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I

Verluste in Höhe von 283 839 Mk. entstanden seien.

Erhöhtes Gehalt - persönlichen Verbrauch, alles bezahlt die Stadt.

In dem Bericht über die Punkte, die Dr. Kühn selbst betreffen, wird ihm jum. Dorwurf ge­macht, dah er sich entgegen der Entscheidung der Dienstaussichtöbehörde und entgegen dem Willen dec Stadtverordneten bis zum 30. Iuni 1930 er­höhte Gehaltsbezüge habe auszahlen lassen, wodurch die Stadt um rund 6500 Wk. geschädigt worden sei. Dom 1. Ianuar 1928 habe er aucb keine Zahlung für seinen Gas- verbrauch mehr geleistet, diese Kosten vielmehr aus die städtische Gebäudeverwaltung verbuchen lassen und dadurch die Stadt allein an Gasgeld um 1301 Wk geschädigt. Auch die Elektrizi­tät für seine persönlichen Zwecke habe er vom 1. Ianuar 1928 ab nicht mehr gezahlt, sondern die Stromkosten bei der Betriebsverwal­tung auf KontoSelbstverbrauch" verbuchen lassen. Derlust der Stadt an Stromgeld 2231 Mk Der Gesamtverlust der Stadt durch die von Dr. Kühn verweigerte Gas- und Stromzählung wird auf 3532,63 Mk beziffert. Die Rechnungen für den privaten Kohlenbezug wurden vom Herbst 1927 ab unberechtigterweise ebenfalls zu Lasten der Stadt verbucht und hierdurch vom 30. Rovember 1927 bis 4. Iuni 1930 ein Derlust von 2565 Mk. verursacht Weiter wird in dem Bericht erwähnt, dah die Kosten für Arbeiten im Garten von Dr. Kühn dem Haushaltstitel Oeffentliche Anlagen" aufgebürdet wurden und hierfür eine Ausgabe von 4738 Wk. entstand. Der Bedarf der Familie Kühn an Blumen und Topfpflanzen ist nach den Feststellun­gen des Berichtes sehr groh gewesen. Da unter diesen Umständen natürlich auch die Kosten hoch waren, gab Dr. Kühn Ende Dezember 1927 An- we sung. die Beträge für Blumenlieferungen aus der Stadtgärtnerei für seine Dilla nicht mehr bei ihm anzufordern,weil er sie nicht mehr zu bezahlen wünsche", da es sich hierbei um Repräsentations­verpflichtungen handele, für die er nicht auhu- kommen habe. Für die Zeit vom 1. Ianuar 1928 bis 30. Iuni 1930 bezog dann Dr. Kühn die Blumen kostenlos aus der Stadtgärtnerei, Der­lust für diesen Betrieb rund 3600 Wk.

Oer Ankauf von Teppichen nahm die Amtslätigkeit von Dr. Kühn ebenfalls in Anspruch. Er kaufte von einem Frankfurter Tep­pichhändler eine Anzahl Teppiche, von denen er einen «zur Fernhaltung des Staubes und zur Pflege" in seiner Wohnung auslegte. Lieber den Derbleib mehrerer Teppiche fehlt jeder Rachweis. Die Teppiche sind nach fachmännischem Urteil weit über ihren Wert bezahlt, so daß die Stadt durch dieses Teppichgeschäft einen Schaden von minde­stens 6000 Mark zu verzeichnen hat.

