geeigneten Weise zurückzuweisen wissen. Für die Dauer des Wahlkampfes sollen meine Erklärun- gen der Welt, wenn erforderlich, genau so zur Kenntnis kommen, wie die Erklärungen des heutigen Systems.
2. 3n demselben Aufruf findet sich folgende Stelle: „Hitler statt Hindenburg, das bedeutet Vernichtung aller staatsbürgerlichen Freiheit, der Presse..." Hitler erklärt demgegenüber, daß durch diesen Satz versucht werde, insbesondere dem Ausland vorzutäuschen, Deutschland befände sich im Zustand irgendeiner demokratischen freien Verfassung. Seit Jahren könne von Pressefreiheit in Deutschland überhaupt nicht die Rede sein. Und gerade in diesen Tagen des Wahlkampfes werde die verfassungsmäßige garantierte Wahlfreiheit und Freiheit der Propaganda auf das Schonungsloseste unterdrückt. Sofort bei Beginn des Wahlkampfes sei ein Teil seiner, Hitlers, Presse teils beschlagnahmt, teils verboten worden. Der Artikel der Verfassung, der die Wahlfreiheit garantiere, könne aber auch mit dem Artikel 48 nicht außer Kraft gesetzt werden. Hitler bezeichnet diese Vorkommnisse als glatte und durch nichts zu beschönigende Verfassungs- drücke.
3. Hitler weist dann auf eine Ansprache des preußischen Innenministers Severing an die preußischen Ober- und Regierungspräsidenten hin, in der Severing die Nationalsozialistische Partei als st a a t s f e i n d l i ch hingestellt habe.
„Es ist also möglich, daß unter Ihrer Präsidentschaft, Herr Generalfeldmarschall, der Reichsinnenminister G r o e n e r die Auffassung vertritt. die Rationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei sei nicht staatsfeindlich und der preußische Innenminister Severing dagegen, in dessen Hand die Mittel der praktischen Exekutivgewalt liegen, die Auffassung verbreitet, sie sei staatsfeindlich. Ich sehe in dem Vorgehen des preußischen Innenministers Severing einen unzulässigen Druck auf die preußische Verwaltung, ihren Einfluß bei der Wahl in einem für uns ungünstigen Sinne geltend zu machen."
4. Hitler erinnert darauf an den Wunsch des Reichspräsidenten, daß dieser Wahlkampf i n ritterlicher Weise geführt werden soll. In diesem Zusammenhang lenkt er die Aufmerksamkeit des Reichspräsidenten auf zwei Vorgänge:
a) Auf die amtliche Erklärung des Reichsministers Groener im Reichstag, in Antwort auf die Ausführungen des Abgeordneten Goebbels, in der Goebbels eine sinnentstellte Aeußerung zugeschrieben werde, die nach dem amtlichen Protokoll der Reichstags« sihung nicht gefallen sei. Trotz erfolgter Aufklärung habe Reichsinnenminister Groener seinen schweren Vorwurf nicht zurückgenommen.
b) Hitler macht den Reichspräsidenten auf das vom Polizeipräsidenten von Berlin, Grzesinski, ausgesprochene V e r b o t d e s „A n g r i f f" für die halbe Zeit des Wahlkampfes aufmerksam. Diese Maßnahme erklärt Hitler als nicht nur ungesetzlich und verfassungswidrig, sondern auch als im strikten Widerspruch stehend zu der vom Reichspräsidenten gewünschten Ritterlichkeit des Wahlkampfes. Hitler fragt den Reichspräsidenten, ob es ritterlich sei, die nationalsozialistische Presse unter solchen Dorwän- den von einem Manne verbieten zu lassen, der die Ehre des Gegenkandidaten auf das denkbar Schwerste angegriffen habe und der in einer öffentlichen Rede sein Erstaunen darüber ausgedrückt habe, daß er, Hitler, noch nicht mit der „Hunde- peitsche" aus Deutschland hinausgejagt worden sei. Grzesinski habe außerdem behauptet, er, Hitler, sei
ein österreichischer Deserteur gewesen. Gegenüber dieser letzten Behauptung legt Hitler dem Schreiben die Abschrift seiner Militärpapiere bei, aus denen heroorgsht, daß er 1914 keine Militärverpflichtungen in Oesterreich gehabt habe und freiwillig in das deutsche Heer eingetretcn sei.
