tische Aussprache im Reichstag schreckender Deutlichkeit erhellt. Wir wall«
Ser Eiahlhelmauftus zur präsidenienwahl
Düsterberg fordert, heute nicht einmal einem Manne wie dem Feldmarschall von Hindenburg gegenüber eine Selbstverständlichkeit ist, hat die große poli» mit er-
Hitlers Eidesleistung.
Antrag auf Ernennung zum Ehrenbürger von Koburg.
Berlin, 26.Februar. (WTB.) Die Eidesleistung des Regierungsrats Adolf Hitler hat heute nachstuttag in der braunschweigischen Gesandtschaft vor dem braunschweigischen Gesandten Exzellenz Dr. Boden stattgefunden. Hitler hat anschließend daran seine Dienstgeschäfte übernommen. Hitler wird in der braunschweigischen Gesandtschaft nicht st ä n d i g Dienst tun. Er wird vielmehr die ihm im Auftrag des braunschweigischen Ministeriums durch die Gesandtschaft zu überweisenden Sonderaufträge zu erledigen haben.
3m Stodtrat der Stadt Koburg, in dem die nationalsozialistische Fraktion über die absolute Mehrheit verfügt, hot sie Len Antrag gestellt, Adolf Hitler, Len Führer der Freiheitsbewegung des deutschen Volkes, das Ehrend ürg.errecht der Stadt Koburg zu verleihen. Der Antrag wurde mit den Stimmen der Nationalsozialisten und des dem Stahlhelm angehörenden dritten Bürgermeisters Rehlein angenommen. Vier Mitglieder der Fraktion Schwarzweißrot enthielten sich der Stimme. Die Sozialdemokraten hatten an der Sitzung nicht teilgenommen. Im Abstimmungslokal und auf den Tribünen kam es zu lärmenden Kundgebungen, so daß die Polizei das Rathaus räumen mußte. Die Polizei hat vor dem Rathaus, auf dem die schwarz-weiß-rote Flagge gehißt wurde, Aufstellung genommen.
dem wir den Degen im alten Fechtergruß ehrerbietig senken, in den ersten Wahlgang zu gehen. Aber nun, wo es schick ja Ismäß ia so läuft, daß wir selbst fechten müssen, nun wollen wir klar und ritterlich fechten und so, daß wir die Wucht der nationalen Stimmen unter der Parole Düsterberg einsetzen können wie eine geballte Ladung, um die harte Schale und Fessel eines falsch angesetzten Systems zu sprengen, das uns hindert, alle wirklichen nationalen Kräfte in Deutschland für Deutschland, für die deutsche Freiheit segensreih und erfolgreich einsctzen zu können. Dahn frei für den Stahlhelm! Kameraden! Ich habe Euch oft den Stahlhelmwaffenfpruch zugerufen: Auf den Opfern und auf den Waffen beruht der Sieg. Opfert und arbeitet und fechtet im alten Front- geift. Kameraden! Ihr habt uns Bundesführern so oft Treue, Kameradschaft und Disziplin gelobt, Deweiht sie und werbt und sammelt für die Parole des Stahlhelm, für die Parole Düsterberg!
Gez.: FranzSeldte, Erster Dundesf ührer. Oer Stahlhelm und Harzburg
Eine Antwort an die NSDAP.
Berlin, 26. Febr. (TU.) Unter der Ueberschrift „Harzburg oder Hitler? nimmt der Stahlhelm- Pressedienst zu dem Aufruf des ostpreußischen Gauleiters der NSDAP., Koch, Stellung, in dem es heißt: „Es gibt kein Harzburg meh r." Das sei ein Irrtum, der um so mehr der Berichtigung bedürfe, als er auch offenbar beim Zentralorgan der NSDAP., dem in München erscheinenden „Völkischen Beobachter" geteilt werde. Richtig sei lediglich, daß die nationalsozia- l i st i s ch e Führung sich mit dem Entschluß zur Aufstellung einer Parteikandidatur von Harz- bürg losgcfngt habe und daß nationalsozialistische Unterführer mit der ganzen Zügellosigkeit
Oie deutsche Volkspartei nach der Abstimmung.