Oie CReifefäfigfeif

des Bürgermeisters und einer Anzahl weiterer Herren der Stadtverwaltung nimmt in dem Br- richt breiten Raum der Kritik ein. Die Reisekosten wurden auf die verschiedensten Derwaltungstitel verbucht, wodurch die Rachprüfung sehr er­schwert wurde. Gegen eine Anzahl Beamte wer­den in dem Bericht schwere Dorwürfe erhoben, u. a. bat) Reisen, für die hohe Beträge als Spesen erhoben wurden, nicht gemacht Worden seien, allerlei Luxusausgaben vorgekom­men wären usw. Gegen Dr. Kühn richtet sich die bemerkenswerte Feststellung, daß er für seine Reisen fast ausschließlich das städtische D i e n st a u t o, oder seinen Privatwagen benutzte, deren Unterhaltung. Steuern und Be­triebskosten zu Lasten der Stadt gingen, während er sich auch noch regelmäßig die Eisen­bahnfahrkarte 2. Klasse und Tagegelder in Höhe von 27 Mark, sowie Uebernachtungs» gelber habe zahlen lassen. In dem Bericht wird mit Derwunöerung sestgestellt, mit welcher Gut­gläubigkeit. wenn nicht Leichtfertigkeit die Reise­kosten für Dr. Kühn angewiesen und bezahlt wor­den seien; in diesem Zusammenhang heißt es wörtlich:

Maa kann ruhig behaupten, daß 80 Prozent, wenn nicht noch mehr der angeforderten

. Kosten fingiert sind."

Mit Befremden wird weiter vermerkt, dah Dr. Kühn 261,40 Mark Reisekosten für eine

Besichtigung des Walchenseekrastwerkes in der Zeit vom 8. bis 12. März 1930 bei der Be­triebsverwaltung zur Erstattung liquidierte, ob­wohl er in den genannten Tagen in Wetzlar zur Etatsberatung anwesend war und in der Stadtverordnetensihung vom 11. März 1930 sogar die Etatrede gehalten hat. In diesem Be­richtsabschnitt spielen auch sehr kostspielige R e i s e n nach Berlin, später nach Kiel und Rendsburg aus KontoFerngasversor- g u n g" noch eine Rolle, wobei sich Dr. Kühn für angebliche Dienstreisen vom 18. August bis 1. September 1929 (während er in ilr'a- b wa ), die in dem Bericht als Schwindel bezeichnet werden. 749.10 Mark bezahlen lieh. Eine Reihe ähnlicher Dorkommnisse wird in dem Bericht in allen Einzelheiten festgestellt. Dabei wird mit kritischen Bemerkungen registriert, daß die Anforderung der Gelder lediglich durch einfache Rotizzettel erfolgte und selbst nach der Amtssuspendierung des Bürger­meisters noch geheime Fäden von ihm zu der Der- waltung zwecks Heranschaffung des Geldes liefen.

Große Bilderkäufe

im Gesamtbeträge von 164 959 Mark, die zum größten Teil ohne Befragen der Stadt­verordneten vomBü g rmeister vorgenommen wurden und nun der Stadt starke Derluste bringen dürften, sehr erhebliche Aufwendungen für In­standsetzungen im Dienstzimmer des Bürger­meisters wie auch in seinem Hausgrundstück, für die ebenfalls die Stadtverordneten nicht gehört worden waren, verursachten der Stadt­kasse sehr große Ausgaben, die durch allerlei D u ° chungsmanipulationen unter aktiver Mitwirkung des Bürgermeisters und mit Hilfe von Nachgeordneten Dienststellen aus irgendeine Weise untergebracht wurden.

Mißbräuchliche Verwendung von Stiftungögeldern

rügt der Bericht ebenfalls, wobei festgestellt wird, daß das Geld vielfach nicht dem Zwecke zugeführt wurde für den es bestimmt war. Rundfunk- und Höhenfonnenanlage im Hause des Bürgermeisters auf Ko st en der Stadt fehlt im Rahmen dieses einzigartigen Derwaltungsbe- triebes auch nicht. Verwunderlich ist weiterhin, daß vom Finanzamt angemahnte Einkommen- steue rrückständeDr. Kühns au Stadt­rechnung verbucht wurden ebenso Kosten für Geburtstogs-Buketts und Blumensträuße, die von der Familie Kühn geschenkt worden find, aus der Stadtkasse aber zu bezahlen waren; Zigarren- und Zigarettenrechnungen für Dr. Kühn sind in diesem Zusammenhänge auch in den Belegen der Stadt­kasse verzeichnet.