Reichsprä
ident, können wir zu Behörden haben.
c Männer in amtlichen Verbotsbegrün
wenn die
deren Repräsentanten sich solcher Kampfmittel bedienen? 1 nd wie müssen wir es dann empfinden,
düngen gegen uns erklären, „es gäbe genügend Methoden, mit denen für ein politisches Ziel geworben werden könne, ohne daß man einen politischen Gegner beschimpfe." „Herr Generalfeldmarschall", so schließt der Brief, „halten Sie es Ihres Namens für würdig, sich selbst als Präsidentschaftskandidat durch ein Gestrick von Notverordnungen und Ge> setzesparagraphen in Ihrer persönlichen Ehre schützen zu lassen, Ihren Gegenkandidaten aber als Freiwild der parteipolitischen Lüge und Verleum- düng preiszugeben? Was gedenken Sie, Herr Reichspräsident, zu tun, um in diesem Kampf, der auch um Ihre Person geht, die Prinzipien der Ritterlichkeit wiederherzustellen?"
Hitler ährt fort: „Welches Vertrauen, Herr
Oer Berliner Polizeipräsident an die NGOAP.
Berlin, 27. Febr. (TA. Amtlich.) Der Polizei Präsident hat am Samstag folgendes Schreiben an die Rationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei gerichtet:
.,I,r letzter Zeit sind durch die nationalsozialistische "Presse und durch Versammlungsredner der RSDAP. Teile der Bevölkerung mehrfach öffentlich des Landesverrats bezichtigt und dadurch auf das schwerste beleidigt worden. Soeben habe ich mich veranlaßt gesehen, ihre Parteizeitung für Berlin „Der Angriff" wegen einer Dersamm- lungsankündigung mit dem Thema „Der Kandidat Crispiens" auf sechs Tage zu verbieten, weil mit dieser Bezeichnung der Herr Reichspräsident v. Hindenburg getroffen werden sollte. Cs ist hier die immer wieder in sinnentstellender Form wiedergegebene angebliche Aeußerung des Abgeordneten Crispiens „Ich kenne kein Vaterland, das Deutschland heißt", nunmehr auch zur Kennzeichnung des Herrn Reichspräsidenten verwandt worden.. Die direkte oder indirekte Bezeichnung als Landesverräter gegenüber Staatsbürgern und ganzen Teilen des deutschen Volkes ist eine rohe Aeußerung der Mißachtung und verfolgt den Zweck zu kränken und Deutsche als der Achtung des deutschen Volkes unwürdig hinzustellen. Ich bin nicht gewillt, diese Form des politischen Kampfes von der nunmehr auch der von allen Kreisen des deutschen Volkes als Kandidat für die Reichspräsidentenwahl proklamierte Herr Reichspräsident v.Hindenburg betroffen worden ist, in meinem Amtsbereich weiterhin zu dulden und werde dieser Methode entgegentreten. Sie ist geeignet, die ohnehin schon erheblich bedrohte öffentliche Ruhe, Sicherheit und Ordnung aufs schwerste zu stören. In Zukunft werde ich daher sowohl Presseerzeugnisse verbieten, wie auch öffentliche Versammlungen auflösen, in denen deutsche Staatsbürger öffentlich durch Bezeichnung als Landesverräter mittelbar oder unmittelbar grob beschimpft und böswillig verächtlich gemacht werden. Es gibt genügend Methoden, mit denen für ein politisches Ziel geworben werden kann, ohne daß man den politischen Gegner oder die Repräsentanten des Deutschen Reiches und seiner Länder beschimpft."
Amtliche Festsetzung
des Kleinverlaufspreises für Brot.