Ausscheiden der Abg.Lr. CrMius und Kardorfs aus der Frattiom
Berlin, 26. Febr. (DDZ.) Der Pressedienst der Deutschen Volkspartei teilt mit: Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei trat nach dem Schluß der Plenarverhandlungen zu einer kurzen Sitzung zusammen. Die Fraktion nahm davon Kenntnis, daß die Herren Abgeordneten Dr. C u r t i u s und von Kardor ff an der Abstimmung über den volksparteilichen Mißtrauensantrag nicht teil genommen haben und dadurch in Folgewirkung des Fraktionsbeschlusses automatisch aus der Fraktion ausgeschieden sind. Abg. Glatzel hat telegraphisch mitgeteilt, daß er von dem Fraktionsbeschluß auf Anwesenheitszwang Kenntnis genommen und seine Rückreise nach Berlin sofort angetreten habe. Die Fraktion beschloß, hierüber weitere Erklärungen abzuwarten und dann erst Beschluß zu fassen. Bei den übrigen abwesenden Mitgliedern der D V P. ergeben sich keine Weiterungen, da ihr Fehlen als begründet und entschuldigt gilt. Es waren dies die Abg. Dr. Scholz, Dr. Schneider, Dr. Kahl.
Oas Ergebnis.
Berlin, 26. Febr. (GAB.) Der Ausgang dieser Reichstagstagung (der mit der Ablehnung aller Mihtrauensanträge endete) konnte in parlamentarischen Kreisen keine TIeberraschung auslösen : denn von Anfang an hatte man auch in Kreisen der Rechten mit diesem Ergebnis gerechnet. Die Mehrheit betrug bei dem Mißtrauensantrag gegen das Gesamtkabi- nett 25 Stimmen und bei den am schärfsten bekämpften Mitgliedern des Kabinetts, i>en_ Ministern Groener und Dietrich, sogar 55 und 86. Aber das Bild sieht für die Reich^regierung noch sehr viel günstiger aus, wenn man von der Oppositionsseite die 79 Stimmen der K o m m u * nisten und die fünf der Sozialistischen Arbeiterpartei abzieht, die für eine praktische Regierungsbildung ja von vornherein nicht in Frage kämen. Bei solcher Betrachtung stehen ixn 289 Stimmen, die das Kabinett Brüning auf sich vereinigt, nur 185 oppositionelle gegenüber, die theoretsich für; eine Regierungsneubildung in Frage kämen.
ßir wollen gerne zugeben, daß nach den langen Parlamentsferien besonders temperamentvolle Abgeordnete das Be»
Weitere Abstimmmgen im Reichstag.
der reinen Demagogen nunmehr zu beschimpfen be* gönnen, was sie vor kurzem ihrem Publikum noch als höchst löblich priesen. Es gehöre keine Propheten- gäbe dazu, schon heute vorauszusagen, daß die Nationalsozialisten bereits nach den Erfahrungen Leser st en Wahlganges sehr bereit sein würden, sich um manches klüger dieser Front wieder einzufügen. Es wird sich zeigen, daß zwischen Parlamentswahlen und einer Reichspräsidentenwahl ein sehr wesentlicher Unterschied ist. Dio Zahl der Menschen, die Adolf Hitler als einen verdienstvollen Propheten des Nationalsozialismus betrachten, ist zweifellos sehr groß. Die Zahl derer jedoch, die in ihm den deutschen Messias erblicken, dürfte kleiner sein als die Zahl seiner organisierten Anhänger. Nur die letzteren aber werden eine bedingungslose Hitlerkandidatur für Deutschland roün- schen. Die anderen aber werden mit uns der Ansicht fein, daß die Wahl des Reichspräsidenten keine Ge- legenheit ist, Stimmungen abzureagieren, sondern eine sehr sorgfältigePrüfungderPer- sönl ich leit erfordert, die 7 Jahre lang das Schicksal des Reiches entscheidend bestimmen soll.
Oer deutsche Osten in Gefahr!
Eilt Aufruf der Deutschen Studentenschaft.
Wie uns von der Gießener Studentenschaft mit« geteilt wird, hat sich der Vorstand der Deutschen Studentenschaft mit folgendem Aufruf zu den Vorgängen in Memel und Danzig an die Oeffentlichkeit gewandt:
Deutsche Studenten!