Oie Bautätigkeit

mit zahlreichen wenig erfreulichen Begleiterschei­nungen hinsichtlich Reisespesen, Dispositionen über riesige Summen ohne Mitwirkung der Stadtver­ordneten (Kalsmunt, Stoppelbergturm usw ), eine StiftungLin genannt", in der aber nur städtische Vermögenswerte bin- und hergeschoben wurden, und kritische Beleuchtung von Spezialbau­kassen, mit denen allerlei dunkle Manöver vor sich g'ngen. bilden weitere umfangreiche Abschnitte des Berichts, in denen der früheren Verwaltung unter Dr. Kühn sehr kritische Vorhaltunoen gemacht werden. Hierbei spielt auch eine Maschen­draht-Affäre im Zusammenhang mit Kühns Iagdhausbau bei Werdorf eine Rolle, die wohl auch noch bei dem gerichtlichen Verfahren gegen städtische Beamte von starker Bedeutung werden wird.

Oer Polizeietat

wurde gleichfalls für die Machenschaften des Bür­germeisters beansprucht, wobei es sich insbeson­dere um A u t o k ä u f e und um allerlei Mani­pulationen mit den dafür aufgewendeten Summen handelte. Lieber den Polizeietat ging auch die Beschaffung von Iagdmunition für den Bürgermeister auf Stadtkosten, fer­ner lieh sich Dr. Kühn Beträge von zusammen rund 2666 Mark anweisen, die nach dem Unter» suchungsbericht fast ausschließlich fingierte Sachen als Unterlage haben. Ein Geheimfonds wird hier ebenfalls erwähnt, aus dem Ausgaben bestritten wurden, mit denen man die Stadt­verordneten nicht gerne belästigen wollte. Weiter wird in dem Bericht von der Fälschung von

Zch hab dir verzieh«! Vornan von Llotilde von Stegmann-Stein. Copyright by Martin Feuchtwange r, Halle.

28 Fortsetzung Nachdruck verholen

Das Lachen und Jauchzen der kleinen Rose­marie llang durch das leise Raunen des FlusseT, der zwischen den Wiesen von Tannenaue dahin- stromte. Dies war der schönste Spielplatz für das Kind, das eine merkwürdige Liebe zu dem fluten­den Wasser hatte und immer wieder nach der Stelle an dem kleinen Wiesenplatze verlangte. Die Kleine tappte mit nackten Füßchen durch das blumige Gras, das hier bis an den ganz flachen Fluß heranreichte. Das Kindermädchen sah mit einer kleinen Räherei dicht am Ufer, immer auf­merksame Blicke auf das spielende Kind werfend.

Rosemarie warf mit ihren kleinen ungeschickten Kinderhändchen einen roten Ball ins Gras und lief jauchzend nach. Da rollte der Ball ins Wasser, schwamm an eine Biegung und kreiste auf ein und derselben Stelle, von einem Strudel gefaßt. Rosemarie kroch aus allen vieren dem geliebten Spielzeug nach, gerade während das Mädchen angestrengt die Maschen der feinen Häkelspitze an dem Kiiwerkleidchen zählte.

Ein Schrei lieh sie auffahren. Sie sah mit Grausen den Hellen rosa Luftkittel des Kindes im Wasser. Schon war er mitten im Fluß; mit einem Entsehenslaut eilte das Mädchen zum Ufer, ohne Hllfe bringen zu können.

Da plötzlich sprang hinter einer Weide eine fremde Männergestalt hervor, die dort schon lange gestanden haben mochte, warf das Jackett ab unb schoß mit einem kühnen Sprung in ben aufschäu­menden Fluß.

Wit heftigen Stößen hatte der Fremde, ben das Mädchen für einen Gutsarbeiter hielt, das trei­bende Kind gefaßt, hielt es hoch überfein Wasser und kehrte nach einigen Minuten mit der Ge­retteten zurück. Mit einem Jubelschrei riß das Mädchen das zitternde und schreiende Kind an sich und achtete in seiner Freude nicht auf den Mann, der jetzt schwer atmend zurücksank in das Gras und mit bleichem Gesicht wie tot dalag.