Berlin, 28. Febr. (WTB.) Der Reichskommissar für Preisüberwachung erläßt angesichts der Geteidepreisentwickelung für Roggen und der sich daraus ergebenden r ü ck - läufigenDewegung amRoggenmehl- markt und der weiter getroffenen Maßnahmen zur Beeinflussung der Marktlage für Roggen und Roggenmehl folgende Verordnung:
Der Kleinverkaufspreis fürBrot im Gewicht von mindestens 500 Gramm, zu dessen Herstellung mehr als 30 Prozent Mahlerzeugnisse des Roggens verwendet werden, darf n i ch t ü b e r den Stand der letztvergangenen Woche erhöht werden. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe geahndet. Diese Anordnung tritt mit der Bekanntgabe in der Funkstunde Berlin am 28. Februar in Kraft. Ich weise darauf hin, daß ich befugt bin, bei Zuwider- handlungendie Fortführung desDe- triebes zu untersagen oder Schließung der Betriebs- und Geschäftsräume änzuordnen.
Neuer schwerer Angriff aufTschapei.
Kiangwan am Sonntag von -en Chinesen geräumt. - Tapfere Gegenwehr -er Chinesen an der Tschapeifront.
Schanghai, 29. Febr. (2BIB. Junlfprud).) Der Sonntag war gekennzeichnet durch die völlige Räumung kiangwans von den Chinesen und durch einen neuen japanischen Luftangriff auf den Flugplatz Hang- tschau. 3n den Straßen wurden 1600 tote Zivilisten gezählt, während die Ruinen der einstmaligen Stadt zweifellos noch Hunderte von Toten bergen. Der Leichengeruch machte es den Chinesen unmöglich, in der Stadt zu bleiben. Die dauernden Angriffe der japanischen Artillerie und der japanischen Flugzeuge verhindern eine Beerdigung der Toten. Die chinesischen Truppen haben nunmehr eine Linie von Schützengräben unmittelbar westlich von üiangwan eingenommen. An dieser neuen Front kam es nachmittags zu Kämpfen, doch behaupteten die Chinefen ihre neuen Stellungen. Drei japanische Bombenflugzeuge zerstörten den ganzen Flugplatz. Der dem Marschall Tschangkaischek gehörende Privatflugplah soll gleichfalls völlig zerstört worden sein.
Montag vormittag haben die Japaner einen Durchbruchsversuch au der Tschapel- front begonnen. Rach mehrstündiger Artillerievorbereitung setzte sich um 9.30 Uhr die japanische Infanterie, unterstützt von Tanks und von dem Schnellfeuer der Artillerie und den Bombenangriffen der Flugzeuge, in Bewegung, während die internationale Niederlassung, die in strahlenden Sonnenschein gebadet ist, äußerlich ein verhältnismäßig ruhiges Bild darbot, ist die Lufl erfüllt von dem Knattern der Maschinengewehre und dem Donner der Geschütze. Trotz der heftigen Kanonade und den ständigen Bombenangriffen aus
der Luft halten die chinesischen Truppen tapfer stand und antworten mit Grabenmörsern und Maschinengewehren. Einige beherzte Leute springen auch aus der Deckung hervor, laufen vorwärts und werfen Handgranaten gegen die anrollenden japanischen Tanks. Gegenwärtig tobt die Schlacht ln voller Stärke.
Washington tehnt Boykott gegen Japan ab.
Washington, 28. Febr. WTB. (Reuter.) Heute abend wurde bekanntgegeben, daß die Regierung der Vereinigten Staaten den Plan eines Boykotts gegen Japan energisch zurück- w e i st. Präsident Hoover und andere Mitglieder der Regierung, wie auch Mitglieder des Parlaments, seien durchaus einmütig gegen einen solchen Boykott. Amerikanische Beobachter in Europa haben dem Staatsdepartement mitgeteilt, daß die Großmächte mit der Haltung der Be^inigten Staaten übereinstimmen.
Rußland gestattet Beförderung japanischer Truppen auf der Ostchinabahn.
Moskau, 28. Febr. (WTB.) Auf die Ditte der japanischen Regierung nm die Zustimmung der Sowjetunion zur Absendung japanischer Truppen bis zur Station Imanpo, im äußersten Falle bis Chailin, um die in dieser Gegend lebenden Japaner zu schützen, erwiderte Karachan, die Sowjetregierun^ sei ausnahmsweise bereit, dem Sowzetteil der Direktion der Ostchinabahn die Weisung zu geben, den Trans Po rt japanischer Truppen in beschränkter Zahl von Charbin bis zur Station Imanpo, im äußersten Fall bis zur Station Chailin, zu erlauben.
Ein Litauer zum Präsidenten des Memeldirektoriums ernannt.