Versailles schuf Deutschlands blutende Grenzen in Ost und West!
Versailles nahm Deutschlands Wehr! Deutschland ist der Habgier seiner Feinde preisgegeben!
Nachdem die litauische Regierung beteuert hat, daß sie das Memelland nicht antasten würde, erfolgte trotzdem der Gewaltstreich, um das deutsche Direktorium zu beseitigen. Alle Proteste sind ungehört verhallt. Deutschland ist machtlos.
Deutsche Studenten, haltet die Augen offen!
Zu gleicher Zeit, da Litauen versucht, unsere deutschen Brüder im Memelland ihres Rechtes zu berauben, tritt in Danzig mit unerhörten Reden Polen auf. Bei einer Tagung der polnischen Stu- dentenvereinigung an der Technischen Hochschule zu Danzig, Bratnia Pomoc, forderte im Beisein zahlreicher Vertreter der polnischen Diplomatie, der Ministerien, des Militärs und der Verwaltung der Legatlonsrat Lalicki in Vertretung des amtlichen Vertreters Polens in Danzig „aktive -Beteiligung der polnischen Studenten im Sinne einer Poleuül
Ein nationalsozialistischer Antrag über die Aufhebung der Versammlungs- und Rededeschränkun- gen während der Wahlzeit wird unter heftigen Protesten der Antragsteller abgelebt. Abg. Strasser (Rats.) gibt darauf eine Erklärung ab, wonach seine Partei an weiteren Abstimmungen fein Interesse habe. Die nationalsozialistische Fraktion verläßt geschlossen den Saal. Die Deutschnationalen bleiben im Saal.
Gegen die Stimmen ber; Deutschnationalen, der Kommunisten und des Landvolks wird ein christlich-sozialer Antrag angenommen, der die Reichsregierung ersucht, eine ungestörte den inneren Frieden nicht gefährdende Durchführung des Wahlkampfes sicherzustellen und g e g e n Verso mmlungs st örer die Machtmittel des Staates rücksichtslos einzusetzen.
Groeners Reichswehrerlaß.
Für den kommunistischen Entschließungsantrag auf Aufhebung des letzten Erlasses des Reichswehrmini st ers, der den Nationalsozialisten den Zugang zur Reichswehr öffnet, stimmen mit den Kommunisten die Sozialdemokraten und die Staatspartei, während der größte Teil des Zentrums unter Führung des Parteiführers Kaas Stimmenthaltung übt. Der Antrag wird mit 226 gegen 173 Stimmen bei 38 Stimmenthaltungen angenommen.
Bei der Abstimmung über ein'e kommunistische Entschließung auf Rückgängigmachung des erhöhten Butterzolles bleibt das Ergebnis zunächst zweifelhaft, weil die Sozialdemokraten mit den Kommunisten stimmen. Aus den Mittelparteien wird den Deutschnationalen zugerufen: „Eure Razi-Bundesgenossen gefährden durch ihre Flucht die Landwirtschaft!" Im Hammelsprung wird die kommunistische Entschließung mit 204 gegen 187 Stimmen angenommen.
Präsident L ö b e erhält am Schluß der Sitzung g c g e n 2 2 -U h r die Ermächtigung, im Benehmen mit dem Aeltestenrat und der Reichsregierung den Termin der nächsten Reichstags- I sihung festzusetzen.