Birgit kam über die Drücke gelaufen. Sie hatte die Schreie gehört, und eine dumpfe Ahnung hatte sie hierhergefuhrt. Mit einem Blick sah sie, was geschehen. Mit einem Ruck riß sie das Kind an ihr Herz und liebkoste es im Gefühl des Wieder- geschenktseins. Dann erst fiel ihr Blick auf den bleichen Mann im Grase, und ein tödlicher Schreck durchfuhr sie.

Hastig wandte sie sich an das Mädchen.

Geh. so schnell du kannst das Kind muß ins Bett. Rufe den Arzt an und schicke mir Mam­sell Stülpnagel mit trockenen Sachen vom Grafen Friedrich; hole etwas Wein. Eile dich und sprich nicht über den Vorfall, wir wollen den Herrn nicht unnütz erschrecken."

Kaum war das Mädchen hinter den Hecken ver­schwunden, als sich Birgit über den schwer at­menden Retter ihres Kindes beugte. Sie hatte ihn sofort erkannt.

Und nun schlug Hans Egon die Augen auf und sah Birgits Gesicht über sich geneigt. Ein schwaches Lächeln erhellte seine Züge.

Birgit", kam es von seinen Lippen. Sie hörte erschüttert den neuen Ton in seiner früher so herrschsüchtigen Stimme. Aller Groll verflog, als sie ihn hier so elend und verändert wiedersah. Sie strich ihm sanft über die feuchte Stirn.

Mühsam versuchte Hans Egon sich aufzurichten.

Ich muh fort von hier", stammelte er,ich darf dich und dein Glück nicht stören. Ich wollte nur einmal mein Kind sehen."

Dein Kind", flüsterte Birgit,das du gerettet hast."

Er schloß die Augen, wie um dem Tränenstrom Einhalt zu gebieten, der aus seinem erschütterten Gemüt drängte.

Ich danke dir, Gott", sagte er leise,daß du mich für würdig gehalten hast, an meinem Kinde zu sühnen, was ich verbrochen habe. Aber" wieder machte er einen krampfhaften Versuch, sich aufzurichtenlaß mich gehen, Birgit, damit nicht neue Unruhe über dich und deinen Mann kommt."

Meinen Mann?" Birgit stutzte, dann verstand sie. Sie atmete mühsam; wie Weh tat ihr Herz. Aber sie sagte gleichmäßig und liebevoll:Du bist mein Mann, Hans Egon. Kennst du mich so schlecht, daß du glauben konntest, ich hätte mich von dir abgewandt? Gott hat uns zusammenge-

Rechnungen gesprochen, in die Dr. Kühn bis zu einem gewissen Grade mit verwickelt war. Es handelte sich dabei um Rechnungen für Auto­reparaturen und Autokäufe, bei denen die Stadtkasse in unberechtigter Weise in An­spruch genommen wurde. Auch in diesem Zu­sammenhänge wird in dem Bericht hervorgehoben, daß Dr. Kühn nach seiner Suspendierung immer noch übet geheime Kanäle verfügte, die ihm solche Schiebungen gestatteten". Eine Rechnung verschwand sogar eine Zeitlang aus dem Geschäftsgang, als Gefahr durch die Untersuchung seitens der Regierung drohte, und tauchte viel später wieder auf. Fer­ner wird in dem Bericht von der Beseiti­gung bzw. Verbrennung von Akten und Briefen in Gegenwart von Dr. Kühn gesprochen. Die verschiedenen Autokäufe spielen bei der Berichterstattung eine große Rolle, auch von Provisionszahlungen an D r. Kühn ist dabei die Rede; allerdings ist diese Provision später an die Stadt zurückerstattet wor­den, weil, wie Kühn sich einmal geäußert hatte, die Sache in Wetzlar nicht dicht geblieben fei

Verbilligte Kinderfahrten."