Memel, 27. Febr. (WTB.) Wie das Memeler Dampfboot meldet, hat der Gouverneur des Memel- Gebietes den Rektor der litauischen Grundschule in Memel Simmat (die deutsche Schreibweise für Simmaitis) zum Präsidenten des Direktoriums ernannt. Verhandlungen mit den Fraktionsführern der Dolkspartei und der Landwirtschaftspartei, die bekanntlich die Mehrheit des Memeler Landtages üarftellen, find dieser Ernennung nicht vorausgegangen. Der neu ernannte Präsident Simmat hat sich auch nicht an die Führer der Mehrheitsparteien gewendet, um mit ihnen Der- Handlungen über die weitere Zusammensetzung der Regierung zu führen. Dagegen hat er den Fischer- wirt L u t t k u s von der Dolkspartei und den Landwirt W a s ch k i e s von der Landwirtschaftspartei aufgefordert, mit ihm und Landesrat T o l i f ch u s zusammen ein Direktor! um zu bilden. Die beiden Erstgenannten, die den Mehrheitsparteien angehören, haben es a b g e l e h n t, in das Direktorium einzutreten und erklärt, daß, wenn Simmat überhaupt weiteroerhandeln wolle, er sich offiziell an die Fraktionen der Mehrheitsparteien wenden müßte. Simmat hat dies heute abend auch getan, und die Fraktionsführer haben sich zu einer Unterredung bereiterklärt, die wahrscheinlich am Montag stattfinden wird. Da Simmat erklärt hat, daß er außer den zwei Angehörigen der Mehrheiteparteien auch noch einen Mann seines Vertrauens, d. h. eine grofp litauisch e t n g e ft eilte Persönlichkeit zum Mitglied der Regierung ernennen wolle, ist nicht ersichtlich, ob die offizielle Verhandlung am Montag zu einem Ergebnis führen wird.
Hierzu erfahren wir noch von unserem Korrespondenten. daß Simmat zwar politisch nicht hervorgetreten ist, sich aber als Li tau er bekennt. Man will in das neue Direktorium To - lischus hineinnehmen, was für die Mehrheitsparteien völlig untragbar ist.
Gouverneur Merkys soll dem Vertreter der memelländischen Mehrhertsparteien, G u b b a, erklärt haben, daß es ihm nicht möglich fei, mit den Mehrheitsparteien in einen offiziellen Kontakt zu treten, weil diese ihren Protest gegen die Abberufung Böttchers aufrechterhielten.
Heue Provokationen aus Kowno. Jaunius spielt aus Masuren als litauische Jrridenta an.
Kowno, 27. Febr. (WTB.) Außenminister Z a u n i u s nahm erneut zum Memelkonslikt Stellung. In feinen Ausführungen operierte er zunächst mit der Behauptung, daß „gewisse Clemente^ beabsichtigten, das Memelgebiet i n einen Freistaat umzuwandeln und diesen an Deutschland anzuschließen. Litauen sei fest gewillt, die Memelautonomie zu wahren. Litauen könne aber nicht aufhören, Memel als auch einen Teil seines eigenen Staatsgebiets zu betrachten. Wenn die deutsche Presse Litauen unterstelle, es wolle die Memelautonomie abschaffen, so könne man im Gegenteil darauf Hinweisen, daß d i e Memelländer das Memel st akut nicht e i n h i e l t e n. Die Fahrten Boettchers und Pod- szus nach Deutschland hätten gezeigt, daß die autonomen Organe sich widerrechtliche Befugnisse anmaßten. Wenn die litauische Regierung auch lange diesem Treiben zugesehen hätte, so hätten die letzten Ereignisse sie zu schärferem Vorgehen gezwungen.