kämpf ausgehen wird. Nachdem es sich, wie zu erwarten war, wiederum herausgestellt hat, daß der Reichskanzler in diesem Reichstag über eine kleine, aber durch nichts zu erschütternde Mehrheit verfügt, sollten sich die Führer der Opposition, die ja die Grenzen ihrer Erfolgsmöglichkeiten in einem gegen Hindenburg zu führenden Wahlkampf genau kennen müssen, heute schon überlegen, was nach diesem Wahlkampf geschehen soll und ob es nicht jetzt noch an der Zeit ift, die Hand zur Verständi- gung zu bieten. Hindenburg bleibt sich seiner Linie treu, wenn er auch jetzt den Kampf gegen das System des Parteiabsolutismus führt und erklärt: „Ich bin Treuhänder des ganzen deutschen Volkes, nicht der Beauftragte einer Partei oder Parteiengruppe und will nur meinem Gewissen und dem Daterlande verpflichtet sein." Wenn es so hingestellt wird, als ob der Feldmarschall der Kandidat einer „schwarzroten Koalition' sei, so wird das am wirkungsvollsten entkräftet durch den Aufruf des alten konservativen Parteiführers Graf Westarp an seine Gesinnungsfreunde und durch die Tatsache, daß neben ihnen Wirtschaftspartei, Deutsche Dolkspartei, Christlich-Soziale und Landvolk die Parole für Hindenburg ausgaben. Gelehrte wie Erich Marcks und Sermg, Damaschke und Sombart, Generäle wie Let- tow-Vordeck und Seeckt, Industrielle wie Krupp und Dulsberg, Landwirte wie Fhr. v. Richthofen und Gerecke sind wohl unverdächtig, einer „schwarzroten Koalition" zur Macht zu verhelfen. Aber sie alle sehen die in der verzweifelten Lage des deutschen Volkes doppelt zwingende Notwendigkeit, dem Staat die überparteiliche Spitze zu erhalten, die Autorität des einzigen Mannes, der niemandem zu Leide und niemandem zur Freude am Ende eines an Ruhm und Stolz, Trauer und Bitterkeit unendlich reichen Lebens nur noch eines kennt: „Ich dien!" Es war ein schönes Zeugnis treuer Verbum denheit, wenn der Reichskanzler am Donnerstag seine Rede unter dem stürmischen Beifall der Mehrheit des Reichstags mit den Worten schloß: Wenn ich immer wieder Hoffnungen schöpfen konnte in diesem Kampfe, dann, weil ich einem Manne dienen konnte wie dem Reichspräsidenten von Hindenburg!" Für oder wider ihn, ob Bundesgenosse oder Gegner, die Kandidatur Hindenburgs verpflichtet jeden, der in die Arena tritt, zu ritterlichem Kampf.
, Dessen sollten sich alle, die es angeht, in jedem Augenblick dieser kommenden Wochen bewußt sein.
dürfnis haben mußten, sich den lange aufgespeicherten Groll vom Herzen zu reden, wir wollen auch cinräumen, daß diese Februarsitzung des Reichstags schon der Auftakt des Wahlkampfes war, den die Opposition nun einmal in erster Linie gegen die Regierung zu führen gedenkt. Aber alles das kann unmöglich eine Entschuldigung fein für den nicht mehr zu unterbietenden Tiefstand dieser „politischen Aussprache". Auch der Hinweis, daß die in der französischen Kammer beinahe schon üblichen Prü- gelszenen zwischen politischen Gegnern im Reichstag trotz der überhitzten Atmosphäre immerhin noch vermieden werden konnten, ist kein Trost, wenn man hören mußte, wie einzelne Redner im Stile der - Volksversammlungen einfach niedergebrüllt wurden und es selbst dem Reichskanzler nur unter größter Anstrengung gelang, sich Gehör zu verschaffen. Wir begrüßen es daher, daß cs durch llebertragung der Kanzlerrede auf den Rundfunk auch einmal breitesten Volkskreisen ermöglicht wurde, sich ein eindrucksvolles Bild von der Tätig- feit der Erwählten des Volkes zu machen. Die Reichstagsdebatte bot an Unerfreulichem soviel und an Positivem so wenig, daß es sich kaum verlohnt, nach den ausführlichen Sitzungsberichten noch einmal darauf zurückzukommen. Wir hätten gewünscht, daß sich alle Abgeordneten ohne Unterschied der Parteien der Verpflichtung zu Disziplin und Sachlichkeit bewußt gewesen wären, die ihnen als Repräsentanten des deutschen Volkes allein schon die Anwesenheit von fast hundert ausländischen Pressevertretern aufcrlegte. Statt dessen bot der Reichstag ein bis zur Karikatur verzerrtes Spiegelbild der ungeheuren innerpolitischen Spannungen. Aber auch dieses entwürdigende und beschämende Schauspiel kann zum Guten dienen, wenn es den verantwortlichen und ihrer Verantwortung bewußten Führern die Augen darüber öffnet, daß dieser Weg gegenseitiger Verhetzung in den Bürgerkrieg führen muß, wenn nicht mit den maßlosen Beschimpfungen politisch Andersdenkender — wovon es stets nur noch ein kleiner Schritt zu den blutigen Ausschreitungen ist, die heute an der Tagesordnung sind — endlich und gründlich Schluß gemacht wird. Dazu ist in dem jetzt beginnenden Wahlkampf, in dessen Mittelpunkt die große Gestalt Hindenburgs steht, die beste Gelegenheit, vielleicht auch die letzte. Wir wollen uns die beherzigenswerten Worte des Grafen W e ft a r p zu eigen machen, der in der Reichs- lagsdebatte sich mit folgendem Appell an das Haus wandte: „Ich möchte Sie herzlichst bitten, tun Sie nichts, um aus unserem Volk und unserer I u a e n d noch herauszureißen den letzten Rest von Ehrfurcht vor der Größe einer geschichtlichen Persönlichkeit!"