Eingehende Mitteilungen überverbilligte Kinderfahrten" der Verkehrs-AG. vernimmt man aus dem Bericht eben­falls, wobei es sich aber um Finanzmanipula­tionen handelte, bei denen der Bürgermeister Ruhnießer war. Aus diesem Töpfchen kam auch ein anständiger Betrag, der für eine Rund­reise Kühns mit dem Auto durch S ü d f r a n k- r e i ch unb Italien Verwenbung fand. Auto­reparaturrechnungen bes Bürgermeisters wür­ben auf bie Polizeiverwaltung Wetzlar um« geschrieben unb aus ber großen Kasse be­zahlt.

Oas Schlußergebnis

aus ben zahlreichen Abschnitten des Berichtes, von denen hier nur ein Teil auszugsweise an­geführt werden konnte, geht dahin, daß die Stadt Wetzlar an direkten Verlusten durch Dr. Kühn, soweit überhaupt fe st zu st el- le n war, die Summe von 62 400 Mark zu verbuchen hat, jedoch sind in dieser Summe noch nicht alle Forderungen enthalten, die eigent­lich hätten erhoben werden müssen, so z. B. der Ankauf der Teppiche. Im Dergleichswege hat Frau Kühn der Stadt Wetzlar eine Abstands­summe von 15 000 Mark, ferner das Jagd­haus Werdorf und einige Grundstücke über­geben, die insgesamt eine Leistung von 20 000 Mark darstellen. Die Werdorser Jagd- Ha u s a f f 2 r e ist in dem Llntersuchungsbericht nicht behandelt, da in dieser Hinsicht die Staats­anwaltschaft in Aktion treten muß. Die Frage, wie Dr K ü h n es fertiga-bracht habe berartme Manipulationen zu betreiben, ohne schon früher daran zu scheitern, wird in dem Bericht dahin beantwortet, daß Dr. Kühn seinen Beamten streng verboten hatte, Auskünfte an neugierige Stadtverordnete zu ge­ben, und die Beamten sich fürchteten, auch nur die einfachste Auskunft zu erteilen, well sie sonst von Dr. Kühn Rachteile für ihre Stellung zu gewärtigen hatten.

Zum Schluß dankte Stadtv. Schellenberger als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses dem jetzigen Bürgermeister Dr. Bangert für die ihm zuteil gewordene Llnterstühung. und den Mitgliedern des Untersuchungsausschusses für ihre aufopfernde Mitarbeit. Rach Dankesworten des Bürgermeisters Dr. Bangert an den Un­tersuchungsausschuß für die geleistete große Ar­beit fanb die Versammlung ihr Ende. In eine Aussprache über die ganze Angelegenheit soll am Montag, 8. Februar, eingetreten werden.

Vier Verletzte

bei einer Benzinexplosion.

WSN. Mainz, 27. Jan. In der Küche eines Hauses am Nömerlager ereignete sich eine folgen­schwere Benzinerplosion, durch die vier Personen erheblich verletzt wurden. In Anwesenheit einer Nachbarsfrau waren die Frau eines Eisenbahnsekretärs unb deren Schwester da­mit beschäftigt, Wäsche mit Benzin zu rei­nigen. Durch einen Windstoß durch das geöffnete Fenster wurden die Benzindämpfe nach dem

Landsegeln mit 60 Kilometer naesckwindialeit

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Der junge Berliner Ingenieur Wolfgang von Bolton hat jetzt mit seinemSegelwagen" ein neuartiges Sportgerät konstruiert, das einschließlich des Segels nur 35 Kilogramm wiegt Es erreichte bei den Der- suchsfahrten Geschwindigkeiten bis zu 60 Kilometer in der Stunde. Sein Anschaffungspreis ist kaum höher als der eines Fahrrades.

brennenden Küchenherd getrieben unb entzündeten sich. Die Flasche explodierte und eine nächtige Stichflamme füllte plötzlich den Küchenraum, wodurch die drei Frauen erhebliche Brandwunden im Gesicht und an den Händen erlitten. Außerdem gerieten die Kleider einer ber Frauen in Brand, der aber durch den auf das Hilfegeschrei hinzukom- menden Ehemann erstickt wurde. Dabei zog sich der Ehemann nicht unerhebliche Brandwunden an den Händen zu. Der bei der Explosion entstandene Küchenbrand konnte von Hausbewohnern gelöscht werden. Die vier verletzten Personen mußten dem Krankenhaus zugeführt werden.