Die Statistik beweise den unzweideutig l i - tauischen Charakter des Memelgebiets, der auch nicht durch den Hinweis des Reichskanzlers Dr. Brüning auf die siebenhundertjährige deutsche Geschichte und den deutschen Charakter des Memellandes in Frage gestellt werde. Wenn Herr Brüning auf die Geschichte eingehe, so wolle er ein Gleiches tun. Man kenne die Sage von der einstmals mächtigen Stadt 03 in eta, die ins Meer versunken fei, deren Glocken aber man noch heute klingen höre. Auch wir, so fuhr der Minister fort, hören, wenn wir Sonntags morgen auf die weite Flur hinausgehen, die Glockenklänge von Stallupönen, Pillopönen, Picktupönen, Cydtkuh-
nen, Pillkallen, die der Wind von drüben gu uns herüberträgt. Gerade Deutschland habe darum, so meinte Zaunis, am wenigsten Veranlassung von dem zu sprechen, was vergangen fei. Die Auszählung der verschiedenen Ortsnamen wurde von lautem Beifall unterbrochen.
poincare für Freundschaft mit Mussolini.
Der Bündniswert
der „laicini.chcn Schwester".
Paris, 28. Febr. (WTB.) In einem Artikel, der gleichzeitig im Excelsior und in der in Buenos Aires erscheinenden Zeitung La Nacion veröffentlicht wird, setzt sich Poincars energisch für die französisch-italienische Verständigung ein. Als Ministerpräsident habe er im Beisein von Lord Curzon in lerntet eine Unterredung mit Mussolini gehabt. Es komme nur auf Tardieu an, sich demnächst eine ähnliche Unterredung zu Der- schaffen. Niemand werde ihn deswegen beschuldigen, dem Faschismus den Hof zu machen. Ich weiß, fährt Poincarö fort, daß man von Allianzen nichts mehr wissen will, man bezeichnet sie als überholte Politik. Gut, aber ein Verbündeter von gestern bleibt ein Freund von heute und für die Zukunft. Erweitern wir unsere Beziehungen zu den Nationen beider Weltteile. So ausgedehnt aber auch der Kreis unserer diplomatischen Beziehungen fein mag, müssen wir um so mehr gleichzeitig unsere gemeinsame Tradition mit Italien und den übrigen lateinischen Ländern pflegen und sorgsam darüber wachen, daß unsere Kultur nicht unter den übrigen Kulturen erstickt. Gewiß sind wir mit Italien in einigen Fragen uneinig, besonders hinsichtlich der Kolonien. Verteidigen wir unsere Rechte und Interessen. Trotz dieser Auseinandersetzungen aber ist die enge Freundschaft HFrankreichs und Italiens für beide änder eine Notwendigkeit. Mussolini repräsentiert Italien. Das genügt! Er wird nicht versuchen, irgendeinen unserer Politiker zum Faschismus zu bekehren, und unsere Politiker werden ebenso wenig versuchen, ihm die Ueberlegenheit unserer verfassungsmäßigen Einrichtungen zu beweisen. Das würde heißen, die Debatte ohne Hoffnung auf eine Lösung auf ein falsches Gleis zu schieben. Es ist besser, sich mit den Tatsachen zu befassen und zu einem Ergebnis zu gelangen.
Aus aller Wett.
Ehrung Gerharl Hauptmanns in Amerika.
Gerhart Hauptmann, der sich in Amerika befindet, wurde zum Korrespondierenden Mitglied der Akademie der Künste und Wissenschaften von Neu- york ernannt. Er ist der erste Deutsche, dem diese Ehre zuteil wird.
Großer Lagerhausbrano in Bremen.
Im Lagerhaus derDeutschenDrogisten- Einkaufsgenossenschaft Bremen entstand aus bisher ungeklärter älrsache ein Brand, der an den leicht brennbaren Materialien reiche Rahrung sand. In kurzer Zeit stand daSganze Haus bis zum Dachstuhl in Flammen. Die Feuerwehr mußte sich daraus beschränken. die benachbarten Lagerhäuser zu schützen. Gegen 22 Llhr war es der Wehr gelungen, den Brand zu lokalisieren. Das Lagerhaus ist bis auf die älmsassungsmauern niedergebrannt.
Eine deutsche Flugexpeditton nach Ostasien.
Kapitän Bertram, der mit feinem IunkerS- Wasserflugzeug „Atlantis" (vom Typ der »Bremen" des Hauptmann Köhl) einen Flug nach Ostasien vorbereitet, will zur ersten Etappe nach Köln starten. Die Route wird über die Alpen nach Italien, Griechenland. Kleinasien, über die Syrische Wüste nach dem Persischen Golf führen, dann über die beiden Indien nach Siam und über Reu-Guinea nach China und nach Japan»