Bon dieser Ehrfurcht legte auch die große Rede des Reichskanzlers D r. Brüning mit großem sittlichem Ernst und starkem innerem Feuer eindringlich Zeugnis ab. Seine Rede ging im ersten Teil auf die Kritik des deutschnationalen Abg. von Zreytagh-Loringhoven an der Außenpolitik des Kanzlers Punkt für Punkt ein. Don Bedeutung war, daß der Kanzler erneut jede P re st i g e p o l i t i k mit Rücksicht auf innerpolitische Agitationsbedürfnisse strikt ableynte, aber sich auch wiederum ebenso entschieden zu dem Standpunkt bekannte, daß irgend- welche Reparationszahlungen für Deutschland nicht mehr in Frage kommen können. Interessierte Aufmerksamkeit fand auch die Feststellung des Kanzlers, daß sich der nationalsozialistische Sachverständige
Berlin, 26. Febr. (TU.) Der Stahlhelm erläßt eine Kundgebung, in der cs u. a. heißt:
Kameraden! Die Entscheidung ist gefallen. Die Parole des Stahlhelm ist gegeben. Sie lautet: P a • rolc Düft erber g! Der Stahlhelm greift ein. Treu und ehrlich arbeiten und fechten wir Frontsoldaten im Stahlhelm seit 13 Jahren nach Düster- bergs Wort: Für Deutschlands innere und äußere Befreiung. Nicht immer glücklich und bei unserem bisherigen Verzicht auf Parteibildung, nicht immer von sichtbaren Erfolgen begleitet, aber erfüllt, getragen und getrieben von dem immer stärker werdenden Bewußtsein: Wir haben doch recht! Wir wollen nichts für uns — aber alles für Deutschland. Unser Wunsch, die ganze nationale Rechte und nationale Opposition geschlossen und geeint in die Schlacht führen zu können, ist leider nicht in Erfüllung gegangen. Aber die zähesten und besten Elemente deutschen nationalen Denkens und Wollens im Stahlhelm und in der DNVP. als Kern zusammengeschlossen, die haben sich hinter die Führung des Stahlhelms gestellt und die Aufforderung des ersten Bundes- führers des Stahlhelms und des Vorsitzenden der DNVP., Geheimrat Hugenderg, als gemeinsamen Kandidaten für den ersten Wahlgang der kommenden Reichspräsidentenwahl unseren zweiten Bundesführer Kamerad Düsterberg zu nehmen, angenommen. Damit heißt die Parole Düsterberg!
Kameraden! Der Stahlhelm hat einen seiner Besten und seine beste Klinge gestellt. Jede Stimme im Stahlhelm, jede Stimme unserer Freunde ge- hort ihm, dem alten und immer jungen Fechter und Vorkämpfer für Deutschlands innere und äußere Freiheit. Wir wünschten — und wir haben wochenlang selbstlos daran gearbeitet — diesen Äamt.f anders zu gestalten. Cs ist uns nicht vergönnt gewesen, unter Hindenburg, vor
Das Mttauensvotuni gegen Lobe als unzulässig abgetehnf.
Zur Abstimmung wird dann der nationalsozialistische Mißtrauensantrag gegen den Reichstagspräsidenten Lobe sowie der deutschnationale Antrag gestellt, wonach der Präsident des Reichstags ersucht wird, sein Amt niederzulegen.