Oberbeffen.

Landkreis Gießen.

O Lollar, 26. Ian. Am Samstagabend hielt ber Turnverein Lollar im Saalbau ,Lur Linbe" fein Winteroergnügen ab. Der 2. Vorsitzende L. Wagner hielt die Begrüßungsansprache. Dann zeigten alle Abteilungen vortrefflich durchgeführte turnerische Darbietungen Lauf- und Hüpfübungen, Körperschule und Bewegungsspiele der Schülerinnen, Keulenübungen der Turnerinnen, Turnen am Pferd, Barren unb Reck ber aktiven Turner, Freiübungen unb sonstige Vorführungen ber Schüler letzten Zeugnis bavon ab, daß im Verein mit viel Liebe unb Sorgfalt gearbeitet würbe. Reicher Beifall würbe ben Turnern unb Turnerinnen zuteil. Die Kapelle L tz n ck e r umrahmte bie Veranstaltung mit Musik. Die ordentliche H a u p t v e r s a m m. lung des Turnvereins war gut besucht. Der 1. Vorsitzende, Bürgermeister Schmidt, wies auf die erfolgreiche Tätigkeit des Vereins im abgetan- fcnen Jahre hin und gedachte ber beiben verstor­benen Mitglieder, Heinrich A r n o l b unb Gerhard Fuchs. Aus dem Turnbericht des Turnwartes war zu entnehmen, daß die turnerische Betätigung auf allen Gebieten erfolgreich war. 93 Turnstunden fan­den statt und 130 Preise wurden bei den verschie­denen Wettkämpfen errungen (14 erste, 21 zweite und 8 dritte Preise). Aus der Tätigkeit ber Sport­abteilung ist zu berichten, baß eine 1., eine 2., eine Lehr- unb eine Iugeubfußballmannschaft bestehen, bie zusammen 75 Spiele burchführten. Eine 1., eine 2. und eine Jugenbhanbballmannschaft bestritten ins. gesamt 49 Spiele. Die von bem 1 Rechner ßubroig Agel vorgetragene Rechnung weist in Einnahme 2028 Mark, in Ausgabe 1926 Mark nach. An Bar- uermögen finb 221 Mark, an Sachwerten 3400 Mark 1 eingestellt. Auf Vorschlag des Vorstandes wurde eine

führt, da dürfen wir Menschen uns nicht scheiden. Rie lasse ich dich in diesem Zustand fort von uns. Erst muht du neue Kräfte sammeln, später sollst du alle Freiheit haben, die du wünschest. Viel­leicht aber gelingt es uns, unser zerstörtes Leben neu aufzubauen."

*

In dem kleinen Försterhause mitten im Tannen- walde, eine halbe Stunde vom Schlosse entfernt, wurde Hans Egon untergebracht. Er hatte sich mit wilder Angst geweigert, sich vor den Men­schen und im Schlosse zu zeigen. So war der alte treue Förster von Birgit eingeweiht worden.

Auch er war aufs tiefste erschüttert von der Veränderung, die mit seinem einst so schönen, lebenslustigen Herrn vorgegangen. Wer hätte auch in dem mageren, blassen, stillen Manne den eleganten Kavalier von einst wiedererkannt? Aber um so liebevoller widmete er sich der Pflege und Wiederaufrichtung des Grafen. Seine Frau, die frühere Mamsell des Schlosses, wetteiferte mit ihm in der Fürsorge für den Kranken, immer von neuem angefeuert von Birgit, die es sich nicht nehmen ließ, mehrmals in der Woche nach Hans Egon zu sehen, denn eine schwere Lungenentzün­dung hatte feinen geschwächten Körper erfaßt, und was dem ersten Angriff des Schicksals nicht gelungen war, das wollte diese letzte Attacke voll­enden. Birgit hatte den alten Sanitätsrat Siewert ins Vertrauen gezogen und er war es auch, der sie darin bestärkte, den Grafen Friedrich, der jetzt mitten in den Sorgen der Erntezeit stand, das Auftauchen des Bruders zu verschweigen.