Die Frage, ob die Anträge gegen den Reichstagspräsidenten zuwässig sind, wird hierauf in namentlicher Abstimmung mit 321 gegen 226 Stimmen bei einer Enthaltung verneint.
Zur Abstimmung kommt dann ein kommunistischer Antrag, der besagt:
1. Alle TributKahlungen auf Grund des Versailler Friedensvertrags, insbesondere diejenigen, welche nicht unter das Hoover-Moratorium fallen, werden sofort eingestellt.
2. Alle privatenSchuldverpflichtun- gen an das kapitalistische Ausland werden annulliert, die weitere Zinszahlung für solche Verpflichtungen wird verboten und im LlebertretungsfaN als Kapitalverschiebung bestraft.
Abg. Dr. F r i ck (Rats.) beantragt getrennte Abstimmung über die beiden Absätze. Das wird jedoch mit den Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt.
Abg. Dr. F r i ck erklärt, bei getrennter Abstimmung würden seine Freunde für den ersten Absatz und gegen den zweiten gestimmt haben. Durch die gemeinsame Abstimmung über den ganzen Antrag sei die Zustimmung der Rationalsozialisten unmöglich geworden. (Gelächter bei den Kommunisten und Rufe: „€>o sehen die Feinde des Weltkapitalismus aus!") Erklärungen in gleichem Sinne geben Abg. Döbrich für das Landvolk und Abg. H e r g t für die Deutschnationalen ab.
Der Antrag wird dann mit 368 gegen 75 Stimmen der Kommunisten bei 108 Stimmenthaltungen der Nationalsozialisten abgelehnt. Die Kommunisten rufen im Sprechchor den Nationalsozialisten zu: „Das Kreuz der Ehrenlegion ist euch sicher!"
Proklamierung Du st erb ergS zum Präsidentschaftskandidaten. Die Begründung „getrennt marschieren, vereint schlagen", mit der diese Dop» pelkandidatur der Rechtsopposition den Wählern gegenüber schmackhaft gemacht werden soll, verfängt nicht recht gegenüber der rücksichtslos schar- fen Kritik, mit der Herr Düsterberg von der nationalsozialistischen Presse schon heute bedacht wird Die Gauleitung Ostpreußens der RSDLlP. erklärt in ihrem offiziellen Wahlaufruf auch bereits, die Harzburger Front sei zerbrochen, und Herr Dr. Goebbels verrät, daß die Kandidatur Hitlers hereits vor Wochen beschlossen sei. bisher aber geheimgehalten wurde. So ziehen die Rationalsozialisten mit dem Schlachtruf Teils „Der Starke ist am mächtigsten allein" in den Wahlkampf. indem sie alles auf eine Karte setzen in der vielleicht richtigen Erkenntnis, daß jetzt sie die Entscheidung suchen müssen, wenn ihre Bewegung in Zukunft nicht stark an Werbekraft einbüßen soll. Deutschnationale und Stahlhelm geben sich natürlich darüber keiner Illusion hin, daß der Raum zwischen Hitler und Hindenburg zu klein ist. um ihrer Sonderkandidatur einen Erfolg zu erlauben. Hugenberg rechnet also offenbar damit, daß der erste Wahlgang noch keine Entscheidung bringen wird und daß dann die auf seinen Kandidaten entfallenen Stimmen un zweiten Wahlgang das Zünglein an der Waage bilden können.
Bedauerlich bleibt bei dieser Kandidatur, daß sich gerade der Stahlhelm in die vorderste Front hat manövrieren lassen und nun I>em OJolt das wenig beglückende Schauspiel bietet, daß der zweite Vorsitzende des Stahlhelms gegen sein Ehrenmitglied tanbibiert. Schon die Erinnerung an die Kameradschaftlichkeit, mit der Hindenburg seinerzeit unter vollem Einsatz feiner eigenen Person vor seinem Rheinlandbesuch die Aufhebung des Stahlhelmverbots beim preußischen Ministerpräsidenten Braun durchsetzte, hätte den Äahlhelm veranlassen sollen, sich in diesem Kampf äußerste Zurückhaltung aufzuerlegen, nachdem er schon aus Gründen, für die man nach der ganzen politischen Entwicklung des Stahlhelms Verständnis haben kann, geglaubt hatte, sich von Hindenburg trennen zu müssen. Daß die Peinlichkeit dieser Situation natürlich auch von einem Manne wie Düster berg in hohem Maße empfunden wird, klingt in feinem Wahlaufruf durch, der von diesem inneren Konflikt im Herzen des alten Soldaten Zeugnis ablegt. Hindenburg hat allerdings damals, als er in kameradschaftlicher Treue die Aufhebung des Stahlhelmverbots erzwang, mcht den feinen Unterschied zwischen politischem und militärischem Handeln gemacht, auf den sich jetzt der Stahlhelmvorsihende Düsterberg zurückzieht, wenn er gegen den Marschall-Präsidenten in die Arena tritt. Aber wir wollen aus seinem Ausruf auch gern das Versprechen anerkennend herausheben, daß er den Kampf um die Reichs- Präsidentschaft ritterlich führen wiU und wir wollen hoffen, daß dieser gute alte Soldatengeist, der aus dem Aufruf Düsterbergs spricht, über- a l l Schule machen wird, sonst wird dieser Wahlkampf einen Scherbenhaufen zurücklassen, der dem deutschen Volk teuer zu stehen kommen muß.
Daß ein ritterlicher Kampf, wie ihn
für die Abrüstungsfrage, Ritter v o n E p p, ut einem Interview eines amerikanischen Korrespondenten offen zu dem von Dr. Brüning in Genf vertretenen Standpunkt bekannt hatte. Warm wurde der Kanzler erst, als er auf die innerpolt» tische Situation zu sprechen kam und mit äußerster Schärfe den Versuch zurucktmes, fern System mit dem System des 9. November zu identifizieren. Uni) zum Beweis dessen führte er an, daß er am 9. November einer Truppenabteilung angehort hatte, die zur Niederwerfung der Revolution gebildet worden war. Wer Brünings politischen Lebensweg kennt, der ihn stets in engste persönliche und freundschaftliche Verbindung zu Männern der konservativen Rechten geführt hat, dem sagt dieses Bekenntnis des Kanzlers nichts Neues. Aber die Leute mit kurzem Gedächtnis, die heute nichts mehr von dem Manne wissen, der innerhalb seiner Par» tei den Gegenpol zu Joseph Wirth bildete und die Brücke zur Rechten schlug, dessen Kabinett das erste Veto des Reichspräsidenten gegen die absolute Parteiherrschaft war, der zu seinen engsten Mitarbeitern grundkonservative Leute wie Schiele und Schlange- Schöningen gewann, diese wird vielleicht die Erinnerung an Brünings Einstellung zum 9. November zum Nachdenken anregen. Wenn man Herrn Dr. Brüning schon ein System zum Vorwurf machen will, so ist es das System der allmächtigen Bürokratie, das den Parteiabsolutismus abgelöst hat, sich aber nur deshalb so fest stabilisieren konnte, weil der Reichstag sich selbst ausgeschaltet hatte und die Opposition durch ihren Auszug aus dem Parlament auf ihre bedeutungsvolle Rolle im politischen Kräftespiel freiwillig verzichtet hatte, weil sie glaubte, außerhalb des Parlaments eher zur alleinigen Macht kommen zu können. Es ist einer der tragischen und vielleicht verhängnisvollen Augenblicke in der deutschen Nachkriegsgeschichte gewesen, als aus Gründen, die seitdem immer wieder erörtert worden sind, der Versuch nicht gelang, mit der Rechten auf eine Linie zu kommen. Vielleicht ist es auch heute noch nicht zu spät dazu, wenn auch das scharfe Aufeinanderplatzen der erhitzten Gemüter im Reichstag wenig Hoffnung läßt.
Der Bruderkampf, der jetzt zwischen einst eng» verbundenen Gliedern einer großen Rechten, die auch heute noch trotz allem eine starke gemeinsame Jdeenbasis haben, entfesselt wird, ist eine Ver- irrung, die schwere Gefahren für Staat und Nation , im Gefolge haben kann, wie auch immer der Wahl- I