Wohl hatte es Birgit schwere Kämpfe gekostet, vor Friedrich ein Geheimnis zu haben, aber wenn sie des Abends seine abgespannten Züge iah, wenn sie ihn vor Tau und Tag schon hinaus- gehen sah zu feiner anstrengenden Tätigkeit, die et ohne einen tüchtigen Inspektor durchführen mußte, dann versagte ihr der Mut. Sie konnte ihn jetzt nicht noch mit einer persönlichen Sorge be­lasten. So schwieg sie und trug allein die Rot um das Leben des Mannes, der einst ihr Schicksal bestimmt hatte.

Sie konnte um so mehr ihre Wege zu Hans Egon heimlich machen, als Friedrich halbe Tage vom Hause fort und draußen auf den weiter ent­fernten Feldern des Gutes beschäftigt war. Das Kind hatte nach einem tiefen, gesunden Schlaf

feine alte Frische und Fröhlichkeit wiedergefunden, und nur der Spielplatz am Wasser war jet)t streng verbotenes Gebiet geworden.

Die Krise in der schweren Erkrankung Han» Egons war dank der aufopfernden Pflege aller Beteiligten für den Kranken glücklich vorüber- gegangen. Das erste Rot der Genesung blüht« auf seinen blassen Zügen.

Wenn Birgit mit einer kleinen Erfrischung oder einem schönen Blumenstrauß vor dem Förster­hause ankam, leuchteten ihr die klarer werdenden Augen des Genesenden mit tiefer Dankbarkeit entgegen. Rie fiel ein Wort von der Vergangen­heit zwischen ihnen. Aengstlich vermied Birgit alles, was den langsam Genesenden an das Schwere erinnern mochte, das er hinter sich hatte, Dis er eines Tages selbst das Schweigen brach und Birgit bat, ihm zuzuhören.

Ich werde nicht eher wirklich gesunden, ehe du alles weißt, Birgit."

Sie wollte abwehren, er aber blieb unbeugsam.

Birgit, es muh fein, um Klarheit zwischen unS zu schaffen. Gönne mir die Beichte, die mich viel­leicht ein wenig von dem schweren Schuldgefühl erlösen wird, das ich dir gegenüber trage.

..So sprich!" sagte sie, obwohl sie fürchtete, dah sie dem Ansturm der bitteren Erinnerungen nicht ohne Erschütterungen würde standhalten tonnen.

Er beichtete. Er beichtete schonungslos. Er ver­barg ihr nichts, obgleich er das Rot auf ihren Wangen kommen und gehen sah, obgleich sie mit­unter das Gesicht abwandte, wie um ihr tiefes Entsetzen zu verbergen. Aber als er am Schluß seiner Deichte war, als er verzweifelt nach ihrer Hand griff und fragte:Kannst du mir nach alledem wirklich verzeihen, so verzeihen, daß auch mein Gewissen Ruhe findet?", da sprach sie:

Ich habe nicht gewußt, dah das Leben so wirr sein kann, ab,er vielleicht verlangt das Schicksal von uns, dah wir auch das erkennen und ver­stehen. Was du tun konntest, um zu sühnen, hast du getan.

Vielleicht konnte ich noch etwas mehr tun", sagte er, und zum ersten Male ging es wie ein hoffnungsvoller Schimmer über fein Gesicht.Auch dein Vater wird wieder zu seinem Recht kommen."

Und er erzählte in kurzen Zügen, was er in Hamburg ausgerichtet hatte.

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